1797

[1] 12/3459.

An Friedrich Schiller

Leipzig den 1. Jan. 1797.

Ehe ich von hier weggehe muß ich noch ein Lebenszeichen von mir geben und kürzlich meine Geschichte melden. Nachdem wir am 28. Dec. uns durch die Windweben auf dem Ettersberge durchgewürgt hatten und auf Buttelstädt gekommen waren, fanden wir recht leidliche Bahn und übernachteten in Rippach, am 29. früh um 11 Uhr waren wir in Leipzig und haben der Zeit eine Menge Menschen gesehen, waren meist Mittag und Abends zu Tische geladen und ich entwich mit Roth der einen Hälfte dieser Wohlthat. Einige recht interessante Menschen haben sich unter der Menge gefunden, alte Freunde und Bekannte habe ich auch wieder gesehen, so wie einige vorzügliche Kunstwerke, die mir die Augen wieder ausgewaschen haben.

Nun ist noch heute ein saurer Neujahrstag zu überstehen, indem frühmorgens ein Cabinet besehen wird, Mittags ein großes Gastmahl genossen, Abends das Concert besucht wird, und ein langes Abendessen [2] dar auf gleichfalls unvermeidlich ist. Wenn wir nun so um 1 Uhr nach Hause kommen steht uns, nach einem kurzen Schlaf, die Reise nach Dessau bevor, die wegen des eingefallenen starken Thauwetters einigermaßen bedenklich ist, doch wird auch das glücklich vorübergehen.

So sehr ich mich freue nach dieser Zerstreuung bald zu Ihnen in die Jenaische Einsamkeit zurückzukehren, so lieb ist mir's, daß ich einmal wieder so eine große Menschenmasse sehe, zu der ich eigentlich gar kein Verhältniß habe. Ich konnte über die Wirkung der litterarischen positiven und polemischen Schriften manche gute Bemerkung machen, und das versprochene Gegenmanifest wird nicht um desto schlimmer werden.

Leben Sie recht wohl. Da wir schon morgen nach Dessau gehen, so scheint es daß die Reise überhaupt nicht gar zu lange dauern wird.

Sagen Sie Herrn von Humboldt daß ich Doctor Fischern gesehen habe, und daß er mir recht wohl gefallen hat. Die Kürze der Tage und das äußerst böse Thauwetter hindern mich übrigens meinen Aufenthalt so zu nutzen wie ich wohl wünschte, doch findet man zufällig manches was man sonst vergebens sucht. Leben Sie nochmals wohl, vergnügt und fleißig.

G.


[3] 12/3460.

An Christiane Vulpius

Leipzig den 1. Januar 1797.

Ehe ich von hier weggehe muß ich noch ein Lebenszeichen von mir geben und kürzlich meine Geschichte melden. Nachdem wir am 28. Dec. uns durch die Windweben auf dem Ettersberge durchgewürgt hatten und auf Buttelstädt gekommen waren, fanden wir recht leidliche Bahn und übernachteten in Rippach, am 29. früh um 11 Uhr waren wir in Leipzig und haben der Zeit eine Menge Menschen gesehen, waren meist Mittag und Abends zu Tische geladen und ich entwich mit Roth der einen Hälfte dieser Wohlthat. Einige recht interessante Menschen haben sich unter der Menge gefunden, alte Freunde und Bekannte habe ich auch wieder gesehen, so wie einige vorzügliche Kunstwerke, die mir die Augen wieder ausgewaschen haben.

Nun ist noch heute ein saurer Neujahrstag zu überstehen, indem frühmorgens ein Cabinet besehen wird, Mittags ein großes Gastmahl genossen, Abends das Concert besucht wird, und ein langes Abendessen darauf gleichfalls unvermeidlich ist. Wenn wir nun so um 1 Uhr nach Hause kommen steht uns, nach einem kurzen Schlaf, die Reise nach Dessau bevor, die wegen des eingefallenen starken Thauwetters einigermaßen bedenklich ist, doch wird auch das glücklich vorübergehen.

Ich erwarte eben den Juden Elkan, der mir Ketten bringen wird und überhaupt sehr geschäftig ist. Es geht mir im Ganzen recht gut, doch macht mir das Thauwetter den Aufenthalt hier sehr unangenehm, und eine große Schlittenfahrt die das Militar angestellt hatte verlor dadurch allen Glanz.

Von allen diesen Dingen werde ich dir manches erzählen, schwerlich aber werde ich den Gedanken länger hier zu bleiben ausführen, es ist in dieser Jahrszeit kein Heil und keine Zufriedenheit zu erwarten. Lebe recht wohl und grüße den Kleinen.

G.


12/3461.

An Christiane Vulpius

Es geht ein Bote nach Weimar und ich will dir mit demselben nur einige Worte schreiben. Wir sind zwar auf dem Schlitten, aber nicht auf dem Schnee hier angekommen und haben eine sehr übele Fahrt gehabt, nun sind wir hier in Dessau und das Wetter scheint nicht besser zu werden. Freitag Abends sind [4] wir wieder in Leipzig und werden etwa Donnerstag den 12. oder Freitag den 13. wieder in Weimar seyn.

Der Jude hat mir, als ein wahrer Jude, abscheuliche alte Ketten gebracht und ich will, wenn ich wieder nach Leipzig komme, selbst zu Rost gehen, denn wenn ich auch etwas mehr zahlen muß, so habe ich doch dafür auch gewiß etwas gutes, das dir Freude macht.

An das Gedicht habe ich wenigstens gedacht und werde den Plan ausarbeiten, so weit mir nur möglich ist, so kann es alsdann einmal, ehe wir es uns versehen, fertig seyn. Lebe recht wohl, grüße Herrn Jacobi und macht Euch auf der Redoute recht lustig.

Dessau den 3. Januar 97.

G.


12/3462.

An Friedrich Schiller

Nach einer 14tägigen Abwesenheit bin ich glücklich wieder zurückgekommen, von meiner Reise sehr wohl zufrieden, auf der mir manches Angenehme und nichts Unangenehmes begegnet ist. Ich habe viel davon zu erzählen und werde, sobald ich nur wieder hier ein wenig Ordnung gemacht, wenn es auch nur auf einen Tag ist, zu Ihnen hinüber kommen. Leider kann ich nicht sogleich, so sehr ich auch wünschte Herrn Oberbergrath Humboldt noch zu sprechen. Grüßen Sie [5] beyde Brüder auf's beste und schönste und sagen Sie daß ich sogleich Anstalt machen werde die verzeichneten Bücher Herrn Gentz zu verschaffen.

Ich verlange sehr Sie wieder zu sehen, denn ich bin bald in dem Zustande daß ich für lauter Materie nicht mehr schreiben kann, bis wir uns wieder gesehen und recht ausgeschwätzt haben.

Poetisches hat mir die Reise nichts eingetragen als daß ich den Schluß meines epischen Gedichts vollkommen schematisirt habe. Schreiben Sie mir was Ihnen indessen die Muse gegönnt hat. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und sagen mir wie die Kleinen sich befinden.

Weimar am 11. Januar 97.

Mit dem Buche, das mir Rath Schlegel mitbrachte, geht es mir wunderlich. Notwendig muß es einer der damals gegenwärtigen Freunde eingesteckt haben, denn ich habe es nicht wieder gesehen und deßhalb auch vergessen; ich will sogleich herumschicken um zu erfahren wo es steckt. Wenn Sie Schlegeln sehen, so sagen Sie ihm daß ich ihm ein Compliment von einer recht schönen Frau zu bringen habe, die sich sehr lebhaft für ihn zu interessiren schien.

G.


[6] 12/3463.

An Carl Ludwig von Knebel

[11. Januar.]

Indem ich dir meine Ankunft melde mit der Hoffnung dich bald zu sehen; so frage ich an ob du nicht etwa jene Herzensergießungen eines Klosterbruders, welche Rath Schlegel damals mitbrachte, zu dir genommen hast? oder ob du weißt wer etwa von der Gesellschaft das Buch haben könnte? ich werde wieder daran erinnert, hatte es ganz vergessen und finde es nicht in meinem Zimmer.

Es ist mir die Zeit über recht wohl gegangen und die Menge der Menschen und neuer Gegenstände hat mich recht wohl unterhalten, wovon mündlich mehr.

G.


12/3464.

An Bernhard Heinrich Overberg

[Concept.]

[12. Januar.]

Die Sammlung geschnittner Steine, welche sich durch die Güte der Fürstin Gallitzin schon einige Jahre bey mir befindet steht schon verschiedene Monate reisefertig und ich würde sie sogleich abgehen lassen, wenn ich nicht ein Bedenken hätte, worüber ich mir eine Entscheidung erbitte.

Da ich diesen Schatz durch die fahrende Post abschicken muß, so bin ich zugleich genöthigt eine Summe des Werthes anzugeben, diese ist zwar, besonders in [7] diesem Falle, ganz willkührlich und eine hohe Summe würde, unnöthigerweise, sowohl die Aufmerksamkeit auf dieses Packet allzusehr erwecken, als auch die Kosten des Transports vergrößern, jedoch getraue ich mir nicht eine geringere nach eigner Willkür darauf zu setzen und bitte deshalb mich zu belehren auf wie hoch ich das Kästchen einschreiben lassen soll? Es kann auf eine deshalb gefällige Antwort sogleich abgehen.

Es war mir sehr angenehm den dieser Gelegenheit die Versicherung zu erhalten, daß Ew. Wohlgeb. mir noch ein gütiges Andenken schenken wollen. Nur die weite Entfernung kann mich abhalten das anvertraute Pfand selbst zu überbringen, der würdigsten Frau meinen lebhaften Dank mündlich zu sagen und mich auch Ihres Umgangs wieder auf einige Zeit zu erfreuen. Der ich mich mit besonderer Hochachtung unterzeichne.


12/3465.

An Adelheid Amalia Fürstin von Gallitzin

[Concept.]

[12. Januar.]

Die mir anvertraute kostbare Sammlung geschnittner Steine steht bey mir schon mehrere Monate reisefertig, denn da ich vergangenen Sommer hoffte nach Italien zu gehen, so hatte ich unter andern Anordnungen auch diese vorzüglich nicht vergessen. Da sich aber meine Reise verschob, so verschob ich auch [8] Sie, wertheste Freundin, über die weitere Bestimmung dieser Kunstwerke zu fragen; wie man sich denn so ungern von etwas trennt, das man so werth hält.

Nun veranlaßt mich Herr Overberg in Ihrem Nahmen die Sammlung zurückzuschicken, und sie soll sogleich abgehen sobald er mir Ihre Entschließung meldet, über einen Punct, wegen dessen ich in meinem Briefe an ihn anfrage.

Möchte ich doch, indem ich Ihnen diesen Schatz zurücksende, recht deutlich machen können, welche Wohlthat Sie mir durch Ihr Vertrauen erzeigt haben. Sie haben mir und einem werthen Freunde, der jetzt wieder nach Italien gegangen ist, Gelegenheit gegeben einen Theil der alten Kunst näher kennen zu lernen, der so schwer zu beurtheilen ist. Wir konnten diese vortrefflichen Werke wiederholt betrachten, uns an ihnen bilden und jede Art von vorgefaßter Meynung, durch eine anhaltende Prüfung, berichtigen. Eine solche Übung der Sinne und des Geistes, wodurch wir das Vortreffliche kennen und dasselbe von dem Mindern unterscheiden lernen, ist mehr werth als der eigenthümliche Besitz, denn wir werden durch jene Bildung zur Theilnahme an altem Guten fähig und geschickt. Möchten doch diejenigen, denen große Summen Geldes zur freyen Anwendung gegeben sind, eben so sehen und denken wie ich, und Sie, meine würdige Freundin, durch einen Tausch bald in den Fall setzen sich in Wohlthaten zu erfreuen, eine Lust, die Ihrer [9] allein werth bleibt, nachdem Sie vor so manchen andern Freuden vorüber gegangen sind.

Erhalten Sie mir Ihr Andenken und Ihr Wohlwollen, das ich vielleicht um so mehr verdiene als ich auf einem Wege wandle, auf dem man wenig Begleiter findet.

Möchten doch Ihre körperliche Leiden erträglich seyn und Sie noch lange Sich und den Ihrigen erhalten werden. Sie erlauben mir daß ich bey Übersendung der Steine noch ein Wort hinzufüge.


12/3466.

An Gabriel Jonathan Schleusner

[Concept.]

[nach dem 15. Januar.]

Ihr nordischer Correspondent, werthester Herr Doctor, scheint mir, aus seinem Briefe, ein sehr wunderlicher Mann zu seyn, und zu der Classe zu gehören, denen man nicht allein ihre Träume auslegen, sondern sogar selbst erst erzählen soll. Nach allem hin und herdenken will mir nicht deutlich werden was er eigentlich wünscht, und ich müßte mich sehr irren, wenn er es selbst wüßte. Vielleicht geben die Briefe des Herrn Latrobe einigen Aufschluß über den Mann, denn um ihn nach Gewissen zu befriedigen müßte man wenigstens einen Octavband schreiben und ein Werk ausarbeiten, das freylich dieser Kunst noch fehlt. Ich dächte daher wir interloquirten, [10] und ich setzte ein kleines Blatt vorläufiger Fragen auf, in welchen ich den Umfang der Sache wenigstens schematisch skizziren wollte. Er sieht daraus unsern guten Willen und nach seiner Antwort werden wir aus der großen Masse von Werken doch wenigstens eine Art von Auswahl machen können. Denn wenn er nur die paar genannten Bücher besitzt, wenn er nicht gereist, keinen Baumeister neben sich hat, so ist er freylich noch weit zurück und hat noch einen unendlichen Weg zu machen bis er zur Beurtheilung des ästhetischen Werths eines Gebäudes gelangen möchte, eine Aufgabe, die in jeder Kunst so schwer ist und besonders in dieser, da ihre Werke als schöne Werke sich selbstständig darstellen sollen und doch wieder durch das Nothwendige und Nützliche äußerst beschränkt und bedingt sind, ja ohne dasselbe gar nicht gedacht werden können. Das versprochene Blatt hoffe ich Ihnen nicht lange schuldig zu bleiben.

Die Bemerkung der Braunschweiger Ärzte verdient alle Aufmerksamkeit. Der Kreis der Beobachtung ist so weit, daß wir, um uns nur einigermaßen drinne zu bewegen, so gar vieles auf Treue und Glauben annehmen müssen. Lassen Sie uns doch, wenn wir wieder zusammen kommen, die Hirne frischgeschlachteter Thiere einsehen. Werden sie ohne Wasser gefunden . . .


[11] 12/3467.

An Hans Friedrich Vieweg

[16. Januar.]

Ich übersende Ihnen im versiegelten Anschlusse ein Manuscript. Will Herr Vieweg dafür nicht 200 Friedrichsd'or zahlen, so beliebe er den Pack zurückzusenden, ohne ihn zu entsiegeln.


12/3468.

An Carl August Böttiger

[Für das epische Gedicht Herrmann und Dorothea verlange ich

Eintausend Thaler in Golde.

Weimar d. 16. Jan. 1797.

Goethe.]

Herr Oberconsistorial Rath Böttiger wird ersucht gegenwärtiges bis zur bekannten Epoche bey sich uneröffnet liegen zu lassen.

Goethe.


12/3469.

An Hans Friedrich Vieweg

[Concept.]

Ich bin geneigt Herrn Vieweg in Berlin ein episches Gedicht Herrmann und Dorothea das ohngefähr 2000 Hexameter stark seyn wird zum Verlag zu überlassen. Und zwar dergestalt daß solches den [12] Inhalt seines Almanachs auf 1798 ausmache und daß ich nach Verlauf von 2 Jahren allenfalls dasselbe in meinen Schriften wieder aufführen könne. Was das Honorar betrifft so stelle ich Herrn Oberconsistorialrath Böttiger ein versiegeltes Billet zu, worinn meine Forderung enthalten ist und erwarte was Herr Vieweg mir für meine Arbeit anbieten zu können glaubt. Ist sein Anerbieten geringer als meine Forderung, so nehme ich meinen versiegelten Zettel uneröffnet zurück, und die Negotiation zerschlägt sich, ist es höher, so verlange ich nicht mehr als in dem, alsdann von Herrn Oberconsistorialrath zu eröffnenden Zettel verzeichnet ist.

Die Anzahl der Exemplarien welche gewöhnlich an den Verlasser abgegeben werden stelle Herrn Vieweg anheim.

Zu Kupfern bringe ich Vorstellungen aus Wilhelm Meister zum Vorschlag und werde sogleich eine Anzahl Gegenstände dazu vorschlagen.

Das Manuscript kann, zum Theil, zu Anfang April, der Schluß aber gewiß auf die Jubilatemesse abgegeben werden, auf welcher auch das Honorar bezahlt würde.

Weimar den 16. Jan. 1797.


[13] 12/3470.

An Friedrich Schiller

Die wenigen Stunden, die ich neulich mit Ihnen zugebracht habe, haben mich auf eine Reihe von Zeit nach unserer alten Art wieder recht lüstern gemacht; sobald ich nur einigermaßen hier verschiedenes ausgeführt und manches eingerichtet habe, bringe ich wieder eine Zeit mit Ihnen zu, die, wie ich hoffe, in mehr als Einem Sinn für uns beyde fruchtbar seyn wird. Benutzen Sie ja Ihre besten Stunden, um die Tragödie weiter zu bringen, damit wir anfangen können uns zusammen darüber zu unterhalten.

Ich empfange soeben Ihren lieben Brief und läugne nicht daß mir die wunderbare Epoche, in die ich eintrete, selbst sehr merkwürdig ist. Ich bin darüber leider noch nicht ganz beruhigt, denn ich schleppe von der analytischen Zeit noch so vieles mit, das ich nicht los werden und kaum verarbeiten kann. Indessen bleibt mir nichts übrig als auf diesem Strom mein Fahrzeug so gut zu lenken als es nur gehen will. Was bey dieser Disposition eine Reise für Wirkung thut habe ich schon die letzten 14 Tage gesehen; indessen läßt sich in's Ferne und Ganze nichts voraussagen, da diese regulirte Naturkraft sowie alle unregulirten durch nichts in der Welt geleitet werden kann, sondern, wie sie sich selbst bilden muß, auch aus sich selbst und auf ihre eigne Weise wirkt. Es [14] wird uns dieses Phänomen zu manchen Betrachtungen Anlaß geben.

Der versprochene Aufsatz ist so reif daß ich ihn in einer Stunde dictiren könnte, ich muß aber nothwendig vorher mit Ihnen noch über die Sache sprechen und ich werde um so mehr eilen bald wieder bey Ihnen zu seyn. Sollte sich ein längerer Aufenthalt in Jena noch nicht möglich machen, so komme ich bald wieder auf einen Tag; solch ein kurzes Zusammenseyn ist immer sehr fruchtbar.

Eine Abtheilung Cellini corrigire ich gegenwärtig; haben Sie eine Abschrift von derjenigen die im nächsten Stück erwartet wird, so schicken Sie mir solche doch.

Ich schließe für dießmal und wünsche recht wohl zu leben.

Weimar am 18. Jan. 1797.

G.


12/3471.

An Angelika Kauffmann

Die Hoffnung, Sie, verehrteste Freundin, in dem vorigen Jahr besuchen zu können, ist leider durch den unglücklichsten Krieg, der mir den Weg versperrte und uns nachher so nah bedrohte, wenigstens für den Augenblick vereitelt worden. Professor Meyer war indessen so glücklich Ihnen aufzuwarten, er ist nach Florenz gegangen und kehrt nach Rom zurück, sein[15] Aufenthalt in Italien ist noch immer der Grund meiner Hoffnung jene herrlichen Gegenden, obwohl nicht so ruhig wie das erstemal, durchzusehen. Erlauben Sie mir diesmal ein paar Fragen und beantworten solche, wenn das Schreiben Ihnen irgend beschwerlich fallen sollte, meinem Freunde, wenn er aufwarten sollte, mündlich.

Das vortreffliche Bildniß unserer Herzogin, für welches in einem neuen Gartengebäude des Herzogs, ich darf wohl sagen, ein eignes Zimmer bestimmt ist, hat sein äußeres Ansehen einigermaßen verändert, indem der Firnis entweder verflogen oder eingeschlagen ist, so daß die Lebhaftigkeit der Farben und ihre Harmonie nicht wie zuerst gesehen wird. Es ist nun zwar kein Zweifel daß ein neuer darüber zu ziehender Firnis das Bild in seinen vorigen Glanz wieder herstellen werde, allein ich bin äußerst sorgsam, man möchte einen falschen Firnis wählen und durch eine falsche Behandlungsart dem Bilde schaden. Wollten Sie daher die Güte haben mir anzuzeigen, welchen Firnis man zu wählen habe und was etwa bey dem Auftragen desselben zu bedenken sey.

Eine zweyte Anfrage und Bitte folgt hiernächst.

Ein Freund von mir, ein angesehener Handelsmann in Leipzig, hat einen Katalog Ihrer sämmtlichen Arbeiten, welche in Kupfer gestochen sind, seit mehreren Jahren mit großer Sorgfalt verfertigt und ist im Begriff solchen herauszugeben, nun wünscht er [16] nichts mehr als eine kurze Nachricht von dem Leben der Künstlerinn welche er so sehr schätzt, und mit deren Werken er sich so lange beschäftigt, seiner Arbeit vorsetzen zu können. Als er mir diesen Wunsch zu erkennen gab, erinnerte ich mich daß Herr Zucchi, als er Nachrichten von seiner Familie sammelte, auch eine Nachricht von den Lebensumständen seiner Gattin mit aufgezeichnet hatte. Sollten Sie so geneigt seyn mir diese zu communiciren, so würden Sie mir dadurch einen neuen Beweis Ihrer Freundschaft geben und alle Ihre Verehrer dadurch höchlich erfreuen.

Vor wenigen Tagen habe ich durch Sie auch in Dessau einer sehr lebhaften Freude genossen, indem ich das vortreffliche Bild Amor und Psyche mit dem größten Antheil betrachtete, wie sonderbar erschienen diese lebendigen himmlischen Gestalten in den formlosen nordischen Schneeflächen, denen nur ein wildes Schwein und ein vermummter Jäger zur würdigen Staffage dient. Leben Sie recht wohl und haben Sie die Güte mir auf eine oder andere Weise eine gefällige Antwort zugehen zu lassen.

Weimar am 18. Jan. 1797.

Goethe.


12/3472.

An Johann Heinrich Meyer

Nach einer 14tägigen Reise nach Leipzig und Dessau, auf welcher ich Durchl. den Herzog begleitete,[17] muß ich Ihnen sogleich einiges schreiben und melden, da ich ohnedieß schon eine Zeit lang gefeyert habe. – Der leidige Krieg scheint sich noch nicht endigen zu wollen und in der Lombardie geht es wilder und confuser zu als jemals. Ich habe daher den Gedanken gehabt: ob ich nicht über Wien und Triest suchen sollte, direct nach Ancona oder vielleicht gar nach Neapel zu kommen. – Hiezu findet sich eine schöne Gelegenheit, indem der Graf Fries auf Ostern von Leipzig abgeht, das ein sehr artiger junger Mann ist, und mit dessen Hofmeister ich, als einem Jugendfreunde, in Verbindung stehe. In Wien könnte ich mich mit dem besten Empfehlungsschreiben durch das ganze Italien ausrüsten lassen und alsdann meinen Weg weiter verfolgen. Dieses würde mit Ihrem Plan, gegen Fastnacht südlicher zurück zu gehen, übereinstimmen und es wäre vergnüglich genug, wenn wir uns am Molo von Neapel erst wiedersähen. Wenn ich denke daß man auf dieser Seite mit schneller extra Post den Weg bis an's Meer zurücklegen kann, ohne das Kriegstheater zu berühren, und mir von der andern Seite den Schneckengang durch die Schweiz über Turin und Genua denke, beynah ganz durch zerrüttete Länder, so kommt mir der erste Weg äußerst vorzüglich vor, und die Differenz der Entfernung verschwindet. Ich werde gleich die Negotiation mit den Freunden eingehen und sodann das weitere melden. –

In Dessau habe ich ein schönes Bild der Angelika[18] gesehen, Amor und Psyche, ich glaube Sie schrieben mir einmal davon. Auch hat mich in Leipzig ein kleines italienisches Bild, das man dem Dominikin zuschreibt, sehr interessirt. Es stellt Hagar mit dem Kinde und dem Engel vor, ist sehr schön empfunden, erfunden, gedacht, colorirt und gemahlt. Es sind Stellen drinne die an Guido, Guercin, und Dominikin erinnern, es fehlt ihm aber, besonders in der Composition, die letzte Reise, die man um so mehr vermißt als der Künstler sich ganz nah hinanzuarbeiten gewußt hat. Die Stellung der Figuren, die Richtung der Glieder, die Austheilung der Extremitäten, sind schon sehr obligat, und das Auge leitet Forderungen daraus her, die doch nicht ganz befriedigt werden; daher bleibt das Bild für den Kenner und Ankenner einigermaßen problematisch und läßt bey allem Genuß noch einen Wunsch übrig. Ich hoffe eine Durchzeichnung auf Wachspapier zu erhalten und sie Ihnen dereinst vorzulegen, vielleicht entschließen Sie sich in einer Zeichnung, die Composition völlig zurecht zu rücken, und den setzt einigermaßen unangenehmen Bruch vollzählig zu machen. Mehrere gute niederländische Bilder habe ich auch in Leipzig gesehen. In Dessau hat man ein Kupferstecher Institut unternommen, wovon die Folge erst zeigen muß ob es bestehen kann. Man hat verschiedene Künstler hingezogen, die in schwarzer Kunst, Aquatinta und punctirter Manier nach Zeichnungen und Copien [19] arbeiten, welche man von weiten und nahen her anschafft. Unter den Künstlern sind einige recht geschickte Leute und in der Wahl der Gegenstände fängt man auch an sorgfältig zu werden, von Nahl und Seidelmann, von Biermann und andern sind schöne Zeichnungen vorräthig, und aus der Art wie man nach Ihnen gefragt hat, vermuthe ich daß man Absicht hat auch Sie in das Interesse zu ziehen. Alles kommt auf den Absatz an, bey welchem Freund Bertuch seine Künste zeigen wird. Die Nahmen der Künstler und die Constitution des Ganzen schreibe ich Ihnen nächstens, denn es mag sich heben und erhalten, oder sinken und zu Grunde gehen, so ist es immer für den Künstler ein merkwürdiges Phänomen, und er kann hoffen, wenn es reussirt sich mit ernsthaften Arbeiten daran anzuschließen. Pickler, ein junger Mann von Wien, behandelt die schwarze Kunst mit viel Naturell und Glück, auch sind einige Landschaften in Aquatinta vorzüglich gut gerathen, weil sie Zeichnungen, und nicht, wie Prestel oft, Gemählde vor sich haben. – Durch die französische Emigration sind auch italienische Bilder und Werke der solidern französischen Schule über Hamburg nach Sachsen gekommen. Das Winklerische Cabinet liegt, wie das Praunische, begraben, die Theilnehmer wünschen es zu verkaufen, sind aber so reich, daß sie auf ihren Schatz noch lange halten werden, sie lassen es indessen niemand sehen, weil sie es im Ganzen verkaufen wollen [20] und zu den vielen Neugierigen wenig Vertrauen haben. Übrigens geht die Liebhaberey im Ganzen ihren alten Gang, Vorurtheil und Vorliebe greifen nach irgend einem Schein, die historische Kenntniß macht gegen den Werth des Kunstwerks gleichgültig, und ohne sie tappt der Liebhaber doch nur herum, was man besitzt hält man für's beste, die Großen hören auf, sich zuzueignen was einen Kunstwerth hat, und Privatleute sammeln schon mit dem Bewußtseyn von ihren Erben alles wieder zerstreut zu sehen. So ist es beschaffen und so wird es eine Weile bleiben. – Herr Leo in Leipzig scheint, wie mehrere Herausgeber von Zeitschriften, seine Bogen ohne große Kosten füllen zu wollen. Ich habe ihm für Ihre 4 ersten Zeichnungen 8 Louisd'or gefordert, worauf er sie, zwar auf die höflichste Art, aber doch zurückgeschickt hat. Ihre zweyte Sendung, die mir auch ganz besondere Freude macht, ist indessen angelangt. Wenn Sie für diese Blätter überhaupt mit einem geringern Preise zufrieden seyn können, so nehme ich sie lieber zu dem Schloßbau und verwahre sie als einen geheimen Schatz, denn ich sehe doch voraus, daß wir, nach unserer eingeführten Handelsweise, gelegentlich in die größte Verlegenheit kommen müssen und sich unser Schloß, durch Zufall, mit kostbaren Meublen, ohne Übereinstimmung, füllen wird. Wenigstens hat man alsdann etwas in der Hand, was man geringern Dingen entgegenhalten und, wo nicht seine Freude an [21] der Ausführung, doch sein Gewissen beym Rathgeben retten kann. – Die Kiste an den Herzog von Gotha mit jenem bewußten Manuscript ist angekommen, sie enthielt nichts an mich. Schreiben Sie mir doch was Sie nun alles von erworbenen Schätzen bey sich verwahren und herumführen. – Was Sie über die leichten Gewölbe schreiben, ist wirklich so wunderbar, daß man dergleichen Arbeiten sehen müßte um sie sich denken zu können. Ich werde mit unserm Baumeister davon sprechen, so viel weiß ich daß er sich schon bey seinen Gewölben auf die packende Kraft des Gipfes, den er unter den Kalk mischt, sehr verläßt. Die Ziegelstücken werden angefeuchtet, weil nach seiner Meynung der Gips sonst zu schnell binden würde, es wäre also vielleicht die Frage den Versuch mit bloßem Gips und trocknen Ziegeln zu machen. Erkundigen Sie sich doch ob gar kein Kalk unter die Mischung kommt.

Weimar den 19. Jan. 97.

G.


Weimar den 19. Jan. 97.

So eben erhalte ich Ihren lieben Brief Nr. 14 und leider ist von mir keiner indessen unterweges, die kleine Reise hat mich sehr zerstreut und meine Arbeiten unterbrochen, indessen sie mich doch von einer andern Seite sehr gefördert hat. Auf der Rückseite dieses Blättchens also noch einige Worte.

Aus beyliegendem Brief an Angelica den Sie [22] vielleicht nur mit ein paar Worten begleiten und dann weiter nach Rom schicken, werden Sie eine Frage über die zu wählende Firnisart finden, worüber ich mir auch Ihre Gedanken ausbitte.

Daß das Stückchen Musenalmanach abermals Ihren Beyfall hat, freut mich außerordentlich, aber nach dem was Sie äußern wird Sie vielleicht nicht wenig wundern wenn ich Ihnen sage, daß die Bogen welche Sie besitzen noch die gelindesten des Büchleins sind. Da wir voraussahen daß wir schon durch diese Äußerungen uns Feinde und Widersacher genug zuziehen würden so hielten wir für das beste gleich auf einmal dem Fasse den Boden auszustoßen und in ungefähr 450 Distichen den Baven und Mäven, den Phantasten und Heuchlern, theils namentlich theils mit leichter und schwererer Deutung zu Leibe zu gehen, worüber ein fürchterlicher Lärm entstanden ist, wovon Sie seiner Zeit mehr vernehmen sollen, wenn ich Ihnen nur erst selbst das Corpus delicti in die Hand gebracht habe.


12/3473.

An Johann Friedrich Rudolf Steiner

Nachstehende sonderbare Art flache Gewölbe, durch die bloße bindende Kraft des Gipfes, zu verfertigen, wird mir so eben aus Italien geschrieben, ich wünschte von Herrn Baumeister Steiner zu vernehmen

1) Ob ihm etwas ähnliches bekannt sey?

[23] 2) Ob derselbe glaubt daß, bey den Eigenschaften unseres Gipses, etwas ähnliches mit Succeß vorzunehmen wäre? und ob derselbe

3) vielleicht noch einige Fragen anzugeben hätte, die erörtert werden müßten, ehe man sich von dieser Operation einen vollständigen Begriff machen könnte.

Weimar den 19. Jan. 97.

Goethe.


12/3474.

An Johann Heinrich Jung

[Concept.]

Sie haben mir nach so langer Zeit durch Ihren Brief und das darinn geschenkte Vertrauen eine große Freude gemacht. Es war um so nöthiger die genannten Personen zu empfehlen, da, bey der großen Menge von Unglücklichen, der Würdige wie der Unwürdige, schon beynah überall erschöpfte Gemüther und Beutel findet. Ich habe in Rücksicht auf Ihr Zeugniß zuerst Herrn von Malberg, und dann auch die Frauenzimmer freundlich aufgenommen, und sie in die Wege geleitet auf denen sie auch wie mir scheint ihren Zweck erreicht haben, wenigstens scheinen sie zufrieden von hier weggegangen zu seyn.

Auch von Gotha aus habe ich die Versichrung erhalten daß man sie mit einiger Aufmerksamkeit aufnehmen wollte. So viel habe ich Ihnen zu melden für Pflicht geachtet, damit ich durch mein Stillschweigen[24] nicht etwa auch in den Verdacht der Ungefälligkeit und Unthätigkeit bey Ihnen verfallen möchte. Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich der Fortdauer Ihres Andenckens empfehle.

W. d. 19. Jan. 97.


[61] 12/3474a.

An den Herzog Carl August

Unterthänigstes pro Memoria.

Aus beyliegendem Entwurfe werden Ew. Durchl. zu ersten geruhen, wie weit man mit der, auf höchst Ihro Befehl mit Demoiselle Jagemann angefangenen Unterhandlung gekommen. Sollten höchst Dieselben die darinn enthaltenen Puncte billigen, so würde man von Seiten der Theater-Direction die Vollziehung des Contractes bewirken und Ew. Durchl. würden die Gnade haben ihr ein Decret als Hofsängerinn, mit dem Versprechen einer Pension von 200 rh. von der nächstaufgehenden Stelle einer Hofsängerinn, jedoch unter der Bedingung: daß sie mit der Theater-Direction eingegangenen Contracte in allen Stücken nachlebe, zu ertheilen.

Sodann werden Ew. Durchl. sowohl wegen der[62] indeß zu zahlenden 200 rh. als wegen der von dem Theater außerordentlich zu übernehmenden neuen Besoldung gnädigste Befehle zu ertheilen worüber von meiner Seite der unterthänigste Vorschlag geschieht, daß zwar einstweilen die Auszahlung aus der Theaterkasse geschehe, sie aber in der Folge dadurch entschädigt werde daß ihr der noch flehende Zuschluß auf zwey Sommermonate allenfalls aus der Eisenachischen Kammer gezahlt werde, dagegen man denn im Herbste an gedachten Orte zu spielen Anstalt treffen und das dortige Publikum zu unterhalten suchen würde.

Fernere gnädigste Befehle hierüber erwartend

Weimar am 27. Januar 1797.

J. W. v. Goethe.


[24] 12/3475.

An Carl August Böttiger

Für die Mittheilung der Göttinger Anzeigen dancke recht sehr. Es ist mir angenehm daß man, bey einer so unreinen Form, von dem Gehalt was Gutes sagen mag, und mancher sich manches daraus nehmen kann. Lassen Sie uns auf die Ausbildung des Gedichts desto mehr Sorgfalt wenden.

Sie erhalten zugleich eine Gabe Dianens. Ich hoffte sie mit Freunden zu verzehren, nun stehen aber soviel zerstreute Tage bevor, daß ich wünsche Sie mögen diesen Theil mit den Ihrigen vergnügt genießen.

W. d. 28. Jan. 97.

G.


12/3476.

An Friedrich Schiller

Sonntag den 29. Jan. 1797.

Wenigstens soll heute Abend Ihnen ein eilfertiges Blatt gewidmet seyn, damit Sie doch im allgemeinen erfahren wie es mit mir steht.

Ich habe diese Woche einige bedeutende Contracte zu Stande gebracht. Erstlich habe ich Dem. Jagemann [25] für den hiesigen Hof und das Theater gewonnen; sie ist als Hofsängerin angenommen und wird in den Opern manchmal singen, wodurch denn unsere Bühne ein ganz neues Leben erhält. Ferner habe ich auch mein episches Gedicht verhandelt, wobey sich einige artige Begebenheiten ereignet haben.

Daß bey solchen Umständen an keine ästhetische Stimmung zu denken ist läßt sich leicht begreifen, indessen schließen sich die Farbentafeln immer besser aneinander, und in Betrachtung organischer Naturen bin ich auch nicht müßig gewesen, es leuchten mir in diesen langen Nächten ganz sonderbare Lichter, ich hoffe es sollen keine Irrwische seyn.

Ihre Farbenbeobachtung mit dem gelben Glase ist sehr artig, ich glaube, daß ich diesen Fall unter ein mir schon bekanntes Phänomen subsummiren kann, doch bin ich neugierig bey Ihnen gerade den Punct zu sehen auf welchem es beobachtet worden.

Grüßen Sie doch Humboldt vielmals, und bitten um Vergebung daß ich die auf Italien sich beziehende Bücher noch nicht geschickt, Mittwoch soll etwas kommen.

Von Xenialischen Dingen habe ich die Zeit nichts gehört in der Welt in der ich lebe klingt nichts litterarisches weder vor noch nach, der Moment des Anschlagens ist der einzige der bemerkt wird. In Kurzem wird sich zeigen ob ich auf längere Zeit zu [26] Ihnen kommen kann, oder ob ich nochmals nur eine augenblickliche Visite machen werde.

Leben Sie recht wohl, grüßen Sie was Sie umgiebt und halten sich zum Wallenstein so viel nur immer möglich ist.

G.


12/3477.

An Hans Friedrich Vieweg

[Concept.]

Ihr Anerbieten trifft genau mit dem Blatte welches Herr Oberconsistorialrath Böttiger in Händen hat überein, und ich überlasse Ihnen, mit Vergnügen, das benannte Gedicht, auf die in Ihrem Briefe bemerkten Bedingungen, nämlich für den Calender von 1798, und für die beyden darauf folgenden Jahre, zum alleinigen Verlag und Besitz.

Daß Sie eine geringere Ausgabe drucken lassen bin ich gleichfalls zufrieden, und werde der Übersendung des Honorars nach völliger Einsendung des Manuscripts entgegen sehen.

Nach meiner vorigen Äußerung wünschte ich die erste Hälfte des Gedichtes Anfangs April zu schicken, weil ich das Ganze erst fertig zu haben wünschte, ehe ich einen Theil aus den Händen gäbe, dazu brauche ich zwar nicht viel Zeit, aber die reinste Stimmung, wie sie die Unruhe des Winters und die Zerstreuung desselben nicht leicht hervorbringen. Sollten Sie jedoch Ihrer Anstalten wegen das Manuscript nothwendig [27] früher brauchen, so läßt sich Rath schaffen und ich bitte Sie sich hierüber näher zu erklären. Freylich da ich einmal so viel Sorgfalt an diese Arbeit gewendet habe; so wünschte ich sie nun zuletzt soweit meine Kräfte reichen zu vollenden.

Herr Oberconsistorialrath Böttiger wird noch einiges hinzufügen und ich wünsche recht wohl zu leben.

W. am 30. Jan. 97.


[62] 12/3477a.

An Jean Joseph Mounier

Das neue Stück, welches ich hier zurücksende, ist sehr zierlich und geistreich. Wenn die Gefälligkeit der französischen Verse in deutscher Prosa übertragen werden kann, so ist an einem guten Effect nicht zu zweifeln. Es läßt sich freylich nicht voraus sehen wie, bey einem so sehr unterschiedenen Publicum, ein in mancherley Betrachtungen für uns so fremdes Kunstwerk aufgenommen werden kann. Ich hoffe mündlich nächstens mehr zu sagen.

[Weimar] Den 31sten Jan. 1797.

Goethe.


[27] 12/3478.

An Friedrich Schiller

Sie erhalten auch endlich wieder einmal einen Beytrag von mir und zwar einen ziemlich starken Heft Cellini, nun steht noch der letzte bevor, und ich wünsche daß wir alsdann wieder einen solchen Fund thun mögen. Auch einige Lenziana liegen bey. Ob und wie etwas davon zu brauchen ist, werden Sie beurtheilen. Auf alle Fälle lassen Sie diese wunderlichen Hefte liegen bis wir uns nochmals darüber besprochen haben.

Mein Gartenhaus stünde Ihnen recht sehr zu Diensten, es ist aber nur ein Sommeraufenthalt für wenig Personen. Da ich selbst so lange Zeit darinne gewohnt habe und auch Ihre Lebensweise kenne, so darf ich mit Gewißheit sagen daß Sie darinn nicht hausen können, um so mehr als ich Waschküche und Holzstall wegbrechen lassen, die einer etwas größeren [28] Haushaltung völlig unentbehrlich sind. Es kommen noch mehr Umstände dazu, die ich mündlich erzählen will.

Der zu verkaufende Garten in Jena ist wohl der Schmidtische? Wenn er wohnbar ist, sollten Sie ihn nehmen. Wäre denn einmal Ihr Herr Schwager hier eingerichtet, so könnte man auf ein freywerdendes Quartier aufpassen und den Garten werden Sie, da die Grundstücke immer steigen, ohne Schaden wieder los. Jetzt ist ein Quartier, wie Sie es wünschen, hier auf keine Weise zu finden.

Von Rom habe ich einen wunderlichen Aufsatz erhalten, der vielleicht für die Horen brauchbar ist. Er hat den ehemals so genannten Mahler Müller zum Verfasser, und ist gegen Fernow gerichtet. In den Grundsätzten die er aufstellt hat er sehr recht, er sagt viel gründliches, wahres und gutes, so ist der Aufsatz auch stellenweise gut geschrieben, hat aber im Ganzen doch etwas unbehülfliches und in einzelnen Stellen ist der Punct nicht recht getroffen. Ich lasse das Werkchen abschreiben und theile es alsdenn mit. Da er genannt seyn will, so könnte man es wohl mit seinem Nahmen abdrucken lassen und am Schlusse eine Note hinzufügen, wodurch man sich in die Mitte stellte und eine Art von pro und contra eröffnete. Herr Fernow möchte alsdenn im Merkur, Herr Müller in den Horen seine rechtliche Nothdurft anbringen und man hätte dabey Gelegenheit die mancherley [29] Albernheiten, die Herr Fernow mit großer Freyheit im Merkur debitirt, mit wenig Worten herauszuheben.

Körnern danken Sie recht vielmals für das überschickte Duett und den Catalogus, ersteres ist schon übersetzt und auf dem Theater. Leben Sie recht wohl! mein Winterhimmel klärt sich auf und ich hoffe bald bey Ihnen zu seyn, alles geht mir gut von statten und ich wünsche Ihnen das gleiche.

Weimar am 1. Febr. 97.

G.


12/3479.

An Franz Kirms

ad 1. Ich bin zufrieden, und finde vielmehr vor nöthig, daß die Aufkündigungszeit in den neuen Contracten, wie bisher vierteljährig, und also in dem Schallischen wie in dem Haidischen auf Weihnachten festgesetzt werde. Es würde uns so gut als die Schauspieler äußerst geniren und mancherley unangenehme Verhältnisse geben, wenn wir halbjährige Aufkündigung festsetzen wollten.

ad 2. Liebe ich mir diese nähern Bestimmungen nicht, am wenigsten, wenn in den Worten gar kein Sinn ist, denn ich wünschte wohl daß mir jemand erklärte, was 2te Charakterrollen heißen sollen. Herr Schall wird künftig wie bisher spielen was ihm zugetheilt wird.

W. am 1. Febr. 1797.

G.


[30] 12/3480.

An Friedrich Schiller

Nach einer sehr staubigen und gedrängten Redoute kann ich Ihnen nur wenige Worte sagen.

Erstlich sende ich hier das Opus des Mahler Müllers abgeschrieben, ich habe es nicht wieder durchsehen können und lege daher auch das Original bey. Da Sie es wohl nicht sogleich brauchen, so conferiren wir vorher nochmals drüber und Sie überlegen ja wohl ob am Style irgend etwas zu thun ist. Leider vergleicht er sich selbst ganz richtig mit einem Geist der nothgedrungen spricht, nur äußert er sich nicht so leicht und lustig wie Ariel. Vieles werden Sie finden ist ganz aus unserm Sinne geschrieben und, auch unvollkommen wie sie ist, bleibt eine solche öffentliche, ungesuchte und unvorbereitete Beystimmung schätzbar. Am Ende ist's und bleibt's denn doch ein Stein, den wir in des Nachbars Garten werfen, wenn er auch ein bischen aufpatscht, was hat's zu bedeuten. Selbst wenn wirklich etwas an Fernow ist, muß es durch Opposition ausgebildet werden, denn seine deutsche Subjectivität spricht nur immer entscheidender und alberner von Rom her.

Zweytens sende ich Ihnen einen Gesang eines wunderlichen Gedichtes. Da ich den Verfasser kenne, so macht mich das im Urtheil irre. Was sagen Sie? glauben Sie daß er poetisch Talent hat? Es ist eine [31] gewisse anmuthige freye Weltansicht drinne und eine hübsche Jugend; aber freylich alles nur Stoff, und wie mich dünkt keine Spur von einer zusammenfassenden Form. Gesetzt man hätte eine poetische Schule, wo man die Hauptvortheile und Erfordnisse der Dichtkunst, wenigstens dem Verstande eines solchen jungen Mannes klar machen könnte, was glaubten Sie, das aus einem solchen Naturell gezogen werden könnte? Jetzt weiß ich ihm keinen Rath zu geben als daß er kleinere Sachen machen soll.

Meine Aussicht auf längere Zeit bey Ihnen zu bleiben, verschiebt sich abermals weiter hinaus. Die Anstellung der Jagemann und ihre Einleitung auf's Theater macht meine Gegenwart höchst nöthig, doch soll mich nicht leicht etwas abhalten Sonntag den 12ten zu Ihnen zu kommen, wir haben Vollmond und brauchen bey der Rückkehr das zerrissene Mühlthal nicht zu fürchten.

Den Vieilleville will ich schicken, denn ich darf nichts neues unternehmen. Vielleicht bildet sich die Idee zu einem Mährchen, die mir gekommen ist, weiter aus. Es ist nur gar zu verständig und verständlich, drum will mir's nicht recht behagen, kann ich aber das Schiffchen auf dem Ocean der Imagination recht herumjagen, so giebt es doch vielleicht eine leidliche Composition die den Leuten besser gefällt als wenn sie besser wäre. Das Mährchen mit dem Weibchen im Kasten lacht mich manchmal [32] auch wieder an, es will aber noch nicht recht reif werden.

Übrigens sind jetzt alle meine Wünsche auf die Vollendung des Gedichtes gerichtet und ich muß meine Gedanken mit Gewalt davon zurückhalten, damit mir das Detail nicht in Augenblicken zu deutlich werde wo ich es nicht ausführen kann. Leben Sie recht wohl und lassen mich etwas von Ihrer Stimmung und Ihren Arbeiten wissen.

Weimar d. 4. Febr. 97.

G.


12/3481.

An Adelheid Amalia Fürstin von Gallitzin

[Concept.]

Heute früh ist die Sammlung mit der fahrenden Post abgegangen und ich wünsche daß sie glücklich ankommen möge. Wenn man den Ausdruck des Dancks in die besten Wohlgerüche verwandeln könnte, so würde Ihnen bey Eröffnung des Kästchens der angenehmste Duft entgegendringen. Leider läßt sich eine wahrhafte Dankbarkeit mit Worten nicht ausdrücken und eben so wenig darf sie an eine unmittelbare Wiedervergeltung denken, lassen Sie mir deswegen nur mit wenigen Worten wiederholen daß Ihre Wohltat sehr groß war, sowohl des Vertrauens, das Sie mir zeigten, als des Kunstgenusses den Sie mir gewährten. Die Kentnisse die ich mir dadurch erwarb, [33] werden mich mein ganzes Leben begleiten, so wie Ihnen das Bewußtseyn bleiben muß einen Freund ganz auf seine eigenste Weise glücklich gemacht zu haben.

Sie erlauben mir nun daß ich auch einiges von meinen Zuständen sage. Außer den Begebenheiten, Geschäften und Zerstreuungen, die jeder Tag hervorbringt und dadurch gleichsam sich selbst verzehrt, führe ich das Interesse der Naturbetrachtung immer bey mir im Stillen fort. Ich habe die Gestalt, die Bildung und Umbildung organischer Körper besonders in's Auge gefaßt, und, wie ich, vor verschiedenen Jahren, über die Metamorphose der Pflanzen eine kleinere Schrift zum Versuche herausgab, so habe ich bisher immer weiter beobachtet und gedacht, und mich auch über das Thierreich ausgebreitet. Ich sehe hierinne eine sehr schöne Beschäftigung auch für die spätern Jahre, wo man immer Ursache hat mehr von den Gegenständen zu nehmen, da man nicht mehr, wie in früherer Zeit, ihnen so vieles geben kann.

Die mit diesen Betrachtungen verwandten Naturwissenschaften habe ich nicht versäumt, besonders habe ich die Farbenlehre, von der Sie mich schon, in jenen glücklichen Stunden die ich mit Ihnen zubrachte, so eingenommen fanden, fleißig bearbeitet und mich äußerst bemüht alle Phänomene kennen zu lernen und sie in der reinsten Ordnung, die mir möglich war, zusammen zu stellen.

[34] Diese Arbeiten haben mich genöthigt meinen Geist zu prüfen und zu üben, und wenn auch für die Wissenschaften kein Resultat daraus entspränge, so würde der Vortheil den ich selbst daraus ziehe mir immer unschätzbar seyn. Denn wie bedeutend ist es die Grenzen des menschlichen Geistes immer näher kennen zu lernen, und dabey immer deutlicher einzusehen daß man nur desto mehr verrichten kann, je reiner und sichrer man das Organ braucht das uns überhaupt als Menschen und besonders als individuellen Naturen gegeben ist.

Auch verläßt mich bey diesen ernsteren, und, wie es beynah scheinen sollte, trockneren Betrachtungen, die Lust und Liebe zur Dichtkunst nicht. Indem ich ganz freye Stunden abwarte in denen sie allein möglich wird, so habe ich den Vortheil daß das, was bey mir ohne mein eignes Bewußtsein reif geworden, gleichsam von selbst abfällt und mir eine bequeme, überraschende Erscheinung giebt.

Schon vor einiger Zeit schrieb ich Ihnen daß ich mich mit dem epischen Altvater beschäftige, jetzt kann ich Ihnen sagen daß ich mit einem eignen Gedichte, von der erzählenden Art, beynahe fertig bin. Ich darf es Ihnen ja wohl, so bald es gedruckt ist, zuschicken?

Übrigens bin ich, mit den meinigen, gesund, mit allen Einschränkungen die mich umgeben bekannt und zufrieden, in einem mäßigen Genusse der Gegenwart und ohne Sorge für die Zukunft.

[35] Leben auch Sie recht wohl verehrteste Freundin und gedenken meiner in dem Kreise der Ihrigen denen ich mich sämmtlich zu empfehlen bitte.

W. d. 6. Febr. 1797.


12/3482.

An Friedrich Schiller

Ich freue mich daß Sie in Ihrem abgesonderten Wesen die ästethischen Krisen abwarten können, ich bin wie ein Ball den eine Stunde der andern zuwirft. In den Frühstunden suche ich die letzte Lieferung Cellini zu bearbeiten. Der Guß des Perseus ist fürwahr einer von den lichten Puncten, so wie bey der ganzen Arbeit an der Statue bis zuletzt Naturell, Kunst, Handwerk, Leidenschaft und Zufall alles durcheinander wirkt und dadurch das Kunstwerk gleichsam zum Naturproduct machen.

Über die Metamorphose der Insecten gelingen mir auch gegenwärtig gute Bemerkungen. Die Raupen, die sich letzten September in Jena verpuppten, erscheinen, weil ich sie den Winter in der warmen Stube hielt, nun schon nach und nach als Schmetterlinge und ich suche sie auf dem Wege zu dieser neuen Verwandlung zu ertappen. Wenn ich meine Beobachtungen nur noch ein Jahr fortsetze, so werde ich einen ziemlichen Raum durchlaufen haben, denn ich komme nun schon oft wieder auf ganz bekannte Plätze.

[36] Ich wünsche daß der Handel mit dem Gartenhaus gelingen möge. Wenn Sie etwas daran zu bauen haben, so steht Ihnen mein Gutachten zu Diensten.

Die Wielandische Äußerung habe ich nicht gesehen noch nichts davon gehört, es läßt sich vermuthen daß er in der heilsamen Mittelstraße geblieben ist. Leben Sie recht wohl, noch hoffe ich Sonntags zu kommen, Sonnabend Abend erfahren Sie die Gewißheit.

Weimar den 8. Febr. 1797.

G.


12/3483.

An Sara Wulff

Weimar, den 9. Februar 1797.

Was werden Sie sagen? wertheste Frau, wenn ich Ihnen erzähle, daß zu eben der Zeit, als Ihr freundschaftliches Röllchen auf dem Wege zu mir war, ich ihm entgegenreiste und mich Ihnen näherte. In Leipzig und Dessau hielt ich mich einige Zeit auf, und, wäre nicht die traurige Nachricht von dem Tode des, auch mir so theuren, Königlichen Prinzen eben erschollen, so hätte ich mich wohl verleiten lassen weiter zu gehen, Berlin zu besuchen, mich an den kunstreichen Darstellungen des Carnevals zu ergötzen und aus der großen Masse interessanter Menschen, die sich dort befinden, zu den wenigen Freunden, deren ich mir daselbst schmeicheln kann, vielleicht noch einige zu erwerben. Bey meiner Rückkunft empfing mich [37] Ihre Arbeit doppelt freundlich, sowohl als ein Beweis Ihres in der Ferne fortdauernden Andenkens, als auch als ein Zeugniß Ihrer völlig wieder hergestellten Gesundheit, denn wie wollte man ohne eine glückliche Harmonie seiner Kräfte ein so angenehmes Werk hervorbringen, als dasjenige ist, das Sie freundschaftlich für mich gearbeitet haben. Verzeihen Sie, wenn ich Sie nicht sogleich über dessen Ankunft beruhigte, denn ich wollte nicht einen bloßen Empfangschein überschicken, sondern zugleich noch etwas mehr sagen, und dazu erwartet man denn lange eine Stimmung, die nicht kommt, wenn man sie nicht zu erschaffen weiß. Ihr zweyter Brief bestimmt meine Unentschlossenheit, und ich eile Ihnen für das schöne Geschenk zu danken, das mich so oft an Ihr Andenken, Ihre gute Meinung und Ihr Talent erinnern wird. Wie sehr danke ich Ihnen zugleich für den Antheil, den Sie an meinen Arbeiten nehmen. Da ein Schriftsteller sich muß gefallen lassen, daß so manches wunderlich genug genommen und beurtheilt wird, so findet er sich freylich sehr getröstet, wenn seine Arbeit einmal bey einem gebildeten Individuo als Naturproduct wirkt, und zwar in seiner ganzen Breite und Tiefe. Bald sehen Sie wieder ein episches Gedicht von mir, dem ich eine so gute Aufnahme, auch in Ihrem Zirkel wünsche als die Neigung stark ist, womit ich es angegriffen habe und nun bald zu vollenden hoffe. Grüßen Sie Ihre Freundin, deren [38] ich mich noch recht gut erinnere, und gedenken meiner bei guten und trüben Tagen, in der lebhaften Stadt so wie auf dem stillen Lande.

Goethe.


12/3484.

An Friedrich Schiller

Die Horen habe ich erhalten und danke für deren schnelle Sendung; morgen bin ich bey Ihnen und wir können uns über manches ausreden. Morgen Abend gehe ich zwar weg, hoffe aber über acht Tage auf längere Zeit wieder zu kommen.

Dem verwünschten Nicolai konnte nichts erwünschter seyn als daß er nur wieder einmal angegriffen wurde, bey ihm ist immer bonus odor ex re quallibet, und das Geld das ihm der Band einbringt ist ihm gar nicht zuwider. Überhaupt können die Herren uns sämmtlich Dank wissen, daß wir ihnen Gelegenheit geben einige Bogen zu füllen und sich bezahlen zu lassen, ohne großen Aufwand von productiver Kraft.

Lassen Sie ja den Garten nicht weg, ich bin dem Local sehr günstig, es ist außer der Anmuth auch noch eine sehr gesunde Stelle. Leben Sie recht wohl, ich freue mich auf morgen. Ich esse mit Ihnen, aber allein, Geh. R. Voigt, der mit mir kommt, wird bey Hufelands einkehren und nachmittags verschränken wir unsere Besuche.

W. d. 11. Febr. 97.

G.


[39] 12/3485.

An Christian Gottlob Voigt

Ich hoffe, Sie haben Ihre einsame Fahrt, wie ich gestern die meinige, glücklich zurückgelegt und habe morgen das Vergnügen mit Ihnen noch über einige Begebenheiten dieser Tage zu sprechen. Könnten Sie wohl durch Ihre Connexionen in Berlin mir einen Chrysopras verschaffen, wie er auf beiliegendem Blättchen gezeichnet ist? Man würde gern einen billigen Preis dafür zahlen; vielleicht könnte man einen auf die Bedingung des Zurückschickens, wenn er nicht anstünde, erhalten.

W. den 14. Febr. 97.

G.


12/3486.

An M. A. Ackermann

[Concept.]

[15. Februar.]

Auf Ihren ersten Brief habe ich nicht sogleich geantwortet, weil ich nichts traurigeres weiß als das Gefühl, daß man, beym besten Willen, nicht helfen könne, und nichts unangenehmers als ein solches Bekenntniß, das man, leider mehr als jemals, bey so mancher Bitte und bey so manchem Wunsch zu erwiedern genöthigt ist. Eine Stelle von der Art, wie Sie wünschen, ist hier nicht offen noch so bald denkbar, auch würde ich Ihnen nicht rathen hierher zu ziehen, wenn Sie selbst etwas zuzusetzen hätten. Die Quartiere [40] sind rar, alles durch den Zudrang so vieler Menschen und durch die Zeitumstände übermäßig theuer, und Sie würden selbst den Unterschied eines schwerern Geldfußes empfinden. Da ich nun weder persönlich noch durch meine Verhältnisse Ihnen nützlich zu seyn weiß und doch nach der wenigen Kenntniß, die ich von Ihrer Lage und Ihren Schicksalen habe, einen aufrichtigen Theil an Ihnen nehme, so brauche ich nicht zu wiederholen, wie sehr es mich schmerzt Ihnen dieses sagen zu müssen. Ich kann nicht einmal mit Freyheit des Gemüths das gewöhnlich Lebe wohl hinzufügen und wünsche nur daß Sie mit den Ihrigen eine gute Gesundheit genießen mögen, welche so manches übertragen hilft.


12/3487.

An Jeanette Louise von Werthern

Gnädige Gräfin!

Die Beschwerde über den Billeteur und Cassier, welche Sie bey mir angebracht, habe sogleich untersuchen lassen und habe die Ehre ihre beyderseitigen Aussagen in Abschrift zu übersenden. Der Billeteur überbringt sie selbst, um sich, in so fern er gefehlt hat, zu entschuldigen.

Auch die zwölf Groschen liegen hierbey, und ich wünsche nunmehr Sie, meine gnädige Gräfin, völlig[41] beruhigt zu sehen, der ich mich mit aller Verehrung unterzeichne

W. d. 16.

Dero ganz gehorsamster Diener

Febr. 1797.

Goethe.


12/3488.

An Friedrich Schiller

Ich wage es endlich Ihnen die drey ersten Gesänge des epischen Gedichtes zu schicken, haben Sie die Güte es mit Aufmerksamkeit durchzusehen und theilen Sie mir Ihre Bemerkungen mit, Herrn von Humboldt bitte ich gleichfalls um diesen Freundschaftsdienst. Geben Sie beyde das Manuscript nicht aus der Hand und lassen Sie mich es bald wieder haben. Ich bin jetzt an dem vierten Gesang und hoffe mit diesem wenigstens auch bald im Reinen zu seyn.

Ihrem Herrn Schwager wollte ich mein Gartenhaus bis Ostern, aber freylich nur bis dahin, gern überlassen, doch würde es nur als die letzte Ausflucht zu empfehlen seyn, denn es würde doch viel Umstände machen es für die jetzige Jahrszeit in Stand zu setzen, denn es ist kein Ofen darinne, und Meubles könnte ich auch nicht geben. Allein das ganze Germarische Haus ist leer und die Fräulein, die ich so eben fragen lasse, will es im Ganzen oder zum Theil auf 6 Wochen vermiethen, auch wohl Meubles dazugeben.

Bey dem großen Drange aber, der hier nach Quartieren ist, stehe ich nicht dafür daß diese Gelegenheit[42] nur eine Woche offen bleibt. Sie müßten mit daher durch einen Boten anzeigen wie viel Raum man verlangt, und mir etwa zugleich melden wer bisher Ihres Herrn Schwagers Angelegenheiten besorgt hat, damit man sich mit ihm bereden könne.

Meyer grüßt auf's beste und hat beyliegendes sehr artiges Titelkupfer geschickt, das aber freylich in die Hände eines sehr guten Kupferstechers fallen sollte, worüber wir uns noch bereden wollen.

Der heutige Oberon fordert mich zur Probe. Das nächstemal mehr.

Weimar am 18. Febr. 97.

G.


12/3489.

An Gottlieb Hufeland

Schon wieder bin ich nach Jena und zwar, wie ich hoffe, auf längere Zeit zurückgekehrt, und komme sogleich in den Fall Sie um eine Gefälligkeit zu ersuchen.

Durchl. der Herzog wünschen den zweyten Theil der Ruinen von Athen zu sehen, und lassen zugleich anfragen: ob man das hier vorräthige Exemplar, ohne den ersten Theil, käuflich erhalten könne? denn den ersten besitzt man schon in Weimar. Wollten Sie mir diesen Band schicken, so würde ich denselben heute, wohl eingepackt, mit den Botenweibern, nach Weimar senden.

[43] Ich hoffe bald das Vergnügen zu haben Sie zu sehen. Jena den 22. Febr. 1797.

Goethe.


12/3490.

An Gabriel Jonathan Schleusner

Hier schicke ich, werthester Herr Doctor, einen kleinen Aufsatz über die Grundlage zu einer architectonischen Bibliothek, wie ich ihn heute früh dictirt habe, er enthält freylich zu wenig und zu viel. Wenigstens aber wird Ihren Correspondenten seines dieser Bücher angeschafft zu haben reuen. Wir sprechen darüber, und es läßt sich wohl noch manches zweckmäßig in der Kürze hinzuthun, und man kann, wenn man nur erst sieht wo Ihr Correspondent hinauswill, nach und nach, mehr darauf bauen. Ich wünsche recht wohl zu leben und hoffe Sie heute Abend zu sehen.

Jena am 22. Febr. 1797.

Goethe.


Die Anfrage Ihres Herrn Correspondenten, werthester Herr Doctor, deutet auf eine Lücke in der Kunstliteratur, dergleichen sich leider noch mehrere finden mögen; ein Buch wie er es wünscht, ist nicht geschrieben, und ist auch sobald noch nicht denkbar. Um ein Bücherverzeichniß aufzusetzen aus welchem sich eine Kunst mit Zeitersparniß studiren ließe, müßte man [44] mit sich und anderen schon über die Methode, und also gewissermaßen über die Theorie einig sein, das ist hier nun leider keineswegs der Fall, und jeder Liebhaber und Künstler muß zu seinem großen, oft unersetzlichen Nachtheil, den Weg einer halb raisonnirten Empirie gehen und sich in den Irrgarten hinein und heraus finden, so gut er kann. Da dieß aber der Fall mit mehr andern hochgepriesenen Wissenschaften ist, so wollen wir uns darein ergeben, und Ihrem Herrn Correspondenten wenigstens unsern guten Willen zeigen. Das Wünschenswertheste wäre freilich, daß der Liebhaber, der sich ausbilden will, die Gebäude selbst am Platze sähe, um nicht allein ihre architektonischen, sondern auch ihre optischen Verhältnisse kennen zu lernen. Ein verständig gewählter oder geschaffener Ort ist der Hauptvortheil eines Gebäudes und die wirkliche Größe des Kunstwerks ist eine unerläßliche Forderung, wenn es wirken soll. Will man aus Büchern sich entweder zu dieser Anschauung vorbereiten, oder sie im Gedächtniß wieder auffrischen, und sich mit den äußeren Gesetzen der Kunst bekannt machen, so wird man wohlthun, eine Bibliothek um sich zu versammeln, die uns mit der Geschichte der Baukunst nach und nach bekannt macht. Zu diesem Studio ist im Allgemeinen Dr. Stieglitzens Geschichte der Baukunst ein recht brauchbares Werk. Die Entdeckung und nähere Bekanntmachung der älteren griechischen Monumente, in Groß Griechenland, Sicilien und [45] dem eigentlichen Griechenland, hat viel Einfluß auf unsere Begriffe von der Baukunst gehabt, und diese Muster wirken auch schon stark auf die Ausübung, indessen ist mir kein Lehrbuch bekannt, wo sie an der Stelle, die ihnen gebührt, aufgeführt wären, da alle bisherigen ältern Schriften dieser Art dem von Vitruv eingeschlagenen Weg gefolgt sind. Ein wahrer Liebhaber der Kunst kann daher diejenigen Bücher, worinn diese Monumente aufgestellt sind, nicht entbehren und es wären daher folgende vor allen Dingen anzuschaffen. Le Roi Reise nach Griechenland. Die Ruinen von Pestum, die Alterthümer von Athen, Houel's Reise durch Sicilien. In diesen Werten kann man den reinen großen und soliden Styl kennen lernen, in welchem jene glücklichen Menschen arbeiteten, obgleich auch manches spätere darinne vorkommt, das der gute Geschmack abzusondern hat. Houel's Werk macht uns besonders anschaulich, wie jenes kluge Volk in den Mitteln zu seinen großen Zwecken haushälterisch gewesen, wie sie Felsen und Berge nicht allein als Fundament, sondern auch als Theil des Gebäudes benutzt, der rohen Masse in ihrer Naturlage eine bequeme und schöne Form gegeben, und durch die Kunst das Fehlende nur gleichsam supplirt, wie sie die Aussichten herrlich genutzt, und was sonst noch alles zu ihrem Ruhm gereichen mag. Von römischen Alterthümern ist eine Menge gestochen und herausgegeben. Im vorigen Jahrhundert arbeiteten verschiedene Künstler [46] an solchen Werken, die in dem Verlag des de Rossi herauskamen, sie enthalten außer den perspektivischen Ansichten des gegenwärtigen Zustandes am untern Theil des Blattes kleine Grundrisse und Profile, auch restaurirte Ansichten, sie sind recht gut und architektonisch zweckmäßig radirt. Rolli und andere arbeiteten auf diesem Wege fort. In dieser Schule bildete sich Piranese, aus dessen Werken nur ein Theil herauszunehmen wäre, da er oft zu viel dem Effekt aufgeopfert. Sein Werk della Magnificenza di Roma ist für die Verzierung einzelner Glieder sehr schätzbar. In der Mitte des 16. Jahrhunderts stach Labacco verschiedene Monumente, nebst ihren Theilen in Kupfer. Wenn man das Original und gute Abdrücke erhalten kann, so bleiben sie Muster der Behandlung dieser Gegenstände mit dem Grabstichel. Vorerst würde ich einem Liebhaber anrathen, sich die Antiquitäten von Rom von Desgodez anzuschaffen. Die Lehrbücher der verschiedenen Meister aus dem 15ten und 16ten Jahrhundert kann man nicht entbehren, sie enthalten Ausmessungen der alten Monumente, Abbildungen der vorzüglichen Gebäude, welche jeder Meister aufführte, oder entwarf, und jeder stellt nach seiner Art die Grundsätze der Kunst auf, wobei sie alle den Vitruv im Auge hatten, von dem die neueste deutsche Übersetzung von Rode in Dessau anzuschaffen ist.

Serlio's Werk ist in mehreren Theilen sehr brauchbar, besonders sind seine Substruktionen, seine Rustika [47] und dergleichen sehr zweckmäßig und gut, und wenn man von seinen übrigen Aufrissen eine gewisse falsche Art von Verzierung wegdenkt, so liegen meist gute Verhältnisse zum Grunde.

Palladio ist geistreich und gratiös und wohl in schicklicher Anwendung architektonischer Fiktionen der erste; sein Werk über die Baukunst ist um so merkwürdiger, da es auch Risse von Gebäuden enthält, die nicht fertig geworden sind, worunter das Kloster della Carita in Venedig gehört, welches er nach dem Muster eines antiken Gebäudes, wie uns die Beschreibung davon durch Vitruv überliefert ist, aufführen wollte, und das dem Risse und dem fertig gewordenen Theile nach, gewiß eines der merkwürdigsten Gebäude der neuen Welt geworden wäre. So ist auch sein Vorschlag zum Ponte Rialto außerordentlich schön, und die jetzige Ausführung dagegen nicht zu vergleichen. Auch kann man aus diesem Werke seine vorzüglichsten Vicentinischen Gebäude kennen lernen. Diese sind jedoch nachher theils in kleinerem, theils in größerem Format, mit vieler Sorgfalt und Aufwand herausgegeben worden. Auch existirt ein Band seiner Kirchen, und ein Band antiker Bäder von ihm. Seine Gebäude haben in der Lombardei das Übergewicht. Seine Ausmessungen und Zeichnungen antiker Gebäude sind nicht immer richtig.

Scamozzi's Werk ist das vollständigste, solideste und trefflichste, das die Architektur aufzuweisen hat,[48] dieses Werk allein genugsam durchzustudiren, würde einen Freund der Kunst schon weit genug bringen. Das wenige, was ihm an der Methode fehlen möchte, weiß ein guter Kopf leicht zu ersetzen. Aus diesen 3 Büchern kann man auch kennen lernen, was in Venedig für eine Bauart geliebt worden sei.

Die Florentiner schlugen sich lange mit dem Gespenste des gothischen Geschmacks herum, und entfernten es nur mit Mühe, bis sie sich auch zur edlen Einfalt erhoben. Dem Bruneleski hängt immer noch etwas gothisches an, dann kommt der zierliche Alberti, der solide Michelozzo, endlich Cronaca, dessen Kirche S. Francesco in Monte wegen Simplicität, Adel und angemessener Zierrathen ruhmwürdig ist. Die bürgerlichen Häuser bauten die Florentiner, so wie die Sieneser anfangs in einem sehr schweren Geschmack sie sehen Festungen und Staatsgefängnissen gleich. Ich will mich nach einem Werk erkundigen, aus dem man diese neuere Toscanische Bauart sich bekannt machen kann. Vignola ist ein sehr angenehmer und geniereicher Baukünstler, wenn er gleich in einigen Sachen schon zu weit geht. Sein Werk muß mit Beurtheilung gebraucht und gelesen werden. Man hat einzelne Gebäude desselben, das Schloß zu Caprarola, das Lusthaus Papa Julia, die kleine Kirche, die vor der Porta del Populo steht, mit allen deren Theilen in Kupfer gebracht, die ein Liebhaber der Kunst besitzen sollte. Um sich von den römischen neueren Gebäuden im Allgemeinen [49] einen Begriff zu machen, kann man den Theil der Santratischen Akademie, der sie enthält, sehr gut nutzen. Besonders finden sich einige von Bramante, die sehr merkwürdig sind. Man fängt jetzt in Rom an, wieder auf's neue, sowohl Grundrisse, als Profile und Aufrisse der merkwürdigsten neueren Gebäude herauszugeben, wovon ich mir viel Gutes verspreche.

Die Geschichte der Erbauung der Peterskirche, der verschiedenen Vorschläge, Risse und Modelle ist eines eigenen Studiums werth, wie denn auch ein eigenes Werk darüber existirt.

Weinlich's Briefe über Rom sind ein sehr gutes Buch, das ein Liebhaber nicht entbehren kann. Von französischen Schriften wollte ich nur vorerst das Werk des Franz Blondel empfehlen. Es ist manches daraus zu lernen und giebt Gelegenheit, da er hier und da mit einem gewissen sceptischen Raisonnement, das sich in die Beurtheilung der Kunst einschleichen wollte, polemisirt, auch diese Vorstellungsart, die sich von Zeit zu Zeit in Künsten wiedersehen läßt, näher kennen zu lernen. Des Abbé Laugier Werk über die Baukunst sollte ein Freund der Kunst auch kennen, seine Grundsätze leiten auf einen guten Weg, sind aber zu einseitig, und ihre Anwendung muß beurheilt und geprüft werden. Wenn man auf die Muster des sinkenden Geschmacks auch einiges Geld verschwenden will, so wären die Ruinen von Palmyra und die[50] Alterthümer von Spalatro, die Clerisseau herausgegeben hat, anzuschaffen. Mit den ägyptischen Alterthümern mache man sich aus Reisebeschreibungen mit so wenig Kosten als möglich bekannt.

Dieses wäre, werthester Herr Doctor, was ich aus dem Stegreife und aus dem Gedächtniß niederschreibe. Die ausführlichen Titel der Werke will ich hinzusetzen, sobald ich wieder nach Weimar komme, wo sich die meisten befinden.

Ich wünsche, daß dieser unvollkommene Aufsatz Ihrem Herrn Correspondenten nützlich sein, und ihm Anlaß geben möge uns seine Bedürfnisse näher anzugeben, ich werde mit Vergnügen das weitere, was mir bekannt ist, mittheilen.


12/3491.

An die Schloßbau-Commission

Ich muß voraussetzen, daß der Mann, den man uns empfiehlt, die erforderliche Geschicklichkeit hat, und dann wäre es in der Lage in der wir uns befinden eine gute Acquisition. Wir haben zwar viele, und mit unter geschickte, Tischermeister, denen auch einiger Erwerb bey dem Schloßbau zu gönnen ist, allein es läßt sich der Arbeit so viel voraussehen, daß wenn nicht wenigstens ein Theil davon fabrikmäßig, und mit allen Vortheilen welche Maschinen und mehrere zusammenarbeitende Menschen gewähren, gefertigt [51] wird, sich das Ende derselben gar nicht absehen läßt. Serenissimus sind nicht abgeneigt diesen Mann zu engagieren, ich überlasse die Bedingungen, unter denen man ihn herbeyziehen könnte höherem Ermessen und einer nähern Negotiation und schränke mich blos auf das Local ein das man ihm allenfalls einrichten könnte.

Daß er für die erste Zeit in das Schloß selbst genommen würde, möchte der Sache ganz gemäß seyn, und da, nach meiner Einsicht in die verschiedenen Epochen des Baues, die so genannten Churfürstlichen Zimmer wohl am letzten gebraucht werden möchten, so könnten solche wohl zu einer dergleichen Haupt tischlerwerkstatt eingerichtet werden.

Sollte man sich dazu entschließen, so könnte man die Tüncher im Frühjahre gleich hineinlegen, sodann die Blindböden fertig machen, und was man sonst zu einer solchen Einrichtung nöthig und schicklich hielt, besorgen. Man könnte alsdann so einem Manne Thüren, Lambris, Meubles, feinere Fußböden in Accord geben und von den übrigen Tischern nach Maßgabe der Umstände auch einen und den andern beschäftigen. Soviel nur vorerst zur Einleitung dieses Geschäftes, wobey freylich noch manches zu bedenken und zu überlegen ist.

Jena d. 24. Feb. 1797.

G.


[52] 12/3492.

An Christiane Vulpius

Es war mir neulich auch gar nicht recht euch zu verlassen, wir waren, obgleich nicht gesprächig, doch gar wohlbehaglich beysammen. Die Botenweiber haben alles richtig überbracht. Buch, Uhr, Geld, und was sonst von Packeten und Briefen war, auch den Wein; diesmal habe ich nichts zu verlangen und sage dir nur: daß ich wohl bin und an allerley Dingen arbeite, in Erwartung der Laune zum Gedicht. Beyliegende Austheilung gieb deinem Bruder und sag ihm: daß ich ihm ehestens wegen des Nathans schreiben würde. Das andere schicke sogleich an Herrn Geheimde Rath Voigt.

Lebe recht wohl, grüße den Kleinen, und wenn das Haus in der Ordnung ist besorge alsdann die Aufsätzchen auf das allerschönste, indessen will ich sehen was ich hier vollbringen kann.

Jena, am 24. Febr. 97.

G.


12/3493.

An Friedrich Schiller

Aus meinen betrübten Umständen muß ich Ihnen noch einen guten Abend wünschen. Ich bin wirklich mit Hausarrest belegt, sitze am warmen Ofen und friere von innen heraus, der Kopf ist mir eingenommen[53] und meine arme Intelligenz wäre nicht im Stande, durch einen freyen Denkactus, den einfachsten Wurm zu produciren, vielmehr muß sie dem Salmiak und dem Liquiriziensaft, als Dingen, die an sich den häßlichsten Geschmack haben, wider ihren Willen die Existenz zugestehn. Wir wollen hoffen daß wir, aus der Erniedrigung dieser realen Bedrängnisse, zur Herrlichkeit poetischer Darstellungen nächstens gelangen werden, und glauben dieß um so sichrer als uns die Wunder der stetigen Naturwirkungen bekannt sind. Leben Sie recht wohl. Hofrath Loder vertröstet mich auf einige Tage Geduld.

[Jena] d. 27. Febr. 97.

G.


12/3494.

An den Herzog Carl August

[Concept.]

[Jena, Anfang März.]

Der Besuch der Musen, die sich zwar wieder zur rechten Zeit eingefunden haben, hat sich dießmal auf eine unfreundliche Weise, durch einen sehr heftigen Cathar, angekündigt, doch scheinen sie den asthenischen Zustand, in welchen ich durch dieses Übel versetzt bin, nicht zu verschmähen, vielmehr sich nur desto freundlicher zu betragen. Wenn der Faden nicht abreißt, hoffe ich mit meiner Arbeit bald fertig zu seyn, zu der ich besondere Lust habe, weil sie wirklich als etwas ganzes erscheinen kann.

[54] Sonst habe ich in den ersten Tagen allerley Briefe und alte Schulden abgethan und mich dadurch in einen freyern Geisteszustand versetzt. Unter den Personen die ich gesehen habe war auch der Conducteur Pistorius, der mir ganz wohl gefallen hat, und sehr fleißig zu seyn scheint. Freylich kann man noch nicht sagen was er mit dem Vorrath machen wird, den er gegenwärtig aufhäuft, das muß man von jedem Studirenden erwarten, ich kann auch nicht an ihm tadeln daß er so vielerley Collegia genommen hat, denn freylich hängt alles zusammen und eins fordert das andere. Der junge Steinert macht seine Sachen auch ganz gut und bereitet sich zu seiner Lehrstelle vor. Er hat angefangen nach meiner Angabe einige Vorschriften auszuarbeiten.

Der Bergrath von Humboldt ist hier Ein wahrhaftes Cornu Copiae der Naturwissenschaften. Sein Umgang ist äußerst interessant und lehrreich. Man könnte in 8 Tagen nicht aus Büchern herauslesen was er einem in einer Stunde vorträgt.

Schiller wird wahrscheinlich den Schmidtischen Garten an der Leutra kaufen, ich wünsche ihm eine Existenz an und in der freyen Luft, wenn nur bey seiner bisherigen Entwöhnung die Veränderung nicht gar zu lebhaft ist.

Vielleicht finden Sie auf beyliegendem Blättchen etwas in Ihre Sammlungen, einiges schien mir dahin zu gehören.


[55] 12/3495.

An Friedrich Schiller

Der Cathar ist zwar auf dem Abmarsche, doch soll ich noch die Stube hüten und die Gewohnheit fängt an mir diesen Aufenthalt erträglich zu machen.

Nachdem die Insecten mich an den vergangenen Tagen beschäftigt, so habe ich heute Muth gefaßt den vierten Gesang völlig in Ordnung zu bringen, und es ist mir gelungen, ich schöpfe daraus einige Hoffnung für die Folge. Leben Sie recht wohl und seyn Sie von Ihrer Seite fleißig und sagen Sie der lieben Frau: daß ich für meine Theescheue durch den abscheulichsten Kräuterthee bestraft werde.

Jena am 1. März 1797.

G.


12/3496.

An Friedrich Schiller

Ich habe gleich an Geh. Rath Voigt geschrieben und schicke Ihnen den Brief um ihn nach Belieben absenden zu können. Zugleich erhalten Sie ein monstroses Manuscript, welches zu beurtheilen keines aller meiner Organe geschickt ist. Möchten Sie es diese Nacht nicht brauchen!

Mein Cathar ist zwar merklich besser, doch fange ich an die Stube lieb zu gewinnen, und da es ohnedem scheint daß die Musen mir günstig werden wollen, [56] so könnte ich wohl selbst meinen Hausarrest auf einige Tage verlängern, denn der Gewinnst wäre zu groß wenn man so unversehens an's Ziel gelangte.

Könnten Sie mir nicht einige Blätter von dem schönen glatten Papier zukommen lassen? und mir zugleich sagen wie groß die Bogen sind und was das Buch kostet? Leben Sie wohl und führen Sie nur auch, wachend oder träumend, Ihre Piccolomini's auf dem guten Wege weiter.

[Jena] den 1. März 1797.

G.


12/3497.

An Carl Ludwig von Knebel

Einen freundlichen Gruß habe ich zu rechter Zeit erhalten und mich dessen erfreut, seitdem habe ich mich zu meinen poetischen Arbeiten, nach gewohnter Weise, vorbereitet und bin nun so nach und nach zur Stimmung gekommen, in der ich, wenn sie mich nicht zu früh verläßt, mein Gedicht zu endigen hoffe.

Ich habe in der Zwischenzeit mit meinen Beobachtungen und Zusammenstellungen, die du kennst, fortgefahren; nun ist der Bergrath von Humboldt hier, der, wie ein reiches Cornu copiae, seine Gaben mit Liberalität mittheilt und dessen Umgang äußerst erfreulich und nützlich ist.

Damit du siehst, daß meine Spaziergänge nicht ganz unfruchtbar sind, so schicke ich dir das Schwänzlein [57] eines beliebten Thiers, welches ich in dein Naturalien Cabinet auszuheben bitte.

Es ist übrigens hier meist in allen Fächern ein so schnelles litterarisches Treiben, daß einem der Kopf ganz drehend wird, wenn man drauf horcht. Es ist aber sehr merkwürdig zu sehen wie in unserer Zeit nichts, auch nur einen Augenblick, an seiner Stelle bleiben kann und alles sich wo nicht verbessert doch immer verändert. Die litterarische Welt hat das eigne daß in ihr nichts zerstört wird ohne daß etwas neues daraus entsteht, und zwar etwas neues derselben Art. Es bleibt in ihr dadurch ein ewiges Leben, sie ist immer Greis, Mann, Jüngling und Kind zugleich, und da wo nicht alles, doch das meiste bey der Zerstörung auch noch erhalten wird, so kommt ihr kein anderer Zustand gleich. Das macht auch daß alle, die rein darinne leben, eine Art von Seeligkeit und Selbstgenügsamkeit genießen, von der man auswärts keinen Begriff hat.

Diese Bemerkung die sich mir aufdringt und die ich nur so hinwerfe verdiente besser gesagt und abgehandelt zu werden.

Ich habe diese Tage den Swammerdamm studirt, es ist eine außerordentlich schöne Natur und ein trefflicher Beobachter. Er erhob sich unglaublich über sein Zeitalter, durch eine treue Beobachtung der Phänomene, durch eine klare Aufstellung und eine verständige Zusammenstellung derselben, er dachte gut [58] und es fehlte ihm bis auf einen gewissen Punct weder an Klarheit noch an Methode. Im Vortrag ist er nicht immer glücklich, und im polemischen Theile giebt er seine eigne erkannte Wahrheit einigermaßen auf, um dem Feinde desto sichrer aus dem Felde zu schleichen.

Lebe wohl und verzeih daß ich dergleichen Urtheile und Meynungen schreibe, so leicht hin, wie sie allenfalls im Discours passiren.

Ich muß mich nun die erste Zeit recht zusammenhalten bis mein letzter Gesang auch aus seiner Puppe ausgekrochen ist und ihm die Flügel gewachsen sind, dann hoffe ich wieder eine Zeit lang will's Gott als ein freyer Mensch zu leben.

Jena am 2. März 1797.

G.


12/3498.

An Johann Friedrich Unger

[Concept.]

Aus Ihrem Briefe, mein werthester Herr Unger, habe ich mit Vergnügen gesehen daß Sie bald wieder einen Band meiner Schriften zu drucken wünschen. Ich habe eine Arbeit liegen die beynahe so viel Masse machen möchte; da ich aber vorher noch einige kleinere Sachen, auf einem andern Weg, in's Publikum zu bringen gedenke, so möchte wohl noch einige Zeit hingehen ehe die Reihe an jene Arbeit käme, sobald als [59] ich hierzu eine nähere Hoffnungen habe, werde ich Sie sogleich davon benachrichtigen.

Indessen wünsche ich recht wohl zu leben.

Jena am. 3. März 97.


12/3499.

An Friedrich Schiller

Ich kann glücklicherweise vermelden daß das Gedicht im Gange ist und, wenn der Faden nicht abreißt, wahrscheinlich glücklich vollbracht werden wird. So verschmähen also die Musen den asthenischen Zustand nicht, in welchen ich mich durch das Übel versetzt fühle, vielleicht ist er gar ihren Einflüssen günstig, wir wollen nun einige Tage so abwarten.

Daß wir an Voigt wegen der Gartensache schrieben, war sehr gut, bey der Pupillen-Deputation ist bis dato noch nichts eingegangen, die Sache muß also bey dem akademischen Syndicat betrieben werden. Ich dächte Sie schrieben Faselius was Sie hier von mir erfahren, und ersuchten ihn bey dem Syndicus Asverus auszuwirken, daß die Sache hinüber komme, drüben soll sie keinen Aufschub leiden. Ich wünsche sehr, daß die Sache zu Stande komme, auch darum damit ich Ihnen bey meinem Hierseyn noch einigen Rath zu künftiger Einrichtung geben könne. Leben Sie recht wohl und grüßen Ihre liebe Frau.

Jena am 3. März 1797.

G.


[60] 12/3500.

An Christiane Vulpius

Nun kann ich dir die gute Nachricht sagen: daß das Gedicht wieder im Werk ist und daß es wahrscheinlich in kurzem fertig seyn wird. Ein leidiger Cathar, den ich mir wahrscheinlich durch einen Spaziergang zuzog, hat mich diese Tage her geplagt, jedoch, weil ich zu Hause bleiben mußte, meine Arbeit mehr gefördert als gehindert. Man kann schon zufrieden seyn wenn das Übel nur zu etwas gut ist.

Ich sehe indessen auch die ersten Gesänge durch und so wird eins mit dem andern fertig werden. Bis heut über 8 Tage wird alles entschieden seyn und ich wünsche zu hören daß dir's recht wohl geht. Lebe wohl und grüße und küsse den Kleinen und laß die inliegenden Packete gut besorgen.

Jena d. 3. März 1797.

G.


12/3501.

An Friedrich Schiller

Die Arbeit rückt zu und fängt schon an Masse zu machen, worüber ich denn sehr erfreut bin und Ihnen als einem treuen Freunde und Nachbar die Freude sogleich mittheile. Es kommt nur noch auf zwey Tage an, so ist der Schatz gehoben, und ist er nur erst einmal über der Erde, so findet sich alsdenn das Poliren von selbst. Merkwürdig ist's wie das Gedicht [61] gegen sein Ende sich ganz zu seinem Idyllichen Ursprung hinneigt.

Jena am 4. März 1797.

Wie geht es Ihnen?

G.


12/3502.

An Christiane Vulpius

Ich habe von Hamburg Nachricht daß 6 Spickgänse an mich unterweges sind. Es wird eine mit dem Porto keinen halben Thaler kosten und dafür kann man sie brauchen, hebe sie sorgfältig auf wenn sie ankommen. Man fragt auch an was ich etwa sonst noch wünsche? Da die Jahrszeit schon so gelind ist möchte nicht wohl räthlich seyn etwas anders als etwa geräucherte Zungen kommen zu lassen, sage mir deine Meinung darüber und schreibe mir gleich wenn die Gänse ankommen. Du hast doch eine einzelne neulich in einer Schachtel erhalten?

Ich kann denken wie du über das Feuer erschrocken bist, und bedaure dich herzlich; doch kann es, bey unsern guten Anstalten, nicht schaden wenn manchmal ein kleines Unglück begegnet, damit nur die Aufmerksamkeit nicht einschläft. Ich will aber doch, sobald ich hinüber komme, die Treppe an deiner Seite hinaufwärts machen lassen und Hornyen, auf einen solchen Fall, die Sorge für das Museum übertragen, dadurch wärest du schon einer großen Sorge überhoben.

[62] Mit dem Gedichte geht es gut, wie es aber mit meinem Kommen oder deinem Abholen werden kann läßt sich noch nicht sagen. An der nächsten Woche erwarte ich einige Besuche, vielleicht auch den Herzog.

Lebe du indessen recht wohl mit dem Kleinen.

Jena am 5. März 1797.

G.

Inliegendes laß gleich besorgen.


12/3503.

An Christiane Vulpius

Ich schicke dir hiermit einige Packete die du sogleich wirst abgeben lassen. Ich kann dir nur so viel sagen, daß ich mich wieder sehr nach dir und dem Kleinen sehne. Mein Cathar ist wieder ziemlich vorbey, doch hat er mich mehr als billig war geplagt. Mit dem Gedichte geht es ganz gut und ich bin nahe am Ende, doch weil ich die ersten Gesänge wieder vornehmen muß, so giebt es noch manches zu thun und ich will daran arbeiten so lange ich Lust behalte, damit ich mich so viel als möglich frey davon mache. Ich will deswegen lieber etwas länger hier bleiben und mich aller der Vortheile bedienen, die ich aus der hiesigen Lage ziehen kann, wir können nachher desto ruhiger eine Zeit lang zusammen seyn. Ich habe bisher wegen des Cathars keinen Wein getrunken, du brauchst mir also nichts zu schicken.

[63] Aber ein paar Pantoffeln mußt du mir gleich bestellen, da meine alten gar zu schlecht worden sind, du läßt sie mir wie die vorigen mit Leinwand füttern und schickst mir sie sobald als möglich. Lebe wohl, grüße den Kleinen und sage mir, wie es euch ergeht.

Wegen Riehls wird sich die Sache vielleicht ma chen lassen. Ich will erst hören was mir der Hofkammerrath schreibt, ich will alsdann meine Meynung sagen. Auf alle Fälle leide ich keine Wohnung im Comödienhause mehr, das übrige was dabey für Vortheile sind, die kann ich ihm so gut als einem andern gönnen.

Lebe nochmals recht wohl.

Jena am 7. März 1797.

Laß doch bey Starken fragen ob die Silhouetten noch nicht fertig sind? so wie auch bey Facius nach dem Siegel.

G.


12/3504.

An Christiane Vulpius

Durch die Anwesenheit des Herzogs bin ich ein wenig an meinem Gedicht gestört worden, doch ist es noch recht gut im Gange und wird gewiß fertig, wenn ich mir nur die gehörige Zeit lasse. Ich will nicht eher von hier weggehen, bis das Ganze beysammen ist und bis die ersten drey Gesänge abgeschrieben und fortgeschickt sind. Dadurch gewinne ich auch ein paar Monate die schönste Ruhe und [64] Freyheit, denn ich mögte jetzt um vieles nicht den guten Gang unterbrechen, in welchen ich diese Arbeit eingeleitet habe.

Sobald das Gedicht fertig ist soll die Seife ankommen und noch etwas dazu, damit du dich auch auf deine Art mit mir freuen könnest.

Das Packet was in der Pappe liegt schickst du an Fräulein Gore, die Pappe selbst aber an Starke, dem du zugleich einen Thaler bezahlst.

Mein Cathar hat sich recht hübsch gegeben, es ist nur noch ein wenig rauher Hals übrig geblieben.

Lebe recht wohl, grüße das Kind und sag ihm daß ich es recht lieb habe. Der Brief, den du mir durch die Essigfrau geschickt hast, ist auch so eben angekommen, es war recht schön daß du mir die guten Nach richten von Meyern so bald schicktest, er sitzt noch ganz ruhig in Florenz. Er grüßt dich und das Kind auf 's allerschönste.

Jena d. 10. März 97.

G.


12/3505.

An Christiane Vulpius

Die Tage waren bisher nicht schön und das Wetterglas prophezeit noch keine bessere, darum tröste ich mich in meiner Einsamkeit, denn der Schloßhof ist noch kein guter Spielplatz.

Mein Cathar mag den Leuten schlimmer vorgekommen seyn als er war, da ich ganzer 8 Tage [65] zu Hause blieb, jetzt befinde ich mich wieder völlig hergestellt und habe nichts verloren, da mein Gedicht sich zu Ende neigt; ich will aber, da ich einmal so weit bin, von hier nicht weggehen bis das Ganze fertig ist und die drey ersten Gesänge nach Berlin abgeschickt sind.

Die warmen Schuhe sind leider zu klein, ich bringe sie wieder mit und wir können sie ja wohl vertauschen. Ich will mich indessen mit den alten behelfen.

Da ich von Schillers das Essen habe, so geht es mir von der Seite recht wohl. Man hat uns von Beutnitz Schwarzwurzeln versprochen, ich dächte ich nähm auch eine Parthie.

Lebe recht wohl, grüße den Kleinen, schicke mir was indessen angekommen ist und behalte mich lieb.

Jena am 14. März 1797.

Die Stelle des Theater Dieners vergebe ich nicht biß ich wieder nach Weimar komme.

G.


12/3506.

An den Herzog Carl August

[Concept.]

[Jena, 14. März]

Ihr letztes Hierseyn, wofür wir noch alle zu danken haben, hat eine sehr gute Wirkung hinterlassen und unsere kleine Akademie ist auf's neue thätig und [66] lebhaft geworden. Wir hoffen sie bald in Weimar fortzusetzen, denn der Bergrath von Humboldt denkt wenn es Ihnen gelegen ist zu Ende dieses Monats aufzuwarten und Doctor Scherern mitzubringen. Aus beyliegendem pro Memoria werden Sie sehen wie wir die Sache eingeleitet haben und ich bin überzeugt daß Sie von dieser Acquisition manches Nützliche und Vergnügliche einernten werden. Ich habe mich um seine gegenwärtigen Umstände erkundigt und man kann wohl sagen daß er dürftig sey. Wollten Sie ihm daher ein kleines Geschenk gleichsam pro Arrha machen, so würden Sie eine Gabe sehr wohl anwenden. Er hält sich zwar in Kleidern sehr ordentlich, doch ist er gewiß zu einer Reise nicht equipirt.

Den Brief vom 9ten habe wohl erhalten und habe wegen des Einflusses des Galvanischen Fluidi auf die limphatischen Gefäße nachgefragt. Es ist derselbe nicht wohl zu bewirken weil dieses Fluidum nur auf entblößte Nerven seine Kraft äußert, welche bey dem Menschen nur durch starke Hautverletzungen oder gar tiefere Incisionen bloßzumachen sind. Was es wirkt, wenn es durch einen Körper durchgeleitet wird, ist nicht sowohl zu bestimmen.

Bergrath v. Humboldt hat auch schon daran gedacht, diese Entdeckung mit dem animalischen Magnetismus zu verbinden, er hat deßhalb Doctor Petzold in Dresden, der sich damit abgiebt, verschiedene Versuche angegeben, wodurch zu entdecken wäre, ob die [67] Erscheinung mit dem Galvanischen Fluidum in Verbindung steht.

Das pro Memoria an den Grafen Reden soll nächstens folgen und mit den gehörigen Ausdrücken gefaßt werden.

Dem sehr verkappten Dichter, dessen Werke Sie mir zu übersenden die Güte haben, ist wirklich Glück zu wünschen, daß ihm die Musen so viele ruhige, ja man darf wohl sagen unbedeutende Augenblicke gönnen, als zu dergleichen Productionen nöthig sind.

Die kleine blonde Freundin wird ja wohl, wenn ihr die Trauer schön steht, sich über das erfolgte Ableben einigermaßen trösten.

Den neuen Theaterdiener mögte ich gern aus dem eigenen Kreise nehmen und jemanden dazu befördern, der entweder durch Dienst oder Talent schon mit der Anstalt verwandt wäre.

Unterthänigstes pro Memoria.

Über die Anstellung des Doctor Scherers, welche Ew. Durchl. beabsichtigen, habe ich mit ihm selbst und dem Bergrath von Humboldt gesprochen, wornach ich folgendes zu referiren und unmaßgeblich vorzuschlagen habe.

Doctor Scherer hat gegenwärtig keine andere Verbindung als daß er wegen einiger Werke, besonders wegen eines über die Geschichte der Gas Arten, mit einem Buchhändler contrahirt hat, zu deren Ausarbeitung aber eine längere Zeit erfordert wird. Er [68] würde seine hiesigen Vorlesungen gleichfalls aufgeben können, und so ganz zu Befehle stehn.

Seine chemischen Kenntnisse sind nicht allein in Deutschland sondern auch außerhalb anerkannt, und er könnte nicht in diesen vorzügliche Schritte gemacht haben, wenn er nicht in den verwandten Wissenschaften, als der Naturgeschichte, Physik und Technik, gleichfalls bewandert wäre, er wird sich daher nach Ew. Durchl. Absicht in diesen Fächern noch besonders qualificiren können.

Was die Zeit betrifft, in welcher nunmehr das nöthigste vorzunehmen wäre, gehen unsere Vorschläge dahin: Zu Ende dieses Monats gedenkt der Ober-Bergrath von Humboldt Ew. Durchl. aufzuwarten und gedachten Doctor Scherer gleichfalls vorzustellen, der sich die Erlaubniß erbitten wird, einige Experimente vortragen zu dürfen.

Da ein kleines Laboratorium eines der ersten Erfordernissen zu seinen künftigen Arbeiten ist, so wäre vielleicht solches, so wie auch seine Wohnung dabey am schicklichsten in Belvedere einzurichten, um so mehr als er in dem Falle wenn das Mouniersche Institut noch zu Stande käme, sich an dasselbe anschließen könnte. Er besitzt schon einen schönen Glasapparat zu Bereitung der Luftarten, so wie auch eine chemische Bibliothek, und es würde alles das was noch nöthig wäre nach und nach ohne große Kosten angeschafft werden können, da wenig Instrumente in der[69] Hand eines thätigen Mannes mehr wirken als große Sammlungen die nur zur Schau dastehen. Zu der Einrichtung eines Laboratorii würden also der Bergrath von Humboldt und Doctor Scherer bey ihrer nächsten Anwesenheit in Weimar beyräthig seyn. Nach unserm Vorschlag würde sodann Doctor Scherer nach Ostern nach Freyberg gehen, und daselbst sowohl im Geognostischen als Technischen sich umsehen. Von da würde er seine Reise nach Reichenhall in Ober-Bayern richten, woselbst er auf den Salinen sich sowohl überhaupt mit den Einrichtungen, als besonders mit den Vortheilen der Feurung bekannt zu machen hätte, welche dort auf einen vollkommenen Grad eingerichtet ist. Er würde alsdann durch das Bayreuthische zurückkehren und daselbst sowohl eine große Gebürgsreihe als auch manches technische kennen lernen. Er könnte sodann den Thüringer Wald, von dem ihm schon ein Theil bekannt ist, bereisen und sich besonders im Eisenachischen umsehen und Ew. Durchl. würden Ihre Absichten überhaupt näher erklären, worauf er sowohl außerhalb als innerhalb Ihres Landes sein Augenmerk zu richten hätte. Diese Reise würde in 5 bis 6 Monaten mit Nutzen zu vollbringen seyn, und er würde die sämmtlichen Data in dieser Zeit zusammenbringen, welche er künftigen Winter durchzuarbeiten Zeit und Gelegenheit haben würde, wohin besonders auch Vorschläge zu einer vollständigen Benutzung aller Salinen-Producte gehören.

[70] Wir sind überzeugt daß Ew. Durchl. bey dieser Acquisition sowohl für Sich und Ihren Kreis sehr viel Gutes zu erwarten haben als Sich auch um die Wissenschaft überhaupt abermals ein neues Verdienst machen werden.

Weitere Befehle erwartet

Jena d. 13. März 1796.


12/3507.

An Franz Kirms

Den Versuch den Ew. Wohlgeb. wegen des Lauchstädter Hauses machen wollen, kann ich nicht mißbilligen, ich schicke aber die Concepte zurück, mit dem Ersuchen, solche drüben mundiren zu lassen und mir zur Unterschrift herüber zu schicken, da die Zeit zu kurz ist und sie vor Abgang der Botenweiber nicht fertig werden würden. Sollte man noch nöthig finden sie Montags fortzuschicken, so erhielt ich die Munda ja wohl Sonntags durch einen Boten. Die Austheilung auf die nächste Woche hat völlig meinen Beyfall.

Es soll mich freuen wenn durch Ihre Anhaltsamkeit jene andere Sache auch noch einen glücklichen Ausgang gewinnt. Leben Sie indessen recht wohl.

Jena am 17. März 1797.

G.


[71] 12/3508.

An Christiane Vulpius

Ich muß dir noch indem ich das Geld absende einen guten Abend sagen. Es war mir gar zu angenehm dich einmal wieder zu sehen und ich habe jetzt wieder Lust noch die Sachen wegzuarbeiten die zunächst vor mir liegen, damit ich dich recht frey und heiter wiedersehen kann. Lebe recht wohl. Grüße das Kind und behalte mich lieb. [Jena] d. 17. März 1797.

G.


12/3509.

An Johann Heinrich Meyer

Ihre Briefe Nr. 14. 15 und 16 sind nach einander angekommen, der letzte gestern über die Schweiz und ist nur 20 Tage unterweges geblieben. Ich will nicht leugnen daß ich diesen Monat über auch sehr mit der bösen Laune zu kämpfen hatte, denn kaum war der schöne Plan über Wien zu gehen ausgedacht, als die Folgen der Einnahme von Mantua auch diese Tour mit neuen Hindernissen bedrohten. Indessen hat Gerning mich eingeladen im April mit ihm über die Schweiz zu gehen, ich glaube und traue ihm aber nicht, denn er ist schon ein ganzes Jahr im Gedanken unterweges. Über Wien war es mir in vielem Sinne reizend, besonders auch weil Humboldts dahin gehen, wodurch mir der Aufenthalt daselbst sehr angenehm[72] und nützlich geworden wäre. Ich habe indessen meine Zeit gut angewendet, das Epische Gedicht wird gegen Ostern fertig und kommt auch in Kalenderform bey Vieweg in Berlin heraus. Auf diesem Wege wird es am meisten gelesen und am besten bezahlt. Was kann ein Autor mehr verlangen. – So wird auch wahrscheinlich die Sache mit dem Gute indessen richtig, welche durch die Subhastation und das Bieten und wieder Bieten sehr aufgehalten worden ist. Übrigens habe ich fast alle meine Fäden losgeknüpft und mein Haus bestellt, so daß ich wie ein Schiff im Hafen nur auf einen günstigen Wind warte. Es freut mich über die Maßen daß ich Sie noch in Florenz denken kann und daß ich hoffen kann Sie ruhig unter diesen Schätzen zu finden. Möchte das gute Geschick uns bald zusammen führen und uns für die mancherley Unruhe und Sehnsucht endlich belohnen. Bey Bannini habe ich schon einmal gewohnt, es ist sehr artig da und ich werde gewiß daselbst wieder einkehren und ich hoffe wir wollen manches gute Mittagmahl in den heitern Zimmern einnehmen. Fahren Sie fort fleißig zu seyn, ich will es auch daran an meiner Seite nicht fehlen lassen. Was Ihre Zeichnungen betrifft, so dächte ich Sie sendeten solche, wenn Sie Gelegenheit haben, wohlgepackt nach der Schweiz, wäre ich noch in Deutschland, so ließe ich sie kommen und hätte indeß doch ein Labsal; sähe ich sie erst nach unserer Zurückkunft, so ist es auch eine aufgesparte [73] Freude. Auf alle Fälle sind die Schätze in Sicherheit. – Das Titelkupfer zum Almanach so wie die Decke haben uns große Freude gemacht, man sieht an beyden wohl recht daß Sie an der Quelle sind. Wenn wir sie nur auch schon zu unserer Zufriedenheit gestochen sähen. – Hufeland hat ein Werk über die Verlängerung des Lebens herausgegeben, dazu wollte er gern eine Zeichnung der Parzen haben, ich gab ihm Ihre kleine Ölskizze. Sie können leicht denken daß der Kupferstecher mitunter wunderlichen Gebrauch davon gemacht hat. – An Ihre Bedürfnisse soll sogleich gedacht werden. Geht Gerning früher so gebe ich ihm die Hemden mit und bringe Ihnen nachher selbst noch einige. Schreiben Sie ja wenn Sie sonst noch etwas Wäsche bedürfen. – Durch Bury habe ich einen Aufsatz von Müllern in Rom gegen Fernow und Carstens erhalten, es ist viel gutes darinn, wir wollen ihn wenn er gereinigt ist in die Horen setzen und so wird auch auf diese Weise der Krieg fortgesetzt, denn man muß nun einmal für allemal immer auf denselbigen Fleck pochen. – Sie schreiben von 8 bis 10 Pilastern von Arabesken, die nach den vatikanischen Logen gemahlt sind, ich dächte Sie kauften solche, wenn der Preis billig ist, und schicken sie mit den übrigen Sachen durch die Schweiz heraus. – Sagen Sie mir doch, hat man ein Werk in welchem die florentinischen Gebäude in Kupfer dargestellt sind? oder sind einzelne Gebäude gut gestochen? Man sollte doch zu den Belegen [74] etwas der Art in unsere Sammlung anschaffen. – Mit dem Bilde der Madonna del Sacco werden Sie sich gewiß Ehre machen und die tiefere Einsicht in das vorzügliche Werk eines so trefflichen Meisters ist Ihnen in jedem Sinne wichtig.

Ich hoffte noch manches hinzu zu fügen, ich will aber nur machen daß heute der Brief fortkommt, denn er ist schon 8 Tage angefangen. Mein Gedicht und dessen letzte Ausarbeitung erfordert viel Aufmerksamkeit, Anfangs April geht die erste Hälfte ab. Dann ist noch der jüngere Herr von Humboldt hier, dessen großer Rotation in physikalischen und chemischen Dingen man auch nicht widerstehen kann. Sodann giebt Fichte eine neue Darstellung seiner Wissenschaftslehre, stückweise, in einem philosophischen Journal heraus, die wir denn Abends zusammen durchgehen, und so überschlägt sich die Zeit wie ein Stein vom Berge herunter und man weiß nicht wo sie hinkommt und wo man ist. Bey manchen dieser Verhandlungen werden Sie recht lebhaft gewünscht, wie noch Schiller gestern Abend that, indessen ich mich herzlich zu Ihnen sehne um durch Anschauung so mancher herrlichen Formen mich wieder zu beleben. Denn für uns andere, die wir doch eigentlich zu Künstlern geboren sind, bleiben doch immer die Speculation, so wie das Studium der elementaren Naturlehre, falsche Tendenzen, denen man freylich nicht ausweichen kann, weil alles was einen umgiebt sich dahin neigt und [75] gewaltsam dahin strebt. Leben Sie wohl, nächstens mehr.

Jena d. 18. März 1797.

G.


12/3510.

An Charlotte von Schiller

[Jena, 18. März.]

Bey dem schönen Wetter wäre es wohlgethan, wenn man sich heute früh in den Garten verfügte, ich dächte Sie schickten mir die Schlüssel, damit ich einstweilen davon Besitz nehmen und das Ganze beschauen und betrachten könnte und Sie kämen alsdann zu welcher Stunde es Ihnen beliebte. Ich hoffe Schiller wird von der Parthie seyn.

G.


12/3511.

An Charlotte von Schiller

[Jena, 19. März.]

Ich schicke die Schlüssel, daß der Tischer nicht aufgehalten werde. Melde mich auf den Mittag an und bitte um die Glastäfelchen, durch deren Zusammendrücken man die schönen Farben hervorbringt.

Wünsche wohl geschlafen zu haben.

G.


[76] 12/3512.

An Christiane Vulpius

Ich bin nun so weit daß die letzte Hälfte des Gedichts nun auch rein abgeschrieben ist, freylich nicht zum letztenmale, indeß ist schon viel gewonnen, die erste Hälfte ist beynah ganz im Reinen, doch giebt's immer dabey noch genug zu thun, es wird sich nun bald ausweisen wann ich wieder kommen kann.

Schicke mir einige Bouteillen Wein, und laß doch auf die Stöpsel recht acht haben, es waren einige gar zu schlecht.

Sonst weiß ich weiter nichts zu sagen, denn ich habe mich diese Zeit fast bloß mit dem Gedicht beschäftigt, und fast weiter nichts gehört noch gesehn. Lebe recht wohl und grüße mir das Kind.

Jena am 21. März 1797.

G.


12/3513.

An Christiane Vulpius

Ich habe nunmehr festgesetzt daß ich heute über 8 Tage den 31. März wieder bey dir anlangen will. Alle meine Sachen sind bisher recht gut gegangen und ich habe sogar wieder allerley neue Ideen, die auf die Zukunft gute Frucht bringen werden. Denn es ist nun einmal nicht anders daß man, sobald man fertig ist gleich wieder was neues im Sinne haben müsse.

[77] Schicke mir doch die grüne Manchesterbeinkleider, ich bin einmal wieder in allem auf das erbärmlichste herunter gerissen, und es ist auch deßwegen höchst nöthig daß ich wieder nach Hause komme. Schicke mir etwa noch 4 Bout. Wein und was sonst noch angekommen ist und lebe recht wohl und liebe mich.

Jena am 24. März 1797.

G.


12/3514.

An Christiane Vulpius

Hier schicke ich dir, mein liebes Kind, etwas Geld damit du diese Woche versorgt seyst. Wie gern käme ich gleich heute zu dir, denn ich habe eigentlich hier nichts mehr zu thun. Nur möchte ich abwarten biß Schiller mit einem Stück seiner Arbeit fertig ist, das er mir vorlesen will. Alles andre könnt ich recht wohl drüben, in der Nachbarschaft meiner lieben Kinder thun. Ich sehne mich recht euch wieder zu sehen und komme vergnügt zurück, da mir alles nach Wunsch gelungen ist. Lebe recht wohl, und behalte mich lieb.

Jena d. 26. März 1797.

G.


12/3515.

An Carl August Böttiger

Hier erscheint Kitarophilos mit einer demüthigen Abbitte; Sie werden ihm auch ja wohl zu dieser [78] Kirchenbuße ein Plätzchen gönnen? Ich wünsche recht wohl zu leben und hoffe, Sie nun recht bald zu sehen.

Jena, 26. März 97.

G.


12/3516.

An Johann Friedrich Unger

[Concept.]

Sie haben mir, werthester Herr Unger, durch die übersendeten radirten Blätter, ein ganz besonderes Vergnügen gemacht. Man muß ein so solider, geistreicher und geübter Künstler seyn wie Herr Schadow, um vorübergehende Momente dergestalt zu fassen und wieder darzustellen, ja mehrere Momente in einen zu vereinigen, durch welche Operation ein fest aufgedrucktes Kunstwerk sich, vor den Augen des Zuschauers, immer in einer Art von Bewegung erhält. Danken Sie ihm ja für den seltenen Genuß den er mir dadurch gegeben hat. Es will auch gewiß nicht wenig heißen die individuelle Natur der Tänzer, das Eigne ihrer Kunst, das augenblickliche der Bewegungen, ja selbst wenn man will das beschränkte, conventionelle dieser Art dergestalt zu beherrschen, daß in der Abbildung nur gleichsam die Idee erscheine, und doch so bestimmt, charakteristisch lebendig und auf einem sichern Grunde. Aller Tanz muß seiner Natur nach an's manierirte gränzen und von allen geringern Künstlern wird die [79] Abbildung eines Tanzenden gewiß dahin hinüber geführt werden. Herr Schadow hat, wie mich dünkt, immer den Punct glücklich getroffen wo sich diese Bewegungen einem reinern Styl nähern. Der allgemeine Beyfall den Madame Vigano erhält zeigt freylich daß sie selbst mit großer Energie auf einen reinen Styl arbeitet, dem denn sich doch in der Kunstwelt, wenn die Menschen einmal die Augen aufthun, nichts an die Seite setzen kann.

Nun wünschte ich aber auch über Ihre frühere Anfrage ein bestimmteres Wort sagen zu können, jedoch weiß ich leider weniger als jemals, wie es mit irgend einer Art von Production werden kann.

Einige kleinere Sachen denke ich auf einem andern Weg in's Publikum zu bringen, und was die größern betrifft, die sind denn freylich schon gewohnt sich zu gedulden. Leider ist es nun bald ein Jahr daß ich nach Italien reisefertig bin und die Hoffnung auf Ruhe und Ordnung, deren ich zu meinen Zwecken so sehr bedürfte, hat mich noch immer getäuscht, indessen wirft sich ein Tag dem andern zu und der Abend ist oft da ohne daß man sich den Gewinn des Moments aufweisen kann.

Die Gegenwart des Herrn Berg Rath v. Humboldt macht mir, ich darf wohl sagen, eine ganz besondere Epoche, indem er alles in Bewegung setzt was mich von so vielen Seiten interessiren kann, ich darf ihn wohl in seiner Art einzig nennen, denn ich habe [80] Niemanden gekannt der mit einer so bestimmt gerichteten Thätigkeit eine solche Vielseitigkeit des Geistes verbände, es ist incalculabel was er noch für die Wissenschaften thun kann. Leben Sie recht wohl und fahren fort meiner zu gedenken.

Jena am 28. März 1797.


12/3517.

An G. W. A. von Pape

[Concept.]

[Jena, 28. März.]

Sie haben mir, werthester Herr Assessor, durch Ihren Brief eine sehr angenehme Rückerinnerung gegeben. Wie anders sah es damals in dem guten Rom aus als jetzt, wo der Fremde wie der Einheimische in einer unangenehmen Bewegung und Erwartung der Zukunft leben muß. Schon anderthalb Jahr ist ein Freund, dessen Sie sich auch wohl noch erinnern, Professor Meyer, ein Schweizer, wieder nach Italien, und ich habe, von einer Zeit zur andern, auf bessere Momente gewartet, um ihm zu folgen, und die Lage ist immer schlimmer geworden. Indessen suche ich meine Zeit so gut als möglich anzuwenden und habe eben ein episches Gedicht, das den Titel: Herrmann und Dorothea führen wird, zu Ende gebracht. Es wird vielleicht gegen den Herbst öffentlich erscheinen und ich wünsche daß Sie meiner dabey im Guten gedenken mögen. Lassen Sie mir von Zeit zu Zeit etwas von sich [81] wissen, und sagen Sie mir besonders was Sie am meisten beschäftigt, damit ich, nach einem so lang unterbrochenen Verhältnisse, Ihnen wieder näher wer den möge. Ich wünsche recht wohl zu leben.

Jena am 28. März 97.


12/3518.

An Carl Ludwig von Knebel

Ich habe dir, mein werther Freund, lange nicht geschrieben und dich nicht, wie ich vorhatte eingeladen, es hat sich dießmal alles so gedrängt, daß mich die Mannigfaltigteit der Existenz und die Anforderungen des Tages fast betäubt haben. Wenn du mein Gedicht sehen wirst, das beynahe ganz geendigt und von vorn bis hinten nochmals durchgearbeitet ist, so wirst du am besten beurtheilen können, daß ich diese 4 Wochen nicht müßig war. Dann fordert die Thätigkeit der Freunde und Kunstverwandten auch noch zur Theilnahme auf. Schiller ist fleißig an seinem Wallenstein, der ältere Humboldt arbeitet an der Übersetzung des Agamemnon von Aeschylus, der ältere Schlegel an einer des Julius Cäsar von Shäkespear, und indem ich so sehr Ursache habe über die Natur des epischen Gedichts nachzudenken, so werde ich zugleich veranlaßt auch auf das Trauerspiel aufmerksam zu seyn, wodurch denn manches besondere Verhältniß zur Sprache kommt.

[82] Dabey bringt noch die Gegenwart des jüngern von Humboldt, die allein hinreichte eine ganze Lebensepoche interessant auszufüllen, alles in Bewegung was nur chemisch, physisch und physiologisch interessant seyn kann, so daß es mir manchmal recht schwer ward mich in meinen Kreis zurück zu ziehen.

Nimmst du nun dazu daß Fichte eine neue Darstellung seiner Wissenschaftslehre, im Philosophischen Journal, herauszugeben anfängt, und daß ich, bey der speculativen Tendenz des Kreises in dem ich lebe, wenigstens im Ganzen Antheil daran nehmen muß, so wirst du leicht sehen, daß man manchmal nicht wissen mag wo einem der Kopf steht, besonders wenn noch reichliche Abendessen die Nacht verkürzen und die den Studien so nöthige Mäßigkeit nicht begünstigen. Ich freue mich daher bald wieder nach Weimar zu kommen um mich wieder in einem andern Kreise zu erholen. Unglaublich aber ist's was für ein Treiben die wissenschaftlichen Dinge herumpeitscht und mit welcher Schnelligkeit die jungen Leute das, was sich erwerben läßt, ergreifen. Lebe indessen wohl in deinem ruhigen Garten wo ich dich zu Ende der Woche wieder zu sehen hoffe.

Jena den 28. März 1797.

G.


[83] 12/3519.

An Friedrich Schiller

Mir ergeht es gerade umgekehrt Auf die Sammlung unserer Zustände in Jena bin ich in die lebhafte Zerstreuung vielerley kleiner Geschäfte gerathen, die mich eine Zeit lang hin und her ziehen werden, indessen werde ich allerley thun, wozu ich nicht die reinste Stimmung brauche.

Sie haben ganz recht daß in den Gestalten der alten Dichtkunst, wie in der Bildhauerkunst, ein Abstractum erscheint, das seine Hö