1821

[62] 34/59.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

genehmigen heute, wie, zu meinem Glücke, schon so oft am gleichen Feste, die wärmste Betheurung unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit, so wie des redlichsten Bestrebens, in dem Ihrigen und von da nach außen, so viel es Naturell und Kräfte erlauben, auch fernerhin wirksam und nützlich zu seyn. Erhalten Höchstdieselben mir das lange bewahrte Capital von Gunst und Gnade, welches mir von jeher so reichliche Zinsen getragen hat.

Weimar den 1. Jänner 1821.


[63] 34/60.

An den Großherzog Carl August

Einiges Wenige und nicht Unerfreuliche bringe Ew. Königlichen Hoheit der heutige Morgen.

1. Möge der eingeschachtelte Garten gute Vorbedeutung seyn, wie alles von Höchstdenenselben Gepflanzte und Gesäete wachsen und blühen werde.

2. Die Witterungstabellen folgen abermals mit der Zeichen-Erklärung. Die guten Beobachter haben freylich den Raum sehr gespart, daher werden ihre Hieroglyphen so schwer gelesen wie die Posseltsche Handschrift.

3. Das Schreiben des Bußpredigers erhält durch eine so eben einlaufende Zeitungsnachricht erst die wahre Aufklärung. Nun weiß man doch, in welcher Höhle man diesen Fuchs suchen muß und lobt ihn, wie der Herr den ungerechten Hauhalter, wenn er die Pflicht Proselyten zu machen mit so unverschämten Eifer zu erfüllen strebt.

unterthänigst

Weimar den 1. Jänner 1821.

J. W. v. Goethe.


34/61.

An die Großherzogin Louise

Ew. Königliche Hoheit

vermerken gewiß nicht ungnädig, wenn ich dießmal zauderte meine treusten Wünsche zum Jahresfeste darzubringen: [64] denn ich kann dabey nicht verschweigen, daß die im Stillen, leidlich und thätig zugebrachten Wintertagen nur durch den Gedanken an Höchstdieselben getrübt worden, wenn ich mir die leiden vergegenwärtigte, welche bey einer, im Ganzen glücklichen, Cur doch nicht hoffnungsgemäß völlig zum weichen gebracht werden konnten. Ärzte und Wundärzte, die ich vernahm, konnten mir nichts Erheiterndes bringen; und so ist denn auch bis auf den heutigen Tag noch manche Beschwerde geblieben welche mein treustes Mitgefühl beunruhigt. Um desto brünstiger find die Wünsche, daß sich das neue Jahr entschiedener heilkräftig beweisen möge als das vorhergehende und durch Höchstderselben glückliche Wiederherstellung auch wir alle die Getreuen völlig wiederhergestellt werden.

Inzwischen möge die Freude an der schönen Umgebung eines lebendigen Familienkreises Ew. Königliche Hoheit stärken, Gefühl und Gedanken von Schmerz und Übel abziehen, um durch guten Muth und innere Selbstheilung sie bald für immer verschwinden zu sehen.

Ich würde nicht enden, entschlösse ich mich nicht in der Kürze zu betheuern, daß von Ihro und der Ihrigen Wohl auch mein Leben und ganze Wohlfahrt abhängt.

Weimar den 2. Januar 1821.


[65] 34/62.

An Johann Heinrich Meyer

Sagen Sie mir, bester Freund, ein Wort von Ihrem Befinden, gehen aber ja nicht zu frühzeitig aus. Ich helfe mir Tag und Abend durch allerley Fleiß hin, es kommt mancherley zu Stande, und die Langeweile ist ja auch als Mutter der Musen gegrüßt. Hierbey die Fortsetzung der Abschrift ich habe sie nicht foliirt, weil ich vergaß die letzte Nummer zu notiren; das Werk ist den Berliner Freunden angemeldet.

treulichst

Weimar den 2. Januar 1821.

G.


34/63.

An Sophie Caroline von Hopffgarten

Verehrte Freundinn

Wie glücklich das Andenken unsrer theuren Prinzessinnen und ihrer werthen Umgebung mich am Neujahrstage gemacht will ich heute danckbar aussprechen, als an einem zweyten neuen Jahres Tag, der uns das langersehnte Fürsten-Paar endlich wieder geben soll. Möge, wie der Eintritt zu den geliebten Ihrigen, auch die nächste und Folgezeit glücklich und froh, mir aber allgemeine Kunst und Gnade des herrlichen Familienkreises lebenslänglich gegönnt seyn!

Verehrend

gehorsamst

Weimar d. 3. Jan. 1821.

J. W. v. Goethe.


[66] 34/64.

An Johann Heinrich Meyer

Doppelt bedauerlich ist mir, theuerster Freund, Ihr Übelbefinden, da ich Sie entbehren muß, indem Sie leiden; halten Sie sich möglichst, wie ich von meiner Seite gleichfalls thue. Da ich so eben an Weigel schreibe, so füge die Beeilung des Hierhersendens hinzu. Abermals eine Sendung von einigen Bogen. Wenigstens wird in diesen schlimmen Tagen etwas Gutes gefördert; ich helfe mir auch durch Thätigkeit über manche fatale Stunde.

Die besten Wünsche.

threulichst

Weimar den 3. Januar 1821.

G.


34/65.

An Johann August Gottlieb Weigel

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

haben die Gefälligkeit nachverzeichnete Kupferstich in nächster Auction zu erstehen, wobey man wünscht, daß die erstandenen vor Ende Januars hier anlangen möchten. Da nun die Auction den 8. dieses angeht, so ist es wahrscheinlich, daß sie bis dorthin beendigt seyn möchte. Sollte dieß aber nicht der Fall seyn, so bitte wenigstens einen Theil davon [67] anherzusenden, wodurch Sie mich abermals besonders verpflichten würden. In's Neue Jahr die besten Grüße und Wünsche sendend.

Weimar den 3. Januar 1821.


34/66.

An Carl Wilhelm Friedrich von Lyncker

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

werden aus Beyliegendem gefällig ersehen, daß ich mir angelegen seyn lassen, wegen der von Breckenburgischen Naturaliensammlung zu Frankfurt am Main etwas Günstiges zu bewirken. Ob nun zwar solches nicht sogleich gelingen wollen, so gebe anheim: ob nicht die gegenwärtigen Besitzer zu veranlassen wären, einen billigen Preis dafür zu bestimmen, welchen man Herrn Doctor Neuburg melden könnte, da doch in einer so großen Stadt mannichfaltige Nachfrage vorkommt.

Hierbey muß bemerken, daß ich bey der dorthin gesendeten Copie die Preise weggelassen, weil sie wirklich für jeden Liebhaber gar zu abschreckend seyn würden.

Mich zum allerschönsten, auch im Lauf des angetretenen neuen Jahres zu Wohlwollen und Theilnahme empfehlend.

Weimar den 4. Januar 1821.


[68] 34/67.

An Johann Christian Hüttner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erwidere nur mit Wenigem die geneigte Zuschrift vom 15. December v. J., da Herr Rath Haage mich benachrichtigt, der Brief könne heute früh noch abgehen.

Ich bedaure gar sehr, daß Sie und Miß Dawe einen Augenblick wegen der Kupfer, die mir so viel Freude gemacht haben, in Sorgen seyn konnten. Wahrscheinlich ist nun auch meine Sendung vom 20. November in Ihren Händen und erhält mein Andenken bey der wohlwollenden Freundin. Herr Geheimerath Wolf, dem ich so eben zu schreiben Gelegenheit habe, wird sich ja wohl begütigen lassen, er schien sich in der Erinnerung früherer Verhältnisse mit Ihnen sehr zu gefallen.

Erhalten Sie auch im nächsten Jahre mir ein geneigtes Andenken und gönnen mir eine fernere freundliche Fürsorge.

Weimar den 5. Januar 1821.


34/68.

An Carl Emil Helbig

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiermit die beiden Kyanometer, ich hoffe zu Serenissimi gnädigstem Wohlgefallen. Für dieselben [69] hätte, nach billiger Ermäßigung, der Künstler wohl 10. rh. verdient, es ist mehr Arbeit darin, als man ihnen ansieht. Wobey noch bemerke, daß zu jedem möchte ein Portefeuille zu besorgen seyn, damit, nach jedesmaligem Gebrauch, die Tafel für Licht könne bewahrt werden, welches die Farben nach und nach, mehr oder weniger aufzehrte.

Mich bey dieser Gelegenheit geneigtem Andenken bestens empfehlend.

Weimar den 5. Jänner 1821.


34/69.

An Christian Ernst Friedrich Weller

Weimar, den 6. Januar 1821.

Ich wünsche den achtzehnten Band der Philosophical Transactions zu erhalten und lege darüber einen Schein bey. Zugleich melde ich, daß ich die Original-Ausgabe des großen Dictionnaire encyclopédique in etlichen dreißig Bänden um einen billigen Preis bekommen kann. Die weimarische Bibliothek besitzt dieß Werk. Wollte sich Herr Professor Güldenapfel mit Herrn Geh. Rath Voigt und wer es sonst wäre, der sich dafür interessiren könnte, besprechen, inwiefern es für Jena wünschenswerth sey, so ließe sich das Nähere alsdann überlegen.


[70] 34/70.

An Carl Wilhelm Stark

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

für den mir zugedachten Neujahrsbesuch zum allerschönsten dankend und die aufrichtigsten Wünsche erwidernd, ersuche Dieselben um gefällige Beantwortung nachstehender Frage:

ob nämlich Ihre Frau Mutter die erste Rückzahlung von zweyhundert Thalern für das väterliche Museum nicht ungern erst zu Michael erhielte, da denn sowohl Ostern als Michael Interessen vom Ganzen entrichtet werden sollten. Außerordentliche, die Museumscasse betreffende und bevorstehende Ausgaben veranlassen diese Erkundigung, worauf ich mir eine gefällige Entschließung erbitte.

Mich zum geneigten Andenken bestens empfehlend.

Weimar den 6. Januar 1821.


34/71.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

verfehle nicht anzuzeigen und vorzulegen das schöne Geschenk, welches die Gefälligkeit des Grafen Sternberg mir zugedacht. Das erste Heft der Flora der[71] Vorwelt ist schon sehr bedeutend, gründlich und übersichtig, und man kann wohl bemerken, daß er unter Anleitung der vorzüglichsten Botaniker studirt hat; der Text ist verdienstvoll durch eine wohl überdachte Nomenclatur der aufgefundenen Pflanzenreste und durch Hinweisung in fremde Reiche und Provinzen, wo dergleichen auch vorkommen, entdeckt und beschrieben worden. Die Kupfer sind gleichfalls lobenswerth, wobey vorläufig zu bemerken nicht unterlasse, daß die Nadeln des Tab. 3. aufgeführten Büschels die Länge von 18 Zoll haben, wie aus dem beygefügten Maaßstabe bemerklich wird; mir fiel der Pinus palustris dabey ein und noch ein anderer, dessen Nadeln sich gleichfalls in's Gränzenlose zu verlieren scheinen. Für die Geognosten sind diese Bemühungen höchst interessant und folgereich.

Einige Muster-Stücke, die der Graf hinzugefügt, lege in dem Blech-Kasten bey, sie bestätige die Ansichten und Fertigkeiten der Künstler. Eine dringende Einladung auf die Herrschaft Radnitz, Schloß Brzezina, wird mich wohl verführen, aus meinem gewöhnlichen böhmischen Gleise zu treten; von Marienbad ist es nur eine kleine Tagereise; dort soll ich für unsere Museen nicht allein bedeutende Exemplare der Pflanzenreste, sondern auch die ganze Folge der abwechselnden Kohlen- und Sandschichten, die ganze Suite der Ablagerungen, wie sie in der Druckschrift bezeichnet ist, aussuchen und aufpacken.

[72] Gebe der Himmel seinen Segen, damit dieser unterirdische Gewinn, mit Behagen, zu dem übrigen wissenschaftlichen Vorrath möge gesammelt werden.

Weimar den 7. Jänner 1821.


34/72.

An Carl Franz Anton von Schreibers

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

habe kaum für das überschickte treffliche Werk meinem verbindlichsten Dank zu sagen, als eine höchst interessante Sendung des Herrn Grafen Caspar von Sternberg mir neue Obliegenheiten zur Pflicht macht. Auf Ihre gütige Anregung war mir schon das erste Heft der Flora subterranea im Juni zugedacht, verfehlte mich aber und erreicht mich erst jetzt, begleitet von trefflichen Exemplaren, welche zugleich die kostbaren Bilder bewähren und die Gewißheit dieser wundersam natürlichen Gegenstände uns vor Augen bringen.

Ein gleicher Fall ist es mit Ew. Hochwohlgeboren unschätzbarem Werke: denn wie man die Körper, von denen die Rede ist, nicht selbst vor Augen hat, so macht sich von ihrem Werthe nicht genugsamen Begriff. Die vom Himmel gefallenen Massen aber, wie Sie solche darstellen, geben uns ein unmittelbares Anschauen; und wie Sie das Factische der Ereignisse zugleich mit überliefern, so gelangen wir immer mehr [73] in den Sinn der Natur, die in der höchsten, mittlern und untern Atmosphäre, ja unter dem Boden und weiterhin in die felsigen Grundlagen ihr crystallisirendes Bildwesen treibt.

Eine ganz eigne Empfindung ist es, wenn ich nun gerade beide gemeldete Werke neben einander lege und in beiden unbegreifliche Naturproducte vor mir sehe. Vegetabilien, von denen nicht abzusehen ist, wie sie nahe dem funfzigsten Grade unserer Breite wachsen konnten; Mineralien, die aus heiterer Luft, wo man dergleichen nicht vermuthete, sich auf einmal concentrirend herunterstürzen. Das lassen wir denn alles gern geschehen, sobald der aufmerksame Beobachter uns dergleichen Erscheinungen im großen allgemeinen Zusammenhang vorlegen und anschaulich machen will, wodurch denn ganz allein der Geist gegen solche ungeheure Gegenstände in Freyheit gerathen kann.

In meiner kleinen Sammlung ist dieses Capitel das kleinste; ein Minimum von Ensisheim, Minima von dem bey Gera den 13. October 1819 gefallenen, ein schönes instructives Stück von Limerick in Irland, durch Gunst des Herrn Ritter Giesecke, deshalb ich denn Kupfer und Text Ihres unschätzbaren Werkes, als diese Lücke vollkommen ausfüllend, dankbar betrachte.

den 7. Jan. 1821.


[74] 34/73.

An Ludwig Wilhelm Cramer

Ew. Wohlgeboren

melde vergnüglich, daß Ihr werther Brief vom 5. December, also etwas spät, doch willkommen hier eingetroffen, gerade in dem Augenblick, da die Kiste Mineralien, schließlich gepackt, Montag den 8. dieses abgeht. Mehr sag ich nicht zur Begleitung dieser Sendung, welcher ich eine gute Aufnahme wünsche und welcher kleinere, hoffentlich gehaltvollere von Zeit zu Zeit nachfolgen sollen.

Möge Sie Gegenwärtiges mit den lieben Ihrigen, die ich schönstens grüße und an denen meine Theilnahme nicht nachläßt, im besten Wohlseyn antreffen.

ergebenst

Weimar den 8. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/74.

An Christian Wilhelm Schweitzer

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

haben durch die gefällige Nachricht: daß Herr Graf Caspar von Sternberg nicht abgeneigt sey von seinen unterirdischen Schätzen einiges mitzutheilen, mich veranlaßt, demselben deshalb zu schreiben, worauf ich denn freundliche Antwort und sodann in diesen Tagen eine höchst interessante Sendung erhalten. Die wohlgerathenen [75] Tafeln und Text nehme mir die Freyheit zu übersenden, mit dem Wunsche, daß es gefällig seyn möge: in diesen Tagen bey mir auch die wirklichen Exemplare zu beaugenscheinigen, wobey ich noch einiges andere bedeutende Neue vorzuweisen das Vergnügen haben werde.

Mich zu fortdauerndem Wohlwollen und freundlicher Theilnahme angelegentlichst empfehlend.

Weimar den 8. Jänner 1821.


34/75.

An Heinrich Gräve

Ew. Wohlgeboren

verzeihen, wenn ich Ihr zutrauliches Schreiben vom 8. November erst jetzt erwidere, wo ich den ersten Monat des Jahres zum Abtrag alter Schulden verwende.

Das Gewünschte geht eben auch heute mit der fahrenden Post ab, und ich darf Ihr Verlangen nach dem Besitz des Inhalts wohl zu den erfreulichen Belohnungen zählen, die mir für meine vieljährigen Bemühungen geworden sind.

Möge das Gesendete immer gerade recht an Ort und Stelle wirken, immer zu rechter Zeit, auf die wahrhaft Empfänglichen. Dieß ist eigentlich der einzige Segen, den der Schriftsteller seinen vieldeutigen Arbeiten mitgeben darf, wenn er sie versendet. Das Wenige, was Sie von Sinn und Zweck Ihrer [76] Anstalt sagen, giebt mir deshalb die beste Zusicherung, weshalb ich denn auch sehr gern den eröffneten Wunsch erfülle. Alles Wohl und Gedeihen im Einzelnen und Ganzen wünschend, zu geneigtem Andenken mich Ihnen und Ihren werthen Mitgenossen angelegentlich empfehlend,

ergebenst

Weimar den 8. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/76.

An David Knoll

Da ich bey meinem vorjährigen Aufenthalt in Carlsbad vernommen, daß Sie, mein werthester Herr, den hinterlassenen Vorrath des guten Joseph Müller an Carlsbader Mineralien übernommen, war mir sehr angenehm, überzeugt, daß Sie solche zusammenhalten und in der beliebten Ordnung wie der Selige den Naturfreunden darbieten würden. Hievon macht mich nun Ihr werthes Schreiben gewiß, und ich eile daher, so viel es thulich, Ihren Wünschen entgegen zu kommen.

Was den stänglichen Eisenstein betrifft, so war derselbe vor 6, 8 Jahren ziemlich rar, und Müller konnte seiner Sammlung nicht sonderlich bedeutende Stücke beylegen. Im Jahre 1818 that sich für mich ein neuer Vorrath auf, ich bezeichne die Stelle näher.

Über Hohdorf und Lessau geht jetzt die vortreffliche Chaussee nach Schlackenwerth; nicht weit von dem Punct, wo der Flußsteg von gedachten Dörfern heraufgeht, [77] ist linker Hand des Hochweges eine Grube im pseudovulkanischen Gebirge eröffnet. Hier fand ich vor zwey Jahren eine ganze Lage stänglichen Eisensteins zwischen dem Porzellan-Jaspis und zwar dessen soviel, daß man ihn mit auf die Chaussee gefahren hatte. Ich nahm davon genugsam mit nach Hause, um meine Freunde damit zu versehen.

Im vorigen Jahre aber hatte die Schicht schon aufgehört, und ich fand nichts was der Mühe werth gewesen wäre. Ich kann Ihnen also nur rathen, an gedachter Stelle oder sonst, wo Erdbrände entblößt werden, aufmerksam nachzuforschen, und es wird sich dieses Mineral, obgleich nicht zusammenhängend, immer wieder finden.

Indessen kann ich bey meinem nächsten Besuche in Carlsbad vielleicht ein halb Dutzend Stücke mit zurückbringen, die wenigstens, was diese Nummer betrifft, einige Sammlungen complettiren könnten. Was das andere Mineral betrifft, welches als Nr. 100 in dem Müllerschen Verzeichniß angegeben ist, möchte die Angabe schon schwerer seyn, da ich den Ort des Vorkommens selbst nicht weiß. Doch habe ich in der eben genannten Grube einen großen centerschweren Klumpen davon gefunden, welcher aber scheint in den ältesten Zeiten durch das Wasser dahin getrieben zu sehn und auch etwas von dem Erdbrandsfeuer erfahren zu haben. Hievon könnte ich leider keine Exemplare mittheilen.

[78] Sollte mir es gelingen dieses Frühjahr Carlsbad wieder zu besuchen, so würde ich mich freuen, auf alle Weise zu Ihrem Geschäft behülflich zu seyn, so wohl weil ich Sie als einen thätigen und wackern Mann kenne, als weil ich alles, was der Stadt Carlsbad, im Ganzen so wie im Einzelnen, förderlich seyn möchte, mit wahrer Neigung befördere. Denken Sie hinzu, daß ich die vieljährigen Bemühungen des guten Müllers, die ich, nach Einsicht und Kräften, geregelt und unterstützt hatte, durch Sie fortgesetzt und vielleicht noch in der Folge übertroffen sehe, so werden Sie an meinem aufrichtigen Antheil nicht zweifeln. Daher habe ich auch nichts zu erinnern, wenn Sie meinen Aufsatz über die Müllersche Sammlung nochmals wollten abdrucken lassen; allein ich kann Ihnen für den Anfang gegen 50 Exemplare, geheftet, franco bis an die Gränze sehr gern zugehen lassen und bey meiner Ankunft in Carlsbad mehrere zustellen.

Was den stänglichen Eisenstein betrifft, so würden Sie wohlthun, den Wegeknechten vorkommenden Falls ein Trinkgeld zu versprechen, oder Sie könnten von Caaden, wo derselbe sehr schön vorkommt, dergleichen hernehmen. Manches andere würde mündlich besser zu verhandeln seyn.

Mit den aufrichtigsten Wünschen

ergebenst

Weimar den 8. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


[79] 34/77.

An J. G. Zeller

[Concept.]

Eine sehr angenehme Sendung aus Ihrer schätzenswerthen lithographischen Anstalt habe vorigen Sommer erhalten; eine andere, welche Ihr freundliches Schreiben vom 6. Dez. v. Jahrs bezeichnet, ist nicht zu mir gekommen. Die Weimarischen Kunstfreunde haben die höchst bedeutende Technik des Zeichnens auf Stein immer im Auge, sie enthielten sich bisher darüber zu sprechen, weil es schwer ist, gewissenhaft streng im Hauptsinne der Kunst, zugleich aber auch läßlich billig, in Betracht der Bedingungen, unter welchen gearbeitet wird, zu verfahren. In der nächsten Zeit werden wir diese Sache abermals vornehmen und dabey gewiß Ihres ernsten Unternehmens im Guten und Besten gedenken.

Der ich mich geneigtem Andenken bestens empfohlen wünsche.

Weimar den 8. Jänner 1821.


34/78.

An Kaspar von Sternberg

Hochgeborner Graf,

Hochverehrter Herr!

Daß Ew. Excellenz höchst erfreuliche Sendung in diesen Tagen angekommen, halte für Schuldigkeit [80] sogleich mit wenigen Worten zu melden, wobey ich mir die Erlaubniß erbitte nächstens meinen schuldigen Dank ausführlicher und der Gabe gemäßer auszudrücken. Ihro Königliche Hoheit der Großherzog, ein entschiedener Freund und Kenner der Pflanzenkunde, nahmen sogleich an dieser belehrenden Mittheilung warmen Antheil und geruhten mir Gruß und Empfehlung an Ew. Hochgeboren aufzutragen.

Wie sehr ich für diese Gabe verpflichtet bin, ermessen Hochdieselben an meiner leidenschaftlichen Neigung zur Naturwissenschaft und vieljährigem Studium derselben. Womit mich für dießmal dem ferneren Wohlwollen empfehle.

gehorsamst

Weimar den [8.] Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/79.

An Johann David Sauerländer

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

zutrauenvolles Schreiben zu beantworten habe bisher gezaudert, weil es mir schwer fällt zu erwidern: daß ich Ihren Wünschen unmöglich entsprechen kann. In meinen Jahren habe ich so viele und mannichfaltige Pflichten auf mir, welche zu erfüllen ich mich gar sehr zusammennehmen und jene neue Verbindung auf's strengste vermeiden muß. Dasjenige, was ich allenfalls allein oder auch unterstützt von Freunden [81] dem Publicum gebe, kann nur in ruhiger Folge nach einander und in reiner Beziehung neben einander gearbeitet werden; gesellt zu Fremden vermöchte nicht mehr zu wirken. Lassen Sie diese aufrichtige Darstellung meiner Lage, die ich schon öfters zu wiederholen, leider, genöthigt war, mir auch bey Ihnen Verzeihung einer ablehnenden Antwort gewinnen. Denn es müßte mich schmerzen, wenn ich undankbar erschiene, indeß meine werthen Landsleute soviel für mich gethan haben und mir noch so manches Gute bereiten.

Leben Sie recht wohl und bleiben meiner besten Wünsche versichert, die ich, auch ohne Theilnahme an Ihrem Geschäft, jederzeit in treuem Herzen hegen werde.

Weimar den 8. Jänner 1821.


34/80.

An Sulpiz Boisserée

Uns also wieder im Vaterlande herzlich willkommen! Ihr Schreiben aus Paris war mir höchst erfreulich, wie Sie aus meiner kurzen Erwiderung gesehen; Ihr zweytes: Stuttgart am 30. December kündigt mir Wünschenswerthes an, welches denn wirklich auch heute bey mir eintrifft.

Die Platten sind allerliebst; wie wir uns denn nicht läugnen dürfen, daß, wenn uns etwas Fürtreffliches[82] unter der Münchner Arbeit auffiel, der Name Strixner gewöhnlich unterzeichnet war. Auch diese Verbindung wird Ihren übrigen Unternehmen, die nach so schöner Blüthe endlich auch Früchte zu tragen versprechen, zur allersüßesten Reife gedeihen. Lassen Sie mich dießmal im Allgemeinen verbleiben! denn ich bin von allen Seiten sehr gedrängt und dieß auf die wunderlichste Weise; denn indem ich diesen Winter nicht aus dem Hause kam und mich, bis auf wenige Freundes-Unterhaltung, völlig isolirte, so hab ich nach außen im literarischen und sonst brieflichen Verkehr mich so vielfach verknüpft gesehen, daß mein Inneres beynahe dadurch beunruhigt wird.

Dem Abdruck der Vignette thut der zarte Ton des Seidenpapiers gar wohl, auch dafür den schönsten Dank.

Prinzessin Ursula ist wieder glücklich zu mir gekommen, Madame Schopenhauer dankt verbindlichst. Hofrath Meyer ist nicht wohl und hält sich zu Hause, wie ich auch, ich kann ihn deshalb nicht wegen jener Angelegenheit befragen. Soviel erinnere mich aber, daß er in Berlin viele Personen gefunden, die sich Ihrer Sache freundlich geneigt bewiesen, nicht weniger, daß er selbst gelegentlich geäußert: die Acquisition von Solly's Sammlung werde die Ihrige nicht unnöthig, vielmehr erst wünschenswerth machen. Als Geschäft aber ist nichts zur Sprache gekommen.

[83] Von dem Monumente lassen Sie mich bald mehr hören, über die Basreliefs habe nachgedacht und sage nächstens meine unvorgreifliche Meinung. Tausend Lebewohl.

treulichst

Weimar den 10. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/81.

An Christoph Ludwig Friedrich Schultz

Herzlichen Dank, mein Trefflichster, daß Sie meiner in feyerlichen Augenblicken gedenken wollen. Möge uns das laufende Jahr wieder zusammenführen! lassen wir wenigstens die Communication nicht stocken.

Hierbey folgt also Meyers treuliche Arbeit, ich wünsche, daß sie geeignet sey ihre Zwecke zu erfüllen. Sie kann auf Verlangen alsobald gedruckt werden, denn in nächsten Hefte ist noch Raum dazu. Meyer selbst schreibt das Weitere und will nun auch gleich an die Vorschläge zu Aufstellung eines Museums gehen.

Das Hirtische Verfahren kann die Sache freylich nicht fördern. Der alte starre Freund begreift nicht, daß man, um zu thun, erst müsse gethan haben. Man mache seinen Plan im Stille, man beginne mit methodischen Bewußtseyn, und es macht sich alles von selbst. Nun haben Sie also Gelegenheit [84] Ihr diplomatisches Talent wieder zu üben; lassen Sie mich ja von Zeit zu Zeit das Weitere vernehmen.

Vorzüglich aber liegt mir am Herzen zu erfahren, wie Ihre Gesundheit sich befestigt? Ich habe in meiner Jugend mehrere Jahre an ähnlichen Übeln gelitten, bis sich die Natur nach und nach einrichtete und sich denn doch noch so lange erhalten hat. Ein gleichmäßiges Befinden bin ich diesen Winter dem Entschlusse schuldig, nicht aus dem Hause zu gehen, nur manchmal wohlverwahrt spazieren zu fahren. Wußte ich sonst doch immer anzugeben, wie ich mir, durch Übereilung oder unzeitige Gefälligkeit, dieß oder jenes Übel zugezogen hatte.

Grüßen Sie Herrn Rauch schönstens. Die Büsten sind glücklich angekommen, wofür ich bestens danke. Es war vorauszusehen, aber es muß uns doch freuen, daß diese Arbeit so viel Beyfall findet, als sie verdient.

Das Knebelsche Profil will ich weiter in Überlegung ziehen und die Entschließung melden.

An Purkinje halte ich mich fleißig. Ich habe ihn schon ausgezogen und beschäftige mich nunmehr mit Noten und Einschaltungen, um seine Bemühungen an die unsrigen anzuknüpfen; denn eigentlich ist schon sehr viel gethan, nur will sich keiner gern an den andern anschließen, und so müssen wir den thun, was andere vermeiden.

[85] So eben bringt mir unser geschickter Kupferstecher Schwerdgeburth die Durchzeichnung des Schlusses zum Triumphzug des Mantegna, auf durchsichtig Papier. Sie wird nun umgekehrt in's Große gebracht und, braun in braun, als das zehnte Blatt der Andreanischen Nachbildung gezeichnet, da denn dieser herrliche Zug nicht so stumpf wie bisher hinter dem Triumphwagen abschneiden wird; die Kupfer sende alsdann gleich zurück.

Dürft ich nun noch schließlich die Bitte hinzufügen, des Herrn Minister von Altenstein Excellenz mich angelegentlich zu empfehlen und für das Vertrauen, welches derselbe meinem Freunde Meyer und gewissermaßen auch mir geschenkt, verpflichteten Dank abzutragen und unsere Bereitwilligkeit zu allem und jedem, was irgend in ähnlichen Fällen gewünscht werden könnte, aufrichtig zu betheuren.

Ferner habe zu bemerken, daß diese Abschrift des Aufsatzes in Berlin bleiben kann, indem wir ein gleiches Mundum hier in Weimar besitzen. Womit ich mich denn aber- und abermals auf's beste will empfohlen haben.

treulichst

Weimar den 10. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


[86] 34/82.

An Johann Friedrich Heinrich Schlosser

Der Unfall, der Ihr Haus und also auch uns betroffen, ward mir von Boisserée aus Paris gemeldet, wodurch ich in das nächste Mitgefühl des Schmerzes versetzt worden. Er schilderte mir lebhaft den schrecklichen Übergang vom Hoffen zum traurigsten Entbehren. Wenn ich meine Gedanken nunmehr zu Ihnen wendete: wie Sie, von glücklicher und froh vollbrachter Reise zurückkehrend, gerade das Unerfreulichste, Zerstörende vernehmen mußten, so gehörte dieß zu den traurigen Fällen, die mich, vor dem Jahresschluß, an meinen Werthesten betroffen haben.

Unsere, nie genug zu verehrende Frau Großherzogin hat unversehens, in eignen Zimmer, einen Fall gethan, wodurch sie die beiden Röhren des rechten Arms, gerade über dem Gelenke, zerbrach; das Hauptübel ist glücklich geheilt; aber ein hartnäckig zu- und abnehmender Handgeschwulst will sich noch nicht bändigen lassen. Ähnliche Übel an Freunden und Bekannten mußt ich gleichfalls erleben, und Sie werden auch mich bedauern, daß ich, bey einem höchst leidlichen Befinden, meine Geistesheiterkeit durch solche nachverwandte Schicksale getrübt sehe.

Empfehlen Sie mich Ihrer theuren Gattin und gedenken mein, in traurigen und frohen Stunden, als eines treulich Theilnehmenden.

[87] Drey Paquete der uns gegönnten Deductionen sind wohlbehalten angekommen. Meine Sorgfalt für die jenaische Bibliothek wird solche freundschaftliche Beyträge höchlich belohnt. Rath Vulpius freut sich dabey der zuwachsenden Arbeit und empfiehlt sich zum allerbesten.

Für die der rudolstädtischen Sammlung erwiesene Aufmerksamkeit danke schönstens; man soll nicht müde werden dergleichen Dinge auszubieten; wie ich denn die wunderbarsten Fälle erlebt habe, daß eine Empfehlung nach Osten eine Wirkung nach Westen verursachte, wo gerade dieser Gegenstand gewünscht und verlangt wurde.

Versichern Sie Ihren guten Bruder meiner aufrichtigsten Theilnahme. Es ist so schmerzlich, daß unser guter Wille zu thätigem Beystand sich in solchen Fällen nur gelähmt findet. Es ist gerade, als wenn man selbst untergegangen wäre.

Ich beschäftige mich eben mit Studien, über die ich mich sonst mit ihm zu unterhalten pflegte, und dieß vergegenwärtigt mir leider nur um so mehr seinen augenblicklichen Zustand.

Ihre liebe Schwester läßt sich lange erwarten. Wenn es Ihr am Orte des gegenwärtigen Aufenthalts wohlgeht und wohlgefällt, so wollen wir uns gerne mit der Hoffnung trösten, sie endlich doch noch bey uns zu sehen.

Erlauben Sie, theuersten und gefälligster Freund,[88] daß ich Sie von Zeit zu Zeit, wie ehemals, mit einer kleinen Bestellung belästigen und Ihnen deshalb eine kleine Casse nächstens anweisen darf.

treulich verbunden

Weimar den 10. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/83.

An Johann Heinrich Meyer

Sie erhalten hiebey, theuerster Freund, Ihren schönen Aufsatz, dessen Mundum mit allen Beylagen abgegangen, zu einstweiliger Aufbewahrung. Sollten Sie heute Abend, da die Witterung nicht streng ist, mich besuchen wollen, so sind Sie auf's allerschönste willkommen; ich möchte Ihnen ein Schreiben an David Heß in Beckenhofen vorlegen und um geneigte Bemerkung bitten.

Mit den besten Grüßen und Wünschen

Weimar den 10. Januar 1821.

G.


34/84.

An Hans Heinrich von Könneritz

Ew. Hochwohlgeboren

nach so langer Pause, ja nach einer für mich keineswegs erfreulichen Trennung Sie wieder zu begrüßen und mein Andenken zu erneuern, ergreif ich die Gelegenheit, welche die guten Lortzings mir unerwartet anbieten. Sie verlassen das weimarische Theater,[89] wünschen anderwärts, besonders in Dresden Anstellung; Ew. Hochwohlgeboren kennen beide Personen und ihre Talente, die Frau soll nach ihrer Wiederherstellung, wie mir fleißige Theaterbesucher versichern, an ihrer frühern Anmuth und Munterkeit nichts verloren haben.

Ich füge keine weitere Empfehlung hinzu; denn dieß ist eine Sache, die den Vorgesetzten einen solchen Anstalt zu Prüfung und Beurtheilung allein anheim zu geben.

Sehr zufällig zwar, doch sehr angenehm war mir's, zu Ende des vorigen Jahrs grade wieder in Berka, in denselben Zimmern die Erinnerung zu feyern jener frohen bedeutenen Stunden, wo die liebenswürdigen weimarischen Künstlerinnen mich daselbst besuchten und meine für sie gedichtete Strophen durch ausdrucksvolle Recitation erst zu einigen Werth erhoben.

Möge sich Dero Frau Gemahlin jener festlichen Tage gern erinnern, welche so glänzend und erfreulich nicht so leicht wieder hervorzurufen seyn möchten. Sodann aber werden Ew. Hochwohlgeboren mir gerne Glauben beymessen, daß ich Ihre Mitbürgerschaft oft vermisse; schon einigemale kamen wir in den Fall uns vergebens nach Ihrem schönen Kunstbesitz umzusehen.

Hofrath Meyer will bey dieser Gelegenheit gleichfalls bestens empfohlen seyn, wozu ich meinen Wunsch [90] füge, daß Sie beide in guten vertraulichen Stunden unserer in Freundschaft gedenken mögen.

gehorsamst

Weimar, den 11. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/85.

An David Heß

Es war Abends, Montag den 11. December, als ich mit meinem Freunde Heinrich Meyer in gewöhnlichen Betrachtungen über Kunst und Leben zusammenfaß, die Winternacht um ihre Länge zu betrügen, als ein Paquet anlangte, das schon durch äußere sorgfältige Packung für den Inhalt vortheilhafte Meinung erregte; ebenso einladend waren die Züge der Aufschrift, die an eine Zeit erinnerten, wo man aus jenen schönen Berggegenden Anklänge, Mittheilung und Anregung erlebte. Nach kurzem, rathendem und ahnenden Zaudern eröffnete man das Gesendete, und hier traten wirklich die erfreulichsten Erinnerungen uns beiden entgegen. Aus einer grauen Geistertiefe ruckten die Züge eines bedeutenden geschätzten Mannes näher und näher; Umgebungen, Ereignisse, Charaktere entwickelten sich, und eine wahrhaft schöne Übereinstimmung des Vorgetragnen ward empfunden.

Wie vollständig das gewesen sey, können Sie, trefflicher Mann, am besten sich überzeugen, wenn [91] ich vermelde, daß Freund Meyer, seinen heimischen Dialekt nie völlig verläugnend, auf der Stelle zu lesen anfing und sowohl durch Ton als durch aufklärende Noten Entfernung sowie Vergangenheit völlig aufhob, und wir uns am Greifen- und Zürichsee einer bedeutenden anmuthigen Gegenwart erfreuen konnten.

Seit jener Zeit ist das Büchlein von Freuden zu Freundinnen gewandert und hat überall die beste Aufnahme gefunden. Auch Ihro Königliche Hoheit der Großherzog mochte sich dabey mit Vergnügen jener angenehmen Tage erinnern; ich aber habe mich besonders zu freuen, wenn das Andenken unsres freylich etwas seltsamen Erscheinens noch in Herz und Sinn theurer helvetischer Freunde lebendig blieb.

Von Ihrem Fortwirken mit und für den edlen Künstler-Verein hat mir Freund Meyer, nach seinem letzten Aufenthalte in Zürich, gar manches Erfreuliche sagen können, welches alles durch Ihre belebende Zuschrift erneuert worden.

Nun aber möcht ich noch eine Bitte hinzufügen, die aus dem mir unwiderstehlich inwohnenden Schauensdrang hervorgeht, nämlich irgend ein Bildchen oder Zeichnung, deren Landolt doch so manches zurückgelassen, zu besitzen und in meiner Sammlung aufzubewahren; wie ich denn auch einige Zeilen von seiner Hand mit seines Namens Unterschrift zu erhalten wünschte. Sie sehen freylich hieraus, daß eine Befriedigung immer neue Wünsche hervorruckt.

[92] Wir beide grüßen schönstens und hoffen fernerhin Ihrem wohlwollenden Andenken bestens empfohlen zu sein.

ergebenst

Weimar den 11. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/86.

An Johann Wolfgang Döbereiner

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

für die letztere Mittheilung zum allerschönsten dankend, sende die Quittung über die zweyte Hälfte des verwilligten Beytrags und wünsche nichts mehr, als mich mit Ihnen zu unterhalten über die Art und Weise, wie Sie Ihr praktisches Collegium eingerichtet. Wobei ich überzeugt bin, daß für die liebe Jugend große Vortheile gewonnen werden.

Lassen Sie mich bekennen, daß ich Ihre Nähe gar sehr vermisse, die ich vorigen Sommer noch weit mehr benutzt hätte, wäre mir nicht die Entfernung unserer Wohnungen entgegen gewesen.

Erhalten Sie mir ein geneigtes Andenken und lassen manchmal von sich etwas Freundliches vernehmen.

Weimar den 12. Jänner 1821.


[93] 34/87.

An die Märkische Ökonomische Gesellschaftzu Potsdam

[Concept.]

Die verehrte Königlich Märkische Ökonomische Gesellschaft zu Potsdam hat mich zu ihrem Ehrenmitgliede zu ernennen eine besondere Geneigtheit erwiesen. Denn ich ersehe daraus ihr Zutrauen, daß ich, bey denen mir eigentlich obliegenden ästhetischen und wissenschaftlichen Bemühungen, gleichfalls ein entschiedenes Augenmerk darauf richte, damit alles, was im Reiche des Geistes und der Erkenntniß in hoher Thätigkeit sich bewegt, auch dem tagtäglichen Leben in seinen dringenden Bedürfnissen zu Gute kommen möge.

Ich danke den vereinten vorzüglichen Männern auf das verbindlichste, daß sie mir Gelegenheit geben auszusprechen: wie mein Prüfstein für alle Theorie die Praxis bleibe.

Wer mit unverwandtem Auge dahin sieht, inwiefern das richtig Gedachte auch unmittelbar zu leicht nutzbarer Anwendung führe, der wird, besonders wenn ihm ein günstiges Geschick mehrere Jahre vergönnt auf solcher Weise zu verharren, gewiß nach und nach die Fertigkeit erlangen, ein reines durchdringendes Anschauen von grillenhaften Meinungen zu unterscheiden.

[94] Möge Ihnen, in einer so schönen Lage, mitten in einem höchstgebildeten Staat, alles gelingen, was Ihren Zwecken entspricht, um das Beste, im Allgemeinen Gefundene auch zum Wohl des einzelnen Unternehmens hinzuleiten.

Sollte ich irgend etwas gewahr werden, was ich Ihrer nächsten Beziehung für brauchbar und nützlich hielte, so würde solches ungesäumt mittheilen.

Der ich bitte: der ansehnlichen Gesellschaft meinen verbindlichsten Dank abzustatten und mir unter sich Ihr wohlwollendes Andenken zu erhalten.

Weimar den 12. Jänner 1821.


34/88.

An Johann Georg Lenz

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

danke zum schönsten für das Übersendete und freue mich des bey Ihnen neu Angekommenen so wie des zu Erwartenden. Bey Ihrer fortgesetzten bewundernswürdigen Thätigkeit muß alles zum Besten und Fröhlichsten ausschlagen.

Damit ich aber auch von meiner Seite die möglichste Bereitwilligkeit erweise, so will ich gern zu dem ersten Bande einen Aufsatz liefern, wobey ich aber erst ein Verzeichniß der darin aufzunehmenden Schriften gesendet wünsche, damit ich mich vorläufig[95] von den Überzeugungen und Absichten der Mitarbeiter unterrichten könne.

Empfehlen Sie mich Herrn Doctor Bran zum schönsten und bleiben meiner immerfort eingedenk.

Weimar den 12. Januar 1821.


34/89.

An Carl Ernst Schubarth

Da ich in den letzten Monaten des vorigen Jahrs nicht dazu gelangen konnte, Ihnen, mein theurer junger Freund, für die reichhaltigen Sendungen zu danken, so will ich wenigstens nicht weit in's neue Jahr hinein zaudern, sondern sogleich versichern, daß es mir sehr angenehm sey, wenn Sie Ihre Unterhaltungen aus der Ferne fortsetzen wollen. Da wir einmal bey persönlicher Unterhaltung den Grund zum besten Verständniß gelegt; so wird es denn eher möglich, auch von weitem sich über Gegenstände zu erklären, die bey ihrer Bedeutsamkeit einer klaren Darstellung sich sonst entziehen möchten. Sie haben mich durch Ihre Blätter wieder mannichfaltig angeregt, und einiges, was ich Ihnen zusagte, ist trotz mancher Hindernisse denn doch zu Stande gekommen.

Der Auszug aller einzelnen Motive der Ilias, frisch durchgesehen, liegt bereit, um in einem der nächsten Hefte mitgetheilt zu werden. Dieses unschätzbare[96] Werk hat mich bey so naher und innigster Betrachtung wieder auf's neue in Erstaunen gesetzt. Wer es auch sey, der diese letzte Redaction, wie sie zu mir kommen ist, vollbracht hat, die Menschheit ist ihm sehr viel schuldig geworden. Bey dem Auszug fällt der Reichthum des Gehalts erst recht in die Augen, die von dem Glanz der Behandlung nicht geblendet sind. Neben dem Laconismus jedoch, dessen ich mich befleißigte, bin ich durch den Geist zu einem wunderbaren Unternehmen getrieben worden: die Gleichnisse ausführlich einzuschalten; dieß thut eine sehr erfreuliche Wirkung, weil eines Knochen- und Gliederwerk dadurch auf einmal belebt und bekleidet erscheint.

Mehr sag ich dießmal nicht, als daß ich wünsche, Sie möchten Ihre Gedanken zu mir hinrichten und sich wie bisher mit mir fleißig unterhalten.

Kann das Frühjahr Sie von Ihrer Vaterstadt loslösen und Sie in eine mehr lebendige Umgebung, in einen Kreis von Natur- und Kunstanschauungen versetzen, so wird es Ihnen gewiß sehr heilsam seyn. Eine mannichfaltige Unterlage zu Ihrem Denken und Betrachten bringt gewiß die herrlichsten Früchte. Nicht allein Wünsche sondern auch eine mögliche Einwirkung möchte ich mir gegönnt sehen.

Leben Sie recht wohl und gedenken mein.

treulichst

Weimar den 12. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


[97] Vorstehendes war geschrieben, als ich Ihren werthen Brief erhielt. Mit Bewunderung seh ich daraus die klare Einsicht verständiger Jünglinge in ihre keineswegs erfreulichen Lagen. Möge Homer indeß Ihnen über die nächsten Monate hinüber helfen, wie er mir durch die letzten durchhalf. Deine sodann mein Auszug Ihnen zu leichterer Übersicht und Vergegenwärtigung.

Und so füge ich weiter nichts hinzu als meine besten Grüße an Ihren guten Bruder und aufrichtige Wünsche, daß uns das Frühjahr eine heitere Sommeraussicht eröffnen möge.

Weimar den 13. Januar 1821.

G.


34/90.

An Christian August Kästner

[Concept.]

Sie sind, mein werthester Herr Professor, von dem Antheil überzeugt, denn ich Ihrer Person und Ihren Arbeiten gewidmet habe. Mir ist durch Ihr Bemühen schon so manche angenehme Belehrung und Anregung geworden, daß ich nichts mehr wünschen kann, als Sie immerfort munter und thätig zu wissen. Höchst unangenehm war mir daher das Sie betroffene Übel und ich konnte mich nur deshalb mit der eignen Erfahrung trösten, daß ich in meiner Jugend an ähnlicher Krankheit gelitten, bis die Natur [98] sich in's Gleichgewicht setzte, um sich noch so manche Jahre zu erhalten.

Möge das Gleiche auch Ihnen zu statten kommen, damit Sie ungehindert Ihre Studien und Betrachtungen fortsetzen und uns die erfreulichsten Früchte von Zeit zu Zeit mittheilen können.

In Hoffnung gedeihlicher Nachricht von Ihrem fernern Wohlbefinden sehe, für Sie so wie für uns alle, dem Frühling entgegen, welcher für Gesunde so wie für Genesende als das Heilsamste betrachtet werden kann.

Weimar den 13. Januar 1821.


34/91.

An Friedrich Theodor von Müller

Sollten Ew. Hochwohlgeboren in diesen Tagen eine halbe Stunde verwenden können, um das gestrige, von Ihnen so glücklich eingeleitete Geschäft nochmals zu besprechen, damit ein bis jetzt unsicheres Verhältniß gegenwärtig bey der so schicklichen Gelegenheit in's Gleichgewicht gebracht werde zur allseitiger Beruhigung. Der Dank, den wir Ihnen schuldig sind, wird sich auf diese Weise verdoppeln, und gar manches Gute zu bewirken seyn.

Verpflichtet für den Antheil, den Sie an einem braven Manne und unsern literarisch-moralischen Zuständen nehmen mögen,

gehorsamst

Weimar den 13. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


[99] 34/92.

An Christian August Vulpius

Auf Ihre heutige Anzeige, mein werthester Herr Rath, erwidere sogleich, daß wir das Geschäft wegen des großen Wörterbuchs ganz müssen fallen lassen, da ein unser Kräften angemessener Preis wohl nicht zu erhalten seyn möchte. Wegen der Schlosserischen Mittheilungen überlasse es ganz, wie solche dem Catalog am besten beyzufügen.

Zu irgend einer Anschaffung von Büchern aber kann ich mich vor Ostern nicht resolviren, da wir denn einen nach den Kräften der Casse eingerichteten Etat, das nächste Rechnungsjahr über, genau befolgen wollen.

Zu Ihrer fleißigen Behandlung des Geschäfts alles Glück wünschend.

Weimar den 14. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/93.

An Johann Friedrich Blumenbach

Daß meiner Sendung vom Anfange des Monats, der ich glückliche Überkunft und freundlichen Empfang wünschte, Gegenwärtiges später als billig nachkommt, dürfte wohl Vergebung hoffen, in Betracht der mit Eintritt des Jahrs zusammenwirkenden ältern Schulden und neueren Obliegenheiten. Und so sey denn nochmals Glück und Heil auf die nächste und längste [100] Zeit unseren verehrten Freunde bereitet, damit derselbige in seinem weiten und erfreulichen Wirkungskreise immerfort so vielen nützlich und ergetzlich arbeiten möge, worin wir denn auch eingeschlossen zu bleiben wünschen.

Die mannichfaltige Sendung hat allseitige Freude erregt. Die Deutlichkeit der Crystallisation an dem blauen Topas ist höchst merkwürdig, da ein solches Exemplar doch immer vielfach durch Bergwasser im Gerille möchte geschoben seyn, ehe es endlich, noch so wohl erhalten, zu uns gelangen konnte.

Die echte Cicade ist höchst schätzenswerth, denn sie giebt dem Kunstfreunde den anschaulichen Begriff, wie niedlich und zierlich ein solches Geschöpfchen, aus Gold nachgebildet, in den Haaren einer schönen Griechin mag geflattert haben.

Das gleichfalls classische Holz ziert, mit dem daraus gefertigten Geräthe, unser Museum. Wobey ich wohl zu näherer Belehrung fragen möchte: ob nicht irgend Richtung und Construction jenes merkwürdigen Alterthums abgebildet vorhanden sey.

Der Geber bleibe versichert, daß unser Dank der Gabe sich gleich zu stellen wünscht. Möge es gefällig seyn, aus den von allen Seiten ihm zufließenden Schätzen uns von Zeit zu Zeit einiges mitzutheilen.

Nun darf ich denn auch wohl meiner selbst gedenken und, was man mir ohne Versicherung glauben wird, versichern: daß der Beyfall, den die so lange[101] vergraben gebliebenen Tafeln endlich erhalten, nachdem sie von dem Augenlichte eines Kenners beschienen worden, mir nicht geringe Freude gemacht; nicht weniger, daß die spät zur Welt geborenen Hefte freundlich aufgenommen und auch in der gegenwärtigen Zeit einigermaßen nützlich befunden werden. Die Spuren des seit so vielen Jahren einwirkenden Lehrers wird weder er selbst noch andere Einsichtige verkennen. Möge die Folge gleichfalls einigen Antheil erregen! Dergestalt, daß auch fernerhin treuliche Winke zu sicherer Richtung und supplirende Bemerkung des unbekannt Gebliebenen oder Übersehenen belehrend bey mir einlangen.

Zum Schluße kann ich noch eine für uns sehr angenehme Nachricht anfügen, daß Herr Doctor Heusinger den Ruf nach Jena angenommen hat. Wir vergessen nicht, daß wir jedes von diesem braven Manne zu erwartende Gute dem einsichtig Empfehlenden schuldig sind, und möchten wohl in ähnlichen Vorkommenheiten denselben abermals angehen, um uns einer kenntnißreichen Berathung zu erfreuen, weshalb ich mir denn in jedem Falle die Erlaubniß anzufragen und mitzutheilen vorläufig erbitte.

Daß bey allem diesen die Gesinnung unseres gnädigsten Herrn eigentlich oben anstehen sollte, darf wohl nicht ausgesprochen werden, und ich schätze mich glücklich meine Wünsche und Hoffnungen an die Seinigen anschließen zu dürfen; möge Bild und[102] Gleichniß ein lebhaftes Andenken zu erhalten geeignet seyn und in guter Jahrszeit einen gewissen Reiz ausüben, eine zarte Nöthigung bewirken, in persönlicher Gegenwart ein wechselseitiges Zutrauen das dauerhafteste zu erneuern.

zu allem Guten und Schönen

treulich verbunden

Weimar den 15. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/94.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

unterthänigst aufzuwarten ergreife mit Freude jede Gelegenheit.

1. Sollte beykommendes Buch Höchstdenenselben noch nicht zu Augen gekommen seyn, so wird es gewiß unterhalten. Den Mann selbst haben wir, in seiner besten Zeit, bey Lavater oder Geßner getroffen, er gehörte unter die damals Aufmerksamkeit erregenden, genialisch praktischen Sonderlinge. Der Verfasser dieser Schrift ist der gegenwärtige Besitzer des Beckenhofs, eines hübschen Gütchens unter Zürch an der Limmat. Dort nöthigte uns ein Übelsein Lavaters auszusteigen und einzukehren, und dieser David Heß weiß von seiner Kindheit her sich manches Freundliche jenes Augenblicks zu erinnern.

[103] 2. Auch bey gegenwärtiger Tafel vermißt man noch den entschiedenen Abstand der Farben. Den hallischen Beobachter hat man deshalb gebeten, künftig ein helleres Blau anzuwenden. Mit Zahlen und Zeichen, Linien und Maaßen wird man immer eher fertig als mit Farben, über welche der Sinn sich schwerer aufschließt; indessen wird sich, mit einiger Geduld, auch hier das Ziel endlich erreichen lassen.

3. Der übersendete Stein ist allerdings ein Halbopal, welcher zu den Kopenhagnern sich gar freundlich gesellt. Das tigrirte Ansehen ist merkwürdig, auch hat er, an den völlig durchscheinenden Stellen, die Eigenschaft der trüben Mittel. Wenn Ew. Hoheit beykommendes, in schwarz und weiß getheiltes Papier an's Licht halten, den Stein aber über demselben etwa zwey bis drey Zoll hoch, so erscheinen die klaren Stellen gelb, über dem schwarzen Papier aber blau.

Am merkwürdigsten jedoch ist die Erscheinung wenn man ihn gegen den grauen Himmel hält und von unten aufsieht, da denn auch die weniger durchscheinenden Stellen farbig werden, und das schönste Purpur sich sehen läßt.

Ich halte es daher, sowohl an und für sich, als in Bezug auf die Kopenhagner Sendung für eine wünschenswerthe Acquisition, auch scheint er mir mit dem Weltauge in Verwandtschaft zu stehen und möchte vielleicht in Wasser getaucht noch durchscheinender [104] werden; zu welchem Experiment ich aber nicht gerade rathen will, weil solche Körper austrocknend leicht Risse bekommen.

Mich zu fortdauernden Hulden und Gnaden angelegentlichst empfehlend.

Weimar den 15. Januar 1821.


34/95.

An Johann Georg Lenz

Ew. Wohlgeboren

Danke für das übersendete, schöne und belehrende Exemplar, so wie ich Glück wünsche zu der angelangten reichen Sendung ich habe in diesen Wintertagen zu einiger Unterhaltung meine Mineralien-Sammlung ziemlich in Ordnung gebracht, wobey mir freylich Ihre Anleitung höchst willkommen wäre. Möchten Sie mir die Nachbarn der auf nachsteyendem Blatt verzeichneten Mineralien anzeigen und mir dadurch Nachricht geben, wo ich sie einzurangiren habe. Mich zu geneigtem Andenken empfehlend und schönstens grüßend.

ergebenst

Weimar den 16. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


Allanit. Dichroit. Cerit. Pikrolith. Gehlinit.


[105] 34/96.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

sehen gewiß mit Vergnügen, wie der würdige Blumenbach seinen Dank ausdrückt. Es ist so schön, wenn frühere Lebensverhältnisse, welche durch den Drang der Zeiten getrennt worden, sich endlich wieder gegen einander hinneigen. Da ich nur mit wenigen Worten, in Eile, jene Gnadengabe begleitete, so habe diese Tage einen weitläufigen Brief geschrieben, um die erneuerten guten Bezüge desto lebendiger anzuknüpfen.

Weimar den 18. Januar 1821.


34/97.

An Johann Carl Wesselhöft

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey die Revision des ersten Bogen zurück; der Druck nimmt sich sehr gut aus, die Correctur ist sorgfältig, nur wollen die leidigen Spießchen, dieser große typographische Mißstand noch nicht außen bleiben, ich habe derer mehrere zu bemerken gehabt. Manuscript folgt hierbey, und ich darf hoffen, daß es uns niemals daran fehlen werde.

Erneuern Sie mein Andenken bey Herrn Frommann und gedenken meiner im besten.

Weimar den 19. Januar 1821.


[106] 34/98.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

wünsche Glück zu der Ankunft des Antwerper Bildes und zu dessen gefälligem Gelingen, mich verlangt gar sehr es mit Augen zu sehen. Wegen der Beschreibung bitte um einige Nachricht; denn da sie zu keinem besondern Geschäft gehörte, so weiß ich nicht gleich, wo ich sie hinreponirt habe, ja sogar bin ich ungewiß, ob ich sie nicht sogleich zurücksendete, da ich sie unter den currenten Miscellanpapieren nicht vorfinde; doch kann sie sich nicht lange verstecken.

Das Siegel glaube ich mir folgendermaßen erklären zu dürfen. Dem Evangelisten Lucas ist von den vier prophetischen Thieren das Kind zugetheilt, dessen Haupt sich die Maler, des Heiligen Schützlinge, zugeeignet haben, hier sieht man dasselbe, obgleich nur schwach, mit Opferbinden geziert; drey kleine rothe Schilde, im silbernen Feld auf der Stirne, sind das herkömmliche Wappen der Malerzunft. Beides, sowohl Stierkopf als Schild, zeigen sich unten auf dem Titelkupfer der Sandrartschen deutschen Akademie. Die Jahrzahl 1442 möchte sich etwan auf Johann von Eycks Tod beziehen, der 1441, 71 Jahr alt, gestorben seyn soll. Die Erfindung der Ölmalerey fällt früher.

[107] Ein Actenfascicul über das neuere Verhältniß zu Blumenbach habe sogleich besorgt, wie Beylage zeigt, ich wünsche, daß dieses Heft, zu beiderseitiger Zufriedenheit, recht bald anschwellen möge.

Weimar den 21. Jänner 1821.


34/99.

An Carl Ernst Adolf von Hoff

[Concept.]

Hochwohlgeborner

Hochgeehrtester Herr.

Schon im Laufe mehrerer Jahre hatte ich öfters zu beklagen, daß, bey wiederholtem Zusammentreffen mit Ew. Hochwohlgeboren, niemals ein Verweilen statt gefunden, sondern über bedeutende Gegenstände nur eine vorübergehende Unterhaltung gegönnt war; indeß ich Geschäft und Wissenschaft, ethische und ästhetische Gegenstände gern mit Ihnen durchgesprochen, auch von verschiedenem, was in akademischen, besonders in Bibliotheksangelegenheiten geschehen, vertraulich Rechenschaft abgelegt hätte.

Da ich nun aber alles dieß Gewünschte immerfort entbehren müssen, so danke verpflichtet, daß Sie meiner in guter gesegneter Stunde gedenken und mich, in einem so freundlichen Sinne, an Sich und die lieben Ihrigen heranziehen wollen. Möge dieß eine entschiedene Vorbedeutung seyn erwünschter Annäherung,[108] worauf ich mich zum voraus freue; indessen aber walte zwischen uns ein sittliches geheimes Band, welches alle schönen Verhältnisse dauerhaft und immer fest zu umschlingen geeignet ist. Empfehlen Sie mich Ihrer theuren Frau Gemahlin zum allerbesten. Nehmen Sie meine redlichen Wünsche für das Gedeihen der lieben Ihrigen, und lassen mein Andenken immer unter sich lebendig bleiben.

Weimar den 21. Januar 1821.


34/100.

An August Abraham Schmeißer

[Concept.]

Das hierbey rückkehrende Stück durchzugehen wird mir bey sehr beschränkter Zeit unmöglich. Auch müßte diese Handschrift viel reinlicher seyn, wenn sie einen Kunstrichter oder gar Verleger anziehen sollte. Ein Schriftsteller müßte sich in Acht nehmen, so klar sehen zu lassen, wie er mit sich selbst uneins ist.

Mit den besten Wünschen.

Weimar den 21. Jänner 1821.


34/101.

An Sulpiz Boisserée

Hiebey folgt, mein theuerster Freund, die treffliche Ankündigung zurück. Da man durch dieselbe belehrt wird über Anlaß, Absicht und Leistung des [109] Werkes, so wüßt ich nicht, was man mehr, noch was man anders sagen sollte. Mir bleibt nichts übrig, als wiederholte Wünsche zum Gedeihen der Unternehmung. Mit den schönen Nachbildungen in Steindruck hab ich schon manche Freunde ergetzt; auch hiezu treulichen Wunsch zu bestem Gelingen.

Um mich her sieht es immer noch sehr bunt aus; die Setzer treiben jetzt, und ich lasse mir's gefallen, weil gegen Pfingsten meinen werthen Freunden etwas Erfreuliches zur Hand bringen möchte.

Meinen Brief vom 15. haben Sie nun erhalten, so wie ich alles, was Sie mir bestimmten. Leben Sie zum besten und gedenken mein.

treulichst

Weimar den 22. Januar 1821.

G.


34/102.

An Johann Heinrich Meyer

Es wird nach dem Catalog der letzten Antwerpner Ausstellung gesucht; sollte sich derselbe, wie ich fast vermuthe, bey Ihnen befinden, so erbitte mir solchen.

Weimar den 22. Januar 1821.

G.


34/103.

An den Großherzog Carl August

Königliche Hoheit!

In meinen Tagebüchern finde notirt: daß den fraglichen Brief am 17. November v. J. Höchstdenenselben [110] zurücksendet; vielleicht hilft dieses auf die Spur; wie ich denn auch das Verzeichniß der Antwerpener Ausstellung aufzufinden hoffe. Ich erhielt es in Jena, und die darin oft vorkommende schöne Anthia interessirte mich so sehr, daß ich ihre Liebesabenteuer mit dem gleich schönen Abrokomas fleißig studirte, um den Bezug auf die ausgestellten Bilder desto besser einzusehen.

Das gegenwärtig angekommene Gemälde ist nur kurz angezeigt, ohngefähr wie folgt: »Justus Lipsius arbeitet, als literarischer Gehülfe und Corrector, in der Blandinischen Druckerey, ihm wird von der Hausfrau der junge Rubens in eben dem Zimmer vorgestellt, welches noch bis auf den heutigen Tag in seinem alten Zustande gelassen worden, wie es denn auch der Künstler zum Schauplatz seines Bildes mit allem Detail nachgebildet hat.«

Hofrath Meyer weiß nicht Gutes genug von dem Bilde zu sagen und erbittet sich die Erlaubniß, solches im nächsten Hefte nach Würden anzuzeigen. Indessen wird es wohlgethan seyn, eine Beschreibung des Bildes zu Gunsten der Beschauer aufzusetzen. Wir legen sie in diesen Tagen Höchstdenenselben zur Prüfung vor, und man könnte sie dem Castellan zu eigener und fremder Belehrung alsdann einhändigen.

unterthänigst

Weimar den 22. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


[111] 34/104.

An die Großherzogin Maria Paulowna

Durchlauchtigste Erbgroßherzoginn,

gnädigste Frau.

Das theure Fürstliche Paar heute bey mir zu verehren macht mich sehr glücklich; einen längst gehegten Wunsch sehe ich dadurch erfüllt.

Den erfreulichen Augenblick erwartend

unterthänigst

Weimar den 22. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/105.

An Friedrich Siegmund Voigt

[Concept.]

[24. Januar 1821.]

Bey Ew. Wohlgeboren soll im Namen Serenissimi anfragen, wie die Pflanze heiße, von der unser vortrefflicher Blumenbach Meldung gethan, als der einzigen, welche eine schwarze Blume hervorbringt?

Ferner wünschen Serenissimus von dem gegenwärtigen Betragen Dietrichs und seinem Verhältniß zu Ew. Wohlgeboren unterrichtet zu seyn.

Mir über beides Auskunft erbittend empfehle mich zum allerschönsten.


[112] 34/106.

An Georg Gottlieb Güldenapfel

Ew. Wohlgeboren

übersende hiebey ein Geschenk des Herrn Canzler von Müller für die akademische Bibliothek, welches einzutragen und mit einem freundlichen Dank von Seiten Ew. Wohlgeboren vielleicht zu erwidern wäre.

Sodann wünschte auf beykommenden Protokollauszug und die darin berührte Angelegenheit eine kurze berichtliche Nachricht, um deshalb höchsten Orts die nöthige Erklärung abzugeben.

Das Beste wünschend und mich zu geneigtem Andenken empfehlend.

ergebenst

J. W. v. Goethe.

Weimar den 24. Januar 1821.


34/107.

An den Großherzog Carl August

Königliche Hoheit!

1. Das gesuchte Heft stand geruhig in Jena, woher es ankommend schuldtigst aufwartet. Die Anzeige ist freylich sehr laconisch; indessen sind hier historische Untersuchungen bewirkt worden, wodurch man sich im Stande sieht, mit Beyhülfe der schon mitgetheiten Notizen, eine hübsche auslangende Darstellung des Bildes aufzusetzen, welche nächstes überreiche.

[113] 2. Es thun sich freundliche Aussichten auf zur Ausgabe eines allgemeines meteorologischen Journals, wovon ich das Nähere durch Geh. Referendar Helbig vorzutragen mir die Erlaubnis erbitte, weil es gut seyn möchte, wenn dieser junge Mann mit dem ganzen Umfange des Geschäftes nach und nach vertraut gemacht wird.

Das meteorologische Problem ist freylich gar zu verwickelt. Was dem Beobachter bald auffallen muß und ich seit zwey Jahren wohl bemerke, ist, daß die sämmtliche Symptome, sie mögen barometrisch, thermometrisch, hygrometrisch heißen, eben so auch die Wolkenformen, in jeder Jahrszeit etwas anders bedeuten, nicht weniger in verschiedenen Klimaten, Bergeshöhen u.s.w. weshalb denn die Beurtheilung, bey noch so großer Gewandtheit des Geistes, immer schwer fällt. Was die jetzige Witterung betrifft, so glaube ich, daß die Nebelregion sich nicht hoch erstreckt. Wer jetzt auf dem Brocken stünde, würde ein ganzes Wogenmeer unter sich sehen und sich in brennender Sonne befinden. Das sind jedoch individuelle Überzeugungen, entsprungen aus analogen Phänomenen, wodurch das Ganze kaum gefördert wird. Doch muß man an nichts verzweiflen und immerfort sein Schärflein treulich beytragen.

3. Die Anfragen nach Jena gehen heut ab, und ich sehe einer baldigen Beantwortung entgegen.

[114] Gnädigste Erlaubnis Verschiedenes, was sich vorbereitet, nachzubringen erbittend.

unterthänigst

Weimar den 24. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/108.

An die Großherzogin Maria Paulowna

Durchlauchtige Erbgrosherzoginn,

gnädigste Frau.

Ew. Kayserlichen Hoheit wünscht persönlich für die höchstbedeutende Mittheilung nächstens verbindlichst zu danken.

unterthänigst

Weimar d. 24. Jan. 1821.

J. W. v. Goethe.


34/109.

An Carl August Schwerdgeburth

[Concept.]

[24. Januar 1821?]

Herr Schwerdgeburth wird ersucht, bey der zu unternehmenden Arbeit folgendermaßen zu verfahren. Da nämlich die Absicht ist, den in Holz geschnittenen Triumphzug des Mantegna zu complettiren, so wäre der auf durchscheinend Papier schon durchgezeichnete Kupferstich umzukehren und die vergrößerte Zeichnung dergestalt einzurichten, daß die ersten Figuren des letzten Blattes sich unmittelbar an den Triumphwagen [115] anschlössen und, wie der ganze Zug, gleichfalls von der Rechten des Zuschauers zur Linken gingen; die Architektur des obern Theils bleibt weg, wie schon besprochen worden.


34/110.

An Friedrich Wenzel

Nicht ohne Rührung konnt ich die posthume Gabe unseres guten Bergrath Voigt empfangen; sein Tod war, wie ich höre, seinem Leben gleich; heiter und unbefangen im Geschäft, Liebhaberey und Betragen, ließ er jedesmal, als man ihm begegnete oder mit ihm wirkte, einen angenehmen Eindruck zurück. Eben so gelang es ihm, bey seinem Abscheiden den Nachlebenden ein erfreuliches Beyspiel zu geben, wie ein so bedeutend-bedenklicher Übergang doch auch zuletzt als etwas Natürliches und Gewöhnliches erscheinen könne. Haben Sie den besten Dank für den ausgerichteten Auftrag und bleiben meiner Theilnahme gewiß.

Wollen Sie mir oder Herrn Rath Vulpius, der davon Kenntniß hat, diejenigen Bücheranzeigen, die Sie nach und nach zu erhalten wünschen, nicht weniger die Art und Weise eines sichern Überkommens angeben, so wird Ihren Wünschen, bey einem so lobenswerthen Unternehmen, nichts entgegen stehen.

Und so lassen Sie mich denn auch bey dieser Gelegenheit einen Wunsch aussprechen, dessen Erfüllung[116] ich unter den gegebenen Umständen wohl hoffen kann. Wenn sich nämlich in der Verlassenschaft des Seligen schöne ausgesprochene Exemplare der Kammerberger und Manebacher Pflanzenabdrücke finden sollten; so würde gerne solche um ein Billiges acquiriren; ich besitze derselben zwar hinreichend, da ich aber grade mit Grafen Sternberg, als dem fleißigsten Beobachter der vorweltlichen Flora, in Verbindung stehe und ihm gar manches schuldig geworden; so möchte gern aus unserer Gegend auch etwas der Art demselben erwidern und ersuche Ew. Wohlgeboren daher, mir auf ein oder andere Weise dazu behülflich zu seyn.

Sollten Fossilien dieser Art aus andern Gegenden sich in dem Nachlaß vorfinden, so würde solche in meinen Wunsch mit einschließen.

Der ich mich zu geneigtem Andenken empfehle und zu theilnehmender Mitwirkung, zu allem Guten und Nützlichen mich aufrichtig erbiete.

ergebenst

Weimar den 25. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/111.

An Carl Emil Helbig

nehmen gefällig von beyliegendem Acten-Fascikel einige Kenntniß, und schenken mir in diesen Tagen[117] das Vergnügen Ihres Besuchs, da ich denn das Weitere in dieser Sache, die sich ganz nach den Wünschen unsers gnädigsten Herrn anläßt, umständlicher zu besprechen wünschte.

Mit besonderer Hochachtung

ergebenst

Weimar den 27. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/112.

An Carl Christoph Haage

[Concept.]

Ew. Wohlgeboren

haben die Gefälligkeit gehabt mir Hüttnerische Relationen zu übersenden, darin finde abermals mehrere Bücher von Serenissimo angestrichen, weshalb ich anfrage, ob Ew. Wohlgeboren solche schon bestellt haben? damit nichts versäumt werde, auch nicht etwa eine unnöthige Bestellung durch mich geschehe. Außer diesem hätte ich nur die besten Empfehlungen an diesen Freund in London zu bitten.

Weimar den 27. Januar 1821.


34/113.

An Georg Gottlieb Güldenapfel

Ew. Wohlgeboren

lassen beykommendes Sanskrit-Lexikon in's Vermehrungsbuch eintragen, dabey aber noch nicht bemerken, [118] woher es gekommen, welches nachzubringen ist. Herrn Professor Kosegarten ist jedoch die Ankunft des Werkes sogleich zu melden und gegen Schein zum Gebrauch zu überlassen.

Der ich zu fortgesetzter Thätigkeit das beste Befinden wünsche.

ergebenst

Weimar den 28. Januar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/114.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

geruhen aus Beykommendem zu ersehen, was Hofrath Voigt auf die an ihn gelangten Anfragen zu erwidern wußte. Dietrich hat sich von seiner Leitung völlig los gesagt, wie mir diesen Sommer schon bekannt war, er studirt Medicin auf seine eigene Hand und Verantwortung, und es möchte weder räthlich noch möglich seyn ihn wieder heranzuziehen.

Wollten Höchstdieselben das, was Sie ihm bisher gegönnt, unserer Casse zuwenden, so würde es ihr, bey dem sehr gesteigerten Etat des botanischen Capitels, gar sehr zu Gute kommen und gewiß auf das zweckmäßigste verwendet werden.

Weimar den 28. Januar 1821.


[119] 34/115.

An Friedrich Siegmund Voigt

Ew. Wohlgeboren

erhalten hiebey eine merkwürdige Sendung. Die kümmerliche Gestalt der auch uns bekannten Pflanzen deutet auf ein trauriges Vaterland; Serenissimus denken diese Acquisition nach Jena zu stiften und wünschen vorher Geschlecht und Art soviel möglich beygeschrieben zu sehen. Ew. Wohlgeboren übernehmen wohl dieses für Sie selbst nicht uninteressante kleine Geschäft.

Ich habe vorerst nur die Dicotyledonen ausgelesen, in der Folge sende die Monocotyledonen und Cryptogamen. Merkwürdig waren mir unter den gegenwärtigen die wunderbaren Fäden mit kleinen Blättchen an einer Pflanze, die mir übrigens ein tussilago zu seyn scheint. Andere Bemerkungen und Unterschiede werden Ew. Wohlgeboren gewiß nicht entgehen.

Hochachtungsvoll und das Beste wünschend

ergebenst

Weimar den 2. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


Abschrift

einer von Serenissimo mitgetheilten Notiz.


Diese getrockneten Pflanzen hat mir S. G. Sinclair in London unter Dat. des 4. Januars 21 gesendet und dazu [120] geschrieben, sie wären von der Melvilles Insel, von woher der Capitän Patty sie von der Nordpol-Expedition mitgebracht habe. S. Sinclair bekam sie vom Sir Benjamin Hobhause, Vater des bekannten Redners im Unterhause, der von dem Capitän Parry ein Neffe ist.

28. Januar 21.


34/116.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königliche Hoheit

erlauben über verschiedene Puncte abermals kurze Vorträge.

1. Die von England erhaltenen getrockneten Pflanzen sind allerdings höchst merkwürdig, sie zeugen unwidersprechlich, daß bey uns einheimische Geschlechter und Arten sich so hoch nach Norden hinauf ziehen. Wenn sie Hofrath Voigt, dem ich solche zuschickte, erst alle benamset hat, wird die Betrachtung noch fruchtbarer werden.

2. Das auf hiesiger Bibliothek zu diesem Jahr neu angefangene Witterungsbuch wird Rath Vulpius heute früh noch vorlegen, einen gnädigen Beyfall und weitere Befehle sich erbittend. Monatlich könnte nunmehr eine solche Tabelle ausgezogen und bey Höchstdenenselben eingereicht, sodann aber Posselt mitgetheilt werden; dieser besorgte denn auch für Weimar eine barometrische Zwischenlinie.

[121] 3. Wegen zweydeutiger Barometer-Bestimmungen müßte man nach und nach zu einer anhaltenden Vergleichung schreiten: denn solch ein Fall ist in diesen Tagen zu Jena vorgekommen, wo drey Barometer, auf der akademischen Bibliothek, bey Döbereiner und bey Posselt, eine Differenz zeigten, die ihrer höhern oder tiefern Lage nicht gemäß war. Auf's Frühjahr setzte Posselt sodann seine, auf barometrischem Wege begonnene Höhenmessung, mit Vergnügen und Eifer fort, so wie denn auch [durch] die zwischen Schöndorf und Jena gezogene weimarische Linie obwaltende Abweichung hoffentlich in's Klare kommen wird.

4. Kosegarten, durch das Sanskrit-Lexikon höchst erfreut und gefördert, meldet außerdem noch folgendes »Auch ein paar Alt etc. bis Einbad.«

Weimar d. 4. Febr. 1821.


34/117.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Durchlauchtigster Großherzog,

Gnädigster Landesfürst und Herr!

Ew. Königliche Hoheit geruhen nachfolgenden unterthänigsten Vortrag mit Höchstdero gewohnten milden Gerechtigkeitsliebe aufzunehmen.

Großherzogliche Landesregierung hat unterzeichnete Behörde benachrichtigt, daß der bey dem Bibliotheksgeschäft [122] angestellte Diener: Johann Christoph Sachse, wegen am 5. December v. J. an der Witwe Johanna Maria Querndt verübten groben Mißhandlungen zu sechswöchentlicher Gefängnißstrafe verurtheilt worden.

Wenn nun großherzogliche Regierung, wie schon vorauszusetzen, zum Überflusse versichert: hiebey alle Milderungsgründe berücksichtigt zu haben, so kann Unterzeichneter nur bedauern, daß ein bey dem friedlichsten sittlichen Bildungsgeschäft angestellter bejahrter Mann sich eines solchen Vergehens schuldig gemacht, daher man denn auch nicht sowohl um Milderung der Strafe bittet, als um gnädigste Bestimmung derselben auf eine Weise, daß ein so bedeuten des und keine Unterbrechung leidendes Institut durch Entziehung eines nothwendigen Dieners nicht zugleich mit gestraft werde.

Unterthänigst vertrauend: Höchstdieselben werden diesen Umstand huldreichst in Betracht ziehen, findet man sich gedrungen, noch eine Bemerkung hinzuzufügen.

Aus der strafbaren That selbst sowohl, als aus denen von Sachsen angebrachten Entschuldigungsgründen geht hervor: daß dieser Mann in einem leidenschaftlich-irrigen Seelenzustande befangen sey; wie er denn auch schon im Laufe seiner Dienstjahre, obgleich an seiner Stelle thätig und brauchbar, sowohl seinen Vorgesetzten als Geschäftsgenossen manchen Verdruß aus düsterm Eigensinn, halsstarrigem Dünkel und Rechthaben verursacht.

[123] Sollte dieser sein Gemüthszustand, welcher freylich durch langwieriges, kaum zu ertragendes Haus- und Familienkreuz immer mehr geschärft und verbittert worden, durch gegenwärtige Ahndung des heftigen Ausbruchs nicht verbessert, vielleicht gar verschlimmert werden und durch bedenkliche Symptome sich bemerklich machen, so wird der Vorbehalt erlaubt seyn, hievon pflichtschuldige Anzeige zu thun und auf Entfernung des Mannes von seiner Stelle geziemend anzutragen, womit er denn vorläufig bedroht vor geringeren und größeren Irrthaten gewarnt und vielleicht noch gerettet werden könnte.

Verehrend.

Weimar den [6.] Februar 1821.


34/118.

An Ernst Ludwig Grosse

[Concept.]

Seit dem ich die Direction des weimarischen Theaters verlassen und mich zu andern Geschäften gewendet, erlaubt mir meine Zeit nicht, Schauspiele zu lesen noch weniger zu beurtheilen; es thut mir also sehr leid, daß ich Ihr Vertrauen nicht erwidern kann, sondern beykommendes Manuscript uneröffnet zurücksenden muß.

Eben so wenig erlauben mir Jahre und körperliche Zustände Fremde zu sehen und ihnen einen [124] freundlichen Empfang zuzuwenden, es thut mir also leid, daß ich Ihnen auch diesen Wunsch versagen muß und Sie nur mit frommen Wünschen auf Ihrer Reise begleiten kann.

Weimar den 8. Februar [1821.]


34/119.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

sage zuförderst verpflichteten Dank für die Mittheilung des herrlichen Kupfers, dessen Aufbewahrung ich mir wohl noch einige Tage erbitten darf. Es giebt zu gränzenlosem Kunstvergnügen und eben so zu den schönsten Betrachtungen Anlaß. Die eintretende Pubertät einer so hochbegabten Natur konnte nicht liebenswürdiger ausgedruckt werden.

2. Lege ein paar mayländische Briefe bey, woraus ersichtlich, daß jenes von Höchstdenenselben hinspedirte Heft gar freundlich aufgenommen worden und seine Wirkung völlig erreicht hat. Es freut mich gar sehr, daß man solchen um Ew. Königliche Hoheit und uns alle so wohl verdienten Männern etwas Wünschenswerthes erzeigen können. In eine so weite Ferne, in ein fremdes Land hinüber gelingt es nicht immer. In dem nächsten Hefte find ich nochmals Gelegenheit von dieser Tragödie zu sprechen, in dem ich den Verfasser [125] gegen italienische und englische Kritiker, wie er gar wohl verdient, in Schutz nehmen.

Weimar den 13. Februar 1821.


34/120.

An Friedrich Justin Bertuch

Ew. Hochwohlgeboren

fahren fleißig fort, sich um die Pflanzenwelt verdient zu machen, indem Sie den Werth der großen Schätze welche unser theuerer Fürst versammelt den kenntnißreichen botanischen Freunden so klar und bestimmt vorlegen. Freylich mag gar manches an der Nomenclatur zu erinnern seyn, deshalb wir denn auch dem guten Dennstedt Dank wissen. Lassen Sie mich hoffen, bey wieder erwachendem Frühling Sie gesund und froh bald wieder anzutreffen.

gehorsamst

Weimar den 14. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/121.

An Carl Ludwig von Knebel

Endlich, theuerster Freund, wird mir ein dringendes Anliegen erfüllt, welches ich so oft seit vielen Jahren ausgesprochen habe, deine Übersetzung nämlich des Lucrez gedruckt zu sehen. Herrn Göschen will ich den schönsten Dank sagen, daß er sich hierin, wie in so manchem andern, bereitwillig erwiesen unsere Muse zu begünstigen.

[126] Nun bleibt mir aber nichts zu wünschen übrig, als, dieses wohl bedachte und durchgearbeitete Unternehmen auch von unserm Publicum freundlich aufgenommen zu sehen.

Du hast, mein werthester Freund, wie ich von früher Zeit her weiß, die Absicht, diese Ausgabe mit einem Vorwort zu begleiten, und ich fühle gar wohl, daß du über die Art und Weise, wie dieses geschehen könne, einigermaßen in Zweifel schweben müssest. Wie ich jedoch darüber denke, will ich ohne weiteres in einem, hoffentlich, passenden Gleichnisse ausdrucken.

Wenn wir irgend einen bedeutenden Reisenden auswärtigen Gönnern und Freunden zu empfehlen gedenken, so drückt man zuerst die Eigenschaften aus, die ihn günstig einführen und würdigen Personen auch würdig darstellen können, überläßt aber alsdann, ohne umständliche Schilderung, ihnen selbst, inwiefern sie sich näher anschließen und sich mit seinen Eigenheiten nach und nach befreunden wollen. Sollte dieser Vorschlag auf den gegenwärtigen Fall anzuwenden seyn, so wünsche von dir, der du diesen Freund innig kennst, das Nähere zu erfahren.

treulichst

Weimar den 14. Februar 1821.

Goethe.


Was ich jedoch, wenn ich einen methodischen Gang einer solchen Unterhaltung denke, am ersten beachtet wünschte, ist Folgendes:

[127] Was unsern Lucrez als Dichter so hoch stellt und seinen Rang auf ewige Zeiten sichert, ist ein hohes tüchtig-sinnliches Anschauungsvermögen, welches ihn zu kräftiger Darstellung befähigt; so dann steht ihm eine lebendige Einbildungskraft zu Gebot, um das Angeschaute bis in die unschaubaren Tiefen der Natur, auch über die Sinne hinaus, in alle geheimsten Schlupfwinkel zu verfolgen. Dieses beides wäre vor allen Dingen durch Hindeutung auf die wichtigsten Stellen zu belegen.

G.


Nachschrift.

So eben erhalte die wirklich sehr schön gerathenen Druckbogen. Ich will sie leicht heften lassen, weil es ohne dieses schwer, ja beynahe unmöglich ist, das Lateinische mit der Übersetzung zu vergleichen, welches man denn doch nicht unterlassen kann.

Von denen Briefen, welche du mir in dieser Angelegenheit schreibst, brauchst du keine Abschrift zu nehmen, denn ich formire ein Fascikel Acten, welches man zuletzt, nach dem bewußten Zweck, redigiren kann.

Weimar den 14. Februar 1821.

G.


34/122.

An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, theuerster Freund, einige ruhige Stunden dieser Tage an beykommendes Manuscript [128] wenden, und, das Bleistift in der Hand, beobachten, ob der Fluß des Ganzen ungehindert dahinschleicht und ob im Einzelnen vielleicht hie und da noch irgend etwas ausführlicher zu behandeln wäre, so würden Sie mich sehr verbinden.

treulichst

Weimar den 16. Februar 1821.

Goethe.


34/123.

An Carl Ferdinand Friedrich von Nagler

Mit einigem Widerstreben lege hier eine kleine eigenhändige Zeichnung bey, da mir die Unvollkommenheit solcher Bemühungen nur gar zu sehr bekannt ist. Weil nun aber die Versuche der Dilettanten kein Kunstverdienst mit sich führen, so thut man wohl, irgend etwas Gemüthliches hinzuzufügen.

Und da wäre denn bey dieser Kleinigkeit zu bemerken: daß sie mir selbst deshalb lieb und werth sey, weil sie unter die Blättchen gehört, welche in den Abendunterhaltungen bey Herzogin Amalie entsprangen, woselbst ein höchst gebildeter Kreis sich versammelte und jeder auf seine Weise sich selbst und andere unterhielt.

Indeß einige Karte spielten, die andern Musik machten, beschäftigten sich, neben Ihro Durchlaucht, der Engländer Herr Gore, seine älteste Tochter und ich mit mancherley Entwürfen und Skizzen, Rath[129] Kraus beobachtete mit mahlerischem Blick unterweilen die Gesellschaft und faßte gelegentlich manch artiges Bild auf, von welchen Darstellungen noch einige übrig geblieben sind. Soviel sey gesagt, die Mängel des Blättchens nur einigermaßen zu decken und es geneigter Aufnahme bescheiden zu empfehlen.

Weimar den 17. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/124.

An Carl Friedrich Zelter

Dem guten vieljährigen Freunde Max Jacobi habe den besten Dank abzustatten, daß er ein flüchtiges Blatt von dir herausgelockt, auf welchem du mich mit einem Hymnus auf Romeo und Julie endlich wieder einmal begrüßest.

Seit dem Besuch meiner Kinder bey euch, dem thätigen Gegenbesuch der Künstler und Kunstfreunde, der dortigen Anwesenheit des umsichtigen Meyers, steh ich in einem stillen wunderlichen Verhältniß zu Berlin; ich begreife nämlich kaum, wie ihr, hastig lebend, so viel genießend, euch gränzenlos zerstreuend, doch noch nebenher auch wieder für's Leben sorgen könnt? Deshalb man gern verzeiht, wenn euch eine Wirkung in die Ferne nicht immer anwandlen kann.

Solche Vorstellungen und Betrachtungen sind denn wohl dem Einsiedler zu verzeihen, der diesen ganzen Winter über weder Haus noch Stube verlassen, [130] sich körperlich und geistig wohl befindet und keinen Tag, durch krankhafte Hindernisse genöthigt, dießmal zu verpassen brauchte.

Zu Ostern denke ein frisches Heft Kunst und Alterthum den Freunden darzubringen, so wie einen Band Wilhelm Meisters Wanderjahre.

Dieses ist den doch das höchst Reizende eines sonst bedenklichen Autor-Lebens, daß man seinen Freunden schweigt und indessen eine große Conversation mit ihnen nach allen Weltgegenden hin bereitet.

Der Musiker ist in demselben Fall, er muß sich aber anders benehmen wie gewisse Freunde, die weder die Reuetöne zarter Magdalenen, noch den Appell an das allgemeine Weltgenie ihren stillen Abwesenden zu Gute kommen lassen.

Dem allen ohngeachtet will ich das letzte Heft Morphologie nicht länger zurück halten, sondern solches mit dem Wunsch übersenden, daß auch dir darinnen etwas Erfreuliches bereitet seyn möge.

Zum Schluß melde noch, daß Fräulein Ulrike sich beschwert, von dir seit langer Zeit keinen Gruß vernommen zu haben. Kinder und Enkel befinden sich übrigens wohl und grüßen.

treulichst

Weimar den 18. Februar 1821.

G.


[131] 34/125.

An Johann Wolfgang Döbereiner

Ew. Wohlgeboren

für das letzte gehaltreiche Schreiben zum verbindlichsten dankend, kann versichern, daß es mich auf's erfreulichste angeregt hat, über diese wichtigen, so nahe verwandten Erscheinungen zu denken. Ich wünsche daher bald über die Fruchtbarkeit Ihrer Ansicht, daß physische Wirkung zugleich auch chemische hervorbringen könne, mündlich das Weitere zu verhandeln. Inzwischen bemerke, daß man wohl auf gleiche Weise genug mit einander verwandt sey, und daß man bey einer friedlichen Ansicht der Natur nicht auf einer steilen schmalen Leiter, sondern auf einem gelinden und breiten Planum inclinatum auf- und niedersteigt.

Ferner hätte ich, da uns die Kälte noch begünstigt, Sie zu ersuchen, Sie möchten in Gefolg der Bemerkung, daß auch durch's Erkalten die durchsichtigen Körper entoptische Eigenschaften erlangen, einen gleichen Versuch mit gläsernen Täfelchen machen. Bey freyer Übersicht darf man gar wohl aussprechen, daß die entoptische Wirkung vom Temperaturwechsel herrühre. Wenn man also ein im hohen Grad erkaltetes Glas unmittelbar in starke Wärme brächte, so wäre zu vermuthen, daß ihm die Eigenschaft, [132] Formen und Farben hervorzubringen, mitgetheilt würde.

Mit den besten Wünschen und Empfehlungen.

ergebenst

Weimar den 18. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/126.

An Johann Friedrich Rochlitz

Ew. Wohlgeboren

verzeihen, wenn ich erst späte und nur mit wenigen Worten vermelde: daß wirklich an dem ersten Band von Wilhelm Meisters Wanderjahren gedruckt wird, damit er Ostern erscheinen könne. Auch dieser wunderlichen verspäteten Production erbitte Gunst und Antheil.

Ihren auserlesenen Arbeiten werde gern manche ruhige Stunde widmen und, wie sonst, daraus mannichfaltiges Vergnügen schöpfen. Erhalten Sie mir ein geneigtes Andenken! Gedrängt von vielen Seiten! Eiligst.

aber treulichst

Weimar den 18. Februar 1821.

Goethe.


34/127.

An Carl Ludwig von Knebel

[18. Februar 1821.]

Mich freut es sehr und muntert mich auf, daß meine Vorarbeit zum Lucrez deinen Beyfall hat, denn [133] wer kann sie besser empfinden und beurtheilen als du, der du das treffliche Wesen so innig kennst. Anregung aber bedarf es freylich zu der Ausführung des Angekündigten, ich fürchte mich gewissermaßen selbst davor; meine Absicht ist, sie diesen Sommer in fremden Landen vorzunehmen, wo der Geist freyer wirkt. Vorbereiten aber will ich mich, und dann würde doch das Beste seyn, wenn wir etwa vierzehn Tage zusammen conferirten und die Sache von Grund aus durchsprächen. Meiner Ansicht bin ich gewiß, weiß auch, was und wohin ich will, aber man muß sich erst eines großen Details versichern, wenn man ein solches Wesen durch die vier Categorien von Mensch und Römer, Dichter und Naturphilosoph durchführen will. Doch müssen wir es uns schwer machen und lieber eine Skizze geben als zurücktreten.

Durch die Wendung, den angefochtensten Theil seines Werks, das leidenschaftliche Läugnen der Unsterblichkeit, in's Komische zu spielen, gewinnen wir unendlich; so wie sich recht gut wird zeigen lassen, daß alles, was ihm zum Jahrhundert als Schuld anzurechnen ist.

Tischbein ist sehr vergnügt über die Darstellung seiner Idyllen und sendet immer eins nach dem andern.

Den Auszug aus der Ilias darf ich wohl empfehlen; ich habe mir ihn zu eignem Gebrauch vor vielen Jahren gefertigt. Sie streiten: ob die Ilias [134] als ästhetisch Ganzes betrachtet werden könne, und wie viele dürfen behaupten, daß sie solche im Ganzen und Einzelnen gegenwärtig haben. Durch diese factischen Grundzüge menschlicher Thaten, belebt durch die begeisterten Gleichnisse, wird es eher möglich. Ich les' es manchmal wieder, weder Lehrer noch Schüler dürfen künftig diese Einleitung entbehren, die in dieser Art und Vollständigkeit noch nicht da ist. Mich regt's oft auf, diesen oder jenen Gesang wieder zu lesen, man faßt ihn alsdann gleich an seiner Stelle, ohne daß uns das Rückwärts und Vorwärts verdüstert würde.

Hab ich dir schon aus einem andern Fache des vortrefflichen d'Altons zweytes Heft der Osteologie [genannt]? Das erste enthält die Faulthiere, dieses die pachydermata, die dickhäutigen schweineartigen Geschöpfe, Elephant, Rhinoceros, Hippopotamus u.s.w., mit der größten Einsicht und Geschicklichkeit gezeichnet und mit herrlicher Übersicht commentirt.

Von einer andern Seite harret uns über diesen Gegenstand entschiedene Aufklärung und Förderung. Hofrath Carus ist von seiner [Reise] nach Genua zurückgekommen, und wir haben von ihm ein herrliches Werk über das Schalen- und Knochengerüst der Thiere zu erwarten. Da wird uns denn die Consequenz der Natur immerfort reiner vor den äußern und innern Sinn gebracht werden.


[135] 34/128.

An Friedrich Wilhelm Riemer

[Concept.]

Mögen Sie, werthester Herr Professor, beykommender Geschichte einige Aufmerksamkeit schenken und mir vielleicht Winke geben, wie hie und da, zum Vortheil der Darstellung und des Vortrags, noch etwas Vortheilhaftes geschehen könne; so werden Sie mich sehr verbinden, und eine baldige Abendunterhaltung wird durch an Interesse gewinnen.

Das Beste wünschend.

Weimar den 18. Februar 1821.


34/129.

An die Großherzogin Maria Paulowna

Durchlauchtigste Erbgroßherzoginn

gnädigste Fürstinn und Frau.

Der gute Meyer ist heute Abend nicht bey mir erschienen; doch darf ich das anvertraute Heft weder zurückhalten, noch unbegleitet übersenden. Ich wage daher auszusprechen: daß ein vorzügliches Werck uns, durch einen genugsam-klaren, ausführlichen Bericht in diesen Blättern bekannt werde.

Verehrend, anhänglichst

unterthänigst

Weimar den 19. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


[136] 34/130.

An Friedrich Justin Bertuch

Ew. Hochwohlgeboren

erhalten hiebey die letzte Sendung aus London. Die vorhergehenden Stücke sind noch in den Händen des Buchbinders, welche gegenwärtigem bald nachfolgen sollen.

Mich geneigtem Andenken empfehlend.

gehorsamst

Weimar den 21. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/131.

An Carl Ludwig von Knebel

Um einen Schritt nach unserm löblichen Vorsatz weiter zu thun, erkläre mich über eine Stelle meines vorigen Briefes etwas umständlicher und sage: die Anschauung könne eine physiologische und eine pathologische seyn. Erstere macht den Naturforscher, letztere den Arzt; daß Lucrez zu beiden befähigt gewesen, ist wohl kein Zweifel; schön wäre es daher, wenn man Stellen andeutete, wo derselbe die Natur in ihrer ganzen Fülle und Gesundheit, sodann aber, wo er sie als krank und mangelhaft gleichfalls erkennt und ausspricht.

Zur Anschauung gesellt sich die Einbildungskraft, diese ist zuerst nachbildend, die Gegenstände nur wiederholend. Sodann ist sie productiv, indem [137] sie das Angefaßte belebt, entwickelt, erweitert, verwandelt.

Ferner können wir noch eine umsichtige Einbildungskraft annehmen, die sich bey'm Vortrag umherschaut, Gleiches und Ähnliches erfaßt, um das Ausgesprochene zu bewähren.

Hier zeigt sich nun das Wünschenswerthe der Analogie, die den Geist auf viele bezügliche Puncte versetzt, damit seine Thätigkeit alles das Zusammengehörige, das Zusammenstimmende wieder vereinige.

Unmittelbar daraus erzeugen sich die Gleichnisse, welche desto mehr Werth haben, je mehr sie sich dem Gegenstande nähern, zu dessen Erleuchtung sie herbeygerufen worden. Die vortrefflichsten aber sind: welche den Gegenstand völlig decken und identisch mit ihm zu werden scheinen.

Von allen diesen Geistesoperationen finden sich herrliche Beyspiele im Lucrez, und ich wünsche unter jeder Rubrik die vorzüglichsten aufgeführt zu sehen, welches dir, da du ihn ganz inne hast, nicht schwer fallen dürfte. Ich werde indeß, da ich mich mit Original und Übersetzung beschäftige, nicht verfehlen, was mir für diese und die folgenden Puncte wichtig scheint, versweis' anzumerken.

Betrachtungswerth findet sich gerade hiezu im sechsten Buch die wichtige Stelle von Vers 95 bis 599. Sie ist sehr ausgearbeitet, und würde davon manches zu brauchen seyn; er selbst hat sie für so[138] wichtig gehalten, daß er ihr einen Anruf an die Muse vorausschickt.

Laß dich nicht verdrießen, den Dichter auf solche Weise gleichsam zu zerstückeln; ich kenne nur diesen Weg, um aus der allgemeinen in die besondere Bewunderung zu gelangen. Haben wir dieß vorausgeschickt, so können wir andere Verdienste dieses außerordentlichen Mannes gleichfalls hervorheben.

Ich habe nun die Aushängebogen geheftet vor mir, sie nehmen sich sehr gut aus, und ich finde jetzt, bey mehrerer Bequemlichkeit, deine Übersetzung eines so schwierigen Werkes, das man stellenweis' abstrus nennen könnte, klar, eingänglich und fließend.

treulich

Weimar den 21. Februar 1821.

G.


34/132.

An Theobald Renner

Ew. Wohlgeboren

haben, wie ich vernehme, noch einiges an dem aufgestellten großen Skelett zu erinnern, und ich wünsche, daß mir solches zu gelegener Stunde vorgezeigt und erklärt werden möge; bis dahin aber wäre keine Veränderung vorzunehmen, welches ich um so mehr anrathen muß, als ich Serenissimum jede Stunde erwartet und es von unserer Arbeit keinen guten Begriff geben möchte, wenn Ihro Hoheit dasjenige, was Ihnen als [139] fertig angekündigt worden, theilweise wieder zerstückt anträfen. Haben Ew. Wohlgeboren daher die Gefälligkeit, diese Sache mit mir baldmöglichst zu besprechen.

ergebenst

Weimar den 21. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/133.

An Carl Franz Anton von Schreibers

[Concept.]

Ew. Hochwohlgeboren

heute zu begrüßen verschafft mir ein Auftrag Ihrer Königlichen Hoheit des Großherzogs erwünschte Gelegenheit. Zuförderst also soll ein halb Dutzend Exemplare Fortsetzung des Belvedereschen Catalogs übersenden, mit dem Ersuchen, solche an diejenigen Personen zu vertheilen, welche das erste Stück bereits empfangen. Sodann bemerke auf einem besonderen Blättchen den Wunsch Serenissimi, einen sogenannten Wolkenmesser zu besitzen.

Ferner darf ich wohl einen eigennützigen Wunsch hinzufügen. Es fehlt nämlich meinem sonst ziemlich wohlversehenen Mineralien-Kabinett ein brazilianischer Topas, mit kenntlicher Crystallisation, so wie ein sogenannter Bouteillenstein, der grüne böhmische Obsidian. Könnten Ew. Hochwohlgeboren mir dergleichen gelegentlich freundlichst verschaffen, so würde mir dadurch eine besondere Gefälligkeit geschehen.

[140] Schließen kann ich nicht ohne zu bemerken, daß Ew. Hochwohlgeboren und des Herrn Grafen Sternberg Geneigtheit mir diesen Winter sehr angenehme und lehrreiche Stunden gewährt; indem ich die beiderseitigen Werke, welche uns unter- und überirdische Erscheinungen aufklären, fleißig studirte, so daß ich nunmehr ein motivirten Dank als früher darzubringen wüßte.

Man Wünscht einen sogenannten Wolkenmesser, nämlich eine Maschine, in der unter einem Mikroskop Fäden von Schafwolle gespannt werden, um die Ferne der Wolken nach einem gewissen Maaßstabe zu messen und zu beurtheilen.

Ihro Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen-Weimar hatten im Jahre 1815 einen von Wien mitgebracht und wünschen nunmehr den zweyten. Der Name des Künstlers ist mir nicht bekannt geworden.

Sowohl mich, als unsere zwar kleinen, aber treulich behandelten Anstalten Ew. Hochwohlgeboren geneigter Theilnahme auch für die Zukunft andringlich empfehlend.

Weimar den 23. Februar 1821.


34/134.

An Georg Heinrich Ludwig Nicolovius

[Concept.]

[23. Februar 1821.]

Die durchreisenden Guten erfreuten mich mit einem Brief, verehrter Freund, von Ihrer Hand, betrübten[141] mich aber durch allzuschnelle Abfahrt. Kaum ist man mit Stimme und Gestalt, Gesinnung und wechselseitigem Interesse nur einigermaßen bekannt, so wird die Mittheilung abgerissen, die nun eigentlich erst fortgesponnen werden sollte.

Tausend Dank für Ihre wohlmeynende Gesinnung! Möchten Sie sich überzeugen, daß die wiederholte bringende Einladung nach Berlin mir eine durch die Kinder und gar manche schöne Verhältnisse längst entsprossene Sehnsucht und daher ein gewisses Unbehagen giebt, dem ich weder auszuweichen noch zu helfen weiß. Die beste Cur würde seyn, wenn Sie und die theuren Ihrigen in guter Jahreszeit uns Ihre Gegenwart gönnten.

Auf Hamanns Werke bin ich sehr verlangend. Schon aus dem Briefe, den man in das Intelligenz-Blatt unserer Literatur-Zeitung eingerückt, habe ich mich über manche frühere, mir sonst unerklärbare Zustände, persönliche Verhältnisse und Charakter-Eigenheiten aufgeklärt gesehen. Da ich aber zu der wichtigen Sammlung das Möglichste beyzutragen wünsche, so frage an: ob ich die zwey Briefe an den Präsidenten von Moser, vom Jahre [1774], abschriftlich mitgetheilt? dessen mich nicht erinnere. Es könnte noch geschehen weil sie wirklich von großer Bedeutung sind, wie in meinen biographischen Blättern das damals obwaltende Verhältniß ausgesprochen worden.

[142] Daß der junge Königsberger Dichter auch ein Zeugniß guter sittlicher Eigenschaften würde aufzuweisen haben, könnte bey dem flüchtigsten Überblick seiner wohlgesinnten Arbeit vorausgesetzt werden; und mich freut besonders, daß ich meine gute Meynung einen so schönen Familien- und Freundeskreise unbewußt und ohne äußeren Anlaß widmen können. Es läßt sich gar manches Gute von dem Gedichte sagen, in dem nächsten Stück von Kunst und Alterthum werden wir auf ihn zurückkommen.

Eben so hoffen auch die Weimarischen Kunstfreunde das Ordenshaus von Marienburg in Anspruch zu nehmen, wenn sie, nach Erscheinung des Boisseréeschen 1. Hefts, über die jetzt mit aller Pietät behandelten Reste deutscher Baukunst ihre Gedanken und Überzeugungen vorzutragen Gelegenheit finden.


34/135.

An Johann Michael Färber

[Concept.]

Sie erhalten hiebey, mein guter Färber, die autorisirten Quittungen zurück; jene Forderung der jenaischen Gewerken glaubte längst befriedigt, ich habe diese Angelegenheit sogleich wieder in Erinnerung gebracht.

Sodann ersuch ich Sie, daß Schubkästchen, welches in meinem Quartier steht und worin mehrere Glaswaren [143] befindlich sind, versiegelt den Botenfrauen mitzugeben und ihnen Vorsicht bey'm Transport zu empfehlen, obgleich Stadelmann versichert, daß sie wohl gepackt sind.

Das Beste wünschend.

Weimar den 24. Februar 1821.

Bey Einsicht der Acten fand sich daß Erh. Cammer schon am 7. Febr. das Jenaische Rentamt, zu Bezahlung der fraglichen Posten autorisirt habe.

eod.

G.


34/136.

An Johann Heinrich Meyer

Mögen Sie, theuerster Freund, auch diesem Capitel Ihre Aufmerksamkeit schenken, so verpflichten Sie mich auf's neue.

Weimar den 25. Februar 1821.

G.


34/137.

An den Großherzog Carl August

[Concept.]

Ew. Königlichen Hoheit

wird beykommende Sendung nicht uninteressant seyn.

Nachdem nämlich einen Theil der nordischen Pflanzen auf Blättchen wohl befestigt, sendete solche an Hofrath Voigt mit dem Ersuchen, ihre Namen auszumitteln; welchem kleinen Geschäft er sich denn auch treulich unterzogen. Beyliegende Bemerkung macht [144] diese Musterstücke nur noch interessanter. Die übrigen lege nächstens gleichmäßig vor.

Und so verfehle auch nicht, bey dieser Gelegenheit um Verzeihung zu bitten, wenn ich einer Einladung zum Anblick einer seltsamen Naturverirrung nicht Folge leistete. Abneigung gegen alles Pathologische scheint sich mit den Jahren immer mehr zu verstärken, deshalb ich wohl Nachsicht hoffen darf.

Weimar den 25. Februar 1821.


34/138.

An Friedrich Siegmund Voigt

Ew. Wohlgeboren

möchte vor allen Dingen wegen der vermißten Pflanze beruhigen; ein solcher Fall ist auch mir nicht fremd geblieben; gerade der Vorzug, den man einem einzelnen Stück aus der Sammlung giebt, bringt die Gefahr, das bey Seite gelegte zu vermissen. Wir wollen abwarten, uns beruhigen und allenfalls trösten. Serenissimo sagen wir nichts davon; Höchstdieselben könnten doch nur, nach gewohnter gnädiger Weise, darüber hingehen. Die saxifraga flagellaris hat sich weder im Curtis, Jacquin, noch Trattinick gefunden; der Name paßte sehr gut zu der Gestalt.

Die botanische Zeitung habe dem Buchbinder übergeben, daß er sie einstweilen planire und falze; sie scheint noch nicht complett zu seyn. Ich wünschte [145] sie Serenissimo bequem vorzulegen, und selbst mit Bequemlichkeit sie durchzugehn.

Anbey folgen auch die übrigen nördlichen Pflanzen, deren Bekanntschaft doch immer interessant ist, da sich, nach Ihrer schönen Bemerkung, daraus ein bedeutender Schluß ziehen läßt.

Möge Ihnen alles wohl gelingen.

ergebenst

Weimar den 27. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


34/139.

An Carl Ludwig von Knebel

Gar wohl begreife ich, mein Theuerster, daß meine vorgeschlagene Behandlungsart des Dichters dir nicht ganz zusagt; denn es hat freylich immer einige Gefahr, einen Dichter auf diese Weise zu zerpflücken, weil man nicht sicher ist, ihn am Ende in seiner Ganzheit wieder herzustellen; deshalb billige ich deinen Vorsatz, buchweise zu verfahren, gar sehr und erwarte zunächst eine Sendung.

Die Eile bitte zu verzeihen.

Weimar den 28. Fberuar 1821.

G.


34/140.

An Charlotte von Stein

Ein guter Geist, verehrte theure Freundin, hat auf Sie eingewirkt, als Sie Geh. Rath Nagler eine [146] Zeichnung von mir übersendet. Dieser so leidenschaftliche als glückliche Sammler hatte von meinen Kindern, bey ihrer Anwesenheit in Berlin, ein solches Blättchen verlangt; weil diesen Dingen aber kein künstlerischer, allenfalls nur ein gemüthlicher Antheil abzugewinnen, so verschob ich den Wunsch zu erfüllen, auch selbst als Meyer, bey seiner Rückkehr, denselben wiederholt anbrachte. Endlich in diesen Tagen eine Sendung nach Berlin zusammenpackend, leg ich auch eine solche Skizze bey, die nun schon dort angekommen seyn muß, mir ist dieses Zusammentreffen höchst angenehm, da mein Zaudern diese Verdoppelung veranlaßt.

Sehr ungern hört ich, daß Sie sich einige Zeit übel befanden; möge das Frühjahr uns allen gedeihlich werden. Ich habe mich nothdürftig diesen Winter durch gehalten, das Haus nicht verlassen und mit der größten Gleichförmigkeit gelebt; doch läugne nicht, daß ich durch bessere Jahrszeit aus meinem Hausarrest entlassen zu werden und Sie alsdann sogleich wieder zu begrüßen hoffe.

Mögen Sie meiner mit Theilnahme eingedenk seyn! und verzeihen der fremden Hand; beykommendes Blättchen freundlich anblickend.

treulichst

Weimar den 28. Februar 1821.

J. W. v. Goethe.


[147] 34/141.

An Susanna Elisabeth Bethmann-Hollweg

[Concept.]

Nach unserer Verabredung, verehrte Freundin, habe sogleich Herrn Doctor Bartholomäi gesprochen, es ist derselbe, der an Herrn von Bethmann geschrieben hat, Schwiegersohn des Oßmannstedter Gutsbesitzers. Diese Familie wünscht freylich sehr, daß, nach früherem Plane, der ehrwürdige Raum möge eingehegt und vor aller Unbill verwahrt werden. Ist dieß geschehen, und man will zur Erhaltung und Verpflichtung eines Custoden irgend eine Summe stiften, so würde für deren Verwendung gewiß von oben herein treulich gesorgt werden.

Es entstand vorläufig die Frage: ob man diese werthen Gräber nicht dadurch am besten schützte, daß man ein kleines Capellchen darüber baute? ohngefähr wie beyliegende Skizze andeutet; so wäre diese Stelle auf viele Jahre gesichert, da eine hölzerne Einhegung wandelbar und eine eiserne immer angreifisch wäre. Doctor Bartholomäi erwartet geneigte Entschließung und ist, als thätiger junger Mann, bey einer Angelegenheit sehr gern wirksam, die ihn so nahe betrifft: denn freylich sind die Besitzer des Gutes und Gartens von Fremden bisher manchmal übel angesehen worden wegen Vernachlässigung dieses Platzes.

[148] Lassen Sie mich und die Meinigen Sich und den theuren Ihrigen bestens empfohlen seyn.

Weimar den 28. Februar 1821.


34/142.

An Johann Heinrich Meyer

Hier, mein Werthester, noch ein kleine