De Floth

[79] De Ostsee is je'n Pohl:

Awer de Floth, de is dull!

Dat kregen wi to węten.

Wi keemn vun Gündsit,

Scheetprügel mit,

Nix vergęten,

Stęweln bet an Liv

Węgen de Slick

Achtern Dik,

Hagelbütel stif,

Pulwer 'n ganz Pund,

Ok en Hund.

Gut!

Wi keemn un gungn rut

Oppen Strand –

Kridenwitten Sand![80]

Platt as en Dęl un riffelt,

As weert vun en Fligersche knüffelt,

Un wülpt un rillt mit en Hark

Vun Wörden bet de Möldorper Kark.

Jung! Wat en Platz to daben:

Keen Steen ann Grund,

Vun Muscheln allns bunt,

Un de blaue Hęben der baben, –

Un wo he sik streckt

Un as en Stülper de Eer bedeckt,

Wo de Welt is tonagelt mit Bręd,

As in Ditmarschen geit de Ręd:

Dar sühst du en blanken Glęm,

En sülwern Stręm,

Man blot as en Schimmer un Lich:

Dat is dat Haf!

Dat treckt der heraf,

Dat störrt der herop

In vullen Gallopp

Un jagt di en Hasen to nich!


Wi gung' der so spazeern

Un dammeln wat umhęr,

Un keken inne Feern

Un snacken œwert Meer.


Un kunn' dat gar ni löwen:

Wo nu keen Drippen weer,[81]

Dat dar vunnacht de Möwen

Schregen un fischen int Meer.


De Prielen drög un apen –

Dar stunn en Schipp opt Sand,

De Schipper leeg to slapen,

Wi kunn' der gan

Bet an den Kahn

Un recken em de Hand.


Wi schoten na en Düker,

Wi grepen na en Mew,

Wul ok en Ręgenpiper

Un wat der sunsten gev.


Wi keken der un sammeln

Uns Muscheln inne Sünn,

Wi dachten nix un dammeln

Man jümmer vœr uns hin. –


Süh an! wats dat vœrn Lęben?

Wat hebbt de Vageln vœr?

De kamt an ganzen Hęben

As graue Wulken hęr.


Un süh! de Glęm ward heller!

Dat ward wul Tid torügg!

Wat Döwel? mi 's de Queller

Je gänzli ut Gesich![82]


Ik seh ni Schün noch Hüsen:

Wa? gung' wi dar ni rut?

Wo is Diksand un Büsen?

Jung! Jung! dat is ni gut!


Süh an! dar kumt je lisen

En Rill vun widen an!

De passt den Weg to wisen,

De gat wi sach vœran.


Man to! nich stan un snacken!

Mi dükt, dat kumt uns oppe Hacken!

Man orri utlangt inne Schritt!

Süh an! de Wellen kamt al mit!

Al links un rechts en lange Stręk!

De breedt sik ut, as weer't en Dęk.

De eerste glitt

Man Schritt vœr Schritt,

Doch treckt de glik de twete mit,

De drütte kumt, as wenn se spęlen,

As Arfen trünnelt langs de Dęlen,

Noch jümmer een, un een, un mehr,

Un noch een babn derœwer her!

Koppheister, lingelangs in Reegen,

Un springn, un op un dal int Weegen,

Un hild un vœrwarts all to hopen

As goll dat inne Wett to lopen!


De eerste liggt man fingerdick,

De twete kumt in Ogenblick[83]

Un deckt ęr to un wischt ęr weg,

Un wedder kumt en ganze Reeg,

Un babn derop, un langs de Watten

Rasch! inne Fahrt! as flog dern Schatten.


Man to! nu goll dat, nich to nœlen,

Wie föhln dat langs de Stęweln schœlen.

Wi lepen langs den natten Sand

In Drav, de Büssen inne Hand,

Man jümmer langs de flacksten Stellen!

Man jümmer vœrwärts as de Wellen!


De eersten weern al lang ut Sicht,

Noch jümmer nie dicht an dicht,

Wi lepen as de Schum un Blasen,

Wi lepen as vœrn Hund de Hasen,

Un mit de Mewen, de der schregen,

Un mit de Waggen, de der stegen –

Bet œwern Fot, – bet anne Kneen,

Un nix as Water mehr to sehn!

Un Grau un Grön un Dak un Damp,

As seegst du œwern Wetenkamp,

Un jümmer höger – Wagg an Wagg,

As Tünns int Trünneln, Slagg an Slagg,

Un Stöt un Pallschen gegen Rügg

Un Schum un Solt bet int Gesich:

Dat is vœrbi! dat is de Floth!

Dar 's nix to hœpen, as de Dod![84]


Dat Water spęl uns um den Mund,

Wi stelln de Flinten in den Grund,

Un gung en Wagg uns œwern Kopp,

So heeln wi uns op Töntjen op,

Un segen jedesmal umhęr,

Ob noch de Anner lębndi weer.


Mein Gott! mein Gott! un noch ni dot?

Int Haar de Schum: wo blev de Hot?

Un snappt na Wind, un streckt de Hann':

Ton Będn? Dar kumt de letzte an!

In Angsten? Ringst du mit den Dod,

Wat gift denn noch vœrn grötre Noth?

De Ogen to, as schullst du flapen –

Un deist se dochen wedder apen.


Mein Gott, mein Gott! wa lang, wa lang?

Dar is de letzte oppen Gang! –

Denken? – du snappst man na den Wind,

Un stüttst di wedder op din Flint,

Un hollst di op den höchsten Placken,

Un hęvst di lank op Tön un Hacken.

Ja woll! Ok denkst du en Gesich –

Vader sin? Moder ęr vellich?

O wenn se wusten! – hol di op!

De geit di wedder œwern Kopp! – –


Do sehn wi dat de höchste Wog

Uns nich mehr œwern Köppen slog,[85]

De neegste ok ni – schull vellich ...?

De spei man'n bęten int Gesich!


Wie harrn wul inn Kalenner funn',

De hartste Floth de dur keen Stunn;

Doch wuss man nich, wa lang 't al wahr,

En Ognblick oder'n ganzes Jahr.


Doch richti! langsam keem de Ebb,

Wi stunn' babnt Water mit de Köpp,

Wi sehn uns an – wi sproken nich –

De Een de Anner int Gesich

In Angst, de Hoffnung optowaken

Unt Starben noch mal dœrtomaken.


Doch richti! ja! se sackt! de Floth!

Herr, du errettest aus aller Noth!


In Büsum lepen, as wi keem',

De Junges weg dœr Slick un Lehm,

Wi weern ok, as wi uns betrachten,

En Paar ton Weenn un ton Belachen.

Doch harrn wi lehrt, vun Floth un Welln

Is dat am besten in Drögen vertelln. –


– »Awer de Hund! wo blev de Hund?«

De Hund? – – de verdrunk.

Quelle:
Klaus Groth: Quickborn. Volksleben in plattdeutschen Gedichten, Berlin 1968, S. 79-86.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Quickborn
Quickborn
Klaus Groth's Gesammelte Werke: Erster band. Quickborn
Quickborn: Volksleben in Plattdeutschen Dichtungen Ditmarscher Mundart, Volume 2 (German Edition)

Buchempfehlung

Pascal, Blaise

Gedanken über die Religion

Gedanken über die Religion

Als Blaise Pascal stirbt hinterlässt er rund 1000 ungeordnete Zettel, die er in den letzten Jahren vor seinem frühen Tode als Skizze für ein großes Werk zur Verteidigung des christlichen Glaubens angelegt hatte. In akribischer Feinarbeit wurde aus den nachgelassenen Fragmenten 1670 die sogenannte Port-Royal-Ausgabe, die 1710 erstmalig ins Deutsche übersetzt wurde. Diese Ausgabe folgt der Übersetzung von Karl Adolf Blech von 1840.

246 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon