1796

[1] 11/3250.

An Friedrich Schiller

Nur soviel will ich in der Kürze melden: daß endlich die Möglichkeit erscheint mich von hier los zu machen, und daß ich morgen, zwischen drey und vier, bey Ihnen einzutreffen hoffe. Ich freue mich sehr Sie wieder zu sehen.

W. d. 2. Jan. 96.

G.


11/3251.

An Christian Gottlob Voigt

Der Beckerische Brief ist bey mir liegen geblieben. Wenn Sie ihm schreiben, so haben Sie ja wohl die Güte ihm zu sagen: daß ich selbst antworten und wo nicht gleich zu dem nächsten doch gewiß zu dem folgenden Taschenbuch etwas beytragen werde.

Freytags wird bey mir alles bereit seyn die Gesellschaft zu empfangen, Sie haben ja wohl die Güte meine Stelle zu vertreten. Ich wünsche recht wohl zu leben. W. d. 3. Jan. 1796.

G.


[2] 11/3252.

An Carl Ludwig von Knebel

Da ich auf einige Zeit nach Jena gehe, wünsche ich dir wohl zu leben in deiner einsamen Hütte. Hiebei schicke ich eine Rolle Geld; es ist das Ordinarium von der Herzogin. Die 600 Rthlr. werden auch halb anlangen. Danke Herder für seinen Besuch am Neujahrstag, bitte ihn, uns doch auch bald etwas vorzulesen. Ich hoffe in Jena fleißig zu sein. Lebe wohl.

3. Januar 96.

G.


11/3253.

An August Wilhelm Iffland

[Concept.]

Unsere Hoffnung Sie hier zu sehen ist auf eine zu empfindliche Weise getäuscht worden, als daß ich nicht wünschen sollte Sie möchten, zu irgend einer andern Zeit, die Reise zu uns unternehmen. Vor oder nach Ostern würde ein günstiger Zeitpunct seyn, selbst wenn Sie in der Charwoche kämen, in welcher wir nicht spielen, man könnte sich durch Proben auf die Osterfeyertage vorbereiten. Möchten Sie doch, wenn auch nur kurze Zeit, bey uns die traurigen Scenen vergessen, von denen Sie nun schon so lange Zeuge sind. Wollten Sie mir gelegentlich die Rollen nennen, in denen Sie aufzutreten wünschen, so könnte ich, wenn sie noch nicht einstudirt sind, darauf einige Vorbereitung machen. Ich wünsche recht wohl zu leben.

W. d. 4. Jan. 1796.


[3] 11/3254.

An Johann Gottfried Herder

[Anfang Januar.]

Der Herzog hat mir vor seiner Abreise gesagt, daß man mir 600 Rthlr. von der Kammer auszahlen werde, über welche ich, als über eine mir von Serenissimo aufgetragne Ausgabe, quittiren und dir sie einhändigen solle. Welches ich auch zu thun bereit bin, obgleich es ebenso gut durch eine Quittung des Herrn Geheimerath Schmidts, aus dessen Händen du nachher das Geld erhalten kannst, abgethan werden kann.


11/3255.

An Carl Ludwig von Knebel

... Aus meinem Hause wird man dir melden wenn die 600 rh. für Herder anlangen. Es wäre mir lieb wenn du sie alsdann eines Abends selbst abholen und an die Behörde schaffen wolltest, ohne Aufsehen und damit man selbst bey mir nicht wüßte wo sie eigentlich hinkommen. Lebe recht wohl in deiner Einsamkeit, ich befinde mich vergnügt und meine Arbeit geht von Statten.

Jena d. 6. Jan. 96.

G.

Ich habe Ordre gestellt, daß das Geld entweder dir selbst oder deinem Bedienten gegen Quittung soll verabfolgt werden.


[4] 11/3256.

An Christiane Vulpius

Ich muß dir nur sagen, meine liebe, daß es mir ganz wohl geht. In acht Tagen hoffe ich mit dem siebenten Buche zu Stande zu seyn, und dann werde ich vergnügt zurück kehren. Alle Morgen gehe ich spazieren und die Abende war ich bey Schiller. Nun bin ich auf drey Abende in die Stadt geladen und damit geht die Zeit so hin. Das Wetter begünstigt mich sehr und in allem befinde ich mich leidlich. Die Götzen kocht nicht übel, nur, weil sie im Ofen kocht, sind die Sachen wohl einmal rauchrigt. Vor einigen Tagen hatte ich Gäste die mir meinen Keller ziemlich aufräumten. Dagegen hat Herr v. Milkau mir wieder Engl. Bier zukommen lassen. Lebe recht wohl. Der Presskopf und das Leberwürstchen dauert noch. Von Wein schicke mir etwas Werthheimer, aber kein Bier. Lebe wohl grüße Gusteln und behalte mich lieb.

Jena d. 8. Jan 1796.

G.


11/3257.

An Christiane Vulpius

Du besorgst, mein liebes Kind, die inliegenden Packete nach den Aufschriften.

Mir geht es recht wohl und ich werde wohl mein siebentes Buch zu Ende bringen.

[5] Wenn du auf den Sonntag, wird seyn der 17te, wohl bist und es hübsch Wetter ist; so könntest du mich abholen. Du müßtest aber unsern gewöhnlichen Kutscher nehmen, denn der letzte Wagen stieß abscheulich.

Du kämst morgens bey Zeiten und äßest mit mir und wir führen etwa um drey Uhr wieder ab.

Schreibe mir gleich Antwort ob du kommen willst, damit ich mich darauf einrichte.

Auf alle Fälle schickst du mir den Wagen; aber, wie schon gesagt, den gewöhnlichen. Wenn du kommst bringst du das Bübchen mit. Grüße es recht schön, und behalte mich lieb, ich freue mich dich hier zu sehen.

Jena d. 12. Jan. 1796.

G.


11/3258.

An Christiane Vulpius

Ich erwarte dich mit Freuden, mein liebes Herz, auf den nächsten Sonntag früh. Das Wetter wird hoffentlich gut bleiben, nimm aber doch meinen Pelz mit und wickle dich und das Kind recht ein. Mein siebentes Buch ist fertig und das achte wird auch bald nachfolgen. Wie angenehm ist mirs daß ich dencken kann dich bald in meiner Stube zu sehen. Du fährst nur gleich im Schloße an und ich will bestellen daß das Bübchen aufs Kabinet kann. Lebe recht wohl und liebe mich. Jena d. 15. Jan. 96.

G.


[6] 11/3259.

An Carl Ludwig von Knebel

[18. Januar.]

Hierbey der versprochne Almanach. Das Geld ist bey mir angelangt. Ich wollte du möchtest es heute Abend selbst bey mir abholen. Es ist meist in Golde und nicht schwer zu tragen, damit es nicht durch viele Hände gehe. Lebe recht wohl.

G.


11/3260.

An Friedrich Schiller

Vielen Danck für die schönen Exemplare, hier kommt ein geringeres zurück. Jedermann spricht gut von dem Almanach. Es ist eine allgemeine Nachfrage darnach.

Die Epigramme sind noch nicht abgeschrieben, auch fürchte ich Sie werden mir so vorauslaufen daß ich Sie nicht einhohlen kann. Die nächsten vierzehn Tage seh ich wie schon verschwunden an. Die neue Oper wird uns noch viel zu schaffen machen, es wird aber auch ein lustiges und erbauliches Werck. Leben Sie recht wohl und haben noch tausend Danck für alles Gute und Liebe. Sobald als möglich besuche ich Sie wieder.

W. d. 20. Jan. 96.

G.


[7] 11/3261.

An Johann Heinrich Meyer

Weimar den 22. Januar 1796.

Es ist recht schön, daß gleich anfangs unsere Briefe im Wechsel gegangen sind, auf diese Weise können wir öfter Nachricht von einander haben.

Ihren Brief vom 12. Dec. habe ich in Jena erhalten, wo ich mich aufhielt um das siebente Buch meines Romans in Ruhe zu schreiben. Schiller grüßt Sie bestens. Wir sind jetzt im Gusto Disticha, zu Ehren unserer Freunde, zu machen, wovon ich Ihnen einige beylegen werde. Sie sollen bald die Briefe für Neapel haben, um sich solcher nöthigenfalls bedienen zu können, ich hoffe auch bis dahin eine Auszahlung an Heigelein zu bewirken. Über Ihre Entdeckung freue ich mich sehr, und ich bin überzeugt daß Sie nach und nach eine reiche Erndte finden werden und danke für die Nachrichten, ob sie gleich nicht alle tröstlich lauten. Ich wünsche Glück zu den Spaziergängen auf Piazza Navonna.

Geben Sie doch auf die letzten Stücke der Horen acht, worin vielsagende Abhandlungen Schillers über die naiven und sentimentalen Dichter stehn, auch werden Sie, in den ersten Stücken der Litteraturzeitung dieses Jahres, das Elogium des poetischen Theils der Horen lesen, worüber sich die Widersacher männiglich erzürnen werden.

[8] Wenn Ihnen ein kleines Buch begegnet: Le Antichita di Roma per Lucio Mauro Appresso le statue antiche per Ulisse Aldrovandi, so sehen Sie doch hinein. Es ist merkwürdig, wegen des Anhanges, in welchem Aldrovandi die Antiken recensirt, wie sie zu seiner Zeit in öffentlichen und Privatgebäuden zu Rom standen. Auch habe ich eine kleine Schrift gefunden die sehr interessant ist, sie führt den Titel: Quaestiones Forcianae und ist ein Dialog in gutem Latein, in welchem die Sitten und Arten der verschiedenen Bewohner Italiens, mit großer Freymüthigkeit, gegen einander gestellt werden. Es mag in der Hälfte des 16. Jahrhunderts geschrieben seyn, ging lange im Manuscript herum und ward zuletzt, nicht ohne Verdruß des Herausgebers, gedruckt. Ich will sehen, daß ich einen tabellarischen Auszug daraus mache, um den Überblick der Verhältnisse zu erleichtern, und Sie sollen alsdenn eine Abschrift erhalten, die Ihnen gewiß Vergnügen machen wird. Sie sehen, daß ich, indem Sie aus den lebendigen Quellen schöpfen, fortfahre, mich aus Büchern vorzubereiten, wodurch wir denn doch, wie Sie auch bey Ihren perusinischen Nachrichten bemerken, im Suchen und Untersuchen sehr gefördert werden müssen. Auch fahre ich fort, indem Sie der heiligen Form huldigen, dem Element, der Masse, und den geringeren Organisationen nachzuspüren. In alle die Fächer, deren Liebhaberey Sie mir kennen, wird täglich etwas neues eingebracht.

[9] Wir haben hier unglaublich schönes Wetter, meist heitern Himmel und oft wahre Sommertage, wie sieht es damit in Rom aus?

Was Sie zu den Horen schicken, wird sehr willkommen seyn. Suchen Sie ja auch etwas brauchbares von andern zu erlangen. Schiller wünscht selbst einige Zeit pausiren zu können und ich kann ihm, wegen des Romans und wegen anderer Umstände, nicht so wie ich wünschte beystehen.

Ich habe den Brief von Uden an Böttiger gesehen, der mir recht wohlgefällt. Beobachten Sie doch diesen Mann und sehen Sie in wie fern es räthlich wäre sich mit ihm einzulassen? worauf er gesammelt und was er vorzüglich beobachtet hat? Wir können ihm aus alle Fälle seine Arbeiten besser bezahlen als ein Buchhändler thun würde (siehe Böttchers Brief). Sehen Sie doch auch, was Hirt etwa besitzt und was man dem abnehmen könnte. Wir brauchen und dürfen uns ja im Anfang nicht merken zu lassen wo wir hinaus wollen.

Die acht großen Poussins wovon ich schon zwey besaß, habe ich durch die Aufmerksamkeit und Vorsorge der regierenden Herzogin, aus der Frauenholzischen Auction bekommen, leider sind 4 davon sehr ausgedruckt und 4 aufgestochen, so daß man nur die Ideen davon noch sehen kann. Wenn Ihnen alte Abdrücke begegnen, so versäumen Sie ja nicht sie einzukaufen, hier ist das Verzeichniß.


[10] Dedicirt an den König Ludwig XIV.

1. Gegend am Ätna. Polyphem sitzt auf dem Gipfel des Felsens, unten Feldarbeiter, ein Flußgott und Nymphen.

2. Diogenes und der Jüngling der aus der Hand trinkt.

3. Der Mann von der Wasserschlange umwunden, die verschiedenen Stufen des Schreckens und der Furcht.

4. Orpheus und Euridice, der Hintergrund dem Kastel St. Angelo ähnlich.


Dedicirt an den Herzog von Bourbon.

1. Phocions Begräbniß (besitz ich).

2. Eine Heerstraße, ein Mann der Wasser schöpft, ein Mann und Weib ruhend.

3. Phocions Grab (besitz ich).

4. Ländliche Gegend, großer Wassernapf im Vordergrund, ein Alter wäscht die Füße, gegenüber, an einem Monument, ein Jüngling und ein Mädchen sitzend. Was Sie von den Pfuschereyen in der Villa Borghese schreiben ist freilich traurig, doch geht es bey uns nicht besser und wir können also von dort her Trost schöpfen. Des Bauens und Anlegens aus dem Stegereife und ohne Riß und Plan ist kein Ende, man fürchtet sich vor einer großen Idee, die auszuführen und vor einer großen Summe, die auszugeben ist; aber eben diese Summe nach und nach für Anstalten [11] zu verzetteln die man am Ende gern wieder wegkaufte, muß unglaublich reizend seyn. So will es das unerbittliche Schicksal der Menschen und dabey mags denn auch bleiben. Leben Sie recht wohl. Hier noch einige Disticha und ein Blat von Böttcher.

d. 25. Jan. 1796.

G.


Der Teleolog.

Welche Verehrung verdient der Weltschöpfer, der gnädig,

Als er den Korkbaum erschuf, gleich auch die Stöpsel erfand.


Der Antiquar.

Was ein christliches Auge nur sieht erblickt ich im Marmor:

Zeus und sein ganzes Geschlecht grämt sich und fürchtet den Tod.


Der Kenner.

Alte Vasen und Urnen! Das Zeug wohl könnt ich entbehren,

Doch ein Majolica-Topf machte mich glücklich und reich.


11/3262.

An Friedrich Schiller

Die nächsten acht Tage werde ich ein sehr buntes Leben führen. Heute kommt die Darmstädter Herrschaft, morgen ist Cour, Diné, Concert, Soupé und Redoute. Montag Don Juan. Die übrige Woche geht auf Proben hin, denn den 30. sind die Advokaten [12] von Iffland und den 2. die neue Oper. Dann will ich aber auch mich wieder sobald als möglich sammeln und sehen was ich leisten kann. Das achte Buch erscheint mir indessen oft zwischen allen diesen fremden Gestalten durch und ich hoffe, es soll sich nun bey der ersten Gelegenheit auch fertig machen.

In den letzten Epigrammen die Sie mir senden ist ein herrlicher Humor, und ich werde sie deßhalb alle abschreiben lassen, was am Ende nicht in der Gesellschaft bleiben kann, wird sich wie ein fremder Körper schon separiren.

Sie verlangten Papiertapeten, so wie die Bordüren sind hier, fertig, nicht zu haben, ich schicke hier Muster von beyden aus Franckfurt. Das Stück Tapete ist eine Elle breit und hält zwanzig Ellen. Sie müßten also zu 63 Ellen 4 Stück nehmen und behielten so viel übrig. Das Stück kostete vor einem Jahre 1 Gulden 20 Kreuzer. Von der beykommenden Bordüre hält das Stück 40 Ellen und kostet 3 1/2 Gulden, Sie brauchten also davon 2 Stück. Sie steht auf grün sehr gut, wollte man sie lebhafter haben, so giebt es auch schöne Rosenbordüren von derselben Breite. Wenn Sie mir die Muster geschwind zurückschicken, so könnte ich Montag Abends nach Frankfurt schreiben, und Sie würden das verlangte doch ziemlich bald erhalten, mehr Umstände macht es wenn man hier die Papiere wollte färben lassen, besonders da [13] Eckebrecht gegenwärtig sehr mit den Decorationen beschäftigt ist.

Leben Sie recht wohl und genießen des schönen Wetters. d. 23. Jan. 96.

G.


11/3263.

An Paul Wranitzky

[24. Januar.]

Aus beiliegendem Aufsatz werden Sie sehen, was von dem Texte der Oper, wonach Sie sich erkundigen, erwartet werden kann. Ich wünsche bald Nachricht von Ihnen zu hören, ob der Theaterdirektion meine Bedingungen angenehm sind? Da ich denn bald Anstalt machen würde, meine Arbeit zu vollenden. Es sollte mir sehr angenehm sein, dadurch mit einem so geschickten Manne in Konnexion zu kommen. Ich habe gesucht, für den Komponisten das weiteste Feld zu eröffnen, und von der höchsten Empfindung bis zum leichtesten Scherz mich durch alle Dichtungsarten durchzuwinden. Ich wünsche indessen recht wohl zu leben.

P. M.

Der große Beyfall, den die Zauberflöte erhielt, und die Schwierigkeit ein Stück zu schreiben das mit ihr wetteifern könnte, hat mich auf den Gedanken gebracht aus ihr selbst die Motive zu einer neuen Arbeit zu nehmen, um sowohl dem Publiko auf dem [14] Wege seiner Liebhaberey zu begegnen, als auch den Schauspielern und Teather-Directionen die Aufführung eines neuen und complicirten Stücks zu erleichtern. Ich glaube meine Absicht am besten erreichen zu können indem ich einen zweyten Theil der Zaubertflöte schriebe, die Personen sind alle bekannt, die Schauspieler auf diese Charaktere geübt und man kann ohne Übertreibung, da man das erste Stück schon vor sich hat, die Situationen und Verhältnisse steigern und einem solchen Stücke viel Leben und Interesse geben. In wie fern ich meine Absicht erreicht habe, muß die Wirkung zeigen.

Damit dieses Stück sogleich durch ganz Deutschland ausgebreitet werden könnte, habe ich es so eingerichtet, daß die Decorationen und Kleider der ersten Zauberflöte beynahe hinreichen um auch den zweyten Theil zu geben. Wollte eine Direction mehr darauf verwenden, und ganz neue dazu anschaffen; so würde der Effect noch größer seyn, ob ich gleich wünsche daß, selbst durch die Decorationen, die Erinnerung an die erste Zauberflöte immer angefesselt bliebe.

J. W. v. Goethe.


[Concept.]

Meine Bedingungen sind: Einhundert Dukaten und eine vollständige Partitur für das hiesige Theater welche jedoch nicht weiter communicirt werden soll. Ich verspreche dagegen den Text selbst binnen einigen Jahren nicht wieder abdrucken zu lassen, und wünschte [15] bald zu erfahren ob man das Stück unter diesen Bedingungen zu acquitiren denckt, ich würde alsdann sobald als möglich die letzte Hand daran legen und die Zeit näher bestimmen in welcher ich es übersenden kann.

Sollten sich bey der Composition und Aufführung in einem oder dem andern Punkte Schwierigkeiten finden; so erbiete ich mich auf geschehene Anzeige die Stellen...


11/3264.

An Friedrich Schiller

Mit der ganzen Sammlung unserer kleinen Gedichte bin ich noch nicht zu stande, hier kommt einstweilen mein Beytrag von dieser Woche. Wenn wir unsere vorgesetzte Zahl ausfüllen wollen, so werden wir noch einige unserer nächsten Angelegenheiten behandeln müssen, denn wo das Herz voll ist, geht der Mund über, und dann ist es eine herrliche Gelegenheit die Sachen aus der Studierstube und Recensentenwelt in das weitere Publicum hinaus zu spielen, wo dann einer oder der andere gewiß Feuer fängt, der sonst die Sache hätte vor sich vorbeystreichen lassen.

Mir fangen diese Tage nun an recht bunt zu werden, man übernimmt immer mehr als man ausführen kann. Leben Sie wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau. Weimar den 27. Januar 1796.

G.


[16] 11/3265.

An Friedrich Schiller

Der erste Act wäre überstanden! ein Aufzug, den ich zur gestrigen Redoute arrangiren half, es ging alles gut ab, obgleich der Saal übermäßig voll war. Da man jetzt bloß in Distichen spricht, so mußte der türkische Hof selbst sein Compliment an die Herzogin in dieser Versart darbringen, wie Sie aus der Beylage sehen werden. Eine andere Gesellschaft hatte einen Zug von gemischten Masten aufgeführt, unter welchen sich ein paar Irrlichter sehr zu ihrem Vortheil ausnahmen, sie waren sehr artig gemacht und streuten, indem sie sich drehten und schüttelten, Goldblättchen und Gedichte aus.

Die Disticha nehmen täglich zu, sie steigen nun mehr gegen zweyhundert. Ich lege das neuste Modenjournal bey wegen der Abhandlung pag. 18 über die Xenien. Der Verfasser denkt wohl nicht daß ihm auch eins fürs nächste Jahr zubereitet werde. Wie arm und ungeschickt doch im Grund diese Menschen sind! nur zwey solcher Gedichtchen, und noch dazu so schlecht übersetzt, zur Probe zu geben! Es ist aber als wenn alles geistreiche diesen feuerfarbenen Einband flöhe.

Ich habe die Abhandlung Cellini's über die Gold schmiedts- und Bildhauerarbeit von Göttingen erhalten. Da ich ihn nun doch geschwind lesen und [17] ausziehen muß; so wird die kleine Biographie wahrscheinlich dadurch befördert werden. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau.

Fast hätte ich das beste vergessen. Ich habe einen gar schönen und guten Brief von Meyer erhalten der seinen Zustand recht deutlich darstellt. Seine unwiderstehliche Neigung gründlich zu seyn und etwas ausführliches zu arbeiten, kommt bey der ungeheuern Menge von Gegenstände die er beschreibt und beurtheilt und bey dem Reize anderer die er nachbilden möchte sehr ins Gedränge. Er fragt mich um Rath und ich werde ihn an seinen Genius zurückweisen.

In einem Brief an die Herzogin Mutter steht eine lustige Stelle über die Künstler, welche jetzt Kantische Ideen in allegorischen Bildern darstellen. Wenn es nicht bloß Persiflage ist, so haben wir da die tollste Erscheinung die vor dem jüngsten Tage der Kunst vorhergehen kann.

Aus Ihrem Briefe seh ich erst daß die Monatschriften Deutschland und Frankreich Einen Verfasser haben. Hat er sich emancipiret, so soll er dagegen mit Karneval-Gips-Drageen aus seinen Büffelrock begrüßt werden, daß man ihn für einen Perückenmacher halten soll. Wir kennen diesen falschen Freund schon lange und haben ihm bloß seine allgemeine Unarten nachgesehen, weil er seinen besondern Tribut regelmäßig abtrug, sobald er aber Miene macht diesen zu versagen so wollen wir ihm gleich einen Bassa [18] von drey brennenden Fuchsschwänzen zuschicken. Ein Dutzend Disticha sind ihm schon gewidmet, welche künftigen Mittewoch, geliebt es Gott, anlangen werden. Indessen nochmals ein Lebewohl.

Weimar den 30. Januar 1796.

G.


11/3266.

An Carl Ludwig von Knebel

[Anfang Februar.]

Da Schiller in diesen Tagen die zweyte Sendung der Elegien wünscht, so sende ich hier das Packet mit Bitte sie auszusuchen, deine bisherigen Correkturen dazu zu schreiben und sie mir zu zu schicken. Ich wünsche guten Besuch der Musen in der Einsamkeit.

Ich habe die Aussicht daß mein Roman vor Ende dieses Monats fertig seyn wird worüber ich eine große Freude empfinde. Vale.

G.


11/3267.

An Friedrich Schiller

Die erste Abschrift der Xenien ist endlich fertig geworden und ich schicke sie sogleich um so mehr, da ich vor dem 14ten dieses nicht nach Jena kommen kann. Sie sehen zusammen schon ganz lustig aus, nur wird es ganz gut seyn, wenn wieder einmal eine poetische Ader durch die Sammlung durchfließt, meine[19] letzten sind, wie Sie finden werden, ganz prosaisch, welches, da ihnen keine Anschauung zum Grunde liegt, bey meiner Art wohl nicht anders seyn kann.

Vielleicht schicke ich Ihnen das siebente Buch meines Romans in kurzer Zeit, ich arbeite es jetzt nur aus dem Gusse des Dictirens ins Reine. Was weiter daran zu thun ist wird sich finden, wenn das achte Buch eben so weit ist und wir das ganze recht lebhaft und ernsthaft durchgesprochen haben.

Ich habe diese Tage das Werk des Cellini über das mechanische verschiedener Künste von Göttingen erhalten. Es ist trefflich geschrieben und sowohl die Vorrede als das Werk selbst giebt über den wunderbaren Mann schöne Aufschlüsse. Ich habe mich daher gleich wieder an sein Leben gemacht, allein die Schwierigkeiten der Behandlung bleiben immer die selben. Ich will nur anfangen einige interessante Stellen zu übersetzen und erwarten was sich weiter macht. An einem Leben ist ohnedem weiter nichts, nach meiner realistischen Vorstellungsart, als das Detail, besonders nun gar bey einem Particulier, wo keine Resultate zu denken sind, deren Weite und Breite uns allenfalls imponiren könnten, und bey einem Künstler, dessen Werke, die bleibenden Wirkungen seines Daseyns, nicht vor unsern Augen stehen. Vielleicht bringe ich noch, ehe ich zu Ihnen komme, ein hübsches Pensum zusammen, und es wird sich alsdenn näher ergeben was zu thun ist.

[20] Wie kommt es, daß das neue Stück der Horen so lange außen bleibt?

Die erste Repräsentation der neuen Oper ist glücklich vorbey und wir haben den Beyfall der Masse; sie nimmt sich auch wirklich zusammen recht artig aus. Die Musik ist nicht tief, aber angenehm, die Kleider und Decorationen thaten gute Wirkung. Ich werde Ihnen ehestertags das Buch schicken, damit Sie doch sehen was das deutsche Theater für einen wunderlichen und erzdeutschen Sang nimmt. Leben Sie recht wohl, und grüßen Ihre liebe Frau, ich hoffe bald aus meiner, für den stärcksten Realisten zu starcken, Lebensart zu Ihnen in den Hafen zu gelangen.

W. d. 4. Febr. 96.

G.


11/3268.

An Carl Ludwig von Knebel

[8. Februar.]

Mit dem ersten Stück der Horen begrüße ich dich am frühen Morgen, ich hoffe deine Elegien sollen dich freundlich ansehen. Zugleich folgen 15 Louisd. auf Abschlag des Honorars, wenn das Ganze beysammen ist wird berechnet. Lebe wohl und laß dich bald in unsern Mauern sehen.

G.


[21] 11/3269.

An Johann Heinrich Meyer

Auf Ihren lieben Brief vom 8. Januar will ich sogleich einiges erwiedern um den guten Gang unserer Correspondenz zu erhalten. Ich freue mich zu sehen wie es Ihnen geht und das nur wie vorauszusehen war, des guten zu viel ist. Sobald man die Dinge nicht nur eben nehmen will, wie sie sich uns zeigen und sie etwa nach seiner Art genießen oder verarbeiten will, wenn man tiefer in die Werke der Natur und Kunst einzudringen, wenn man seine Kenntnisse auf das innigste und beste auszubilden gedenkt, dann sieht man erst die Unzulänglichkeit unserer Kräfte, und die Eingeschränktheit der Zeit die uns gegeben ist.

Wir haben uns, mein lieber Freund, freylich ein sehr weites und breites Pensum vorgesteckt und das war, der Übersicht wegen, sehr gut; aber ich bin doch immer davor, daß wir beym einzelnen gründlich sind und weder Ihre noch meine Natur wird in einer gewissen Allgemeinheit ein Vergnügen finden, in der man je weiter man vorrückt immer deutlicher sieht daß man anders hätte anfangen sollen. Gehen Sie so genau zu Werke als es Ihre Natur heischt, seyn Sie in dem was Sie nachbilden so ausführlich um sich selbst genug zu thun, wählen Sie nach eigenem Gefühle, wenden Sie die nöthige Zeit auf und denken Sie immer: daß wir nur eigentlich für uns selbst [22] arbeiten. Kann das jemand in der Folge gefallen oder dienen, so ist es auch gut. Der Zweck des Lebens ist das Leben selbst und so lassen Sie auch Ihren Aufenthalt in Rom Ihren Zweck seyn. In diesem Sinne bereit ich mich auch vor, und wenn wir nach innen das unsrige gethan haben, so wird sich das nach außen von selbst geben.

Das Werk des Cellini über die Goldschmiede- und Bildhauerkunst habe ich von Göttingen erhalten und zu lesen angefangen. Die Vorrede enthält noch recht hübsche Nachrichten von ihm, und in dem Werke selbst finden sich die bestimmtesten mechanischen Anweisungen. Vielleicht findet sich in der Folge Gelegenheit den Zustand der jetzigen Künste und Handwerke was das mechanische betrifft mit jenen Zeiten zu vergleichen.

Es ist mir dabey eine Bemerkung aufgefallen die ich Ihnen mittheilen will. Italien lag in dem 15. Jahrhundert mit der übrigen Welt noch in der Barbarey. Der Barbar weiß die Kunst nicht zu schätzen, als in so fern sie ihm unmittelbar zur Zierde dient, daher war die Goldschmiedearbeit in jenen Zeiten schon so weit getrieben, als man mit den übrigen noch so sehr zurück war und aus den Werkstätten der Goldschmiede gingen durch äußere Anlässe und Aufmunterung die ersten trefflichen Meister anderer Künste hervor. Donatello, Brunellesco, Ghiberti, waren sämmtlich zuerst Goldschmiede. Es wird dieses zu guten Betrachtungen Anlaß geben. Und sind wir [23] nicht auch wieder als Barbaren anzusehen? da nun alle unsere Kunst sich wieder auf Zierrath bezieht.

Ich bin bey dieser Gelegenheit auch wieder an des Cellini Lebensbeischreibung gerathen, es scheint mir unmöglich einen Auszug daraus zu machen, denn was ist das menschliche Leben im Auszuge? alle pragmatische biographische Charakteristik muß sich vor dem naiven Detail eines bedeutenden Lebens verkriechen. Ich will nun den Versuch einer Übersetzung machen, die aber schwerer ist als man glaubt.

Sobald mein Roman fertig ist, will ich sehen was mir sonst noch zu thun übrig bleibt und näher an meine Reise denken. Alles kommt darauf an was für Beschäftigung Sie in Rom finden und in wie fern sich Ihr Aufenthalt daselbst verlängern wird. Lassen Sie uns nur fleißig schreiben und es wird bis in den Juni schon klar werden was zu thun ist.

Schreiben Sie mir doch etwas näheres über die Gegenstände der Kunst aus der Kantischen Philosophie, wir wollen dieser und anderer Späße in unsern Distichen nicht vergessen.

Fräulein Imhof hat das Portrait eines ihrer Geschwister mit Farbe gezeichnet, worüber ich erstaunen mußte. Hätte sie mir es nicht selbst zugeschickt, so hätte ich nicht gewußt wem ichs zuschreiben sollte.

Was den Auftrag Durchl. des Herzogs betrifft so sehen Sie nur eben sachte zu ob sich etwas finden sollte, man ist weder sehr pressiert noch sehr entschieden. [24] Gore hat schon wieder einen andern Vorschlag gethan: durch einen gewissen Schneider von Mainz, einen Mann der ganz geschickt ist, ein paar Claude in Cassel copiren zu lassen, was daraus werden kann oder wird, läßt sich schwerlich sagen.

Schiller ist sehr fleißig und Sie werden gute Sachen von ihm in den Horen finden. Er hat sich in dem ästethischen Fache zu einer großen Consequenz durchgedacht und ich bin neugierig, wie es mit dieser gleichsam neuen Lehre gehen wird, wenn sie im Publiko zur Contestation kömmt. Da sie mit unserer Denkungsart homogen ist; so wird uns auch auf unserm Wege dadurch großer Vortheil gebracht.

Ich habe zu einer neuen Oper 3 Decorationen oder vielmehr nur 3 Hintergründe erfunden, womit ich im Ganzen leidlich zufrieden bin, um so mehr als sie auch ihre Wirkung gethan und Beyfall erhalten haben. Die erste ist ein Bauernhof, in edlerm Style, wo ich das was man vom Ursprung der Baukunst zu sagen pflegt, angebracht habe. Die zweyte eine Gegend mit Felsen und Palmen, in dem Sinne wie Ihre Landschaft mit dem Altar. Es ist merkwürdig daß Eckebrecht den Hauptpunct worauf es ankommt bey dieser Gelegenheit recht gut gefaßt hat. Die Absonderung und Entgegenstellung der Farben ist ihm recht gut gerathen, sogar die farbigen Schatten hat er, wiewohl etwas outrirt, angebracht. Ich erwartete gar nicht daß er meine Anweisungen als Prinzip [25] fassen sollte, denn ich gab sie nur als Lehre für den gegenwärtigen Fall. Ich werde künftig keine Gelegenheit vorüber lassen um eben auf dem Theater im großen die Effecte zu sehen. Zur dritten Decoration hatte ich solche gewundene und gezierte Säulen componirt und transparent mahlen lassen wie sie in den Raphaelischen Cartons, bey der Heilung des Lahmen, in einer Vorhalle des Tempels stehn, diese haben, weil sie die brillantesten und reichsten am Schlusse des Stückes sind, natürlich den meisten Beyfall erhalten. So hilft man sich auf Leinwand und Pappe, um in dieser kunstlosen, höchst alltäglichen Welt wenigstens einigen Sinn und Interesse und Ahndung von einer künstlichen und harmonischen Darstellung zu erhalten.

abgegangen d. 8. Febr. 1796.

G.


11/3270.

An Friedrich Schiller

Nachdem uns die Redoute eine Nacht weggenommen, und wir ziemlich spät aufgestanden sind, will ich, um das angekommene Paket nicht aufzuhalten, nur mit wenig Worten anzeigen: daß die Horen in ihrem neuen Gewande und etwas modernerm Putze, der sie recht gut kleidet, nebst dem beyliegenden Gelde bey mir angekommen sind. Die Elegien hoff ich auf den Sonnabend wenn gleich nicht abgeschrieben zu schicken [26] und denke den Montag darauf selbst zu kommen, wo wir denn unsere Zustände und Plane durchdenken und durchsprechen werden. Leben Sie recht wohl. Den Beschluß der Abhandlung über die naiven und sentimentalischen Dichter und Menschen habe ich mit großem Vergnügen wieder gelesen, auch höre ich von auswärts daß die ersten Abschnitte sehr gut aufgenommen sind. Es kommt nur jetzt darauf an, immer dieselbe Stelle zu treffen, und die Wirkung wird wohl nicht ausbleiben.

Weimar den 10. Febr. 1796.

G.


Die Bordüren, hoff ich, werden Ihnen gefallen, nur muß man Acht haben, daß sie nicht falsch aufgeklebt werden; sie haben zweyerley Lichtseiten, um sie rechts und links gegen die Fenster wenden zu können, auch ist zu bemerken daß die Boukets fallen. Die Leute geben nicht immer acht auf diese Hauptpuncte, sie haben mir in meinem Hause eine solche Bordüre ganz falsch aufgeklebt, deßwegen ich dieses zur Warnung melde. Ich will das Paket auch von hier frankiren und den Betrag zusammennotiren.


11/3271.

An Friedrich Schiller

Wenn Sie nur die versprochene Elegien nicht so nothwendig brauchen! denn ich weiß nicht wie ich[27] damit einhalten soll. Schon seit 8 Tagen bin ich darüber und mit Knebel in Conferenz, dadurch ist die Abschrift wieder unrein geworden und muß noch einmal gemacht werden. Wenn es möglich wäre noch acht Tage Aufschub zu geben, so sollte alles in der Ordnung seyn. Ich leide noch immer unsäglich am Carneval, und durch die abermalige Ankunft von fremden Prinzen werden unsere Theater- und Tanzlustbarkeiten verruckt und gehäuft.

Da ich zum dritten Stücke noch nichts zu liefern weiß; habe ich meine alten Papiere durchgesehen, und darinne wunderliches Zeug, aber meist individuelles und momentanes gefunden, daß es nicht zu brauchen ist. Um wenigstens meinen guten Willen zu zeigen, schicke ich hier eine sehr subjective Schweizerreise. Urtheilen Sie in wiefern etwas zu brauchen ist, vielleicht wenn man noch irgend ein leidenschaftliches Märchen dazu erfände, so könnte es gehen. Die Gegenden sind hundertmal betreten und beschrieben, doch betritt man sie wieder und liest die Beschreibungen noch einmal. Sagen Sie mir Ihre Gedanken darüber. Es versteht sich von selbst, daß alles was die Personen bezeichnet, müßte vertilget werden.

Leben Sie recht wohl! Mit großer Sehnsucht hoff ich auf den Augenblick Sie wieder zu sehen.

Meyer hat wieder geschrieben, er negotiirt die Aldobrandinische Hochzeit copiren zu dürfen. Wie sehr wünscht ich dieses herrliche Werk in unserm Besitz[28] zu sehen. Die Nachricht von den Kantischen Gemälden ist wahr, es steht auch schon eine Nachricht im Merkur, die ich aber leider übersehen habe.

Weimar den 12. Febr. 1796.

G.


11/3272.

An Friedrich Schiller

Da ich doch nicht wissen kann, ob Sie nicht die Elegien nöthig brauchen; so will ich sie lieber heute schicken, obgleich nur drey davon abgeschrieben sind. Die übrigen sind lesbar und Sie würden nicht gehindert seyn. Können und wollen Sie solche aufheben bis ich hinüber komme, so läßt sich vielleicht über eins und das andere noch sprechen.

Für die überschickten 15 Louisd'or dankt der Autor aufs beste.

Der Medailleur Abramson in Berlin ist geschickt, wenn Sie ihm gönnen wollen daß er Ihre Medaille macht, so würde ich rathen sich von unserm Klauer en Medaillon, erst bossiren zu lassen und einen Gipsabguß nach Berlin zu schicken. Hiernach kann er besser arbeiten als nach irgend einer Zeichnung, und wer sollte die bey uns auch machen? Schade daß Meyer nicht da ist, so könnte man auch gleich etwas vernünftiges zur Gegenseite erfinden. Der Medailleur müßte Klauern bezahlen.

Bey dem Briefe vom 7. Febr. sollen ein Dutzend[29] Xenien liegen, ich habe sie aber nicht gefunden, ob ich gleich die beyliegenden Horenexemplare auf das sorgfältigste durchgeblättert habe. Leider hat mich auch in diesen Tagen weder etwas Xenialisches noch Genialisches angewandelt, ich hoffe mehr als jemals auf eine Ortveränderung, um zu mir selbst zu kommen, leider weiß ich noch nicht, ob ich Montags kommen kann.

Es ist mir herzlich leid daß Sie wieder so viel gelitten haben und daß Ihre Einsamkeit Ihnen nicht zu gute kommt, indeß mich die Zerstreuung von einer wünschenswerthen Thäthigkeit abhält. Ich freue mich auch wieder einmal einige Worte von Humbold zu hören, er hat wohlgethan bey diesem weichen Wetter keinen Caviar zu schicken.

Vielleicht könnte man aus der Schweizerreise, die ich Ihnen gestern schickte, die einzelnen ausführlichen Tableaus, zum Beyspiel das Münsterthal, die Aussicht vom Jura pp herausziehen und ohne Zusammenhang hinstellen. Doch das werden Sie am besten beurtheilen, ich hatte nicht Zeit die Hefte, die ich Ihnen schickte durchzulesen und kann über ihren Werth und Unwerth nicht urtheilen.

Meyer hat wieder geschrieben, wahrscheinlich ist er jetzt über der Aldobrandinischen Hochzeit. Er hat die Art, die Antiken zu beobachten, die er in Dresden angefangen hatte, fortgesetzt; er schreibt: Nun kommt es auf zarte Bemerkungen an der Zeichnung der [30] Augen, der Art, wie die Linien sich schwingen und sich begegnen, wie der Mund gezeichnet und gearbeitet ist, wie die Haare angesetzt sind, was für Kenntnisse der Künstler gehabt, welcher Theorie er gefolgt sey.

Er hofft auch dem Raphael noch eine neue Seite abzugewinnen.

W. d. 13. Febr. 96.

G.


11/3273.

An Henriette Beck

[Concept.]

Mad. Beck hat sogleich, bey der Oberdirection des Theaters, eine genaue und umständliche Erzählung des gestrigen Vorfalls auf dem Theater schriftlich, und zwar dergestalt einzureichen, wie sie allenfalls ihre Angabe eidlich zu erhärten bereit seyn möchte.

Weimar den 14. Febr. 1796.


11/3274.

An Henriette Beck

[Concept.]

Da aus dem gestrigen Exhibito der Mad. Beck nicht zu ersehen ist, welcher Worte sie sich gegen Dem. Malkolmi bedienet, deren Deutung der Schauspieler Herr Becker auf sich gezogen; so sind solche umständlich und genau schriftlich anher anzuzeigen.

Weimar den 15. Febr. 1796.


[31] 11/3275.

An Heinrich Becker

[Concept.]

Der Schauspieler Herr Becker hat sogleich, bey der Oberdirection, genau die Umstände des Vorfalls von vorgestern und was ihn zu seiner ungebührlichen Handlung veranlaßt umständlich und genau anzuzeigen, so wie er dasselbe allenfalls eidlich zu bekräftigen bereit ist.

Weimar den 15. Febr. 1796.


11/3276.

An Franz Kirms

[16 Februar.]

Aus beyliegendem kleinen Actenstück werden Ew. Wohlgeb. ersehen, was Mad. Beck wegen des letzten Vorfalls gemeldet hat und wie ich vor nöthig gefunden habe auf eine nähere Anzeige Ihrer Äußerungen zu bestehen.

Herr Oberstlieutenant von Germar wäre zu ersuchen, den Schauspieler Becker Nachmittag um 3. Uhr seines Arrestes zu entlassen, ich lege die zweyte Verordnung an Mad. Beck, ingleichen eine an Herrn Beckern in mundo bey, jene wäre sogleich, diese nach seiner Loslassung zu insinuiren.

Morgen früh denke ich nach Jena zu gehn, sollte noch etwas zu bereden seyn, so bin ich um 10 Uhr noch zu finden.

G.


[32] 11/3277.

An Carl Ludwig von Knebel

[15. Februar.]

Ich habe meine Einrichtung gemacht morgen nach Jena zu gehen, Mittwochs kommt Dumanoir mit noch einigen der Colonie, und Milkauf bewohnt die Zimmer nach dem Graben, ich weiß also nicht was ich dir rathen oder wozu ich dich einladen soll. Wäre dirs nicht zuwieder; so könntest du im Bären logiren, wo ich oft war und wo man ganz sauber und leidlich ist. Ginge ich nicht hinüber um zu arbeiten, so könnten wir uns wohl in den vordern Zimmern zusammenthun, dadurch käme aber keiner zur Ruhe.

Möchtest du im Bären logiren, so könnten wir morgen zusammen fahren, du könntest Mittwochs nach Belieben dich sehen lassen oder nicht und man hätte dann doch manche Stunde zusammen. Sage mir Antwort wegen des Packens, ich nehme einen Coffre und könnte also auch deine Sachen einpacken.

G.


11/3278.

An Henriette Beck und Heinrich Becker

[Concept.]

Da der Schauspieler Herr Becker, wegen des während der Vorstellung begangenen Excesses, durch seinen Arrest aus der Hauptwache, die verdiente Correction [33] erlitten hat; so ist nunmehr der Schauspielerin Mad. Beck, wegen der geständigen Schimpfrede, wodurch sie den Ausbruch der Thathandlung verursacht hat, eine wöchentliche Gage inne zu behalten, wodurch der Vorhang, so weit er in die Aussicht der Oberdirection des Theaters einschlägt, erledigt wird.

Sollte übrigens Mad. Beck, wegen allenfallsiger Privatsatisfaction, Herrn Becker in Anspruch nehmen wollen; so wird sie damit an die ordentliche Obrigkeit verweisen.

Weimar den 16. Febr. 1796.


11/3279.

An Charlotte von Kalb

[16. Februar.]

Darf ich Ihnen, werthe Freundinn, im Begriff nach Jena zu gehen, ein Fäßchen Caviar zuschicken. Sollten Sie mit Ihrem Herrn Gemahl diese wunderliche Speise nicht selbst lieben, so finden wohl Ihre Gäste Geschmack daran, denen Sie so manche freundliche Aufnahme bereiten. Leben Sie recht wohl, ich grüße Schillern in Ihrem Nahmen.

G.


11/3280.

An Christiane Vulpius

Ich habe dir gestern gleich wegen des Krautlandes geschrieben. Wie gesagt wenn es dir gefällt so kaufe[34] es, denn diese Fleckchen werden täglich theurer werden. Liegt es denn am Bache oder wo? beschreibe mir es doch genauer.

Mit dem Essen geht es mir wieder recht schlecht, schicke mir einige Flaschen oberweim. Bier.

Das beykommende Packet schickst du an Graf Dumanoir wie die Adresse ausweist. Lebe recht wohl und behalte mich lieb.

Jena d. 19. Febr. 1796.

G.


Sage deinem Bruder daß ich das für Böttcher bald schicken werde.

Du bist doch die Abende besonders wenn du in die Commödie gehst hübsch besorgt daß das Haus nicht allein steht.

Nimm den eingesiegelten Schlüssel hervor in dein Schreibepult.

G.


Blos meldet sich wegen seines Aufwandes bey der Frl. v. Göchhausen.


11/3281.

An Christiane Vulpius

Ich habe beym Einpacken das beste vergessen, nehmlich das siebente Buch meines Romans und die Papiere, die sich aufs achte beziehen. Es liegt alles beysammen in dem Schreibtische an der Thüre, in der untersten [35] Schublade nach dem Ofen zu. Packe nur alles, was in dieser Schublade liegt, wohl zusammen und schicke mirs durch August Herder, der dir diesen Brief überbringt. Wenn der Schlüssel, wie ich vermuthe, eingeschlossen ist, so kannst du mit dem Schlüssel, den ich hier überschicke, das erste Schränkchen Schreibetisches aufmachen, wo du ihn bald erkennen wirst. Schicke mir den Schlüssel mit den Papieren wieder zurück und lebe recht wohl.

Jena. Sonnabend den 20. Febr. 1796.

G.


11/3282.

An Christian Gottlob Voigt

Für die Nachrichten, die Sie einigemal mir zu geben die Güte gehabt, danke ich aufs verbindlichste, ich habe hier meine Zeit nach meiner Art fleißig zugebracht und bin in meinen Arbeiten so ziemlich vorgerückt.

Um Beantwortung beyliegender, das Bergwerk betreffender Anfragen bitte gehorsamst, leider sieht die Unternehmung einer auslöschenden Lampe immer ähnlicher.

Auf beyliegendes Communicat von der Cammer antwortete man ja wohl einmal zwischen Oftern und Pfingsten.

In Beziehung aus beyliegendes Communicat von Fürstl. Regierung könnte man ja wohl, sogleich, an[36] den hiesigen Stadt-Rath eine Verordnung erlassen, und ihm aufgeben die 200 rh. Quaest: an den Conducteur Götze, gegen Quittung, verabfolgen zu lasssen, so wie eine Verordnung gleichfalls an diesen letztern zur Einnahme und Betreibung nöthig wäre; wenn Sie die Güte haben wollen mir die munda mit Ihrer und des Herrn Geheimen Raths Unterschrift zuzuschicken; so wollte ich das übrige besorgen. Wenn wir diese Beyträge bald kriegen, so können wir einstweilen damit unsere Arbeit anfangen, und die Cammerbeyträge später erheben.

Unter die Schlevoigtische Anzeige habe ich gleich die Resolution gesetzt, mit welcher sie denn Venten übergeben werden könnte.

Daß die Sache mit dem bewußten Freunde eine, wo nicht ungünstige, doch gewissermaßen unangenehme Wendung genommen, hat mir leid gethan, in solchen außerordentlichen Fällen bin ich, für meine Person, wie ich gern gestehe, immer geneigt den zu entschuldigen, der nicht ganz den rechte Weg und die rechten Weise trifft, so wenig ich von der andern Seite gegen die Beharrlichkeit Serenissimi etwas zu sagen weiß. Der Partikulier, der sich in der Stille immer selbst helfen muß, kann freylich nur bey außerordentlichen Gelegenheiten seine Lage entschieden verbessern.

Aus einem Briefe, den Loder aus Salzburg erhalten hat, ist deutlich, daß man in Wien wirklich Ernst macht und es ist nicht zu leugnen, daß die [37] Akademie in mehr als Einem Sinne bey jenem Abgang leiden würde.

Daß Sie die Freytagsgesellschaft aufrecht zu erhalten die Güte haben ist Ihrer edlen Neigung gemäß, das was einmal lebt und webt, für das, was es ist, zu schätzen und nach Möglichkeit zu befördern und zu erhalten; da leider so viele Menschen etwas das sich regt nur mit dem Auge des Jägers ansehen, der sogleich darhinter her ist um es zu zerstören.

Sie empfehlen mich ja wohl gelegentlich Serenissimo zu Gnaden.

Leben Sie recht wohl und behalten mich in freundschaftlichem Andenken. Jena den 3. März 1796.

G.


11/3283.

An Johann Heinrich Meyer

Jena den 3. März 1796.

Die erste Hälfte des vergangenen Monats hab' ich in Theater und Carnevals-Anstalten zugebracht, in der zweyten ging ich hierher, und bin nun schon über 14 Tage hier. Außerdem daß mein Roman ziemlich vorruckt, so habe ich auch in dem Cellini ein gutes Stück hineinübersetzt, davon die erste Abtheilung in den April der Horen kommen wird.

Es geht mit der Übersetzung eines Buchs wie Sie von dem Copieren eines Gemäldes sagen, man lernt beyde, durch die Nachbildung erst recht kennen. Cellini, [38] mit seiner Kunst und mit seinem Lebenswandel, ist für uns ein trefflicher Standpunct, von dem man, in Absicht auf neue Kunst vorwärts und rückwärts sehen kann. So wie uns das Leben eines einzelnen Menschen zu einem zwar beschränkten aber desto lebhaften Mitgenossen vergangener Zeiten macht. Es ist außerordentlich hübsch, wie sein Werk über die Kunst und seine Lebensbeschreibung auf einander hinweisen.

Ich habe indessen zwey Briefe von Ihnen erhalten, Nr. 6 und 7. Bey dem letztern wünsche ich uns Glück daß Sie die Erlaubniß erhalten haben das alte Bild zu copiren.

Ihre neue Versicherung daß unsere Farbenstudien nachhaltig sind, und zum Schlüssel der alten Werke dienen werden, ist mir aufs neue tröstlich und erfreulich, und muntert mich auf, in dieser und andern Elementarlehren recht sorgfältig und fleißig zu seyn. So schwer es hält sich daran fest zu halten, und sich der Allgemeinheit zu überlassen, so vielen Nutzen findet man nachher wenn man einmal in die Anwendung kommt.

Ich bin überzeugt daß alles, was Sie arbeiten und schreiben den Schatz unserer geistigen Besitzungen vermehren wird, und wir renunciiren deswegen lieber zuerst auf Ihre Beyträge zu den Horen. Schiller ist durch verschiedne Mitarbeiter und Beyträge gedeckt, und der Cellini geht auch schon ein wenig in die Breite. Schiller grüßt schönstens und wird uns gewiß[39] immer wenn wir auch entfernt sind entgegen arbeiten.

Wenn ich so bedenke daß mir der große Weth der Kunstwerke jetzt doch nur wie in einer Art von Tradition erscheinet und alle Erinnerung dieser Art mehr oder weniger stumpf ist, so wird mir der Gedanke so angenehm als wunderbar: daß ich in Ihrer Gesellschaft wieder zum lebhaften Anschauen gelangen soll.

Wegen des Neapolitanischen Aufenthalts denke ich soll es gut gehen. Wie Sie schon an dem Grafen Münster einen gefälligen Mann gefunden haben, so bringt immer das gegenwärtige Leben mit sich, was zum gegenwärtigen Leben am besten taugt. Wenn ich wieder nach Weimar komme, so will ich alles, was von unserer Seite thulich ist, betreiben; Bertuch wird nun auch bald aus Franken zurückkehren, wo sein berühmtes Salzgeschäft sehr gut zu gehen scheint. Hier indessen ein Blättchen von der Herzogin Mutter.

Daß Sie durch genaue Beobachtungen des Sinnes, in welchem die Kunstwerke gemacht sind, die Art wie? und der Mittel wodurch sie gemacht sind? neue und sichre Quellen des Beschauens und der Erkenntnis eröffnen würden, war ich durch Ihre Versuche in Dresden und durch Ihr ganzes Leben und Wesen überzeugt. Wer in dem immerfort dauernden Streben begriffen ist die Sachen in sich und nicht, wie unsere lieben Landsleute, sich nur in den Sachen zu sehen, der muß immer vorwärts kommen, indem er seine[40] Kenntnißfähigkeit vermehrt und mehrere und bessere Dinge in sich aufnehmen kann. Daß wir uns gefunden haben ist eines von den glücklichsten Ereignissen meines Lebens, ich wünsche nur daß wir lange zusammen auf diesem Erdenrunde bleiben mögen, wie ich auch hoffe, daß Schiller ohngeachtet seiner anscheinenden Kränklichkeit mit uns ausdauern wird.

Die fixen Ideen, welche der gute Hirt schon so ein Dutzend Jahre nährt, mögen denn freylich etwas steif und trocken geworden seyn, Mannigfaltigkeit des eignen Geistes und Biegsamkeit gegen fremde Gegenstände sind niemals seine Eigenschaften gewesen.

Über folgende Puncte bitte ich gelegentlich um Antwort.

1) Haben Sie den Perseus in Florenz näher angesehen? und was ist davon zu halten?

2) Vielleicht, da es gewiß auch Sammlungen neuerer Münzen in Rom giebt, kommt Ihnen von Cellinischen Münzen etwas unter die Augen. Außer einigen größeren Stücken hat er auch die gewöhnlichen Münzen für Clemens VII meist geschnitten. Es sind auch Münzen von Herzog Alexander von Florenz von ihm da.

3) Könnten Sie mir nicht näher anzeigen, worinn die Versündigung unserer Landsleute gegen Raphael und andere Heiligthümer eigentlich bestehe, damit das heimliche Gericht aus ihre Bestrafung bey Zeiten denken könne.

[41] 4) Wo steht jetzt der porphyrne Sarg der ehemals vor der Rotonde gestanden hat?

Leben Sie recht wohl, nächstens etwas über das Parthenon und überhaupt über die Atheniensische Architektur, ich muß diesen Brief heute fortschicken, der sich ohnedies einge Posttage verspätet hat.

Jena den 9. März 1796.

G.


Viel Grüße aus dem Hause. Die Genoßen sind in diesem Augenblicke zum Besuche bey mir.


11/3284.

An Johann Friedrich Unger

[Concept.]

[Jena, etwa 7. März.]

Es war mir angenehm, werther Herr Unger, wieder einmal etwas von Ihnen zu hören. Ich kann denken daß Sie das Manuscript zu dem letzten Band des Romans bald zu erhalten wünschen, und ich kann dagegen versichern: daß es mir eine sehr vergnügte Stunde seyn wird, in der ich ihn abschicken werde. Ihre und des Publikums Erwartung ist gewiß nicht größer als mein Wunsch, meine Sache gut zu machen und in diesem Falle keinen Fleiß zu sparen. Es ist unter allen meinen Arbeiten, die ich jemals gemacht habe, die obligateste und in mehr als Einem Sinn die schwerste, und doch muß sie, wenn sie gelingen soll, mit der größten Freyheit und Leichtigkeit gemacht werden. Dazu bedarf es denn freylich Zeit und Stimmung. Noch ein Umstand kommt dazu, der die [42] Aufgabe künstlicher macht: mehrere Personen, und sogar genaue Freunde und Bekannte, schwören und wetten, daß ich das Werk nach seiner Anlage mit Einem Bande nicht endigen könne. Ich habe dieses Jahr schon 5 Wochen in Jena zugebracht um in der nöthigen Ruhe und Sammlung an dieses Werk die letzte Hand legen zu können, erlauben Sie mir, daß ich es nicht eher absende, als bis ich für dießmal, weiter nichts daran zu machen weiß.

Es war voraus zu sehen, daß das sechste Buch, das dem begierigen Leser des Romans sich auf eine sonderbare Weise in den Weg stellt, dem Roman dagegen einen andern Kreis von Lesern verschaffen würde; so hat auch ein Emigrirter bey uns dieses Buch ins Französische übersetzt. Die erste Anlage ist ganz gut und wenn ich die Arbeit mit ihm durchgehen wollte, so würde sie sich allenfalls produciren lassen. Sollten Sie geneigt seyn diese Übersetzung zu drucken, so würde ich mich derselben etwas näher annehmen. Es käme darauf an, daß Sie mir ohne Umschweif sagten, was Sie allenfalls an's Honorar wenden wollten? Sie können, am besten beurtheilen in wie fern diese Übersetzung und der Umstand: daß dadurch die Ungelegenheit des Romans selbst mehr zur Sprache gebracht, und das Verlangen darnach, da und dort, erregt wird, einiges Interesse für Sie haben könnte.

Geben Sie mir darüber einige Nachricht und leben recht wohl.


[43] 11/3285.

An Christian Gottlob Voigt

[Jena, etwa 7. März.]

Da ich noch einige Zeit hier zu bleiben gedenke, so bitte ich nachstehende Fragen, das Bergwerk betreffend, gefällig zu beantworten, und mich dadurch einigermaßen zu beruhigen.

1) Die viel Kuxe haben bezahlt, und wieviel Geld ist also eingekommen?

2) Was sind für sonstige Aussichten, und scheint die Gewerkschaft sehr ins kleine zusammen zu schwinden?

3) Da die Summe, so viel ich vermuthe, noch nicht so stark ist, daß man die Gewältigung hat verordnen können; so fragt sich, ob man nicht solle einstweilen das Ort aus der Radstube forttreiben, oder ist vielleicht deßhalb schon Verfügung geschehen?

4) Da man keinen Vorrath zum Pochen mehr hat; so müssen also wohl die großen ehemals als Vorrath angegebenen Haufen gänzlich vor unnütz erklärt worden seyn.

5) Ist außer der Fristzugestehung noch eine andere Resolution, die auf Bertuchs Rückkunft wartet?


11/3286.

An Christiane Vulpius

Da das Wetter so hübsch und leiblich ist, und ich noch einige Zeit hier verweilen werde, so wünsche ich [44] dich mit dem kleinen einmal bey mir zu sehen. Du kannst deinen Bruder und Ernestinen mitnehmen, ihr steigt im Bären ab, wo ich eine warme Stube bestellen werde, du kommst zu mir herüber und die andern können drüben zu Mittage essen. Sorge dafür, daß du Abends den Kleinen gut einpacken kannst.

Ich habe soviel gearbeitet daß ich es ganz satt habe und mir auch wieder einmal mit dir und dem Kleinen was zu Gute thun mögte. Ich freue mich sehr dich wieder zu sehen. Du mußt mir aber Geld mitbringen. Nimm nur den eingesiegelten Schlüssel und bringe mir das Silbergeld das in der kleinen Schublade linckerhand aus meinem Schreibtische sich befindet.

Lebe wohl. Ich muß dich einmal wieder an mein Herz drücken und dir sagen daß ich dich recht lieb habe.

Jena d. 7. März 1796.

G.


Da der Bote nicht wieder zurück geht, so brauche ich auch keine Antwort, du kannst nun Dienstags oder Mittwochs, morgen oder übermorgen kommen, so ist es mir ganz recht, ich bestelle nur im Bären nichts und ihr könnt immer da abtreten, eine Stube ist bald geheizt.


[45] 11/3287.

An Christian Gottlob Voigt

Ew. Hochwohlgeb.

erhalten durch die Gefälligkeit des Herrn Professor Hufeland ein kleines Packet.

Was Sie über die Nothwendigkeit der gründlichsten Rechtskenntniß, bey Cammerangelegenheiten, sagen ist so gründlich und gut und fließt so aus der Sache selber, daß man sich wundert, wenn es nicht allgemein anerkannt wird.

Bey der Beylage sub A wünsche ich, wenn ich das Vergnügen habe Sie wieder zu sprechen, das Rescript vom 30. October zu sehen, in demselben möchte denn dochwohl das Regulativ für das nächste räthliche Benehmen enthalten seyn.

In der Steuersache benimmt sich der Amtmann gut genug, und da wir völlig seiner Meinung sind, die Steuererhebung nach dem neuen Fuß, auf das strengste einführen und aller allgemeinen und besondern Beschwerden ungeachtet, welche besonders zu untersuchen sind, durchsetzen zu lassen; so kann es an einem glücklichen Erfolg nicht fehlen.

Ist der Fall näher zur Sprache gekommen, wo man neulich bey der Fränkischen Conferenz des Ilmenauer Amtmann Betragen tadelhaft fand?

Mich verlangt sehr zu sehen, was wir beym Bergwerke unter den gegebenen Umständen werden vornehmen können.

[46] Das Concept an Gern mit dem angehängten pro Memoria haben Sie nur die Güte dem Herrn Hofkammerrath gleich zuzuschicken. So stark ich mich ausgedrückt habe hilft das doch, wie ich schon im voraus weiß, alles nichts, und ich muß mir in der nächsten Woche wieder einen solchen Fall gewärtigen. Doch scheinen solche Menschen dazu in der Welt zu seyn um uns recht lebhaft fühlen zu lassen welch ein Glück es ist mit so gewandten als partheylosen Männern in Geschäftsverbindung zu stehn.

Am Sonntage Palmarum denke ich wieder in Weimar einzutreffen und freue mich auf einige vertrauliche Stunden. Unser Contingent treffe ich ja wohl nicht mehr an. Leben Sie recht wohl und behalten mich in freundschaftlichem Andenken.

Jena den 12. März 1796.

G.


11/3288.

An Christian Gottlob Voigt

Der in dem botanischen Garten angestellte Gottlieb Wagner überbringt mir so eben die Ordre die er erhalten hat sich in Weimar zu stellen. Ew. Hochwohlgeb. wissen daß wir demselben, mit Vorbewußt des Herrn Oberst Lieutenants v. Germans, und in Hoffnung seiner Entbindung vom Militär hier angestellt haben. Er hat sich nunmehr mit dem hiesigen Geschäft bekannt gemacht, Professor Batsch ist sehr [47] wohl mit ihm zufrieden und da seine Abrufung gerade in den Moment fällt, wo die Gartenarbeit angeht; so würde, bey denen übrigens bekannten Verhältnissen, eine fast unüberwindliche Stockung in die Behandlung dieses schönen und mit ansehlichen Kosten angelegten Instituts kommen. Ich schicke einen expressen Boten, damit, wenn auch nicht gleich seine Entlassung zu bewirken wäre, wenigstens sein Urlaub verlängert würde, da er sich nicht von Jena entfernen kann, ohne daß den sämmtlichen Pflanzen des Gewächshauses, besonders bey der jetzigen Witterung ein großer Schade bevorstehe.

Der Bauverwalter Steffani, durch den damals die Sache gegangen, wird den nöthigen Aufschluß geben können.

Ich wünsche recht wohl zu leben und empfehle mich zu geneigtem Andenken.

Jena den 13. März 1796.

Goethe.


11/3289.

An Friedrich Constantin von Stein

[15. März.]

Ich habe nunmehr deine zwei Briefe erhalten und freue mich zu hören, daß es dir auf deinen Wegen glückt. Die vielen neuen Gegenstände und Verhältnisse, welche du siehst, vermehren deine Kenntnisse, sichern deine Urtheile und werden deiner Thätigkeit die zweckmäßigste Richtung geben. Auf [48] eine Beschreibung, wie es in Warschau gegangen, bin ich äußerst neugierig. Indem ich dir aber dieses Glück gönne, so ist es mir von der andern Seite doch betrübt, daß unser anderer Plan dadurch wahrscheinlich gehindert werden wird. Denn wenn ich dieses Jahr noch meine Reise antreten sollte, so könnte ich dir nicht rathen, jene Gegenden, in die du jetzo eingeführt bist, zu verlassen. Was man unterbricht, kann man so leicht nicht wieder anknüpfen, und in einer so bedeutenden Schule, als die ist, in der du dich befindest, gewinnt man durch Zeit und Folge am meisten. Auch würde der Herzog nicht gern sehen, wenn du deinen Gang unterbrächst. Ich verliere dabei sehr viel: denn ba ich schon in früherer Zeit so gern und mit so vielem Nutzen durch dein Organ sah, so würde es mir jetzt auf alle Weise wünschenswerther sein, da du gebildet und in Vergleichung der Dinge durch viele Kenntnisse geübt bist, ich hingegen älter und einseitiger werde, und also bei mancherlei Gegenständen das Interesse bei mir nicht so lebhaft sein kann, als es bei dir sein würde. Indessen da ich selbst noch nicht ganz feste entschlossen bin, so wollen wir noch einige Monate hingehen lassen und sehen, was die Zeit allenfalls bringt.

Was die Mineralien betrifft, von denen dein zweiter Brief meldet, so bin ich nur allenfalls im Stand, dir mit einem Stücke Jungstein zu dienen, das ich diesen Sommer aus Carlsbad mitgebracht [49] habe und das deßhalb interessant ist, weil das Mineral mit einem Quarzkristall verwachsen ist. Ich gebe diese Doublette selbst nicht gern heraus. Wegen des krystallisirten Specksteins will ich aufstellen; ich habe selbst nur ein einziges Stück, das so schön ist, da ich mich nicht davon trennen kann.

Wo dich auch dieser Brief antrifft, wünsche ich, daß er dich bei guter Gesundheit treffe. Antworte mir bald, damit ich wisse, wie du dich befindest.

G.


11/3290.

An Henriette Beck und Heinrich Becker

[Concept.]

Es hat der Schauspieler Herr Becker bey der Oberdirection des Theaters angezeigt daß er nichts sehnlicher wünsche als sich mit Mad. Beck, welche wegen der erlittenen Beleidigung noch immer gegen ihn aufgebracht seyn müsse, bald möglichst zu versöhnen und die dadurch auf dem Theater so nöthige Harmonie wieder herzustellen; es bezeuge, daß ihm seine Übereilung äußerst leid thue, daß er wünsche, diesen unangenehmen Vorgang völlig aus dem Gedächtniß der Beleidigten zu vertilgen, und sie deßhalb mit aufrichtigem Herzen um Verzeihung bitte, zugleich verspreche, in der Folge niemals Anlaß zum Verdruß und Mißhelligkeit zu geben. Dagegen hat Mad. Beck gleichfalls bey der Oberdirection erklärt: daß sie sich [50] bey dieser Abbitte beruhigen, das Geschehene vergeben und vergessen und mit Herrn Becker künstig in guter Einstimmung leben wolle.

Wie man nun beyderseits dieses hierdurch bekannt macht, so erwartet man, daß sie bey der nächsten Gelegenheit diese Erklärung öffentlich gegen einander wiederholen und künftighin ein gutes Vernehmen fort setzen werden.

Weimar den 23. März 1796.


11/3291.

An Vohs

[Concept.]

Was der Schauspieler Herr Becker und die Schauspielerin Mad. Beck gegen die Oberdirection erklärt, wird der Regisseur Herr Vohs aus beyliegender Copie ersehen können und hat derselbe Herrn Beckern zu veranlassen, daß er bey der heutigen Probe der Strelitzen der Mad. Beck die schuldige Genugthuung gebe. Wie solches geschehen, hat Herr Vohs sogleich anher anzuzeigen.

Weimar den 24. März 1796.


11/3292.

An Johann Christian Lindenzweig

[Concept.]

Der Cassier Herr Lindenzweig hat sowohl die schon vormals der Dem. Matizek inne behaltne halbe Gage [51] als die von Mad. Beck neuerlich verwirkte ganze Gage sogleich, gegen Quittung, an die Hofwittwen-Casse, als wohin man sie, in wohlthätiger Absicht, bestimmt auszuzahlen.

Weimar den 24. März 1796.


11/3293.

An August Johann Georg Carl Batsch

[Concept.]

Ew. Wohlgeb.

erhalten hiebey die halbjährigen hundert Thaler zur Bestreitung der Kosten beym Botanischen Institute, worüber ich mir eine Quittung erbitte.

Für Wagnern hat das gute Zeugniß, das ich ihm geben konnte, wenigstens vorerst einen längern Urlaub bewirkt.

Ich freue mich schon im voraus aus den Zustand in welchem wir diesen Sommer den Garten zu sehen hoffen können und wünsche indessen recht wohl zu leben.

Weimar, den 24. März 96.


[59] 11/3293a.

An August Wilhelm Iffland

Weimar, 30. März 1796.

. . . Ich vernehme, daß Sie die Gefälligkeit haben wollen den Posert zu spielen, wofür ich Ihnen ganz besonders danke, denn ich bin äußerst neugierig, wie Sie mit so vielen andern Problemen auch dieses auflösen werden. . . Mit dem größten Vergnügen sehe ich dann der Bearbeitung und Aufführung Egmonts entgegen. Es ist das Eigenste was mir hätte begegnen können, daß ein Stück, auf daß ich in mehr als einer Hinsicht längst Verzicht gethan habe, mir durch Schillern und so unerwartet wiedergeschenkt wird. . . .


11/3293b.

An Georg Christoph Lichtenberg

Wohlgebohrner,

Insonders hochgeehrtester Herr!

Ew. Wohlgeb. erhalten das mir übersendete Buch, mit vielem Danke, zurück, ich bitte um Vergebung, wenn es etwas länger als es sollte, ausgeblieben ist und zugleich um Erlaubniß in ähnlichen Fällen künftig wieder Anspruch an Ihre Gefälligkeit machen zu dürfen.

Der ich mich aller Hochachtung unterzeichne

Ew. Wohlgeb.

ergebenster Diener

J. W. v. Goethe.

Weimar den 30. März 1796.


[51] 11/3294.

An Christian Gottlob Voigt

[März oder April.]

Sie haben ja wohl die Güte eine Bergwercks Besprechung vorzubereiten, und einen neueren Auszug[52] des eingekommenen Geldes machen zu lassen. Ich sehe, bey meinen Theatralischen Abentheuern, in den nächsten drey Wochen keine Ruhe vor mir.

Leben Sie recht wohl.

G.


11/3295.

An Christian Gottlob Voigt

[März oder April.]

Heute geht meine Theatralische Noth ziemlich, für diesmal, zu Ende, Sie haben ja wohl die Güte eine Stunde zu bestimmen in welcher wir uns sprechen können.

Es wäre vor allem nöthig zu wissen wie unsre Bergwercks Kaffe beschaffen ist und ob wir anfangen könnten zu gewältigen. Vielleicht sprächen wir Freytag vor der Gesellschaft mit unsern Freunden und Deputirten.

G.


11/3296.

An Johann Heinrich Meyer

Weimar den 18. April. 96.

Seit meinem letzen Brief, abgesandt Jena den 9. März, habe ich zwey Briefe von Ihnen erhalten, davon der eine mit Nr. 8 bezeichnet, der andere vom 19. März datirt war. Auf beyde habe ich Ihnen verschiedenes zu erwiedern, wenn ich Ihnen vorher von unserm Theatralischen Jubiläum werde erzählt haben.

[53] Iffland spielt schon seit drey Wochen hier, und durch ihn wird der gleichsam verlorne Begriff von dramatischer Kunst wieder lebendig, es ist das an ihm zu rühmen was einen ächten Künstler eigentlich bezeichnet: er sondert seine Rollen so von einander ab, daß in der folgenden kein Zug von der vorhergehenden erscheint. Dieses Absondern ist der Grund von allem übrigen, eine jede Figur erhält durch diesen scharfen Umriß ihren Charakter, und eben so wie es dadurch dem Schauspieler gelingt bey der einen Rolle die andere völlig vergessen zu machen, so gelingt es ihm auch sich von seiner eigenen Individualität, so oft er will, zu separiren und sie nur da, wo ihn die Nachahmung verläßt, bey gemüthlichen, herzlichen und würdigen Stellen hervortreten zu lassen. Der Vortheil durch die schwächsten Nuancen bedeutend und mannigfaltig zu werden, liegt auch gleich zur Hand, und alles übrige was zur Erscheinung kommt entspringt aus dieser tiefen Quelle. Er hat eine große Gewandtheit seines Körpers und ist Herr über alle seine Organe, deren Unvollkommenheiten er zu verbergen, ja sogar zu benutzen weiß.

Die große Fähigkeit seines Geistes auf die Eigenheiten der Menschen aufzumerken und sie in ihren charakteristischen Zügen wieder darzustellen, erregt Bewunderung, so wie die Weite seiner Vorstellungskraft, und die Geschmeidigkeit seiner Darstellungsgabe.

Schließlich aber, so wie anfänglich, ist mir der[54] große Verstand bewunderungswerth, durch den er die einzelnen Kennzeichen des charakteristischen auffaßt und so zusammenstellt, daß sie ein, von allen andern unterschiedenes Ganze ausmachen.

Er wird noch eine Woche bleiben und zuletzt Egmont aufführen. Schiller, der auch schon diese Zeit hier ist, hat das Stück dergestalt bearbeitet, daß die Vorstellung möglich wird. Es freut mich sehr, daß ich vor unserer großen Expedition, wo wir doch auch manches Theater sehen werden, einen solchen Mann, als Typus, wornach man das übrige beurtheilen kann, mit den Augen des Geistes und Leibes gesehen habe.

Nun zu Ihren Briefen! Da Sie Anfang des May nach Neapel zu gehen gedenken, so wird der beyliegende Brief von der Herzogin an Heigelein Ihnen wohl den nöthigen Paß verschaffen, wenn Sie ihn nicht etwa schon, wie ich vermuthen kann, durch Ihre Römischen Gönner und Freunde erlangt haben. Ich lege auch einen Brief an Hackert bey, den Sie nach Gutbefinden überschicken oder überbringen können.

Das unendliche unserer Unternehmung macht mir manchmal bange, doch öfters giebt mir's Freunde und Zutrauen, da man in dem hohen Grade vorbereitet ist, so weiß man wenigstens alles zudringende geschwind aufzufassen und zurecht zu stellen. Schon bemerk ich es beym Lesen Italienischer Bücher, wie sehr sich alles wiederholt und auf einander hindeutet. Die Bearbeitung des Cellini in der ich schon ziemlich weit [55] vorgerückt bin, ist für mich, der ich ohne unmittelbares Anschauen gar nichts begreife, vom größten Nutzen, ich sehe das ganze Jahrhundert viel deutlicher durch die Augen dieses confusen Individui als im Vortrage des klärsten Geschichtschreibers. Sollte Ihnen irgend etwas von dieser Art ferner aufstoßen; so haben Sie ja besondere Acht darauf.

Das Winklerische Kabinet ist nach dem Tode des Besitzers feil. Der Herzog hat Lust etwas daraus zu kaufen, ich wünsche daß die Wahl aufs Beste fallen möge.

Zu der Vollendung Ihrer Copie wünsche ich Glück! Sagen Sie mir doch, wie groß das Bild und die Figuren des Originals sind, und in welcher Größe Sie es copirt haben?

Ich bin toll Verlangen dieses merkwürdige Werk von Ihrer Hand zu sehen. Dem Freund der Geschmäcke in Dresden glückt es, daß diejenigen, die dem Kindlein nach dem Leben strebten, über die Alpen gezogen sind, denn er ist vor kurzem mit einer Rezension in der Litteraturzeitung beseeligt worden, die denn freylich auf einige Jahre hinaus wirken und die deutsche Bereitwilligkeit ihr Geld für nichts hinzugeben, noch vermehren kann. Wenn sie Ihnen zu Gesichte kömmt, werden Sie den Verfasser an den Katzenbuckeln und spanischen Reverenzen nicht verkennen, so wenig als an dem antiquarischen Nota bene womit sich die Lobeserhebung schließt. Es bleibt also vor dießmal [56] nichts übrig als das Unkraut noch einige Zeit wachsen zu lassen, bis das Schreckensystem gegen alle die Pfuschereyen mit Nachdruck durchgesetzt werden kann.

So eben erhalte ich Ihren Brief Nr. 10 und will nur geschwind schließen, damit dieses Blatt noch heute abgehen kann. Was Sie mir von der Aldobrandinischen Hochzeit sagen, giebt mir auf einmal einen Begriff von diesem wichtigen Werke: fahren Sie in allen Ihren Wesen und Arbeiten nur immer nach Ihrer eigensten Überzeugung fort, und alles wird zum besten gehen.

Die confuse Kennerschaft der Liebhaber, die doch aus der Reise für ihr Geld, wie die Zuschauer in der Komödie, auch mitklatschen oder zischen wollen, bitte ich ja in ihren Details zu merken, damit sie künftig, unter Rubriken gebracht, entweder Stoff zu einem Kapitel oder zu einer Epistel liefern; alles ist uns werth und wichtig zu beobachten, das was und hindert, so gut als was uns fördert. Ich habe mit Schiller über die Art, wie unser Feldzug zu eröffnen und zu führen seyn möchte, eine umständliche Conferenz gehabt.

Die Angelegenheit mit Heigelin, wegen des Gemähldes, ist auf dem Wege abgethan zu werden, man ist überhaupt gegen ihn noch in einem kleinen Reste, Ludekus hat an ihn geschrieben, um seine Rechnung zu verlangen und ist alsdann geneigt alles auf Einmal zu bezahlen. Was ich von Heigelins Antwort [57] höre, und von dem Fortgang der Sache erfahre, schreibe ich gleich.

Das Recept zu Glaspasten erbitte ich mir aufs baldigste, damit ich erfahre wie die Abdrücke am schicklichsten zu machen sind, denn ich werde denn doch vor meiner Abreise der Fürstin die Sammlung zurückgeben. – Den Brief an Hackert schicke nächstens und lege sodann auch einen an Angelika bey.

Bertuch verspricht mir nach der Messe eine Anweisung auf etwas Geld nach Neapel die ich dann sogleich senden will.

Leben Sie recht wohl. Ich endige nur meinen Roman, dann mach ich mich auf.

G.


11/3297.

An Friedrich Schiller

Cellini wartet hier auf, ehe Sie zurückkommen hoffe ich einen guten Anfang zu der folgenden Lieferung gemacht zu haben.

Auch liegt die Anzeige zu Egmont bey, wozu ich, nach Standes Gebühr, die Titulaturen zu setzen bitte. Ich wünsche das Blatt durch den Boten wieder zurück zu erhalten.

Die guten Wirkungen unserer vierwöchentlichen Abentheuer werden wir erst nach einiger Zeit der Ruhe und Sammlung empfinden.

Leben Sie recht wohl und haben Sie nochmals Dank für den treuen Beystand. Weimar den 21. April 1796.

G.


[58] 11/3298.

An Charlotte von Kalb

[26. April.]

Von Ihrem herzlichen Antheil an der gestrigen Aufführung war ich überzeugt und ich freute mich, Sie gegenwärtig zu wissen. Warum kann man doch nicht oft solche ernsthafte Versuche machen? und wie weit würde man durch Wiederholung, Übung, Urtheil und Empfindung geleitet werden!

Wie gern trüge ich manchmal etwas von meinen frühren Werken vor, wie gern etwas von dem was mich gegenwärtig beschäftigt, denn was bildet schneller, was muntert reiner und lebhafter auf als freundschaftliche Theilnahme und daß es nicht geschah, nicht geschieht, sollte die Ursache blos in einer trüben Vorstellungsart über gewisse Verhältnisse liegen? da ich andre so hell und heiter sehe. Ich darf nicht umwenden, denn sonst sagte ich vielleicht was besser in der Feder bleibt. Leben Sie recht wohl und haben Sie tausend Danck für Ihr freundliches Wort.

G.


11/3299.

An Christian Gottlob Voigt

[28. April.]

Hierbey die Papiere über die Steuerangelegenheit, Sie haben die Güte der Sache den letzten Anstos zu geben.

[59] Auch die Bergwerckskonzepte. Schraters Gutachten will ich mit nach Jena nehmen und es durchgehen.

Die Wasserbau Sachen will ich nach meiner Rückkunft sämtlich berichtigen.

Beym Schloßbau wäre erst zu bestimmen was man aufwenden will. Mir scheint denn doch daß der Arbeit zu viel ist, und daß man, selbst wenn man den Aufwand machen wollte, nicht damit durch kann. Zu (18-20)rh/m würde ich aber doch rathen.

Sie haben ja wohl die Güte wenn irgend etwas vorfällt mir einige Nachricht nach Jena zu geben.


11/3300.

An Christiane Vulpius

Ich habe Götzen aufgetragen dir einige Schock Kohlrabipflanzen zu schicken, damit wir doch einen Anfang machen. Versäume ja nicht sogleich Spinat zu säen.

Noch kann ich nicht viel sagen. Meine Sachen sind im Werden. Ich hoffe es wird gut gehen.

Lebe recht wohl und liebe mich.

Jena d. 29. Apr. 96.

G.


11/3301.

An Christiane Vulpius

Ich bitte dich recht herzlich, mein liebes Kind, die schönen, guten Tage zu genießen, die du vor so vielen [60] andern haben kannst und dir das Leben nicht zu verderben, noch verderben zu lassen. Du weißt daß ich zu Hause nicht zur Sammlung kommen kann meine schwere Arbeit zu endigen, vielleicht gelingt mir es auch hier nicht und ich muß doch nach Ilmenau. Lebe recht wohl, grüße und küsse das Bübchen, ihr sollt mich bald besuchen.

Sonntag d. 1. May 96.

G.


11/3302.

An Charlotte von Kalb

Hier ist das Buch zurück, ich hoffte es in Ruhe hier, auch als eine Gabe von Ihnen zu genießen, wie ich Ihren Brief oft wiederlese in stillen Stunden. Es verfliegt so viel in der Lust, warum sollen auch solche Worte im Feuer ausgehen. Lassen Sie mich Ihnen sagen, daß ich ihn zu kurz fand und daß ich immer so fortgelesen hätte und nun immer wieder von vorn anfange. Sie irren sich nicht so ganz, wenn Sie mir schreiben. Leben Sie recht wohl.

[Jena] d. 1. May 96.

G.


11/3303.

An Friedrich Schiller

[Jena, Anfang Mai.]

Ich will mich heute Abend, und vielleicht morgen den ganzen Tag in der künstlichen Wüste halten, um[61] zu sehen wie es geht und ob ich vielleicht in Ihrer Nähe bleiben kann, welches ich so sehr wünschte. Grüßen Sie die Freunde schönstens. Könnte Körner nicht bald nach Dresden schreiben und die Victoria kommen lassen? er könnte den Besitzer ersuchen, den genauesten Preis anzuzeigen, und zusichern, daß er entweder die Statue oder das Geld selbst mit zurückbringen wolle. Nur wäre zu bitten, daß sie recht gut eingepackt würde. Leben Sie recht wohl.

G.


11/3304.

An Christiane Vulpius

So mag ich es gerne sehen wenn du vergnügt bist in guter Gesellschaft und dann wieder zu Hause fleißig und sorgfältig bist. Genieße ja der guten Tage und behalte mich lieb.

Da Herr Cotta sich in verschiedenen Geldsorten wohl gehalten hat, so schicke ich dir auch etwas davon. Lebe wohl! Grüße und küsse den Kleinen. Carl läßt ihn schön grüßen.

Mir geht es auch recht gut nur daß der Roman so nicht rücken will. Jena d. 4. May 96.

G.


11/3305.

An Christiane Vulpius

Hier schicke ich dir eine gute Art Brezeln, die sich lange halten und die, von Zeit zu Zeit, mit einem[62] Gläßchen rothen Wein, genossen, dir und dem Kleinen wohl schmecken und bekommen werden. Das abwechselnde Wetter hindert mich sehr am spazieren gehen, und mit dem Roman will es auch nicht recht fort, hoffentlich kommt es mit dem bessern Wetter aus einmal. Lebe recht wohl, grüße den Kleinen und schreibe mir wie Ihr Euch befindet.

Jena den 10. May 96.

G.


11/3306.

An Christian Gottlob Voigt

Mit vieler Freude habe ich die verschiedenen Briefe empfangen die Sie die Güte hatten mir hierher zu schreiben; heute erhalte ich die Bergwerks-Acten und werde nächstens über diese Angelegenheit etwas umständlicher meine Gedanken eröffnen und berühre heute nur verschiedene andere Puncte und Gegenstände.

Daß, unter den gegenwärtigen Umständen, 15000 rh. zum Schloßbau verwilligt worden, ist mit Danke anzunehmen. Wir können damit schon gute Fortschritte thun, die Treppengewölbe und Hauptmauern aufführen. Sie haben die Güte sich wegen dem Wochenextract an den Bauverwalter zu halten und den Baumeister zu bedeuten, daß er sich nur an die Hauptarbeiten hält und nichts kleines und einzelnes unternimmt.

Ich bin sehr neugierig wo noch unser Contingent[63] hin verschlagen wird und ob sie endlich noch zur Ehre gelangen einen Feind zu sehen?

Am Wasserbau sind wir indessen fleißig gewesen, der Durchstich der Mühllache ist fertig, ich hoffe er soll sich gut halten, vielleicht besuchen Sie uns ein mal nach dem Feste und sehen diese kleine Arbeit an. Schillern wird es auch sehr freuen Sie einmal wieder zu sehen.

Körners und Graf Geßler sind noch hier, und wir haben dadurch eine sehr angenehme Unterhaltung, übrigens geht alles seinen ruhigen Gang hier fort und wenn man gute äußere Polizen unterhält, so wird die innere Disciplin nicht viel zu schaffen machen.

Es sind mehrere Schweizer hier angekommen, die Jura studiren und sehr artige und wohlbehabende Leute zu seyn scheinen.

Leben Sie recht wohl, und versäumen Sie ja nicht, so bald es Ihnen möglich ist, wäre es auch nur aus kurze Zeit, herüber zu kommen, gönnen Sie sich bey so vielen Geschäften diese Erholung und uns diese Freunde und leben indessen recht wohl.

Jena den 10. May 1796.

G.


[64] 11/3307.

An Carl Ludwig von Knebel

[Jena, 14. Mai.]

Hier, mein lieber, einige Blätchen von Meyer, die sich wohl eine gute Ausnahme versprechen dürfen; er ist fleißig und es läßt sich von seinen stillen Bemühungen viel hoffen.

Sie vierzehn Tage meines hießigen Aufenthaltens habe ich mehr gesellig als fleißig zugebracht. Wir hofften dich auch zu sehen.

Noch ist eine Idylle zu Stande gekommen, die ich dir bald vorzutragen hoffe.

Lebe recht wohl und liebe mich.

G.


11/3308.

An Friedrich Schiller

[Jena, 20. Mai.]

Ich werde durch einen Boten nach Weimar berufen und gehe sogleich dahin ab. Heute Abend bin ich wieder da und sehe Sie Morgen. Diese Fahrt mache ich gern nach unsrer gestrigen Lecktüre, denn wie sehr diese mich vorwärts gebracht hat ist nicht auszudrücken. Schicken Sie doch das Manuscript mit diesem Billet an die kleine Frau, wir wollen hoffen daß diese Erweiterung des Publici uns auch etwas fördern werde. Hier einige Xenien und tausend Danck für alles gute. Viel Grüße der Frauen. August freut sich auf Carlen.

G.


[65] 11/3309.

An Christian Gottlob Voigt

[20. Mai.]

Mit dem schönsten Lebewohl hier:

1) Die Verordnung an den Untersteuerdirector.

2) Das Verzeichniß wegen Rosla. ich habe durch den Bauverwalter besichtigen und bieten lassen.

3) Ein Supplicat das einige Zeit bey mir lag.

Können Sie es möglich machen, so kommen Sie einen Tag zu uns nach Jena. Auf alle Fälle komme ich bald zurück.

G.


11/3310.

An Johann Heinrich Meyer

Jena den 20. May 1796.

Ihr Brief mein Werthester vom 24. April, der eigentlich Nr. 11 ist, hat mich in Jena angetroffen, wo es mir seit 14 Tagen ganz gut geht. Körners und Graf Geßler waren hier, der letzte ist den 16. dieses Monats, und zwar geradesweges, nach Italien abgereist, Sie werden ihn bald sehen, denn er denkt geschwind zu gehen. Leider ist seine Gesundheit nicht die beste. Körners sind den 17. fort, es ist Ihrer in dieser Gesellschaft oft genug gedacht worden. Auch hab' ich durch die Negotiation dieser Freunde die Wackerische Victorie für einen leidlichen Preis erhalten, sie steht [66] wirklich vor mir und ich bin sehr zufrieden dieses Kunstwerk zu besitzen vielleicht kann ich Ihnen ehe dieser Brief noch abgeht eine kleine Rezension derselben vorlegen.

Aus alles was Sie nachbilden und notiren freue ich mich herzlich, es geht nichts über den Genuß würdiger Kunstwerke wenn er nicht auf Vorurtheil sondern aus wahrer Kenntniß ruht.

Das Hirtische Manuscript hab' ich erhalten, es betrifft einen interessanten Gegenstand, ist aber weitläufig und, unter uns gesagt, ungeschickt geschrieben, so daß es beynah noth thäte, man redigirte das Ganze. In einem beygelegten Briefe hat er auch solche miserable Fragen an mich gethan, worüber ich ihm nächstens eine Auskunft, die keine Auskunft ist, zu geben gedenke.

Zu der Endeckung des jungen Mannes wünsche ich Ihnen Glück, wenn er sich nur erst durch Sie und nach Ihnen gebildet hat, so kann er uns gewiß großen Vortheil bringen, denn freylich auf junge Leute müssen wir denken mit denen man sich in Rapport und Harmonie setzen kann, von älteren, bey denen sich die Ideen schon fixirt und die sich schon eine eigene Lebensweise vorgesetzt haben, ist nichts zu hoffen.

Wilhelm Schlegel ist nun hier und es ist zu hoffen daß er einschlägt. So viel ich habe vernehmen können ist er in ästhetischen Haupt und Grundideen mit uns einig, ein sehr guter Kopf, lebhaft thätig [67] und gewandt. Leider ist freylich schon bemerklich, daß er einige demokratische Tendenz haben mag, wodurch denn manche Gesichtspuncte sogleich verrückt und die Übersicht über gewisse Dinge eben so schlimm als durch die eingefleischt aristokratische Vorstellungsart verhindert wird. Doch mehr von ihm wenn ich ihn näher kenne.

Was die Bilder in dem Pallast Lancelotti betrifft, so wollen wir sie doch im Auge behalten, der Herzog hat keins von den Winklerischen Bildern acquirirt, man denkt die Sammlung im Genzen zu verkaufen. Horchen Sie doch gelegentlich wegen des Guercin und der Carrache und schreiben mir die Größe und etwas Detailliertes über den Werth der Stücke und über den Preis, vielleicht entschließt sich der Herzog zu einem oder dem andern. Ich habe unter den in Kupfer gestochnen merkwürdigen Gemählden, wenn ich nicht irre, auch die im Pallast Lancelotti befindlichen von Guercin und Carrache und kann also, wenn davon die Rede ist, sogleich den anschaulichen Begriff geben, es kommt nur darauf an, daß Sie die Größe, die Erhaltung und was sonst aus dem Kupfer nicht ersichtlich seyn kann, bemerken.

Es ist löblich an die Dauer der Kunstwerke zu denken, wenn nur auch viel entstünde was zu dauern verdiente.

Nachfolgende Fragen wünscht der Herr Coadjutor beantwortet.

[68] 1) Aus welchen verschiedenen Mischungen die Farbenmassen der Römischen Mosaik bestehen?

2) Wie Sie verfertigt werden?

3) Ob irgend in einem gedruckten Werk davon vollständige Nachrichten enthalten sind?

4) Ob und wie theuer man dergleichen Glasfarben in Rom kaufen kann?

Was Sie hierüber dem Herrn Coadjutor für Zukunft geben könnten, schrieben Sie ja wohl demselben gleich nach Mörsburg am Kostnitzer See und behalten eine Abschrift für unsern Entzweck bey Ihren Papieren.

Sie schreiben daß Sie die Aldobrandinische Hochzeit bald schicken wollen. Sollte es aber nicht besser seyn sie dort zu behalten und sie zuletzt mit dem ganzen Transporte abgehen zu lassen? denn da ich noch im August abzugehen hoffe, so könnte es leicht seyn daß, wenn Sie solche mit Gelegenheit schicken sie mich nicht mehr anträfe, welches ich für einen sehr großen Verlust halten würde.

So eben erhalte ich Ihren Brief Nr. 12. Der vorhergehende ist, wie Sie aus dem Anfange dieses Blattes sehen, glücklich angekommen, mit diesem überschicke ich die Briefe und die Anweisung, von der letzten unten mehr.

Wenn Sie über das was Sie in Ihrem Fach aufzeichnen und leisten sorglich sind, so habe ich bey meiner Natur noch viel mehr Ursache es zu seyn, da ich weit mehr als Sie von der Stimmung abhänge [69] und so selten gerade eben das thun kann, was ich mir vornehme. So geht es mir eben jetzt mit dem Roman, den zu endigen ich abermals hierher gegangen bin, und in 14 Tagen allerley löbliche und erfreuliche Dinge zu Stande gebracht habe, nur gerade das nicht was ich mir vorgenommen hatte. Auch weiß ich recht gut, daß die sammlende Aufmerksamkeit auf äußere Gegenstände bey mir nur eine gewisse Zeit lang dauert und daß die verbindende und wenn Sie wollen poetische Tendenz alsdann desto lebhafter und unaufhaltsamer sich in Bewegung setzt. Wir wollen von der Selbstkenntniß und von der Übung unsere geistigen und leiblichen Kräfte zu leiten und zu nutzen das beste hoffen.

Für die Zeichnungen zu dem Monumente danke zum voraus, ich werde sie gleich copiren lassen, damit sie uns doch auch bleiben. Haben Sie Gelegenheit einige Zeichnungen zu freystehenden ländlichen Brunnen zu finden, so wünschte ich auch daß Sie mir solche zuschickten, es wird einer dergleichen nach Wilhelmsthal gesucht.

Von unsern Anlagen überhaupt kann ich nichts sagen, alles was dabey geschieht, ist dem Zufall unterworfen. Ich hatte noch gestern Gelegenheit mich über die wunderliche und unsichere Art, wie diese Gegenstände behandelt werden, zu verwundern und zu betrüben. Es will kein Mensch die gesetzgebende Gewalt des guten Geschmacks anerkennen und weil er freylich nur durch Individuen spricht und diese auch durch die [70] Eigenheit und Beschränktheit ihrer Natur nicht immer das letzte vollkommene und ausschließlich nothwendige hervorbringen, so verliert man sich in einer Breite und Weite des Zweifels, leugnet die Regel weil man sie nicht findet oder nicht einsieht, geht von den Umständen aus anstatt ihnen zu gebieten, läßt sich vom Material Gesetze vorschreiben anstatt sie ihm zu geben.

Bald will man abstracte Ideen darstellen und bald bleibt man hinter dem gemeinsten zurück, was sogar das Handwerk schon möglich macht. Bringt man ungeschickte und widerliche Dinge hervor, so sollen sie sogar als Symbol verehrt werden, man arbeitet blos, nach dunkeln Vorstellungen, auf unbestimmte Ideen loß, und weil das was daraus entspringt niemand befriedigen kann, so nimmt man seine Zuflucht zum ändern und abermals zum ändern und so kommt alles zum schwanken, daß man immer von einem Erdbeben geschaukelt zu werden glaubt. Die ewige Lüge von Verbindung der Natur und Kunst macht alle Menschen irre, und die falsche Verbindung der Künste unter einander, wo eine bald oben bald unten steht, bald herschen will bald dienen soll, macht die Confusion vollkommen, besonders wenn die bestimmtesten Künste der Imagination, oder der Empfindung und wills Gott gar am Ende einer sittlichen Cultur unmittelbar zu Hülfe kommen sollen.

Leider wird es Ihnen nicht an Beyspielen zu den verschiedenen Strophen dieser extemporirten Litaney[71] fehlen, diese Klagelieder erstrecken sich freylich, genau besehen über das Gebiet der Kunst weit hinaus und können also an verschiedenen Festen abgefunden werden.

Ich will suchen von denen Steinen, die in meinen Händen sind, wenigstens noch doppelte Abdrücke von dem Gemisch von Trippel und Gips machen zu lassen, sie können alsdann bis zu unserer Rückkunft liegen, und zu gelegener Zeit in Glas ausgedruckt werden.

Hierbey fällt mir ein, daß Facius eine seiner Landsmänninnen aus Gaiz und Horny Mamsel Ortelli geheirathet hat. Ob die Kunst mit der Bevölkerung in gleichem Grade zunehmen werde, daran ist sehr zu zweifeln, indessen ist Horny fleißig und seine radirten Landschaften werden immer besser, so daß er künftig in unsern Plan recht gut eingreifen kann.

Die Krausischen Landschaften von den Boromeischen Inseln sind sehr gut und glücklich gezeichnet, bey der Illumination hingegen der gestochenen Umrisse haben sie viel verloren und wie mich dünkt, weil die Massen, welche die Natur beym ersten Entwurf angab, hier durch kleine Gegenstände und Staffagen, wodurch man das Ganze interessant machen wollte, zerschnitten und zerhackt sind.

Der arme Waitz wird wohl nicht lange mehr leben, ich hoffte ihn diesen Sommer in ein Bad zu bringen, allein ich höre er ist sehr schlecht. So auch scheint Eckebrecht nicht lange mehr zu laufen, ich will sehen, daß er gegen eine Remuneration das mechanische, was [72] er weiß etwa an Horny nach und nach offenbart und überträgt.

Der Herr Geheimde Rath Schnauß leidet auch wieder sehr an seinem Fuße und es ist zu befürchten, daß endlich einmal seine gute Natur unterliegt.

Da noch einiger Platz übrig ist, will ich eine Recension der neu acquirirten Statue versuchen. Sie ist mit der Wackerischen Sammlung an einen Herrn von Eckendorf in Dresden verkauft worden, der, weil er nur ein Liebhaber von Münzen ist, sie an mich überlassen hat. Es ist eine Figur von Bronze, 7 Zoll hoch, mit der Kugel aber worauf sie steht und der kleinen Platte in welcher die Kugel eingelassen ist, mit den Flügeln, die in die Höhe gerichtet sind, ist sie accurat einen Leipziger Fuß hoch. Eine weibliche bekleidete Figur steht mit dem Vordertheil des linken Fußes auf einer Kugel und trägt den rechten frey und ein wenig hinterwärts, die Linie des Körpers neigt sich ein wenig zur linken Seite, und so steht das Ganze im schönsten Gleichgewicht. Die beyden nackten Arme hält sie gebogen über den Kopf erhoben, so daß die linke Hand etwas höher als die rechte steht, die Flügel sind gerade in die Höhe gerichtet. Die Figur ist sehr gut gezeichnet und das nackte vollkommen verstanden, die Kniescheiden und Muskeln der Schenkel und Füße besonders fürtrefflich ausgedruckt. Von der Drapperie ist vorzüglich zu reden. Die Figur hat eigentlich ein langes Gewand an, das, wenn es nicht[73] zweymal gegürtet wäre, ihr weit über die Füße herabfallen müßte, unter der Brust ist es mit einer Binde zum erstenmal gegürtet, der zweyte Gürtel über der Hüfte ist durch die herabfallenden, schwankenden, in der Mitte bis an den Nabel reichenden, an der Seite aber weiter herunterfallenden Falten bedeckt, die Schenkel sind durch das bis zu den Füßen herabfallende, durch den Wind aber angetriebene Kleid, so wie die Knie, Schienbeine und Waden sichtbar. Dieser dreyfache Faltenwurf ist jeder in seiner Art vortrefflich und mit dem größten Verstande gedacht, an der Brust sind sie fest angeschlossen, um den Leib schwanken sie und um die Füße sind sie in Bewegung. Ohngefähr wie bey meiner Diana, nur daß bey dieser der untere Theil des Gewands viel kürzer ist. Das Gewand selbst scheint als das einfachste von der Welt gedacht zu seyn, es ist auf der einen Seite in seiner ganzen Länge zu und auf der andern offen und wird durch nichts, als durch ein paar Knöpfe auf den Schultern, durch den sichtbaren und den unsichtbaren Gürtel fest und zusammen gehalten. Der beste Standpunct die Figur zu sehen ist, wenn das Auge gerade mit der Kugel in gleicher Höhe steht, das ganze zeigt sich mit der größten Leichtigkeit, ganz en face außerordentlich schön und wenn man sich ein wenig hin und wider bewegt, entsteht eine unglaublich anmuthige Bewegung in allen Theilen der Figur, besonders zeichnen sich die äußern Umrisse aus einer weißen Wand mit der größten [74] Mannigfaltigkeit und Zierlichkeit. Das Oval des Kopfes ist rundlich und wird durch den Haarputz ganz rund, der Ausdruck des Gesichts ist sehr still und edel, die Ecken des halboffnen Mundes ein wenig herunter gezogen. Der als steht mit außerordentlicher Freyheit und Feinheit aus dem Körper, durch ein sonderbares listiges Kunststück siehst man den Hals immer frey, obgleich die Flügel sich von der Seite und von hinten dem Kopfe sehr nähern. Die Flügel sind überhaupt mit der größten Zierlichkeit angesetzt, sie gehen von den Schultern bis in die Weichen, erstrecken sich ein wenig über den Gürtel, und lassen alsdann einen kleinen Raum zwischen sich und den schwankenden Falten der Hüfte. Erhalten sind sehr gut der Kopf und die Brust, welche der edle Grünspan zart überzieht, ingleichen die Flügel, welche in allen ihren Theilen mit großer Eleganz ausgestochen sind. Das untere Gewand tat sowohl als die freyen Arme durch Abblätterung der gesäuerten Metallrinde etwas weniges Epidermis verloren, doch thut sowohl das Ganze in gehöriger Entfernung seine vollkommene Wirkung, als man in der Nähe die feinsten und zartesten Theile noch entdecken kann. Es gehört mit zu den vorzüglichsten Kunstwerken die wir besitzen und ich wünsche daß es auf gute Nachfolge deuten möge. Die Rückseite, qua Rückseite, ist nur im Großen bearbeitet, in so fern sie aber die Conture der Vorderseite enthält und die Leichtigkeit des Hinwegschwebens vielleicht noch [75] mehr als die Vorderseite des Heranschwebens vors Auge bringt, außerordentlich interessant. Soll ich eine Vermuthung angeben, so könnte es eine Victorie seyn, deren Original eine berühmte Gottheit auf der Hand getragen und die nun in dieser Copie als Zierde einer Fahne oder eines andern militarischen Vereinigungszeichen gedient haben mochte.

Abgeg. d. 22ten May.


11/3311.

An Charlotte von Kalb

Den Brief vor 14 Tagen habe ich erhalten und in Hofnung Sie bald zu sehen bißher nichts erwiedert. Körners sind fort und ich muß gestehen daß es mir leid that Ihr Verhältniß gegen diese Societät so wunderlich verrückt zu sehen. Vorgestern war ich auf einige Stunden in Weimar nun bin ich etwa noch acht Tage hier. Ich werde von Ihrem Briefe nichts erwähnen, allein von Ihrer Eröffnung den Gebrauch machen den Sie wünschen. Möchte daraus eine gute Wirckung entstehen! Das Leben geht hin und die Lust daran will sich so selten einstellen. Leben Sie recht wohl.

Jena d. 22. May 96.

Goethe.


[76] 11/3312.

An Wilhelm von Humboldt

[Jena, 27. Mai.]

Sie haben, verehrtester Freund, die Güte gehabt, mir auf eine durch Schiller gethane Anfrage eine so umständliche und befriedigende Antwort zu geben, daß ich um Verzeihung bitten muß, wenn ich dagegen erst so spät etwas erwidere. Der junge Mann, von dem Sie mir schreiben, gefällt mir nach Ihrer Schilderung sehr wohl, und nach meiner Überzeugung würde er sich auch zu dem neuen Institute recht gut schicken; unsere Franzosen aber, die, nach dem beiliegenden Prospectus, ihren Eleven eine ziemliche Summe abzunehmen gedenken, glauben auch womöglich gemachte Männer und Männer von Namen herbei und in ihr Interesse ziehen zu müssen, um so mehr, als sie solche wirklich wenn das Institut zusammenkommt, gut bezahlen können. Ich wartete bisher ab, ob allenfalls von denen Personen, auf die man Absicht hatte, Antwort zurückkäme, und ob sich die Unternehmer zu etwas bestimmten. Da es aber bisher noch nicht geschehen ist, und ich befürchte, Sie möchten von Berlin abreisen, so eile ich mit dieser Vorantwort, um Ihnen für diese Bemühungen den besten Dank zu sagen. Ehe Sie von Berlin weggehen, vertrauen Sie mir ja wohl den Namen des jungen Mannes, den Sie vorschlugen, an? damit ich, im Falle, wenn man aus ihn noch in [77] reflectiren gedächte, an ihn schreiben könnte; es soll niemand von mich außerdem erfahren, wie er heiße und wer er sei.

Wenn wir Sie oft vermißt haben, so ist es auch diesmal bei der Unwesenheit des Grafen Geßler und Körner's geschehen. Wir haben sehr angenehme Tage zugebracht, auch war Funk hier, und die Gegenwart Schlegel's trägt nicht wenig bei, die Gesellschaft unterhaltend und lebhaft zu machen.

Ich danke Ihnen für den Antheil, den Sie fortgesetzt an meinen Arbeiten nehmen. Was Sie über das Märchen sagen, hat mich unendlich gefreut. Es war freilich eine schwere Ausgabe, zugleich bedeutend und deutungslos zu sein. Ich habe noch ein anderes im Sinne, das aber, gerade umgekehrt, ganz allegorisch werden soll, und das also ein sehr subordonirtes Kunstwerk geben müßte, wenn ich nicht hoffte, durch eine sehr lebhafte Darstellung die Erinnerung an die Allegorie in jedem Augenblick zu tilgen. Ich lege die Abschrift einer Idylle bei, ich bitte, sie nicht aus Händen zu geben, und wünsche dieser Production, zu der ich selbst einige Neigung habe, eine gute Aufnahme.

Daß Sie meine Schöne Seele nicht in den Kreis Ihrer Affection einschließen würden, konnte ich ungefähr voraussehen, bleiben Sie ihren Vettern und Nichten desto gewogener, wenn das siebente und achte Buch, das wol bald vom Stapel laufen wird, sie zu Ihnen hinbringt.

[78] Schiller hat ja wol von Iffland's Besuch bei uns etwas gesagt, es war wirklich ein interessanter Moment. Schiller blieb über drei Wochen bei uns, jetzt aber setzt er sein altes Leben wieder fort und verläßt beim schönsten Wetter seine Stube nie.

Meinen Cellini darf ich Ihnen ja wol nicht empfehlen; ich hoffe, dieser sonderbare Mann soll Ihnen in der Übersetzung, wenn Sie das Original nicht kennen, noch manches Vergnügen machen.

Meyer, der im Begriff ist, nach Neapel abzugehen, grüßt auf das schönste, er fährt fort, sowol in Arbeit als in Betrachtung äußerst fleißig zu sein. Die neuesten Fortschritte der Franzosen in Italien machen mich, wegen meiner Nachfahrt nicht wenig besorgt. Da sie den 11. dieses in Mailand und Parma waren, so können sie heute in Italien, ich möchte beinahe sagen, sein wo sie wollen, wenn sie nur stark genug sind. Die modenesische Galerie und der schöne Corrége von Parma sollten die nicht auch eine Reise nach Paris antreten? und was können sie nicht aufpacken, wenn sie nach Bologna kommen! Wir müssen das erwarten, was wir nicht denken mögen; in wenig Posttagen wird die Sache entschieden sein.


11/3313.

An Christian Gottlob Voigt

Es geht ein Erpresser nach Weimar den der Provisions Collecteur an den Forstmeister Cotta schickt [79] um sich zum künftigen Sonntagsclub etwas Wildpret auszubitten und ich ergreife die Gelegenheit mich nach Ihrem Befinden zu erkundigen um zugleich zu berichten, daß es mir nach meiner Art und Weise ganz wohl geht. Wäre es zu thun daß man dem Manne, der freylich bey so viel Gästen wohl wegen seines Bratens in Verlegenheit ist, diesmal auszuhülfe, so hätten Sie ja wohl die Güte beym Forstmeister ein Vorwort einzulegen, der auf einen schon vor acht Tagen an ihn deßhalb erlassenen Brief nicht geantwortet hat. Verzeihen Sie auch diese Zudringlichkeit und behalten mich in freundschaftlichem Andenken.

Jena den 29. May 1796.

Goethe


11/3314.

An Christian Gottlob Voigt

Jena d. 31. May 96.

Für die gütige Verwendung, das Wildpret betreffend, danke in meinem und der künftig schmausenden Gesellschaft Nahmen aufs allerbeste. Künftigen Sonntag ist Frohleichnam und wird also das Clubbfest erst Sonntag in 8 Tagen seyn.

Heute haben die Soldaten auf der Landfeste gefeuert, wenn man so fortfährt und die kleine hiesige Garnison nur in einer Art von Ansehn erhält, so wird man nicht zu befürchten haben, daß künftig jemals ein Schwärmer zum Trutz, oder eine Pistole zum Ernst hier wieder abgefeuert werde.

[80] In der Beylage erscheint abermals ein kleines Ansuchen, Sie werden, nach Ihrer gewohnten Güte, entweder der Sache irgend eine günstige Wendung geben, oder mich deßhalb belehren.

Für den armen Mediciner Eichelberg in Lobeda, der sich sauerer, als ein Mensch werden ließ und läßt um etwas zu lernen und zu leisten, wünschte ich, daß eine Kleinigkeit geschähe. Glauben Sie, daß ich etwa bey Serenissimo oder bey Fürstl. Cammer irgend einen Schritt thun ober begünstigen sollte? so will ich mich dessen nicht entziehen.

Übrigens ist hier unter Bürgern und Bürgergenossen eine unglaubliche Thäthigkeit und ich glaube daß es der Moment wäre Liederlichkeit und Unart aus ewig von hier zu verbannen, wenn man von oben herein, gerade jetzt, eingreifen wollte; jeder fängt an den Werth des Besitzthums zu fühlen, mancher wendet Geld und Kräfte hierher, weil er Geld und Kräfte findet, und es wäre doch schön wenn wir noch manches mit offnen Augen sehen könnten, was wir der Nachwelt vielleicht hinterlassen müssen zu thun, wenn wir sie zuschließen.

Sie sehen auch hieraus daß eine gewisse Kraft und Neigung nicht müssig seyn kann, und daß ich da mir die Franzosen den Weg nach Italien abschneiden, zu Hause im kleinen nützlich zu seyn wünschte. Sie wohl es mir thut mich auch hierinn an Sie wenden zu können, sagt Ihnen unser alt Verhältniß. Erhalten [81] Sie sich den guten Muth und Ihre Gesundheit die mir vor allen unschätzbare sind.

In Frankfurth hab ich wegen der Lotterie eine recht gute Addresse, nur muß ich um eine Art von kleinem pro memoria bitten, das ich dahin schicken kann. Von diesen, überhaupt unseligen, Dingen, die den gemeinen Geist des Menschen noch gemeiner, den verworrenen noch verworrener machen, hab ich keinen Begriff, ich würde sie abkaufen, denn dabey zu gewinnen ist nichts.

G.


Gehorsamstes pro Memoria.

Der Gerber Eckardt hat einen sehr wichtigen Bau unternommen, indem er ein altes, zwischen seinem Wohnhaus und dem Bären gelegenes, Gebäude niedergerissen hat und nunmehr ein anderes, in gleicher Flucht mit seinem bestehenden Hause aufführt, ein Unternehmen, das alle Aufmunterung verdient. Es ist ihm dabey folgender Umstand vorgekommen:

Er hat einige lange, zu Thürsturzen und ähnlichen überbindenden Bedürfnissen nöthige Steine, die so haltbar und vollkommen in hiesigen Gegenden nicht gebrochen werden, in Zwätzen, und zwar um des Transports willen behauen angeschafft. Über diese hat ihm das hiesige Mauerhandwerk Streit erregt, hat den Wagen einige Tage nicht in die Stadt gelassen, und was dergleichen mehr ist. Die Sache ist, wie ich höre, an Fürstl. Regierung.

[82] Ich zweifle nicht an einer Resolution, die den Umständen gemäß ist und die Frage für jetzt und künftig entscheidet. Der Gerechtsame des Maurerhandwerks unbeschadet (denn daran ist in einzelnen Fällen nicht zu rühren) kommt mir ein solcher Fall höchst zufällig vor. Es ist offenbar, daß ein Bauherr keine Steine von Zwätzen hierher schleppen wird, wenn er sie näher haben kann, es ist ungeschickt von ihm zu fordern, daß er die ganze rohe Masse über die Hügel schleppen soll, es ist unleidlich von ihm zu fordern, daß er statt tüchtiger, in einer gewissen Länge, die Last haltender und tragender Steine, wider besser Wissen und Gewissen, bey seinem kostbaren Bau, schlechtere nehmen soll. Möchte doch in diesem, so wie in vielen anderen Fällen, auf eine gelinde Weise, das Hinderniß weggehoben werden, das den eizelnen hindert, dem ganzen schadet und nicht dem einzelnen nützt, weil es das ganze lähmt.


Gefällig zu gedenken.

1) Der hiesige Gastwirth zum Bären wünscht bey sich ein Billard aufzustellen, ich weiß nicht ob so etwas zulässig ist und von wem die Vergünstigung abhängt; Sie haben ja wohl die Güte mir gelegentlich ein Wörtchen darüber zu sagen.

2) Ein jungen Mediciner von Lobeda, namens Eichelberg, der über seinen besondern Fleiß und guten Charakter die besten Zeugnisse hat, nährt[83] sich aus eine kümmerliche und wirklich erbarmenswürdige Weise. Sollte man nicht zu seiner Unterstützung und wäre es nur ein geringes augenblickliches Gnadengeschenk, erlangen können? irre ich mich nicht so hat er oder seine Mutter schon irgend ein unerhörtes Schreiben eingereicht.


11/3315.

An Friedrich Schiller

[Jena, Ende Mai.]

Eine nicht hält mich zurück, gar zwey find's die mir gebieten.


Die schöne Übung in Distichen wird uns, wie ich hoffe, endlich dahin führen daß wir uns in einzelnen Hexametern bedeutend ausdrücken. Lassen Sie mich fragen: wann Sie Ihre Villegiatur antreten? und ob ich Sie heute nach Tische zu Hause antreffe? Ich bitte um den Glas Cubus und das große hohle Prisma.

Der Roman rückt gut von der Stelle. Ich befinde mich in einer wahrhaft poetischen Stimmung, denn ich weiß, in mehr als Einem Sinne nicht recht was ich will noch soll.

So geht es auch mit meiner Rückkehr nach Weimar. Zur nächsten Lieferung Cellini habe ich einen Stammbaum der Medicis aufgesetzt, insofern sie in dieser Lebensbeschreibung genannt werden.

[84] Was macht das Frauchen? Leben Sie recht wohl und lieben mich. Auf Hero und Leander habe ich große Hoffnung, wenn mir nur der Schatz nicht wieder versinckt.

G.


[73] 11/3315a.

An den Prinzen August von Sachsen-Gotha

[Concept.]

[Sommer 1796.]

Alle helfenden Wesen und Kräfte seyen uns gepriesen, da Sie, bester Fürst, noch mit so frohem und heiterem Muthe unter den Lebenden an die Schatten fingen und nicht, wie wir vor kurzem noch befürchten mußten, sich mit den Schatten unterhalten. Ich erfuhr ihre gefährliche Krankheit zu einer Zeit, da ich mich zu einer Reise von ganz anderer Art vorbereitete, und empfand zum voraus recht lebhaft, wie hart es sey, sich von denen zu trennen, mit denen uns ein altes gutes Verhältniß so nahe verbindet. Nun sind wie beyde, Sie , Gott sey Dank, und ich, daß sich Gott erbarmen möge, von unsren Wallfahrten abgehalten worden, und ich wünschte nun nichts sehnlicher, da wir auf dem glücklichen Thüringischen Boden so nahe zusammen leben, als Sie sobald als möglich wieder zu sehen und mich Ihres Daseyns und Ihrer Lieder zu freuen. Der Beweis, daß Sie den deutschen Musen manchmal auch noch ein Ohr gönnen, hat mich als einen, der nichts anders als deutsch seyn kann, herzlich gefreut. Leben Sie recht wohl, und sammeln Sie bey der schönen Witterung recht viel Kräfte für Herbst und Winter.


[84] 11/3316.

An Charlotte von Kalb

Meine eigne Absicht trifft mit Ihren Wünschen, wertheste Freundin, recht gut überein. Zu Ende dieser Woche wollte ich so von hier abreisen und ich werde meine Abfahrt beschleunigen, um durch diese kleine Aufmerksamkeit zu zeigen wie sehr ich Ihnen und Ihrer würdigen Frau Tante gefällig zu sein wünsche.

Leben Sie recht wohl. Ich hoffe Sie bald wieder zu sehen und werde dem Schloßvoigt anzeigen daß er sich auf einen neuen Besuch vorzubereiten hat.

Jena d. 7. Juni 1796.

Goethe.