Biographie
Christian Dietrich Grabbe (Lithographie von Weiberzahl, um 1835)
Christian Dietrich Grabbe (Lithographie von Weiberzahl, um 1835)

1801

11. Dezember: Christian Dietrich Grabbe wird als einziges Kind eines Zuchthausaufsehers und späteren Leihbankverwalters in Detmold geboren.

1812

Ostern: Eintritt in das Detmolder Gymnasium.

Während der Gymnasialzeit umfangreiche Lektüre und erste dramatische Versuche unter dem Einfluss Shakespeares.

1817

Juli: Der sechzehnjährige Grabbe bietet dem Verleger Georg Joachim Göschen in Leipzig das Manuskript seines Dramas »Theodora« (nicht erhalten) an, das dieser jedoch ablehnt.

1819

Ostern: Grabbe wird aus moralischen Gründen das Reifezeugnis verweigert. Er muss die Abschlussklasse wiederholen.

1820

Mai: Nach der Erteilung des Reifezeugnisses beginnt Grabbe in Leipzig Jura zu studieren. Neben juristischen Kollegs besucht er auch historische und philosophische Vorlesungen.

1822

April: Fortsetzung des lustlos geführten Studiums in Berlin. Besuch der Kollegs von Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Friedrich Karl von Savigny.

Juni: Vollendung des Dramas »Herzog Theodor von Gotland« (erscheint 1827 in den »Dramatischen Dichtungen«). Grabbe sendet das Stück an Ludwig Tieck, der ihm kritische Anerkennung zollt.

September: Abschluss der Arbeit an der Komödie »Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung« (1827 in den »Dramatischen Dichtungen« gedruckt).

Bekanntschaft mit Heinrich Heine und Georg Ferdinand Kettembeil, seinem späteren Verleger.

1823

Grabbe versucht sich vergeblich als Autor, Schauspieler oder Dramaturg am Theater zu etablieren. Zu diesem Zweck unternimmt er von Berlin aus Reisen nach Leipzig, Dresden (auf Einladung Ludwig Tiecks) und Braunschweig (zu August Klingemann). Angesichts der Misserfolge gerät Grabbe in eine tiefe Lebenskrise.

1824

Grabbe wendet sich wieder dem Studium zu. Nach Ablegung des juristischen Staatsexamens erhält er die Erlaubnis, in Lippe als Advokat zu praktizieren.

Unterbrechung der schriftstellerischen Tätigkeit bis 1826.

1826

Herbst: Grabbe wird Militärgerichtsbeamter (Hilfsauditeur) beim lippischen Heer.

1827

Oktober: Seine bisher unveröffentlichten Jugendstücke erscheinen: »Dramatische Dichtungen nebst einer Abhandlung über die Shakespearo-Manie« (2 Bände). Der Erfolg der Publikation ermutigt ihn zu weiterer schriftstellerischer Tätigkeit.

1828

Januar: Beförderung zum lippischen Militärauditeur. Grabbe steht somit im Range eines Leutnants.

Arbeit an »Don Juan und Faust«.

1829

29. März: Grabbes Tragödie »Don Juan und Faust« (Musik von Albert Lortzing) wird als einziges Stück zu Lebzeiten des Autors am Hoftheater Detmold uraufgeführt. Die Buchausgabe erscheint im gleichen Jahr.

Arbeit an mehreren Geschichtsdramen, u. a. an »Kaiser Friedrich Barbarossa« (wird im gleichen Jahr gedruckt).

1830

Grabbe arbeitet an dem Drama »Napoleon oder die hundert Tage«, das im darauffolgenden Jahr veröffentlicht wird.

Frühjahr: Beginn der Liebe zu Henriette Meyer, mit der er sich ein Jahr später verlobt.

Grabbe begrüßt die französische Juli-Revolution.

1831

August: Reise nach Frankfurt, Rheinfahrt von Mainz nach Koblenz.

Herbst: Bruch mit Henriette Meyer.

1832

Wiederholte Krankheitsanfälle als Folge seiner Trunksucht.

Grabbe unterbricht seine schriftstellerische Tätigkeit bis 1834.

1833

März: Eheschließung mit der zehn Jahre älteren Louise Christiane Clostermeier, Tochter eines lippischen Archivrats.

Angesichts der als quälend empfundenen Amtsgeschäfte, der ablehnenden Haltung der Bühnen und einer unglücklich verlaufenden Ehe verschärft sich Grabbes Lebenskrise. Er beginnt die Amtsgeschäfte zu vernachlässigen und gibt sich zunehmend der Trunksucht hin.

1834

Februar: Grabbe beschließt, den Beruf aufzugeben, und reicht ein Gesuch um die Entlassung aus dem lippischen Staatsdienst ein.

Er beginnt mit der Arbeit an dem Geschichtsdrama »Hannibal«.

Oktober: Flucht Grabbes zu seinem Verleger nach Frankfurt am Main, mit dem er sich jedoch bald überwirft.

Dezember: Weiterreise zu Karl Immermann nach Düsseldorf, der ihn finanziell unterstützt.

16. Dezember: Entlassung aus dem Staatsdienst.

1835

Grabbe beendet sein Drama »Hannibal« und arbeitet an dem Drama »Die Hermannsschlacht« und der Abhandlung »Das Theater zu Düsseldorf mit Rückblicken auf die übrige deutsche Schaubühne«.

Mit Immermanns Unterstützung erscheinen »Hannibal«, »Aschenbrödel« und »Das Theater zu Düsseldorf«.

November: Grabbe beginnt mit seiner Tätigkeit als Theaterkritiker (bis Mai 1836).

1836

Erkrankung an Rückenmarkschwindsucht. Zudem verschlimmert sich Grabbes Trunksucht.

26. Mai: Grabbe kehrt vereinsamt und gescheitert nach Detmold zurück, wo er sich nur mit Hilfe der Polizei Einlaß in das Haus seiner Frau verschaffen kann.

Juni: Abschluss der Arbeit an der »Hermannsschlacht« (erscheint postum 1838).

12. September: Grabbe stirbt im Alter von 34 Jahren in Detmold.

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon