Der achte Auftritt.

[410] Myrtillus. Menalkas. Die vorigen.


MENALKAS.

Doch ihre Sprödigkeit ist gar zu ungemein.

MYRTILLUS.

Das ist zwar sonderlich; doch desto mehr zu loben.

MENALKAS.

Hier sind sie allerseits, da wirst du bald die Proben

Von meinem Worte sehn. Ihr Schwestern, sehet, hier

Erscheint mein alter Freund, der forderte von mir:

Ich sollt ihn auch zu euch und in Gesellschaft führen.

MYRTILLUS.

Ihr Schönen seyd gegrüßt.


Sie neigen sich alle, nur Atalanta nicht.[410]


NISUS mit Lachen.

Es ist gar leicht zu spüren,

Daß er ein Fremder ist. Das wunderliche Kleid!

MENALKAS.

Ihr Schwestern, zeiget doch durch eure Höflichkeit,

Daß ihr zu leben wißt.


Amaryllis und Doris nehmen ein paar Blumen von

der Brust und schenken sie ihm.


Von Atalantens wegen,

Will ich den Blumenstrauß zu den Geschenken legen,

Den sie mir kürzlich gab und selbst vom Stengel brach.

MYRTILLUS spröde.

Beraube dich nur nicht; ich frage nichts darnach!

Ich bin kein Blumenfreund, und will sie weiter schenken.


Er giebt sie dem Corydon und Nisus.


MENALKAS.

Behalt doch diesen Strauß von mir zum Angedenken;

Er kömmt, wie ich gesagt, aus meiner Schwester Hand.

MYRTILLUS nimmt ihn nicht.

Ich halte nichts davon.

NISUS.

Du abgeschmacktes Land!

Was das für Sitten sind!

ATALANTA.

Das ist ein grobes Wesen![411]

AMARYLLIS.

Menalkas weis doch schön sich Freunde zu erlesen!

DORIS.

Ach! lieben Kinder, bleibt! Er ist ein Fremder!

ATALANTA.

Ja!

Wenn er dir wohlgefällt, so bleib alleine da.

DORIS.

Ich folge denn.


Die Schäferinnen gehen ab.


MENALKAS.

Mein Freund, wir müssen gleichfalls gehen.

Du mußt so furchtsam nicht und so von ferne stehen,

Sonst geht der Spaß nicht an.

MYRTILLUS.

Es war itzt noch nicht Zeit,

Komm nur, ich merke schon die Spur der Zärtlichkeit.


Ende des dritten Aufzuges.


Quelle:
Johann Christoph Gottsched: Ausgewählte Werke. Herausgegeben von Joachim Birke, Band 2: Sämtliche Dramen, Berlin 1968/1970, S. 410-412.
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