[1] 14/3965.
Ich übersende ein Blatt von Herrn Gädicke, zu dessen Fragen ich weiter nichts hinzu zu setzen weiß. Auf Ostern können wir sehen wie der Versuch gelungen ist. Ich danke Ihnen daß Sie sich so willig dazu finden lassen.
Die Piccolomini sind in meinen Händen, den 30. Jan. werden sie hier gegeben, Sie erhalten bald mehr Nachricht davon für die allgemeine Zeitung.
Mein Faust ist zwar im vorigen Jahre ziemlich vorgerückt, doch wüßt ich bey diesem Hexenproducte die Zeit der Reife nicht voraus zu sagen. Wenn die Hoffnung näher rückt sollen Sie davon hören.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 2. Jan. 1799.
G.
14/3966.
Da es mit dem Hauptpuncte richtig ist und ich auch überzeugt bin daß Sie nicht früher schließen konnten, so muß sich das übrige alles geben.
[2] Die zärtlichen Scenen sind sehr gut gerathen und die Einleitung der Astrologie in denselben äußerst glücklich.
Bey allem andern will ich nichts sagen, weil mich die Stunde drängt und weil ich Sie bald zu sehen hoffe. Säumen Sie ja nicht lange, denn es giebt hundert Dinge zu besprechen. Ich hoffe Sie sollen in Ihrem Quartier alles leidlich eingerichtet finden. Grüßen Sie Ihre liebe Frau.
Weimar am 2. Januar 1799.
G.
14/3967.
Mit vielem Vergnügen vernehm ich daß Sie angekommen sind und wünsche zu erfahren wie Sie Ihren heutigen Tag eingetheilt haben. Möchten Sie den Mittag mit mir essen so sollen Sie schönstens willkommen seyn.
Ich befinde mich nicht ganz wohl so daß ich nicht ausgehen mag, da wir diese Tage gute Gesundheit und Stimmung nöthig haben.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau. Der ich mich sehr freue Sie bald wieder zu sehen.
Weimar am 5. Jan. 1799.
G.
[3] 14/3968.
Ew. Wohlgeb.
kann ich vorläufig die Erlaubniß ertheilen Ihr Jahresfest in dem größern Saale des Herzogl. Schlosses halten zu dürfen, wobey der Schloßvoigt Trabitius, dem Sie gegenwärtiges vorzeigen werden, dienstliche Hand leisten wird. Das weitere nächstens. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 5. Januar 1799.
Goethe.
14/3969.
Könnte ich das Vergnügen haben Durchl. den Prinzen und Ew. Wohlgeb. morgen zu Mittag bey mir zu sehen wo Sie Herrn Hofrath Schiller und einige andere Freunde finden würden. Gegen Abend ist Leseprobe der drei ersten Acte Wallenstein. Vielleicht interessirt es Durchl. den Prinzen sie zu hören und zugleich zu sehen, wie es bey solchen Gelegenheiten zugeht.
Der ich mich bestens empfehle.
Weimar d. 7. Jan. 1799.
Goethe.
[4] 14/3970.
Ew. Wohlgeb.
erhalten hierbey eine Copie des Extractus Protocolli wodurch Serenissimus der mineralogischen Societät die Erlaubniß ertheilen in dem größern Saale des Schlosses zusammen zu kommen und ihre Sammlung, jedoch separat, in dem Herzogl. Museo aufzustellen.
Wie wir nun wegen dem schicklichsten Platze auf welchem gedachte Sammlung aufgestellt werden kann, bey meiner nächsten Anwesenheit in Jena, Überlegung pflegen wollen, so wünsche ich recht wohl zu leben und sich eines lebhaften Antheils an den löblichen Bemühungen der Gesellschaft von meiner Seite versichert zu halten.
Weimar am 8. Jan. 1799.
J. W. v. Goethe.
14/3971.
[Concept.]
Ew. Wohlgeb. habe die Ehre hiermit anzuzeigen daß Serenissimus der Mineralogischen Gesellschaft die Erlaubniß ertheilt haben in dem größern Saale des Schlosses zusammen zu kommen und ihre Sammlung in dem Herzogl. Museo jedoch separat, aufzustellen. Ew. Wohlgeb. werden gewiß mit mir über die Aufmunterung [5] eines so nützlichen Instituts ein Vergnügen empfinden. Was den Platz betrifft den man etwa der Sammlung anweist so besprechen wir uns ja wohl darüber bey meinem nächsten Besuch in Jena.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 8. Jan. 1799.
14/3972.
Gestern Abend habe ich umständlich mit unserm Vicepräsidenten gesprochen. Die Sache ist so klar daß in den Ansichten und Meynungen keine Differenz seyn konnte. Nun wünschte ich nochmals mit Ihnen zu konferiren. Vielleicht mögen Sie heut Abend die zwey letzten Akte hören? dazu würde ich Sie um halb fünfe erwarten.
Mereau hat an die Höfe vor einiger Zeit berichtet wie weit er mit seinen Katalogen gelangt. Dürft ich mir wohl gelegentlich die Akten ausbitten? Schnupfen und Pechpflaster haben sich nun bey mir eingefunden und es scheint als wenn meine Geduld in diesen Wintermonaten noch geprüft werden sollte. Das beste Befinden wünschend.
d. 10. Jan. 99.
G.
Vorstehendes Blatt war geschrieben als ich Ihre liebe wiederhohlte Einladung erhalte. Leider bin ich[6] zu keiner geselligen Unterhaltung geschickt und muß das Vergnügen Ihnen aufzuwarten entbehren. Auf die vorstehende Anfrage erbitte mir gefällige Antwort.
G.
[69] 14/3972a.
[Weimar, 12. Januar 1799.]
Bey dem zurückkommenden Conzept wüßte nichts zu erinnern als das Wenige was ich mit Bleystift an den Rand gesetzt habe. Alles ist der Sache und den Umständen gemäß und ich wüßte weder dem Inhalt etwas beizufügen noch an einer Wendung etwas zu desideriren. Leben sie recht wohl. Ich befinde mich bey meinem wunden Rücken nicht in den besten Umständen.
Sonnabend Abend
G.
[6] 14/3973.
Heute nur weniges damit der Bote von hier nicht ganz leer weggehe.
Ich freue mich gar sehr daß dir Euphrosyne, in dieser schneebedeckten Jahrszeit, als eine freundliche Natur- und Kunstblume entgegengeleuchtet hat. Ein solcher Beyfall ist sehr belohnend, der öffentliche, wie du ganz richtig bemerkst, ist mehr für den Verleger als den Autor wünschenswerth.
Es ist mir lieb daß du das erste Buch deines Lucrez abschreiben lassest, um es Schlegeln zu communiciren. Die Theilnahme ist so selten in der Welt daß man sich mit einem Theil derselben oft schon begnügen muß.
Wenn du dieses schlechte Exemplar des Almanachs behalten willst, so stünd es zu Diensten.
Für heute lebe recht wohl, nächstens mehr.
Weimar am 14. Jan. 1799.
G.
[7] 14/3974.
Da ich ungewiß bin ob ich Sie heute zu Tische sehen werde und der Herzog mich aufs Zimmer einladen läßt, wohin ich, aus mehrern Ursachen, nicht versäumen mag zu gehen; so sage ich dort zu und erwarte Sie, werthester Freund, heute Abend um vier Uhr, da sich die Theatralische Welt wieder bey mir versammeln wird.
Das zweyte Stück der Propyläen ist angekommen und die Zufriedenheit die man etwa haben mag so etwas wieder hinter zu sehen, wird durch die böslichen Druckfehler gestört, die sich abermals in den letzten Bogen finden. Wir müssen nun aufs dritte hoffen und die Sache selbst bessern.
Übrigens kann ich auch dieses Stück nicht ansehen ohne zu wünschen bald etwas von Ihrer Arbeit in diesem Werke zu erblicken.
Worum ich Sie aber, in dem Augenblicke der völligsten Inproduction, inständig bitte ist mir das Appeçü über Piccolomini zu verschaffen womit ich mich in der neuen Zeitung bald möglichst produciren könne. Wir müssen um so mehr eilen weil die Berliner gewiß sobald das Stück gespielt ist, mit einer Sündfluth von Urtheilen werden angeschwollen kommen. Leben Sie recht wohl.
Weimar am 17. Jan. 99.
G.
[8] 14/3975.
[Concept.]
Für die schöne Arbeit, der beyden mir übersendeten osteologischen Platten, bin ich Ihnen sehr dankbar und werde vielleicht bald wieder einige Zeichnungen dieser Art zu gefälliger Bearbeitung zuschicken.
Der Buchhändler Herr Dietrich in Göttingen, der das Werk verlegt, wozu diese Kupfer gehören, wird den Betrag bezahlen; doch sollte, wie es manchmal zu geschehen pflegt, die Zahlung verzögert werden, so kann ich auch die Summe durch Herrn Cotta übermachen lassen.
Gegenwärtig ersuche ich Sie die beykommende Zeichnung sobald es Ihre übrigen Geschäfte erlauben, in Kupfer zu stechen und allen Fleiß anzuwenden daß es recht sauber und zierlich gerathe. Ich mache dabey nur folgende Bemerkungen.
1) Es wird alles was sich auf dieser Zeichnung befindet durch die Kupferstecherkunst ausgedruckt, indem die Blätter nicht illuminirt werden sollen.
2) So werden auch die ganz schwarzen Partien der Zeichnung durch Schraffirungen ausgedruckt.
3) Die Entfernung, wie die verschiedenen Theile dieser Risse gegen einander auf die Platte zu stehen kommen, ist genau auf dem beyliegenden Papier sub A bestimmt, nach welchem man sich zu richten bittet,[9] weil das Ganze nach einem Octavformat zusammen gebrochen werden muß und man wünscht daß der Bruch in keine Figur falle.
4) Die Unterschrift unter dem obern Durchschnitt fällt weg, die Buchstaben aber bleiben bey den Grundrissen.
5) Je mehr Abdrücke die Platte halten wird desto angenehmer kann es seyn, indem sie für ein Journal bestimmt ist wovon viele Exemplare ausgegeben werden.
6) Auch würden Sie mir eine besondere Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie die Arbeit so viel als nur immer möglich ist fördern wollen.
Leben Sie recht wohl und erhalten mir ein geneigtes Andenken.
Weimar am 17. Jan. 1799.
14/3976.
Das zweyte Stück der Propyläen begleite ich nur mit wenigen Worten.
Das erste Buch deines Lucrez habe ich erhalten und will es im Februar mit nach Jena nehmen. Indem ich es durchlas hat sich manches bey mir geregt, denn seit dem vorigen Sommer habe ich oft über die Möglichkeit eines Naturgedichtes in unsern Tagen gedacht, und seit der kleinen Probe über die Metamorphose [10] der Pflanzen bin ich verschiedentlich aufgemuntert worden. Um so interessanter wäre es auch für mich wenn dein Lucrez recht vollendet in unserer Sprache hervorgehen könnte, damit das Alte als die Base des Neuen dastünde. Auf den 30. geben wir Wallensteins ersten Theil wozu die Vorbereitungen gar mannigfach sind.
Lebe wohl und gedenke mein.
Weimar am 22. Jan. 1799.
G.
14/3977.
Nur Ein Wort zur Begleitung des zweyten Stücks der Propyläen und des ersten Buches des Lucrez.
Die Vorbereitungen zu den Piccolomini nehmen uns alle Zeit weg, wir haben nur noch acht Tage übrig, das Stück wird den 30ten Jänner und den 2ten Februar gegeben, Freytag den 1ten wird Redoute seyn, ich hoffe Sie werden diese Feyerlichkeiten nicht ganz verschmähen.
Den größten Theil des Februars hoffe ich in Jena zuzubringen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 22. Januar 1799.
Goethe.
[11] 14/3978.
[Concept]
[22. Januar.]
Die Hochachtung die ich Ew. Hochwohlgeb. überhaupt und besonders auch als Vorsteher des Clubbs schuldig bin gebietet mir das Circular, statt es weiter zu befördern, wieder in Ihre Hände zu bringen, indem es sich weder für mich ziemt die Äußerungen der Herrn Präsentanten mit Stillschweigen zu übergehen, noch etwas dagegen zu versetzen, vielmehr kann ich die Beurtheilung dieses Tons und dieser Manieren Ew. Hochwohlgeb. eignem Gefühl am sichersten überlassen. So wie ich überzeugt bin daß der größere Theil der Clubbgesellschaft der doch auch aus Theaterfreunden besteht sich gern eine kleine Aufopferung wird gefallen lassen um die Bemühungen zu secundiren die man sich giebt bey einem Feste das uns allen so theuer ist eine anständige Repräsentation unter so mancherley Schwierigkeiten hervorzubringen. Der ich mich einem geneigten Andenken bestens empfehle.
14/3979.
Sagen Sie mir doch mit einigen Worten, werthester Freund, wie Sie geschlafen haben und wie Sie sich befinden? Vielleicht können Sie noch nicht bestimmen [12] ob Sie in die Probe kommen werden; auf alle Fälle, wenn Sie eine Vermehrung des Übels befürchten, so halten Sie sich heute und morgen zu Hause ich will indessen, so gut es gehen will, Ihre Stelle vertreten und Ihnen morgen wie die Sache abgelaufen ist referiren.
Mad. Teller las gestern in so weit gut daß sie nichts falsch las, aber zu matt und Leseprobenmäßig.
Sie versichert: auf dem Theater würde das alles ganz anders werden. Da dieses eine fast allgemeine Schauspieler Marotte ist; so kann ich sie ihr nicht besonders zurechnen, obgleich diese Albernheit hauptsächlich Ursache ist daß keine bedeutende Rolle recht eingelernt wird und daß nachher so viel vom Zufall abhängt.
Ich wünsche von Ihnen das beste zu hören.
Am 25. Jan. 1799.
G.
14/3980.
Ihr werthes Schreiben ist mir nebst dem ersten Exemplar Propyläen wohl geworden.
Wir wollen nun hoffen daß Herr Gädicke das dritte Stück zur rechten Zeit liefern wird, an Manuscript soll es nicht fehlen.
Wir sind in diesen Tagen mit den Proben der Piccolomini beschäftigt, die den 30. gegeben werden sollen. Sie erhalten bald einen Aufsatz für die allgemeine Zeitung über dieses Stück.
[13] Eine Anzeige der Propyläen soll im Februar gemacht werden, sobald ich nach Jena komme, da ich dann vielleicht auch noch einiges andere bearbeiten kann.
Eine Übersicht über Kunst und Wissenschaft bin ich dieses Jahr nicht im Stande zu liefern; künftig kann es vielleicht eher geschehen.
Sonst werde ich von Zeit zu Zeit fortfahren etwas einzuschicken.
Ich lege meine Rechnung über die beyden Stücke der Propyläen bey, in Erwartung wie sie mit der Ihrigen zusammentrifft.
Können Sie mir deshalb eine Anweisung auf Leipzig geben so werde ich die Summe von dort her leicht beziehen können.
Was Sie wegen meiner kleinen Bemühungen für die allgemeine Zeitung zulegen werde ich mit Dank erkennen. So wie ich wünsche, zu allem was Sie unternehmen von meiner Seite, in so fern mein Kreis dahin reicht, etwas beyzutragen. Auf Ostern hoffe ich Sie zu sprechen und es läßt sich alsdann manches verabreden.
Die Stöcke zu dem Umschlag der Propyläen schicken Sie mir ja wohl gelegentlich zurück. Sonst weiß ich für diesmal weiter nichts zu sagen und füge nur noch den Wunsch hinzu daß Sie sich mit den Ihrigen recht wohl befinden mögen.
Weimar am 26. Januar 1799.
Goethe.
[14] 14/3981.
Wenn Sie den heutigen Tag nur einigermaßen leidlich zugebracht haben und etwas zu unserm nächsten Zweck ausdenken konnten so wünsche ich schon Glück und will morgen früh bey Zeiten melden was unsere Wöchner für das rathsamste halten. Man trifft nicht immer bey dem besten Willen mit der Vorstellungsart der Schauspieler zusammen und man erschwert es ihnen, wenn man es ihnen bequemer machen will. Ich habe den heutigen Tag nicht ganz unnütz zugebracht und das ist in meiner jetzigen Lage schon ein Lob für ihn.
Leben Sie recht wohl und ich hoffe, daß wir morgen um diese Zeit schon um ein gutes Theil weiter seyn werden.
Weimar d. 27. Jan. 1799.
G.
14/3982.
Man wird heute früh um 10 Uhr Vorprobe von der Audienz und dem Banquet haben.
Nachmittag 5 Uhr kommen wir wieder zusammen und fangen das Schauspiel von vorne an. Wenn wir nur 3 Acte probiren so haben wir Zeit genug was nöthig seyn sollte zu wiederholen.
[15] Ich wünsche Sie heute Mittage zu Tische zu sehen damit man doch auch wieder wisse daß man einander so nahe ist. Sagen Sie mir ein Wort hierüber.
Am 28. Jan. 1799.
G.
14/3983.
So ist denn endlich der große Tag angebrochen, auf dessen Abend ich neugierig und verlangend genug bin. Hier noch einige Bemerkungen:
1) Wollten Sie Vohs nicht in den ersten Scenen im Küras kommen lassen? in dem Kollet sieht er gar zu nüchtern aus.
2) Auch wäre das Barett für Wallenstein nicht zu vergessen, es muß so etwas wie Reiherfedern bey der Garderobe seyn.
3) Wollten Sie nicht auch Wallenstein noch einen rothen Mantel geben, er sieht von hinten den andern so sehr ähnlich.
Mittags hoffe ich Sie bey mir zu sehen.
Weimar am 30. Jan. 1799.
G.
14/3984.
Ich höre von dem Registrator Vulpius daß man heute noch nicht an die Aussonderung der rohen [16] Doubletten gegangen ist, weil sich bey den catalogirten Landcharten etwas nachzuarbeiten findet. Ich werde dadurch veranlaßt Ew. Wohlgeb. hierdurch nochmals ausdrücklich aufzufordern morgen früh mit der Aussonderung der rohen Doubletten den Anfang zu machen und morgen Nachmittag damit fortzufahren. Es muß überhaupt zu Förderung der vorseyenden Arbeit des Tags auf ein Paar Stunden mehr nicht ankommen da das Geschäft keinen Aufschub leidet. Ich erwarte daß mir der Registrator morgen Mittag hierüber Rapport abstattet. Was die Landcharten betrifft, wenn der Secretair Schmidt mit dieser geringen Arbeit allein nicht fortkommen kann, so mag sie bis zuletzt liegen bleiben.
Weimar am 31. Jan. 1799.
Goethe.
[69] 13/3984a.
[Weimar, 31. Januar 1799?]
Da sich voraussetzen läßt daß unser loyaler Mann weder gehen kann noch will, da der erwartete Brief wahrscheinlich mit zu den lustigen Waffen dieses ganzen Spiegelgeschlechts gehört, so hätte man freylich nicht nötig sich zu übereilen, besonders da mann, wie die Sache jetzt steht, sich mehr oder weniger bey jedem Schritt in Desavantage zu setzen in Gefahr ist.
Sollte ohne Serenissimus geneigt seyn pro redimenda vexa, gleich etwas zu thun, so wünsche ich daß man gleich fest bestimme was man thun wollte und es ihm als Ultimatum ganz laconisch hingäbe, um sich nicht aus dem Vortheile hinausschrauben zu lassen [70] und bey gewissem Geben das ungewisse Nehmen immer gesteigert zu sehen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
G.
[16] 14/3985.
[Concept.]
[Ende Januar oder Anfang Februar.]
Das Vertrauen, das Dieselben mir, im Rahmen einer verehrungswürdigen Familie, bezeigen, glaube ich nicht besser erwiedern zu können als wenn ich, nach genauer Betrachtung aller Umstände, den Rath ertheile: daß man den jungen Herrn v. Lützow bald möglichst nach Hause berufen möge, wozu der bevorstehende Akademische Oster Termin eine erwünschte Gelegenheit darbietet. Dabey würde ich ferner rathen[17] ihm auf sein Gesuch keine entschieden abschlägliche Antwort zu geben, indem er dadurch nur verwirrt und zu hartnäckigem Widerstand aufgereizt werden könnte. Befindet er sich einmal wieder in der Mitte seiner Familie, so wird man ihn durch dienliche Vorstellungen schon von dem Wege überzeugen können der zu seinem wahren Glücke führt. Das Frauenzimmer hat, so viel mir bekannt ist, ihm nur in sofern einiges Gehör gegeben als die Einwilligung der Seinigen möglich scheinen konnte und wird sich immer so betragen haben um der Achtung ihres Freundes auf jeden Fall gewiß zu seyn.
Empfehlen Sie mich gefällig der verehrten von Lützowischen Familie und lassen mich gelegentlich von ihren fernern Entschließungen wissen. Vorerst glaube ich die Absicht welche man hegt am besten zu secundiren wenn ich aus dem an mich erlaßnen Briefe gegen jedermann ein Geheimniß mache. Nehmen Sie selbst, würdiger Mann, meinen aufrichtigen Dank für die gute Meynung die Sie von mir hegen, welche zu erhalten und besonders bey dieser Gelegenheit einigermassen zu verdienen mir eine theure Pflicht seyn wird. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
14/3986.
Es war mir sehr angenehm zu hören daß die gestrige Aufführung um vieles besser als die erste gegangen [18] ist, es läßt sich nun überlegen was man thut um nach einer Pause die dritte noch weiter zu treiben.
Erzeigen Sie mir heute das Vergnügen Sie Mittags zu Tische bey mir zu sehen, morgen sind Sie zu Durchl. dem Herzog aufs Zimmer eingeladen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 3. Febr. 1799.
G.
14/3987.
Nachdem unsere gestrige Fahrt so vergnügt und glücklich ablief entschloß ich mich heute früh abermals zu einer Schlittenfahrt mit Götzen. Die Kälte war aber so groß daß wir beyde zufrieden waren als wir uns wieder zu Hause befanden. Wir waren bis Burgau gefahren und die Gegend sieht bey ihrer Mannigfaltigkeit auch in dieser Jahrszeit noch ganz freundlich aus. Ich bin auch heute schon ganz fleißig gewesen und wünsche nur daß es so fortgeht.
In meinem hintern Vorzimmer neben dem Microscop liegen Bücher unter denen mir dein Bruder den Theophrastus de coloribus aussuchen mag, den du mir mit den Botenfrauen schicken kannst. Indessen lebe recht wohl und grüße mir den Kleinen schönstens er soll mir ja recht fleißig schreiben.
Jena den 8. Febr. 1799.
G.
[19] 14/3988.
Ich habe mich heute wieder verführen lassen eine Stunde Schlitten zu fahren. Die Kälte war viel erträglicher als neulich und ich finde mich von der Bewegung ganz heiter. Meine Arbeiten gehen bis jetzt recht gut von statten und ich werde in den nächsten drey Wochen schon etwas vor mich bringen. Es war aber auch endlich einmal nöthig daß etwas geschah.
Ich schicke dir hierbey etwas Wildpret, daran es mir hier nicht fehlt. Mit meinem Essen steht 'es überhaupt ganz gut, ich lasse mir von der Trabitius morgens wieder Wassersuppen kochen, denn es scheint doch daß die Chokolade mir nichts taugt. Wer weiß auch was sie bey der Fabrikation hineinmischen. Lebe recht wohl, grüße das Kind und gieb ihm inliegendes Briefchen.
Jena d. 12. Febr. 99.
G.
Das Buch ist mir richtig überbracht worden.
14/3989.
Ich bin völlig Ihrer Meynung daß das hellrothe Papier welches hier wieder zurückkommt das beste zu den Umschlägen ist. Wenn Herr Gädicke sich überhaupt so hält wie mit dieser Probe des Abdrucks, so wird er Lob verdienen. Der Stock und die Buchstaben [20] nehmen sich ganz anders aus als in der Überlieferung unserer schwäbischen Freunde.
Ihre akademische Abhandlung ist abgeschrieben, sie gefällt mir sehr wohl und mich verlangt nach dem Schluß. Ich bin die wenigen Tage schon sehr fleißig gewesen und habe theils aus eigner Stimmung, theils durch Schillers lebhafte Theilnehmung, das Farbenwesen um ein gutes vorwärts geschoben. Es wird täglich erfreulicher, indem man denn doch endlich die Möglichkeit sieht ein Ganzes auszuarbeiten.
Heute früh hatte ich wieder eine Session mit dem jungen Güldemeister, der die Farben so wunderlich sieht, und machte diesmal die Versuche mit drey Tassen, in welche Karmin, Gummigutt und Berlinerblau eingerieben waren. Die Resultate sind zwar immer dieselben, doch kamen, bey veränderten Umständen, einige neue Aussichten. Dieser außerordentliche Fall muß uns, durch seine innere Consequenz, über das Gewöhnliche noch schöne Aufschlüsse geben.
Sonnabends erhalten Sie das Manuscript zu den ersten Bogen der Propyläen. In kurzer Zeit soll das Ganze in Ordnung seyn. Die paar poetischen Zeilen an der Spitze werden nicht übel thun und überhaupt kann in jedem Stücke ein kleines bedeutendes Gedicht nicht schaden.
Leben Sie recht wohl und fleißig ich will meinen Aufenthalt möglichst zu nutzen suchen.
Jena am 12. Febr. 1799.
G.
[21] Haben Sie ja die Güte Herrn Gädicke beym Abdruck der Decken alle mögliche Sorgfalt zu empfehlen. Wenn sie durchaus so ausfallen wie die Proben, so ist nichts weiter zu wünschen. Sollte ja irgend was vorkommen so hilft Facius wohl gleich nach.
Ich wünsche daß mit dem dritten Stück das ganze Unternehmen von Außen und Innen einen neuen Schwung erhielte, um so mehr als wir die Ostermesse vor uns haben, die doch über manches entscheidet.
14/3990.
Ich danke dir für deine Briefe die doch diesmal so gar kurz nicht sind.
Ich freue mich zu hören daß Albert von Thurneisen euch recht gerührt hat. Es ist bey diesem Stück darauf angelegt daß nicht leicht jemand mit trocknen Augen herausgehen soll.
Ich bin diese Tage fast jeden Morgen eine Stunde auf dem Schlitten gefahren und befinde mich ganz wohl davon.
Mit den Pferden ist es mein völliger Ernst, nur muß man sich voraussagen daß bey dem Vergnügen und Nutzen den man sich davon verspricht, auch manches sehr unangenehme vorkommt, worüber man sich denn hinwegsetzen muß. Da du diese Art von Besorgungen gern übernimmst, so wird es dir leicht [22] werden und du wirst für die Mühe und für den Verdruß auch manche gute Stunde haben.
Meine Arbeiten fördern so ziemlich, doch hoffe ich soll es täglich besser gehen.
Für heute lebe wohl und besorge die Innlagen sogleich aufs beste.
Jena am 15. Febr. 1799.
G.
14/3991.
Inliegendes war geschrieben, als Ihr schätzbares Schreiben ankommt, welches mir beweist wie freundschaftlich Sie an mich denken und für mich sorgen. Das Rathsprotokoll sende ich zu allenfallsigem Gebrauch wieder zurück. Wie Sie recht wohl bemerken steht das factum und das parere mit einander in Widerspruch. Wie stark die Erschütterung sey zu zeigen gehören feinere Experimente dazu. Man stelle z.B. wenn die verschiednen Stühle im Gange sind, in das Zimmer das Prof. Meyer bewohnt ein Gefäß mit Wasser auf den Fußboden und man wird die anhaltende Erschütterung der leicht beweglichen Oberfläche entdecken. Ich habe zwar den Versuch nicht gemacht, denn ich wollte nichts vornehmen was mir den Zustand noch hätte verdrießlicher machen können. Allein das weiß ich, daß wenn ich Abends im grünen Saale unter dem Gespräch, ohne an etwas zu denken,[23] wider einen Thürpfosten mich anlehnte, daß ich die Erschüttrung fühlte. So zeigt die Thüre aus Professor Meyers Zimmer in dessen Schlafkammer, wenn sie nur angelehnt ist, eine immerwährende Bewegung, das gleiche zeigte die Küchthüre, die über das ganze Treppengebäude entfernt ist, als zufällig der Riegel im Schlosse noch locker stand, welches jetzt geändert ist.
Doch wollte ich dieses nicht zu sehr urgiren, weil ja auch die Nachbarn, wo er allenfalls hinziehen könnte, dadurch aufmerksam gemacht würden. Ich bitte daher die Sache auch von dieser Seite ruhen zu lassen, da doch auf dem rechtlichen Weg nichts zu thun seyn möchte, und empfehle Ihrer gütigen Verwendung und Serenissimi gnädigster Theilnahme diese meine Angelegenheit wie so manche andere.
Können Sie, wenn Serenissimus zurückkommt, vermitteln daß ich vor Ende Monats nicht zurück berufen werde, so geschieht mir eine besondere Freundschaft. Ich bin die zwey Wintermonate in meinen litterarischen Arbeiten sehr zurückgekommen und die Ostermesse fällt zu früh. Wäre in Schloßbausachen ein Dubium, so besuchte mich Prof. Meyer auf einen halben Tag und man könnte alles abthun. Das übrige woraus ich einfließe läßt sich auch von hier aus recht gut besorgen.
Für die archivalische Nachricht danke zum schönsten. Ich sende auch diese Blätter zurück mit der Bitte die von mir besessenen Lehnbriefe, mit Einschaltung derer [24] welche mir fehlen und sich auf dem Archiv befinden, abschreiben zu lassen, ich will die Copialgebühren gern erstatten.
Nehmen Sie auch meinen Dank für die besseren Nachrichten von Rastadt für die Theilnehmung an unserm Theater und leben recht wohl.
Schiller grüßt bestens, er hat einigemal mit mir hüben im Schlosse gegessen und ich denke daß er nach und nach der Gesellschaft wieder gegeben werden soll.
Jena am 15. Febr. 1799.
G.
14/3992.
Hier schicke ich die erste Lage, mit der Bitte die politische Möglichkeit, sich zum König von Böhmen zu machen, kürzlich auszuführen. Man kann dieses und was sonst noch einzuschalten nöthig wäre auf besondere Blätter schreiben und einlegen, ohne daß man nöthig hätte das Ganze nochmals abzuschreiben. Bis 1 Uhr hoffe ich ziemlich weit vorgerückt zu seyn und Sie alsdenn wieder bey mir zu sehen, wo es über Ifflands Brief manche Betrachtungen geben wird.
Jena am 17. Febr. 1799.
G.
[25] 14/3993.
Das Packet, werthester Herr Professor, das Sie an uns abgelassen haben, ist glücklich angekommen und ich danke Ihnen dafür hiermit nur im allgemeinen indem wegen Abwesenheit Durchl. des Herzogs über die verschiednen in Ihrem pro Memoria enthalten Anfragen vorerst keine Entschließung erfolgen kann die ich aber baldmöglichst beschleunigen will.
Dasjenige worum ich Sie nun ersuchen wollte sind die Profile zu dem zweyten Vorzimmer, indem der Quadrator mit dem Audienzzimmer fertig ist.
Herrn Isopi bitte ich für seine gefällige Zuschrift zu danken. Was das Audienzzimmer betrifft, so kann wohl darüber die Entschließung nicht eher gefaßt werden als bis die Arbeit zum runden Zimmer hier angelangt und aufgestellt ist.
Und was die Modelle zum runden Zimmer selbst belangt, so wünschte ich, daß solche nicht in gebrannter Erde gemacht würden, indem uns an einem ausgearbeiteten Modell in Gyps genügen kann und dadurch, wie Herr Isopi schreibt die Kosten um ein Ansehnliches vermindert würden welches ich um so mehr wünsche, damit sie nicht den Maßstab überschreiten, der bey unsern Verhältnissen gilt, und für die Zukunft nicht abschrecken.
[26] Ich habe auf beyliegendem Blatt was Herrn Isopi betrifft besonders geschrieben, damit Sie es vorweisen können. Ich wünschte gar sehr daß, indem wir die Modelle in gebrannter Erde weglassen die Kosten für das runde Zimmer vermindert würden, damit nicht gleich anfangs sowohl Durchl. dem Herzog, als meinen Herrn Mitcommissarien ein Unwille gegen diese Arbeit erregt werde. Wegen des Audienzzimmers hat es Zeit, bis wir Sie wieder bey uns sehen.
Zum Schluß noch eine Frage, welche ich bald möglichst beantwortet wünsche. Wann glauben Sie dieses Jahr zu uns kommen zu können? Es entsteht so mancher Zweifel welcher ohne Ihre Gegenwart schwer zu lösen ist. Herr Professor Meyer steht uns zwar mit seinen Einsichten eifrig bey, allein es kommt doch manches vor, wozu man Ihre Einstimmung wünschte. Man hat diesen Sommer vor, bey dem Baue lebhafte Schritte zu thun, wobey denn freylich Ihre Gegenwart zu schneller Ausführung nicht wenig beytragen würde.
Das übrige nächstens. Der ich indeß recht wohl zu leben wünsche und mich Herrn Rapp, Herrn Prof. Dannecker und Herrn Isopi bestens zu empfehlen bitte.
Jena am 18. Febr. 1799.
J. W. v. Goethe.
[27] 14/3994.
Da die Botenweiber zu Mittage schon gehen, sende ich nur eilig das Stück und die Austheilung nach Ihrem zweiten Vorschlag.
Freitag schicke ich den Aufsatz wegen Hiller.
Meine Arbeiten gehen gut, so daß ich noch 14 Tage zu bleiben wünschte. Auf alle Fälle wollte ich Montag den 4. März in Weimar seyn, da man denn »Palmyra« den neunten geben könnte.
Der ich mich bestens empfehle und recht wohl zu leben wünsche.
Jena am 19. Febr. 1799.
Goethe.
14/3995.
Die Botenweiber wollen wieder um Mittage fort, deswegen sage ich dir nur mit wenigem daß ich mich wohl befinde und fleißig bin. Wenn sonst nichts vorfällt gedenke ich noch 14 Tage hier zu bleiben, da könntest du Sonnabend den zweyten März herüber kommen und Montag den vierten wieder mit hinüber gehen.
Doch darüber können wir noch Abrede nehmen.
Lebe wohl, grüße das Kind und sey vergnügt.
[28] Es wird ein Packet mit Geld ankommen, welches du wohl verwahren wirst.
Jena am 19. Febr. 1799.
G.
Schicke mir doch ein Stängelchen von des Doctors Pflaster, ich habe wieder einen kleinen Schweren auf den Rücken bekommen der zwar gar nichts bedeutet aber mich doch incommodirt.
14/3996.
Da meine Arbeiten, auf die ich diesmal rechnen konnte, so ziemlich vollbracht sind, so könntest du allenfalls auch schon den nächsten Sonntag den 24. dieses herüber kommen. Ich schreibe dir dieses vorläufig, damit du deine Einrichtung machen kannst. Ich wünsche daß du den Freytag eine vergnügte Redoute haben mögest, Sonnabend wohl ausschläfft, eine hübsche Comödie sähest und Sonntag leidliches Wetter hast. Die Frau Postverwaltern wird dich mit Vergnügen aufnehmen. Lebe wohl, grüße das Kind, den Freytag schreibe ich mehr.
Jena am 20. Febr. 1799.
Mein Verlangen dich und das liebe Kind wiederzusehen ist gar zu groß, daß ich dich eher als ich wollte berufen muß. Lebe wohl und behalte mich recht lieb.
G.
[29] 14/3997.
Ihr Brief kam mir gestern sehr spät zu und ich antworte heute um diese Communication wieder zu Stande zu bringen.
Ich freue mich daß dieser Winter überhaupt Ihnen günstig war, da er sich so schlecht gegen mich betrug. Es ist keine Frage daß wir zusammen in manchem Sinne vorwärts gekommen sind, und ich hoffe die gute Jahrszeit wird uns die Stimmung geben um es auch praktisch zeigen zu können.
Körners Brief kommt mir wunderbar vor, wie überhaupt alles individuelle so wunderbar ist. Es weiß sich kein Mensch weder in sich selbst noch in andere zu finden und muß sich eben sein Spinnengewebe selbst machen aus dessen Mitte er wirkt. Das alles weist mich immer mehr auf meine poetische Natur zurück. Man befriedigt bey dichterischen Arbeiten sich selbst am meisten und hat noch dadurch den besten Zusammenhang mit andern.
Wegen Wallensteins Lager will ich eine strenge Untersuchung anstellen lassen. Ihre Vermuthung scheint mir nur allzugegründet. In diesen glorreichen Seiten, wo die Vernunft ihr erhabenes Regiment ausbreitet, hat man sich täglich, von den würdigsten Männern, eine Infamie oder Absurdität zu gewärtigen.
[30] Ich betreibe nun meine hiesigen Geschäfte und Angelegenheiten so daß ich mich dadurch auf die nächste Zeit frey mache. Übrigens bin ich vom schlimmsten Humor der sich auch wohl nicht verbessern wird bis irgend eine Arbeit von Bedeutung wieder gelungen seyn wird.
Leben Sie recht wohl, grüßen Sie Ihre liebe Frau und seyn Sie recht fleißig. Was mich betrifft so sehe ich schon voraus daß ich keine zufriedene Stunde haben werde, bis ich mich wieder in Ihrer Nähe befinde, um auf eine erwünschte Weise thätig seyn zu können. Auf den Sommer muß ich mir was erfinden, es sey was es will um mir eine gewisse Heiterkeit wieder zu geben, die ich in der schlimmen Jahrszeit ganz vermißte.
Weimar am 3. März 1799.
G.
14/3998.
Herr Hofrath Schiller hat erfahren, daß eine Abschrift von Wallensteins Lager auswärts communicirt worden.
So wie es nun nicht unwahrscheinlich ist, daß dieses von Weimar aus geschehen und der Theatercommission alles daran gelegen seyn muß denjenigen zu entdecken, der eine solche Untreue begehen könnte, so wären vorerst nachstehende Personen
[31] die drey Wöchner,
der Copist Schumann,
der Soufleur Seysarth
an Eides Statt und zwar jeder besonders zu vernehmen:
1) Ob sie das Manuscript von Wallensteins Lager irgend jemanden geborgt
2) Ob irgend jemand gedachtes Manuscript bey ihnen zu borgen verlangt
3) Ob ihnen von irgend einer Abschrift außer der die für das Theater gemacht worden etwas bekannt sey.
Wovon mir sogleich Nachricht zu geben.
Weimar, am 4. März 1799.
Goethe.
14/3999.
Ich muß mich nur, nach Ihrem Rath, als eine Zwiebel ansehen, die in der Erde unter dem Schnee liegt, und auf Blätter und Blüthen in den nächsten Wochen hoffen. Der Druck der Propyläen ist im Gange, und ich bringe nach meiner gewöhnlichen Art manches andere bey Seite um mir bald möglichst einige freye Wochen zu verschaffen die ich zum besten anzuwenden gedenke.
Es ist sehr sonderbar daß meine Lage, die im allgemeinen genommen nicht günstig er sein könnte, mit[32] meiner Natur so sehr im Widerstreite steht. Wir wollen sehen, wie weit wirs im Wollen bringen können.
Sie erhalten die Piccolomini und den Brief. Eben die Hand dieses allgegenwärtigen Freundes werden Sie in den Acten über die Veruntreuung von Wallensteins Lager antreffen. Seine ganze Existenz gründet sich auf Mäkelei und Sie werden wohl thun ihn von sich zu halten. Wer Pech knetet klebt seine eignen Hände zusammen. Es paralysirt nichts mehr als irgend ein Verhältniß zu solchen Schuften, die sich unterstehen können den Octavio einen Buben zu nennen.
In diesen Wintertagen die sich erneuern ist Palmira ein recht erwünschtes Geschenk. Ich kann kaum erwarten bis die Oper wieder aufgeführt wird, und es geht mehr Leuten so.
Leben Sie recht wohl und verzeihen Sie der abermaligen Unfruchtbarkeit dieses Briefes, der ich durch eine Portion Rüben nachzuhelfen suche.
Grüßen Sie Ihre liebe Frau und fahren Sie fort mir in guten und bösen Stunden durch die Kraft Ihres Geistes und Herzens beyzustehen.
Weimar am 6. März 99.
G.
[33] 14/4000.
[Concept.]
Einige Freunde, welche eine Partie gebundner Bücher zu verkaufen wünschen, glauben daß solche in Leipzig vortheilhafter als anderswo verauctionirt werden könnten.
Wollten Ew. Hochedelgeb. deswegen die Gefälligkeit haben mich zu benachrichtigen: ob Sie vielleicht selbst eine solche Commission übernähmen? was für Abgaben und Kosten dabey in Betracht gezogen werden müßten? in welcher Zeit eine Auction an die man sich allenfalls anschließen könnte, wieder vorkäme? und was Sie sonst noch bey Ihrer Sachkenntniß zweckmäßiges rathen würden. Den geschriebenen Catalog würde man von hier aus gleich mitschicken.
Der ich in Erwartung einer gefälligen Antwort recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 7. März 1799.
14/4001.
Die zwey Acte Wallensteins sind fürtrefflich und thaten beym ersten lesen auf mich ich eine so lebhafte Wirkung, daß sie gar keinen Zweifel zuließen.
[34] Wenn sich der Zuschauer bey den Piccolominis aus einem gewissen künstlichen, und hie und da willkürlich scheinenden Gewebe nicht gleich herausfinden mit sich und andern nicht völlig eins werden kann, gehen diese neuen Acte nun schon gleichsam als naturnothwendig vor sich hin. Die Welt ist gegeben in der das alles geschieht, die Gesetze sind aufgestellt nach denen man urtheilt, der Strom des Interesses der Leidenschaft, findet sein Bette schon gegraben in dem er hinabrollen kann. Ich bin nun auf das übrige sehr verlangend, das mir nach Ihrer neuen Anlage ganz neu seyn wird.
Nachdem ich heute früh Ihre beyden Acte mit wahrem Antheil und inniger Rührung gelesen, kommt mir das dritte Stück vom Athenäum zu, in das ich mich einlasse und worüber mir die Zeit verstreicht. Die Botenstunde schlägt und hier nur noch gute Nachricht: daß ich, durch Ihren Zuruf ermuntert, diese Tage meine Gedanken auf dem Trojanischen Felde festgehalten habe. Ein großer Theil des Gedichts, dem es noch an innerer Gestalt fehlte, hat sich bis in seine kleinsten Zweige organisirt, und weil nur das unendlich endliche mich interessieren kann, stelle ich mir vor daß ich mit dem Ganzen, wenn ich alle meine Kräfte drauf wende bis Ende Septembers fertig seyn kann. Ich will diesen Wahn so lange als möglich bey mir zu erhalten suchen.
Wallenstein schicke ich morgen wieder zurück.
[35] Grüßen Sie Ihre liebe Frau der ich eine bessere Gesundheit wünsche und rücken Sie dem Schlusse des Trauerspiels glücklich immer näher.
Weimar am 9. März 1799.
G.
14/4002.
Nur mit ein Paar Worten und mit einem herzlichen Gruße von Meyern begleite ich diese Sendung. Es ist ihm wie mir gegangen, er konnte im lesen keine Pause machen. Von dem theatralischen Effect kann man gewiß seyn. Seit einigen Tagen halte ich mich mit aller Aufmerksamkeit auf der Ebene von Troja fest. Wenn meine Vorbereitung glücklich von Statten geht, so kann die schöne Jahrszeit mir viel bringen. Verzeihen Sie mir daher wenn ich mich einige Zeit stille halte, bis ich etwas aufweisen kann.
Leben Sie recht wohl und vollenden glücklich Ihr Werk.
Weimar am März 1799.
G.
14/4003.
Es wird hiermit den bei dem hiesigen Theater angestellten Wöchnern ausdrücklich untersagt, irgend jemand es sei wer es wolle, ohne Vorwissen der Commission, [36] ein Manuscript zu leihen. Auch haben sie, indem sie Gegenwärtiges präsentiren, anzuzeigen, ob sie das Manuscript von Piccolomini irgend jemand und auf wie lange Zeit mitgetheilt.
Weimar, den 11. März 1799.
Goethe.
14/4004.
Es wird sehr erfreulich seyn wenn, indem Sie Ihren Wallenstein endigen, ich den Muth in mir fühle ein neues Werk zu unternehmen. Ich wünsche daß der Montag mir die drey letzten Acte bringen möge. Ich habe die beyden ersten bisher in mir walten lassen und finde noch immer daß sie sich gut darstellen. Wenn man in Piccolomini beschaut und Antheil nimmt, so wird man hier unwiderstehlich fortgerissen.
Wenn ich es möglich machen kann so bringe ich die Feyertage bey Ihnen zu, besonders wenn das Wetter schön bleibt. Lassen Sie den Kasten mit Gries so lange bey sich stehen, bis ich ihn abhole, abholen lasse, oder Sie Gelegenheit finden.
Haben Sie die Güte mir die Quittung über die Medaillen für den Herzog zu schicken und ich will alsdann alles zusammen berichtigen.
Leben Sie recht wohl, ich sage weiter nichts, denn ich müßte von meinen Göttern und Helden reden und[37] ich mag nicht voreilig seyn. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und sagen mir nur den Sonnabend ein Wort wie es mit der Arbeit steht.
Weimar am 13. März 1799.
G.
14/4005.
Das Packet mit 288 1/2 Lbthlr. ist richtig angekommen worüber ich hiermit dankbar quittire, so wie mich das Honorar für die Beyträge zur neuen Zeitung vollkommen befriedigt.
Den zweyten Theil der Nachrichten aus Italien habe gleichfalls richtig erhalten, wofür ich meinen Dank abstatte.
Die Anzeige der Piccolomini wird nun wohl schon gedruckt und zu uns auf dem Wege seyn.
Die Anzeige der drey ersten Propyläenstücke sende ich bald ab, sie soll noch zur rechten Zeit vor der Messe kommen.
Mögen Sie einen kleinen Aufsatz zur neuen Zeitung über die neuste Entdeckungen der Mineralogie. Unser Professor Lenz hat einen solchen gemacht und ich will ihn allenfalls zweckmäßig redigiren. Was den Druck der Propyläen betritt so geht bis jetzt alles zu meiner Zufriedenheit. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar d. 13. März 1799.
G.
[38] 14/4006.
[Concept.]
[15. März.]
Mit Dank verehre ich das mir geschenkte Zutrauen mit Ew. Hochwohlgeb. mir den Quartus Lieber zu Buttstädt empfehlen. Ich werde diesen Mann, wenn er sich bey mir zeigt, gern anhören und die nähern Umstände seiner Lage vernehmen, mit seinen Vorgesetzten darüber sprechen und wenn etwas für ihn auszuwirken seyn sollte gern das meinige beytragen. Ich genieße das Glück dero Verwandten in Leipzig persönlich zu kennen und freue mich bey dieser Gelegenheit auch Ew. Hochwohlgeb. meiner besondern Hochachtung versichern zu können.
14/4007.
In der Beylage habe ich dasjenige was allenfalls für den Augenblick zweckmäßig seyn dürfte um so lieber zusammengestellt, als der Inhalt derselben der Wahrheit völlig gemäß seyn konnte. Die Stelle deren ich gedenke ist in Coppenhagen wirklich offen, und in einem Briefe, der vor kurzem dahin abgegangen, ist Ihrer gegenwärtigen Lage, verehrtester Mann vorläufig gedacht worden. Auf alle Fälle ersuche ich Sie mir von Zeit zu Zeit Nachricht [39] von Ihrem Zustande zu geben, so wie ich nicht verfehlen werde auf alle vorkommende Gelegenheiten die Ihnen nützlich seyn könnten aufmerksam zu bleiben. Der ich mich Ihrem Andenken und Zutrauen abermals bestens empfohlen haben will.
Weimar am 15. März 1799.
Goethe.
[Beilage.]
Schon dreymal besuchte ich die Schweiz. Von meinen beyden ersten Reisen behielt ich die angenehmsten Erinnerungen für den größten Theil meines Lebens, bey dem dritten Mal ist mirs nicht so wohl geworden, mein Antheil an den gegenwärtigen Schicksalen dieses Landes ist nur schmerzlicher, indem ich vor kurzem das Anschauen der Gegenden, die Bekanntschaft mit Menschen erneuerte, und dadurch die mancherley Übel und Leiden auf das nächste vergegenwärtigt vor mir stehen.
Möge die Alles heilende Zeit aus dieser traurigen Krise das beste hervorbringen, wir dürfen kaum hoffen von den Schmerzen die sie uns bringt geheilt zu werden.
Solche und andere Betrachtungen bewegen mich Ihnen, würdigster Mann, zu schreiben in der Überzeugung, daß Sie meine Gesinnungen nicht verkennen werden. Wer hätte sonst daran denken dürfen, einen Schweizer aus seinem Vaterlande zu rufen, aus einem Lande wohin sich so mancher anderer Europäer sehnte! [40] Bey der gegenwärtigen Umwälzung kann es aber wohl nicht anders seyn, als daß Männer von Talenten die in friedlichen Zeiten unter jeder Regierungsform nach Verdienst geschätzt seyn würden, in solchen Augenblicken äußerst leiden müssen, wo dringende Nothwendigkeit alle andere Betrachtungen aufhebt.
Sie haben, würdigster Mann, von der Staatsveränderung Ihres Vaterlandes sehr gelitten; Sie stehen nicht allein, Sie haben Familie und müssen in der gegenwärtigen Lage Ihren Wirkungskreis äußerst verengt fühlen. Aber glücklicher Weise haben Sie Kenntnisse, Talente, deren Ausübung an keinen Boden gebunden ist, die überall willkommen überall zu Hause sind.
In unsern Gegenden sowohl als weiter nordwärts, man noch gegenwärthig einer glücklichen Ruhe genießt, hat man die Überzeugung wie nothwendig es sey alte Sprachen und Literatur fortzupflanzen. Bey dem schwankenden und losen Geschmack der Zeit kann man jene Norm nicht sorgfältig genug bewahren. So denkt man z.B. bey uns daran, ein schon bestehendes Gymnasium in lebhaftere Thätigkeit zu setzen auf der Akademie Jena solche Kenntnisse immer mehr zu verbreiten; besonders aber ist mir bekannt daß in einer großen Hauptstadt man ein philologisches Seminarium zu errichten gedenkt, zu welchem einige deutsche Gelehrte berufen waren, die man aber von ihren Stellen nicht entlassen konnte.
[41] Bey dieser Gelegenheit hat man erst bemerken können, wie klein die Anzahl der Männer sey welchen ein solches Amt übertragen werden könnte, und man wird an mehr als Einem Orte bey eröffneten ähnlichen Stellen, sich in nicht geringer Verlegenheit finden.
Sollten Sie daher, würdigster Mann wie ich zwar nicht wünsche vielleicht in dem Falle seyn oder darein kommen, in Ihrem Vaterlande theils als Hausvater theils als Lehrer allzusehr eingeengt zu werden und daher dasselbe zu verlassen sich gedrungen fühlen so bitte ich mir darüber einen Wink zu geben, weil ich nichts so sehr wünschte als Gelegenheit zu finden zugleich Ihnen und dem Lande wohin Sie berufen werden könnten einen soliden Dienst zu erzeigen.
Ich darf wegen meiner Zudringlichkeit nicht um Vergebung bitten. Das Unwahrscheinlichste wird in unsern Tagen möglich, und es bleibt jedem denkenden, entschloßnen Manne der sich einige Selbständigkeit fühlt, nichts übrig, als daß er den Muth und die Fähigkeit sich zu verpflanzen bey sich erhalte. In dem Augenblick da man überall beschäftigt ist, neue Vaterlande zu erschaffen, ist für den unbefangen denkenden, für Den der sich über seine Zeit erheben kann, das Vaterland nirgends und überall.
Der ich mich zu geneigtem Andenken bestens empfehle.
Weimar am 15. März 1799.
Goethe.
[42] 14/4008.
Ich wollte dir auf deine verschiedne lieben Briefe nicht antworten bis ich etwas mitschicken konnte. Hier sind nun vier Bogen des dritten Stücks der Propyläen, die ich mir jedoch bald wieder zurück zu schicken bitte, indessen wird das Ganze fertig und du erhältst dein Exemplar.
Du findest wieder ein Capitel Diderot. Man glaubt nicht wie leicht und lose ein übrigens so trefflicher Mann solche Gegenstände behandelt aber freylich niemand fühlt es leicht als wer beym eignen Hervorbringen Rath und Trost in solchen Schriften sucht; allen denen die nur beschauen ist eine theoretische Leerheit gewissermaßen recht willkommen.
Meyer grüßt und wünscht auch seiner Niobe eine freundliche Aufnahme, es ist uns beyden ein sehr angenehmes Gefühl, da wir keine großen Briefschreiber sind, uns mit Freunden in der Abwesenheit periodisch unterhalten zu können. Bis jetzt noch müssen wir das Abentheuer allein bestehen, das uns denn freylich genug zu thun giebt. Indessen liegt ein unendlicher Stoff parat und zur Form mag die Stimmung des Augenblicks helfen Denn in unsern Tagen geht alles so entsetzlich schnell, daß ich Aufsätze die vor einem Jahr geschrieben sind, ohne sie umzuarbeiten, nicht kann drucken lassen.
[43] Bey manchen äußerlichen Hindernissen des Lebens habe ich mir seit einiger Zeit innerlich eine gute Stimmung zu erhalten gesucht und sie angewendet eine sonderbare Arbeit anzufangen, die ich seit einiger Zeit mit mir herumtrage und wovon ich dir das Bekänntniß machen muß. Schon lange habe ich viel über das epische Gedicht nachgedacht, seit der Streitigkeit über das Alter der Homerischen Gesänge und der Ausführung von Herrmann und Dorothea sind mir diese Gegenstände fast nie aus den Gedanken gekommen, und ich habe bey mir einen Plan versucht wie man die Ilias fortsetzen oder vielmehr wie man ein Gedicht, das den Tod des Achills enthielte daran anschließen könnte. Da ich nur denken kann in so fern ich producire, so wird mir ein solches kühnes Unterfangen zur angenehmsten Beschäftigung und es mag daraus entstehen was da will so ist mein Genuß und meine Belehrung im Sichern; denn wer bey seinen Arbeiten nicht schon ganz seinen Lohn dahin hat, ehe das Werk öffentlich erscheint, der ist übel dran.
Ich denke mich diesen vom Sommer nicht weit vom Hause zu entfernen und wir kommen vielleicht einmal irgendwo auf halbem Wege zusammen, und wenn das Glück gut ist so bringe ich schon einige Gesänge mit.
Den ersten Gesang deines Lucrez erhältst du bald mit Anmerkungen von Schlegel zurück. Ich wünsche daß dir sein guter Wille förderlich seyn möge.
[44] Deine Quittungen schicke nur jederzeit ohne Bedenken, ich will gern die Besorgung übernehmen. Lebe recht wohl und gedenke meiner in Freundschaft.
Weimar am 15. März 1799.
G.
14/4009.
Recht herzlich gratulire zum Tode des theatralischen Helden! Könnte ich doch meinem epischen vor eintretendem Herbste auch das Lebenslicht ausblasen. Mit Verlangen erwarte ich die montägige Sendung und richte mich ein, den grünen Donnerstag zu Ihnen zu kommen. Wenn wir alsdann auch nur acht Tage zusammen zubringen, so werden wir schon um ein gutes Theil weiter seyn. Den April müssen wir auf die Vorstellung von Wallenstein und auf die Gegenwart der Madame Unzelmann rechnen. Es wäre daher gut wenn wir den Wallenstein möglichst beschleunigten, um sowohl durch diese Tragödie als durch diese artige kleine Frau eine Folge von interessanten Vorstellungen zu geben und die Fremden fest zu halten die sich allenfalls einfinden könnten. Leben Sie recht wohl. Von der Achilleis sind schon fünf Gesänge motivirt und von dem ersten 180 Hexameter geschrieben. Durch eine ganz besondere Resolution und Diät habe ich es gezwungen und da es mit dem [45] Anfange gelungen ist, so kann man für die Fortsetzung nicht bange seyn. Wenn Sie uns nur bey den Propyläen beystehen so soll es dieses Jahr an mancherley gutem nicht fehlen.
Weimar am 16. März 1799.
G.
14/4010.
An die Herren Beck und Becker wären ein Paar Verordnungen mutatis mutandis aufzusetzen worin sie zur Ruhe gewiesen und mit nachdrücklicher Strafe wenn etwas ähnliches vorkommen sollte bedroht werden.
Weimar am 16. März 1799.
G.
An den Soufleur Seyfarth müßte eine Verordnung ergehen, daß er bei Strafe niemandem, wer es auch sei, ohne Vorwissen der Commission ein Manuscript zu borgen habe.
Weimar, 16. März 1799.
G.
14/4011.
[18. März.]
Zu dem vollendeten Werke wünsche ich von Herzen Glück, es hat mir ganz besonders genug gethan[46] ob ich es gleich an einem bösen zerstreuten Morgen nur gleichsam obenhin gekostet habe. Für den theatralischen Effect ist es hinreichend ausgestattet, die neuen Motive die ich noch nicht kannte sind sehr schön und zweckmäßig.
Können Sie künftig den Piccolominis etwas von der Masse abnehmen so sind beyde Stücke ein unschätzbares Geschenk für die deutsche Bühne, und man muß sie durch lange Jahre aufführen. Freylich hat das letzte Stück den großen Vorzug daß alles aufhört politisch zu seyn und blos menschlich wird ja das historische selbst ist nur ein leichter Schleyer wodurch das reinmenschliche durchblickt. Die Wirkung aufs Gemüth wird nicht gehindert noch gestört. Mit dem Monolog der Prinzessin würde ich auf alle Fälle den Act schließen. Wie sie fortkommt bleibt immer der Phantasie überlassen. Vielleicht wär es in der Folge gut wenn der Stallmeister schon im ersten Stücke eingeführt würde.
Der Schluß des ganzen durch die Adresse des Briefs erschreckt eigentlich, besonders in der weichen Stimmung in der man sich befindet. Der Fall ist auch wohl einzig daß man, nachdem alles was Furcht und Mitleiden zu erregen fähig ist erschöpft war, mit Schrecken schließen konnte.
Ich sage nichts weiter und freue mich nur auf den Zusammengenuß dieses Werks. Donnerstag hoffe [47] ich noch abzugehen. Mittwoch Abend erfahren Sie die Gewißheit, wir wollen alsdann das Stück zusammen lesen und ich will mich in gehöriger Fassung daran erfreuen.
Leben Sie recht wohl, ruhen Sie nun aus und lassen Sie uns auf die Feyertage beyderseits ein neues Leben beginnen. Grüßen Sie Ihre liebe Frau und gedenken mein.
Über die den Musen abgetrotzte Arbeit will ich noch nicht triumphiren, es ist noch die große Frage ob sie etwas taugt. Auf alle Fälle mag sie als Vorbereitung gelten.
G.
14/4012.
[Concept.]
Hochwohlgeborner Herr,
hochzuverehrender Herr.
Die von Ew. Hochwohlgeb. geschehene geneigte Eröffnung von der, höchsten Orts, bey Denselben eingegangenen beyfälligen gnädigsten Resolution, die Verlängerung der Schauspielconcession und das Schauspielhaus zu Lauchstädt betreffend, verbindet mich zu dem angelegentlichsten Danke den ich hiermit schuldigstermaßen abstatte und die uns dadurch geschehene neue Vergünstigung, von Seiten hiesiger Theatercommission, annehme und erkenne, so wie ich [48] zugleich um die desfalls erforderlichen Ausfertigungen gehorsamst gebeten haben will.
Zu der weitern Verhandlung, dessen was das Schauspielhaus selbst betrifft, werden wir nicht verfehlen, sobald die schickliche Jahrszeit eintritt, jemanden abzuordnen, den ich so wie die ganze Angelegenheit Ew. Hochwohlgeb. bestens empfehle und zugleich nichts mehr wünsche als daß eine im allgemeinen bald hergestellte Ruhe ein solches Unternehmen begünstigen möge.
Der ich mich mit besonderer Hochachtung zu unterzeichnen die Ehre habe.
Weimar am 18. März
1799
Ew. Hochwohlgeb.
14/4013.
Hochgeborner Graf
Insonders hochzuverehrender Herr.
Ew. Excellenz statte den verbindlichsten Dank ab für die gefällige Eröffnung der, wegen der erneuten Schauspiel Concession und des Schauspielhauses zu Lauchstädt eingegangenen Churfürstlichen gnädigsten Entschließung.
Wie ich mich nun wegen der nöthigen Ausfertigung an die verehrliche Stiftsregierung schuldigermaßen gewendet habe, so werde nicht verfehlen von Seiten der Theatercommission, zur eintretenden schicklichen Jahreszeit, [49] jemanden den Auftrag zu geben, der sich bey denen mir benannten Personen melde und die weitere Verhandlung der Sache besorge, welche ich Ew. Excellenz fernerer Protection hierdurch angelegentlichst empfehle, und mich mit ausgezeichneter Hochachtung zu nennen die Ehre habe.
Ew. Excellenz
Weimar am 18. März
ganz gehorsamster Diener
1799.
J. W. v. Goethe.
14/4014.
Wir haben uns diese Tage noch viel vom Wallenstein unterhalten, Professor Meyer hat ihn auch gelesen und sich sehr daran ergötzt.
Wenn Sie etwas neues vornehmen und zu einem selbst erfundenen Gegenstande Lust haben, so kann ich es nicht tadeln, vielmehr lehrt die Erfahrung daß Sie sich bey einer freyern Arbeit ungleich besser befinden werden. Mich verlangt sehr zu hören wohin gegenwärtig Ihre Neigung gerichtet ist.
Von dem Imhofischen Gedicht hat mir Meyer viel Gutes gesagt. Es soll mir recht lieb seyn wenn unsere Frauenzimmer die so ein hübsches Talent haben, auch wirklich avanciren.
Morgen früh gehe ich bey Zeiten ab und bin zu Mittag schon bey Ihnen und will alle meine diätetischen [50] Künste zusammen nehmen um diesmal etwas zu liefern. Können Sie sich nun auch zu einer neuen Arbeit entschließen, die ganz aus Ihnen heraus kommt und so auch Ihren Neigungen wie Ihrem Talent angemessen ist, so sind wir auf den Sommer geborgen.
Das Kästchen ist glücklich angelangt. Grüßen Sie Ihre liebe Frau. Es ist mir diesmal ganz eigens wohl daß ich mit Ihnen bald wieder auf die vorbeyfließende Mühllache hinaussehen soll.
Weimar am 20. März 1799.
G.
14/4015.
Noch bin ich nicht 24 Stunden hier und ich kann Ihnen schon allerley erfreuliches melden.
Schiller ist kaum von dem Wallenstein entbunden, so hat er sich schon wieder nach einem neuen tragischen Gegenstande umgesehen und, von dem obligaten historischen ermüdet, seine Fabel in dem Felde der freyen Erfindung gesucht. Der Stoff ist tragisch genug, die Anlage gut, und er will den Plan genau durcharbeiten ehe die Ausführung anfängt.
Auch hat er einen Vorsatz bey dem ihn alle gute Geister erhalten mögen. Er will nämlich statt seines lyrischen Almanachs das Gedicht unserer kleinen Freundin herausgeben. Dadurch wird von allen Seiten [51] gewonnen, für ihn, für mich und für unsere liebe Kleine dazu. Ich kann die beste Zeit der Achilleis geben und was das Frühjahr an kleinen Gedichten bringt gleich in die Propyläen setzen um diese ernsthaften Hallen mit einigen Kränzen zu schmücken.
Von Schillern ist auch eher was für unser Institut zu erwarten.
An der Achilleis ist heute gearbeitet worden. Wenn ich diesmal nur den ersten Gesang zu Stande bringe, will ich gern zufrieden seyn.
Die letzte Seite des dritten Stücks der Propyläen mag der Inhalt einnehmen, die vorletzte bestimme ich zu einem kleinen Gedicht, das übrige wird unsere Preisaufgabe wohl ausfüllen.
Leben Sie recht wohl und fleißig von Ihrer Seite, ich will es von der meinigen nicht fehlen lassen. Schiller grüßt schönstens
Jena am 22. März 1799.
G.
Schicken Sie mir doch eine Reisfeder um schwarze Kreide einzuspannen mit der ich mein Gedicht concipire. Die Englischen Bleistifte schreiben sich so sehr ab und da ich hier gute schwarze Kreide fand so bin ich auf diesen neuen Mechanismus gekommen.
[52] 14/4016.
Deinen Brief erhielt ich eben als ich von Weimar nach Jena gehen wollte. Wegen des Geldes habe ich die nöthigen Aufträge gegeben und ich hoffe du wirst es wenigstens zum Theil erhalten haben. Von hier aus will ich dir wenigstens ein Wort schreiben und dir von meinen Hoffnungen etwas sagen.
Die Achilleis ist eine alte Idee, die ich mit mir herumtrage und die besonders durch die letzten Händel über das Alter der Homerischen Gedichte und über die rhapsodische Zusammenstellung derselben neues Leben und Interesse erhalten hat. Ich fange mit dem Schluß der Ilias an, der Tod des Achills ist mein nächster Gegenstand, indessen werde ich wohl noch etwas weiter greifen. Diese Arbeit führt mich auf die wichtigsten Puncte der poetischen Kunst, indem ich über das epische nachzudenken alle Ursache habe. Schiller fördert indessen das Trauerspiel und so kommt man theoretisch und praktisch immer etwas weiter. Ich sehe recht zufrieden in den vorstehenden Sommer hinein und auf die nächsten Arbeiten, die sämmtlich von vergnüglicher und geisterhebender Art sind.
Jenes große Naturwerk habe ich auch noch nicht aufgegeben. Mir däucht ich könnte den Aufwand von Zeit und Kräften die ich an jene Studien gewendet[53] nicht besser nutzen als wenn ich meinen Vorrath zu einem Gedicht verarbeite. Du hast den kleinen Versuch über die Metamorphose der Pflanzen gut aufgenommen und Herder hat mir auch etwas besonders freundliches darüber gesagt, welches mich sehr ermuntert an das größere Werk zu denken. Freylich ist es im Ganzen ein fürchterlicher Anblick, doch muß man denken daß man nach und nach durch anhaltenden Fleiß vieles zu Stande bringt.
Lebe recht wohl halte dich auch am Fleiße sobald das dritte Stück der Propyläen geheftet ist erhältst du es. Du findest wohl noch einiges darinn was dir Freude macht. Lebe wohl und gedenke mein.
Jena am 22. März 1799.
G.
14/4017.
Heute früh bin ich bis zur Rede der Minerva gelangt, und weil diese eigentlich den folgenden Abschnitt eröffnet so bin ich geneigt Ihnen meine bisherige Arbeit heute vorzulegen. Ich will um halb Ein Uhr kommen, noch Vor Tische lesen und Nach Tische der Botenexpedition wegen mich wieder empfehlen und frage an ob Ihnen diese Einrichtung angenehm sey.
Leben Sie recht wohl, auf Wiedersehn an dem Ufer des Hellesponts.
[Jena] Am 26. März 1799.
G.
[54] 14/4018.
Für das übersendete dritte Stück des Athenäums habe ich meinen Dank nicht schriftlich abgestattet weil ich bald nach Jena zu kommen hoffte, wo ich mich denn auch befinde.
Wollten Sie die Güte haben mir die Bände des Walpole durch Überbringern zu überschicken, so wollte ich solche gelegentlich nach Weimar senden um die übrigen dagegen zu erhalten.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und Sie bald zu sehen hoffe.
Jena am 26. März 1799.
Goethe.
14/4019.
Ew. Wohlgeb. sende die Paar Rollen zurück so wie die zwei Akte von »Wallenstein«. Die Rolle von Wallenstein ist hier schon ausgeschrieben und ich lasse daran fortfahren. Lassen Sie also die übrigen Rollen ausschreiben, die folgenden Akte sollen bald nachkommen; übergeben Sie das Manuscript Schuhmannen selbst und sagen ihm, daß er Niemanden, es sey wer es auch sey, auch nur hineinsehen lasse. Er ist treu und verschwiegen und wird's auch halten.
Zu dem neuangebotnen Theatervolontair und seiner Baßstimme habe ich wenig Zutrauen. Ich werde [55] mich wenigstens nicht leicht entschließen, Jemanden, der nicht auf dem Theater war, hinauf zu nehmen. Bei männlichen Subjecten haben wir noch nichts sonderliches von solchen Versuchen erlebt. Ich verlange sehr etwas von Spitzeder zu hören; Hofrath Loder wird mir wohl die nächste Nachricht zurückbringen. Leben Sie recht wohl. Was hört man von Madame Unzelmann?
Jena am 26. März 1799.
G.
Ich bitte durch den rückkehrenden Boten um »Wallensteins Lager«.
14/4020.
Für die Nachrichten, die diesmal sämmtlich nicht übel klingen, danke zum schönsten und erwiedere nur einiges dagegen.
Ich wünschte, daß Sie bei Serenissimo anfragten, wenn es sich gelegentlich schicken sollte, wie lange wir allenfalls das Glück noch haben, Durchlaucht zu besitzen damit wir uns mit dem »Wallenstein« darnach so richten können. Sobald die Rollen ausgeschrieben und wir wegen der Austheilung ganz gewiß sind, wollten wir die Hauptpersonen herüber kommen lassen etwa einen Sonntag Leseprobe halten sie zu Mittage traktiren und dann sie wieder zurück schicken. Sie können alsdann unter sich, durch Studiren und Probiren, [56] das Stück sehr weit bringen, ohne daß Hofrath Schiller die ganze Zeit drüben zu liegen braucht und ich meinen hiesigen Aufenthalt diesmal abkürzen darf. Nächstens mehr hievon.
Es ist mir sehr angenehm, daß der Magdeburger Tenorist zu uns kommt; vielleicht gewinnen wir auch dadurch für den Wallenstein gerade was uns fehlt.
Wie Sie mit Ihrem lakonischen Iffland, wegen der Madame Unzelmann, weiter hin handeln wollen und was Sie sonst zum Besten des Theaters, auch bei dieser Gelegenheit, thun mögen, will ich Ihnen ganz überlassen haben. Das Logis scheint freilich auch die Verköstigung zu involviren und dann könnte uns der Spaß doch hoch kommen. Ich dächte man bäte sich sechs Vorstellungen auf und gäbe diese in 14 Tagen auf unsere gewöhnlichen Spieltage.
Ist wegen der Zeit, wann sie kommt, nichts näher bestimmt? und wird es möglich seyn den »Wallenstein« noch vorher zu bringen? die Arbeit wird auf alle Fälle sehr groß, ein solches Stück einzuleiten. Denn wir denken Montags »Wallensteins Lager« zu geben; – Dienstag Probe von »Piccolomini« , Mittwoch Aufführung von diesem Stücke. Donnerstag und Freitag Probe und Sonnabends Aufführung von »Wallenstein«.
Von Kleidern wird nicht viel zu machen seyn, außer daß wir eine Masse Kürassier brauchen, die sich ohne große Kosten werden zusammen stellen lassen.
[57] Leben Sie recht wohl und erfreuen mich bald mit andern guten Nachrichten.
Ich habe Ursache mit meinem hiesigen Aufenthalte diesmal sehr zufrieden zu seyn, meine Arbeiten gehen gut und das Frühjahr scheint mich über meinen Winter trösten zu wollen.
Jena am 27. März 1799.
G.
14/4021.
Heute habe ich verschiednes zu sagen, welches ich in der Ordnung vornehmen will.
1. Den Aufsatz wegen der Preisaufgabe schicke ich mit wenigen Veränderungen zurück. Was dabey noch ferner, so wie überhaupt wegen des gegenwärtigen Propyläenstücks, noch zu erinnern ist, habe ich auf ein besonderes Blatt gefaßt und beygelegt, möge denn dieses Transportschiffchen gleichfalls glücklich auslaufen.
2. Was die Ausgabe der Schwestern von Lesbos betrifft, so scheint es damit völliger Ernst zu werden, nur läßt Schiller bey Ihnen anfragen: ob Sie sich noch getrauten 6 Kupfer dazu zu Stande zu bringen? Es dürften etwa nur ein Paar ausgeführte Gegenstände aus dem Gedicht selbst dabey seyn, vielleicht ein Paar Umrisse nach Gemmen die einigen Bezug hätten, vielleicht ein Paar Landschaften, die ja Horny radiren[58] könnte. Vielleicht fällt unserer Freundin selbst was ein. Diese Ausstattung hält Schiller für unumgänglich nöthig. Denken Sie doch daran, sagen Sie mir Ihre Gedanken, schreiten zur Ausführung. Ich habe das Gedicht bey mir um es besonders durchzugehen. Wenn wir nach Weimar kommen, soll mit der Verfasserin weitläufig darüber gehandelt werden. Ich habe die Idee zu einer Elegie, wenn mir die Ausführung gelingt, so können wir sie als poetische Vorrede und Einleitung vor das Gedicht setzen und dadurch eine gute Wirkung hervorbringen. Thun Sie nur von Ihrer Seite das mögliche wegen der Kupfer, wir geben Ihnen das ganze universum frey und in welcher Manier Sie etwas schaffen wollen und können; aber mit etwas sichtbar gebildetem müssen wir die Unternehmung ausstatten.
3. Sagen Sie mir doch ob Sie wegen der Leipziger Reise mit Gädicken gesprochen haben, es scheint mir diese Unternehmung noch immer sehr räthlich zu seyn. Da Gädicke Verwandte und Connexion hat, so kommen Sie vielleicht in einem Privathaus unter und, da wir nicht so eilig von Ihren Erfahrungen Gebrauch machen wollen, so können Sie eher mit Muße beobachten.
Leben Sie recht wohl. Die Achilleis ruckt vor, ich habe schon 350 Verse, welche schon die übrigen nach sich ziehen sollen.
Jena d. 27. März 99.
G.
[59] 14/4022.
Hier schicke ich nun endlich den ganzen Transport Wallenstein.
1. Graff's Rolle welche sogleich abzugeben bitte.
2. Die drei letzten Aufzüge die nun auszuschreiben und nach beigehender Austheilung den Schauspielern einzuhändigen sind.
Ich sollte denken, da die Gesellschaft durchs erste Stück schon ganz im Ton ist, so könnten sie recht gut ein Paar Leseproben für sich halten, bei der ersten die Rollen mit dem Original collationiren und bei der zweiten mehr auf den Sinn und Zusammenhang des Stücks sehen und alsdann eifrig lernen, da man sie denn mit allem andern Neuen verschonen müßte. Ich käme mit Herrn Hofrath Schiller Mittwoch den 10. April, Donnerstag und Freitag beschäftigen wir uns mit Vorproben und die Jubilatewoche würden die Stücke nach einander aufgeführt.
Jena den 29. März 1799.
G.
14/4023.
1) Sie erhalten, werthester Freund, Thouretische Zeichnungen, sie haben von der Feuchtigkeit gelitten. Haben Sie doch daher die Güte zu sorgen daß sie [60] gut aufgezogen werden, besprechen Sie ihre Ausführbarkeit mit dem Quadrator, zeigen solche dem Herrn Geh. Rath Voigt und wenn es Gelegenheit gäbe Durchl. dem Herzog.
2) Arbeit für den Bildhauer weiß ich auch gerade nicht. Die Zeichnung der Säulenfüße ins Audienzzimmer befindet sich mit auf den Blättern wo die Details dieses Zimmer angegeben sind, die noch entweder in Ihren Händen, oder wenigstens in unserm Hause sind. Wollten Sie solche einmal ansehen? Das übrige wird von Gips; es ist aber die Frage ob man nicht wohl thut diese Füße, wegen des zu befürchtenden Verstoßens, von Holz machen zu lassen. Wollten Sie diese Sache einmal mit dem Baumeister, dem Bildhauer und Quadrator besprechen, so würde sie dadurch der Entscheidung näher kommen.
3) Vielleicht könnten Sie in dieser Zwischenzeit dem Bildhauer das bewußte Rähmchen in Arbeit geben. Nur ist zu bemerken daß das Maß das ich Ihnen hinterließ das Bildchen im Lichten ist. Ich weiß nicht ob Sie sich erinnern daß es meine Intention war das Bildchen von vorn in den Rahm zu passen, damit man nichts von dem Feld verlöre, das ohnedem eng genug ist. Der Rahm müßte also nicht durchschnitten seyn, sondern eine Wand haben.
4) Schillers Absicht ist ernstlich das Gedicht der Freundin an unseres gewöhnlichen Almanachs Stelle herauszugeben, nur wünscht er einen Kosten Überschlag [61] wie hoch sich allenfalls die Kupfer belaufen könnten, um mit Cotta zu tractiren; denn bis jetzt weiß der Verleger noch nichts davon, wird sich es aber wohl gefallen lassen. Was Ihre Zeichnungen dazu betrifft, so möcht ich sagen: machen Sie was die Zeit erlaubt. Eine cyklische Reihe wäre wohl möglich und artig, und da die Kunstwerkchen zu dem Gedicht bestimmt sind, so kann man die Forderung der Selbstständigkeit nicht an sie machen. Man verlangt von solchen accessorischen Werken daß sie demjenigen gut motivirt erscheinen der die Fabel weiß oder sie erfährt. Auch sey es Ihnen ganz frey gestellt blos in mahlerischer Hinsicht günstige Gegenstände, aus den Episoden, zu wählen, wie sie es allenfalls mit unserer Freundin berathen und zum Entschluß bringen.
Sagen Sie ihr einstweilen voraus, daß ich mich mit denen vereinige welche besonders die beyden letzten Gesänge für allerliebst halten. Den vorhergehenden fehlt wenig, um jenen gleich zu werden.
Das Motiv: der schlafend scheinenden Schwester die geheimen Verhältnisse vorerzählen zu lassen, möchte nicht wohl passiren und ich fordre die Dichterin einstweilen vorläufig auf, ihre Erfindungskraft über diesen Punct noch einmal anzurufen.
Diese Woche will ich noch in vollem Fleiße hier ausleben, wahrscheinlich wird der erste Gesang fertig und, wenn es mir möglich ist, fange ich gleich den[62] zweyten an, damit ja kein Stillstand eintrete; denn die Arbeit fängt schon an eine ungeheure Breite zu zeigen wozu, ohne anhaltenden Fleiß das Leben wohl nicht hinreichen möchte. Da schon vier Gesänge ziemlich motivirt vor mir liegen so bedarf es nur der Geduld der einzelnen Ausführung, indem diese Arbeit ihre Stimmung selbst mit sich führt und erzeugt. Leben Sie wohl fleißig und vergnügt.
Mit der Leipziger Expedition sollen Sie nicht weiter gequält seyn.
Wahrscheinlich kommen wir Mittwochs den 10. April nach Weimar, wo ich mich freue Ihnen meine Helden und Götter vorzustellen.
Jena am 1. April 1799.
G.
Durch einen günstigen Zufall habe ich die Flaxmannischen Kupfer sämmtlich gesehen und begreife recht wie er der Abgott der Dilettanten seyn kann, da seine Verdienste durchaus faßlich sind und man, um seine Mängel einzusehen und zu beurtheilen, schon mehr Kenntniß besitzen muß. Ich hätte recht sehr gewünscht diese Sammlung mit Ihnen durchzugehen, indessen habe ich sie, so gut mir möglich seyn wollte, beleuchtet und mir geschwinde manches zur Erinnerung notirt.
[63] 14/4024.
Ich schicke hier den ersten Gesang indem ich eine kleine Pause machen will um mich der Motive die nun zunächst zu bearbeiten sind specieller zu versichern. Ich schicke das Manuscript, damit Sie es selbst lesen und ihm schärfen ins Auge sehen. Ich habe den besten Muth zu dieser Arbeit und ersuche Sie um fortdauernden Beystand.
Jena am 2. April 1799.
G.
Wallensteins Lager möchte ich heute gern nach Weimar schicken.
14/4025.
Wenn ich dir diese Zeit über wenig geschrieben habe, so war es weil ich gar wenig zu sagen hatte. Meine Arbeit ging gut von statten, anfänglich beym schönen Wetter ging ich spazieren und jetzt bey der Kälte bleib ich zu Hause. Abends geh ich zu Schiller und so vergeht ein Tag nach dem andern. In diesen nächsten acht Tagen denke ich noch manches zu thun, sollte das Wetter einmal recht schön werden so entschließe ich mich vielleicht nach Roßla zu reiten und schicke dir einen Boten, damit du auch hinauskommst. Schickt sich das aber nicht so gehen wir einmal von Weimar zusammen hin.
[64] Es ist gut daß die Baumpflanzung zu Stande ist, denn es war freylich die höchste Zeit und man wird, wenn es ein dürrer Sommer giebt, dennoch gießen müssen.
Du hast ja wohl den Schlüssel zum Schreibepult der in Roßla steht?
Ich füge noch mit eigner Hand hinzu daß ich dich herzlich lieb habe und bald wieder mit dir zu seyn wünsche. Grüße das liebe Kind und sag ihm er soll mir schreiben. Lebe recht wohl und behalte mich lieb.
Jena d. 2. Apr. 99.
G.
14/4026.
Unter Voraussetzung daß Serenissimus die Annahme des Herrn Destouches approbiren bin ich mit derselben unter vorstehenden Bedingungen recht wohl zufrieden.
Jena am 2. April 1799.
J. W. v. Goethe.
14/4027.
Es ist recht schön, daß Sie die Abschrift und Leseprobe »Wallensteins« beschleunigen. Da das Stück nicht groß und die Schauspieler durch das erste schon im Gange sind, so denke ich es soll zur bestimmten Zeit zu Stande kommen.
[65] Das Manuscript geben Sie nun heraus, wo es nöthig ist, lassen sich es aber gleich wieder zustellen. Bei der gewissenlosen Tournüre die in Weimar überhand nehmen will, muß man Niemanden mehr trauen, und sollte eine Untreue einmal auf Jemanden erwiesen werden, so will ich gewiß ein Exempel statuiren.
Für die Mühe, die Sie sich gegeben, das Excerpt des Briefes zu machen, bin ich Ihnen sehr verbunden; mich giebt nur wunder, wie man unverschämt genug seyn kann, einen solchen Wisch vorzuzeigen, der so dumm und so grob zugleich ist. Dumm, indem man wahrscheinlich machen will, das Stück aus Stellen von Briefen ergänzt zu haben. Das müssen ja allerliebste Correspondenten seyn welche sich einzelne Stellen auswendig merken, um sie nach Coppenhagen zu schreiben, und der Zufall ist noch scharmanter, daß die Herren nicht gerade durch eben dieselben Stellen gerührt werden und sich Jeder eine andre merkt, damit es zuletzt mit dem, was gedruckt erschienen ist, ein Ganzes ausmacht. Grob ist der Brief in der Stelle, die sich auf uns bezieht. Freilich ist ein öffentlich gespieltes Stück kein Geheimniß, aber das Manuscript davon wird Jahre lang von honetten Menschen geheim gehalten. Freilich wird ein öffentlich gespieltes Stück von tausend Menschen gesehen, aber deswegen noch nicht nachgespielt. Wenn Madame Brun keine bessere Logik im Kopf hat, so ist von andern Personen nicht zu verlangen, daß sie die [66] Argumente bündig finden sollten aber das Volk ist in seinen Intriguen und Narrheiten so ersoffen, daß es überall nur Laffen und Werkzeuge zu sehen glaubt, gegen die und mit denen man sich Alles erlauben kann. Was ist das für eine absurde Chikane zwischen Salon und Privat-Theater! Und wer hat denn überhaupt von einer öffentlichen Aufführung gesprochen. Es ist völlig als wenn Mad. Brun bei den Jenaischen Theaterfreunden in die Schule gegangen wäre.
Die Sache mag ruhen, da sie ohnehin nicht zu redressiren ist; will man aber mit dem Briefe auftreten und noch groß darauf thun, so werde ich meine Meinung derb und derber drüber äußern denn ich bin fest entschlossen in dieser und ähnlichen Sachen nicht den gefälligen Hahnrei zu spielen der freundlich drein sieht, wenn man ihm Hörner aufsetzt. Damit mag denn das auch vorbei seyn.
Leißring's Rolle im Vorspiel müssen wir Cordemann geben. Die Reime sind nicht schwer zu lernen und er wird ja wohl diese Rolle noch zu der andern liefern. Ich schicke das Vorspiel in dem Einiges verändert ist, vielleicht heute noch mit.
Haben Sie die Güte Alles vorzubereiten, vom 10ten an soll alsdann Alles rasch hinter einander abgehen.
Zu Destouches Annahme wünsche ich Glück, unter die Punktation habe ich meinen Beifall geschrieben.
[67] Wir müssen nun ja sehen, daß wir bald wichtige Opern zusammen schaffen um ihn zu beschäftigen als »Iphigenia«, »Axur« u.s.w. Unser künftiger Winter muß brillanter anfangen als der vergangene.
Da meine Arbeiten hier gut gegangen sind und ich in den nächsten acht Tagen noch etwas vor mich bringen kann, so werde ich mit Vergnügen wieder in Weimar seyn und an den dortigen Geschäften und Beschäftigungen wieder Theil nehmen, wo ich Sie denn recht wohl und vergnügt anzutreffen hoffe.
Jena am 2. April 1799.
G.
14/4028.
Es ist recht hübsch, daß die alte »Zauberflöte« durch neue Besetzung wieder interessant werden kann. Ich wünsche daß Herrn Haltenhof so gut singt als er aussieht. Wegen des »Wallensteinschen Lagers« mag es in Suspenso bleiben bis wir kommen. Wahrscheinlich müssen wir es weglassen, indem wir Montag den 15ten wohl nicht spielen dürfen; die beiden Repräsentationen für Mittwoch und Sonnabend werden uns schon genug zu schaffen machen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Jena am 6. April 1799.
Goethe.
[68] 14/4029.
Die abgedruckte Anzeige der Piccolomini ist endlich auch zu uns gekommen. Da noch niemand über das Stück öffentlich etwas geäußert hat, so sind wir noch immer die ersten und der Verzug zu dem Sie sich genöthigt fanden, hat weiter nicht geschadet.
Hier folgt denn nun auch die Anzeige der Propyläen. Das dritte Stück haben wir so gut es möglich war ausgestattet. Jedem Stück wird es künftig an einem kleinen Gedicht nicht fehlen. Der Quasiroman der fürs vierte Stück versprochen ist, wird das Interesse in ein breiteres Publikum spielen.
Was den ausgesetzten Preis betrifft, so wünschte ich daß Sie Ihre Stuttgarter Künstler zur Concurrenz aufmunterten. Die Sache sieht jetzt klein aus, doch kann sie, wenn der Anfang gelingt, und ein Paar Dutzend Zeichnungen eingesendet werden, künftig für Kunst und Künstler bedeutend werden. Wie ich mündlich bald das mehrere mitzutheilen hoffe.
Von den 30 Ducaten liegt der größere Theil schon, schön gerändert, parat doch kann ich hoffen daß Sie auch einen Beytrag thun werden. Da Sie nicht allein das Gute gern mit befördern helfen sondern auch die weitere Verbreitung der Propyläen, welche durch dieses Mittel bewirkt werden muß gewiß erwünscht finden.
[69] Wallenstein wird den 20. in Weimar aufgeführt und wir hoffen Sie nun bald daselbst oder in Jena zu sehen, wo es mancherley abzureden geben wird. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Jena am 10. April 1799.
Goethe.
Gegenüberstehende bedeutende und überraschende Neuigkeit können Sie in die allgemeine Zeitung einrücken lassen.
14/4030.
Ew. Wohlgeb.
übersende hierbey eine Zeichnung so wie die Beschreibung eines Monuments, das wir unserer verstorbenen Schauspielerinn Becker zu errichten gedenken. Mit der Anfrage ob Sie die Ausführung desselben wohl übernehmen wollten?
Den untern Sockel, so wie den Würfel mit der Inschrift würde man hier aushauen und sogleich setzen lassen und Sie würden also nur den obern Schaft besorgen. Sollte man denselben wohl aus Einem Stücke hauen können? so daß nur noch die Urne einzeln aufgesetzt zu werden brauchte. Das ganze wird aus Seeberger Stein.
Wollten Sie mir wohl anzeigen wie viel Sie für diese Arbeit verlangten, den Transport bis Weimar[70] eingeschlossen, wobey es denn wünschenswerth wäre daß Sie selbst beym Aufstellen gegenwärtig wären.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich geneigtem Andenken empfehle.
Weimar am 18. April 1799.
Goethe.
Ich überlasse Ew. Wohlgeb. ob Sie etwa ein Modell oder eine Zeichnung der vier Jahreszeiten im Großen voraus entwerfen wollten damit man sich näher darüber besprechen könne. Besonders aber wünschte ich zu vernehmen wann Sie etwa glaubten das Monument aufsetzen zu können.
14/4031.
Ew. Wohlgeb.
haben die Gefälligkeit beykommendes in den Anzeiger der Litteraturzeitung einrücken zu lassen und mir gelegentlich was ich schuldig geworden anzuzeigen.
Bald hoffe ich einige schöne Frühlingstage in Ihrer Gesellschaft zuzubringen. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 26. April 1799.
Goethe.
[71] 14/4032.
Ich bin gegenwärtig nur beschäftigt mich frey zu machen damit ich Mittwoch abreisen kann.
Am nächsten Propyläenstück fängt man schon an zu drucken und ich schicke die erste Hälfte des Sammlers schon unter die Presse indem sich die zweyte noch im limbo patrum befindet. Ich hoffe auch diese, wenn wir nur einmal wieder zusammen sind, bald ans Tageslicht zu fördern. Ich habe eine Tournüre ausgedacht durch die wir am leichtesten und sichersten aus dem Handel kommen. Ich freue mich über das Zutrauen das Sie zu Maria Stuart haben. Nur im Ganzen angesehen so scheint dieser Stoff viel zu enthalten was von tragischer Wirkung seyn kann. Die Bücher folgen hierbey, ich bin neugierig die nähere Entwicklung von Ihnen zu vernehmen.
Leben Sie recht wohl und grüßen Sie Ihre liebe Frau, ich freue mich auf unser nächstes Zusammenseyn, in einer Zeit wo es mit Macht doch endlich Frühling werden muß.
Weimar am 27. April 1799.
G.
14/4033.
Des Herrn Döll Forderung ist ein wenig scharf und wenn ich nicht irre haben wir nur 175 Thlr. in [72] Kasse überdies würde Durchlaucht der Herzog das Ausschlagen des Grundes und das Fußgestell bezahlen. Glauben Sie etwa daß man noch von irgend einigen Theaterfreunden einen kleinen Zuschuß erhalten? Wenn Herr Döll überhaupt mit 200 Thlr. zufrieden wäre, so könnte man ein Baugespann hinüberschicken und die Steine abholen lassen welches für uns ohne große Kosten sein würde. Sagen Sie mir Ihre Gedanken darüber. Ich könnte Herrn Döll allenfalls auch nur dilatorisch antworten.
28. April 99.
G.
14/4034.
Es wird wohl das Schicklichste seyn, wenn man Herrn Kotzebue bei seiner Ankunft durch den Wöchner das Kompliment machen läßt und ihm die freie Entree ohne Bestimmung des Platzes anbietet.
Madame Unzelmann müssen wir wohl abwarten. Was mich persönlich betrifft, so kommt sie mir so spät nicht gelegen, denn ich kann mich den Mai nicht viel von Jena entfernen.
Wenn wir »Titus« noch aus dem Stegreife geben wollen so brauchen wir keine neue Dekoration. Da auf dem Forum ein Thron zu stehen kommt, den man in die Mitte setzen kann, so kann man den Horizont nehmen, und einen anständigen Thron davor [73] aufbauen, den man künftig auch zu »Palmyra« und bei andern Gelegenheiten brauchen wird. Auf den Horizont kann man etwas weniges auf Papier gemalt aufstecken, das Theater ist überhaupt in diesem Augenblick voll Menschen. Zum Kapitol nehmen Sie nur die Thouretische Dekoration.
Am 28. April 1799.
G.
14/4035.
Indem ich, einige Kleinigkeiten den Schloßbau und die Bibliothek betreffend übersende erbitte ich mir zugleich die Erlaubnis heute Abend um 5 Uhr aufzuwarten und Abschied zu nehmen.
Am 30. April 1799.
G.
[70] 14/4035a.
[Concept.]
Laut beyliegenden Postscheines habe ich Ihnen, werthester Herr Zapf, 40 rh. zugesendet. Nach Ihrem abschriftlich beyliegendem Brief, vom 4. September, bleibe ich Ihnen für die überschickte Ohme Wein nur 34 rh. schuldig. Auch habe ich für den zuletzt überschickten Eimer 3 rh. Fracht bezahlt. Es scheint also wohl in Ihrem Briefe vom 3. April nur ein Irrthum zu seyn, wenn Sie bey mir noch zwanzig Thaler gut zu haben glauben; denn eigentlich steht unsere Rechnung folgendermaßen:
Erhalten
1 Ohm Wein a.40 rh.
1/2 – – – 20 –
60.
Gezahlt
am 25. März40rh.
Fracht auf die Ohm
ausgelegt 6. –
Fracht von dem
Eimer 3. –
folgt hierbey baar11.-
60
Hiedurch wäre also für das Vergangne unsere Rechnung berichtigt. Sobald Sie wieder rothen Würzburger [71] Wein erhalten, so bitte ich mir davon eine Ohme zuzusenden und wünsche übrigens recht wohl zu leben.
Weimar am 30. April 1799.
[73] 14/4036.
Der Herr Professor wird dir schon erzählt haben daß wir mit den Pferden ohne Anstoß herüber gekommen sind, ich bin schon zweimal spazieren gefahren und es geht recht gut damit. Ich lasse ihnen den Tag 3 Metzen geben da können sie sich schon ausfüttern; ich werde sie aber auch dafür nicht schonen sobald das Wetter nur ein wenig freundlicher ist will ich nach Dornburg fahren und vielleicht sonst noch einige Touren machen.
[74] Wie es mit dem Haidlosischen Packet gegangen ist kann ich nicht begreifen. Es ist hier nicht zu finden und Geist will so gut als für gewiß behaupten es müsse schon im Februar nach Weimar gekommen seyn. Nach meinem Calender habe ich dir am 15. Februar ein großes Packet geschickt, das in grünem Wachstuch eingepackt war, es steht freylich nicht angemerkt daß das Haidlosische Packet sich dabey befand, es war aber zur damaligen Zeit schon angekommen und ich finde weiter keine Spur. Besinne dich doch und frage etwa die Leute ob sich niemand etwas erinnert, der Fall ist mir gar unangenehm und mir gar noch nicht passirt.
Von meiner Arbeit kann ich noch nichts loben, doch das wird ja wohl auch kommen. Heute nichts weiter, grüße das gute Kind und lebe recht wohl.
Jena am 3. May 1799.
G.
14/4037.
Sie haben Sich heute so bald entfernt daß ich Ihnen den goldnen Segen Cottas nicht mit auf den Weg geben konnte, den ich nun verwahren will biß wir uns wiedersehen. Doch lassen Sie mich von jener Sache reden die Sie neulich zur Sprache brachten.
Sie können empfinden wie nöthig, nützlich angenehm und erfreulich mir Ihre Gegenwart sey, da wir ein so nah verwandtes Intresse haben und ich [75] fast von aller Welt abgesondert lebe. Ich wünschte daher daß Sie nicht an eine Veränderung dächten, als biß eine Nothwendigkeit von Ihrer Seite eintritt, daß sich entweder eine anständige Versorgung für Sie findet, oder Sie aus sonst einer Ursache Sich besonders zu etabliren geneigt seyn könnten.
Biß dahin will ich gern und mit Danck um Sie jeder Art von Bedencklichkeit zu überheben, einen Zuschuß zur Haushaltung von Ihnen künftig annehmen, da Sie eine leibliche Einnahme haben und es Ihnen kein Geheimniß ist daß ich nicht reich bin, sondern nur durch Ordnung und Thätigkeit meine freylich etwas breite Existenz souteniren kann.
Wenn Sie mir jährlich 150 rh. geben, so ist es, bey meinem völlig eingerichteten Haushalt, für mich ein hinreichend Equivalent, da Sie hingegen einzeln und abgesondert viel theurer leben würden.
Lassen Sie mich noch einen Vorschlag thun! Versehen Sie Sich nach und nach mit Möbels daß Sie, wenn der Fall kommen sollte und Sie für Sich zögen, schon damit versehen wären. Nach und nach können Sie das recht wohlfeil machen. Unsre kleine Hausfreundinn wird Ihnen mit Rath und That gerne beystehen.
Wollte ich Eisert und August ins Haus nehmen, so könnte das entweder geschehen daß ich das Nachbarhäußchen kaufte oder die Seite des Musäums einrichten ließe, indem ich eine Treppe von drüben herauf[76] brächte. Ihre Zimmer blieben dabey immer unberührt. Also endig ich wie ich angefangen habe: Lassen Sie uns ja beisammen bleiben biß irgend eine Nothwendigkeit von Ihrer Seite eintritt, erhalten Sie mir Freundschaft und Liebe und bleiben der meinigen gewiß.
Jena d. 3. May 1799.
G.
14/4038.
Erst, bey ruhigerm Aufmerken, finde ich daß der Druck unserer Propyläen besondere Eigenheiten hat, die wir künftig vermeiden müssen. Wie es scheint raisonniren Setzer und Corrector zu viel, das wir Ihnen fürs künftige abgewöhnen müssen.
1) Ist das Gedicht zu Anfang, welches durchgängig aus Hexametern besteht, als Hexameter und Pentameter gedruckt welches wahrscheinlich daher kommt weil sich der Setzer nach Phöbus und Hermes gerichtet hat. Es bleibt daher nichts übrig als daß wir dieses Blatt umdrucken, welches bequem auf den letzten Bogen geschehen kann.
2) Bemerke ich erst bey diesem dritten Bogen daß man den Text durch unendliche Commata unnöthig, durchschnitten hat. Ich bitte daher beyliegenden Aufsatz Herrn Gädicke zu communiciren und mit ihm über die Sache zu sprechen, wir wollen künftig nur verlangen daß man sich genau ans Manuscript halte.
[77] Diesem kann ich die möglichste Sorgfalt widmen, nicht aber der Correctur des gedruckten.
Leben Sie recht wohl, von allem andern nächstens mehr.
Jena am 4. Mai 1799.
G.
14/4039.
Bey dem Bogen, der hier zurück kehrt fanden sich sehr viele Commata, die nicht im Manuscript stehen und die ich, nach meiner Überzeugung, wieder wegstreichen mußte. So waren auch noch einige umgekehrte Buchstaben stehen geblieben. Wir wollen daher wegen der Correctur folgende Einrichtung machen:
Setzer und Corrector halten sich genau an's Manuscript.
Sollte der Corrector irgend einen Anstand finden, so hat er die Gefälligkeit es auf einem besondern Blättchen zu bemerken.
Der gedruckte Bogen, wenn ich ihn zur Revision erhalte, müßte von allen Druckfehlern rein seyn.
Vielleicht wäre es gut, wenn er vorher nochmals durch eine dritte Hand ginge. Herr Registrator Vulpius übernähme vielleicht eine Revision? Ich würde alsdann zuletzt Interpunktion und was mir sonst auffiele revidiren.
[78] Von dem gegenwärtigen Bogen wünschte ich noch einen Abdruck zur abermaligen Revision zu erhalten.
Jena am 4. Mai 1799.
Goethe.
14/4040.
Aus Ew. Wohlgeb. Brief vom 24. April habe ich mit Vergnügen ersehen daß Sie das Monument für Madame Becker zu übernehmen geneigt sind. Haben Sie die Güte bald möglichst dazu Anstalten zu machen. Auch sollte mir angenehm seyn von den Modellen etwas zu sehen. Wie Sie damit vorrücken bitte ich mir einige Nachricht aus und wünsche indessen recht wohl zu leben.
Jena am 4. Mai 99.
Goethe.
14/4041.
Versprochenermaßen werde ich dir die Pferde zu den Feyertagen schicken, etwa Freytag sollen sie von hier abgehen. Sie sind mir jetzt ein wahres Bedürfniß, denn mit meinen Fußpromenaden will es gar nicht recht fort.
Ich wünsche daß du in der Feyertagswoche nach Roßla gehst und dich dort umsiehst, wenn du mir die Pferde Freytag den 17. wieder schickst, so bin ich zufrieden.
[79] Wegen des Haidlosischen Packetes ist mir eingefallen ob es nicht gar ein Irrtum von seiner Seite ist? Da sich Marie erinnert daß sie ihm etwas ins Comödienhaus gebracht hat, so frag ihn doch: ob er in der Hälfte Februars ein Packet erhalten hat? denn es wäre möglich daß er von einem neuern Packet spräche, das noch nicht angekommen ist.
Ich fahre in meiner Arbeit immer fort und will sehen wie lange es mir diesmal gelingt dran zu bleiben.
Wenn du im Hause alles in der Ordnung, hast so wünsche ich dir vergnügte Feyertage.
Jena d. 7. Mai 99.
G.
Sey doch so gut und schicke mir meine guten schwarzen Strümpfe mit den Botenweibern herüber.
14/4042.
Mit denen Stücken welche Sie geben wollen, so wie mit allen übrigen Einrichtungen, bin ich recht wohl zufrieden. Sonnabend den 25sten könnte man »Wallensteins Lager« geben und in der Woche drauf die beiden übrigen Stücke. Es wäre hübsch wenn Vohs den ersten Jäger nähme, es würde eine angenehme Abwechselung seyn. Spitzeder übernimmt die Rolle des Tiefenbachers. Sonst ist, so viel ich weiß nichts zu [80] besetzen »Wallensteins Lager«, mit einem schicklichen Stück, könnte man allenfalls um den niedrigen Preis geben, bei den zwei letzten Stücken bliebe der erhöhte.
Schreiben Sie mir doch, ob Sie die »Jesuiten« zuletzt geben oder einschieben wollen?
Madame Unzelmann wird wohl diesmal nicht zu uns kommen sie tat Prag vorgezogen, das ich ihr gar nicht übel nehme.
Ich hoffe daß das neue Arrangement »Theatralischen Abentheuer«, wie ich es mit Vulpius abgeredet, nunmehr im Werden ist. Vielleicht könnte man es gleich das nächste Mal so geben.
Weiß man schon, wann Serenissimus zurück kom men?
Ich befinde mich hier ganz wohl und wünsche gleichfalls recht wohl zu leben.
Jena am 7. Mai 1799.
Goethe.
14/4043.
Könnten Sie Böttigern veranlassen daß er ein kleines Promemoria schriftlich gäbe wegen der Kupfer, in so fern sie uns übertragen werden sollen, damit man doch irgend etwas gewisses in der Hand hätte. Cotta wünscht sehr daß in der allgemeinen Zeitung der Preisausgabe nochmals gedacht werde, man könnte dabey auch des Wolfischen Homers gedenken. Doch[81] könnte man es freylich ohne nähere Bestimmung im allgemeinen thun.
Die Viewegischen Exemplare von Hermann und Dorothea schicken Sie mir doch hierher, damit ich sie beschaue ehe ich sie an Freunde austheile.
Vergessen Sie Oeser nicht; meine Sammlers Briefe formiren sich nach und nach. Denken Sie doch noch auf etwas fürs nächste Stück wenn es ja Roth thäte.
Schiller verspricht das beste, ich kann aber wenig hoffen.
Indessen haben wir das Schema zum Dilettantismus ausgesetzt. Das ist schon ein großer Gewinn! Ich will es nun zunächst weiter ausführen und dann mittheilen. Ich habe großes Vertrauen auf diesen Aufsatz. Denken Sie nur manchmal an die Kunstgeschichte dieses Jahrhunderts! Durch solche Aufsätze allein können wir den Gesichtskreis der Leser erweitern.
Was sagen Sie zu dem tragischen Ende des Rastadter Congresses? es ist als Factum und als Symbol schrecklich.
Leben Sie recht wohl und vergnügt. Ich wünsche mir nichts als daß dieser Monat im stillen Fleiß hingehen könne.
Jena den 7. Mai 1799.
G.
[82] 14/4044.
»Der Stuckator Hofmann kommt, wie ich höre, bald an und es würde vor allen Dingen nötig seyn ihm ein Zimmer zu seinen Arbeiten anzuweisen, ich sollte denken daß Audienzzimmer wäre das schicklichste dazu indem es nahe am runden Zimmer liegt daß zuerst decorirt wird. Nur müßten die Fensterpfeiler von unten heraus mit Bretern verschlagen werden damit die schon fertige Quadratorarbeit nicht abgestoßen werde. Er wird sich ferner mit unserm Gips bekannt machen müssen und man wird von ihm am besten hören was er zu seiner Einrichtung braucht, welches denn mit ihm zu bereden wäre.
Jena am 9. Mai 1799.«
Vorstehendes habe ich an Herrn Geheimde Rath Voigt geschrieben und wiederhole es hier damit Sie die Gefälligkeit haben sich der Sache ein wenig anzunehmen. Haben Sie die Güte sich mit dem Manne bekannt zu machen, zu sehen wo er hinaus will, die mitgebrachten Modelle zu beurtheilen, seine Einrichtung zu beschleunigen und mir von dem was geschieht einige Nachricht zu geben.
Die Revision des dritten Bogens kommt auch zurück. Der Registrator Vulpius wäre besonders auf die Puncte die ich neulich überschrieb zu instruiren.
[83] Vielleicht erhalte ich noch eine Revision auf die Feyertage In acht Tagen hoffe ich wieder Manuscript abgeben zu können.
Wenn Ihnen einige von den Späßen einfallen mit welchen der Unterinspector der Dresdner Gallerie die Fremden ergötzt so schreiben Sie mir sie doch, ich brauche etwas ähnliches bey meiner Darstellung.
Die vier Exemplare Herrmann und Dorothea sind glücklich angekommen.
Der Rastadter Casus ist einer der tollsten welche die Weltgeschichte aufzuweisen hat.
Leben Sie recht wohl indeß ich hier im stillen meine Arbeiten so gut als möglich zu befördern suche.
Geist fährt morgen früh nach Weimar und kehrt Abends hierher zurück. Wenn Sie etwas bereit haben so kann er es mitnehmen.
Jena am 9. Mai 1799.
G.
14/4045.
Da ich Gelegenheit habe so schreibe ich dir heute und melde dir die Pferde an, welche Morgen kommen sollen und wünsche daß sie sich so gut bey dir als bey mir halten mögen. Mit dem Kutscher bin ich auch ganz wohl zufrieden. Mit der Fourage geht hier alles ganz ordentlich.
[84] Geist fährt morgen mit hinüber, er soll mir verschiedenes holen, das ich nicht so genau in einem Briefe bezeichnen kann. Er geht zu Fuß zurück.
Wegen der Bornfege will ich dir es nicht gewiß versprechen. Es kommt darauf an wie weit ich mit meinen Arbeiten bin, und ob ich einige Tage pausiren kann. Du erfährst es zur rechten Zeit. Ich will mich indessen erkundigen wie und wann dieses Fest gefeyert wird. Lebe recht wohl behalte mich und grüße das liebe Kind.
Jena d. 9. May 99.
G.
Wenn der Kutscher hinüberkommt so laß ja gleich einen eisernen Hemmschuh machen der gut an unsere Räder paßt. Mit der bloßen Hemmkette werden die Räder zu sehr verdorben.
14/4046.
Herr Hofrath Schiller wünscht bei der neuen Aufführung des Wallensteinischen Lagers eine Veränderung mit den Rollen, wie Sie aus beiliegendem Zettel se