[232] 22/6238.
[Concept.]
[Weimar, 3. Januar 1812.]
Durchlauchtigste Fürstinn,
gnädigste Frau,
Zu einer Zeit, wo ich das Wagstück unternehme mir und anderen von dem Gange meiner Bildung Rechenschaft zu geben, kann nichts aufmunternder und erquickender seyn als von verehrten Personen zutraulich zu vernehmen, daß sie mir ihre Theilnahme nicht entziehen, ja mich derselben auf die gütigste Weise versichern wollen. Erfahre ich zugleich, daß ich zugleich, daß man über meine Schriften, meine Persönlichkeit recht ernstlich denken und darüber bedachtsam urtheilen mag; so gereicht [233] es mir zu großer Förderung. Ew. Hoheit erlauben mir, indem ich Ihr gnädiges Schreiben auf das dankbarste erwiedere, vom Schlusse, nämlich von der Grabschrift anzufangen. Diese war mir keineswegs apprehensiv: denn eine Grabschrift ist ja eigentlich eine Lebensschrift, indem sie die Grabstätte durch die Erinnerung an das Leben beleben soll. Dient sie also als Gegengewicht des Todes, warum sollte sie nicht auch dem Lebendigen ein Übergewicht geben?
Darf ich aber über jene schönen Zeilen aufrichtig meine Meynung sagen; so finde ich sie zu allgemein. Man erzeigt mir die Ehre, dasjenige auf mich besonders anzuwenden, was eigentlich von einem jeden Dichter gelten muß, insofern er diesen Namen verdient; und ich erkenne darin nur die freundschaftliche Gesinnung des Schreibenden, die ich mir um so lieber zuneige, als ich wohl jenes gute Zeugniß wenn man es genau besähe, an andere abzutreten hätte. Was mich jedoch im Gegentheil in Verwunderung gesetzt hat, und wozu ich gern anständig bin, ist die Stelle des Commentars: »Zeigt nicht jedes Blatt, daß er ein weit höheres Bedürfniß fühlt, in das innerste Wesen des Menschen und der Dinge einzudringen, als seine Gedanken poetisch auszusprechen.« Mögen Ew. Hoheit noch hinzusetzen: »als sprechend, überliefernd, lehrend oder handelnd sich zu äußern;« so haben Sie den Schlüssel zu Vielem was an mir und meinem Leben problematisch erscheinen muß.
[234] Verzeihen Sie, daß ich soviel von mir sage; allein ich bin Ihren köstlichen Blättern diese Erwiederung schuldig, wobey ich nicht zu betheuern brauche, das alles Schmeichelhafte das sie enthalten, so sehr ich es verehre, doch von den hinzugefügten Versicherungen einer fortdauernden Huld, eines unveränderlichen Wohlwollens aufgewogen wird. Mein dankbares Gemüth ist darüber um desto entzückter als es ihm zur nothwendigen Pflicht geworden, die hohen Geschwister zu lieben und verehren. Darf ich nun noch eine Bitte hinzufügen, die aus dem Epimetheischen Wunsche entspringt, das vergangene Werthe so viel als nur möglich festzuhalten. Ich nehme mir die Freyheit ein Verzeichniß beyzulegen von handschriftlichen Resten die sich lange bey mir gesammelt haben und diesen Winter in Ordnung gebracht worden. Dürft' ich im wohlwollende Beyträge bitten. Einige Zeilen von der Hand der verklärten Königinn würden mich sehr glücklich machen. Ew. Hoheit erlauben, daß ihr unschätzbares Schreiben als die schönste Zierde dieser Sammlung hinzufüge.
Mich von der Wiege bis zum Grabe, im Bilde und in der Wirklichkeit Ew. Hoheit zu Gnaden empfehlend.
Ew. Hoheit verzeihen gewiß wenn beyliegendes von einer fertigen Hand als die Meinige geschrieben sich darstellt. Der Schreiber Dr. Riemer empfielt sich gleichfalls zu Gnaden und findet sich glücklich bey[235] dieser unterthänigsten Neujahrs Aufwartung seine Glückwünsche mit den meinigen verbinden zu dürfen.
Unwandelbar Ew. Hoheit geeignet
G.
22/6239.
Könnte Ew. Wohlgeb. mir den Betrag des von Iffland angewiesnen Honorars einsweilen vorschießen lassen; so würden Sie mir in diesen Geldklemmen Zeiten einen besondern Gefallen erzeigen.
Weimar d. 4. Jan. 1812.
Goethe.
22/6240.
Diejenigen Personen, welche die Führung eines Hof-Theaters anvertraut worden, und besonders die deren Obliegenheit es ist zu beurtheilen, ob ein Stück aufführbar sey, haben sich seit geraumer Zeit in einer sehr unangenehmen Lage befunden, indem die deutsche Bühne sich nicht nur von den strengen Geschmacksregeln, sondern auch von manchen andern Verhältnissen und Betrachtungen losgesagt und sowohl im Kunst- als bürgerlichen Sinne die Gränzen weit überschritten hat.
Zu einer Zeit, wo alles nach ungemessener Freyheit strebte, fingen die deutschen Theater-Dichter gleichfalls an, den obern den Krieg anzukündigen, [236] und es verbreitete sich ein Sansculottisme über die Bühne, der indem solche Stücke der großen Menge sehr angenehm waren, nothwendig Ursache seyn mußte, daß bey Hof-Theatern manche solche Stücke gar nicht gegeben, andere aber durch Verstümmlung so verunstaltet wurden, daß sie ihre Wirkung größtentheils verfehlten.
Bey den Weimarischen Hof-Theater hat man durch die Nachricht gnädigster Herrschaften, begünstigt eine Mittelstraße gewählt und die anstößigsten Stellen theils nach und nach ausgelöscht, so daß nicht leicht etwas ganz Auffallendes vorkam.
In der neuern Zeit, so wie Alles, auch das deutsche Theater eine andere Richtung genommen und es glauben einige Autoren, besonders der fruchtbarste unter denselben, sich durch Sticheleyen und Anzüglichkeiten der Oberherrschaft widersetzen zu können, die um ihre großen und weiten Plane auszuführen, freylich nicht immer die sanftesten Mittel gebrauchen kann.
Endesunterzeichnetem hat es bisher obgelegen die Stücke zu wählen und zu beurtheilen, in wiefern sie aufführbar sind. Sein eigentlicher Standpunkt konnte nur der ästhetische seyn; allein er hat auch jenen politischen nicht außer Acht gelassen und wo ihm etwas Bedenkliches aufgefallen, solches ohne weiteres weggestrichen. Dabey muß er jedoch bekennen, daß er manches Unschickliche und solches erst nach einer oder mehreren Vorstellungen durch sich selbst [237] oder durch Freunde, deren Aufmerksamkeit er angerufen, belehrt, gleichfalls hinweg gestrichen.
So groß auch diese Unannehmlichkeit seyn mochte rechnete er sie doch zu den mehrern, welchen dieses Geschäft unterworfen ist, und verfolgte, auf Serenissimi gnädigste Nachricht hoffend, seinen alten Weg.
Allein nunmehr verändert sich die Sache, indem ein k. k. französischer Gesandter hierher kommt und die Verhältnisse nicht allein nach Ihnen sondern auch nach Außen zu bedenken sind. Ja bloß menschlich betrachtet, wird man hierbey zu einer genauern Aufmerksamkeit aufgefordert; denn wer möchte einem Gaste etwas unangenehmes erzeigen, wenn es auch keine Folge hätte? Unterzeichneter wünscht daher, daß Herzogliche Hof-Theater Commossion seine Bitte unterstützen möge, die derselbe an Serenissimum zu thun sich genöthigt sieht.
Schon in früherer Zeit hatte Commissio, aus eigenem Antrieb und für sich, verschiedene wackere, hier in Diensten stehende junge Männer ersucht, gewisse problematische Stücke mit Aufmerksamkeit durchzugehen und die verfänglichen Stellen zu bemerken, welche direct oder indirect verletzen könnten, und auf diese Weise ist auch manches Unangenehme vermieden worden. Allein weil dieses keine durch eine Sanction von oben, befestigte Anstalt war, auch eine gewisse mittlere Zeit weniger Apprehension gab, so ist sie wieder abgekommen, und hat sich so gut als [238] möglich aus der Sache gezogen. Deshalb wäre es nichts Neues, sondern nur eine von oben bekräftigte schon früher intentionirte Einrichtung.
Die Sache ist an und für sich selbst sehr leicht und würde auch demjenigen, dem solches Geschäft übertragen würde, keine sonderliche Beschwerde geben. Neue Stücke würde ich vor wie nach durchsehen und beurtheilen und sollte sich etwas Vergängliches darin finden, es sogleich wegstreichen und das Exemplar, mit Bemerkung meines Namens auf dem Titelblatte, als Zeugniß, daß ich das Stück gelesen, dem Beauftragten zusenden. Dieser striche gleichfalls, was ihm unzullässig schiene, ohne weitere Rücksprache weg und bemerkte nur allenfalls, wo vielleicht, wie es öfter zu geschehen pflegt, durch Wegstreichen eine Lücke entstanden, wenn er solche selbst auszufüllen nicht etwa geneigt wäre.
Ferner würde man sobald die neue Einrichtung getroffen ist, die ältern Stücke, die sich auf dem Repertorium gehalten haben, nach und nach dem Beauftragten zuschicken und mit denjenigen den Anfang machen, welche zunächst aufgeführt zu werden bestimmt sind. Denn was eben diese ältern Stücke betrifft, so ist man am ersten in Gefahr, Stellen zu übersehen, welche eine Deutung auf das Gegenwärtige zulassen: denn da sie vor soviel Jahren geschrieben sind, so liegt die mögliche Anwendung nicht in der Sache, sondern in demjenigen selbst, der sie zu machen [239] geneigt ist; und doch kommen Fälle vor, wo man einen bösen Willen vermuthen würde, wenn es nicht von Altersher gedruckt und in den Rollen geschrieben stünde. Ich erspare einige andere kleine Bemerkungen, welche das Geschäft erleichtern und fördern, bis zu Serenissimi gnädigsten Entschluß.
Weimar d. 5. Januar 1812.
Goethe.
22/6241.
Sie sind gar zu liebenswürdig, schöne Freundinn, daß Sie außer Ihrem persönlichen Andencken, auch noch die äussern Verzierungen und Verbesserungen in dem Garten lassen wollen, wodurch Sie Ihn verschönert haben. Ich nehme das Erbieten danckbarlichst an und werde nicht ermangeln den Betrag sogleich zu entrichten. Soviel für dismal mit dem schönsten guten Morgen.
d. 7. Jan. 1812.
Goethe.
22/6242.
Vor Zeiten bestand bey mir die löbliche Einrichtung, daß ich wenigstens vor Ende des Jahres meine dringendsten Brief-Schulden abzuthun suchte; gegenwärtig aber ziehen sie sich schon einige Zeit Ihr Schuldner zu seyn, und das will ich denn auch nicht länger [240] tragen. Zwar könnte ich zu meiner Rechtfertigung aufrichtig versichern, daß ich gerade weil Sie und Ihre theure Schwester mir immer gegenwärtig waren, am wenigsten dazu gelangen konnte, Ihnen zu schreiben. Ich brauche Ihnen nicht zu versichern, wie nahe es mir geht, die verehrte Kranke in einem solchen peinlichen Zustand zu wissen, und wie ich von einer doppelten Empfindung hin und wieder gezogen werde, indem ich einmal zu erfahren wünsche, wie sie sich befindet, und sodann wieder befürchten muß von einem schlimmern und gefährlichern Zustand unterrichtet zu werden. Auf diese Weise, darf ich wohl sagen, bin ich immer um Sie beyde beschäftigt, und wenn mir der Ort anschaulich wäre, wo sie sich befinden; so würde an der wirklichen Gegenwart wenig fehlen. Lassen Sie jedoch, beste Freundinn, mich es entgelten, und geben mir bald Nachricht von einem Zustande, der mich so seht interessirt. Empfehlen Sie mich der theuren Leidenden auf das beste, und haben Sie tausend Dank, daß Sie so treulich die Stelle so vieler abwesend Theilnehmenden vertreten.
Von mir habe ich wenig zu sagen, wenn ich auch wollte. Das tägliche äußere Leben verschlingt das innere dauernde, und keins von beyden will seine Rechte fahren lassen; worüber denn beynahe alle beyde verloren gehn.
Sie fragen, meine Beste, nach dem Trauerspiel Jephtha. Es ist damit eigene Sache. Wir haben [241] es mit großer Sorgfalt vorgestellt, aber es nicht über die zweyte Repräsentation gebracht, und ich glaube nicht, daß es sich auf dem Repertorium halten wird. Die Ursache davon liegt darin, daß ein gebildetes Publicum wie das unsere, das alle bedeutenden Stücke sehr genau kennt, dem Verfasser des Jephtha gar zu leicht nachkommen kann, wo er seine Gestalten, seine Situationen und Gesinnungen her hat; und doch geht es mit den ersten drey Acten noch so ziemlich. Da man aber in dem vierten auf eine unangenehme Weise an Lear erinnert wird, und im fünften ein vergeblicher Pomp nur zerstreuend wirkt; so will das Glück bis ans Ende die Zuschauer festhalten, obgleich die Verse ganz gut sind und eigentlich nichts Überflüssiges sich in der Ausführung befindet; weshalb es mir auch im Lesen ganz wohl gefiel.
Soll ich aufrichtig seyn, so hat das Stück noch einen Fehler der tiefer liegt, nicht leicht erkannt, aber durchaus empfunden wird: es ist dieser. Wenn die hier behandelte Fabel einigen Werth haben soll, so mußte die Tochter Jephta's ein häusliches Mädchen seyn, es sey nun aus öffentlicher oder Privat-Sitte; der Vater muß sie gar nicht als aus- und eingehend denken können, indem er das Gelübbe thut, und ihr erster durch kindliche Liebe erregter Schritt aus der Thüre muß ihr den Tod bringen. Diese gute Dina aber läuft vor wie nach im Lande herum und erinnert an Ihre Namensgenossinn, welche auch besser [242] gethan hätte zu Hause zu bleiben, als nach Sichem zu gehen und die Töchter des Landes zu besuchen; wobey sie denn ganz natürlich den Söhnen des Landes in die Hände fiel.
Vielleicht macht dieses Stück bey einem Publicum das weniger mit unsern theatralischen Productionen bekannt ist, eine gute Wirkung: denn ob ich gleich, beym ersten Durchlesen, die Parallel Figuren und Stellen recht wohl bemerkte, so waren sie mir doch nicht zuwider, weil ich nicht einsehe, warum man nicht das Gute auf eine andere Weise verknüpft und bearbeitet wiederbringen soll. Verzeihen Sie meiner Aufrichtigkeit; ich wollte aber nicht verschwiegen, was ich bey den mehrern Proben und einer zweymaligen Aufführung bemerkt hatte. Ich schließe mit den besten Wünschen und Hoffnungen.
Im Vertrauen auf Ihre thätige Freundschaft, lege ich ein Verzeichniß bey von Personen, deren eigene Handschrift ich besitze. Sie sehen daraus, daß mir noch manche verstorbene und lebende Wiener abgehen. Fällt Ihnen irgend ein solches Blättchen in die Hände, so sehen Sie mir's auf, bis ich es gelegentlich aus Ihren lieben Händen, oder durch einen Reisenden erhalten kann. Nochmals das beste Lebewohl.
Weimar
den 8. Januar 1812.
Goethe.
Indem ich die Erlaubniß erhalte, diesen Raum mit dankbarer Erinnerung an Sie, gnädige Frau, auszufüllen, [243] dehne ich sie auf den Anfang des Briefes aus, um mich als Theilnehmer an den dort geäußerten Empfindungen aufrichtig zu bekennen. Mögen Sie sowohl bey sich selbst als bey Ihrer verehrten Frau Schwester meine Fürsprache nehmen, und mir das unschätzbare Wohlwollen ferner erhalten, womit Sie mich zeither so sehr geehrt als beglückt haben. Ich wünschte nichts mehr, als diesen Sommer Ihnen zu begegnen, und die Empfindungen der Verehrung und Ergebenheit persönlich ab den Tag zu legen, womit ich unausgesetzt verharre,
Ihr
gehorsamster
F. W. Riemer.
22/6243.
Ew. Wohlgebornen
werden aus der Beylage gefällig ersehen, was für Vorschläge wegen genauerer Beleuchtung der Theaterstücke bey Serenissimo eingerichtet worden und wie Höchstdieselben die Gehegte Intention der Theater Commission gnädigst gebilliget.
Hierbey kann ich nicht verbergen, daß ich in einen Privat-Insert mir Ew. Hochwohlgebornen als freundlichen Bestand bey dieser Gelegenheit gewünschet und auch hierzu ist auf gleiche Weise eine Beystimmung an mich gelangt. Es kommt nun darauf an, ob Sie dieses kleine Geschäft wohl übernehmen mögen, welches schon bey der getroffenen Einleitung wenig Mühe machen und gute Folgen haben wird. Auf alle Fälle [244] bitte ich mir eine Unterredung über diesen Gegenstand aus, Ort und Zeit Ihrer Bestimmung anheimgeben.
Ew. Hochwohlgeb.
Weimar
gehorsamster Diener
den 10. Januar
J. W. v. Goethe.
1812.
22/6244.
Herr von Uwaroff übersendet für Ew. Wohlgeb., wie aus der Beylage ersichtlich ist, die Übersetzung seiner »Ideen zu einer asiatischen Akademie«. Ich hoffe, mich deshalb darüber mit Ew. Wohlgeboren mündlich zu unterhalten.
Den 25. Januar 1812.
Goethe.
22/6245.
Beyliegendes, verehrte Freundinn, werden Sie als eine gefühlte Erwiederung des höchst schätzbaren Blättchens erkennen, das Sie mir zu senden die Güte hatten. Ich bitte um geneigte Beförderung und wünsche gute Aufnahme.
Ihre lieben Worte über meinen biographisch-poetischen Versuch haben mich sehr erquickt. Wie wohl thut mir's auf diese Weise mich wieder meinen abwesenden Freunden zu nähern und ihre Theilnahme aufzuregen. Gleich nach Empfang Ihres lieben Briefes[245] warf ich mich wieder auf jenes Werk in Gedanken. Vom zweyten Theil ist schon die Hüfte geschrieben, und die andere so ziemlich ausgedacht und zusammengestellt. Ich hoffe zu Michaelis sollen Sie ihn erhalten.
Seit einiger Zeit haben wir den jungen Herder hier gesehen, der Ihro Hoheit sein ganzes Glück verdankt. Meinem August hat der Herzog die Gnade erwiesen, ihn als Assessor in die Cammer zu setzen, wo er, nach seinem Talent und seiner Gemüthsart, ganz wohl placirt ist. Empfehlen Sie auch diesen dem Großherzoge als einen der Seinigen.
Wir, oder vielmehr unsere Damen, verlieren wahrscheinlich in diesen Tagen den Professor Schulze und Sie gewinnen ihn dagegen. Das Gute, was dieses Schriftchen enthält und was ihm mit Recht Beyfall verschaffen muß, wird in meinen Augen durch unselige Fratzen völlig wieder aufgehoben, umso mehr als er nicht die rechte, sondern die falsche Wirkung zum eigentlichen Zweck seiner Arbeit macht. Mit viel weniger Mühe und Aufwand hätte, er das Rechte sagen können. Wenn man etwas ehrlicher wäre, so müßte es einen verdrießen, daß bey jeder neuen bedeutenden Erscheinung, das Publicum durch solche unzulängliche und falsche Urtheile misgeleitet wird. Da es aber einmal scheint als wenn die wahre Einsicht nur wenig[246] Menschen zu Theil werden solle; so gewöhnt man sich nach und nach, darüber zu lächeln, und es gut seyn zu lassen.
Dieß bey Seite, so sagen Sie mir doch gelegentlich, was es für einen Stelle ist, die er dort bekleiden wird, und ob sie wirklich vortheilhaft für ihn ist: denn ich gönne ihm übrigens alles Gute. Wie sich jedoch ein Halb-Catholik unter den Ganz-Catholiken ausnehmen wird, bilde ich mir ein vorauszusehen, um so mehr als ich mit sehr verständigen Personen von der letztern Art vertraulich versprechen Gelegenheit hatte, und zu meinem Vergnügen fand, daß sie über diese neuere, im Protestantismus entsprungene religiöse Poesie und poetische Religion ziemlich so denken wie ich, und die von der alten Kirche und Schule.
Ich darf nicht schließen ohne Ihnen zu melden, daß ich durch unsere Theaterbedürfnisse, welche freylich täglich dringender und täglich weniger befriedigt werden, mich habe unvermerklicher Weise verleiten lassen, das Shakespearische Stück Romeo und Julia zu bearbeiten. Auf der Herzoginn Geburtstag wird es erscheinen und ich hoffe guten Effect davon. Die Maxime, der ich folgte, war das Interessante zu concentriren und in Harmonie zu bringen, da ich Shakespeare nach seinem Genie, seiner Zeit und seinem Publicum, viele disharmonische Allotria zusammenstellen durfte, ja mußte, um den damals herrschenden Theatergenius[247] zu versöhnen. Ich werde Ihre Frau Schwester bitten, daß sie Ihnen von der Aufführung eine Relation zusendet. Sie drückt sich über solche Dinge eben so gut aus, als sie darüber denkt.
Nun leben Sie recht wohl, empfehlen Sie mich Ihrer ganzen Umgebung, grüßen mir den lieben Adolph und erhalten mir Ihr Wohlwollen. Herzlich ergeben
d. 28. Jan.
Goethe.
1812.
[Beilage.]
[Concept.]
Wahrhaft rührend, geliebte Freundin, ist mir das Blatt von der Hand unsers verehrtesten Großherzogs. Wie sehr erkenne ich darin die Dauer jener Gesinnungen, die mich früher wo glücklich machten. Je mehr ich dankbar empfinde, wie viel ich diesem außerordentlichen Manne in meiner Jugend schuldig geworden, desto mehr freut es mich, daß Zeit und Entfernung, ja so mancher Wechsel der Dinge nichts an einem Verhältniß ändern konnten, das auf wahrem Grund gebaut war. Wie manchmal hatte ich gewünscht, gewisse Mittheilungen wieder anzuknüpfen; aber wie kann man sich einem solchen Manne mittheilen, als durch That. Empfehlen Sie daher mich ihm als den Seinigen. Wie fortdauernd er an diese zu denken und wie wohl er für sie zu sorgen weiß, habe ich noch neulich an dem Beispiel des jungen [248] Herders gesehen. Möge dem und Beschützer für so manches Gute noch so manche Freude werden.
Haben Sie ja die Güte mich Seiner Hoheit wiederholt zu empfehlen.
22/6246.
[Concept.]
Die an mich gesendete Kiste mit Gemälden ist zur rechten Zeit bey mir angekommen; allein ich habe gleich mit Bedauern eingesehen, daß Ihr Wunsch, meine Wertheste, nicht würde zu erfüllen seyn. Ihro Hoheit die Erbprinzeß haben es sich nach Lage der Sachen und Umstände, zur Pflicht gemacht, alles was Höchstdieselben für Kunst und Wissenschaften ausgesetzt, an Inländische zu verwenden, um so mehr als durch frühere bessere Zeiten sehr viele Künstler hieher gelockt und manche in den Fall einer sehr kümmerlichen Existenz gesetzt worden. Diese zu ihrer Rettung zu beschäftigen ist eine wahrhaft landesmütterliche Maxime, gegen die nichts einzusenden, noch eine Ausnahme davon zu erbitten ist. Das Kästchen steht also noch zu Ihrer Disposition bey mir, und ich würde es schon zurückgesendet haben, wenn nicht das übermäßige Porto, welches dasselbe bis hieher verursacht, Ihnen bey der Rückkehr zur Last fiele. Ich wollte Ihnen daher anheimgeben, ob es nicht gefällig wäre, mir einen Kaufmann in Leipzig anzuzeigen,[249] dem ich solches zu weiterer Spedition durch Fuhrleute übergeben könnte. Der ich übrigens um Verzeihung bitte, daß ich den Auftrag nicht nach Wunsch erfüllen können, und mich zu geneigtem Andenken empfehle.
Weimar den 28. Januar 1812.
22/6247.
Ich habe Sie so lange nicht gesehen, mein theurer Freund, daß es mir recht verdrießlich ist. Tag' und Abende gehen so hin, ohne daß man viel zur Besinnung kommt. Hierbey sende ich 4 Loose der Hakertschen Lotterie für Ihro Hoheit. Sie kosten 8 holländische Ducaten und einige Groschen für Einschreibe-Gebühren und Stempelgeld. Ich werde alles durch Ulmann berichten und alsdann eine kleine Berechnung einreichen.
Demoiselle Seidler ist gestern durchgegangen. Sie bittet die Copie nach Carracci, wohl eingepackt und empfohlen, an sie nach Gotha zu senden, bey Herrn Bibliothekar Jacobs. Sie hätten die Güte solches morgen früh zu besorgen. Donnerstag früh um 6 Uhr geht die fahrende Post nach Erfurt.
Nun, leben sie recht wohl und lassen mich auch etwas von sich wissen.
Weimar den 28. Januar 1812.
G.
[250] 22/6248.
Ew. Hochwohlgeboren
erhalten hierbey die verlangten Abschriften mit dem verbindlichsten Dank für die bisherige Assistenz. Wir wollen, wenn es gefällig, so sachte weiter erfahren.
Phädra möchte wohl eigentlich keiner Censur bedürfen. Damit aber nach und nach unser ganzes Repertorium signirt werde, werfen Sie wenigstens einen Blick auf sie.
Mich zu geneigtem Andenken empfehlend
Weimar den 28. Januar 1812.
Goethe.
22/6249.
Mit vielem Dank, mein Werthester, sende ich den mitgetheilten Aufsatz zurück. Wer das deutsche Publicum kennt, dessen selbstische Eigenwilligkeiten Sie so gut schildern, wer zunächst erfahren hat, daß sie vor allem Neuen, so sehr sie darnach gierig sing, wenn es einigermaßen problematisch ist, eine ängstliche Apprehension fühlen, und daher den Miswollenden freyes Spiel geben, um sich nur jener Furcht entledigt zu sehen – der weiß gewiß dankbar anzuerkennen, wenn ein Freund als Mittelsperson auftreten mag, damit die Menschen sich geschwinder mit [251] dem befreunden, was ihnen fremd und wunderlich erscheint. Besonders in den letzten zwanzig Jahren mußte man große Geduld haben: denn mehrere meiner spätern Arbeiten brauchten zehn und mehr Jahre, bis sie sich ein größeres Publicum unmerklich erschmeichelten; wie denn ja mein Tasso über 20 Jahre alt werden mußte, ehe er in Berlin angeführt werden konnte. Eine solche Langmuth ist nur dem zuzumuthen, der sich bey Zeiten den Dèdain du Succès angewöhnt hat, welchen die Frau von Stael in mir gefunden haben soll. Wenn sie den augenblicklichen, leidenschaftlichen Succès meint, so hat sie recht. Was aber den wahren Erfolg betrifft, gegen den bin ich nicht im mindesten gleichgültig; vielmehr ist der Glaube an denselben immer mein Leistern bey allen meinen Arbeiten. Diesen Erfolg nun früher und vollständiger zu erfahren, wird mit den Jahren immer wünschenswerther, wo nicht mehr viel Stunden in Gleichgültigkeit gegen den Augenblick zuzubringen und auf sie Zukunft zu hoffen hat.
In diesem Sinne machen Sie mir ein großes Geschenk durch Ihren Aufsatz und bethätigen dadurch abermals die frühere mir schon längst bewährte Freundschaft. Doch darf es mich nicht einmal überraschen, daß Sie in meine Intentionen auch bey dieser Arbeit so tief eindringen, da Sie unter diejenigen abwesenden Freunde gehören, die ich mir vergegenwärtige, wenn ich mir meine alten Mährchen in der Einsamkeit [252] zu erzählen anfange; und ich darf wohl versichern, daß der nächste und eigentliche Zweck ist, gegen solche auf indirectem Wege wieder einmal laut zu werden, da die directe Communication so manches Hinderniß erfährt.
Daß Sie meine asiatischen Weltanfänge so freundlich aufnehmen, ist mir von großem Werth. Es schlingt sich daher für mich gewonnene Cultur durch mein ganzes Leben, und wird noch manchmal in unerwarteten Erscheinungen hervortreten: wie ich denn von Ihrem liebevollen Glauben hoffen kann: daß Sie überzeugt sind, der erste Theil sey mit Bewußtseyn und mit Absicht geschrieben, und enthalte auch nicht das kleinste geringfügig scheinende, was nicht künftig einmal nach seinem Geschlecht und Art in Blüthe und Frucht hervortreten soll. Freylich das Publicum, wenn man es an ein Saatfeld führt, bringt gleich die Sicheln mit, und bedenkt nicht, daß noch mancher Monat bis zur Erndte hingeht, ja wohl noch das grüne Feld eine schöne Zeit unter einer Schnee- und Eisdecke zu ruhen hat.
Es würde mir unendlich interessant seyn, wenn Sie mir mittheilen wollten, was Sie über die Farbenlehre aufgesetzt haben. Die Wirkung von dieser wird noch mehr retardirt, als die Wirkung meiner andern Sachen. Denn hier kann man das Publicum am leichtesten irre führen, indem man mir anders Verdienst wohl läßt, aber in dieser Sache, die ja nicht [253] in mein Fach schlafe, ein verzeihliches Travers Schuld giebt. Indessen macht es mich schon glücklich, daß ich diese Arbeit, die ich so lange mit mir herumgetragen, endlich losgeworden. Was für eine große Übung es für mich gewesen, diesen Gegenstand durchzuarbeiten, ermessen Sie Selbst; und welche wichtigen Bemerkungen ich mache, indem Ich meine Gegner beobachte, wage ich kaum auszusprechen. Doch ist es ja kein Geheimniß, daß Niemand überzeugt wird, wenn er nicht will.
Warum sollte ich nnun nicht auch wünschen, meine Freunde kennen zu lernen und besonders Ihre Ansicht, die mir in so mancher Betrachtung wert seyn muß.
Mich zu dauerndem Wohlwollen empfehlend
W. d. 30. Jan. 1812.
Goethe.
22/6250.
Wohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr.
Ew. Wohlgeboren freundliches Schreiben vom 15. November finde ich leider noch unter meinen unbeantworteten Briefe, und vielleicht dient es mir zu einiger Entschuldigung, daß deren nicht wenige sind. Es geht ein Tag nach dem andern, unter so mancherley Beschäftigungen hin, daß man immer die Augen auf[254] die Nähe gerichtet haben muß, und der Blick in die Ferne weniger frisch bleibt.
In dem gegenwärtigen Falle kommt noch dazu, und der Blick in die Ferne weniger frisch bleibt.
In dem gegenwärtigen Falle kommt noch dazu, daß die bey mir gethane Anfrage zwar ehrenvoll, aber bedenklich ist: denn es aus manchen Gründen schwer, eine Inschrift zu finden, ja sogar zu beurtheilen; und so viel deren in der Welt auch aufgestellt sind, so schwierig wird immer eine neue für jeden der nicht ein angebornes Talent dazu hat; in welchem Fall Herr von Birkenstock war, der gleichsam in Lapidarstyl dachte. Hier folgen ein paar lateinische und deutsche, die wir gleich nachdem wir Ihren Wunsch vernommen, aufgesetzt hatten, aber selbst zweifelhaft darüber sie bis jetzt liegen ließen. Nun aber mögen sie denn doch abgehen. Das Frühjahr naht allmählich und Sie sind vielleicht in dem Fall nächstens Ihren Garten einzuweihen; wozu ich alles Glück wünsche. Das mir mitgetheilte Distichon würde die innere Seite des Portals recht wohl zieren.
Grüßen Sie meinen Freund Jacobi auf das allerbeste. Ich habe sein Werk mit vielem Antheil, ja wiederholt gelesen. Es setzt die Überzeugung und das Interesse der Seite auf der er steht mit so großer Einsicht als Liebe und Wärme auseinander, und dieß muß ja demjenigen höchst erwünscht seyn, der sich von der anderen Seite her in einem so treuen, tief und wohldenkenden Freunde bespiegelt.
[255] Freylich tritt er mir der lieben, wie man zu sagen pflegt, etwas zu nahe; allein das verarge ich ihm nicht. Nach seiner Natur und dem Wege den er von jeher genommen, muß sein Gott sich immer mehr von der Welt absondern, da der meinige sich immer mehr in sie verschlingt. Beydes ist auch ganz recht: denn gerade dadurch wird es eine Menschheit, daß wie so manches andere sich entgegensteht, es auch Antinomieen der Überzeugung gibt. Diese zu studiren machte mir das größte Vergnügen, seitdem ich mich zur Wissenschaft und ihrer Geschichte gewandt habe.
Grüßen Sie mir den Freund wiederholt zum allerschönsten.
Da in Absicht auf antike Kunst das Beste was ich neben mir habe die Mionetischen Münzpasten sind, so denke ich manchmal mit einigem Neid an das Glück das Ihnen geschenkt ist, die kostbarsten Originale vor sich zu haben. Sollte sich wie mir nicht unwahrscheinlich ist, in München jemand finden, der solche Schwefelabgüsse nach Mionetischer Art verfertigte, so würde ich Sie ersuchen, mir gefällig einige, und wenn es auch nur ein Dutzend wären gelegentlich zu senden. Da mich der Styl der Kunst daran vorzüglich interessirt, so würden mir besonders solche höchst erfreulich seyn, welche in der Zeit zwischen Phidias und Lysippus geprägt sind. Ich besitze selbst eine kleine Münze von Rhodus, aus dieser Epoche. Der Sonnengott ist noch [256] im Profil vorgestellt und von unglaublicher Schönheit, anstatt daß die spätern nach der Errichtung des Coloß geprägten, das Gesicht von vorne Zeigen. Die Mionetsche Münzpastensammlung hat keine andere als von dieser Art. Wie sehr wünschte ich mich durch das Anschauen solcher Schätze unter Ihrer Leitung und Auslegung belehren zu können.
In diesen Tagen sind ein paar geschickte Musiker von Weber und Bärmann, bey uns mit großem Beyfall aufgenommen worden, den uns mit großem Beyfall aufgenommen worden, den sie auf alle Weise verdienen. Ew. Wohlgeboren kennen diese schönen Talente gewiß selbst und haben schon durch sie manches Vergnügen genossen.
Darf ich noch ein Blättchen beylegen, in welchem eine Sammlung von Handschriften verzeichnet ist, die ich besitze. Könnten Sie von frühern und mitlebenden Baiern mir dergleichen verschaffen, so gschähe mir eine besondere Gefälligkeit. Sollte nicht von dem wackern Aventin eine Zeile vorhanden seyn.
Mich zu geneigtem Andencken empfehlend
W. d. 31. Jan.
Ew. Wohlgeb. Ergebenster Diener
1812.
Goethe.
[397] 22/6250a.
[Weimar, Januar 1812.]
Mit dieser Zufriedenheit haben Ihre hiesigen Freunde und Bewunderer vernommen, daß Sie in der Mitte der Ihrigen glücklich wieder angelangt sind, so wie ich und die Meinigen mit vielem Vergnügen ersehen, daß Sie in der Mitte der Ihrigen glücklich wieder angelangt sind, so wie ich und die Meinigen mit vielem Vergnügen ersehen, daß Sie bey dem fröhlichen Jahreswechsel unser haben gedenken mögen. Bleiben Sie überzeugt, daß wir als eine der schönsten Erinnerungen des vorigen Jahres Ihren hiesigen Aufenthalt werthachten, und daß Sie sehr oft der Inhalt unserer Gespräche sind, die wir niemals ohne Dank für die Bemühungen, die Sie sich unsertwegen gegeben haben, beschließen. Erhalten Sie uns ein freundliches Andenken, und lassen uns auch für die Zukunft angenehme Verhältnisse hoffen.
Die Oper: Horatier und Curiatier, die Sie uns mitgetheilt, weil man die Aussicht hatte, solche bey Ihrem Hierseyn aufführen zu können, wird nächstens wohleingepackt an Sie zurückgehen. Ich wünsche glücklichen Empfang und erbitte mir Ihre fortdauernde Neigung sowie das Zutrauen, das Sie mir bisher gegönnt, indem ich die Ehre habe mich zu unterzeichnen.
[257] 22/6251.
Ew. Wohlgebornen,
Nach einiger Pause, die ich nicht entschuldigen will, mich Ihnen wieder einmal schriftlich zu nähern, halte für eine angenehme Schuldigkeit. Ich habe schon früher dankbar angezeigt, daß die Francofurtensia nach und nach angekommen sind, sowie ich denn auch den Goldgülden erhalten habe.
Die Gebrüder Ramann in Erfurt werden eine Assignation auf 100 Gulden vielleicht schon präsentirt haben. Was diejenige Summe betrifft, die mir nach der Schlußrechnung vom vorigen Jahre zu Gute bleibt, belieben dieselben, sowie auch die Ducaten bey sich aufzubewahren, bis ich gegen Ostern deshalb das weitre vermelde.
An Ihrem lieben und freundlichen Antheil an meinem biographischen Versuche habe ich nicht gezweifelt, da ich voraushoffen konnte, daß Sie ihn mit den Augen eines Freundes, Verwandten und Landesmannes ansehen würden. Ich Ihrem Herrn Bruder in Rom habe ich durch Reisende das Beste vernommen, sowie auch, daß unser Corneli und seine Arbeiten viel Sensation gemacht. Ich bin überzeugt, daß er seinen Au fenthalt trefflich nutzen wird.
[258] Gönnen Sie mir auch in diesem neuen Jahre Ihre freundschaftliche Theilnahme und ermüden nicht, das Geschäft meiner Vermögens-Verwaltung sowie bisher zu führen.
Herr von Weber ist auch bey uns angekommen. Ich hoffe seinen Fridolin zu hören. Madam Pollet aber hat sich nicht eingefunden.
Lassen Sie mich nun zum Schlusse für die gesendete Übersetzung des Iordanus Brunus danken. Dieser außerordentliche Mann ist mir niemals ganz fremd geworden; doch habe ich die Geschichte der mittleren Philosophie niemals so sorgfältig studiren können, um zu wisse wo er eigentlich hinaus will; warum er gegen gewisse Vorstellungen heftig streitet und auf gewisse Puncte so sehr bejahend appuyirt. Noch manches andere wie sie selbst wissen, seht dem Verständniß seiner Werke entgegen. Da Sie aber wahrscheinlich mehr übersetzt haben, so wünschte ich das 15. Capitel de Minimi existentia p. 94. Welches anfängt: Non minus hic falso fidei fundamine sensus Imbuit insanos, sowie den Schluß des Buches de Innumerabilibus et immenso, worin er sich selbst als einen er sich selbst als einen wilden Faun beschreibt (es fängt an: Sic non succifluis occurro poeta labellis) in Ihrer Übersetzung zu lesen. Wir haben ein Pröbchen davon gemacht, allein das es gelingen sollte, ist nicht zu hoffen, da wir weder Zeit noch Sammlung haben und uns auch die Übersicht des Ganzen mangelt, [259] welches doch in jedem einzelnen Theil wieder hervortritt. Sie werden sich dadurch das Verdienst machen, mich diesem wunderbaren Manne wieder näher gebracht zu haben.
Sollten Ihre Briefe noch etwas enthalten das mir vergessen ist, und worauf es einer Antwort bedürfte, so haben Sie die Gefälligkeit es zu erinnern und erhalten mir Ihre teure Freundschaft.
Eins noch fällt mir ein. Wäre es möglich mir ein Exemplar der ersten Jahrgänge der Frankfurter gelehrten Anzeigen, woran ich und Ihr Oheim vielen Antheil gehabt, zu verschaffen? Sie sind 1772 hergekommen und ich habe sie seit jenen Jahren nicht wiedergesehen.
Soeben bemerkte ich meinen oben begangenen Irrthum: es ist Herr von Weber aus München, sondern Kapellmeister Weber aus Berlin, der den Fridolin behandelt hat.
Und nun leben recht wohl, erhalten mir ein freundschaftliches Andenken und lassen bald wieder von sich hören.
Weimar den 1. Februar 1812.
Goethe.
22/6252.
[Weimar, 3. Februar 1812.]
Ich habe zwar heute früh mit Herrn Wolf verabredet, daß Sie, liebe Julia, am Ende des Vierten [260] Aktes einen Becher nehmen. Es ist aber besser, daß wir alles lassen, wie bey der ersten Vorstellung.
Wohlbefinden und Muth!
G.
22/6253.
[Concept.]
Hochwohlgeborner,
Insonders hochgeehrtester Herr,
Ew. Hochwohlgebornen, haben mir in den wenigen Stunden, die ich das Glück hatte mit Ihnen zuzubringen, soviel Vertrauen eingeflößt, daß ich es wagen kann, Sie auf Ihrer wichtigen Reise mit einem kurzen Schreiben zu verfolgen, und sie um eine Gefälligkeit zu bitten. Ich habe nämlich im vergangenen Winter, eine schon ziemlich ansehnliche Sammlung von Handschriften bedeutender Männer vergangner und gegenwärtiger Zeit geordnet; wobey mir denn der Wunsch natürlich einstehen mußte, sie nach und nach immer vermehrt zu sehen. Auch habe ich in letzter Zeit von mehreren Freunden angenehme Beyträge erhalten.
Eben war ich im Begriff Ew. H. Gleichfalls darum gehorsamst zu ersuchen, indem Sie bey Ihrer ausgebreiteten Correspondenz und bey dem großen Schatz des früheren Briefwechsels, der sich auf der Seeberger Sternwarte befinden muß, sich gewiß in dem Falle sehen, manches minder wichtige, für mich aber sehr[261] bedeutende Blättchen mir zuzuwenden; als ich vernahm, daß dieselben eiligst abgereist seyen.
Nun kann ich, wie es bey Liebhabereyen geht, mich nicht entbrechen, jenen Wunsch Ew. H. Nachzusenden, um so mehr als Sie auf der großen und für die Wissenschaft soviel versprechenden Reise die trefflichsten Männer nicht allein Ihres Faches, sondern der ganzen lebenden wissenschaftlichen Welt, zu sehen und zu berühren im Falle sind. Bey einer solchen Gelegenheit kommt, wie mich die Erfahrung gelehrt hat, gar manches bloße Höflichkeits-Billet, eine Einladungs-, eine Visitencharte vor, welche weniger geachtet werden, und die doch zu oben gedachtem Zwecke höchst schätzbar sind. Und so theilt wohl auch Jeder gern ein Blättchen mit von einem Manne seines Wohnortes, wenn er auch schon abgeschieden wäre.
Mögen Ew. H. bey Ihrem wichtigen Unternehmen auch eine so kleine Nebenrücksicht nicht verschmähen, so werde ich unter diejenigen gehören, welche außer dem höhern allgemeineren Wunsch für das Gelingen Ihres schönen Unternehmens, auch noch eine besondere Freude haben, Sie gesund und glücklich wieder im Vaterlande angelangen zu sehen. Bis ich für eine solche Gefälligkeit irgend etwas Angenehmes erzeigen kann, nehmen Sie indessen die Versicherung der aufrichtigsten Hochachtung und des Anerkennens Ihrer vorzüglichen Verdienste. Wie sehr wünsche ich, daß Ew. H. Die kleine Sternwarte zu Jena, bey Ihrer Rückkunft, [262] schon im Stande und Herrn von Münchow in voller Thätigkeit und auf diese Weise Ihre gefällige Theilnahme belohnt finden mögen.
Der ich die Ehre Habe mich mit der vollkommensten Hochachtung zu unterzeichnen.
Weimar den 9. Februar 1812.
22/6254.
Bey dem hier zurückgehenden Mundo habe ich zweyerley zu erinnern:
1.) Glaube ich nicht daß das Schreiben des Amtmanns in Copia beyzulegen sey; denn da die Merseburger Regierung sich darauf bezieht, so muß sei es kennen, wie wohl auch supponiren darf.
2.) Wünschte ich daß das Schreiben auf Einen Bogen mundirt würde. Die leeren Blätter nehmen sich nicht gut aus. Es geht auch wohl wenn der Mundirende seine übrigens schöne Hand etwas ins enge zieht.
d. 10. Febr. 1812.
s. m.
G.
[263] 22/6255.
[Concept.]
[12. (?) Februar. ]
Hochwohlgeborne und Wohlgeborene,
Höchst- und Hochzuverehrende Herren,
Aus Ew. Hochwohl- und Wohlgebor. geneigtem Schreiben vom 5. December haben wir mit besonderem Vergnügen ersehen, daß Hochdieselben unseren Gesinnungen Gerechtigkeit widerfahren lassen und überzeugt sind, nur die äußerste Nothwendigkeit habe uns bewegen können, an eine Veränderung der bisherigen Verhältnisse zu denken, und an den Hauptaufenthalt der Weimarischen Hofschauspieler-Gesellschaft von Lauchstädt nach Halle verlegen, wie es uns denn auch sehr angenehm zu vernehmen gewesen, daß unsere Idee die Woche 2 mal in Lauchstädt spielen zu lassen, Rücksicht gefunden, da man sich wegen der zu bestimmenden Tage wohl hätte vereinigen können.
Dagegen haben wir mit einigem Bedauern bemerkt, daß Hochdieselben das Schreiben des Beamten zu Lauchstädt vom 23. October vorigen Jahres und die darin enthaltenen Bedingungspuncte wieder in Anregung gebracht, da doch dieselben von der Art sind, daß sie der gegenwärtigen Einleitung des Geschäftes eine ganz andere Wendung geben. Denn wenn erstlich eine genauere Bestimmung der Zeit zur [264] Eröffnung und Schließung der Bühne verlangt wird, so daß erstere wenigstens in den ersten 8. Tagen des Monats Juni und letztere allererst in den letzten 14. Tagen des Monats August statt fände, so ist man dießseits außer stand dergleichen Termine festzusetzen, sowohl, weil sich nicht voraussehen läßt welche Hindernisse vorfallen können die eine spätere Absendung von Weimar, und eine frühere Zurückberufung der Gesellschaft nöthig machen, als auch weil unsere neuere Verbindung mit Halle uns nicht völlig freye Hand läßt, nach eigenen Wünschen in diesen Stücke gefällig seyn.
Was den zweyten Punct betrifft, daß nämlich die Preise der Plätze im Schauspielhause herabgesetzt werden möchten; so ist man auch hierin zu willfahren außer Stande. Den wenn man von einer Seite den großen Kostenaufwand erwägt, welchen die Reise und der auswärtige Aufenthalt der Gesellschaft jedesmal verursacht, von der andern Seite hingegen die Abnahme der Badegäste in Lauchstädt und die geringere Theilnahme der umliegenden Orte bedenckt, so läßt sich, nach Anlaß der schon gemachten Erfahrung, mit ziemlicher Gewißheit voraussehen, daß bey Verminderung der Preise, der schon erlittene Schade durch einen künftigen noch möchte übertroffen werden.
Wäre nun auch der 3. Punct, was den Vertrieb der Erfrischungen im Schauspielhause betrifft, eher zu erledigen, so würde doch der 4. [265] daß der Gesellschaft während ihres Lauchstädter Aufenthalts die Aufführung theatralischer Vorstellungen in der Nähe zu verbieten sey, bey den gegenwärtigen Umständen und der veränderten Lage der Dinge nicht auszuführen seyn.
Wir sehen uns daher nicht in geringe Verlegenheit gesetzt und haben nach mehrmaliger Betrachtung der Sache Ew. Hochwohl- und Wohlgebor. folgende Vorschläge zu thun, beyden Theilen für das räthlichste gefunden.
Wir würden nämlich von dem Gesuche einer gnädigsten Concession für die Weimarische Hofschauspieler Gesellschaft allenfalls vorerst abstehen, und es sogar mit Dank erkennen, wenn Hochdieselben irgend eine andere Schauspieler-Gesellschaft an den Ort berufen und ihr die Erlaubniß daselbst zu spielen ertheilen wollten. Wir würden derselben gern das von und erbaute Schauspielhaus um einen billigen Preis pacht-oder miethweise überlassen, und uns um so mehr damit begnügen, als eine solche Gesellschaft theils mit wenigeren Kosten in die Unternehmung eingehen, theils auch ihre Neuheit das Publicum zu fleißigem Besuch anreizen könnte.
Sollte jedoch ein solches Arrangement Ew. Hochwohl- und Wohlgeb. Nicht conveniren, oder wegen verschiedener Zufälligkeiten nicht zustande kommen, so sind wir vorerst nicht abgeneigt, auch ohne förmliche Concession, von Zeit zu Zeit in Lauchstädt einige Vorstellung [266] zu geben, um dadurch zu zeigen wie angelegen es uns sey auf jede Weise das frühere Verhältniß nicht völlig zu trennen, sondern in einer solchen Verbindung zu beharren welche nach Zeit und Umständen sich wohl auch wieder fester knüpfen ließe.
Die wir pp.
Weimar den 26. Januar 1812.
22/6256.
Daß Ihr liebes Paket, verehrter Freund, am 16. December glücklich angekommen, hätte ich längst vermelden sollen; allein ich wartete auf Gelegenheit die sich mir jetzt darbietet, indem der geschickte Landschaftmaler von Royden, ein Casseler, der sich eine Zeit lang bey uns aufgehalten, nunmehr wieder zurückgeht, und diesen Brief und was ich ihm vielleicht beylegen kann, sehr gerne mitnehmen wird.
Vor allen Dingen haben Sie herzlichen Dank, daß Sie meinem biographischen Versuch soviel Theilnahme gegönnt, die ich zwar erwarten durfte. Denn indem ich mir jene Zeiten zurückrufe, und die Gegenstände, die sich mir in der Erinnerung darbieten, zusammenarbeite, gedenke ich meiner abwesenden Freunde als wenn sie gegenwärtig wären, glaube meine Reden an sie zu richten und kann wohl für das Geschriebene eine gute Ausnahme hoffen.
[267] Bey der Art, wie ich die Sache behandle, mußte nothwendig die Wirkung erscheinen, daß Jeder der das Büchlein liest, mit Gewalt auf sich selbst und seine jüngern Jahre zurückgeführt wird. Es freute mich diese Wirkung, die ich nicht beyzweckte aber doch voraussah, auch an Ihnen so vollkommen erfolgt zu sehen, und ich danke Ihnen recht sehr, daß sie mich bey dieser Gelegenheit einen Blick in Ihre Jugendjahre thun lassen. Am zweyten Bande ist schon viel geschrieben und in einigen hübschen ruhigen Monaten wird er wohl zu Stande kommen. Es wird schwer seyn ihm die Mannigfaltigkeit und Anmuth des ersten zu geben. Die Epochen die er umfaßt, sind eher stockend als vorschreitend, indessen wollen wir unser Mögliches thun, vorzüglich aber auf den dritten Band verweisen, der desto lustiger werden soll.
Was das Geräms betrifft, wornach Sie fragen, so kann man, wie Sie schon vermuthen, sich den Ursprung desselben am ersten denken, wenn man sich vorstellt, wie zur Sommerzeit Bürgersleute Stühle und Bänke vor ihre Häuser setzten, wo sie unter den weit vorspringenden Überhängen der obern Stockwerke, sogar bey einem mäßigen Regen, ruhig sitzen konnten. Hatte man so durch gedachte Überhänge und durch das oben vorspringende Dach schon in die Rechte der Straße gleichsam Eingriffe gethan; so lag es, besonders in weniger polizeylichen Zeiten, ganz nahe, sich einen hölzernen Käfich herauszubauen, um nicht [268] den Augen jedes Vorübergehenden ausgesetzt zu seyn. Dieses Geräms war wirklich meistentheils oben offen weil es von jenen Überhängen genugsam bedeckt war. Es hing durch eine besondere Thüre mit dem Hausflur zusammen, welche Nachts eben so sorgfältig als die Hausthüre selbst verschlossen wurde. Dieses Geräms war für die Familie um so wichtiger, als man in jenen Zeiten oft die Küchen nach der Straße zu, die Zimmer aber nach den Höfen zu anlegte, wodurch die Häuser sämmltich eine burgartige Gestalt erhielten und man nur durch das gedachte Geräms eine gewisse Communication mit der Straße und dem Öffentlichen gewann. So viel von diesem unarchitectonischen Theil altreichstädtischer Bauart.
Sehr großen Dank bin ich Ihnen zunächst für das Fragment aus dem Werke der Frau von Staël schuldig. Ich hatte davon gehört, es war uns auch versprochen; aber ohne Ihre freundliche Sendung würde ich es bis jetzt noch nicht gesehen haben. Da ich mich selbst ziemlich zu kennen glaube, so finde ich einige recht gute Aperçüs darin, und ich kann es um so mehr nutzen, als sie mir das alles, und zwar noch derber und lebhafter, ins Gesicht gesagt hat. Ihre Gesinnung über meine kleineren Arbeiten kannte ich auch zum Theil, und was sie bey dieser Gelegenheit sagt, ist recht hübsch und dankenswerth, obgleich auf diesem Wege freylich kein erschöpfendes Urtheil zu erwarten ist.
[269] Breguets Mémoire war mir sehr merkwürdig, da ich selbst eben wieder in solchen hyperphysischen Betrachtungen stak. Es weht eine gewisse deutsch Luft darin, und wie sollte nicht, bey so mannigfaltiger Communication einiges, oder vielmehr das eigentlich Tüchtige und Zulängliche, was wie besitzen, hinüberbringen und wirken. Es würde mich zu weit führen auch nur einigermaßen darüber zu sprechen; doch ist es merkwürdig, die von Jahrhundert zu Jahrhundert sich alles mehr begeistet und belebt, eins ins andere greift und keins ohne das andre bleiben will. Von Spinoza, der das Ganze aus Gedanke und Ausdehnung bildet, bis zu diesem Freunde, der es durch Bewegung und Willen hervorbringt, welche hübsche Filiation und Steigerung der Denkweisen würde sich aufzeichnen lassen! Ich breche ab, um nicht weiter in dieses Labyrinth einzulassen, in welchem man eigentlich nur an seinen eigenen Faden von einem geliebten Knaul abgebunden sich ein- und ausfinden kann.
Damit Sie aber nicht glauben, daß ich mich allzusehr in jene abstrusen Regionen verliere, so will ich berichten, daß ein Theil des Winters damit zugebracht worden das Shakespearische Stück Romeo und Julie zu concentriren, und diesen in seinen Haupttheilen so herrlich behandelten Stoff von allen Fremdartigen zu reinigen: welches, obgleich an sich sehr schätzbar, doch eigentlich einer frühern Zeit und einer fremden[270] Nation angehört, die es gegenwärtig selbst nicht einmal mehr brauchen kann. Zum 30. Januar, als dem Geburtstag der Herzoginn, haben wir es zum erstenmal und nachher wieder mit vieler Theilnahme des Publicums gegeben; welche sich um so mehr erwarten ließ, als die Rollen durchaus, besonders aber die Hauptrollen, den Schauspielern recht auf den Leib paßten. Diese Arbeit war ein großes Studium für mich, und ich habe wohl niemals dem Spakespear tiefer in sein Talent hineingeblickt; aber er, wie alles Letzte, bleibt denn doch unergründlich.
Nun folgte ich gerne Ihrem Beyspiel und legte auch etwas bey, was Ihnen Freude machen könnte; ich finde aber nichts bey der Hand und kann mir auch nichts ausdenken. Verzeihen Sie daher, wenn ich gerade das Umgekehrte thue, und eine Bitte hinzufüge. Aus beyliegendem Verzeichniß sehen Sie, daß meine Sammlung von Handschriften ziemlich angewachsen ist; ja ich habe deren noch ein paar Hundert mehr. Wäre es möglich, durch Ihre so mannigfaltigsten Connexionen mir besonders zu einigen Blättchen bedeutender älterer und neuerer Franzosen zu verhelfen; so würden Sie mich sehr glücklich machen. Die Sammlung ist nun schon so groß, daß man über die Handschriften der Nationen, der Zeiten so wie der Individuen, welche solche modificiren, einiges aussprechen kann; und alles ist zu unserer Zeit noch einmal so viel werth, was uns im Stillen [271] mit vertrauten Freunden zu geistreicher Unterhaltung dient.
Nun das wichtigste zum Schluß, daß Herr Baron von St. Aignan als bevollmächtigter Minister an den Herzogl. Sächsischen Höfen angelangt und bey uns sein Creditiv zuerst producirt hat.
Eigenhändig füge ich noch einiges Vertrauliche hinzu.
Herr v. St. Aignan zeigt sich in diesen ersten Tagen seinem Rufe gemäß als ein angenehmer, ernst-still aufmerckender Mann, seine ersten Schritte sind würdig, mäßig und lassen das Beste hoffen.
Den Zweck seiner Sendung kennen Sie am besten, da Sie eine gleiche an die Anhältischen, Lippischen pp. Häuser haben. Aufrichtig gesprochen; so glaube ich daß alles darauf ankommt daß man sich mit der Truppenstellung willfährig und thätig erzeige und dann möchte das Übrige alles gut seyn. Wollten Sie mir gelegentlich einige Wincke geben; so würde ich sie zum Besten benutzen. Ich habe mich zwar von den Geschäften losgesagt, aber mit einiger Kenntniß und gutem Willen läßt sich doch manches lencken und befördern. Leben Sie recht wohl, mein verehrtester Freund und erhalten mir Ihre Liebe und Zutrauen.
W. d. 13. Febr. 1812.
G.
[272] 22/6257.
Mehr noch als sonst bedarf ich gegenwärtig einer äußern Anregung, wenn ich mich entfernten Freunden schriftlich mittheilen und meine Briefschulden abtragen soll. Ich ergreife daher mit Freuden die Gelegenheit, da der verdiente Landschaftsmaler Herr von Rohden in diesen Tagen uns verläßt, nachdem er uns sein schönes Talent zu bewundern gegeben, um Ew. Wohlgebor. für Ihr letztes Schreiben vom 8. October den aufrichtigsten Dank abzustatten.
Daß ich Übersendung der Pietra fungaja Ihnen etwas angenehmes erzeigen können, macht mir große Freude. Es ist wirklich ein merkwürdiges Naturproduct, und es verdrießt mich nur, daß ich nicht ein Stück abgesägt, ehe ich die Masse in er Erde legte; aber ich fürchtete mich daran zu vergreifen, und hatte keinen Anlaß zu denken, daß dieses schwere steinartige Wesen in allen seinen Theilen aufschwellen und zerfallen würde anstatt uns mit einer Schwamm Vegetation zu beglücken.
Die in Ew. Wohlgebornen Briefe angeführten Stellen, wo dieses Naturproductes gedacht wird, waren mir sehr belehrend. Ich werde sie unserm Bergrath Voigt mittheilen, an welchen ich auch die beyliegenden Papiere gelegentlich zurückzusenden bitte. Daß ich diesem Braven Mann in den ersten [273] Bildungs- und Prüfungsjahren einigermaßen nützlich seyn können, ist mir sehr erwünscht. Ich hoffe, daß er seinen Weg treulich verfolgen wird. Besonders hat ihm sein letzter Aufenthalt in Göttingen sehr genutzt, und er sieht den Vortheil, der ihm dadurch zuwächst, daß er bey seinen Wintervorlesungen Ihr Compendium zum Grunde gelegt hat, recht wohl ein, und wird sich desselben gewiß niemals wieder begeben.
Der in meiner Handschriftsammlung ohnehin sehr magere Buchstabe Z. ist durch Ihren gütigen Beytrag sehr wichtig geworden. Die Hand eines so bedeutenden Mannes, ein Concept in einer für ihn so wichtigen Sache ist ein Document, welches der Aufbewahrung in jedem Archiv werth ist. – Schon früher dankte ich Ihnen die wichtigsten Beyträge; haben Sie die Güte auch fernerhin an sich zu denken.
Die beygelegte Druckschrift hat mich so manche Belehrung erinnert, die wir Ihnen schuldig sind, und zugleich mit manchem Neuen auf das anmuthigste gemacht und ich bin für deren Mittheilung wahrhaft verbunden.
Mein Sohn, der ganze treulich und ernsthaft referirend im Cammer-Collegio sitzt, fühlt manchmal, eh man sichs vermuthet, eine ganz besondre Begierde, Ew. Wohlgebor. wieder einmal zu besuchen, und ich erwarte, daß er sich nächstens, wenn Wetter und Weg anlockender sind, zu Pferde setzt und Sie seiner [274] Gegenwart überrascht. Durch Herrn Bergrath Voigt habe ich mit Vergnügen vernommen, daß Sie mit Ihren nahen und entfernten Lieben sich bey guter Gesundheit befinden.
Mich angelegentlichst empfehlend
W. d. 15. Febr.
Goethe.
22/6258.
[Concept.]
[Weimar, etwa 15. Februar.]
Madame la Duchesse,
La réputation brillante de Monsieur la Baron de St. Aignan l'avoit précédé dans nos murs, et me faisoit désirer bien ardemment de faire la connoissance de cet homme estimable, mais que j'étois loin de prévoir que son arrivée seroit pur moi d'un si grand prix! En effect jamais Ambassadeur a-t-il été, comme lui, porteur d'un don si charmant! Aussi la présence de cet aimable Seigneur a-t-elle doublé de charmes pour moi, lorsqu' après les premiers compliments, il me remit de Votre part un souvenir qui me sera cher à jamais.
Je l'ai devant moi ce chef-d'oeuvre de l'art moderne; je puise pour la première et la dernière fois dans ce vase précieux les caractères de la présente lettre, mais ensuite il sera déposé et conservé avec [275] Gratitude parmi ce que je puis avoir en être le plus bel ornement.
Vous Vous peindrez facilement, Madame la Duchesse, l'attendrissement que j'ai éprouvé, en recevant ce témoignage de Votre bienveillance, si Vous daignez Vous convaincre que ce n'est qu'est qu'avec le plus vif intérêt que je me rapèle les heureux instants, où je n'aie pu Vos douleurs, mais je ne saurois Vous cacher les larmes sincères que je donne à la mort prématurée de Votre auguste époux. Mon affliction est aussi profonde que est aussi profonde que celle des siens; car si, loin ce grand homme m'ont inspiré admiration la plus juste, près de lui, son humanité a rendu le digne objet de mon affection la plus tendre, et je me fais un devoir bien doux de reconnoître en lui mon sauveur dans des tems plus fortunés. Je ne puis sonder sans émotion avec quelle bienveillance et affabilité il me fit ses adieux; il me pressa avec tant de cordialité d'aller à Paris goûter le bonheur de Vous faire ma cour, que l'impossibilité seule de éloigner du lieu de ma demeure m'a empêché de me rendre à une invitation si gracieuse, qui n'etoit rien moins qu'un ordre à mes yeux.
Quelque diffus que je sois déjà, je ne laisse pas
[276] de regretter de ne pouvoir m'étendre plus long sur mes sentiments, et je termine, en Vous assurant que je suis avec le plus profond respect
Madame de Duchesse
Votre très humble et
très obéissant serviteur
22/6259.
Ew. Excellenz nehme mir die Freiheit ein kleines Actenstück zu übersenden, mit der gehorsamsten Bitte demselben einige Blicke zu gönnen.
Seit Anwesenheit des Professor Döbereiner und Anschaffung des Göttlingischen Apparats, war dasjenige mehrmals zur Sprache gekommen, was an unserem physisch-chemischen Instrumenten-Vorrathe noch allenfalls abgehen möchte, worüber man denn, nachdem das Vorhandene aufgestellt und geordnet war, noch klarer werden mußte.
Zwar hatte schon hierüber Doctor Seebeck bey seiner Durchreise im Sommer sein Gutachten abgegeben, allein da ich mir eine speciellere Kenntiß dieser Dinge nicht anmaße, noch mehr weil ich voraus sah daß ein ansehnlicher Kostenaufwand zu dieser Anstalt erforderlich sey; so ließ ich die Sache auf sich beruhen, irgend eine äußere günstige Veranlassung erwartend.
[277] Diese fand sich nun indem Doctor Seebeck bey seiner Rückreise bey mir einsprach, da ich denn die Desiderata mit ihm Stück vor Stück durchging.
Zufälliger Weise befand sich der hiesige geschickte Hofmechanicus Körner in Jena, und ich verfügte mich mit Doctor Seebeck dahin um in seiner Gegenwart mit Professor Döbereiner, den Hofmechanicis Körner und Otteny, dem Hofkupferschmidt Pflug und anderen die Sache durchzusprechen, damit klar würde worin die Bedürfnisse eigentlich bestehen, und wie hoch der Aufwand dieselben sich belaufen könnte.
Beydes liegt nunmehr in dem gegenwärtigen Actenfascikel am Tage und wird sich von Zeit zu Zeit noch mehr aufklären; denn die Ew. Excellenz aus dem Verhandelten sehen werden; so ist nicht allein bey dieser Expedition die Untersuchung vorgenommen worden, was zu leisten sey und was das zu leistende allenfalls für Kosten machen könnte, sondern man ist auch mit Anstalten und Bestellungen vorgeschritten, damit sobald als möglich etwas geleistet werde.
Dieses letztere würde zu unternehmen ich nicht gewagt haben, wenn mir nicht gelungen wäre, durch eine zwar nicht künstliche, aber doch glückliche Operation, das zu diesem Zweck nöthige Capital anzuschaffen, und zugleich für die Interessen und den Amortisationsfonds Mittel zu finden.
In diesem Betracht werden mir Ew. Excellenz meine Voreiligkeit verzeihen, und mir erlauben daß[278] Ich mein kleines Finanzgeheimniß bey mir noch einige Zeit im Stillen bewahre.
Wie aus den gegenwärtigen Acten zu ersehen ist kann alles vor Michael beysammen seyn, da ich denn wünsche daß Ew. Excellenz auf die vollständigere Einrichtung unserer Museen einen freundlichen Blick werfen möchten.
W. d. 16. Febr. 1812.
Goethe.
[398] 22/6259a.
[Concept.]
– – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – – –
Vorstehendes war geschrieben als Ihr werther Brief vom 5ten dieses Monats anlangte, und ich verfehle nicht Serenissimo unterthänigen Vortrag daraus zu thun. Es thut mir aber leid, daß ich keine Ihren Wünschen gemäße Resolution vermelden kann. Durchl. des Herzogs Reise zu seiner Frau Tochter hat sich verspätet und möchte nunmehr gerade in jene Zeit fallen, in welcher Sie hier einzutreffen gedenken. Nicht gerechnet, daß sonst noch bey Hofe einiges Veränderliche vorkommen könnte. Was unser Publicum betrifft, so ist es, wie Sie selbst wissen, nicht groß genug, um einen solchen Künstler nach Würden zu honoriren. Unter diesen Umständen sehe ich mich, obwohl sehr ungern, genöthigt die vorgehabte Reise hieher eher ab- als anzurathen, weil der Erfolg derselben nicht zu garantiren ist, und ich nicht wünsche daß Sie einen Ort, wo Sie so geschätzt werden, und mit dem Sie bisher immer zufrieden gewesen sind, mit einer unangenehmen Empfindung verließen.
Der ich mich, wie immer, mit ganz vorzüglicher Hochachtung unterzeichne.
Weimar den 17. Februar 1812.
[278] 22/6260.
Ew. Wohlgeboren
werden aus gegenwärtigem mit Vergnügen ersehen, daß ich unser bisher ruhendes Geschäft wieder in Bewegung zu setzen im Fall bin.
Für das schon mehrmal besprochene Gefäß von reinem Silber wurde der Betrag von 20 Laubthalern verlangt, welcher ungefähr 30 Rthlr. sächsisch ausmacht. Der Rent-Commissarius Kühn hat die Ordre, Ew. Wohlgeboren so viel auszuzahlen, und ich wünsche daß Dieselben baldmöglichst zur Arbeit schreiten und die chemische Reinigung des Metalls vornehmen mögen. Ist dieses geschehen, so erbitte mir einige Nachricht, um das weitere anordnen zu können.
Nicht weniger wünsche ich zu wissen, ob Ew. Wohlgeboren in dem Zeitraume daß ich nicht das Vergnügen gehabt Sie zu sehen, Zeit und Gelegenheit[279] gefunden, etwas für die chemische Präparaten-Sammlung zu thun.
Das übrige habe nicht aus der Acht gelassen.
Ew. Wohlgeboren
W. den. 17. Febr.
ergebenster Diener
1812.
Goethe.
22/6261.
Pro voto.
Das Mißverhältniß des Bassisten Stromeyer zu herzogl. Theater-Commission tritt, bey seinem gegenwärtigem Urlaubsbesuch, abermals hervor, und mich will bedünken daß es Pflicht der Commission sey deshalb einen unterthänigsten Vortrag zu thun.
Seitdem gedachtem Stromeyer gestattet worden auswärts Gastrollen zu geben, haben die Schauspieler, welche neue Contracte gemacht, sich dieselbe Vergünstigung ausbedungen und in wenigen Jahren wird man alle bedeutende Glieder unserer Bühne eines gleichen Vorzugs genießen sehen.
Damit jedoch bey solchen Abwesenheiten das Theater das was ihm obliegt zu leisten im Stande sey, hat die Commission verschiedene Einschränkungen festgesetzt, worunter besonders diese sich befindet, daß die Bestimmung der Zeit von ihr abhängen müsse und kein Urlaub im Winter verlangt werden könne.
[280] Nun ist die Epoche in welcher die Mitglieder des Theaters am wenigsten zu entbehren sind gerade das erste Drittel eines Jahres, weil neuen Jahres, weil man in demselben, theils die bedeutendsten Vorstellungen erwarten kann, theils neue Stücke für den Sommer einzulernen sind. Man hat auch schon einige solche Gesuche in dem neuen Jahre abgelehnt, und wir brauchen nicht zu wiederholen daß alle Mitglieder eines Theaters gleiche Rechte und oft mit Ungestüm fordern.
Allein es tritt in diesem Falle noch eine wichtigere Betrachtung ein. Es hat nämlich Stromeyer im vorigen Sommer zu einer Reise nach Töplitz Urlaub erhalten, jedoch nur unter der Bedingung, daß die darauf zu verwendende Zeit für die ihm contractmäßig zugestandene Urlaubsfrist gelten sollte. Nun will er aber jenes zehnwöchentliche Außenbleiben nicht angerechnet wissen, sondern vielmehr soll sein gegenwärtig geforderter Urlaub noch fürs vorige Jahr gelten, wodurch er nicht undeutlich zu verstehen giebt daß er noch einen zweyten in diesem Jahre sich vorbehalte. Sollen nun solche Vergünstigungen bey uns eingeführt werden; so würde wohl schwerlich das Theater zu irgend einer Zeit zusammen zu halten seyn, und wir würden, wie andere Bühnen, in den unglücklichen Fall gesetzt, durch kostspielige Herbeyrufung fremder Schauspieler, die Abwesenheit der unsrigen einigermaßen zu vergüten. Was für eine Verwirrung, Zerstörung, ja Auflösung der Bühne [281] daraus folge, hat die Erfahrung mehrere Theater gelehrt, welche sich gegenwärtig vergebens über ein Übel beklagen das sie sich selbst zugezogen haben.
Hiezu tritt noch eine Betrachtung die aus unserer Besondern Lage entspringt, daß nämlich die Nähe von Leipzig uns eigens gefährlich ist; denn es könnte dem Director Seconda nichts erwünschter seyn als ein gebildetes Theater wie das Weimarische an der Hand zu haben, und auf unsere Kosten seinen Winter zu schmücken und zu benutzen.
Aus allen diesem geht hervor daß herzogliche Commission mehrgedachtem Stromeyer den Urlaub zu versagen vollkommen Ursache hat.
Da es scheint, daß Durchlaucht dieses Mannes Gesuch zu begünstigen geneigt sind; so halte ich davor daß es unsere Schuldigkeit sey, unsere oft erprobte Willfährigkeit und Deferenz gegen höchste Wünsche und Befehle auch in diesem Falle zu zeigen und Vorschläge zu thun, wie für jetzt und künftig sowohl das Ansehn der Commission, als das Wohl des Theaters salvirt werden könne.
Meo voto können Serenissimus auf einmal der Sache abhülfliche Maße geben, wenn Sie den Sänger Stromeyer ganz und gar unseren Befehlen und Anordnungen entnähmen und denselben dem Hofmarschallamte, an welches er als Cammerfänger ohnehin gewiesen ist, völlig untergäben, da es denn von Höchstderoselben Willen ganz allein abhängen würde, ohne[282] andere Rücksichten, dem Urlaubsgesuche gedachten Mannes nach eigenem höchsten Ermessen zu deferiren, ingleichen zu bestimmen, in welchen Opern er zu gebrauchen und wo er hingegen zu verschonen sey. Was die Theatercasse zu dessen Unterhaltung bisher gegeben, wurde an die Hofcasse gezahlt, und er erhielte von dorther dasjenige was ihm durch seinen Contract zugebilligt worden.
Herzogl. Commission käme außer aller Verantwortung und das höchst unangenehme Verhältniß zu einem Untergebenen, der kein Untergebener ist, würde dadurch beseitigt. Und warum sollten wir es nicht aussprechen, da es ja notorisch ist, daß gedachter Cammersänger Stromeyer uns schon längst nicht mehr als seine Vorgesetzten betrachtet, und durchaus nach seiner Willkür, ja oft zu unserem Respect zu handeln pflegt, wovon die einzelnen Data zu detailliren ein allzu unangenehmes Geschäft seyn würde.
Durch jenen oben gewünschte gnädigste Anordnung entstünde daher nichts neues, vielmehr würde nur dasjenige was wir bisher erdulten müssen, zu unserer Zufriedenheit, sanctionirt und wir würden auch sehr gerne in Zukunft gleichsam bittweise die Dienste dieses Mannes aufrufen, dem man, bey seinen schönen Naturgaben und einem immer mehr ausgebildeten Talente, eine solche Absonderung und Auszeichnung nicht beneiden dürfte. Commissio dagegen könnte in Ihrem Kreise fortfahren mit Ernst auf Anordnungen zu [283] halten deren Werth sie seit vielen Jahren erprobt hat. Ich gebe willig besseren Vorschlägen nach, nur daß dadurch die Halbheit des bisherigen Verhältnisses aufgehoben werde.
Weimar den 18. Februar 1812.
Goethe.
22/6262.
Außer dem, warum ich Ew. Wohlgeboren in einem Briefe, den Sie durch Herrn p. Kühn erhalten werden, schon ersuche, wünschte ich noch über Nachstehendes einige Auskunft.
Nachdem der Hofmechanikus Körner seine bisherigen Arbeiten geendigt: so will er sich ernstlich an die Verfertigung der Luftpumpe halten, so daß sie wohl noch vor Johannis vollendet seyn könnte. Den dazu gehörigen physikalischen Apparat verspricht er zu liefern, wünscht aber zugleich zu erfahren, ob Ew. Wohlgeboren zu chemischen Versuchen noch irgend etwas Besonders und Außerordentliches von Apparat verlangen, worauf vielleicht bey der ersten Anlage zu denken seyn möchte. Wollten Sie die Gefälligkeit haben, hierüber einen kleinen Aufsatz zu schreiben und mit solchen mitzutheilen, damit ich das nöthige besorgen könne. Körner macht vor allen Dingen eine Zeichnung des Instruments in der wirklichen Größe. Dazu wird er eine Punctation einreichen, auf welche[284] der förmliche Contract mit ihm abgeschlossen wird. Ehe dieses geschieht, werde ich mit Ew. Wohlgeboren conferiren, damit alles nach Wunsch ausfalle.
Der ich recht wohl zu leben wünsche und mich zu geneigtem Andenken empfehle
Weimar den 19. Februar 1812.
Goethe.
22/6263.
Wenn ich Ew. Wohlgebornen lange nicht geschrieben, so ist das kleine Heft schuld daran, das ich hier beylege. Ich konnte darüber nicht gleich mit mir einig werden; um aber Briefe und Sendung nicht lange zurückhalten, will ich mich darüber, so gut ich weiß und kann, erklären, wenn ich Ihnen vorher für Ihr freundliches Andenken zum neuen Jahre meinen Dank gesagt und Ihre Wünsche herzlich erwiedert habe.
Herr von Varnhagen, als er mir die gedachten Blätter schickte, meldete mir, daß Sie von seiner Absicht, dieselben drucken zu lassen, unterrichtet seyen, daß Sie aber meine Einwilligung dazu verlangten.
Nun möchte es freylich bedenklich scheinen, daß Jemand zu Publication einer Schrift, worin soviel Gutes von ihm gesagt wird, förmlich seine Consens gebe; allein ich ehre sowohl Ihre als Herrn von Varnhagens Gesinnung nichts der Art ohne mein Wissen[285] vorzunehmen. Bedenke ich aber dagegen, daß seit so vielen Jahren gar manches für mich und gegen mich publicirt worden, und daß ich Niemanden je gehindert habe, übels von mir zu sagen; so sehe ich nicht ein, warum ich mich widersetzen sollte; wenn Jemand das Gute was er von mir denkt, öffentlich bekennen will, und hier um so weniger, da doch auch in diesen Hefte manches an mir und meinen Arbeiten für problematisch, ja für tadelnswerth gehalten wird. Ich überlasse also Ew. Wohlgebornen völlig, welchen Gebrauch Sie von diesen Blättern machen wollen; nur bitte ich, Herr von Varnhagen zu benachrichtigen, daß solche in Ihren Händen sind.
Wie diese Blätter zu publiciren, wüßte ich kaum zu sagen. Sie sind zwar eng geschrieben, aber würden doch gedruckt nur ein geringes Heft ausmachen. In den Damen-Calender passen sie kaum, am wenigsten aber ins Morgenblatt, wo ich sie auf keine Weise zu sehen wünschte. Wollte man sie einzeln herausgeben, so müßten sie niedlich, ja splendid gedruckt seyn, um eine Art von äußerm Ansehn zu erhalten. Als eine ohne typographischen Schmuck, hinausgeworfene Broschüre würde ich sie abscheulich finden. So wäre denn die Correctur und Revision aufs genauste zu besorgen, da ohngeachtet der scharfen Hand, doch manche Buchstaben ein Versehen möglich machen. Vielleicht sagen Sie mir über alles das Ihre Gedanken, ehe Sie zu Werke schreiten.
[286] Diesen Winter habe ich mich mehr als ich erwünschte und dachte, mit dem Theater beschäftigt und eine Redaction von Shakspeares Romeo und Julie vorgenommen. Sie hat mir viel Zeit gekostet; die Aufführung am 30. Januar aber ist auch besonders geglückt. Der einzige Gewinn ist, daß wir ein Stück auf dem Repertorio mehr haben, welches jährlich einige Male wiederholt werden kann, und dieß ist jetzt für ein deutsches Theater schon ein Großes, da alles täglich ephemerer zu werden scheint. Für den Druck ist das Stück nicht geeignet, auch möchte ich denen abgöttischen Übersetzern und Conservatoren Shakespeares nicht gern einen Gegenstand hingeben, an dem sie ihren Dünkel auslassen können.
Ich setze nichts weiter hinzu, damit diese Sendung nicht abermals liegen bleibe. Da sie aber ohnehin über das Volumen eines Briefes hinausgeht, so lege ich einige Verzeichnisse meiner Handschrift-Sammlung bey, mit inständiger Bitte, mir von der Hand Ihrer älteren und neuern schwäbischen bedeutenden Männer einige Zeilen zu verschaffen. So fehlt mir z.B. Spittler und Kielmeyer. Vielleicht theilte letzterer, wenn Sie ihn von mir schönstens grüßten und ersuchten, etwas von Cuvier mit, von dem er mehrere Briefe besitzt. Sollte es nicht irgend ein älteres oder neueres Tübinger Stammbuch geben? Auch Hebels Handschrift, vielleicht eins seiner Gedichte von seiner Hand, wäre mir sehr erwünscht.
[287] Für dießmal schließ ich, in der Hoffnung bald wieder von Ihnen etwas zu hören, daß Sie recht wohl befinden und daß Ihre Geschäfte erwünscht fortschreiten. Ich empfehle mich einem geneigtem Andenken und sehe der Zeit mit Vergnügen entgegen da ich Sie wieder hier an Ort und Stelle begrüßen werde. Allen Freunden wünsche ich durch Sie empfohlen zu seyn.
Weimar
den 21. Februar
1812.
Goethe.
22/6264.
Mit dem verbindlichsten Danke, daß Ew. Wohlgeboren sich wegen Romeo und Julie die Mühe nehmen wollen erwiedere ich daß ich für das Stück 600 Rth. Sächsisch zu erhalten wünsche. Es sey nun daß 12 Theater jedes 50. Rth. zahlen, oder welches mir lieber wäre, daß die Berliner Oberdirection es gefällig übernehme und an mich jene Summe im Ganzen entrichtete. Ich würde mich alsdann verpflichten niemals an ein Theater eine Abschrift zu geben und unter drey Jahren es nicht drucken zu lassen.
Auch erbiete ich mich, da auf manchen Theatern der Mönch nicht als solcher erschienen darf, den Pater Lorenzo in einen Arzt zu verwandeln, indem ich dem Manuscripte [288] wie wir es hier gespielt, die nöthigen Veränderungen besonders beylege.
Mich bestens empfehlend und abermals zum schönsten dankend
W. d. 22. Febr. 1812.
Goethe.
22/6265.
Seinem verehrten Freunde, Herrn Professor Zelter in Berlin, empfiehlt mit den besten Grüßen und Wünschen, Madame Pollet, eine vorzügliche Harfenspielerinn, sich zu freundlichem Andenken empfehlend
Weimar den 27. Februar 1812.
J. W. v. Goethe.
22/6266.
Ew. Wohlgeboren
muß ich freylich mit einiger Beschämung bekennen, daß sich noch ein Brief von Ihnen vom 27. August vorigen Jahres unter den unbeantworteten Briefen befindet, die sich leider bey mir sehr aufgehäuft haben.
Zur Entschuldigung mag im Allgemeinen die Stockung dienen, die sich jeder Art von Correspondenz bemächtigt hat. Empfangen Sie daher recht vielen Dank, daß Sie auf eine so freundliche Weise das Stillschweigen brechen, und uns durch eine Gabe erfreuen, welche uns an alte Zeiten erinnert. Die köstlichen [289] Häringe sind glücklich angelangt; es waren die ersten von so guter Art, die uns seit vielen Jahren zu Gaumen gekommen.
Über die guten Nachrichten, die Sie uns von sich und der lieben Familie ertheilen, haben wir uns sehr gefreut. Wir wünschen, daß die unvermeindlichen Übel kurz und gering, das Gute dagegen desto länger und dauerhafter seyn möge.
Empfehlen Sie uns ja Ihrer liegen Gemahlinn und gedenken unser, wenn Sie sich Ihrer wackern Knaben erfreuen.
Die durch Herrn General von Haak mir zugesandten Münzen habe ich zwar spät, aber doch richtig erhalten. Ich danke zum schönsten für dieses freundliche Andenken zu Vermehrung meiner schönen Sammlung, deren erste Anfänge ich doch eigentlich Ihnen schuldig bin. Warum sind wir doch so weit auseinander, daß man sich nicht wenigstens manchmal communiciren kann, wie und worin man fortschreitet!
Die Cantate, die Sie mir überschicken, erfüllt wie mich dünkt, völlig ihren Zweck. Wenn ich etwas hätte zu rathen gehabt, so wäre es dieß, daß auch die Chöre variirt seyn möchten, damit die Wiederholungen jedesmal den Hörer durch einen neuen Reiz angeregt hätten.
Mein biographischer Versuch soll an Herrn Prediger Schütz in Bückeburg abgehen; ich wünsche daß er Ihnen wohl überkomme und mein Andenken bey Ihnen erneue.
[290] Die Meinigen grüßen alle zum schönsten. Der Cammerassessor ist seinem Amte fleißig und behaglich, da er das Geschäft mit Liebe treibt und dasjenige leisten kann, was man von ihm fordert.
Und nun leben Sie recht wohl und fahren Sie dort unser in Freundschaft zu gedenken.
Weimar den 28. Febr. 1812.
Goethe.
22/6267.
[Concept.]
[28. Februar.]
Ew. Hochwürden
erhalten hierbey, auf Anordnung des Herrn Rath Meyer in Minden, einen Octav-Band, welchen ich demselben gefällig zuzusenden bitte. Ich ergreife die Gelegenheit Dieselben zu versichern, daß ich mich noch immer mit lebhaftem Vergnügen der angenehmen und lehrreichen Stunden erinnre, die ich in Pyrmont mit Ihnen zu verleben das Glück hatte.
Mich zu geneigtem Andenken empfehlend und das Beste wünschend.
22/6268.
[28. Februar.]
Indem ich wünsche, daß beykommendes Buch glücklich bei Ihnen anlange, lege ich ein Blättchen bey, worauf meine Sammlung Autographen, wie sie[291] diesen Winter verzeichnet, geordnet ist. Können Sie mir einige Beyträge verschaffen, so wird es mir sehr angenehm seyn.
So fehlt mir Herr Schröder in Lilienthal, und gar mancher wackere Mann von Ihrer frühern Bekanntschaft.
G.
22/6269.
Möchten doch meine Hochgeehrten Herren Mitkommissarien Sich von Herrn Genast das Scandal erzählen lassen welches Eilenstein gestern in der Probe gegeben. Es wäre sodann gut wenn diese Aussage registrirt und Eilenstein vernommen würde. Einer tüchtigen Strafe kann er nicht entgehen.
d. 19. Febr. 1812.
G.
22/6270.
Es war nicht zu zweifeln daß das lustige Kleeblatt glücklich nach Jena kommen würde, es ist zu hoffen daß die übrigen Feste glücklich ablaufen. Zu rathen wäre jedoch daß die klugen Personen sich nicht weit mit den ♥ ♦ ♣ ♠ Dienern einließen, damit die Rückkehr nicht betrübt sein möge. Der Mönch hat sich über die vielen Kugeln im Siegel nicht wenig entsetzt und ersucht den Secretair seinen Schreibtisch nicht zu nah an das Zeughaus zu rücken.
[292] Übrigens wünschen wir alles Gute und siegeln gleichfalls militärisch, obgleich mit liebevollem Herzen
W. d. 29. Feb.
1812.
G.
am Tage der sobald
nicht wieder kommt.
22/6271.
Des Herrn General Direcktor einsichtigen und wohlgemeinten Vorschlag kann ich nicht anderes als danckbar annehmen. Es folgt daher sogleich ein Exemplar des Stücks. Wie ich denn auch die gefällige Mittheilung des Stücks an andre Bühnen mit Danck erkenne und die nöthigen Exemplare sogleich besorgen werde. Sollte einiges im Theaterarrangement, besonders bey der Gruftscene, Erläuterung bedürfen; so könnte eine Zeichnung nachgesendet werden. Mit Bitte mich Herrn Iffland bestens zu empfehlen.
d. 7. März 1812.
Goethe.
22/6272.
Ew. Wohlgebohren
zeige hiermit an, daß Serenissimus Montag Mittag in Jena eintreffen werden. Wollen Sie alles parat halten was sich auf Phosphoreszenz bezieht.
[293] Die dunkle Kammer im Schloßgiebel will ich bey meiner Ankunft, welche Montag Morgens seyn wird, dazu einrichten lassen.
In Hoffnung baldigen vergnügten Wiedersehens den 7. März 1812.
G.
22/6273.
Zu gedenken.
Herrn Professor Döbereiner hinterlasse ich bey meiner Abreise noch Einiges mit dem Ersuchen das Nöthige baldigst zu besorgen, damit unsere glücklich angefangenen Geschäfte einen desto rascheren Gang nehmen.
1. Lege ich das Verzeichniß desjenigen bey, was von chemischen Glasgeräthschaften Herr Oberbergrath von Einsiedel uns zu überlassen geneigt ist. Das eine Exemplar des Verzeichnisses ist dem Herrn Oberbergrath zuzustellen, das andere behält der Herr Professor, welcher die angebotenen Gegenstände ansehen, beurtheilen, und sodann in Empfang nehmen wird. Sie können einstweilen in den hintern Kammern des physischchemischen Museums aufbewahrt werden. Die Bestellung nach Paris wird sogleich besorgt.
2. Hat der Kupferschmied Pflug einigen Zweifel über die Verguldung des Papinianischen Topfs geäußert. Ich wünsche daß der Herr Professor die Sache mit ihm bespreche.
[294] 3. Sobald ich das Verzeichniß erhalte, was an Mineralien für die chemische Präparatensammlung wünschenswert wäre, werde ich für deren Beyschaffung sorgen.
4. Pflug hat den Auftrag in allem, was die Schale von reinem Silber betrifft, des Herrn Professors Anordnungen nachzukommen.
5. Das Gestelle zur galvanischen Säule wird nach der Abrede erweitert, und überhaupt alles besorgt, was die Wirksamkeit derselben bey vorzunehmenden Versuchen recht eminent machen kann.
Mich geneigtem Andenken empfehlend
Jena
Goethe.
den 12. März
1812.
22/6274.
[Concept.]
Ew. Hochwohlgeb. Erhalten hierbey eine Tabelle, woraus ersichtlich ist, was Prof. Döbereiner von denen chemischen Glaswaaren, welche Sie besitzen, zu erhalten wünscht. Es geht daraus hervor daß wir Ihnen 45 Liv. 6 Sous schuldig würden, wozu jedoch noch der Betrag des ersten Postens, von 6 Flacons bouchés de 2 pintes, von welchen der Preis nicht in der Liste stand, noch hinzuzufügen wäre. Wollten Ew. Hochwohlgeb. Nunmehr in die dazu bestimmte[295] Columne einzeichnen, was Sie von Paris zu erhalten wünschen, so würde ich das Weitere besorgen, wobey es sich von selbst verseht, daß wir, indem die Glaswaaren uns von Ihnen hier in loco und wohl conditionirt übergehen werden, sowohl die Fracht und Spesen, als auch die Gefahr des neuen Transportes zu übernehmen haben. Könnte ich diese Tabelle vor heute Abend zurückerhalten, so würde es mir angenehm seyn, weil ich morgen früh abreise. Prof. Döbereiner würde sich alsdann die Erlaubniß ausbitten, gedachte Gegenstände abzuholen. Ich lege die mir mitgetheilten Rechnungen wieder bey und empfehle mich gehorsamst. Dürfte ich wohl um einen Abdruck des geschnittenen Steins bitten von dem gestern die Rede gewesen?
Jena
den 12. März
1812.
22/6175.
[Weimar] d. 14. März 1812.
Ew. Hochwohlgeb.
haben mir Hoffnung gemacht daß Herr v. St. Aignan Sonntag früh einige Stunden bey mir zuzubringen gedencken. Er hat auch selbst einige Worte mir darüber bey Hofe gesagt. Nun weis ich aber nicht ob die Gegenwart des Marschall Ney und die augenblickliche Truppen Bewegung...
[296] 22/6276.
Hierbey sende ich, theure Freundinn, die Zeichnung welche wircklich recht hübsch und für den Zweck vollkommen geeignet ist. Ein klein wenig zusammengeruckt wird sie einen Präsentirteller recht gut auszufüllen. Der Rückkehrende Winter hält mich ab mich persönlich nach Ihrem Befinden und der Aufführung des Vögelchens zu erkundigen.
d. 16. März 1812.
G.
Die Zeichnung soll drey Thaler kosten. Die sie wohl werth ist.
22/6277.
[Concept.]
[16. (?) März.]
Erlauchter Fürst,
Hochverehrter Herr,
Die auszeichnet günstige Aufnahme welche ich Ew. Erlaucht bey meinem Aufenthalte in Dresden zu erfahren das Glück hatte, ließ mir keinen Zettel übrig, daß Hochdieselben sich meiner auch in der Abwesenheit gnädig erinnern und an dem was mir Gutes widerfahren möchte, Theil nehmen würden.
Wenn nun die K. K. Akademie der Künste in dem bedeutenden Zeitpunct, da sie sich wieder neu belebt sieht, auch meiner gedenken und mich in die Zahl[297] ihrer Mitglieder ehrenvoll aufnehmen will; so ist mir diese Glück und desto schätzbarer, als es mir durch Ew. Erlaucht verehrte Hand angekündigt und mit der Versicherung einer fortdauernden Gunst und Theilnahme begleitet wird.
Empfangen Sie daher den gefühltesten Dank und lassen mich auch für die Zukunft die Fortsetzung so erwünschter Gesinnungen hoffen. Mich mit der aufrichtigsten Verehrung unterzeichnend.
22/6278.
Hochgeborener Graf,
Hochverehrter Herr,
Daß Eure Excellenz, indem Hochdieselben den wichtigsten und dringendsten Geschäften vorstehen, Sich auch der Wissenschaften und Künste einsichtig einnehmen und sie zu hegen und zu fördern wissen, könnte mir selbst in der Ferne nicht verborgen bleiben; vielmehr war ich davon schon längst unterrichtet und erfreute mich im Stillen daran in Betrachtung des allgemeinen Besten.
Nicht leicht hätte ich jedoch denken können, daß ich das Glück haben sollte, Eurer Excellenz auch für das Glück haben sollte, Eurer Excellenz auch für die Erstreckung jener hohen Gunst auf meine Person, den gefühltesten Dank darzubringen.
[298] Wenn wir unser Leben besonderen Thätigkeiten aufopfern, und in denselben eine gewisse Fertigkeit erlangen; so wünschen wir freylich solche auszuüben und anderen damit nützlich zu seyn; und wie kann dieß besser und sicherer geschehen, als wenn Männer, in solchen Fächern geprüft, uns in ihre Mitte nehmen, und uns zu denen Vortheilen gesellen, welche nur durch eine Masse gleichwirkender zu erreichen sind. Dadurch wird denn jeder Einzelne aufgemuntert und was menschliche Lässigkeit, ungünstige Umstände, böser Wille, wohl eingeschläfert, beengt, ja gelähmt haben könnten, wieder angeregt und in Thätigkeit gesetzt.
Unendlich sind daher Eurer Excellenz Verdienste, durch Begünstigung von oben, solche Vereinigungen stiften, erneuern, erhalten ausbreiten, und beleben zu wollen.
Der hochansehnlichen K. K. Akademie der vereinigten bildenden Künste werde ich meinen lebhaftesten Dank abzutragen nicht ermangeln, ob mir gleich der Ausdruck fehlt, um hinreichend zu bezeugen, wie sehr ich entzückt bin, daß man auf eine so ehrenvolle Weise, bey einer so glänzenden Gelegenheit auch meiner gedenken und dadurch Allem was ich zu leisten im Stande bin eine neue Epoche bezeichnen mögen.
Wie ich nun hierin Eurer Excellenz verehrliche Einwirkung nicht verkennen darf, nicht weniger die Selbsteigene Ankündigung dieser schönen Gabe gewiß zu würdigen verstehe; so darf ich nicht mit vielen [299] Worten betheuern, wie werth mir diese günstigen Rücksichten seyn müssen, die ich auf irgend eine Weise thätig zu erwiedern im Stande zu seyn wünschte.
Mit der vollkommensten Verehrung mich unterzeichnend
Eurer Excellenz
Weimar
ganz gehorsamster Diener
den 16. März
J. W. v. Goethe.
1812
22/6279.
In Hoffnung Ew. Wohlgeb. Bald hier zu sehen, wobey ich besseres Wetter und Wege wünsche, sage diesmal nur das Nöthigste.
Das Barnhagensche Manuscript anbelangend, so will ich gerade nicht eigensinnig dem Morgenblat die Exclusive geben. Überlegen Sie die Sache noch einmal. Überhaupt scheinen mir manche Stellen bedencklich zu publiciren. Da die Sache keine Eile hat, so sprechen wir ja wohl erst darüber.
Die wohlfeilere Ausgabe meiner Schriften betreffend fand ich mich durch ein halbes Misverständniß gerade in Ihrem Falle. Denn da ich den technischen und merkantilischen Theil solcher Unternehmungen nicht verstehe; so wüßte ich nicht zu finden wie der mir drohende große Schade dabey abzuwenden? Wie mein Vortheil [300] mit dem Ihrigen zu verbinden sey. Ich komme mir selbst wunderlich vor wenn ich das Vortheil ausspreche. Ich habe ihn in meiner Jugend gar nicht, in der mittleren Zeit wenig beachtet und weiß selbst jetzt noch nicht recht wie es angreifen soll. Und doch muß ich daran dencken, wenn ich nicht nach einem mühsamen uns mäßigen Leben verschuldet von der Bühne abtreten will. Der Augenblick zehrt schon wieder an unserm Marck, Freude und Bekannte fallen um mich her, niemand kann dem andern beystehn. Doch wozu reden und klagen! Nur dießmal erlaubt ich mirs um Sie überzeugen daß mein Zaudern nicht aus veränderten Gesinnungen, sondern aus den veränderten Umständen sich herschreibe.
Die Exemplare von Romeo und Julie an die deutschen Theater zu vertheilen hat die Berliner Theater Direcktion übernommen. Das Stuttgarder stand mit auf der Liste. Ich wünschte guten Erfolg. Karlsbad soll mir hoff ich diesmal etwas für den Damenkalender bringen. Mich bestens empfehlend.
W. d. 17. März
1812.
Goethe.
22/6280.
Weimar den 25. März 1812.
Da wir das Glück haben, mein theuerster Freund, daß, ohngeachtet des schrecklichen Wegs, die Boten[301] noch hin und wieder gehen, so will ich nicht versäumen dir in der stillen Woche ein freundliches Wörtchen zu sagen und dir zugleich für den heute empfangenen Brief zu danken.
Der gute Riemer hat uns gestern verlassen; eine solche Trennung muß freylich einmal geschehen. Sie ward mir leichter, weil ich weiß, daß sie zu seinem Glück gereicht. Es dient ihm die gegenwärtige Stelle nur zur Vorbereitung: denn sobald die Curatoren der Academien und die Scholarchen erfahren, daß er sich dem Lehramte widmen mag, so erhält er gewiß einen Ruf über den andern und er sieht sich alsdann entweder billigermaßen verbessert, oder ehrenvoll entlassen. Möge das Letzte auch um meinetwillen ferne seyn, doch muß man daran denken und sich darauf vorbereiten.
Ich habe indeß meine biographischen Studien wieder vorgenommen, sie dienen mir zur angenehmen Unterhaltung und zu gründlicher Recapitulation meines Lebens und Wesens, und regen mich an zu mannigfaltiger Lecture alter und neuer Schriften, um mit mir meinen Gang synchronistisch, in dem Gange der Umgebung, zu denken.
Gelesen habe ich diese Tage mit viel Interesse die Briefe der Mad. Du Deffand, die Mémoires de St. Simon, und nun habe ich mich an Chateaubriand Génie du Christianisme gemacht. Das Verhältniß zu diesen Werken ist mir lebhafter und natürlicher [302] geworden durch interessante Unterredungen mit dem Baron de St. Aignan und dem General Sebastiani. Es ist ganz was anderes, wenn man solche Werke aus dem Gesichtspunkte vorzüglicher Männer von derselben Nation betrachtet, als wenn man sie nach seinem eignen Maaßstabe mit noch so vieler Billigkeit mißt.
Hier auch etwas aus Spanien. Wir legten ältere und neuere Kupferabbildungen von Granada, besonders aber vom Alhambra dem General Sebastiani und seinem Adjutanten vor. Sie haben damit zum Theil sehr zufrieden und versicherten, daß das Gebäude, ja die Bäder und die Wasserleitungen zu denselben, noch in dem besten Stande seyen, welches sie ihrer köstlichen und sorgfältigen Structur, sowohl in Absicht auf den Zuschnitt der Steine, als der Verklammerung und Verkittung derselben, zu danken hätten. General Sebastiani hat es reinigen und auf türkische Weise ausmeubliren lassen, mit Sophas, Divans, Teppichen und dgl. Die große Fontaine und deren alabasterne Löwen, welche die Schale tragen, wovon der Löwenhof den Namen hat, der in den Händeln der Zegris und Abencerragen so oft vorkommt, ist noch im ersten Stande u.s.w.
Ein Buch, welches mich erschreckt, betrübt und wieder auferbaut hat, ist von Schelling gegen Jacobi.
Nach der Art wie der Letzte sich in den sogenannten Göttlichen Dingen herausgelassen, konnte der[303] Erste freylich nicht schweigen, ob er gleich sonst zu den hartnäckigen Schweigern gehört. Wir Andern, die wir uns zur Schellingischen Seite bekennen, müssen finden, daß Jacobi sehr schlecht wegkommt. Das Buch muß die Münchner Scandale, die ohnehin kaum erst wenig beruhigt sind wieder aufs neue aufregen; doch wir können der Welt den Frieden nicht geben und wollen sehen, ob wir beym litterarischen Krieg etwas gewinnen, was bey dem andern der Fall nicht seyn kann.
G.
22/6281.
[27. März.]
Mit einem grüßenden Blätchen muß ich das Bleystift zurückschicken, damit ich wieder Credit erhalte. Es ist mir nicht gut gegangen, doch war ich fleißig. Wie führt sich der Vogel auf. So gutes Befinden als das Wetter schön ist!
G.
22/6282.
[Concept.]
Ich habe, mein werthester Herr Grüner, das an mich früher gesendete Paquet zu seiner Zeit richtig erhalten, und, ob ich gleich, nach meiner eigenen [304] Überzeugung, nicht wohl glauben konnte, daß eins der darin enthaltenen Stücke auf dem hiesigen Theater aufführbar sey, und vielleicht einseitig absprechen. Ich theilte sie daher einsichtigen Freunden mit, wodurch sich meine Antwort verzögerte.
Angeregt durch Ihren letzten Brief habe ich die Sachen wieder zurückverlangt und das Urtheil darüber mit dem meinigen einstimmig gefunden. Wir machen uns in unserer Lage durchaus das Gesetz, die vielen Stücke, die uns zugesendet werden, nicht an und für sich, sondern nur im Bezug auf unser Theater zu beurtheilen.
Ich füge auch daher nichts weiter hinzu als, daß diese Stücke, wenn Sie solche nicht früher zurückverlangen, dieses Frühjahr mit nach Carlsbad nehmen, und von da nach Wien absenden werde. Mögen Sie mir alsdann Ihr neues Stück gleichfalls dahin senden, so werde ich nicht verfehlen dasselbe gleichfalls aus diesem Gesichtspunkte zu betrachten, und meine Gedanken darüber mitzutheilen.
Da ich aus Ihrer Thätigkeit vermuthen kann, daß Sie sich wohl und glücklich fühlen, so füge ich die Versicherung meiner Theilnahme hinzu und den Wunsch einer ununterbrochenen Dauer.
Weimar
den 28. März
1812.
[305] 22/6283.
[Concept.]
Ew. Wohlgeb.
haben mir durch die Übersendung der neu entdeckten Crystalle ein besonderes Vergnügen gemacht, und ich bin Ihnen sehr dankbar, daß Sie Sich meiner bey dieser Gelegenheit haben erinnern wollen. Es ist sehr merkwürdig, daß diese Form so oft in allen Größen vorkommt. Die Carlsbader Feldspatzwillingscrystalle sind bekannt vor. Noch in flächeren Tafeln, denjenigen ähnlich, die Sie mir übersendet haben. In Carlsbader Graniten kommen sie klein aus rothem Thon gebildet vor, andere sind grün und haben ein Talckartiges Ansehen. Ferner über der Eger sind sie weiß, und fast schon zu Porcellanerde übergegangen, diese sind die kleinsten. Alle benannten, die ich kenne, machen Bestandtheile des Granits aus, daß sie nun noch im Thonporphyr entdeckt sind, ist sehr interessant, und deutet auf die Hartnäckigkeit der Natur, bey solchen Formen zu verharren, wenn sie dieselben einmal geliebt hat. Der Übergang von der vierseitigen Säule zur sechsseitigen Tafel wird sehr deutlich durch die Exemplare, welche Sie mir gesendet haben. Ich wünsche dagegen etwas Gefälliges erzeigen zu können. Ich gehe dieses Jahr wieder nach Carlsbad, bezeichnen [306] Sie mir etwas von den dortigen Merkwürdigkeiten, was Ihnen Vergnügen machen könnte. Ich wünsche recht wohl zu leben, und empfehle mich Ihrem freundlichen Andenken.
Weimar
den 28. März
1812.
22/6284.
Bemühen Sie sich gefälligst Abends noch einmal zu mir. Ich erwarte mit Verlangen Nachricht.
Weimar d. 30. März
1812.
Goethe.
22/6285.
[Concept.]
Ew. Hochwohlgeb.
haben mir durch die Nachricht, daß die Angelegenheit der Sternwarte bey Jena immer weiter vorrücke, ein besonders Vergnügen gemacht, indem ich sowohl großen Antheil einiges beytragen kann, wenn ich, so sehr es auch wünschte, der durch Ew. Hochwohlgeb. an mich gelangten Aufforderung nicht zu entsprechen im Stande bin. Sie erlauben, daß ich die Verhältnisse hier auseindersetze.
[307] Auf die Gesamtacademie Jena im Allgemeinen habe ich keinen Geschäftseinfluß, aber das Glück, in Verbindung mit Herrn Geheimdenrath von Voigt Excellenz den Museen und anderen wissenschaftlichen Anstalten, welche Serenissimus drüben als Landesherr, ja gewissermaßen privatus einrichten lassen, vorzustehen und sie aus einer mäßig dotirten Casse zu erhalten.
Sollte nun die neue astronomische Anstalt an die Museumscommission gewiesen uns aus der Museumscasse auch diese jährlichen Bedürfnisse künftig bestritten werden, so würde dazu Serenissimi höchste Erklärung und Befehl, sowie auch eine verhältnißmäßige Dotation erforderlich seyn.
Eine solche Absicht unseres gnädigsten Herren läßt sich nicht wohl voraussetzen. Jene Museen und übrigen verwandten Anstalten beziehen sich sämmtlich auf Naturgeschichte und Naturlehre und machen dadurch ein kleines Ganze, dessen innerer Gehalt der Commission nicht fremd ist, und dessen äußere Absicht nicht außer ihrem Wirkungskreise liegt. Die Sternwarte hingegen ist auf Mathematik gegründet. Außer ihren wissenschaftlichen, weltbürgerlichen Zwecken ist sie als eine Landesanstalt anzusehen, hat auf gewisse, ins bürgerliche Leben eingreifende Einrichtungen unmittelbaren Einfluß, als auf Verfertigung der Calender und auf alles, was Zeit, Maß und Gewicht im höheren Sinne betrifft; sie bleibt also wohl billig [308] jenen Behörden untergeben, wo nicht nur die nöthige Einsicht und Wissenschaft bey den Vorgesetzten wohnt, sondern auch untergeordnete, practische, ins Leben eingreifende Anstalten schon organisirt sind, und gewiß wird auch von solchen Behörden eine zweckmäßige und nicht sehr kostbare Unterstützung am besten gereicht werden können.
Ew. Hochwohlgeb. verzeihen, wenn ich umständlicher geworden, als es nöthig scheinen möchte. Es war mir darum zu thun, die Verhältnisse aufs genauste auseinanderzusetzen um Ew. Hochwohlgeb. zu über zeugen, wie sehr es mir leid thut, in diesem Falle meinen guten Willen nicht bethätigen zu können, und ich brauche nicht zu versichern wie sehr ich wünsche, jene Anstalt zum Nutzen und Vergnügen bald vollkommen zu sehen.
Mit vollkommenster Hochachtung
Weimar
den 31. März
1812.
22/6286.
Ew. Wohlgeb.
Könnten vielleicht lächeln, daß ich meine Briefe durchaus mir derselben Phrase anfange, es ist nämlich Dank, und immer wieder Dank, dessen Ausdruck ich nicht mehr zu variiren weiß.
[309] An den zwey mir übersendeten Bänden Frankfurter gelehrter Zeitungen erkenne ich wieder, wie nöthig mir sey, bey dem Unternehmen von meinen früheren Jahren zu sprechen, eine Sammlung von Documenten aus jener Epoche; denn außerdem möchte es bey dem aufrichtigsten Nachdenken schwer seyn zu imaginiren und sich wieder zu vergegenwärtigen, wie man gehaltlos, roh und ungebildet mehr werth könne gewesen seyn, als man sich gehaltvoll, ausgearbeitet und ausgebildet antrifft. Es war überhaupt jenes eine wundersame Epoche, selbst nur, wie uns diese zwey Bände einen Begriff davon geben.
Da sich nicht schon eine Folge von Studien über Jordanus Brunus bey Ihnen findet, und Sie nicht, wie ich vermuthete, in einer gewissen Lebensepoche Sich geübt und unterhalten haben, seine Werke stellenweis zu übersetzen; so will ich sie nicht besonders dazu aufgemuntert und angeregt haben. Was er uns hinterlassen, insoferne ich es kenne, reizt uns zwar ungemein, insofern wir streben uns eine originelle Bildung zu geben, denn es ist nicht leicht ein lebhafter Apostel der Originalität, der unmittelbaren Bildung aus und an der Natur. Allein ich müßte mich sehr irren, oder wir sind seit jener Zeit weiter, ja in eine Art von Natur gerückt, wo uns jene nicht mehr helfen und zusagen kann, besonders, da sie doch durch eine mystische Mathematik äußert verfinstert ist. Doch in solchen Dingen läßt sich kaum sprechen, [310] geschweige schreiben, weil man sich doch darüber nicht ganz ausreden kann.
Ihre Bemerkung wegen dem hohen Stand der Ducaten darf ich nicht unbenutzt lassen und bitte daher dasjenige, was sonst noch für mich in Casse ist in vollständige Preußische Louisd'or zu verwandeln und mir selbige nebst den vorräthigen Ducaten durch fahrende Post gefälligst zu übersenden.
Das große auf die ehemalige Frankfurter Amtsbesetzung sich beziehende, Manuscript werde vor meiner Abreise nach Carlsbad zurücksenden nicht verfehlen. Sollten Sie mir noch etwas zu berichten haben, so bitte ich, daß es vor Jublilate geschehe, weil ich wahrscheinlich bald nachher meine Reise antrete. Die meinigen grüßen auf das beste, ich füge meine Wünsche zu den ihrigen und empfehle mich zu freundschaftlicher Theilnahme und Andenken.
Weimar
den 31. März
Goethe.
1812.
T.s.v.p.
Ihre Briefe sind auf so schön velin Papier geschrieben, das uns hier abgeht. Wollten Sie mir wohl eine kleine Sendung, wohl eingepackt und vor aller Nässe, so wie vor Druck gesichert, baldigst zukommen lassen.
[311] 22/6287.
[Concept.]
Ob ich gleich, meine wertheste Frau von Flies, glücklich genug bin, Sie schon lange zu kennen und an mir selbst erfahren habe, wie geneigt Sie sind Ihrer Freude mehr oder weniger bedeutende Wünsche zu erfüllen; so hat mich doch Ihre letzte Sendung überrascht: sie enthielt den reichsten Beytrag zu meiner Sammlung, den ich in diesen Jahren erhalten habe. Ich lasse mir manchmal gern von Freunden den Vorwurf machen, daß es mir mit meinen Wünschen und Liebhabereyen gehe, wie schwangeren Frauen mit ihren Gelüsten, welche bald befriedigt seyn wollen, wenn man einigen Dank für seine Bemühung gewinnen will. Doch ist es bey mir einigermaßen anders, meine Gelüste haben einen innerlichen Zusammenhang, sie scheinen einzuschlafen und wachen wieder auf, ehe man sichs versieht, und man kann immer gewiß seyn, mich dankbar zu finden, wenn man auch spät und nur mit Wenigem mir sein freundliches Andenken darthun mag.
Was soll ich nun aber sagen, meine Wertheste, wenn Sie so schnell und reichlich meine Wünsche bedenken und zu deren Befriedigung Sich auf solche Weise bemühen wollen. Ich habe nicht verkennen dürfen, daß außer den köstlichen Documenten der vergangenen [312] und gegenwärtigen Zeit, auch mehrere dieser Blätter geschrieben sind, in Rücksicht auf meinen Wunsch, und in der Absicht, den Zweck zu erfüllen, den ich mir vorgesetzt habe. Es kann dieses nicht anders, als auf eine höchst freundliche und thätige Anregung geschehen seyn, deren Werth ich so gut, als jener Gewährung zu schätzen weiß. Haben Sie die Güte allen den vortrefflichen Personen, wenn sich Gelegenheit finden sollte, meinen aufrichtigsten Dank abzustatten.
Auch die liebe Caroline Pichler hat die Sendung mit interessanten Beyträgen bereichert, und ihr freundlicher Brief ist sogleich in die Sammlung aufgenommen worden. Ich bitte ihr mit Überreichung der Einlage das Verbindlichste zu sagen.
Ihr gehaltreiches Packet überraschte mich gerade an einem tristen Tage, wo ich nichts Erfreuliches zu erwarten hatte. Sogleich war ich aufgeregt und aufgemuntert diese neuen Beyträge zu katalogiren, einzurangiren und mich dabey an dem Anschwellen meiner Hefte zu freuen, das mitgesendete interessante Verzeichniß aber wurde zu den Generalien und allgemeinen Documenten der Sammlung hinzugefügt, mit Bemerkung der freundlichen Geberin und zum dankbaren Andenken.
Von unserm Freund Riemer kann ich melden, daß er seit kurzer Zeit als Professor bey dem hiesigen Gymnasium angestellt ist, wo seine schönen Kenntnisse [313] zum Nutzen der Jugend reichlich wird ausspenden könne. Was er da Gutes stiftet, wird ihm zum Trost und zur Entschädigung dienen, daß er das werthe Böhmen dieses Jahr nicht besuchen kann.
Ich hingegen hoffe abermals zu Anfang May in Carlsbad zu seyn, lassen sie mich dort von Ihnen einige Nachricht finden, ob ich das Vergnügen hoffen darf, Sie dort zu sehen, und wer noch sonst von Gönnern, Freunden und Bekannten dieses Jahr die böhmischen Bäder zu besuchen denkt.
Empfehlen Sie mich dem Andenken so mancher würdigen Person, die Sie mir günstig kennen, und bleiben überzeugt, daß ich mich Ihrer jeder Zeit vorzüglicher Hochachtung und Dankbarkeit erinnere.
Weimar
den 31. März
1812.
22/6288.
Ich darf meinen lebhaften Dank nicht aufschieben für ihre freundliche Zuschrift und für die gefällige Art, womit Sie meinen Wünschen in Absicht auf Lieblingssammlung, dem unmittelbaren Andenken würdiger Menschen gewidmet, so thätig entgegenkommen. Auch Ihr lieber Brief soll als solches Document, zwar wie die übrigen alphabetisch, aber doch mit besonderer Neigung eingeschaltet werden.
[314] Wenn von der eignen Hand de vortrefflichen Mozart sich Ihren emsigen Bemühungen keine Zeit darbot, so sind mir das Übrige desto lieber, und ich werde um desto eifriger sammeln, weil uns dieses Beyspiel zeigt, wie gerade das Nächste und Eigenthümlichste des Menschen so bald seinem Scheiden verschwindet und von seinem Zustande, wie von seinen Verdiensten, nur ein Allgemeines, gleichsam Körperloses übrig bleibt.
Diese Betrachtungen führen uns dahin, daß wir desto mehr an diejenigen verdienten Personen halten, mit denen uns das gute Glück in irgend ein lebendiges Verhältniß hat bringen wollen. Seyn sie versichert, daß ich zu wiederholten malen an Ihren Productionen Theil genommen, ja ich will nur gestehen, daß ich einigemal in Versuchung gerathen bin, Ihnen über Sich selbst und Ihre lieben deutschen Schwestern in Apoll ein heiteres Wort zu sagen, doch gehen solche gute Vorsätze bey mir gar oft in Rauch auf.