Juli

[70] 1. Stadelmann ging mit der Equipage nach Marienbad. Ich dictirte die Lebenschronik bis 1804 incl. Verbreitete mich weiter über das Ganze, vollendete das Schema von 1822. Bedachte ferner die Hauptepochen. Bemerkte manches was zu thun sey und wie? Fuhr mit Grüner aus, gegen den Siechhof. Um 7 Uhr zurück. Blieb noch einige Zeit mit ihm zusammen. Hatte mich vorher Bürgemeister Finkenscher und Sohn besucht von Redwitz. Ersterer war mit seiner Marienbader Kur sehr zufrieden. Seine Übel waren den meinigen sehr ähnlich gewesen.

2. Die gestrigen Arbeiten fortgesetzt. Kam der Kutscher von Marienbad zurück. Gab ihm Nebenstehendes mit nach Weimar: Herrn Cammerjunker[70] und Cammerrath von Goethe nach Weimar, die glückliche Ankunft meldend. Herrn Hofrath Meyer dahin. – Um 12 Uhr Rath Grüner. Wurde eingepackt. Grüner blieb bis zur Abfahrt, welche halb 3 Uhr erfolgte. Halb 7 in Sandau. Um 8 Uhr in Marienbad. War eine Stunde vorher Ihro K. H. der Großherzog eingetroffen. Besuchte mich Hofrath Rehbein und Inspector Gradl.

3. Um 5 Uhr aufgestanden. Am Biographischen fortgefahren. Besuchte Ihro K. H. den Großherzog. Um 11 Uhr zu Hause. Besuchten mich Präfect Steinhäuser von Pilsen, Kriegsrath Schultz von Magdeburg, Stromeyer und Müller Professor. Der Herr Prälat, dann Major von Germar. Graf Gorcey und Rath Graff. Nach Tische am Selbstbiographischen fortgefahren. Hofrath Rehbein. Dr. Heidler.

4. Um 5 Uhr aufgestanden, Brunnen getrunken. Das Jahr 1822 bis zu Ende geführt. Sonstige angeordnet. Herr Dr. Bran besuchte mich. Ich ging spazieren, hinter dem Badehause weg, den Waldstieg hinauf bis an die Pragerstraße. Als ich von da herunter in's Gebüsch kam, erreichten mich von oben Hofrath Rehbein und Hofrath Schäffer, Leibarzt des Herzogs von Württemberg. Ich fand den Großherzog, Herrn Dr. Heidler, und ging mich auszuruhen. Nach Tische bey der[71] Fürstin Hohenzollern und Frau Gräfin Lochen. Besuchte mich Fürst Labanoss Rostoff. Fuhr mit Rehbein und seinem Schwager nach der Ferdinandsquelle. Daselbst traf ich den Generalsuperintendent Schuderoff, Frau Präsident Bülow u.a.m. waren vorher bey mir Major von Wartenberg, Dr. Scheu. Eine große Gesellschaft war auf dem Hammer-Hof bey Herrn von Helldorff und zog Abends mit Musik in Prozession herein.

5. Stand um 5 Uhr auf und trank den Brunnen zu Hause. Bearbeitete die Jahreschronik von 1821, machte einen Spaziergang von anderthalb Stunden. Ruhte aus. Ging zu der Gesellschaft auf der Terrasse. Graf Klebelsberg war angekommen, zusammen zu Grafen Notitz in der unmittelbaren Nachbarschaft. Gemahlin und Töchter zugegen. Der Ossaberg an der Grenze von Bayern ward aufgesucht. Dessen Höhe und anderer im Dlask nachgesehen. Zu Tische bey mir. Dr. Heidler, Inspector Gradl. An dem Brunnen mit der Fürstin von Hohenzollern. Vorher Hofrath Schäffer. Abends bey Brösigkes in Gesellschaft.

6. Um 6 Uhr aufgestanden. Das Schema von 1821 reiner ausgeführt. Kritik der geologischen Theorie zu lesen angefangen. Zu Serenissimo, den ich in dem untern Zimmer fand. Scene wegen der[72] jungen Thörin, welche mit Gewalt baden wollte. Die Hofräthe Schäffer und Rehbein des Großherzogs Kur berathend. Mit letzterem spazieren gefahren gegen den Hammer. Mittag bey mir. Vorgemeldetes Heft zu Ende gelesen. Graf Bathiany aus Ungarn. Fing an die Marienbader Suiten zusammenzustellen und zu numeriren. Blieb zu Hause, das schöne Wetter auf dem Zimmer genießend. Der Großherzog war auf die Entenjagd.

7. Halb 6 Uhr aufgestanden und Wasser getrunken. Dictirt am Jahre 1821. Stadelmann holte Gestein. Besuch von Hofrath Schäffer und Rehbein. Auch hatte der Wirth von Eger angefragt. Braun von Braunthal, ein junger Schriftsteller von Wien, der mir schon früher nach Weimar geschrieben. Mit Serenissimo bey Frau von Geymüller. Wo Stromeyer sang. Mittag bey mir. Nach Tische Generalsuperintendent Schuderoff von Ronneburg. Tagebuch und Gedichte des jungen Wieners gelesen. Abends zu Hause. Mit Stadelmanns geologischen Sammlungen beschäftigt. Brief an Herrn Geh. Staatsrath Schultz.

8. Um 6 Uhr aufgestanden. Mancherley geordnet; die vorliegenden Expeditionen abgeschlossen. Bey Serenissimo. Briefe und Zeitungen kamen an. Nachher für mich. Major von Wartenberg. Aß Mittags bey mir. Hermann und Dorothea[73] lateinisch. Die abzusendenden Briefe völlig geschlossen.

9. Kritik der Breislakischen Theorie und aller ähnlichen. Bildende Kunst für die Chronik rein schematisirt und zwar für 1821. Hofrath Schäffer einladend zu dem Herzog von Württemberg. Machte einen Umgang, von den Füllhäusern bis herunter zu Heidlers und dann wieder nach Hause. Vice-Präsident von Seckendorff von Frankfurt a. O. Zu Mittag zu Hause. Nach Tische weniges an der Chronik. Hatte der Herzog von Württemberg eine Karte gelassen. Das Geologische gefördert. Die Karte von Catalonien mit der Zeitung verglichen. Kam ein Brief von meinem Sohn. Wurde die Rechnung abgethan. Zum Herzog von Württemberg, woselbst ich den Großherzog fand. – Herrn Staatsrath Schweizer, die Sternwarte zu Jena betreffend, Weimar. Herrn Cammerrath von Goethe nach Weimar, das Tagebuch pp. Herrn Geh. Oberregierungsrath Schultz, Relation der Reise und des Aufenthalts in Marienbad, nach Berlin. (Durch Herrn Rath Hage besorgt.)

10. Bildende Kunst zu 1821. Nebenstehendes durch Hofrath Rehbein abgeschickt. Welcher Serenissimum nach Tepl begleitete: Herrn Pater Prior Clemens Eckl nach Tepl, die Monatstabelle graphisch vom December 1822. Stadelmann brachte abermals[74] Gebirgsarten. Frauenzimmer im Hause, das sich dafür interessirt. Dr. Bran, um Abschied zu nehmen. Gitterwerk zu den täglichen meteorologischen Beobachtungen. Brief und Sendung der Glaszeichnungen nach Redwitz vorbereitet. Großherzog und Gesellschaft fuhren nach Tepl. Speiste für mich. Schema der Naturforschung von 1821. John beschäftigte sich die Gitter der graphischen Tabellen zu ziehen. Abends am Brunnen. Den Großherzog bey der Wiederkehr begrüßt. Der Herzog von Leuchtenberg war angekommen. Blieb bis nach Sonnenuntergang auf der Terrasse. Stadelmann hatte schönes Gestein zusammengebracht. Ein Barometer ward in's Haus gebracht, hatte aber leider eine willkürliche Scala. War das schönste Wetter.

11. Beharrte das Barometer und so war auch morgens heiterer Sonnenschein. Vom Jahre 1621 die Naturwissenschaft durchgeführt. Ferner nebenstehende Briefe: Herrn Major von Knebel nach Jena, Herrn Cammerrath von Goethe nach Weimar, durch Dr. Bran. – Hofrath Schäffer wegen räthlichem und unräthlichem Baden gesprochen. Mittag allein. Abends an den Brunnen. War Frau von Levetzow und Töchter angekommen. Abends bey der Gesellschaft. An diesem Tage waren abermals viele Parthien angekommen, welche kaum Herberge fanden.[75]

12. Früh getrunken. Serenissimus frühstückten auf der Terrasse. Auszug aus der Beurtheilung Breislaks. Sonstige Expeditionen vorbereitet. Fürst Labanoff und sein Maler. Bey Serenissimo angefragt. Mittag für mich. Abends auf der Terrasse. Expeditionen vorbereitet. Kam Herr Rath Grüner von Eger.

13. Nichts besonderes vorgenommen. Unterhaltung mit Rath Grüner, besonders über die mitgebrachten ächtvulkanischen Producte. Umständliche Beschreibung einer Fahrt dahin, schriftlich verfaßt und nach der Landkarte durchgegangen. Aufwartung bey'm Großherzog. Kam die Frau Räthin mit Gesellschaft. Um 11 Uhr zeichnete der russische Maler mein Porträt. Unterhaltung mit ihm über gegenwärtige römische Kunst und Künstler, besonders deutsche. Ingleichen über Paris und dortige Verhältnisse. Mittag für mich. Der Maler nochmals. Vice-Präsident Nicolovius von Danzig, Bruder des Berliner. Oberamtmann von Königswart nebst Gattin. Rath und Räthin Grüner. Einige bedeutende Massen von zerschlagenem Bergkrystall einem Juden abgehandelt. Abends am Brunnen. Dr. Wiedemann von Eichstädt, der mir die Krankheitsgeschichte des Herzogs von Leuchtenberg erzählte. Frau von Geymüller gab einen Ball. Ich blieb im Freyen und kehrte nach Hause zurück.[76]

14. Grüners Relation über die geschmolzenen Erdproducte von Altalbenreuth und Booden revidirt. John fing an sie abzuschreiben. Ich revidirte meine vorjährige Tour auf Pograd. Zum Frühstück auf der Terrasse bey der Gesellschaft. Der russische Maler zeichnete fort. Mittag für mich. Ein starkes Gewitter im Anzug von Südwesten und legte sich am südwestlichen Zweige des Böhmerwaldes; umzog den Marienbader Gebirgskessel und nach einigen fernen Blitzen und Donnern und leichtem Sprühregen heiterte der West sich wieder auf. Auf die Terrasse, die zum Kaffee abfahrenden Damen zu begrüßen. Die klebelsbergische Terrasse allein hinauf und hinter der Traube herunter. Abschrift des Grünerischen Aufsatzes geendigt. In der geologischen Kritik zu lesen fortgefahren, auch auszuziehen. Späterhin Concert für die Armen; wurde, auf der Terrasse auf und abgehend, von außen zugehört. Major von Germar hatte den Streit mit Stromeyer geschlichtet und dieser sang noch.

15. John mundirte die Fahrt nach Pograd. Ging auf die Terrasse. Kiprinsky Maler; dazu Fürst Labanoff. Die große Karte von Sorriot aufgeschlagen und darüber gesprochen. Mittags für mich. Nach Tische Oberforstmeister von Lüttichau von Dresden. Las in von Hoffs Geschichte der Erdoberfläche. Fuhr mit Rehbein spazieren.[77] Abends auf der Terrasse, Serenissinius kamen von der Jagd zurück. Stadelmann hatte Pechstein und Verwandtes geholt.

16. Abschrift des Tagebuchs für August. Bey Serenissimo und der Familie auf der Terrasse. Von Hoffs Werk fortgelesen. Der russische Maler. Fürst Labanoff verreiste nach Carlsbad. Mittag für mich. von Hoff fortgesetzt. Stadelmann brachte die Steinsammlungen immer weiter in Ordnung. Abends auf der Terrasse, ward besprochen der morgende Ball, welchen Serenissimus zu geben gedenken.

17. Chronik von 1818 und 16 in's Reinere. Der russische Maler nach 11 Uhr. Mittags für mich. Nach Tische an der Chronik von 1818. Oberforstmeister von Lüttichau aus Dresden. Abends Ball bey Serenissimo im klebelsbergischen Hôtel. Blieb man bis 12 Uhr.

18. Chronik des Jahrs 1818 fortgesetzt. Am Porträt fortgearbeitet oder vielmehr dasselbe abgeschlossen. Herr Baron von Junker meldete sich an. Kam um 12 Uhr, bedeutende Stufen vom Sangerberg bringend und die Lage des Werkes vortragend. Nebst Dank für das Mitgetheilte ward er gebeten, das was er mündlich erzählt, schriftlich abzugeben, damit davon öffentlicher schicklicher Gebrauch gemacht werde. Mittag bey mir. Nach Tische kam der Maler wieder und[78] entwarf die Figur am Tische sitzend, in der rechten Hand die Feder, die linke verborgen. Abends zur Gesellschaft, der Großherzog kam von der Entenjagd zurück und verweilte. Frau von Levetzow erzählte die Abenteuer vor und nach der Leipziger Schlacht.

19. Ausführung des Jahres 1815. Den ganzen Vormittag damit beschäftigt. Für mich gegessen. Das Jahr 1816 auszuführen angefangen. Professor Zauper, Unterhaltung mit demselben. Abends zu Brösigkens.

20. Meteorologische Beobachtungen eingeschrieben und zur Tabelle gebracht; auch die Pilsner. Professor Zauper bedeutende Mineralien bringend, besonders vom Wolfsberg und der Pilsner Gegend. Stadelmann hatte die ausgefressenen und aufgelösten Gebirgsarten zurecht gelegt. Unterhaltung mit Professor Zauper. Dann kurze Zeit zu Serenissimo. Abermals mit Zauper von seinen Studien, seinem Lehramte und sonstigen Verhältnissen. Vor Tische auf der Terrasse. Für mich allein gesteift. Sodann Professor Zauper, das morgendliche Gespräch weiter fortgesetzt. Später Hofrath Eichler von Töplitz. NB. Vor Tische Commerzienrath Widow von Hamburg. Gegen 7 Uhr zum Ball. Nach Hause gegen 10 Uhr. Hatte den Herzog von Leuchtenberg umständlich gesprochen.[79]

21. Das Jahr 1816. Frau von Rehberg, Gruß vom Rhein bringend. Späterhin ihr Gemahl Geh. Cabinetsrath Rehberg aus Hannover. Nach Tisch beyde zusammen. Abends 5 Uhr mit Hofrath Rehbein spazieren, erst zur Flaschenfabrik, sodann auf den Ferdinands-Brunnen. General Schack den Vater gefunden. Zurück auf der Terrasse bey schönem Abende, die Schackische Familie war unten. Nähere Bekanntschaft mit Dombrowsky gemacht. Sodann im Zimmer das Abendessen; da ich mich entfernte.

22. Wie der gestrige ein sehr schöner Tag, bey sinkendem Barometer. Das Jahr 1816 durchgeführt. Abbé Dombrowsky; von böhmischen und anderen Litteraturen, Documenten und sonst verwandten Gegenständen sprechend. Herr Baron von Junker brachte den erbetenen Aufsatz über sein Silberbergwerk zu Sangerberg, nebst einer sehr schönen belehrenden Gebirgs- und Stufenfolge. Nahm ich Abschied von der Fürstin Acerenza. Blieb mit der Gesellschaft einige Zeit auf der Terrasse. Suchte mich Bergmeister Beschorner von Mies, bedeutende Bleyspäthe von daher überbringend, früherer Aufträge sich erinnernd. Ich suchte die von allen Seiten her zufließenden Mineralien einigermaßen zusammen zu rücken und das Einpacken vorzubereiten. Ein von Osten zurückziehendes Gewitter begegnete sich mit einem von[80] Westen herkommenden. (Stadelmann war Morgens früh 4 Uhr nach dem Wolfsberg abgegangen.) Brief an Professor Zelter dictirt. Bey der Gesellschaft. Kamen Serenissimus von der Jagd, die Frauenzimmer waren im Schauspiel gewesen. Unterhaltung über Kranke und Gesunde, besonders auch über Dombrowsky. Bey dieser Gelegenheit vom Präger Museum und andern Anstalten, wovon Herr von Lützow die besten Kenntnisse besaß. Der Großherzog blieb lange und die Gesellschaft trennte sich erst spät. Graf von St. Leu war angekommen.

23. 1817 nochmals schematisirt. An Serenissimum die Mineralien vom Sangerberg mit Beschreibung. Einige Fremde. Mit Serenissimo ausgefahren gegen den Hammerhof und weiter hinaus. Minister von Bülow präsentirt. Mittag zu Hause. Nach Tische zur Fürstin Hohenzollern. Wo Berlinische Damen. Später bey der Quelle wo ich dieselbigen Frauenzimmer wieder antraf. Später bey Concert und Ball nur kurze Zeit. Abends zu Hause. Stadelmann kam vom Wolfsberg zurück. Die mitgebrachten Stufen angesehen. Das Bad genommen.

24. Schreiben von der Gräfin O'Donell. An den Mineralien vom Wolfsberg ausgesucht und geordnet. Superintendent Schuderoff und Regierungsrath Hartmann. Zu Serenissimo, mit den[81] Steinen vom Wolfsberg, welche jedoch niedergesetzt wurden, weil der Fürst nach dem Bade schlief. Bey der Familie, weitläufiges Gespräch mit Major von Wartenberg über mineralische Wasser und Badeorte. Er war um eine zerrüttete Gesundheit wieder herzustellen in ollen Bädern umhergereist und wußte davon sehr gute Rechenschaft zu geben. Unfall des Frauenzimmers, das über die Schwelle stolperte, mit dem Kopf auf die Steine fiel und sich beschädigte. Unruh deßhalb die ganze Nacht. Dem Großherzog unten die Mineralien vorgelegt. Wegen einfallendem Regenwetter fuhr der Fürst nicht nach Königswart wie vorgesetzt. Zu Tische für mich. Nebenstehende Briefe abgeschlossen und abgeschickt: Ihre K. H. der Frau Großherzogin nach Wilhelmsthal. An meinen Sohn, Abschrift der Tagebücher, Weimar. Herrn Professor Zelter nach Berlin. (Alles an meinen Sohn. Siehe Freytag.) – König Louis, wie ich ihn noch immer gerne nennen mag, besuchte mich, und was wahre Verhältnisse Schönes haben, es war immer das Alte, als wenn man sich gestern gesehn hätte. Abends zum Ball aus dem Stegreife. Kleines Abendessen bis Mitternacht. Einige Herren sangen zur Guitarre muntere Lieder mit Chorus.

25. Obenstehende Expeditionen gänzlich abgeschlossen und Rath Hage übergeben. Bey der Gesellschaft.[82] Der Großherzog kam nachher in meine Wohnung. Eversmanns Reise von Orenburg nach Buchara. Gespräch darüber. Stadelmann hatte das Einpacken fortgesetzt. Serenissimus fuhren nach Königswart zur Herzogin von Württemberg. General Glitzky. Vor Tische bey der Familie. Kamen die Gäste; ich unterhielt mich mit Staatsminister von Bülow. Zu Hause gegessen. Das Einpacken fortgesetzt. Auch Eversmanns Reise fortgelesen. Abends bey der Gesellschaft kleine Spiele. Mit Minister von Bülow Wissenschaft. Positiven Vortrag. Bald nach Hause.

26. Das Jahr 1817 nochmals schematisirt und abgeschlossen. Gelesen Racine et Shakespeare; sodann Les hermites en Prison, par E. Jouy et Jay. Paris 1823. Auf der Garten-Terrasse. General Glitzky und die Familie. Serenissimus waren nach Franzen brunn gefahren. Mittag für mich. Bey Graf St. Leu, den ich nicht antraf. Abends auf der Terrasse, wo ich mit von Schack lange auf und ab ging. Sodann zum Thee, Frau Gräfin Nostitz mit beyden Töchtern war gegenwärtig. Die Frauenzimmer tanzten nach dem Flügel, den Graf Klebelsberg schlug. Die französischen Hefte ausgelesen.

27. Meteorologische Beobachtungen von Tepl, eingetragen in die Tabelle. Hefte von Pilsen. Die prosaische Übersetzung von Homer gelesen. Stadelmann[83] beschäftigte sich mit Ordnen und Einpacken der Mineralien, worüber der Morgen hinging. Mittag für mich. Suchte nach Tische den Grafen St. Leu, der indessen auf die Terrasse gekommen war. Er ging mit mir aufs Zimmer. Wir sprachen über die Notwendigkeit des Reims in französischer Poesie, von der Möglichkeit ihn abzuschaffen oder einzuschränken. Derselbe schickte mir nachher einige Hefte, worin ich las. Spazieren gefahren bis über'n Damm vom großen Teiche Abends auf den Ball. Um 10 Uhr nach Hause. Einige Gedichte.

28. Nebenstehendes: Herrn Rath Grüner nach Eger, durch rückkehrenden Boten. Die Hefte des Grafen St. Leu studirt. An der Ordnung der 15 Mineralien des Wolfsbergs fortgefahren. Auf der Garten-Terrasse. Mittag für mich. Fortgesetzte Lectüre. Mit Rehbein an den Ferdinands-Brunnen. Serenissimus kamen ein Glas zu trinken. Auf der Terrasse; die gräflich Nostitzische Familie kam herab. Abends kleine Spiele und Tanz. Meteorologisches von Weimar.

29. Einiges aus dem Calender abdictirt und selbst mundirt. Den Auszug der Kritik revidirt. Am Brunnen gesprochen mit Comte de St. Leu. Graf Nostitz u.a. m. Mittag für mich. Regisseur Wolff und Maler Hensel von Berlin. Mit beyden spazieren gefahren nach dem Teiche von Kuttenplan.[84] Abends bey der Gesellschaft. Nachts am Tische. – Herrn Rath Grüner nach Eger, durch rückkehrenden Boten.

30. Wolff und Hensel, letzterer zeichnete. Graf Stroganoff, Minister Bülow später. Mittag Wolff und Hensel zu Tische. Die Fürstin Hohenzollern und Frau von Lochen. Erbgroßherzog und von Beulwitz. Abends auf den Ball. (Früh Serenissimo die Zeichnungen vorgewiesen, ingleichen der Familie.)

31. Auszug der Kritik. Maler Hensel, vorher Wolff über theatralische und eigene Angelegenheiten. Erinnerung voriger Jahre. Werthschätzung derselben. Fürstin von Hohenzollern, von Loeben, zusehend Hensels Zeichnen. Auf der Terrasse Herrn Präsidenten von Heydebreck. Begleitete ihn in's Zimmer, wo wir seine kranke. Von der Reise sehr angegriffene Frau fanden. Mittag bey mir; die beyden Berliner waren abgereist. Abends auf der Promenade bey'm Brunnen. Sodann auf der Terrasse mit Major von Wartenberg. Später für mich. Einiges Naturwissenschaftliche bedacht. War nach Tische Petrowsky da gewesen. – Herrn Pater Prior Clemens Eckl nach Stift Tepl, durch Herrn von Beulwitz.[85]


Quelle:
Goethes Werke. Weimarer Ausgabe, III. Abteilung, Bd. 9, S. 70-86.
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