Biographie

Albert Ludewig Grimm
Albert Ludewig Grimm

1786

Am 19. Juli wird Grimm in Schluchtern bei Heilbronn geboren.


1804–1806

Studium der Theologie und Philologie in Tübingen und Heidelberg. Wie die mit ihm nicht verwandten Brüder Jacob und Wilhelm Grimm liefert Albert Ludewig Grimm auch für Achim von Arnims und Clemens Brentanos Sammlung »Des Knaben Wunderhorn« Beiträge und läßt sich für die Idee des Sammelns volkstümlicher Überlieferungen begeistern.


1807–1854

Grimm wirkt in Weilheim zunächst als Lehrer, später als Leiter des Pägagogiums, bekleidet das Amt des Bürgermeisters der Stadt (1829–35) und ist mehrfach Abgeordneter für die zweite Kammer des Badischen Landtags. Grimm ist Anhänger der gemäßigten Fortschrittspartei.


1809

In Anlehnung an C.W. Günthers Titel »Kindermährchen aus mündlichen Erzählungen gesammlet« (Erfurt 1787) veröffentlicht Grimm 1809 bei Mohr und Zimmer in Heidelberg eine Sammlung mit vier deutschen Märchen, darunter das Märchendrama »Schneewittchen« (außer Musäus' »Richilde« die erste gedruckte Fassung des Märchenstoffes überhaupt) und eine hochdeutsche Fassung des Märchens vom Fischer und seiner Frau (»Hanns Dudeldee«), die strukturell viele Gemeinsamkeiten mit dem 1808 erstmals veröffentlichten Märchen Philipp Otto Runges aufweist. Ferner enthält die Ausgabe Fabeln und Parabeln aus dem »Buch der Beispiele der alten Weisen«, dem ursprünglich aus Indien stammenden »Kalila und Dimna«, das wiederum im ersten Teil auf das »Pañcatantra« zurückgeht und auch von Ludwig Bechstein als Quelle geschätzt wird. Die »Kindermährchen« werden 1812 nachgedruckt, 1817 erscheint die zweite Auflage, 1840 eine dritte, illustriert von Franz Graf von Pocci, 1860 eine vierte Auflage; 1844 und 1869 sind Titelauflagen nachzuweisen. Die Sammlung empfiehlt Grimm wärmstens den »Aeltern und Erziehern«. Diese Zielsetzung signalisiert einen wichtigen Trend bei der Einschätzung von Volksdichtung: Märchen lassen sich hervorragend zur Unterrichtung und Belehrung von Kindern instrumentalisieren. Ohne eigens darauf hinzuweisen, nehmen die Brüder Grimm von Albert Ludwig Grimm eine Variante des Märchens von der Bienenkönigin (Nr. 64 II [1812]) auf, die Jacob zum Teil in Anlehnung an den Namensvetter nacherzählt. Wie schon gegen Büsching erheben sie kritische Einwände gegen die Sammlung Albert Ludewig Grimms, und mit Unmut wird registriert, daß für die eigene Sammlung vorgesehene Texte schon anderweitig vorliegen: die »nicht eben wohl gerathene Sammlung [habe] mit uns und der unsrigen gar nichts gemein«. Eine ähnliche Reaktion auf vergleichbare Sammlungen ist wenige Jahre später dem Vorwort zu den Grimmschen »Deutschen Sagen« zu entnehmen.


1816

Grimm läßt sieben Jahre nach den »Kindermährchen« eine zweibändige Ausgabe folgen, die ebenfalls Märchen (breit ausgestaltet) und Fabeln enthält (2. Aufl. 1837). »Lina's Mährchenbuch« empfiehlt sich ausdrücklich als eine »Weyhnachtsgabe«. Nachdem eine sich seit dem späten 18. Jahrhundert etablierende Kinder- und Jugendliteratur Kinder als Helden und Heldinnen entdeckt hat, erreichen solche Winter-/Weihnachtsgeschichten just zur Weihnachtszeit den Buchhandel. Die im Titel programmatischen Hinweise auf den Nutzen der Weihnachtsgabe als Lektüre zur Unterhaltung und Belehrung begegnen im ausgehenden 18. Jahrhundert zwar seltener (z.B. in England), aber sie signalisieren einen Trend, der für das 19. Jahrhundert bestimmend wird, wie hier auf dem Titelblatt ersichtlich.


1817

Für die biblische Unterweisung sind »Geschichten aus dem Alten Testament« gedacht, die Grimm »für Knaben und Mädchen erzählt«.


1820–1826

Eine fünfbändige Sammlung mit »Märchen der Tausend und Einen Nacht« erscheint (= »Mährchen-Bibliothek für Kinder«, 1–5), gefolgt von zwei Bänden »Mährchen der alten Griechen und Römer.« Die Ausgabe erreicht mehrere Auflagen. Später veröffentlicht Grimm noch »Mährchen des Tausend und Einen Tages« (1869), eine Sammlung mit orientalisieredem Lokalkolorit, die auf Petis de la Croix (1712) zurückgeht.


1827

In der produktiven Zeit der 1820er Jahre entsteht noch ein dreibändiges »Fabel-Buch oder Sammlung der auserlesensten Fabeln alter und neuer Zeit zur Belehrung und Bildung für fleißige Kinder.«


1843

Eine weitere Sammlung mit ›fremdländischem‹ Kolorit bilden die »Mährchen aus dem Morgenlande für die Jugend.« Ob solche Stoffe allgemein eine sehnsüchtige Hinwendung zum Fremden bedeuten (wie »Tausendundeine Nacht«) oder ob sich dahinter die Ineinssetzung von exotisch mit beunruhigend/bizarr oder sinnlich/triebhaft verbirgt, kann nur vermutet werden. Unter Umständen könnte es sich auch bei der Darstellung der Gegenspieler um die Propagierung negativer Klischees handeln, wie sie z.B. in der Kolonialerzählung des 19. Jahrhunderts öfter zu finden sind, die auf die Exotik-Begeisterung der damaligen Zeit zurückzuführen sein dürfte.


1870

Eine Populärausgabe der »Mährchen« von Wilhelm Hauff, »für die Jugend durchgesehen«, bildet die letzte zu Lebzeiten von Grimm erschienene Ausgabe.


1872

Am 1. Dezember stirbt Grimm in Baden-Baden.


Autor der Biografie: Hans-Jörg Uther

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