[331] 1.
Durch Noht und Tod /
zum lieben Gott
nur steiff hindurch gedrungen.
Ein Helden-Muht /
läst Leib und Blut:
wird nur der Sieg' errungen.
2.
Nur frisch gewagt!
wanns schon versagt
einmal / auch wol gar hundert.
Durch Widerstand
wird Gier entbrandt /
und Tugend aufgemundert.
3.
Nur keck daran!
dann letzlich kan
Unläßlichkeit nichts fehlen.
Der Felß genetzt /
wird durch geätzt:
und wär er auch gar stählen.
4.
Pfuy schäm dich / Glück /
daß deine Tück[332]
mir Schwachen nichts anwinnen!
auch in der Flut
und Wellen Wut /
mein Trost-Liecht pflegt zu brinnen.
5.
Was Strahl und Knall /
was Qual und Fall
hab ich nit ausgestanden!
noch ist mein Liecht /
hell aufgericht /
in meinem Geist vorhanden.
6.
Was Gott erhält /
(pflegt alle Welt
dawider schon zu toben / )
muß doch bestehn
und förter gehn /
sein Gnad' und Macht zu loben.
7.
Ich zweifle nicht:
was Gott verspricht /
muß wol vollzogen werden:
und soll darauf
des Himmels Lauff
sich ändern sampt der Erden.
|
Ausgewählte Ausgaben von
Geistliche Sonnette, Lieder und Gedichte
|
Buchempfehlung
Robert ist krank und hält seinen gesunden Bruder für wahnsinnig. Die tragische Geschichte um Geisteskrankheit und Tod entstand 1917 unter dem Titel »Wahn« und trägt autobiografische Züge, die das schwierige Verhältnis Schnitzlers zu seinem Bruder Julius reflektieren. »Einer von uns beiden mußte ins Dunkel.«
74 Seiten, 3.80 Euro