[161] 16/4603.
[Anfang 1803.]
Herr Tieck wird ersucht nachstehende Fragen gefällig zu beantworten:
1. Wo befand sich die von Benvenuto Cellini für Fontainebleau in Basrelief gegossene Nymphe, als sie Herr Tieck in Paris sah?
2. Wo sah derselbe die beyden Victorien welche für die Gehren über dem Halbrund gearbeitet gewesen?
16/4604.
[Concept.]
Die bey dem hiesigen Theater von Zeit zu Zeit bemerkten Mängel und Nachlässigkeiten hat Fürstl. Commission bisher deshalb stillschweigend übergangen, weil bey den Mitgliedern überhaupt ein so vorzüglicher guter Wille und ein schätzbares Anstrengen herrschend ist.
Da aber leider zuletzt manche Unregelmäßigkeiten wiederholt, ja sogar öffentlich, vorgekommen, so sieht man sich genöthigt, nachstehendes zu verordnen:
Sollte ein Mitglied ohne Urlaub verreisen; eine Probe gänzlich versäumen, oder besonders bey Hauptproben aufzutreten verweilen; bey der Aufführung aus [162] irgend einer Scene völlig wegbleiben, oder sein Auftreten verspäten; sollte anderes Unziemliche als Lärm in den Garderoben oder aus dem Theater vorkommen: so wird solches mit genauer Bemerkung der Umstände bey dem Rapport folgenden Tages angezeigt, damit nach Befinden der Umstände die desfallsige Zurechtweisung und Ahndung vor Ende der Woche ungesäumt verfügt werden könne.
Weimar den 3. Jänner 1803.
Commissio.
16/4605.
Daß man Maschinen und Decorationen, bey einem Theater, als Mobiliar ansehen will, scheint mir keinesweges, weder der Natur, noch der Bestimmung gemäß.
Beydes sind integrante Theile des Gebäudes, ohne welche dasselbe nicht gedacht werden kann.
Ebensogut könnte man die Bänke im Parterre für Theile des Mobiliars ansehen.
Decorationen könnte man allenfalls schätzen; wie sollte man es aber mit den Maschinen machen? Doch glaube ich, um die Sache nicht aufzuhalten, machte man ein Verzeichniß der Decorationen die in Lauchstädt sind, setzte ihren Werth an, wie man sie wieder neu haben kann und zöge die sämmtliche Summe von der Summe der 10 000 rthlr. ab.
Weimar am 5. Jan. 1803.
G.
[163] 16/4606.
Lassen Sie mich wissen wie es Ihnen geht? Mein einziger Trost ist der Numismatische Talisman, der mich, auf eine bequeme und reizende Weise, in entfernte Gegenden und Zeiten führt. Sagen Sie mir ob Sie etwa heute Abend mich besuchen mögen? Wollen Sie aber Sich noch in der Stille verschloßen halten; so wünsche guten Erfolg.
W. d. 6. Jan. 1803.
G.
16/4607.
Zwey Aushängebogen vom Cellini sind angekommen; wovon mir die Einrichtung des Druckes recht wohl gefällt. Haben Sie die Güte mit der Correctur recht sorgfältig fortfahren zu lassen.
Mit der heutigen fahrenden Post geht das dritte und vierte Buch ab, dessen Ankunft ich mir zu seiner Zeit zu melden bitte. Auch liegt eine Zeichnung des Cellinischen Portraits und der vollständige Titel bey.
Den Anhang werde auch bald besorgen und wünsche recht wohl zu leben.
Weimar am 7. Jan. 1803.
Goethe.
[164] Hierinnen liegt das Portrait und der ausführliche Titel, wie beydes für den ersten Theil in Kupfer gestochen würde. Der Titel zum zweyten Theile würde blos gedruckt auf die erste Seite des ersten Bogen.
Weimar am 7. Jan. 1803.
G.
16/4608.
Gestern hörte ich daß Sie die vorjährige Idee, eine Abendgesellschaft, Sonnabends, nach der Comödie, einzuleiten wieder aufgenommen. Und vergaß Sie darüber zu fragen.
Sagen Sie mir doch wie weit Sie damit gekommen sind? Ich vernehme daß Durchl. der Herzog etwas ähnliches vorhaben und wünschte daß beyde Plane sich begegneten und nicht aufhüben.
Wohl zu leben wünschend.
Weimar am 13. Jan. 1803.
G.
16/4609.
[Concept.]
[13. Januar.]
Ew. Durchl. besitzen die große Gabe sich eines jeden zu erinnern der irgend das Glück gehabt hat Höchstdenenselben vorgestellt zu werden, und zugleich die noch höhere sich in den Herzen aller derjenigen [165] die eines solchen Vorzugs genossen unauslöschlich einzuschreiben.
Den weimarischen Freunden welche gewürdigt wurden eine Zeit lang an einer Gesellschaft Theil zu nehmen in welcher Ew. Durchl. als die höchste Zierde glänzten war es oft eine erfreuliche Unterhaltung wenn Sie sich jener günstigen Zeiten erinnerten.
Mit welchem Entzücken wir daher durch Ihre so hohen als liebenswürdigen Angehörigen ein Zeichen des gnädigen Andenkens erhielten und eine Erneuerung jener guten Tage in der Gesellschaft des edlen Paars genossen, haben Ew. Durchl. als Geber so vieles Guten und Verbreiter so mancher Glückseligkeit gewiß voraus empfunden als Sie uns dieses Fest bereiteten.
Empfangen Höchstdieselben dafür meinen lebhaftesten Dank so wie ich zugleich ein ferneres gnädiges Andenken und Vergebung meines einigermaßen verspäteten, für den Tag der Wünsche, die ich hier feyerlich abstatte, verspaarten Briefs, angelegentlichst bitten muß.
So wie mir auch gewiß der Gebrauch einer Sprache verziehen wird welcher Ew. Durchl. Sich so gut wie mancher anderen bedienen und in der ich am besten auszudrucken glaube, mit welcher Anhänglichkeit und Verehrung ich mich aufrichtig unterzeichnen darf.
[166] 16/4610.
Weimar, den 24. Januar 1803.
Indem ich das kleine artige Stück, als bey uns nicht aufführbar, zurücksende, halte ich es, nach unsern alten freundschaftlichen Verhältnissen, für Pflicht, die näheren Ursachen anzugeben:
Wir vermeiden auf unserm Theater, so viel möglich, alles, was wissenschaftliche Untersuchungen vor der Menge herabsetzen könnte, theils aus eigenen Grundsätzen, theils weil die Akademie Jena in unserer Nähe ist und es unfreundlich scheinen würde, wenn wir das, womit sich dort mancher sehr ernstlich beschäftigt, hier leicht und lächerlich nehmen wollten.
Gar mancher wissenschaftliche Versuch, der Natur irgend ein Geheimniß abgewinnen zu wollen, kann theils für sich, theils auch durch Charlatanerie der Unternehmer, eine lächerliche Seite bieten und man darf dem Komiker nicht verargen, wenn er, im Vorbeygehen, sich einen kleinen Seitenhieb erlaubt. Darin sind wir auch keinesweges pedantisch; aber wir haben sorgfältig bisher alles, was sich in einiger Breite auf philosophische oder litterarische Händel, auf die neue Theorie der Heilkunde u.s.w. bezog, vermieden. Aus eben der Ursache möchten wir nicht gern die Gallische wunderliche Lehre, der es denn doch, so wenig als der Lavaterischen, an einem Fundament fehlen möchte, [167] dem Gelächter Preis geben, besonders da wir fürchten müßten, manchen unserer achtenswerthen Zuhörer dadurch verdrießlich zu machen.
Haben Sie übrigens Dank daß Sie bey dieser Gelegenheit sich meiner erinnern wollen und erhalten mir auch künftighin ein freundschaftliches Andenken.
16/6411.
Der Hoffnung Ihres Besuchs kann ich nicht so stillschweigend entgegen sehen, um so weniger als ich Ihnen für so manches zu danken habe.
Die überschickten Lieder haben mir und andern viel Freude gemacht und sind schon mehrmals, in kleinen Concerten, die ich, mit Rücksicht auf Ihre Ankunft, zeither veranstaltete, fleißig gesungen worden. Freylich erwartet, wie ich wohl spüre, die Ausführung noch Ihre letzte Hand.
Brächten Sie denn wohl einige nicht zu schwere mehrstimmige Sachen mit? auf daß Ihre Gegenwart für unsern Kreis auf mancherley Weise von Wirkung sey.
Ich sage nichts weiter und, damit dieses Blatt, welches ohnehin schon einen Posttag liegen geblieben, heute fortkomme, nur so viel. Ihre Wohnung, die Sie kennen, ist, nebst einem kleinen Schlafzimmer, eingerichtet, so daß Sie selbst unangemeldet kommen[168] möchten. Ich selbst befinde mich in einer günstigen Lage, um in dem nächsten Monat Ihres Hierseyns mit Ruhe und Sammlung genießen zu können.
Lassen Sie mich also je eher je lieber wissen daß Sie kommen und daß Sie sich eingerichtet haben einige Zeit bey uns zu verweilen.
In Hoffnung bald mündlich manches Interessante zu verhandeln, wünsche ich gute Gesundheit und frohen Muth zur Reise.
Weimar am 24. Jan. 1803.
Haben Sie doch ja die Güte was Sie von unsern Freunden, Herder, Voß, Schiller componirt haben, mitzubringen, damit auch diese sich freuen durch Ihr köstliches Organ sich reproducirt zu finden.
16/4612.
Ew. Hochedelgeb.
danke für die zuletzt überschickten Kupfer, welche mir um so mehr Vergnügen machen, als die vorzüglichen darunter recht gute Abdrücke sind.
Sollte man die auf beyliegendem Blättchen des neuen Katalogs unter der Nummer 210 angegebene Blätter von Thomas Wyk vor der Auction abzulassen geneigt seyn; so gäbe ich wohl einen Conventionsthaler dafür. Auf alle Fälle haben Sie die Güte in [169] der Auction für mich bis auf gedachten Preis darauf zu bieten.
Ich lege 5 Ducaten bey, theils um die alte Schuld von 13 rthlr. 3 gr. zu saldiren theils für diese kleine neue Bestellung etwas in Ihren Händen zu lassen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 24. Jan. 1803.
16/4613.
Schon einigemal dachte ich zu fragen wie es Ihnen ginge, und thue es jetzt. Damit Sie aber Lust haben einigermaßen ausführlich zu seyn; so erzähle ich folgendes von mir:
An dem Supplement zu Cellini ist es zeither sachte, vorwärts gegangen. Ich habe manches Fördernde gelesen und gedacht.
Einige neue Kupfer sind mir zugekommen, die mir Vergnügen und Unterricht gewähren.
Einen ungeschickten Abguß des Kopfs einer Venus Urania, von Kassel, habe ich, mit Liebe, ausgeputzt und restaurirt, damit er nur einigermaßen anzusehen sey. Ich mußte, theilweise, das Nebulistische vorwalten lassen, das denn, bey der bestehenden köstlichen Grundform, in diesem Collisivfalle gelten mag.
An Humboldt habe ich einen langen Brief abgelassen.
[170] An den Münzen ist wenig geschehen; doch giebt jeder Ein- und Anblick neue Belehrung.
Doctor Chladni ist angekommen und hat seine ausgearbeitete Akustik in einem Quartbande mitgebracht. Ich habe sie schon zur Hälfte gelesen und werde Ihnen darüber mündlich, über Inhalt, Gehalt, Methode und Form manches Erfreuliche sagen können. Er gehört, wie Eckhel, unter die Glückseligen, welche auch nicht eine Ahndung haben, daß es eine Naturphilosophie giebt und die nur, mit Aufmerksamkeit, suchen die Phänomene gewahr zu werden, um sie nachher so gut zu ordnen und zu nutzen als es nur gehen will, und als ihr angebornes, in der Sache und zur Sache geübtes Talent vermag.
Sie können denken, daß ich, sowohl beym Lesen des Buchs, als bey einer mehrstündigen Unterhaltung, immer nach meiner alten Direction fortgeforscht habe, und ich bilde mir ein, einige recht gute Merkpuncte, zu weiteren Richtungen, bezeichnet zu haben.
Überhaupt sehe ich es als ein gutes Omen an, daß er eben jetzt kommt, da wir, mit einiger Wahrscheinlichkeit Zeltern erwarten.
Auch hatte ich eben die Farbenlehre einmal wieder durchgedacht und finde mich, durch die, in so vielem Sinn, kreuzenden Bezüge, sehr befördert.
Möchten Sie wohl Chladni eine Viertelstunde gönnen? damit Sie doch auch das Individuum kennen lernen, das, auf eine sehr entschiedene Weise, sich und[171] seinen Wirkungskreis ausspricht. Vielleicht geben Sie ihm, da er, von Jena aus, gern Rudolstadt besuchen möchte, eine empfehlende Zeile mit.
So weit für dießmal! ob ich gleich noch einiges Plus und Minus zu vertrauen hätte, wovon denn eins das andere übertragen mag.
Leben Sie wohl! und sagen mir auch von sich etwas ausführliches und lassen Sie uns, da wir uns beyde gegen das Ausgehen sträuben, wenigstens, wie jene Verliebte, über den Schirm correspondiren.
Weimar am 26. Jan. 1803.
G.
16/4614.
[Concept.]
Das Zimmer, für welches das bey Ihnen, werthester Herr Hoffmann, bestellte Gemählde, als Platfond, bestimmt ist, nahet sich nunmehr seiner Vollendung und die Architekten wünschen es an seine Stelle zu setzen. Wollten Sie daher die Gefälligkeit haben mir, baldigst, Nachricht zu geben, wann Sie glauben solches überschicken zu können.
Mögen Sie mir, zu gleicher Zeit, einige Nachricht von Sich und von den Fortschritten in Cölln in Wissenschaft und Kunst geben; so werden Sie mir eine besondere Gefälligkeit erzeigen.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 26. Jan. 1803.
[172] 16/4615.
[Concept.]
Wenn der Januar nicht vorbey gehen soll, ohne daß ich einen Brief an Sie abschicke, so muß ich mich, aus dem Stegreife, einen Abend, da alles in der Comödie ist, entschließen zu dictiren, ohne daß ich eben weiß was ich zu sagen habe. Denn was könnte ich Ihnen sagen, da Sie im Genuß alles dessen sind über dessen Entbehren ich zeitlebens nicht zur Ruhe komme. Es vergeht kein Tag, daß ich nicht beym Anblick des großen Prospects von Rom, oder irgend einer andern Charte, besonders da mein Knabe jetzt römische Antiquitäten studirt, halb unzufrieden ausrufe: Diesen Weg können nun die Freunde machen, wenn es ihnen beliebt! Sie gehen um die Colossen auf Monte Cavallo, die ich nur noch wenige Minuten in meinem Leben zu sehen wünschte, ganz bequem herum und von da hängt es blos von ihnen ab, sich zu andern köstlichen Gastmahlen hinzubewegen, indeß wir arme Nordländer von den Brosamen leben, die keineswegs vom Tische fallen, sondern die wir uns, noch überdieß, mit Mühe, Zeit und Kosten zu verschaffen haben. Damit Sie aber geneigt werden, mir zu jeder Stunde auch nur das Augenblicklichste Ihres Zustandes zu melden; so will ich, ohne Bedenken, ob das was ich schreibe auch werth sey eine so große Reise zu machen, hiermit folgendes erzählen.
[173] Eine Indisposition, die mich übrigens an einer leidlichen Stubenexistenz nicht hindert, hält mich, seit dem Anfange dieses Jahrs, zu Hause, hier sind die 1400 Mionnetischen Schwefelpasten antiker Münzen, für die Anschauung ein großer Gewinn. Ich habe sie so lange angesehen und von allen Seiten betrachtet, bis ich fremder Hülfe bedurfte, dann nahm ich Eckhels fürtreffliches Werk vor, und freute mich an der breiten Erfahrung, an dem schön geordneten Vortrag, an der großen Redlichkeit zum Geschäft und der daraus herfließenden durchgängigen Treue.
Wie angenehm ist mirs, keinen Widerspruch mit meinen eignen Ansichten und zugleich das ganze historische Bedürfniß so kräftig und zweckmäßig dargestellt zu finden.
Hierzu tritt noch Meyer mit seinem scharfen Blick in die Unterscheidungszeichen der Kunstepochen, dadurch denn eine schöne Unterhaltung bewirckt wird.
So sieht es also von dieser Seite, wenigstens im kleinen Format, noch ziemlich leidlich aus! Ferner sind mir einige eigenhändige Radirungen trefflicher Meister, diese Tage, zugekommen, wodurch ich in die Eigenthümlichkeit ihres Naturells und ihrer Studien ganz erfreuliche Blicke werfen konnte, so wie die Kenntniß des Ganzen doch immer dadurch erhalten und aufgefrischt wird.
Die Stunden, in welchen etwas Productionsähnliches bey mir sich zeigte, habe ich auf die neue Ausgabe [174] meiner Übersetzung des Cellini verwandt, wozu ich, in einem Anhang, einiges hinzufüge, das den Zustand damaliger Zeit und Kunst einigermaßen näher bringen soll. Wenn Sie es künftig einmal in Rom lesen, so haben Sie Nachsicht! Es sind mehr Nachklänge als daß es der Ton selbst wäre.
Schiller wird wohl selbst schreiben. Ich habe ihn in mehrern Tagen nicht gesehen, er hält sich auch zu Hause, um eine Arbeit zu vollenden, die er sehr glücklich angefangen hat.
Meyer hat sich in diesen Tagen verheirathet und ist, wie billig, in seiner eignen Häuslichkeit geschäftig.
So haben Sie also, von einem ziemlich einsamen Freund aus Norden, wo es seit länger als vierzehn Tagen, ohne Schnee, sehr heiter kalt ist, die ersten Nachrichten. Ich werde fortfahren, gegen Ende jedes Monats Ihnen ein Blatt solcher Confessionen zu schicken und bitte mir das Gleiche aus. Ich weiß von Alters her, daß man entfernten Freunden gar nicht schreibt, wenn man darauf warten will, bis man ihnen etwas zu schreiben hat. Daß ich Ihnen beyden für die Nachrichten von Florenz und für alle freundliche Erinnerung von Herzen danke, versteht sich. Können Sie mir, da Sie wissen was mich freut, gelegentlich etwas schicken, so werden Sie mich sehr verbinden. Bezeichnen Sie mir nur, ohne Umstände, Ihren Geschäftsträger, dem ich die Auslagen sogleich erstatten kann. Vielleicht nimmt Fernow was mit? [175] Denn man wünscht doch immer wieder, durch etwas Gutes, neu gereizt zu werden. Bey meiner Durchreise durch Kassel bemerkte ich einen sehr schönen Kopf in Marmor, einer wahrhaften Venus Urania, davon ich jetzt einen Abguß besitze; leider ist das Original beschädigt und der Abguß ungeschickt geformt. Und doch macht er mir große Freude. Wie glücklich sind Sie, in der Nähe so mancher unschätzbaren Originale zu wohnen. Küssen Sie der Minerva Iustiniani doch ja von mir die Hand.
Wie es jetzt in Rom mit den sogenannten Ciceronen, mit den Künstlern und dem Kunsthandel aussieht, schreiben Sie mir doch ja und gedenken Sie mein auf allen sieben Bergen, so wie im Tiberthal, von Ponte Molle bis nach St. Paul fuor de mura, und über alles erhalten Sie sich gesund.
W. d. 27. Jan. 1803.
Bisher habe ich mich mit den beyden Freunden besprochen, das fernere soll an die liebe Frau besonders gerichtet seyn.
Sie haben mir, durch den Bericht über die Gemählde in Spanien, einen Schatz hinterlassen, für den ich Ihnen nicht genugsam danken kann. Er wird oft genug consultirt, wenn die Rede davon ist, wohin manches bedeutende Gemählde gekommen sey. Nun werden Sie aber auch mancherley Fragen nicht entgehen, die ich aus Rom von Ihnen beantwortet wünschte.
[176] Zuvörderst wollte ich Sie bitten mir von den lebenden Künstlern einige Nachricht zu geben, und zwar vor allen Dingen von den deutschen. Wer daselbst übrig geblieben, oder neuerlich hingekommen? wie es mit ihrer Persönlichkeit steht und ihren Arbeiten, was sie am besten machen, was sie fertig haben, was sie sich für ihre Arbeiten, wenn man sie bestellte, bezahlen lassen? Besonders wie es mit Reinhardt ist. Sehen Sie sich doch auch nach einem Stuttgarder um, der sich auszeichnen muß, dessen Nahmen ich aber vergessen habe.
Ehemals war auf dem Corso ein Kunsthändler, den man den Genuesen hieß, er hatte meist nur alte Sachen. Besteht er noch? und wie siehts in seinem Laden aus?
Ist vielleicht, aus dieser Sündfluth der Revolution, irgend etwas neues der Art entstanden?
Überhaupt thun Sie es ja, daß Sie mir, wenn Humboldt auch nicht Zeit hat, alle Monate schreiben, Sie sollen in gleicher Epoche einen Brief von mir haben, der wenigstens meinen Zustand ausdruckt, andere Freunde und Freundinnen werden wieder, von andern Seiten, die Fäden fortspinnen, die Sie mit uns verbinden.
Daß Frau von Wolzogen zurückgekommen ist, wissen Sie wohl schon, daß sie aber von ihrer republikanischen Reise als die entschiedenste Tyrannenfeindin zurückgekommen, ist Ihnen vielleicht noch nicht[177] so ganz klar. Ich muß Sie hiervon benachrichtigen, damit es Sie nicht überrascht, wenn uns die Verfasserin der Agnes von Lilien nächstens mit einer Charlotte Corday in Erstaunen setzen sollte.
Lassen Sie sich es auch nicht verdrießen, mir von Jahrszeit und Witterung einiges zu melden, man mag doch gar zu gern wissen wie sich der Himmel in fremden Landen aufführt. Bey uns ist nach langer anhaltender trockner Kälte seit gestern die erste Schlittenbahn. Und hiermit meine besten Wünsche für Ihr Wohl.
W. d. 29. Jan. 1803.
[88] 16/4615a.
Schlagen Sie doch nach wann Sachtleven gebohren ist. Die letzte Landschaft ist von 1646, die beyden kleinen von 1667. Der Unterschied der Jahre ist hier, wie immer, interessant.
d. 29. Jan. 1803.
G.
[177] 16/4616.
Nur mit wenigem will ich melden, daß der gute Doctor Chladni hier ist und, etwa bis den 9., 10. Februar, in der Gegend bleibt. Vielleicht hat dieß einigen Einfluß auf die Bestimmung Ihrer Reise. Wenn Sie ihn hier noch treffen könnten, sollte es eine recht lebhafte musikalisch-akustische Unterhaltung geben.
Nur so viel, um nochmals meinen lebhaften Wunsch Sie bey mir zu sehen zu bezeugen.
Weimar den 31. Jan. 1803.
Goethe.
[178] 16/4617.
Da ich diese Tage verschiedenes, im Stillen, bedachte, habe ich auch unsere Jenaische botanische Angelegenheit wieder vorgenommen und bin so frey folgendes darüber, vertraulich, zu eröffnen.
Weder die schriftlichen noch mündlichen Nachrichten, welche eine Schilderung von Doctor Schwägrichen geben, erregen zu diesem Manne ein vorzügliches Vertrauen. Er mag ganz gut seyn, doch ein wenig sonderbar. Auch ist Botanik nicht sein eigentliches Fach, woran uns doch vor allen gelegen sein muß.
Schrader ist in Göttingen fest und von den übrigen scheint mir niemand eligibel, außer Doctor Roth, von Vegesack, auf den auch früher schon die Aufmerksamkeit gerichtet war.
Von seinen Eigenschaften als Mensch giebt beyliegendes Blatt ein gutes Zeugniß; daß er als Partikulier, an dem gegenwärtigen Orte seines Aufenthalts, einen botanischen Garten anlegte, beweist seine Neigung zur Wissenschaft, so wie seine Schriften von seiner Einsicht, und in allen diesen Rücksichten scheint er unser Mann zu seyn. Wobey freylich die Frage, ob er sich zum Docenten qualificiren werde, unbeantwortet bleibt.
[179] Ich habe Nachricht daß er nicht nach Oldenburg geht und also wohl zu haben seyn möchte.
Es fragte sich nun: ob man, auf diese Anzeigen hin, diesen Mann wenigstens sondiren ließe?
Das Anerbieten könnte seyn: Zweyhundert Thaler Besoldung, so wie sie Batsch gehabt, freyes Quartier, und den Titel eines ord. honor. Professors der Philosophie, wollte man ihm, da er practischer Arzt ist, auch die extraord. Professur bey der Medizin geben; so würde er von dieser Seite wohl auch an seiner Stelle seyn.
Diese Angelegenheit gegenwärtig zur Sprache zu bringen veranlaßt mich der akademische Wunsch: daß der Nahme des, an Batschens Stelle, zu berufenden, in den neuen Lectionscatalogus kommen möge und es an einer Ankündigung botanischer Collegien für diesen Sommer nicht fehle.
Ich gebe daher anheim, ob nicht, bey Gelegenheit des zu erstattenden Berichtes, bey Serenissimo deshalb angefragt werden dürfte? Auf erhaltene Resolution würde ich alsdann an den Freund in Bremen schreiben, durch den mir die ersten Nachrichten zugekommen.
Weimar am 31. Jan. 1803.
s. m.
G.
[180] 16/4618.
Lassen Sie mich nun auch wieder bey Ihnen anfragen, wie es geht und ob ich auch bald von dem tragischen Schmause etwas werde zu genießen haben?
Was mich betrifft, so kann ich weder auf mich selbst, noch auf etwas Geleistetes zu Gaste bitten; doch ist ein vortrefflicher Abguß der Büste der sogenannten Venus von Arles, womit mich der Prinz durch Ihren Herrn Schwager beglückt hat, wohl einer Wallfahrt in meine Einsiedeley werth.
Mögen Sie mich heute Abend besuchen; so wird es mich sehr freuen Sie einmal wieder zu sehen. Sollte es Ihrem Herrn Schwager und den beyden Damen gleichfalls beliebig seyn; so würde es an einiger Unterhaltung und an nothdürftiger Nahrung nicht fehlen, worüber ich mir bey Zeiten einen Entschluß erbitte.
Indessen ein herzliches Lebe wohl wünschend.
Weimar am 4. Febr. 1803.
G.
16/4619.
Sagen Sie mir doch ein Wort wie die gestrige Vorlesung abgelaufen? denn ein geübter Autor weiß wahre Theilnahme von Überraschung zu unterscheiden, [181] so wie Höflichkeit und Verstellung zu würdigen. Zunächst bitte ich um Mittheilung des Stücks, wodurch mir für diese Abende ein großes Fest bereitet würde.
Ferner ergehet Antrag und Bitte freundlichst dahin daß Sie mit Ihrem Herrn Schwager und beyden Damen, entweder Montags statt der Komödie, oder Dienstags nach dem Chladnischen Concert, bey mir einsprächen, auf alle Fälle aber ein freundschaftliches Abendessen bey mir einnähmen.
Daß ich indessen mit dem Cellinischen Anhang beynahe fertig geworden, wird Ihnen auch erfreulich seyn. Sie wissen daß es keine verwünschtere Aufgabe giebt, als solche Resultate aufzustellen. Wie viel muß man lesen und überlegen! wenn es nicht auf eine Spiegelfechterey hinauslaufen soll. Auch bin ich mit Einsiedeln, wegen der veränderten Mohrensclavin, völlig einig, und erwarte nur die Ansicht von höhern Orten. Ich kenne zwar Ihre Plane nicht, aber indessen, wenn dieses Lustspiel einstudirt wird, könnte man die Rollen Ihrer Tragödie ausschreiben, alles überlegen und gleich zum Werke schreiten. Doch davon mündlich das nähere.
Mit lebhaften Wünschen für Ihr Wohl.
Weimar am 5. Febr. 1803.
G.
[182] 16/4620.
Die ersten neun Bogen des Cellini sind angekommen, Druck und Einrichtung gefällt mir recht wohl, nur finden sich leider recht böse Druckfehler, wovon ich folgende anführe.
Fol.45.Lin.15.stattzu umfassenliesumzufassen
59.– 8.-einsamen-gemeinsamen
67.– 3.-Antonius-Antinous
69.– 22.-Frommen-Frauen
79.– 7.-Brücken-Bänken
Andere Kleinigkeiten nicht zu gedenken. Die letzten Bogen habe ich noch nicht durchgesehen und fürchte mich beynahe davor.
Führen Sie doch, werthester Herr Cotta, Ihren Correctoren die Sorgfalt zu Gemüthe, mit der ein Schriftsteller, der etwas auf seine Sachen hält, ein Manuscript durchgeht, um die Darstellung des Sinnes ins bessere und klarere zu bringen. Welche abscheuliche Empfindung ist es nun, wenn man sieht daß der Leser, durch solchen Widersinn, gerade um den Genuß solcher Stellen gebracht wird, bey deren Bearbeitung man sich vielleicht lange verweilt hat.
Ein Exemplar Delphine ist auch angekommen, wofür ich der Verfasserinn vielen Dank schuldig bin.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 7. Febr. 1803.
G.
[183] 16/4621.
Sie haben uns, werther Herr Doctor, abermals in den Fall gesetzt für manches Überschickte zu danken, und ich kann versichern, daß wir mehrmals bey den trefflichen Fischen und dem köstlichen Wein vergangener guter Stunden mit Neigung und Freundschaft gedenken.
Wie sehr hatte ich gewünscht Ihnen etwas von unsern mittelländischen gebürgischen Producten zuzuschicken! wenigstens wollen wir nicht vergessen Ihnen, wenn etwas leibliches oder geistiges, angenehmes und transportables vorkommt, davon Theil zu geben. Durch die kleinen, gelegentlichen Producte Ihrer Muse haben Sie auch auf eine freundliche Weise Ihr Andenken erneuert. Die Werbung (ich würde lieber Bewerbung gesagt haben) ist eine recht artige Variation von Was wir bringen und, so viel ich beurtheilen kann, dem Local gut angepaßt.
Nur würde ich rathen, da die Poesie ohnehin von Ihren guten Landsleuten einigermaßen abstehen mag, den Eingang dieser edlen Kunst nicht durch difficile Sylbenmaße zu erschweren. Zwar sind Sie in Stanzen, Sonetten, Terzinen und dergleichen gewandt genug, doch können Sie bey oft wiedergefordertem gleichem Reim den uneigentlichen Ausdrucken nicht [184] entgehen, wodurch zwar manchmal eine schöne Wendung gelingt, aber auch oft der Vers dunkel und schielend wird, das ein ungeübtes Publikum irre macht, und ein geübtes nicht befriedigt; deshalb rathe ich die leichtesten und freyesten Versarten bey solchen Gelegenheiten zu gebrauchen und sich der schwerern nur als Würze zu bedienen.
Verzeihen Sie mir diese vielleicht etwas pedantische Bemerkungen und haben die Güte beyliegendes Blättchen Herrn Doctor Roth zu Vegesack zu communiciren und mir deshalb, bald möglichst, eine Gegenerklärung zu verschaffen. Hoffentlich wird noch vor Abgang der Post eine kleine Beylage aus meinem Hause fertig, wodurch Sie von unsern Winterzuständen und Lustbarkeiten einige Nachrichten erhalten.
Der ich recht wohl zu leben und glücklichen Erfolg Ihrer Thätigkeit wünsche.
Weimar am 7. Febr. 1803.
Goethe.
[Beilage.]
Durch den Tod unsers verdienstvollen Batsch ist das neue botanische Institut, in Jena, verwaist. Die Nothwendigkeit ein solches anzulegen entsprang aus der sehr beschränkten Lage des alten botanischen Gartens und andern akademischen Verhältnissen. Der obere Theil des Schloßgartens ist dazu eingerichtet, dessen schöne Lage Sie kennen. Das Haus ist nach[185] alter Weise gebaut; aber für eine nicht allzugroße Familie geräumig und bequem, wie Ihnen dieses alles wohl selbst genugsam bekannt ist.
Nun haben wir, um den an dem Prof. Batsch erlittenen Verlust zu ersetzen, die Augen auf Herrn Doctor Roth in Vegesack geworfen, dessen schöne Einsichten in die Botanik uns durch den allgemeinen Ruf, mehr noch durch seine Schriften bekannt geworden und für welchen, außer dem Zeugniß eines trefflichen Charakters, noch der Umstand besonders einnimmt, daß er, als Privatmann, sich selbst einen Garten zu solchen Zwecken angelegt, woraus sich folgern läßt, daß ihm der praktische und technische Theil der Gartenkunst nicht fremd sey.
Auch ist unser Institut von der Art, daß ein Mann, der durch seine Kenntnisse und Persönlichkeit, mit wenigem, viel zu thun weiß, für dasselbe eigentlich zu wünschen ist.
Dieses Institut hängt blos von dem hiesigen Hofe ab und steht, in so fern, mit der Akademie in keinem Zusammenhang. Dem Vorsteher desselben würde man den Titel eines Professors der Philosophie, wie ihn der selige Batsch gehabt hat, verschaffen.
Zugleich bietet man 200 rh. Besoldung und freye Wohnung an.
Überdem erhält derselbe 200 rh. auf Berechnung, wovon die ordinären Ausgaben für den Garten zu bestreiten sind, worunter auch das Tractament für [186] einen geschickten jungen Burschen, der dabey angestellt ist, sich begriffen findet und dafür, nebst einigen Tagelöhnern, die nöthige Handarbeit verrichtet.
Wollten Sie nun, werthester Herr Doctor, jedoch im Vertrauen und in der Stille, Herrn Doctor Roth zu sondiren die Gefälligkeit haben, und, wenn er nicht abgeneigt wäre, zugleich die Frage an ihn ergehen lassen ob er wohl zu rechter Zeit bey uns eintreffen könnte um diesen Sommer Vorlesungen zu halten, worauf ich mir die Freyheit nehmen werde Sie, sobald als möglich, von dem endlichen Beschluß zu benachrichtigen.
Ein einziges habe ich noch hinzu zu fügen, worüber Herr Doctor Roth gefällig mit sich selbst zu Rathe gehen wird: ob er sich nämlich ein Lehrtalent zutraut, theils in Absicht auf Communication seiner Kenntnisse überhaupt, theils in Absicht eines Kathedervortrags. Denn hierdurch werden sowohl vorzüglich die akademischen Zwecke, welche wir im Auge haben, erfüllt, als auch diese Stelle für den der sie bekleidet nutzbar und ehrenvoll.
Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar den 7. Febr. 1803.
Goethe.
[136] 16/4621a.
Herzlich thut es mir leid, daß ich Ihnen, werthester Freund, und Ihren hohen und lieben Gästen nicht aufwarten kann. Ich getraue mich noch nicht, nach einer so langen Pause, den Einwirkungen der Luft auszusetzen.
W. d. 7 Febr. 1803
Goethe.
[187] 16/4622.
Könnte ich bald erfahren? Ob Sie heute Abend, eingeladnermaßen, zu mir kommen? Ob nach dem Conzert, oder früher?
Mögen Sie bey dem schönen Wetter Schlitten fahren; so schicke ich das Fuhrwerck gegen Mittag.
W. d. 8. Febr. 1803.
G.
16/4623.
Die Mohrin wird schon heute über acht Tage können gegeben werden. Ich melde das, damit Sie etwa das Theaterexemplar des Trauerspiels gefällig beschleunigen und die Rollen in der nächsten Woche abgeschrieben werden können. Man hielte alsdann den 22. oder 24. Leseprobe, welches ein großer Vorsprung wäre.
Mögen Sie morgen Mittag mit mir essen? Schelling kommt wahrscheinlich herüber. Mündlich alsdann mehr.
W. d. 12. Febr. 1803.
G.
16/4624.
Mit vielem Vergnügen gebe ich dir, lieber Freund und Bruder, die Nachricht daß in der gestrigen Leseprobe [188] die Mohrin recht gut vorbereitet worden, so daß sie schon heute über acht Tage, den 19., gegeben und dabey das Ballet wiederholt werden kann.
Künftigen Dienstag Abends um 5 Uhr wollen wir eine zweyte staatlichere Lectüre bey mir vornehmen, wozu du schönstens eingeladen bist. Du wirst dich über den guten Humor der Schauspieler und über den meist gehörigen Ausdruck freuen. Auch wäre es um so besser daß du diesem Versuch beywohntest, weil ich wohl schwerlich Freytag in die Hauptprobe gehen kann und daher wünschen muß daß du auch dieser einige Stunden schenkst. Kleidung, Masken und so weiter sind besorgt. Im ganzen bin ich überzeugt daß es einen recht guten Effect machen wird.
Lebe recht wohl.
W. d. 12. Febr. 1803.
G.
16/4625.
[15. Februar.]
Lassen Sie es uns, liebe Freundin, nicht als einen Zufall ansehen, daß ich eben an Sie dachte, als ich Ihr liebliches Blättchen erhielt. In Hoffnung, Zelter bald hier zu sehen, hatte ich bisher gezaubert, unserer lieben Prinzessin Caroline und Angehörigen ein kleines Concert anzubieten, weil die Direction des Meisters die vorzüglichste Wirkung versprach. Nun sind wir[189] aber uns selbst überlassen und unsere Gäste werden auch den guten Willen als etwas zu berechnen haben. Wahrscheinlich da ich dieses schreibe befinden Sie sich auf dem Ettersberge in lebhafter Gesellschaft. Möge Sie, wenn Sie ein wenig frostig zurückkehren, mein Gruß am warmen Ofen recht freundlich empfangen.
Goethe.
16/4626.
Für die schnelle gefällige Besorgung des Auftrags an Herrn Doctor Roth danke ich zum schönsten, obgleich das Resultat unsern Wünschen nicht entspricht. Die von Ihnen nicht vermuthete Ursache der abschläglichen Antwort ist mir um desto auffallender, als vielleicht, in allen unsern Verhältnissen, keine unabhängigere und ungestörtere Stelle zu finden wäre.
Sie würden mir daher eine ganz besondere Gefälligkeit erzeigen, wenn Sie, auf eine geschickte Weise, erfahren könnten, auf welchen Wegen Herrn Doctor Roth eine so ungünstige Schilderung zugegangen. Ich kann versprechen, solches nur zu eigner Belehrung nutzen zu wollen.
Heute nichts weiter. Der ich recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 25. Februar 1803.
Goethe.
[190] 16/4627.
Ich will also meine Gesellschaft morgen aufgeben und nur etwas Musik, zur Probe, machen; denn mich verlangt gar sehr den neuen Tenoristen, so wie die neue Composition vom Reuterlied zu hören.
Über die gestrige Leseprobe hoffe ich bald mit Ihnen zu sprechen, so wie man Donnerstag oder Freytag eine bey mir halten kann, wozu ja vielleicht Ihre Frauenzimmer kämen, und man sonst noch einen Freund einlüde, damit, zugleich mit diesem Geschäft, eine gesellige Unterhaltung entstünde, an der es ohnehin mitunter bey uns gebricht.
Mögen Sie, wenn Sie heute Abend nicht gar zu spät fertig werden, noch auf ein Stündchen bey mir einsprechen; so werden Sie mir willkommen seyn.
Weimar am 28. Febr. 1803.
G.
16/4628.
Darf ich Sie denn einmal, liebe Freundinn, in einer stillen Morgenstunde besuchen und eine Anfrage an Sie bringen, die schon früher auf dem Wege war.
Erzeigte mir wohl unsre liebe Prinzeß, nächsten Dienstag, die Gnade einer kleinen Musick beyzuwohnen? wobey neue Stimmen und neue Compositionen[191] aufwarten sollten. Brächten Sie das wohl recht freundlich vor? und empfehlen mich Frl. v. Knebel aufs beste und kämen dann zusammen hübsch um sechs Uhr und bestellten die Kutschen nicht zu frühe.
Leben Sie recht wohl wie ich in der Hoffnung Sie nach so langer Pause endlich einmal wiederzusehen.
W. d. 3. März 1803.
Goethe.
16/4629.
Mögen Sie wohl beyliegende Austheilung nochmals beherzigen, und, nach gegenwärtigen Umständen, revidiren, da Schall abgeht und Zimmermann, Oels und Brandt antreten. Ob der letzte bis dahin brauchbar seyn wird ist eine Frage. Einen Bauerbräutigam sollte er immer vorstellen lernen. Wie ist der Spazirgang durch Europa bekommen?
d. 8. März 1803.
G.
16/4630.
Indem ich Ew. Hochwohlgeb. die mir mitgetheilten Kupferwerke mit Dank zurücksende und um fernere Communication des übrigen schönen mitgebrachten[192] bitte, ersuche ich um gefällige Nachricht: wann wohl Durchl. der Erbprinz zurück erwartet wird.
Ich lege eine Notiz bey, welche ich von Geheime Hofrath Loder erhalten, und bedaure, Sie gestern Abend in unserm freundschaftlichen Zirkel nicht gesehen zu haben.
Der ich bey diesem lappländischen Wetter gute Gesundheit wünsche.
Weimar am 9. März 1803.
Goethe.
16/4631.
Die heutige Probe ging so gut von statten daß ich gar nicht zweifle das Stück werde den 19. gegeben werden können. Mögen Sie heute Abend zu mir kommen, so würden wir das Ganze nochmals besprechen können, um so mehr, da es mir noch in frischem Andenken ist. Befehlen Sie Überbringern wann er mit der Kutsche kommen soll.
W. d. 10. März 1803.
G.
16/4632.
Ich begreife recht wohl, daß eine Entschließung dazu gehört seinen Kreis zu verlassen und, in dieser Jahrszeit, auswärtige Freunde aufzusuchen. Dießmal[193] aber hat mich Ihr absagender Brief in gar vielfachem Sinne betrübt. Außerdem was wir, für das Allgemeine und Höhere der Kunst, durch Communication, würden gewonnen haben, bin ich noch in dem besondern Fall, daß ich, diesen Winter, mit der Organisation der Oper und des Orchesters mehr für die Zukunft als für den Augenblick beschäftigt bin, wobey ich Ihren Beystand mir als ganz unentbehrlich gedacht habe.
Die Wichtigkeit des alten sprichwörtlichen Rathes: gehe vor die rechte Schmiede! ist mir früh einleuchtend gewesen; aber was hilft die Einsicht, wenn die Schmiede so weit liegt, daß man mit seinem Geschirr sie nicht erreichen kann.
Ich darf daher die Hoffnung Sie zu sehen nicht aufgeben und thue deswegen einen Vorschlag den Sie freundlich aufnehmen werden.
Wäre es möglich daß Sie mehr oder weniger Zeit fänden einen Ausflug zu uns zu unternehmen; so würde ich, in meiner gegenwärtigen Lage und in Rücksicht des großen Vortheils den ich für die Anstalten die mir am Herzen liegen, durch Sie erwarte, mich verpflichtet fühlen Ihnen wenigstens die Kosten der Hin- und Herreise zu erstatten und für Ihren hiesigen Aufenthalt zu sorgen. Wollten Sie alsdann die Beschwerlichkeit der Reise und die Verwendung Ihrer kostbaren Zeit gegen das Vergnügen aufrechnen, das Sie allenfalls bey uns genießen möchten; so blieben[194] wir doch nicht in so hohem Grad Ihre Schuldner und es ließe sich vielleicht eine Leitung treffen, daß wir uns, wo nicht mit Ihrem großen Vortheil, doch wenigstens ohne Ihren ökonomischen Nachtheil, auch künftig öfters sehen könnten.
Bedenken Sie das und sagen mir Ihre Gedanken über diesen Vorschlag, auf den ich um so eher eine günstige Antwort hoffe, als Sie wegen der Zeit keineswegs genirt sind, und binnen hier und Pfingsten Ihre Ankunft uns Jeden Tag willkommen seyn würde.
Noch steht Ihr Zimmer ruhig und bereit Sie zu empfangen.
Alle Freunde gedenken Ihrer mit Enthusiasmus, welcher durch die gestern erst wieder aufgeführten neuen Compositionen des Reiterliedes und der Zwerge aufs neue angefacht worden. Schiller dankt sehr lebhaft.
Es ist ein neuer Tenor bey uns angelangt, der eine sehr schöne Stimme hat, aber in jedem Sinne noviz ist. Was würde ihm und uns ein Wink seyn, auf welche Weise er sich weiter zu bilden hätte. Ich nenne nur dieses einzige Glied aus der Kette der Verbindlichkeiten die wir Ihnen schuldig zu werden wünschten.
Daß die Verbesserung unsers Theaters und besonders der Musik, in Rücksicht der Vermählung unseres Erbprinzen, und der in dem letzten Viertel des gegenwärtigen Jahres nothwendigen Feste u.s.w. ein [195] ernsthaftes Geschäft sey, brauche ich nicht zu sagen, so wie ich meine gethane Vorschläge und Bitten nicht wiederhole.
Die verlangte, sehr liebenswürdige Composition liegt bey.
Wenn Sie die von Herder ehemals herausgegebenen Volkslieder durchlaufen, so wie seine zerstreuten Blätter, finden Sie gewiß manches was Sie anspricht. Ich wünsche sehr, daß, in meinen kleinen Conzerten, jener Freund sich über sich selbst verwundere, wenn er seine Arbeiten durch Ihr Organ wieder vernimmt.
Sagen Sie mir doch ein gründliches Wort wie Sie Madame Mara gefunden?
Leben Sie recht wohl und lassen mir bald ein erfreuliches Wort hören.
W. d. 10. März 1803.
Goethe.
16/4633.
[Concept.]
In so fern ich Sie, mein werther Herr Doctor, durch Ihre Arbeiten, durch Männer die ich schätze, und durch eine kurze Unterhaltung habe kennen lernen, fühle ich wohl den Wunsch in mir erregt: daß Sie zu den unsrigen gehören möchten; nur ist die Frage: ob die, durch den Tod des guten Batsch, erledigte [196] Stelle, um welche Sie sich, nebst andern, bewerben, von der Art ist, daß Sie solcher, auf die Dauer, mit Zufriedenheit, vorstehen mögen.
Dagegen hat Fürstl. Commission, bey Besetzung dieser Stelle, so manches in Betrachtung zu ziehen, daß sie bisher zu einem Entschluß nicht gelangen können, welche Bedenklichkeiten jedoch gehoben seyn würden, wenn Sie, werthester Herr Doctor, sich entschließen könnten, die Besorgnis gedachten Instituts, etwa auf zwey Jahre, zu übernehmen, so daß beyden Theilen, vor Ablauf derselben, eine Aufkündigung des bestehenden Contracts frey bliebe.
Sie würden in dieser Zeit zweyhundert Thaler, welche Professor Batsch erhalten, gleichfalls genießen, wobey man das freye Quartier zuzugestehen geneigt ist, wogegen Sie sich aller Obliegenheiten unterziehen, das Institut möglichst zu befördern und der Akademie zu nutzen suchen würden.
Eine solche Übereinkunft ist um so eher denkbar, als diese neue Anstalt mit der Organisation der Akademie in keinem Verhältnisse steht, sondern von einer unmittelbaren Commission dirigirt wird.
Hat man nun bey einer solchen Einrichtung keine andere Absicht, als, in einer bedeutenden Angelegenheit, welche Serenissimum persönlich interressirt, mit schuldiger Vorsicht zu Werke zu gehen; so wünscht man nichts mehr, als daß, nach Ablauf gedachten Contractes, derselbe, mit beyderseitiger Zufriedenheit, [197] verlängert, ja auf die Lebenszeit eines geprüften Mannes ausgedehnt werde.
Mögen Sie mir im Allgemeinen Ihre Entschließung melden; so würde ich um so mehr das Besondere bald nachsenden als zu wünschen ist, daß Sie, im Bejahungsfall, nächstens eintreffen möchten.
Weimar am 10. März 1803.
16/4634.
[Concept.]
[14. März.]
Der Februar ist vorbeygegangen, ohne daß ich einen Brief an Sie abgelassen hätte. Mein Anhang zum Cellini und dessen schließliche Redaction hat mir noch viel zu schaffen gemacht. Einige Parthieen davon, hoffe ich, sollen Sie mit Vergnügen lesen. Diese Arbeit wäre ich nun los, und gleich rückt schon wieder manches andere an.
Doctor Chladni war vor einiger Zeit hier. Durch ein abermals neuerfundnes Instrument introducirt er sich bey der Welt und macht sich seine Reise bezahlt; denn bey seinen übrigen Verdiensten um die Akustik könnte er zu Hause sitzen, lange weilen und darben. In einem Quartbande hat er diesen Theil der Physik recht brav, vollständig und gut geordnet abgehandelt. Wenn man sich nach einem höhern Standpunkte umsieht, wo das Hören, mit seinen Bedingungen, als ein Zweig einer lebendigen Organisation [198] erschiene; so ist es jetzt eher möglich dahin zu gelangen, weil eine solche Vorarbeit gemacht ist, die dann freylich, von den Nachfolgern, noch tüchtig durchgeknetet werden muß.
Die von ihm entdeckten Figuren, welche auf einer, mit dem Fiedelbogen, gestrichnen Glastafel entstehen, hab ich die Zeit auch wieder versucht. Es läßt sich daran sehr hübsch anschaulich machen, was das einfachste Gegebene, unter wenig veränderten Bedingungen, für manchfaltige Erscheinungen hervorbringe.
Nach meiner Einsicht liegt kein ander Geheimniß hinter diesen wirklich sehr auffallenden Phänomenen.
Für das Gehör, im höhern Sinne, hat indessen auch unser wackrer Zelter gesorgt, der durch Compositionen einiger Lieder, von Schiller und mir, unsre Winterstunden sehr erheitert hat. Er trifft den Charakter eines solchen, in gleichen Strophen, wiederkehrenden Ganzen trefflich, so daß es in jedem einzelnen Theile wieder gefühlet wird, da wo andere, durch ein sogenanntes Durchcomponiren, den Eindruck des Ganzen durch vordringende Einzelnheiten zerstören.
Er hatte uns Hoffnung gemacht diesen Winter zu kommen; ist aber abgehalten worden, wodurch ich, für Genuß, Belehrung und Beyhülfe, sehr viel verliere.
Wie langsam die Posten gehen, können Sie daraus sehen, daß ich Ihren Brief vom 28. Januar erst heute den 4. März erhalte. Sonst gingen sie nicht länger als 16 Tage.
[199] Seyn Sie mir, auf dem Berge der Dreyfaltigkeit, gegrüßt! wo ich selbst so oft hin und wieder wandelte.
Dank für die Nachricht von Künstlern und Kunstwesen. Ich hefte Ihre Briefe besonders zusammen, fahren Sie also ja fort, mich mit den dortigen Zuständen bekannt zu machen, damit ich nach und nach zur ganzen Einsicht gelange.
Zu dem glücklichen Zusammentreffen mit Fernow wünsche ich Ihnen beyden Glück, so wie, daß es von einiger Dauer seyn möge. In welchen seltsamen Conflict Fernow in Deutschland, besonders in Jena kommen wird, davon haben Sie selbst, ob Sie gleich vor kurzem in diese Complicationen hineingeschaut haben, keinen Begriff. Die ganze deutsche Masse, der, ich will nicht sagen Theoretisirenden, wenigstens Didacktisirenden, vom Gründlichsten biß zum Flächsten, trennt sich in zwey Haupttheile, die leicht zu unterscheiden sind, deren Untertrennungen aber, in einem ewigen Wechsel des Anziehens und Abstoßens durch einander gehen, so daß man beym Erwachen Morgens den als Widersacher antrifft, von dessen Theilnahme und Neigung beruhigt man gestern Abend zu Bette ging.
Ich habe den besten Willen gegen Fernow, aber es hängt keinesweges von uns ab, zusammen in gutem Verhältniß zu bleiben. Weil alle die Haufen klein sind, in die sich die Parteien trennen, so ist es ein ewiges Hetzen, Werben, Compromittiren, wobey niemand gewinnt, als die die nichts zu verlieren haben.
[200] Gesegnet also der auf dem Berge der Dreyfaltigkeit wohnet! und den solche absurde Bewegungen nicht anwehen.
Sollte Fernow noch reisen, so lassen Sie mir ihn allerley antiquarische Kleinigkeiten mitbringen, um die schon gebeten habe.
16/4635.
Sie haben mich, liebe kleine Freundin, durch Ihr köstliches Geschenk auf's Angenehmste überrascht, indem Sie mir zugleich einen Beweis Ihrer Neigung und eine musterhafte Arbeit überschicken. Man sieht nicht leicht an Form, Farbe, Verguldung, Behandlung etwas so Vollendetes.
Daß Sie bei Vorstellung der Iphigenia eine satte Farbe an der Kleidung mit gebraucht, erfreut mich sehr. Das schreckliche, leere, melancholische Weiß verfolgt uns vom Augenblick des Negligés bis zur höchsten Repräsentation. Man flieht die Farben, weil es so schwer ist, sich ihrer mit Geschmack und Anmuth zu bedienen.
Mit Ihrem Söhnlein werden Sie Geduld haben, wenn manchmal die Nachricht einer kleinen Unvorsichtigkeit zu Ihnen gelangt. Solche Kinder, in fremde Verhältnisse versetzt, kommen mir vor wie Vögel, die man in einem Zimmer fliegen läßt; sie fahren gegen[201] alle Scheiben, und es ist schon Glück genug, wenn sie sich nicht die Köpfe einstoßen, ehe sie begreifen lernen, daß nicht alles Durchsichtige durchdringlich ist.
Ich kenne das Pädagogische überhaupt und besonders die Theaterpädagogik gut genug, um zu wissen, daß eigentlich hauptsächlich Alles darauf ankommt, daß der Mensch einsehen lerne, was ihm fehlt, wodurch er es alsdann gewissermaßen schon erlangt, weil zu der Einsicht des Rechten und Nützlichen sich das Wollen sehr geschwind gesellt.
Wir haben in diesem Augenblicke bey unserm Theater ein halb Dutzend Individuen, die alle etwas zu werden versprechen. Stünde ich in einem größeren Verhältniß, so müßte ich ihrer funfzig haben; denn was an Einem geschieht, sei es wenig oder viel, geschieht am Andern, und eigentlich ist, wie oben gesagt, die Hauptsache, daß nach und nach die Aufmerksamkeit eines Jeden auf sich selbst erregt werde, eine Operation, die in der Masse viel leichter ist als im Einzelnen.
Solche Reflexionen, die, wie ich merke, beinahe ein pedantisch-rodomontisches Ansehen gewinnen wollen, verzeihen Sie mir gewiß, wenn Sie bedenken, daß ich dadurch nur der Mutter Geduld und Nachsicht empfehlen will, die ich selbst gern in hohem Grade ausüben mag. Wenn Ihr Karl erst einmal unsern ganzen Theaterkurs durchlaufen hat, mit in Lauchstädt und Rudolstadt gewesen ist, einsehen lernt, daß [202] man, um dauernden Beifall zu gewinnen, etwas über sich selbst vermögen muß, so wird vielleicht geschwind entstehen, was wir wünschen. Bis jetzt habe ich recht gute Hoffnung und sehe, wie billig, über Alles weg, was auf die Mittelzeiten der Bildung hindeutet. Die Hauptfrage ist, ob wir zu den Epochen unserer Zwecke gelangen können? Sie sollen darüber zur rechten Zeit meine aufrichtigen Gesinnungen vernehmen.
Leben Sie recht wohl und fahren fort, meiner mit Neigung zu gedenken.
Weimar, den 14. März 1803.
Goethe.
16/4636.
Mögen Sie mich wohl heute Abend mit Ihrer Gegenwart erfreuen? Und mir indessen Europa wiederschicken, damit an dem Auszug für Humbold fortgefahren werde.
W. d. 15. März 1803.
G.
16/4637.
Hochwohlgeborner
Insonders Hochzuehrender Herr.
Ew. Hochwohlgeb. ist bekannt, welcher anständigen Ruhe wir uns in dem weimarischen Schauspielhause erfreuen; besonders haben sich die jenaischen Studirenden, [203] seit der veränderten Einrichtung des Saals, musterhaft betragen, indem von denselben weder ein Zeichen der Ungeduld, noch des Mißfallens, selbst nicht eines allzulauten Beyfalls ausgegangen. Um so unerwarteter war es, daß, nach dem Schluß der Braut von Messina, ein, dem Dichter zwar schmeichelhafter, den Verhältnissen aber unangemeßner Dank ausgerufen wurde.
Hätte man diesen Zuruf als reine Ergießung des guten Willens, einer fremden, mit den hiesigen Einrichtungen unbekannten Jugend ansehen können; so ließe sich allenfalls darüber hinausgehen; auffallend mußte es dagegen seyn, daß die Veranlassung zu dieser Acclamation vom Balkon ausgegangen, noch mehr aber, da, von mehrern Seiten, als gewiß angegeben wurde, daß der jüngere Herr Schütz sich einer solchen Übereilung schuldig gemacht.
Ew. Hochwohlgeb. habe ich daher auf besondern Befehl Serenissimi den Auftrag zu ertheilen: daß Dieselben gedachten Doctor Schütz vor sich kommen lassen, um von ihm zu vernehmen, wie er als ein Eingeborner, dem die Sitten des hiesigen Schauspielhauses bekannt seyn mußten, sich eine solche Unregelmäßigkeit habe erlauben können? wobey Sie ihm Serenissimi Mißfallen und eine bedrohliche Weisung für künftige Fälle, auf das nachdrücklichste, werden zu erkennen geben.
Als Fürstl. zu diesem Geschäft bestellter Commissarius [204] habe ich ferner Ew. Hochwohlgeb. angelegentlich zu ersuchen: bey schicklicher Gelegenheit, die akademische Jugend zu Fortsetzung einer ruhigen Theilnahme am hiesigen Schauspiel, durch diensame Vorstellungen, zu ermahnen.
Bey und kann kein Zeichen der Ungeduld Statt finden, das Mißfallen kann sich nur durch Schweigen, der Beyfall nur durch Applaudiren bemerklich machen, kein Schauspieler kann herausgerufen, keine Arie zum zweytenmal gefordert werden. Alles was den gelaßnen Gang des Ganzen, von Eröffnung des Hauses bis zum Verschluß, auf irgend eine Weise, stören möchte, ist bisher unterblieben und darf auch in der Folge nicht Statt finden.
Wobey ich noch die Bemerkung hinzuzufügen habe, daß die Wache, nach der schon lange bestehen den Einrichtung, höhere, nunmehr wiederholte Ordre hat, jeder ungewöhnlichen Bewegung nachdrücklich zu steuern. Deßwegen die Vorsteher eines, ohnehin dornenreichen Geschäftes, nichts lebhafter wünschen müssen, als daß ein, durch Geist, Mühe, Sorgfalt und Aufwand vorbereitetes öffentliches Vergnügen nicht in die unangenehmsten Ereignisse und Weiterungen übergehen möge.
Der ich in Erwartung baldiger Nachricht des Ausgerichteten mich mit besonderer Hochachtung unterzeichne.
Ew. Hochwohlgeb.
ganz gehorsamster Diener
Weimar am 21. März 1803.
J. W. v. Goethe.
[205] Zugleich erhalten Ew. Hochwohlgeb. den Auftrag, im Nahmen Serenissimi, Herrn Hofrath Schütz zu erkennen zu geben: Höchstdieselben hatten Sich von ihm versprochen, daß sein Sohn besser gezogen seyn würde.
Weimar am 21. März 1803.
J. W. v. Goethe.
16/4638.
Hierbey das gerettete Venedig, wenn Sie Zeit haben, so sehen Sie es durch und wir sprechen heute Abend davon. Mich verlangt sehr Sie zu sehen. Die verwünschte Acclamation neulich hat mir ein Paar böse Tage gemacht. Befehlen Sie die Stunde der Kutsche.
W. d. 22. März 1803.
G.
16/4639.
Zu den Argumenten meines letzten Briefs füge ich noch hinzu daß Überbringer dieses, Herr Professor Gentz, in vier Wochen nach Weimar zurück kehrt. Machen Sie ihm die Freude einen solchen Reisegesellen zu besitzen und verschaffen uns den unschätzbaren Genuß Sie wieder zu sehen.
Weimar am 22. März 1803.
Goethe.
[206] 16/6440.
[Concept.]
Aus Ihrem Brief an Herrn von Gore habe ich gesehen daß Sie, werthester Herr Hackert, noch eben in der schönen Thätigkeit ununterbrochen fortfahren, die ich früher in so manchen glücklichen Stunden zu bewundern Ursache hatte. Wie viel Vergügen, wie viel Belehrung bin ich Ihnen nicht schuldig geworden, und wie sehr habe ich nicht in späteren Zeiten, da ich manches besser einsehen lernte, gewünscht wieder in Ihrer lehrreichen Nähe zu seyn.
Gegenwärtig wird bey mir nicht geringe Zufriedenheit erregt, da wir Hoffnung haben ein Paar Meisterwercke von Ihrer Hand bey uns zu bewundern. Durchl. der Herzog wünschen ein Paar Bilder
von 3' 9" Höhe
5' 2" Breite
das Stück zu 200 Zechinen. Möchten Sie, werthester Herr und Freund, ein Paar recht interessante Gegenden aussuchen. Etwas Fiesolanisches, oder von Val ombroso.
Wir werden stolz seyn von Ihrer neusten Arbeit zu besitzen, da Gotha von Ihren früheren Schöpfungen aufzuweisen hat. So klein unser Ort ist; so ein guter Platz ist es zur Ausstellung eines Kunstwerks, da außer den einheimischen Freunden der Kunst [207] viele Fremde sowohl durchreisende als verweilende theil nehmen. Auch ich werde nicht unter den letzten seyn die sich Ihres großen Talentes wieder erfreuen. Nur eines bemerke ich noch, daß man wünscht die beyden Bilder von verschiedenen Seiten beleuchtet zu sehen, indem sie an denen für sie bestimmten Plätzen verschieden gegen das Licht hängen werden.
Der ich recht wohl zu leben wünsche, und mich zu freundschaftlichem Andenken empfehle.
Weimar d. 22. März.
16/4641.
[Concept.]
Sie erhalten hierbey werthester Herr Doctor den von Fürstl. Commission unterzeichneten Contract; das gegenseitige Exemplar werden Sie bey ihrer Hierherkunft unterschreiben. Es enthält derselbe vorläufig die Hauptbedingungen. Was sonst noch zu bedenken ist wollen wir besprechen und deßhalb eine Instruction aufsetzen.
Wir wünschen daß Sie bald möglichst in Weimar anlangen möchten, weil ich nicht weiß ob ich mich so bald nach Jena verfügen kann. Ist alles unter uns arangirt; so können Sie alsdann in Jena gleich antreten.
[208] Im Lecktionscatalogus sind Ihre Vorlesungen der Botanick schon angezeigt.
Der ich indessen recht wohl zu leben wünsche.
Weimar am 23. März 1803.
16/4642.
W., 27. März 1803.
Dürft' ich Sie, bester Freund, ersuchen, uns ein entscheidendes Wort über die kleine Collation zu verschaffen, die ich unserm lieben Prinzen morgen Abend nach dem Schauspiel in Ehrfurcht angeboten habe?
G.
16/4643.
Heute erhalte ich die neun Bogen des zweyten Theils zugleich mit der Anfrage wegen der Cartone. Ich sollte denken man ersparte sich diese Mühe und Kosten. Haben Sie nur die Gefälligkeit die Ihnen bekannt gewordenen Druckfehler am Ende anzuzeigen. Ich hatte nicht Zeit das Abgedruckte weiter durchzusehen.
Schreiben Sie mir doch wenn Sie in unsere Gegend kommen? damit ich mich einigermaßen einrichten kann Sie nicht zu verfehlen. Zu einem Taschenbuche, denke ich, soll es auch noch Rath [209] werden, ob mich gleich die lyrische Muse, nicht, wie ich hoffte, begünstigt hat.
Sonst wird sich auch noch wohl manches besprechen lassen.
Ich wünsche recht wohl zu leben und empfehle mich geneigtem Andenken.
Weimar am 28. März 1803.
Goethe.
16/4644.
Mit vieler Ungeduld habe ich bisher einige Antwort auf mein Schreiben vom 26. Januar erwartet. Vielleicht überraschen Sie mich, werthester Herr Hoffmann, bald mit der Übersendung des bestellten Platfonds. Sie würden mich aber besonders verbinden, wenn Sie mir bald einige Nachricht ertheilten, vorzüglich wenn Sie etwa in Ihrer Arbeit wären gehindert worden, weil die Architekten, bey Vollendung des Zimmers, immer dringender werden und, in Ermanglung gedachten Platfonds, andere Zierrathen in die Decke vorgeschlagen haben.
Der ich zu hören hoffe daß Sie sich recht wohl befinden und sich der Kunst mit Ernst und Liebe befleißigen.
Weimar am 28. März 1803.
Goethe.
[210] 16/4645.
Weimar, 3. April 1803.
Indem ich anfrage, wie Sie auf Ihre gestrigen Reisen aus Leidenschaft geschlafen haben, lassen Sie mich Ihnen für die schönen Bemühungen danken, womit Sie meine Bilder ins Leben geführt.
So wenig Stimmen auch noch zu mir erschallen, so scheinen doch alle sich zu Ihrem Lobe zu vereinigen, wozu ich Ihnen und mir Glück wünsche. In Hoffnung Sie bald wiederzusehn.
16/4646.
Ob ich Ihnen durch Übersendung beyliegender Bogen eine Ausgabe für Porto verursachen sollte, da ich sie nicht ganz frankiren kann, war ich einigermasen zweifelhaft; doch wenn ich bedenke daß einem Autor die Aushängebogen immer ein angenehmer Anblick sind, so entschließe ich mich sie einzusiegeln. Aus einem beyliegenden Zettel werden Sie unsere letzten theatralischen Unternehmungen gewahr werden. Schreiben Sie mir doch auch gelegentlich etwas von Ihrem Theater, besonders von den Talenten Ihrer Schauspieler.
[211] Der ich recht wohl zu leben wünsche und uns allerseits zu geneigtem Andenken empfehle.
Weimar am 4. Apr. 1803.
Goethe.
16/4647.
Schon einige Wochen, in denen ich wieder, mit Ihrer guten Chokolade, ein erwünschtes Frühstück nehme, fühlte ich mich verpflichtet, Ihnen zu danken, und nun kommt gar Ihr lieber Brief dazu, der mich auf's Neue an diese angenehme Pflicht erinnert.
Sie haben – daß ich Sie doch auch einmal ganz direct lobe – unter so vielen liebenswürdigen Eigenschaften die besondere, daß Sie die kleinen, grillenhaften Wünsche Ihrer Freunde für etwas halten, und, um sie zu befriedigen, sich eine gefällige Mühe geben mögen. Sie wissen vielleicht selbst nicht, daß diese Eigenschaft so selten ist. Man liebt seine Freunde, man schätzt sie, man mag ihnen gern einmal einen derben Dienst, auch mit einiger Aufopferung, erzeigen, aber einem flüchtigen Geschmacke, einem launigen Einfalle, irgend einer Grille genug zu thun sind wir, ich weiß nicht, zu bequem, zu nachlässig, zu trocken, zu falsch-vornehm, und bedenken nicht, daß eben diese wunderlich scheinenden Gelüste, befriedigt, den angenehmsten Genuß geben.
[212] Mit dieser langen, aber nicht unzeitigen Reflexion soll der Dank eingeleitet werden, den ich Ihnen für die versprochnen Münzen und für die aufgefundnen falschen Juwelen schuldig bin. Mögen Sie wohl das aus diesen letzten Ihnen angebotene Halsband, das, wie Sie schreiben, aus einzelnen, an einander sich reitenden Theilen besteht, völlig anschaffen? Ich will die drey Dukaten, die es ohngefähr betragt, in das nächste Packet stecken, das ich an Herrn von Retzer abgehen lasse.
Hätte nur Herr Gentz noch einige Zeit bey uns verweilen können! Erst nach seiner Abreise fielen mir einige Fragen ein, die er mir gewiß so gut wie manche andre zu meiner völligen Zufriedenheit würde beantwortet haben. Wenn man nicht mehr reisen mag, so ist ein solcher Reisender eine höchst willkommene Erscheinung, nur Schade, daß sie von dieser Art so selten sind.
Was mich betrifft, so habe ich diesen Winter ziemlich einsam gelebt und unter andern ein etwas sonderbares Stück verfertigt, das, wie Sie aus beyliegendem Zettel sehen, gestern gespielt worden.
Die Rolle der Eugenie ist sehr bedeutend, und Dlle. Jagemann hat sie sehr gut gespielt. Wenn Sie, liebe Freundin, dereinst dieses Stück lesen, sollen Sie beurtheilen, ob dieses »natürliche Töchterchen« wohl in der Reihe ihrer übrigen weiblichen Geschwister stehen darf. So viel kann ich nur sagen, daß sie sehr jung [213] supponirt ist, und daß ich versucht habe, das weibliche, in die Welt aufblickende Wesen, von kindlicher, ja kindischer Naivetät an bis zum Heroismus durch hunderterley Motive hin und wieder zu führen. Im Ganzen nimmt sich's gut aus, im Einzelnen kann ihm hie und da nachgeholfen werden, da sich's denn wohl auf unserm Theater erhalten möchte. Ob es auf andern Theatern durchgehen wird, mag sich zeigen.
Die Proben und überhaupt das Arrangement dieses Stückes haben mir seit vierzehn Tagen so viel zu schaffen gemacht, daß ich diesen schon längst angefangenen Brief nicht fortbringen konnte, und auch heute würde er wieder liegen bleiben, wenn ich mich nicht kurz und gut entschlöße, hier abzubrechen, Ihnen nochmals für alles Gute und Freundliche zu danken, und mich schönstens zu empfehlen.
Nochmals ein Lebewohl.
Weimar, am 4. April 1803.
Goethe.
16/4648.
Je seltner dem Dichter, in unsrer Zeit, auf seine Mittheilungen, eine erwünschte, theilnehmende Stimme entgegenkommt, um so erfreulicher war mir Ihr Blat, das mir einen schönen Lohn, für meine stillen, treuen Arbeiten darbietet. Nehmen Sie dafür meinen herzlichen [214] Danck und verzeihen, wenn ich mit einer Vorlesung zögere. Durch die anhaltende Arbeit, so wie durch die vielen Proben, ist mir eine Art Überdruß entstanden, der sich, hoffe ich, bald verlieren wird, um mir, in Ihrer und der Ihrigen Gegenwart einen neuen Genuß zu erlauben. Leben Sie recht wohl.
W. d. 5. Apr. 1803.
Goethe.
16/4649.
Wenn ich Ihnen, verehrter Herr Legationsrath, noch nicht, für das übersendete Werk, gedankt; so geschahe es deswegen, weil ich es erst durchgehen und, da mir manches einzelne daraus bekannt ist, übersehen wollte, wie Ihnen die Zusammenstellung des Ganzen gelungen.
Da ich aber gegenwärtig mich in einem Kreise von Beschäftigungen gefangen sehe, wo mancherley Aufgaben zu lösen sind, kann ich eine ruhige Betrachtung Ihrer Arbeit zunächst nicht hoffen.
Nehmen Sie also vorläufig meinen schönsten Dank, für Ihre freundschaftliche Aufmerksamkeit, und erhalten mir ein geneigtes Andenken.
Weimar am 6. April 1803.
Goethe.
[215] 16/4650.
[Concept.]
Ew. Hochwohlgeb. erhalten gegenwärtiges durch Herrn Doctor Schelver, welchen Sie gefällig aufnehmen werden.
Haben Sie die Güte ihn vorläufig in den fürstl. Botanischen Garten einzuführen und ihn auch dem Hofgärtner Wagner als seinen künftigen Vorgesetzten vorzustellen.
Lassen Sie ihn das Haus sehen und sollten einige Zimmer zu beziehen seyn, ohne daß man weißte und dergl., da Batsch doch eine reinliche Haushaltung geführt hat; so könnte er sich gleich hinein begeben, um aus dem Gasthofe wegzukommen.
Ich überlasse das alles Ihrer einsichtsvollen Beurtheilung. Übrigens hoffe ich Sonntag den 17. mich bey Ihnen einzufinden und das übrige mit Ihrer Beyhülfe zu besorgen pp.
Weimar, am 10. Apr. 1803.
16/4651.
Sie erhalten hierbey, werthester Herr Langer, das Resultat der Unterhaltung hiesiger Kunstfreunde über Ihre eingesendeten schätzenswerthen Zeichnungen. Sie sind zur rechten Zeit angekommen und uns hat die [216] Betrachtung derselben gar manches Vergnügen verschafft. Gegenwärtig sind sie, wohl eingepackt, wieder abgesendet worden, und ich wünsche, daß sie glücklich ankommen mögen.
Auch steht Ihre Lucretia, wohl verwahrt, bey mir und ich würde sie auch, in dieser schönen trocknen Jahreszeit, abgehen lassen, wenn Sie mir etwa ein Haus in Frankfurt anzeigen wollten, wohin ich sie addressiren könnte, daß sie von dort sorgfältig weiter spedirt werde. Oder soll ich sie, ohne Zwischenstation, von hier aus dem Postmagen anvertrauen.
Was Sie mir wegen der neuen Aufgabe, des polyphemischen Gegenstandes, schreiben erkläre ich mir recht wohl daraus, daß Ihr schönes Talent mehr die historische als poetische Ansicht der Gegenstände zu fassen liebt.
Bleiben Sie ja Ihrem Naturell getreu, und sehen Sie eine Aufgabe, die Sie nicht anmuthet, als nicht gegeben an.
Überhaupt ist es mit bestimmten Aufgaben immer eine bedenkliche Sache. Nimmt man es recht genau, so kann sich jeder nur selbst seine Aufgabe finden, und Sie wissen, aus Erfahrung, daß diejenigen Bilder am besten gerathen, die uns beym Lesen eines Dichters oder Geschichtschreibers, ganz unvermuthet, in ihren Haupttheilen, fast unwillkürlich erscheinen, und zu unserm eignen Erstaunen in uns selbst entsprungen sind.
[217] Geben Sie uns also auch forthin, wie bisher, das Eigenthümliche was Ihre Kunst auszeichnet und seyn Sie versichert daß wir Ihre Fortschritte mit wahrer Theilnahme beobachten werden.
Mit Vergnügen höre ich daß Düsseldorf seine Kunstschätze, vermehrt, wieder erhalten wird.
Empfehlen Sie mich Ihrem würdigen Herrn Vater vielmals und leben unserer eingedenk!
Weimar d. 12. Apr. 1803.
Goethe.
Das Werk ist seinen Elementen nach ganz schicklich erfunden. Das einfache, wenig geschmückte Zimmer, die simplen Geräthschaften, die Oekonomie der Figuren, die kräftige und zu der ernsten Scene recht gut passende Beleuchtung, alles dieses verdient Billigung und ist mit wahrem Kunstsinn angegeben. In dessen scheint es die Anmuth des Ganzen würde dadurch noch etwas gewinnen können, wenn die Gebärden der beyden Weiber und des Knaben, der sich an die Mutter lehnt, weniger heftig, inniger und zarter wären, mit einem Wort, wenn ihnen der Anstrich vom Theatralischen, der ihren übrigen recht guten und lobenswerthen Eigenschaften nachtheilig ist, noch benommen werden könnte. Das an der Erde sitzende Kind hingegen ist naiv und kindlich. Des Coriolans kräftig ausgesprochene Gebärde und rasche Bewegung zeigt den Charakter eines Kriegers; doch scheint er über die [218] Schultern, da er als Held gedacht werden muß, etwas schmal, die Brust nicht gewölbt genug, der Arm vertrüge vielleicht elegantere Umrisse und die Beine könnten etwas stärker werden, besonders das linke, gegen den Fuß hin. Die Falten des Unterkleides fallen allerdings zierlich; aber es wäre doch wohl gut wenn sie, durch Weglassung einiger Unterabtheilungen, besonders auf der Lichtseite, einfacher und breiter gehalten würden; zu häufig scheinen sie auch am Gewande des Knaben. An den beyden Weibern sagen die Drapperien sehr zierlich, an der Mutter nur möchte, im Schatten, noch etwa eine Vertiefung so angebracht werden, daß die Form des Körpers besser angedeutet würde, und aus den Lichtpartien wäre einiges überflüssige Detail wegzulassen.
16/4652.
Die mir, durch Herrn von der Beck, zugesandte kleine Münzsammlung kam zu sehr gelegner Zeit, sie erheiterte einige trübe Stunden und gab unserer kleinen Societät von Münzfreunden eine lehrreiche und angenehme Unterhaltung. Sagen Sie dem gefälligen Manne, der diese artige Sendung ausgesucht hat, recht vielen Dank! Er hat dabey gehandelt wie ein Pflanzenkenner, der, geschwind durch einen wissenschaftlichen [219] Garten eilend, aus den Hauptbeeten Blumen verschiedner Art abbräche und daraus einen bedeutenden Strauß bände. Von den allerliebsten atheniensischen Nachteulen an, durch die griechischen Könige und Städte, durch die römischen Familien und Kaiser wird man schnell durchgeführt und durch wohl erhaltene Exemplare an alles, was dazwischen liegt, erinnert.
Vielleicht könnte ich durch ähnliche Gefälligkeit von Zeit zu Zeit ein Verzeichniß von Münzen, die man ablassen möchte, mit beygesetzten Preisen erhalten. Zu unsern Zwecken ist nicht von raren Münzen die Rede, sondern nur von gut erhaltnen Exemplaren, aus denen, für bildende Kunst, bedeutenden griechischen und römischen Epochen.
Was ich in meinem ersten Briefe über dieses mein Studium gesagt, erinnere ich mich nicht ganz, verzeihen Sie also wenn ich mich wiederhole, damit Sie doch auch Ihrem Freunde zeigen können, daß seine Gunst nicht übel angewendet war.
Da ich mich von dem Anschauen größerer Kunstwerke, hier in meiner Lage, entfernt sehe; so ist die Betrachtung von Münzen eine besonders belehrende Unterhaltung, indem man die Kunstgeschichte aus ihnen sehr gut studiren kann, besonders wenn sich das Auge am Marmor hinlänglich geübt hat. In früherer Zeit hatte ich selbst einiges gesammelt, hiesige Freunde haben auch Neigung zu solcher Kenntniß und solchem [220] Besitz, wir haben die erste Sammlung der mionettischen Pasten angeschafft, wodurch wir denn schon einen Blick in die Breite des bessern vorhandenen thun können. Das große gothaische Cabinet steht in unserer Nähe, so wie das Cabinet der Gräfin Bentinck in Meinungen befindlich ist und zum Verkauf ausgeboten wird.
Bey diesen Umständen und Anlässen kann man denn schon nach und nach zu einiger Einsicht gelangen, um so mehr als das fürtreffliche Werk von Eckhel dieses ganze Wissen so sehr erleichtert.
So sieht es, meine Liebe, über diesen Punct mit mir aus, erlauben Sie mir nur noch einen kleinen Nachsatz:
Um auch über die neuere Kunstgeschichte mich, auf demselben Wege, mehr als schon geschehen, aufzuklären, habe ich gesucht besonders päpstliche Medaillen, dergleichen in dem 15. und 16. Jahrhundert häufig in Kupfer geschlagen worden, anzuschaffen. Es versteht sich von selbst daß es Medaillen sind, welche zur Lebzeit des Papstes geprägt worden, denn von den Sammlungen welche spätere Künstler, mit dem Bildniß verstorbener Päpste, geprägt, kann die Rede nicht seyn. Sollte Ihren Freunden gelegentlich etwas von dieser Art vorkommen, so geschähe mir damit ein besonderer Gefalle und ich würde einen billigen Preis gerne zahlen.
So viel von diesen Studien und Neigungen die ich[221] doch gern so wie mein übriges Wesen vor Ihnen in einigem Zusammenhang hinlegen möchte.
Nächstens von andern Dingen, die auch Sie interessiren. Mit lebhaftem Dank, daß Sie meinen kleinen stillen Wünschen ein so freundliches Gehör geben wollen. Mit herzlichem Wunsch für Ihr Wohl
W. d. 25. Apr. 1803.
J. W. v. Goethe.
16/4653.
Nachdem wir sehr böse Wege überstanden haben, sind wir glücklich in Lauchstädt angelangt. Die Pferde haben mich oft gedauert; allein da der Kutscher auf jede Weise sorgfältig fuhr, so ist alles gut abgelaufen und daß sie sich wohl befinden zeigt der gute Appetit. Es war ein Glück daß wir trocknes Wetter hatten. Geist und Bloß sind wohl den halben Weg gegangen und ich habe mich auch oft auf die Beine gemacht.
Hier in Lauchstädt ist es ganz angenehm, die Linden theilweise grün, andere im Ausschlagen. Die Kastanienbäume fangen an zu blühen und die sämmtlichen Obstpyramiden, um den Teich, stehen in voller Blüthe.
Der neue Gärtner hat sich sehr thätig bewiesen und das Ganze wird ordentlicher und reinlicher aussehen[222] als vorm Jahre. Besonders hat man den guten Einfall gehabt das ganze Heckenwesen, unten, im sogenannten Boskett, wegzuschlagen, wodurch man eine freye Aussicht, über so viele schöne Lindengänge, bis hinaus auf die Wiese hat.
Zwischen dem Theater und der Landstraße haben sie eine Lindenanlage gemacht, die nicht ganz zu tadeln ist. Das alte Schauspielhaus ist abgebrochen und es sieht aus als wenn der Platz nunmehr planirt und der alte Leimenhügel, der schon ziemlich geschmolzen ist, völlig abgetragen werden sollte. Genug es sieht aus als ob die Herren Sachsen sich, nach unserm Beyspiel, auch einmal rühren wollten.
Das Haus hat sich den Winter durch recht gut gehalten und wenn es nun noch abgeputzt wird, so denke ich, soll sichs von außen auch gut ausnehmen.
Ferner wirst du die Hallen neu angestrichen finden und was dergleichen mehr ist, woraus du siehst daß man die Gäste gut zu empfangen denkt. Ich werd morgen als den 5. nach Halle und Giebichenstein gehen. Wie es nachher weiter mit mir wird weiß ich selbst noch nicht. Grüße Gusteln aufs beste und lebe recht wohl und vergnügt.
Lauchstädt am 5. May 1803.
G.
[223] 16/4654.
Mit vielem Dank für die interessanten Nachrichten Ihres Briefes schreibe ich heute nur weniges über die kleinen Speditionsangelegenheiten, so unter uns obwalten. Eine für Sie gepackte Kiste wartet auf einen Fuhrmann, sie enthält:
1 Packet mit Strumpfhosen von Egloffsteins.
2 – – in Wachstuch von Herrn Secret. Vulpius.
2 Packete dergl. in Papier.
1 Kistchen von Herrn Prof. Meyer.
2 Packete Bücher von mir.
Aus nachgesetzter Rechnung werden Sie sehen wie wir zusammen stehen. Die 21Thlr. 20 Gr. sächs. habe ich an das Industrie Comptoir noch nicht bezahlt, es kann aber gleich geschehen, sobald Sie mich dazu autorisiren.
Heute nichts weiter als viel Glück zu allen Ihren Unternehmungen.
Weimar am 12. Mai 1803.
Goethe.
Für Rechnung Herrn Doctor Meyers ausgezahlt.
1.An gewirkter
Strumpfwaare60Thlr. 20Gr. – Pf.
2.An desgl. Auch für
eine Observations-
uhr 15 Thlr. 8 Gr.
sächs16 " 14" 8"
[224] 3.Für ein Pfeifenbeschlag an
Straube1 " 15" – "
Für Masken an Klauer.6 " 12" – "
Für Bärte an Lohmann.1 " 16" – "
4.Bücherlotterie
12 Thlr. sächs. 13 " – " – "
Accouchements Modelle
21 Thlr. 20 Gr. sächs.13 " 15" 8 "
123Thlr. 21Gr. 4 Pf.
Nun bin ich nach beiliegender Rechnung an Dieselben 125 Thlr. 49 Grote gut Geld schuldig welches
nach unserm Cours ohngefähr macht135Thlr.
Davon abgezogen obenstehende123 "
bliebe ich ohngefähr mit12Thlr.
im Reste über welche gelegentlich zu disponiren bitte.
So eben vernehme ich, daß Sie mit Goullon wegen ein paar Mandolinen im Handel stehen. Er hat mir die bessere auf mein Verlangen zugeschickt und verlangt für die bessere im Futteral 2 Carol. Die geringere will er schon weggeschenkt haben. Haben Sie also noch Lust zu der bessern, so will ich sie ihm abkaufen und dadurch unsere Rechnung saldiren, worüber mir gefällige Nachricht erbitte und nochmals wohl zu leben wünsche.
Viel Grüße von den Meinigen.
G.
[225] 16/4655.
Ew. Wohlgeb.
eine vertrauliche Eröffnung zu thun, werde durch verschiedene Umstände bewogen.
Schon lange sind mir die Mißhelligkeiten, welche, zwischen unsern Jenaischen Lehrern, sich in heftigen Ausbrüchen gezeigt, so wie andern Freunden der Wissenschaft, höchst bedauerlich gewesen, weil offenbar dadurch ein so schönes Institut manchen Schaden erleiden mußte. Leider haben hiezu manche nicht genugsam überdachte Ausdrücke in periodischen Blättern und Schriften die nächste Veranlassung gegeben. Die Übel, welche daraus entstanden, habe ich als Privatmann innig bedauert.
Nun tritt aber ein Umstand ein, der mich, im Geschäftsgange, aufmerksam macht. Die zur Oberaufsicht über das neue botanische Institut im Fürstengarten zu Jena bestellte Commission hat bey der Correspondenz, welche sie wegen Wiederbesetzung der, durch den Tod des Professors Batsch erledigten Stelle geführt, zu bemerken gehabt, daß man gedachtes Institut auswärts verrufen und dadurch Personen, von der Annahme des Rufs, abschrecken wollen.
Ohne untersuchen zu wollen woher solche Insinuationen gekommen seyn mögen, sieht sich fürstl. Commission veranlaßt besonders die Herrn Redacteurs der [226] allgemeinen Litteraturzeitung auf alles dasjenige aufmerksam zu machen, was ihr sowohl wegen des Instituts selbst als wegen den litterarischen Arbeiten des nunmehr dabey angestellten Professor Schelvers eingesendet werden könnte. Man muß ausdrücklich wünschen, daß nichts unangenehmes, noch verkleinerndes vorkommen möge, damit eine, im Wachsen begriffene Anstalt nicht gehindert noch verletzt werde.
Ew. Wohlgeb. ersuche ich um diese Gefälligkeit im Nahmen fürstl. Commission nicht ohne höheres Mitwissen und bin zu allen Gegendiensten gerne bereit.
Weimar am 13. May 1803.
J. W. v. Goethe.
Nachschrift. Professor Schelver wird zu Einleitung seiner Vorlesungen ein kurzes Programmschreiben, wovon ich eine Anzeige für die Litteraturzeitung einzusenden nicht abgeneigt bin.
G.
16/4656.
So überrascht uns denn doch das jüngste Gericht!
Zugleich sende den Nepotian zu gefälliger Beurtheilung.
Meine Wagen sind beyde lahm, sonst würde ich heute zu einer Spazierfahrt einladen. Nach 11 Uhr aber gedenke ich Sie ein wenig zu besuchen, weil ich[227] manches zu besprechen wünsche. Denn morgen Nachmittag denke ich nach Jena zu gehen.
W. d. 13. May 1803.
G.
16/4657.
Bey Ew. Hochwohlg. werden Steffanysche autorisirte Quittungen eingereicht werden, welche zusammen 80 rthlr. 12 gr. 5 3/10 pf. tragen. Sie werden aus der botanischen Hauptcasse bezahlt, sollte nicht soviel darin seyn so nehmen Sie einstweilen, bis der Pacht eingeht, so viel aus der Gartencasse herüber. Der ich bald persönlich aufzuwarten hoffe.
Weimar am 13. May 1803.
J. W. v. Goethe.
16/4658.
[Concept.]
Dem Hofschauspieler Herrn Graff wird hierdurch auf die von ihm gethanen Anträge erwiedert:
Daß Serenissimus gnädigst geruhen ihm eine Pension von 200 rthlr. auf den Fall zusichern zu lassen, wenn derselbe bey dem hiesigen Theater durch Alter oder Krankheit in den Fall kommen sollte, die Obliegenheiten eines Schauspielers nicht weiter erfüllen zu können.
[228] Daß Höchstdieselben ferner fürstl. Theatercommission erlaubt haben ein Capital von 250 rh. zu garantiren, um Herrn Graff von einzelnen Schuldposten zu befreyen, worauf denn aus gnädigsten Rücksichten eine jährliche Gratification von 100 rh. aus fürstl. Chatoulle erfolgen soll, daß sowohl diese Summe als der bey der Hofcasse bestehende Vorschuß nach und nach getilgt werden könne. Vorausgesetzt daß Herr Graff geneigt sey, über den bis zu Ostern künftigen Jahrs bestehenden Contract, sich noch auf zwey fernere Jahre bis Ostern 1806 bey dem hiesigen Theater zu engagiren.
Welches zu dessen Notiz und weiterer Erklärung demselben hiermit bekannt gemacht wird.
Weimar den 13. May 1803.
16/4659.
Hier, mein bester, die Papiere, die meine Gegenwart diesmal wohl ersetzen mögen. Grüßen Sie Cotta schönstens und hören sonst seine Entschlüsse und Beschlüsse. Ich befinde mich leidlich, doch muß ich an mehr Bewegung und Anregungen von außen dencken. Wenn es so fort geht concentrirt sich meine ganze Existenz innerhalb des Sömmeringischen Wassers. Mein Spiritus wird aufgewartet haben. Ich hoffe in diesen acht Tagen einen tüchtigen Ruck in die [229] Ausarbeitung der Farbenlehre zu thun und dencke das Wesen einmal derb anzugreifen; jetzt liegt es mir wie eine unabtragbare Schuld auf. Leben Sie wohl und thätig und mir gewogen.
Jena d. 15. May 1803.
G.
16/4660.
Unterzeichneter überläßt zum Verlag, für Eine Auflage, Herrn Cotta nachstehende Arbeiten:
Was wir bringen, Vorspiel,
Benvenuto Cellini übersetzt,
Die natürliche Tochter, Trauerspiel in fünf Aufzügen,
Eine Anzahl neuer Lieder.
Das erste und zweyte ist schon gedruckt, das dritte wird als Taschenbuch, das vierte als Theil eines Taschenbuchs gedruckt, wozu Herr Hofr. Wieland den andern Theil verfaßt. Mit welchem Herr Cotta das nöthige besprechen wird.
Beyde Taschenbücher werden bey Herrn Frommann gedruckt, mit welchem Herr Cotta das nöthige wird in Leipzig abgeredet haben.
Herr Cotta zahlt dagegen an Unterzeichneten die Summe von vierhundert Carolin, in Laubthalern, vier auf den Carolin gerechnet. Hievon gehet ab der von Herrn Cotta verschiedentlich geleistete Vorschuß[230] nebst Auslagen weßhalb man sich eine schließliche Abrechnung erbittet.
Ferner zahlt Herr Cotta gegenwärtig einhundert Carolin in Laubthalern, worüber Quittung beyliegt und giebt, wegen des Überrestes, Anweisung auf Herrn Cammerrath Frege in Leipzig, zu successiver, gelegentlicher Erhebung.
Mit dem Abdruck kann alsbald angefangen werden.
Ferner überläßt Herr Ehlers 24 Lieder zur Guitarre eingerichtet an Herrn Cotta für funfzig Thaler in Golde. Wovon er sich die Hälfte gegenwärtig erbittet. Gedachte Lieder werden mit den Liedern des Taschenbuchs in Bezug gesetzt. Angenehm wäre es daher wenn auch dieser Notendruck bey Herrn Frommann geschehen könnte.
Jena d. 15. May 1803.
Goethe.
16/4661.
Da ich durch den Eigensinn des Genius zwischen der deutschen Zeitmessung und der Farbenlehre hin und wieder getrieben werde, auch nach einem gesegneten Anfang hoffen kann einigermaßen zu prosperiren, wenn ich meinen hiesigen Aufenthalt verlängere, so überlege ich daß ich mit Herrn Cotta eigentlich weiter nichts zu verabreden habe, und daß ich also gar wohl hier bleiben kann. Sie erhalten daher Sonnabend früh [231] durch die Boten einen kurzen Aufsatz über die typographischen Verhältnisse und eine Quittung über das Geld das Cotta mitzubringen gedenkt.
Es kann mich ängstigen daß der May schon vorüber und von keiner Seite was gethan ist.
Leben Sie recht wohl und erfreuen sich Ihres neuen Dramas.
Jena am 18. May 1803.
G.
16/4662.
Heute Abend, mit den Boten, sende ich den Aufsatz für Cotta. Indessen grüße ich Sie schönstens durch Überbringern, den ich, die chromatischen Acten zu holen, nach Weimar schicke, und durch welchen ich auch einige Nachricht von Ihnen zu erhalten hoffe.
Wie ist das neuliche Drama abgelaufen und was ist sonst merkwürdiges begegnet?
Das Farbenwesen denke ich hauptsächlich dadurch zu fördern, daß ich aus den Acten das brauchbare ausziehe, die unnöthigen Papiere verbrenne, das übrig bleibende in Ein Format zusammenschreiben lasse und, nach dem Schema, in Ordnung lege. Es wird sich alsdann zeigen daß schon viel gethan ist, und der Muth die Lücken auszufüllen wird zunehmen. Leben Sie recht wohl und gedenken mein.
Jena d. 20. May 1803.
G.
[232] 16/4663.
Mit ein Paar Worten muß ich Ihnen nur sagen: daß es mir dießmal, bis auf einen gewissen Grad, mit der Farbenlehre zu gelingen scheint. Ich stehe hoch genug um mein vergangenes Wesen und Treiben, historisch, als das Schicksal eines Dritten anzusehen. Die naive Unfähigkeit, Ungeschicklichkeit, die passionirte Heftigkeit, das Zutrauen, der Glaube, die Mühe, der Fleiß, das Schleppen und Schleifen und dann wieder der Sturm und Drang, das alles macht in den Papieren und Acten eine recht interessante Ansicht; aber, unbarmherzig, excerpire ich nur und ordne das auf meinem jetzigen Standpunct Brauchbare, das übrige wird auf der Stelle verbrannt. Man darf die Schlacken nicht schonen, wenn man endlich das Metall heraus haben will. Wenn ich das Papier los werde, habe ich alles gewonnen; denn das Hauptübel lag darin, daß ich, ehe ich der Sache gewachsen war, immer wieder einmal schriftlich ansetzte, sie zu behandeln und zu überliefern. Dadurch gewann ich jedesmal! nun aber liegen von Einem Capitel manchmal drey Aufsätze da, wovon der erste die Erscheinungen und Versuche lebhaft darstellt, der zweyte eine bessere Methode hat und besser geschrieben ist, der dritte, auf einem höhern Standpunct, beydes zu vereinigen sucht und doch den Nagel [233] nicht auf den Kopf trifft. Was ist nun mit diesen Versuchen zu thun? sie auszusaugen gehört Muth und Kraft, und Resolution sie zu verbrennen, denn Schade ists immer. Wenn ich fertig bin, in so fern ich fertig werden kann, so wünsche ich mir sie gewiß wieder, um mich mir selbst historisch zu vergegenwärtigen und ich komme nicht zum Ziel, wenn ich sie nicht vertilge.
Und so viel von meinen Freuden und Leiden. Schreiben Sie mir auch bald was, wie es Ihnen geht.
Herrmann und sein Gefolge hat sich also schlecht exhibirt. Das Goldene Zeitalter hat seine Nachkömmlinge nicht sonderlich versorgt.
Leben Sie recht wohl.
Jena d. 22. Mai 1803.
G.
16/4664.
Ew. Wohlgeboren
haben mich seit so langen Jahren zum ersten Male mißverstanden, sonst würden Sie ein so wunderliches Schreiben nicht an mich erlassen haben.
Mein Losungswort ist Gemeinsinn! der sich, wenn er ächt ist, mit Weltsinn recht wohl verträgt.
Mehr füge ich nicht hinzu, um das weitere [234] mündlich abzuhandeln; da sich dann Übereinstimmung am geschwindesten finden wird. Mit bestem Lebewohl
Weimar den 7. Jun. 03.
J. W. v. Goethe.
16/4665.
Ew. Wohlgeb. ist es gewiß interessant zu vernehmen, daß Die Fremde aus Andros gut gegeben und gut aufgenommen worden. Ich hoffe beydes soll auch in Lauchstädt zu Ihrer Zufriedenheit geschehen. In Hoffnung Sie und die Ihrigen, denen ich mich bestens empfehle, diesen Sommer wieder zu sehen, unterzeichne ich mich
Ew. Wohlgeb.
ergebensten Diener
W. d. 8. Juni 1803.
J. W. v. Goethe.
16/4666.
Erlauben Sie, würdiger alter Freund, eine vertrauliche Eröffnung.
Geheime Hofrath Loder folgt einem Ruf nach Halle an Meckels Stelle, und wie natürlich ist es, bei einer solchen Gelegenheit an Sie zu denken, uns [235] die Frage aufzuwerfen: wäre es wohl möglich, daß Sömmerring der unsrige würde?
Geben Sie mir gefällig über diese Möglichkeit einen Wink, und ich will alsdann das Weitere melden. Können wir Ihnen gleich weder königliche Bedingungen noch Hoffnungen anbieten, so sind wir doch gegenwärtig im Falle etwas thun zu können das bei uns nicht oft vorkommt.
Mögen Sie mir gefällig diese Präliminarfrage beantworten; so soll alsdann das Weitere erfolgen, und ich werde indessen schon in Hoffnung angenehme Tage verleben.
Der ich das Beste wünsche. Mit bekannten Gesinnungen
Weimar am 8. Juni 1803.
Goethe.
16/4667.
Sie haben mich, werthester Herr Unger, durch Übersendung der sehr schönen Ausgabe Kleistischer Werke, auf die angenehmste Weise überrascht. Gedichte sowohl als Briefe versetzen uns in eine Zeit zurück, die sich freylich von der jetzigen sehr verschieden darstellt.
Vergangene Messe hoffte ich Sie in Leipzig zu sehen, auch war ich schon bis Halle gelangt, von wo mich aber die Umstände wieder grade nach Hause nöthigten.
[236] Das vollgedrängte, so klein und fein ausgeführte Preußische Wappen ist ein neues Zeugniß Ihres außerordentlichen Talents. Ich habe den Abdruck durch eine starke Vergrößerung angesehen und Ihre Arbeit nur noch mehr bewundert. Leider ist in unserer Zeit kaum Hoffnung mit dieser schönen Technik höhere Kunstzwecke zu verbinden.
Gegenwärtig genieße ich der Freude Herrn Zelter in meinem Hause zu besitzen. Die Anmuth seiner Productionen, die auf einem so soliden Grunde ruhen, erregt allgemeine Zufriedenheit. In seinem Umgang ist er so unterhaltend als unterrichtend. Doch was sage ich Ihnen das da Sie ihn mehr kennen.
Wiederholten lebhaften Dank für das freundliche Andenken.
Weimar den 8. Juni 1803.
Goethe.
16/4668.
[Concept.]
Da ich mein Gut zu Oberroßla, worauf Ew. Gnaden mir zwey Tausend Thaler, gegen Consenz, geborgt, gegenwärtig verkauft habe, sehe ich mich in dem Falle von der, beyden Theilen vorbehaltenen vierteljährigen Aufkündigung Gebrauch zu machen und gehorsamst zu erklären daß ich nach Verlauf gedachter Frist das Capital nebst denen fälligen Interessen auszuzahlen gedenke.
[237] Die Übermachung des Geldes ließe sich wohl durch Gefälligkeit des Herrn Landkammerrath Ortmanns besorgen, weßhalb Ew. Gnaden weitere Anweisung erwarte.
Sollten Hochdieselben etwa das Geld früher brauchen können so würde sich die Zahlung auch wohl früher leisten lassen; der ich mit Dank für das bisher gegönnte Zutrauen mich mit Verehrung unterzeichne.
Weimar d. 8. Jun. 1803.
16/4669.
Hier überschicke ich meine Lieder mit Bitte das Einzelne und Ganze zu beherzigen. Auch dem fünften eine Überschrift zu geben.
Heute Abend seh ich Sie ja wohl bey mir.
W. d. 15. Jun. 1803.
G.
16/4670.
[Concept.]
Durch unsern Schiller erfahre ich von Zeit zu Zeit daß es Ihnen und den Ihrigen wohl gehe, woran ich herzlichen Theil nehme und nur wünsche, daß meine Plane, Sie einmal wieder zu besuchen endlich gelingen mögen. Wie gerne hätte ich den [238] trefflichen Zelter, dessen Bekanntschaft Ihnen gewiß viel Freude gemacht, begleiten mögen.
Den Überbringer des Gegenwärtigen Herrn Prof. Sartorius aus Göttingen, den Sie als einen um Geschichte und Staatsverwaltung verdienten Schriftsteller wohl schon kennen, nehmen Sie auch ohne weitere Empfehlung gern und günstig auf. Ich wünsche daß es dem wackren Manne besser in Dresden als in Wien gelingen möge, denn leider hat ihn an diesem letzten Orte eine bösartige Krankheit überfallen.
Lassen Sie mich gelegentlich hören wie Sie meiner gedenken und empfehlen mich den verehrten Ihrigen aufs beste.
Weimar am 16. Juni 1803.
16/4671.
In der, an vergangener Messe, mir übergebenen Rechnung finden sich folgende für meine Rechnung ausgezahlte Posten:
1799. Den 1. Aug.an Isopifl. 473.
an Berrein.271.
an Golla.150.
fl. 894.
Hievon wünschte ich die Originalquittungen, welche noch in Ihren Händen seyn werden, zu erhalten, weil [239] ich sie zur Berechnung mit der Schloßbaucasse brauche. Ich werde Sie dagegen, durch einen Empfangschein, oder auf beliebige Weise sicher stellen.
Sobald das angekündigte Papier ankommt, soll der Druck der Almanachs sogleich angefangen werden, wozu alles bereit liegt.
Das Manuscript des Cellini wünschte ich gelegentlich wieder zu erhalten, weil ich solches, besonders wegen der Interpunction, mit dem Druck vergleichen möchte.
Die 400 Stück Lbthlr. nebst den Exemplaren Cellini habe von Herrn Hofrath von Schiller erhalten, wofür ich schönstens danke. Von dem Überrest welchen Sie bey Herrn Frege zu meiner Disposition gestellt, werde zu seiner Zeit Gebrauch machen.
Sollte mich eine Reise in Ihre Gegend führen, so wird mir ein Aufenthalt in Tübingen gewiß einer der angenehmsten Ruhepuncte seyn.
Für die Engl. und französischen Miscellen, wovon die ersten immer interessanter zu werden scheinen, danke schönstens. Das zweyte Stück des achten Bandes ist mir verloren gegangen, welches, bey Gelegenheit, mir erbitte.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich Ihnen und den Ihrigen bestens empfehle.
Weimar am 18. Juni 1803.
Goethe.
[240] 16/4672.
[Concept.]
Sie verzeihen, werthester Herr Rapp, wenn ich wegen eines kleinen, ehemals unter uns verhandelten Geschäftes, nochmals nachfrage.
Eine, von Herrn Cotta vergangene Leipziger Messe, erhaltene Hauptrechnung bringt nunmehr einige andere Berechnungen zur Sprache, welche ebenfalls abzuthun sind, ich ersuche Dieselben daher über folgende Puncte um einigen Aufschluß.
Sie erhielten am 10. Apr. 1800 von Herrn Cotta 165 fl., wegen dieser sind zwey Quittungen in meinen Händen wovon ich die Copien beylege. Sollte sich bey Ihnen notirt finden worin die Auslage von 55 f. Rheinisch bestanden; so würde es mir angenehm seyn solches zu erfahren.
Ferner erhielten Sie den 19. Apr. desselben Jahres von eben demselben 495 fl. wegen deren Verwendung ich mir einige Nachricht und die von den Empfängern ausgestellten Originalquittungen, wenn solche sich noch in Ihren Händen befinden, erbitten wollte. Wogegen ich Dieselben durch einen Empfangschein oder auf beliebige Weise zu sichern nicht verfehlen werde.
Der ich zu vernehmen hoffe daß Sie sich mit den Ihrigen recht wohl befinden und meiner in Ihrem Kreise gedenken.
Weimar am 18. Jun. 1803.
[241] 16/4673.
Mit dem schlechten Wetter müßt Ihr freylich Geduld haben und sehen wie ihr euch in Sälen und sonst unterhaltet, dagegen kann es bald recht schön werden und ich sehe gern wenn du solange dort bleibst als dir's gefällt. Im Hause vermissen wir dich sehr und Ernestine wird für Sorgen schon ganz mager, auch muß ich manchmal ein neu Gemüß, oder sonst was zukaufen, weil das Ausgesetzte nicht reichen will. Das ist aber eigentlich ein Spas und August ist sehr thätig bey dieser Gelegenheit. Er wird dir selbst schreiben. Wir kommen fast nicht voneinander und er ist gar unterhaltend und artig. Nach Lauchstedt möchte er gar zu gern. Vor Allem will ich Schillers Reise abwarten und dann auch an die meinige dencken.
Jetzt arbeite ich an dem kleinen Stücke und will sehen wie weit ich komme. Fahre nur fort mir täglich zu schreiben, wenn es auch nur wenig ist. Mir macht es viel Vergnügen zu vernehmen wie du deine Zeit hinbringst. Lebe wohl und gedencke mein.
Ich liebe dich herzlich.
W. d. 21. Jun. 1803.
G.
Ehlers soll wegen seiner Exemplare unbesorgt seyn.
Grüße alles.
[242] 16/4674.
Hier das erste Conzept. Lassen Sie uns das Eisen, da es heis ist, schmieden! Wenig wird zu brauchen seyn. Zu mancherley Betrachtungen giebt dieser erste Versuch Anlaß.
Mündlich mehr. Mögen Sie wohl heute kommen und wann?
W. d. 23. Jun. 1803.
G.
16/4675.
Du bist recht lieb und gut daß du so viel schreibst, fahre nur fort, denn es macht mir viel Vergnügen auch im Einzelnen zu wissen wie dir's geht. Bleibe nur in Lauchstädt solange du Lust hast, auf alle Fälle sehe ich gern wenn du dich den ganzen Monat Juli dort aufhältst, denn ich habe eine wichtige Arbeit vorgenommen, wobey mir die Einsamkeit wohlthut, ob ich mich gleich oft genug nach dir sehne. Bin ich damit zu Stande, so komme ich dich abzuholen, das mir auch gut seyn wird.
Im Hause läßt sich's auch besser an, und da der Herzog wieder hier ist werde ich öfter nach Hofe geladen, manchmal bin ich in Tiefurth und da ich öfters reite, so vermisse ich die Pferde auch nicht. Sey also nur froh und ausser Sorgen.
[243] August hält sich sehr brav und bleibt gern bey mir, auch gehen wir oft zusammen spazieren.
Der guten Mutter ist eine große Freude begegnet wie du aus beyliegendem Blat sehn kannst. Zeige das Blat niemand ob du gleich das allgemeine der Geschichte erzählen kannst.
August grüßt. Er hat das Heumachen besorgt, gehauen ist es und wird, bey dem schönen Wetter, auch wohl glücklich hereinkommen. Lebe tausendmal wohl.
W. d. 28. Jun. 1803.
G.
Ich mache den Brief wieder auf um noch einiges hinzu zu fügen.
Bis den 14. Juli, wo das Gut übergeben wird und Reimann zahlt, muß ich auf alle Fälle hier bleiben, weil bey so einer Gelegenheit doch mancherley vorfällt.
Schreibe nur wie bisher hübsch ausführlich und umständlich wie es dir geht.
Ich werde wohl auch auf einige Tage hinüber nach Jena gehen.
Wenn du Geld brauchst kannst du dir das Nöthige vom Cassier geben lassen.
Auf den Sonnabend geht Prof. Gentz nach Lauchstädt durch welchen du ein Paar Worte erhalten sollst.
Grüße alles und besonders auch was von Halle und Giebichenstein kommt.
[244] 16/4676.
Nehmen Sie, werthester Herr und Freund, ein kleines Gastgeschenk mit Neigung an, das Ihnen Herr Geh. Rath von Wolzogen überbringt.
Der Spaniol des Herrn von Knebel schmeckte Ihnen und es fand sich noch ein Vorrath. Wo? Sollen Sie erfahren, wenn er glücklich in Ihre Hände gelangt. Füllen Sie damit die Dose und gedenken manchmal meiner Liebe und Verehrung, wenn Sie allein oder in guter Gesellschaft eine Prise nehmen. Das ist ja immer ein behaglicher Moment.
Der Sämann wenn er gesät hat entfernt sich und läßt die Saat keimen; Schade daß Sie nicht sehen können wie manches Gute aufgeht was Sie unter uns ausgestreut haben.
Lassen Sie bald von Sich wissen und leben mit den Ihrigen wohl und glücklich. Die Meinigen grüßen.
Weimar, den 1. July 1803.
Goethe.
[245] 16/4678.
[Concept.]
Hochwohlgeborener
Hochgeehrtester Herr
Durch Fräulein von Imhoff, von welcher ein Brief beiliegt, erfahre ich von Zeit zu Zeit, daß Sie noch gern an uns denken und sich der Tage, die Sie in Weimar zubrachten, mit Vergnügen erinnern. Sollten Sie einmal wiederkehren so würden Sie finden daß Siex bisher von uns nicht ganz abwesend waren.
Sie erlauben daß ich Ihnen durch gegenwärtiges Herrn Prof. Sartorius aus Göttingen empfehle, der Ihnen gewiß durch seine Schriften [246] als ein Mann bekannt ist, der sich um Staatsverfassung und Geschichte verdient gemacht hat.
Mögen Sie Ihn bey seinem Aufenthalte in Berlin mit würdigen Männern Ihres Kreises bekannt machen, so werden Sie Danck verdienen und mich zugleich besonders verbinden. Der ich mich freuen werde auch wieder einmal unmittelbare Nachricht von Ihrem Befinden zu erhalten und mich mit besonderer Hochachtung unterzeichne Ew. Hochwohlgeb. ganz gehorsamsten Diener J. W. v. Goethe.
Weimar, d. 1. Juli. 1803.
[244] 16/4677.
[Concept.]
St. Petersburg, das sonst so weit von uns lag, scheint sich nach und nach zu nähern, man reist schon [245] mehrmals hin und wieder und die Bleibenden erhalten öftere Nachrichten und erlangen genauere Kenntnisse.
So kann ich auch dießmal verehrter alter Freund ein Wort gleichsam unmittelbar zukommen lassen, indem unser Prinz und seine Geleitsmänner Ihnen meine besten Grüße m