3. Heinri

[237] De Hansohm wahnt ok redi wunnerschön!

De Wisch an Garn un an de Wisch dat Holt,

Un rechts un links de Möller un de Prester:

De hett genog vun Eer un ok vun Himmel,

De döss ni wannern na Amerika –

Vun vœrn de warme Sünn, na'n achtern Schatten,

Un rund herum de gröne Ogenweid ...


He's ok al rut un lett de Ogen lopen,

De Sünn un Wollgefalln op beide Backen.[238]

He kikt mal œwern Dik un na de Swan,

Un hört vœr Dœr dat Water un de Rœder:

Dats nett vun Feerns, ok wenn man öller ward

Un hett al graue Haar, as Hansohm kręgn hett.

Dat ward Een nödi as dat dägli Brot,

Een smeckt doch nix, wenn dat en daglang feilt,

Un de Gewohnheit makt dat jümmer söter;

Un Hansohm, de ni Kind noch Küken hett,

– Uns Heinri is eerst dar, so lang he grot is –

Steit nu binah as fröher Obbe dę,

Un kikt na Böm un Büsch, as weern't sin Kinner.


Uns Heinri sluntert lewer langs den Hof

Un süht na Risen un Levkojenplanten,

Un wa de dicken Köpp vun Bohn un Arfen

In lange Reegn de swarten Betten klövt.


Dat is en egen Bengel, still un schu.

Man schull wul meenn, de kunn en Eek utriten:

Dat deit he ok – son lüttje as en Finger,

Wenn he een finnt, wo Minsch un Veh herumpett,

Un driggt se sorgsam, as en Vagelnest,

Mit beide Hann', un plant se still in Garn.


Vunmorgens geit he lingelangs den Hof

Un stellt sik anne Heck, de na de Wisch geit.

He lœhnt sik mit de Ellbagn op de Port,

Un süht gedülli na de Köh int Grasen.[239]

Wa rükt dat söt un krüdri na Kaneelblöm!

Un stormt der grön un safti rut ut Gras!

Un langs de stille Wisch mit stille Köh

Dar drus't un drömt de Mœlenbęk hintlank

Un blinkert as en Spegel mit en Goldrahm

Vun Botterblöm, so sach un doch so ili,

As gev dat nerrn in Schatten wunner Wichtigs,

Wo he sik mank de Ellernbüsch verstickt! – –


Wat knarrt un klirrt dar rechter Hand in Tun,

De as en gröne Mür de Wisch hentlanktreckt?

Un baben sitt he vull vun witte Blöm;

De is so dich, de lett keen Mus hendœr,

Un hoch, dar kann keen Mann herœwer kiken. –

Weer dat de lüttje Port na Presters Garn?

Wa hasti wenn' uns Heinri dat Gesich,

As harr em vun de Im, de da herumsingt,

Een gar to näswis' um de Ohren summt.

He rich sik op un trę en Schritt torügg

Un stunn in de Kaneelbüsch mank de Blœder.

Denn keek he langs den Stig an Pastors Tun,

Un glup as schull der Wunner wat herut kam.


Dat weer ok wat! Toeerst en sachen Stimm,

De bi sik sülm en Melodie hinmummel,

Un denn en Kleed – so witt! un ok en Strohhot! –

Un denn, so swęv der'n Engel langs dat Gras

In hellen Sünnschin un in dicken Schatten,[240]

Un lach un lęv as Ros' in Morgendau;

Un doch en Hals, as weer't en witte Tulk!

Se neem den Hot gemächli œwern Arm

Un streek dat Haar sik vunne Steern torügg:

Do sluntern ęr de dicken brunen Flechten

De Schullern dal, as weer't en Last to dręgen!

So kumt se sachen langs den Stig tohöch

Un buckt sik dann un wann en Blom to plücken,

7n steit mal still un süht sik rund herum:

Wenn se dat wuss, dat wi hier stat to kiken,

Wa se sik bi ęr Kleed an Bossen pult,

Un mit de Blöm sik putzt – war se roth warrn!


Doch süh? wat is der los? – Du lewe Gott!

De Bull! de Bull! – un Heinri schriggt vertwifelt,

He springt, as weer't en Stęgelsch, œwert Heck,

He ritt inn Griff en Sleetbom ut de Port,

He is al op den Stig un draut un prahlt,

Un schriggt un flüggt, as goll't sin egen Lęben,

Un all as weer he rasend, op den Stier.


Maria keem noch mit den Schreck dervun,

Dat hung man an en Haar, so harr he tostött,

Do föhl he langs den Rügg en Slag, un noch een,

Un wedder een, as wenn man Arfen döscht,

Un brüll, un wüthi dreih he sik herum

Mit rode Ogen un mit lange Tung,

De Kopp vœrschreeg na Eer un kratz de Bülten,[241]


As wull he seggn: wer dœrt dat mit mi wagen?

Doch as he man de Stimm hör fast un sęker,

De commandeer, un seeg den Stock tohöch,

En Mann un Ogen, de ni vun em wiken:

So wenn' he sik in Brummen langsam af

Un knurr sik langs dat dichte Gras darvun.


As Heinri sik herumdreih na dat Mäden,

Do weer se ahn en Wort un ahn en Lut

Un likenblass beswöt in Omach fulln,

Un leeg derhin, de Hot noch œwern Arm.


Nu keem de Reeg an em mit Angst un Schrecken,

De ęben vœr de Oss ni bęv noch schütter.

He smeet sik op de Kneden vœr ęr dal

Un heel ęr Kopp to höch un neem ęr Hann',

Un reep ęr schüchtern, doch so angst un pinli,

Dat muss en Doden wecken ut den Slap.


Doch as se nu de Ogen grot heropslog

Un swack un still umhęrseeg as in Drom,

Un deep de Athen keem un in de Backen

En bęten Roth, dat schin man ęben dœr,

Do neem he ęr vœr Freid in beide Arms

Un hęv ęr as en Kind, as harr he't funn',

As weer't sin egen, vœr sik inne Luft

Un drog ęr lud in Lachen un in Weenn

Un Snacken, hoch- un plattdütsch mank enanner,[242]

Den Stig hentlank un dœr de Presterport,

Un sett ęr dar in Schatten op de Bank.


Eerst scham se sik, war roth un wedder bleek,

Un seet un wreng ęr Hann' un seeg herum:

Mir eenmal slog se em de Arms um Hals

Un seeg em an mit grote brune Ogen,

Versteek den Kopp an em un seggt – Min Heinri!

Quelle:
Klaus Groth: Quickborn. Volksleben in plattdeutschen Gedichten, Berlin 1968, S. 237-243.
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