Mai.

[275] 1. Brief an Jacobi. Halb 8 Uhr von Schleiz ab. Sehr schöner Morgen. Gegen 11 Uhr nach Gefäll. Noch halb 12 Uhr wieder von da weg. Gewitterregen, doch ohne Donner. Artiger Mauthinspector zu Töpen. Um 3 Uhr in Hof angelangt.[275] Im Hirsche eingekehrt. Promenade auf die Höhe über Hof, wo wir die Stadt übersahen, die sich zertheilenden Gewitterwolken betrachteten, mit einem säenden Mädchen uns unterhielten und um 6 Uhr in den Gasthof zurückkehrten. Das Wetter klärte sich vor Sonnenuntergang völlig auf, so daß der Himmel fast ganz rein ward. Hübsche Lage des Gasthofs zum Hirsch auf der Höhe vor dem Oberthor, große Lebendigkeit, hübsche Mädchen, muntere Kinder, viel Beweglichkeit. Italiänische Truppen; bey der günstigen Witterung alles mit Ackern und Säen, auf den umliegenden Feldern beschäftigt. Die Truppen hatten dunkelbraun und gelb. Der vielen Fuhren nicht zu vergessen, die uns, schwerbeladen, theils entgegenkamen, theils in Hof an uns vorbey fuhren. Unzählige Kinder Kütschgen. Durchaus Wohlhäbigkeit.

2. Halb 5 Uhr aufgestanden. Nebel über der ganzen Gegend, doch helle im Zenith, man sah den Mond. Die schon längst aufgegangene Sonne erschien endlich als Mond ohne Strahlen, der Rauch der Essen stieg gerade in die Höhe, die Nebel sanken immer mehr. 150 Wagen, jeder mit 2 Ochsen bespannt, zogen vorbey; die Wagen wie man sie in Italien sieht, die Räder und Gestelle schwer und alterthümlich, oben waren Bretterkasten, groß aber flach, aufgesetzt, die Ochsen graulich,[276] falb gesprenkelt, mehrere wurden lahm nebenher getrieben und ihr Mangel an den letzten Wagen durch Vorspanne ersetzt. Es waren auch Feldschmieden dabey, das Ganze wurde von den braunen Soldaten escortirt. 3/4 auf 6 Uhr abgefahren. Nach und nach reinigte sich der Himmel ganz. Die sämmtlichen leicht zu übersehenden Bergäcker waren mit eifrig Pflügenden und Säenden belebt, der helle Sonnenschein gar erfreulich, der Weg von sehr verschiedner Art, aber nicht schlimmer, als er bey trockner Jahreszeit seyn würde. Zu Neuhaus gefüttert. Einiges gezeichnet, die Straße war frequenter an Wanderern, als sie sonst zu seyn pflegt, die Vögel sangen in den Fichtenwäldern und alles war gutes Muths. Der Anblick ins Eger Thal war herrlich, die ganze Gegend, bis auf die entferntesten Gebirge nach Carlsbad zu konnte man ganz deutlich sehen, so war auch, bey reinem Himmel alles Übrige klar. In Franzensbrunn, wo wir halb 5 Uhr anlangten, fanden wir die Kastanienknospen aufgebrochen, ingleichen die Lärchenbäume und mußten die Einsicht und die Sorgfalt loben, womit man einen Canal von der Brücke an diagonal durchs Ried gezogen und dadurch dem Wasser einen sehr schnellen Ablauf verschafft hat. Man sieht nur sehr wenig noch auf dieser großen Fläche. Das Dampfbad ist auch mit einem[277] Häuschen überbaut und gleich neben dem Badebrunnen, noch eine stärkere Quelle weiter gefaßt, die höher gespannt ist, durch eine Röhre abläuft, so daß man die Gefäße bequem füllen kann. An den Wegen von Hof bis hierher ist wenig oder nichts gebessert, einige haben sich sehr verschlimmert, wie der von Neuhaus auf Asch. Dieser Ort ist noch der abscheulichste in der ganzen Christenheit. Auf der Seite von Franzensbrunn nach dem Lande zu macht man große Anstalten zum Bauen; wahrscheinlich haben die ungeheuren Miethen vom vorigen Jahr den Egeranern Lust gemacht. – – Der Abend ist vollkommen schön und klar und die mildeste Lust. NB. Bey dem alten Mauthner in Oberschönbach, so wie bey dem jungen in Töpen sind die nachkommenden Frauenzimmer schon gemeldet und werden hoffentlich gut empfangen werden.

3. Um 4 Uhr aufgestanden. Um 6 Uhr abgefahren. Vollkommen klarer Himmel, der Weg abwechselnd. In Maria-Kulm angehalten, 1/4 auf 10 von da weggefahren und gegen 3 Uhr in Carlsbad angelangt. Auspacken und Einrichten. – Zum Neubrunnen, wo eine große Veränderung begonnen ward. Andreasgasse hinauf zur Prager Chaussee, dieselbe aufwärts bis über den Friedrickenfels. Herrlicher Abend. Annäherung der Venus zum Jupiter. Hinter St. Florian herunter.


Landwirthschaftliche Bemerkungen.

[278] Über den böhmischen Pflug, der klein ist und die Erde nicht genugsam aufreißt. Im Voigtland und Böhmen lassen sie den Pflug nicht auf dem Acker stehen wie bey uns, wenn sie noch nicht fertig sind, sondern führen ihn jederzeit mit nach Hause. – Die Frucht stand sehr schön.

4. Früh am Neubrunnen getrunken und so viel nöthig, spatziert. – Gewitterwolken, übrigens schöner, warmer Tag. Erkundigung nach verschiedenem; bey Steinschneider Müller; die Acten und Rechnungen ajustirt. Atlas von Le Sage, Bücher und Manuscripte ausgepackt. Landpriester von Wakefield. – Mittag für uns. Gegen Abend nach der Carlsbrücke. In der Schlucht von Carlsbad die Kastanienknospen schon aufgebrochen, sowie andere frühere Bäume und Gesträuche. Die Linden auf dem Wege, die Frucht auf den Bergfeldern steht sehr schön, der Schnee hat hier auch lange angehalten und gelegen. Vor einigen Tagen war auch hier ein Gewitter und starker Guß.


Notanda

.

Unserem protestantischen Kutscher waren schon in Maria-Kulm einige singende Processionen von Bäuerinnen aufgefallen. Als wir weiter fuhren, sagte er auf einmal: dort am Walde zieht wieder [279] so ein blauer Dunst her und, als wir hinsahen um zu verstehen, was er meine, so war es wirklich eine solche Procession, die nach Hause zog.

Steinschneider Müller sagte von Bergleuten, welche mit Schlägel und Eisen den Granit bearbeiteten, den sie nach seiner Meinung hätten sprengen sollen: sie machen Haarpuder.

Inschrift eines Altars zu Maria-Kulm:


Lingua fundamentum sancti silentii.

Superi dant bona paratis.


Preise: Eine Bohle 9 Ellen 16 Zoll lang, 1 1/2 Zoll stark kostet 9 fl. Wiener Banko = circa 2 Kopfstück.

Hindeutung auf naive Poesie. Wakefield, Bodische Übersetzung pag 192. – Bräunung des Sprudelsinters durch Licht, nicht durch Lust? – Statt des Schmergels, welcher immer seltener wird, gebraucht man gepulverte Granaten, wobey alles gebraucht werden kann, was nicht schleifenswerth ist.

5. Früh am Brunnen. Mit Herrn Postmeister über die gegenwärtigen Preise und Geldangelegenheiten. Bey Müller, bey dem Nadler. An der Biographie. Landprediger von Wakefield. Mittags für uns. Berechnung des Verhältnisses der Ausgabe gegen voriges Jahr. Abends auf dem Chotekschen Weg. Bey der Erweiterung des[280] Platzes um den Neubrunnen, da man den Felsen abstufen mußte, fand sich eine bisher noch unbekannte Abänderung des bekannten Gesteins, welches meistens aus einem graulich weißen, glänzenden, beynahe schillernden Feldspath besteht. Der Hornstein setzt mächtig durch, wie bey den übrigen und die Masse ist zugleich von Schwefelkies punkt-, nester-, und gangweise durchdrungen.

6. Am Brunnen; zu Müller; noch ein wenig spatzieren auf der Wiese, und später auch nach der Carlsbrücke. Biographisches. Mittag für uns. Abends Spatziergang, geologische Unterhaltungen. Die Prager Straße hin und wieder. Sehr schöner, etwas bedeckter Tag. Brief an Banquier Lämel nach Prag.

7. Am Brunnen. Dem Postmeister von dem Stärkezucker gesprochen. Spatzieren. Biographisches. Friedrike Brion. Mittag unter uns. Gespräch über die metaphysischen Anfangsgründe aller Wissenschaften. Spatzieren nach der Eger zu dem Quarzgesteine, dessen Abänderungen und den darinnen enthaltenen Vegetabilien. Bald nach Hause. Biographische Schemata. Bald zu Bette.

Musae lapidariae Antiquor. in marmoribus carmina, auctore Jo. Bapt. Ferretio. Veron. 1672.

8. Am Brunnen. Das Gespräch über den dualen Grundsatz der Natur. Biographisches. Gegen Mittag spatzieren. Es war der heiterste Tag.[281] Beschäftigung mit der kleinen anzulegenden Sammlung. Nachmittag abermals nach der Carlsbrücke, sodann nach dem Posthofe und dem Freundschaftssitz, bis dahin, wo sich der Weg zur Papiermühle wendet. Sehr angenehmer Rückweg.

9. Früh am Brunnen. Mit dem Postmeister wegen des wohlfeileren Ofener Weines. Bey Müllern, die kleine Sammlung zu complettiren. Biographica. Fortsetzung von Sesenheim. Mittag für uns. Mineralien ausgesucht. Um 4 Uhr hinter St. Florian aufwärts, ganz klarer Tag und Ostwind, bis zur Bergschenke; daselbst auf der Wiese gesessen und eine Flasche Ofener getrunken. Die ganze Länge der Chaussee herunter bis an die Töpel. Die Annäherung der Venus an den Jupiter und ihre immer weitere östliche Abweichung beobachtet.

Robinson Sammlung von Tausend Sprüchwörtern 1726.

10. Zu Hause geblieben. Expedition nebenstehender Briefe, welche den Morgen wegnahm. Geh.R. Jacobi München. Dr. Cotta Tübingen. Fr. v Goethe Weimar, eigenhändig. Mittag für uns, angekommener Ofener Wein. Berichtigung der Ausgaben, Berechnung und Bilanz. Abends über den Säuerling auf die Prager Straße. Schönes Gewölk und Sonnenuntergang. Veränderte[282] Stellung der Venus gegen Jupiter. 2 Inschriften auf dem heimlichen Gemach:

I love you and you do not know me, I adore your knowledge and your speach, only by hearing. I was never so happy to can addres...... word to you as an Et... of the hous en.

J'ai ecrit ces mots dans la plus cruelle position de ma vie. 1804. v. R.

11. Am Brunnen. Nachricht wegen erhöhtem Curs der Einlösungsscheine. Angeschaffte zweyte Kiste Wein. Verwechselung von Gold und Silber 100 = 1000. Biographica. Sesenheim. Bezahlung der vorigen Woche und Berichtigung der Acten und Rechnungen. Die kleine Mineraliensammlung vervollständigt. Abends an der Eger hin, übergesetzt, nach Weheditz. Schöner heiterer Abend. Sprudelsteine unter der Brücke. Veränderter Stand der Venus gegen Jupiter.

12. Am Brunnen. Bey Müllern, die Sammlung complettirt. Biographisches. Sesenheim. Briefe von Weimar. Concept nebenstehender Briefe. Mittags für uns. Le Sage Atlas. Gezeichnet. Das Nächste bedacht. Der Himmel überzog sich, es fing an zu regnen. Zeitig zu Bette.

Mit Döbereiner zu überlegen, ob man nicht auf anderem Weg als durch Erwärmung mehrere Krystalle zur Turmalinität disponiren könne. Versuch mit den Carlsbader Zwillingskrystallen[283] vorzuschlagen. – Kalk, die Prager Straße hergefahren, von welcher Gegend ist er? – Stöpselersparung; kleine Flaschenöffnungen, sehr kleine Stöpsel und gleich verpicht.

13. Zu Hause. Nebenstehende Briefe ajustirt. Serenissimo nach Weimar, Carlsbader Bulletin. Frau von Goethe nach Weimar, Nachricht von dem Finanzzustand und den übrigen Aussichten dieses Jahres. Beylage an August von Goethe, Auftrag an Hofkammerrath Kirms wegen der Theatermanuscripte. Anderes durchgedacht und vorbereitet. Biographisches. Sesenheim. Mittags für uns. Nach Tische gezeichnet und deutsche Geschichte in Le Sage. Brief von Herrn Lämmel aus Prag. Abends Überlegung biographischer Fortschritte. Früh zu Bette.

14. Nicht getrunken. Die sämmtlichen Bücher des gegenwärtigen biographischen Theils durchgegangen, überdacht, was noch ermangele. Mundum und Expedition nebenstehender Briefe. An Hrn. Generaldirector Iffland nach Berlin wegen der Abschriften von Berlichingen und Egmont. An Hrn. Oberappellationsrath Körner nach Dresden wegen der Theaterstücke seines Sohnes. Mittags für uns. Über den Magnet. Deutsche Geschichte von Rudolph von Habsburg an in Le Sage. Bestellung eines irdenen Topfes zum Stärkezucker und andere Vorbereitungen zu dieser Operation.[284]

15. Zu Hause. Biographisches. Anfang des 7. Buchs. Regenwetter. Mittag für uns. Geschichte von Portugal und Spanien in Le Sage's Tabellen. Sämmtliche Bücher der Biographie ajustirt und revidirt. Abends Spatziergang zur Carlsbrücke. Schöner Abend, Regengeriesel und niedergehender Nebel.

16. Johannes Nepomucenus. Am Brunnen. Biographisches zu dem 6. und 7. Buch gehörig. Mittag für uns. Nach Tische Portugal und Spanien in Le Sage. Auf dem Chotekschen Wege Pflanzen gezeichnet. Abends deutsche Geschichte in Le Sage. Es hatte den Tag über gewittert und geregnet, so wechselte es ab bis Abends. Kammerherr von Rönne war angekommen. NB. Starkes Wasser in der Töpel. Der Sprudel raste ganz gewaltig, indem er aus dem neuen, 6 Zoll im Geviert haltenden Ständer ruckweise bis zu 20 Fuß über die Bühne und also bey nahe 40 Fuß über die Mündung des Gewölbes, woraus er hervorquillt, in die Höhe sprang.

17. Am Brunnen. Nur kurz auf der Wiese. Biographisches. Klopstock, Gleim. Würde der Dichter und Schriftsteller an sich selbst. Mittags für uns. Auf dem Chotekschen Weg einige Pflanzen gezeichnet. Drohendes aber vorübergehendes Gewitter. Abends auf der Wiese von Rönne und [von Bulmering] Handelsmann von Riga, gebürtig aus[285] Hannover. Brief von Zelter aus Berlin. Zeitig zu Bett. Vorlesung aus Le Sage, 30jähriger Krieg.

18. Am Brunnen. Auf der Wiese. Biographisches im zweyten Buche. Bey Herrn von Rönne. Gezeichnet und kleinere Blätter aufgezogen. Mittag für uns. Nach Tische nebenstehende Briefe. An Hrn. Leopold Lämel nach Prag, Ankunft des Weins gemeldet. Hrn. Zelter nach Berlin, über Reynald und Samson. Abends nach der Egerbrücke. Vorher in dem Gemüsgarten. Über das Hospital und den Schloßberg durch den Chotekschen Weg zurück. Bald zu Bette.

19. Überlegung des zunächst Bevorstehenden. Gebadet. Biographisches am 7. Buch. Das Gezeichnete aufgezogen und zusammengebracht. Mittags für uns. Nach Tische englische Geschichte in Le Sage. Abends an die Töpelbrücke, das Capellchen gezeichnet. Auf der Wiese bey Herrn von Rönne. Zeichnungen mit der Feder.

20. Das 6. Buch der Biographie gelesen. Gebadet. An der Ausführung dictirt. Gezeichnet und einiges aufgezogen. Mittag für uns. Starkes Gewitter von allen Seiten, angeschwollener Strom. Nach der Carlsbrücke. Le Sage, Italien, Campagnen von Suwaroff und Bonaparte.

Starkes Gewitter, vorübergehend.

21. Gebadet. Sechstes und siebentes Buch durchgegangen, die Lücken schematisirt. Gezeichnet.[286] Mittag für uns. Nach Tische zu zeichnen fortgefahren. Le Sage, Amerika und Afrika, auch Asien. Meiners Verschiedenheit der Menschennaturen.

Regen, gegen Abend aufgeheitert.

22. Nicht gebadet. Biographisches durchgedacht, dann dictirt. Schluß des 7. Buchs. Nebenstehender Brief. An Frau Geh.Räthin von Goethe, abgesendet den 24. Mittags für uns. Nach Tische gezeichnet. Le Sage Europa. Meiners Menschenracen. Von dem Übergewicht nomadischer Völker über ackerbauende. Zeitig zu Bette.

Durchaus Regen, besonders in der Nacht.

23. Zu Hause. Den Inhalt der verschiedenen Bücher überdacht, die Lücken bezeichnet. Schema zum Anfang des 8. Buchs. Gezeichnet, aufgezogen. Mittag für uns. Gezeichnet. Le Sage, ältere Weltgeschichte. Spatzieren auf dem Chotekschen Weg. Zeichnung des Capellchens. Abends Meiners. Verdrängen eines Volkes durch das andere. Zerstreuungen der Menschenracen durch Krieg und Handel.

Trübe, kalt, wenig Regen.

24. Zu Hause. Biographisches, Oeser und Umgebungen. Nachricht von Prag. Auf dem Chotekschen Weg. Mittag für uns. Nach Tische gezeichnet. Abends Findlaters Säule und den Platz des Chotekschen Gerüstes besucht, welches[287] verschwunden war. Meiners, alte Denkmahle der Völker zwischen der Wolga und dem Jaik, dem Irtisch und Jenisey, an Gräbern und Festungen.

Trübe, gegen Abend sich aufhellend.

25. Am Brunnen. Biographisches, Dresdner Aufenthalt. Auf dem Chotekschen Weg. Capelle gezeichnet. Mittag für uns. Nach Tische gezeichnet. Um 5 Uhr bey der Dorotheenaue vorbey aus die Prager Straße, dieselbe hinab. Abends Meiners über die Denkmähler früherer asiatischer Völker.

Halbbedeckter, trockener Tag.

26. Zu Hause. Stärkezuckerfabrication. Im 8. Buch der Biographie gelesen und darüber gedacht. Gezeichnet. Mittag für uns. Gegen Abend spatzieren. Den Schloßberg hinauf, zum Findlaterschen Monumente, durch dessen Tempel, der reparirt wurde, durch den Chotekschen Weg und über den Schloßberg nach Hause. Abends Meiners, über Schiffahrt der Indier.

Halbbedeckter, trockener Tag.

27. Zu Hause. Moses durchgegangen. Biographisches. Schluß des Dresdner Aufenthalts. Gezeichnet und aufgezogen. Mittag für uns. Abermals eine Kiste von 40 Bouteillen angekommen. Herr von Rönne. Le Sage. Europäische Staaten. Meiners, die schwarzen Einwohner der Südseeinseln.

Bedeckter Himmel, etwas Regen.[288]

28. Früh ausgegangen. Mit Herrn von Rönne zu der Kaiserin Platz. Auf dem Rückwege dem Grafen Zichy, dem Fürsten Hohenlohe Bartenstein vorgestellt; dem Fürsten Reuß begegnet. Bey Amtmanns um die Ceremonie des Frohnleichnams zu sehen. Mittags für uns. Um 4 Uhr auf dem Wege nach Fischern, Muster von Basalten und Graniten geholt. Abends Meiners. Die schönen Insulaner der Südsee.

Heiter und Heiß.

29. Am Brunnen. Auf der Wiese spatzieren. Brief von Stuttgart. Mit Durchgehung des ersten Buches beschäftigt. Mittag für uns. Katholische Übersetzung der Vulgata von 1662. Das Buch Job. Zeitig zu Bette. An Hrn. von Lämel nach Prag wegen der an Joseph Knoll bezahlten 200 fl.

Heiterer, warmer Tag.

30. Am Brunnen. Sodann auf der Wiese spatzieren. Das 7. Buch der Biographie durchgesehen. Vor Tische auf der Wiese. Mittag für uns. An der geognostischen Sammlung geordnet und complettirt. Gegen Abend auf dem Chotekschen Weg. Bald zurück wegen des drohenden Gewitters. Auf der Brücke bis zum einfallenden Regen. Abends das Buch Josua.

Warmer nach und nach sich bedeckender Tag. Abends starkes Gewitter und Regen.

[289] 31. Am Brunnen. Nachher auf der Wiese. Das achte Buch durchgegangen. Verschiedne Tafeln des Le Sage. Buch der Richter. Mittag beym Grafen Zichy. Abends zu Haus, die Arbeit und Lectüre von heute früh fortgesetzt. Buch der Richter.

Starkes Regenwetter, nur Abends hellte es sich etwas auf.


Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, III. Abteilung, Bd. 4, S. 275-290.
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