Die Dritte Abhandlung.

[65] Catharina. Der Gesandte auß Reussen.

Der SchauPlatz bildet ab der Königin Zimmer


GESANDTE.

Durchlauchtigste / wo euch je Reussens Heil ergetzet/

Das nach so hartem Krig sich nun zu Ruhe setzet;

Wo jhr / wie vns vor dem nur mehr denn wol bewust

Ob vnsers Czaren Glück' je vnverfälschte Lust

Auff eurem Thron geschöpfft; so last euch jtzt bewegen

Eur überschweres Leid vmb etwas abzulegen /

Vnd wündtscht zu disem Werck' vnd Fürstlichen Vertrag

Der vns vnd Persen bind't was der berühmte Tag

Vnd eure Neigung heischt. So ists! wir sind verglichen![65]

Der Waffen Donnerklang; die Sturm-Wolck ist gewichen

Der Schwerdter grimmes Recht wil gantz verschoben seyn /

Vnd reumet seinen Platz dem edlen Friden ein!

Wol mir! dem nun erlaub't euch mit der Post zu ehren!

Doch warumb laß ich euch nur vnsre Freud' anhören?

Warumb schaw' ich so lang eur herbes Elend an?

Da doch der Tag mehr euch als andre trösten kan.

Princessin; vnsre Wonn ist eurer freuden Quälle.

O daß die süsse Lust / kein herbes Leid vergälle!

Der Freuden-schwangre Tag zubricht deß Kerckers Schloß/

Vnd Chach macht von der Kett' auff vnsre Bitt' euch loß.

Mein Fürst der stets bedacht die Thore zuentschlissen;

Lest durch die Freyheit euch / nicht mehr Gefangne grüssen/

Vnd wil daß neben vns auch eur betrübtes Land /

Vnd König Tamaras / der die geneigte Hand /

Nach euer rechten streckt / von Hertzen sich erfreue

Daß eur erlidten Leid / in Wollust sich verneue;

Vnd wündtscht vor so vil Creutz / das eur Gemüt bewehrt/

Euch noch mehr Glück' als ihr vnd Tamaras begehrt.

CATHARINA.

Der Reussen mächtig Haupt gibt warlich zu verstehen;

Daß seine Sinn' als Stand dem Himmel nahe gehen /

In dem es / wie auch Gott / mitleidend sich erzeigt /

Vnd sich von seinem Thron zu vnserm Kercker neigt.

Wir wissen weder Gott noch disem Recht zu dancken

Dem seine Tugend danckt. Wo in den rauhen Schrancken

Der vnerschöpfften Angst sich jemand freuen mag;

So glaubt vns Herr Gesandt / daß nicht die lange Klag /

Nicht die gehäuffte Pein / nicht die bethränten Wangen

Nicht was der Zeiten Grimm noch über uns verhangen

Vns hinder' an der Lust / die eure Ruh vns bracht.

Doch jhr seyd in der Lust auff vnser Leid bedacht /

Vnd sprecht vns frey / vnd last vns eigne Lust empfinden.

Glaubt Herr das heist auffs new' auff ewig vns verbinden[66]

Glaubt Herr / dem so vil Müh für vnser Heil behagt;

Wir bleiben euch verpflicht / vnd eures Czaren Magd.

GESANDTE.

Durchleuchtigst' ich bin mehr dem hohen Glück verpflichtet

Daß diser durch mich dint / die Wunder hat verrichtet

Als sie den Zepter führt / die man mit Wunder siht /

Nun jhrer Tugend Ruhm / trotz allen Banden! blüht.

CATHARINA.

Wir wissen nichts an vns dergleichen zuerkennen

GESANDTE.

Die sich nicht kennen wil weis ew'ger Ruhm zu nennen

Diß eine wündtsch ich noch: vergönt daß sich vermehr

Eur hochverdintes Lob vnd vnsern Czaren ehr

Durch Abriß diser Angst / die euren Geist beschweret

Vnd euren Cörper band.

CATHARINA.

Was jhr anjtzt begehret

Ist wenig für die Gunst die vns eur Fürst erzeugt!

Diß Auge stelt euch vor / ob schon die Lippe schweig't

Daß nichts als lauter Weh / als Ach vnd grimme Schmertzen

Als Mord / Verläumbdung / Haß / Verräther-tolles schertzen /

Vnd eine Flut von Blut / vnd höchster Tyranney /

Vnd Hencker / Brand vnd Pfahl euch vorzustellen sey!

Doch weil euch nicht erschreckt / was sonder furchtsam grauen

Auch ein verstockter Türck ohnmächtig anzuschauen;

Find't eur verlangen stat. Euch ist zu wol bekand

Daß leider wir zu schwach mit stets-bewehrter Hand

Der Türcken Nachbarschafft / der Persen strenges kämpffen

Die vns von Ost vnd West vmbpfählen recht zu dämpffen/

Drumb sucht Georgien / wie wol gezwungen / Schutz

Von dem der Schaden kan; vnd Stambol seinen Nutz

Auß Tefflis Dinstbarkeit. Wir / den die Casper Wellen[67]

Vnd Persens Marck-revir gesetzte Gräntzen stellen

Begrüsten Ispahan: doch wo wir Schutz begehrt /

Schlif man auff vnsern Hals das Mord-begir'ge Schwerdt /

In Tefflis hub zu erst der Blutsturm an zu wütten

Als der gepreste Fürst die Last sucht abzuschütten;

Vmbsonst! sein schwacher Arm ward durch die Türcksche Macht

Gefässelt vnd verstrickt. Als er durch Gifft vmbbracht;

Erhilt Printz Alovas deß Vatern Thron vnd Crone /

Selbst Achmet halff ihm auff / vnd gab dem zarten Sohne

Den weisen Meurab zu / der sich so tapffer hilt

Daß er mit seinem Ruhm das gantze Land erfült /

Die Hertzen mit der Gunst. Als Abas diß vermerckte /

Daß Achmet seinen Stat durch solche Mittel sterckte;

Befahr't er; daß / wo er nicht etwas früh erwacht /

Mocht' vnser Gurgistan vermehren Stambols Macht.

Drumb liß er Bund vnd Schutz vns vnversehns antragen /

Printz Alexander dorfft' jhm diß noch das ausschlagen.

Deß Türcken Nachbarschafft war freylich vns zu schwer;

Doch schreckt vns noch vil mehr der Persen streitbar Heer.

GESANDTE.

Da war Georgien recht zwischen Thür vnd Angel

CATHARINA.

Chach sucht ein näher Pfand / vnd damit ja kein Mangel

Auff vnser Seit' erschin / schickt vnser Fürst geschwind

Den Printzen Constantin sein erstgeboren Kind

Nach Persens Hoffstadt hin / daß Chach so hintergangen

Daß er durch Haly Wahn verzaubert vnd gefangen

Gott / Tauff vnd Creutz verschwor. O unverhoffter Schmertz!

O jammerreicher Stral / der durch deß Vatern Hertz

Biß an die Seele drang! Er riß die grauen Hare[68]

Von seinem kahlen Kopff' / vnd wündtschte nach der Bare

Ja er enterbte schlechts den abgefallnen Sohn /

Vnd gab der jüngsten Frucht / dem David Reich vnd Cron.

Dem David mit dem Wir! auff kurtze Zeit vermählet

Vnd leider! wenig Jahr' in höchster Trew gezählet /

Von dem Fürst Tamaras das erst vnd ein'ge Kind

In keuscher Eh' erzeugt / daß vnsre Band empfind

Vnd alle Schmertzen fült. Er fing kaum an zu blühen;

Als er auff Abas Wort auch must in Persen zihen /

Vnd für vns Geissel seyn. Doch blib er frey vnd fest

Bey seinem Christus stehn / vnd schlug die tolle Pest

Deß Haly Wahnwitz auß. Wie hart auch Abas tobte

Wie vil er jhm Geschenck' vnd Land vnd Gunst gelobte.

GESANDTE.

O vnbewegter Sinn.

CATHARINA.

So steiff als er sich hilt

So blind lif Constantin / der als ein Ebenbild

Der Laster / was hir lebt vnd leben wird sol lehren;

Daß die Gott vntrew sind auch nächstes Blut nicht ehren.

GESANDTE.

Wer schon deß Himmels Recht gelassen auß der acht;

Hat Völcker Sitt' vnd Schlüß der Menschen nie bedacht:

CATHARINA.

Chach Abas hetzt jhn an auff seines Vatern Leben

Vnd seines Bruders Halß. Er schwur jhm Volck zu geben

Vnd Alexanders Reich. Doch wär er nur bequem

Zu herschen / wenn er vor deß Vatern Kopff abnehm /

Vnd seines Bruders Hertz an blosse Dolchen steckte.

Der Vater wer' es ja der jhm Gefahr erweckte /

Der seiner Cronen Gold gelobt dem andern Sohn /

Der Bruder wäre Feind / er stünde nach dem Thron.

Ach! kan der Zepter Durst so die Vernunfft bethören!

Ach kan der Cronen Geitz die Seele so entehren!

Daß sie Verwanthes Blut / wenn dise Pest erwacht /

Vnd deß Gewissens Grimm blind setzen auß der acht.[69]

Sie schlossen beyder Mord. Der König ward beschrieben

Mit vnserm Ehgemahl.

GESANDTE.

Hat Abas diß getrieben?

CATHARINA.

Sie zogen beyde fort mit viermahl tausend Man /

In deß Verräthers Hoff. Er nam sie freundlich an.

Der Meuchel-Mörder selbst verbarg sein frech Beginnen

Durch eitler Libe Dunst. Er suchte zugewinnen:

Ihr vnverfälschtes Hertz (so schin's) je mehr vnd mehr

Vnd lud sie zum Pancket / auff dem nach langer Ehr

Er seines Vatern Brust mit eigner Faust durchstochen

Vnd seines Bruders Hals (O Greuel!) hat gebrochen!

Der an der Taffel fil vnd in dem Mord Palast

Mit vmbgesprütztem Blut befleckte Wirtt vnd Gast.

Der duppel Mord erschall / der Hoff fing an zu toben

Auß Zittern vnd auß Grimm. Chach durffte selbst nicht loben

Was man nach seinem Wundtsch so meisterlich vollbracht.

Doch braucht er neue Ränck' vnd suchte List durch Macht

Zu fördern. Als im Hoff auff sein Befehl erschinen /

Die mit auß Gurgistan dem Könige zu dinen

In Persen sich gewagt; sprach er sie traurig an;

Gelibt' es kränckt vns hoch / daß jhr in Ispahan

Vmb Haupt vnd König komm't. Doch / wer ist der nicht wisse/

Wie leicht bey Wein vnd Zorn man fall' vnd Blut vergisse.

Diß Vnglück rührt auß Zanck / der Zanck kam ohngefehr

Auß blassem Mißverstand vnd schnellen Worten her.

Doch ob die Printzen fort; der Stat ist dennoch bliben.[70]

Hir ist Fürst Constantin / der euch / sein Volck / wird liben/

Gezeugt in eurem Land / deß Königs erster Sohn /

Vnd ein- vnd eigner Erb: Ihm wird Gurgistans Cron

Als richtig Vatertheil rechtmessig zuerkennet.

Ihr bleibt jhm ewig trew / vnd führt jhn vnzertrennet

In sein ererbtes Reich / vnd lebt in stiller Ruh.

So sprach er vnd gab jhm fünfftausend Persen zu.

Die Zeitung liff voran. Wir schätzten vns verlohren /

Als vns deß Schwehers Fall / deß Ehmans Tod / zu Ohren

Vnd zu Gemütte drang / als Abas grimme Schar

Dem Bruder-Mörder folgt auff Herd vnd auff Altar /

Vnd Gott selbst Krig anbot. Diß Hertz hat sich entschlossen

Als schir ein jeder zagt; dem Blut das er vergossen

Durch seinen Vntergang vnd Tod genung zu thun.

Wir lissen vnser Volck vnd Waffen denn nicht ruhn /

Vnd brachten vnversehns zwelff tausend auff die Beine;

Die wir mit List versteckt / wo durch die hohen Steine

Ein Weg in vnser Land Berg auff vnd enge läufft

Ob welchem sich der Wald mit dickem Schatten häufft.

Nicht fern von disem Felß erschinen Persens Zelten /

Man schaute wie sich Heer vnd Heer in Ordnung stellten

Bereit auff vns zu gehn.

GESANDTE.

Wie hilt sich Gurgistan?

CATHARINA.

Man bott dem Constantin Gespräch vnd Friden an /

Man meldet' jhm daß wir mit hertzlichem Verlangen

Bereit jhn auff dem Hoff vnd Throne zu empfangen /

Daß nicht durch frembde Macht ein Reich zu suchen wär

So einig jhm verpflicht. Ja daß wir sonder Heer /

Allein / in seinem Zelt gesonnen jhn zu grüssen /

Dafern Princessen diß Geschlecht vnd Scham nachlissen;[71]

Daß vnser Wundtsch jhm selbst zu zeigen solche Ding /

An welchen seine Cron vnd vnser Wolfart hing

Vnd der gekrenckte Stat. Drumb möcht er sich erheben /

Vnd sonder grossen Schleif auffs flache Feld begeben /

Da wir mit wenig Volcks begleitet ihm die Hand

Zu küssen vns erklärt.

GESANDTE.

Was richtet jhr Gesand

Mit disem Vorschlag auß?

CATHARINA.

So vil als wir begehret

Der Mörder wagte sich von Volck vnd Hülff entwehret

Auff den belibten Platz / vnd trug noch law von Blut

Der Fürsten / heiß entbrand mit toller Flammen Glut

Vns Cron vnd Heyrath an. Wir / vmb vns recht zu rächen /

Erwisen daß es ihm nicht würd' an Macht gebrächen

Wenn schon der Persen Heer nicht in das Land eindring /

Vnd durch ein frembdes Volck sein Vnterthan verging.

Wir stellten vns bereit nach seinem Sinn zu leben /

Vnd schlugen jhm nicht ab den Leib zu übergeben.

Er fand nur (wie es schin) mehr als er je gesucht

Doch bald (was er verdint) der tollen Boßheit Frucht.

Denn als er durch den Glimpff deß eiteln Dunsts verblendet

Nach seinem Läger eilt vnd vns den Rücken wendet;

Fil vnser Volck hervor vnd druckten auff ihn ab /

Daß er in einem Nun die falsche Seel' auffgab.

Sein Läger ward in eyl von vnserm Heer besprungen.

Printz Alexanders Volck / das mit jhm (doch gezwungen)

Zurück auß Persen kam / vnd seine Schar gesterckt;

Begönt als es den Tod deß Vater-Mörders merckt

Die scharffgewetzte Kling' in Persens Blut zu baden /

Das durch die Felder floß. Der Strom drang schwer beladen

Von Leichen vnd verstopfft. Kurtz; was nicht vns anhing;

Was nicht durch schnelle Flucht errettet ward; verging.[72]

GESANDTE.

Mit was Gemüt hat Chach die ernste Rach vernommen?

CATHARINA.

Er schickt alsbald die Post zu seinen Ohren kommen

Vns vnser einig Kind den Tamaras zurück

Vnd wündtscht vns zu dem Sig mit schönsten Worten Glück.

Ja rühm'te daß wir Man vnd Schweher steiff gerochen/

Vnd band vns ferner ein zu halten was versprochen /

Vnd Persen trew zu seyn / wie biß dahin geschehn /

Wolt' auch den Tamaras auffs ehst vermählet sehn.

GESANDTE.

Was hör ich! Himmel hilff!

CATHARINA.

Wen solt er nicht betrigen?

Wen solt er in den Schlaff nicht mit dem heucheln wigen?

Doch war Chach Abas falsch / vnd vnter disem Schein

Sucht er den Fall deß Sohns der Mutter herbe Pein /

Die beid' auff eine Zeit mit neuer Angst betrübte /

Als vnser Tamaras / die Blum auß Tefflis libte.

Das Freulein das er jhm zu seiner Braut erkor /

Thats freylich weit an Zucht vnd Schönheit andern vor /

So daß auch Alovas der sie zu spätt erkennet

Durch jhrer Augen blick gefährlich ward verbrennet /

Vnd sucht ihr Hertz das schon mit vnserm Sohn getheilt

Er wand außdrücklich vor; daß wir jhn übereilt;

Daß Tamaras mit Recht ihm die nicht könt entführen/

Die jhm als Vnterthan nur solt allein gebühren

Vnd hätte Tamaras das erste Wort davon;

So were Tefflis Seinelcan. Vnd Alovassen Cron

Hüb' alle Zusag auff. Man wolte sie vergleichen

Doch kont auß Lib / vnd Zorn / kein Fürst dem andern weichen

Sie selbst die Braut entfloh / auff ein versichert Schloß.

Der Länder Ruh ging' ein / die Printzen brachen loß

Vnd zogen beid ins Feld / mit Vorsatz sich zu schlagen

Vnd alles vor die Beut auffs letzte Blut zu wagen.[73]

Die Waalstadt stund besetzt vnd alles Volck bewehrt.

Als sich in einem Nun das gantze Spiel verkehrt.

Den Alovas (es sey daß jhn sein Heer bewogen!

Es sey daß Freundtschafft jhn zu diser That gezogen!)

Schickt als schon Mann auff Mann vnd Lantz auff Lantze zilt /

Als Drommel vnd Trompet durch alle Lüffte spilt:

Vnd sich der grosse Zeug bewegt auff eines Wincken

Wie wenn Nordosten heist die schweren Aeren sincken /

Er schickt in vnser Zelt: vnd führt vns zu Gemütt

Ob diser Zanck durch Stahl zu schlichten: ob durch Gütt'.

Er meinte daß es schwer vmb eine Fraw zu küssen

So vil vnschuldigs Blut als Bäche zu vergissen /

Daß beyde die von Haß vnd Eyfer jtzt entbrand

Gar wenig Zeits vorhin durch treuer Freundtschafft Band

Verknüpfft für Gott vnd Reich einander stets begegnet/

Daß Christus jhren Bund durch mildes Heil gesegnet /

Den man durchs grimme Schwerdt vnd sonder eine Frucht

Zu nutz dem Agaren an jtzt zu brechen sucht /

Es mangelt' Alovas zwar nicht an Mutt vnd Sigen;

Doch schmertzt ihn daß durch jhn sein Freund solt vnterligen;

Auch wündtscht er nicht allein auß Libe dise Braut/

Er that es auß Befehl. Chach dem er sich vertraut

Reitzt jhn zu disem Stück' vnd hiß in allen Schreiben

Ihn durchgehn vnd strack fort den Tamaras entleiben.

Er warnte den zuletzt; man wolle vor sich sehn /

Sonst möchte was der Pers so scharff begehrt geschehn.

Wir starten auff die Wort / als welchen Chach verholen

Zum offtern eben diß durch treue Post befohlen.

Geht hin / rief Tamaras / sagt eurem König an;[74]

Daß wo er Abas Hand vns heut auffweisen kan /

Wir willigst abzustehn. Er schickt vns sonder wancken

Deß Persen Mord Papir. Wir eilten jhm zu dancken

Durch gleiche Wechsel-Briff' man legt jhm ins Gesicht

Deß Persen eigne Faust. So brach diß Stück ins Licht.

GESANDTE.

O Himmel! solte diß ein Mensch von Abas dencken!

Wie hilt sich Alovas?

CATHARINA.

Er liß sich eilend lencken

Kam eher man vermeint in Tamaras Gezelt /

Vnd sprach; mein Bruder schaw' heckt auch die hel'sche Welt

So eine grimme Pest / die beid' vns zu verletzen

Durch eigne Glider sucht? heist Chach das Schwerdt mich wetzen?

Vnd reitzt er dich auff mich? sucht er durch vnser Blut

Der Länder vntergang? Nein Glaub ich bin zu gut

Daß ich sein Hencker sey. Gott müsse diß verhütten!

Leg alle Feindschafft ab / laß vns nicht ferner wütten.

Nim die Princessin weg / vnd gib mir deine Hand

Zum Zeichen erster Gunst vnd Brüderlichem Pfand.

Las deß Verräthers Hoff. Wil Ispahan nicht nützen

So kan / Trotz List vnd Macht vnd Waffen! Stambol schützen.

Printz Tamaras vmbarmmt mit Lust so wertten Gast.

Die Zwytracht ward gestillt / deß grausen Kriges Last

Verfil in Hochzeit Freud' vnd alle Mord-Trompeten

Geselten Tamaras zu seinen Braut Panqueten.

Man machte neue Bünd / vnd lif den Bospher an.

Weil man vom Tyger nichts / denn Meineyd hoffen kan.

GESANDTE.

Wie nam diß Abas auff?

CATHARINA.

Diß Werck blib so verschwiegen

Daß er das minste nicht zu Ohren konte kriegen.[75]

Biß daß durch Bottschafft jhm / der Türcken Fürst anbracht;

Daß er zu seinem Zug auch Gurgistanscher Macht

Zu brauchen sich erklärt. Doch wolt er vorhin wissen

Ob sie mit Abas nicht sich in Vertrag einlissen /

Vnd ob er zu dem Volck' hett Anspruch oder Recht.

Chach lacht in seine Faust vnd weil er Stambol schlecht

Zu hönen willens war; versprach er dem Gesandten /

Es solten sonder feil jhm seine Schutz verwandten

Der Fürst von Tefflis selbst vnd der von Gurgistan

Zu Red' vnd Antwort stehn / da er in Ispahan

Wolt jhre Gegenwart in zweymal virtzig Tagen

Erwarten. Diser schloß so wenig Zeits zu wagen.

Stracks hat Chach gegen vns vnd Tefflis sich erklärt;

Daß er / so Fürst als Volck auff seinen Hoff begehrt.

Die Printzen thaten jhm drauff unverzagt zu wissen;

Daß sie auff Osman sich vnd nicht auff Chach verlissen.

Vnd gantz mit keinem Heer vil minder in Person

Gesonnen auff sein Wort zu nähern Abas Thron.

Chach welchem diser Schimpf mehr denn erträglich schmertzte

(Als der Gesandte noch mit seinem Hochmutt schertzte

Vnd lachend sich von jhm an heim nach Stambol macht.)

Schwur bey der höchsten Krafft die über Fürsten wacht;

Daß er den Kopff fort an nicht sanffte wolte legen

Biß er den frechen Hohn mit Flammen Mord vnd Degen

Vnd vnserm Vntergang vollkommen abgewischt

Vnd seine dörrend Ehr in mildem Blut erfrischt.

Er wolte selbst ins Feld / vnd hub an scharff zu toben

Auff alle / welche nicht den Vorsatz konten loben.

Can Alovard der jhm diß auszureden tracht;

Ward vnversehns mit Gifft an seinem Tisch' vmbbracht.

Er hiß in tollem Grimm den Curtzi Bassi prügeln /

Vnd nach gehäuffter Schmach in einem Thurm verrigeln.

Er biß als sein Gemahl ihn bat / nicht auß dem Land[76]

Zu weichen / jhr erhitzt / die Finger von der Hand /

Ja liß gantz Gurgistan in solcher Eil bespringen

Daß vns nicht möglich Schutz vnd Beystand auffzubringen.

So gehts wenn sich ein Schiff an scharffe Klippen schmeist /

Vnd mit dem ersten Schlag die gantze Last auffreist.

Doch suchten wir noch eins (behertzt bey aller zagen)

Diß Leben / für das Blut Georgiens zu wagen

So bald wir vnser Kind vnd Schnur hinweg geschickt /

Vnd schon der Persen Zelt von dem Gebirg' erblickt;

Begaben wir vns recht zu deß Tyrannen Füssen

Vnd wolten seine Faust in tiffster Demut küssen.

Er / dem der schwere Zorn durch alle Sinnen kracht /

Erhitzt in geiler Brunst / als wir der grausen Macht

Mit Thränen zugesetzt / als wir mit eigner Leichen

Vns den gereitzten Grimm erboten zuerweichen.

Die offt verkehrte Rött' im Angesicht entdeckt;

Wie hefftig seine Seel durch Rach vnd Lib entsteckt.

Er sprach vns freundlichst an (doch war die Gunst vergellet)

Vnd fragte warumb sich nicht vnser Kind einstellet.

Zwar / sagt er / ist es eins! wo jhr mit ernster Trew

Den hochverletzten Bund für Reich vnd Euch auffs New

Bekräfftigt wündtscht; so schafft daß die man euch wird nennen

Für vns mit Eyden sich zu dem Vertrag erkennen.

Diß ists was wir begehrt. Geht jhr den Vorschlag ein;

So wird man Gurgistan gantz nicht beschwerlich seyn.

Wir gaben alles nach. Man must auff sein begehren

Ihm eilend fünffmal Zehn der Edelsten gewehren /

Den er / nach dem sie sich auffs euserste verpflicht

Den Heimzug stracks erlaubt. Doch wolt er daß man nicht

Sich Landwerts kehren solt' vnd auß dem Läger reisen

Als nach dem Gast Pancket / das mit gehäufften Speisen

Vnd reichem Vberfluß sich in die Nacht verzog.[77]

O Hellen-schwartze Nacht! die auß dem Abgrund flog!

Vnd stette Finsternüß in diser Brust erweckte!

Die Abas Grausamkeit vnd Meineyd vberdeckte!

Die Funfftzig welch' er nun von sich nach Hause liß;

Die warens die sein Volck auff erstem Weg' erstiß /

Auff sein selbst eigen Wort. Vns führt' er mit gefangen /

Vnd helt vns noch biß heut'. Als Tamaras entgangen

Ergriff er Alovas den er mit Ketten band

Vnd mit dem Meurab schnell nach Persens Hoffstadt sand.

Den Thron bestig ein Man / der ob er wol geboren

Auß Grichscher Fürsten Blut / doch Christum längst verschworen.

Dem trau't er beyde Reich'. Euch ist nicht vnbewust

Wie Alovas den Geist durch Gifft ausblasen must!

Wer weiß nicht wie alhir deß Meurabs Fraw gehandelt?

Wie Chach mit Meurabs Sohn vnd Tochterlein gewandelt?

Vor Meurabs Augen selbst? biß Meurab dahin bracht;

Daß er für Persens Gunst deß HErren Creutz verlacht.

GESANDTE.

So ists! doch hat er nu den schweren Fall bereuet

Vnd mit erhitzter Rach' jhr vnd seyn Land erfreuet.

Vnd Ispahan erschreckt. So steht nach erstem Fall

Ein Held behertzter auff! so härtet man Metall

Durch Schmeltzen / also helt im strengen Wette-lauffen

Der Renner etwas ein / der bald den schnellen Hauffen

Als fligend überholt. Wie vil durch jhn geschehn

Wird eure Majestet mit vns in kurtzen sehn /

Wenn jhr gekrönter Sohn mit Thränen auff den Wangen/

Die ware Lust außprest / sie küssend wird vmbfangen/

Wenn jhr erlöstes Reich jhr wird entgegen zihn

Vnd ruffen durch die Lufft; Es lebe Catharin!


[78] Chach Abas.

Der SchauPlatz verändert sich in den Königlichen Lustgarten.


Der Schluß ist endlich fest! das harte Joch sol brechen

In welchem wir so lange gehn!

Chach wil sich endlich heut' erquicken oder rächen

Eh' als der Monden auff wird stehn.

Chach wil / eh' heut die Sonne muß verschwinden

Lust oder Ruhe finden!

Verzeih' es heisse Lib die Rachgier steckt vns an!

Halt in / Rach halt! die Lib ists / die vns hindern kan.


Wir sind der Worte loß die (als es schin /) vns bunden;

Sie sol vor Abends freye seyn.

Wir haben rechte Salb' auff disen Brand gefunden;

Frey von deß langen Kerckers Pein.

Sie sol recht frey / heut vnsern Thron besteigen /

Wo nicht; ins Grab sich neigen.

Wol Fürstin du bist frey. Nu wehle: Lust vnd Noth.

Diß schlegt dir Abas vor: sein Ehbett oder Tod.


Kan jemand vns mit Recht jhr Himmel diß verweisen

Wozu vns das Verhängnüß zwingt?

Man heilt die Wunde doch durch Pflaster oder Eisen /

Die strenge Seuch' ists die vns dringt!

Du selbst Princessin (wo du nur zu lencken!)

Kanst Abas nicht verdencken /

Daß er / der dich bißher gelibt ohn alle Frucht;

Mit Ernst sein eigen Heil in deiner Wolfart sucht.


Ach! aber muß man dich durch solchen Ernst betrüben?

Wird dir so kurtze Zeit gesetzt?[79]

Fürwar die liben nicht / die vns gezwungen liben!

Man flucht der Hand die vns verletzt.

Wie wenn du wolltest eh den Tod erwehlen

Vmb vns noch mehr zu quälen?

Ists möglich daß vns die auch kan gewogen seyn

Die schon durch dise Faust verdamt zu rauher Pein?


Sol Tyger denn vnd Rha auff vnsern Meyneyd fluchen

Mit dir stirbt leider! vnser Ehr!

Erhält der Reussen Fürst diß auff sein hoch ersuchen

Traut vns / wer Athem holet mehr?

Wird nicht die Nachwelt ewig auff vns schreyen

Vnd für vnd für anspeyen?

Wer wird den neuen Bund der durch so vil bemühn

Kaum in sein Wesen bracht; nicht in den Zweifel zihn?


Ha! was erwegen wir! wer darff sich vnterstehen

Zu tadeln was vns billich scheint?

Pflegt nicht das heilge Recht ans Königs Hand zu gehen

Weil recht was der gekrönte meint?

Gesetzt auch! daß wir etwa vns beflecken!

Der Purpur kan bedecken.

Man wird durch Majestet vnd Sonne so verblend't;

Daß man so wenig der / als jener feil erkent.


Kan wer / der bey Verstand / den Zwang der Libe schmähen?

Sie ists die vns gebunden hält!

Verbind vns nicht die Cron auff Persens Heil zu sehen;

Das durch der Frauen Freyheit fält.[80]

Entschuldigt den der sigt vnd auch gekrönet /

Doch den ein Weib verhönet!

Rach / Lib vnd Zepter sind die vnser Hertz bekrigt.

Rach / Lib vnd Zepter sind die vber vns gesigt.


Chach Abas. Imanculi.


Komm't Imanculi dar? recht! stracks geh' vnd erkläre

Gurgistans Königin / daß Abas jhr gewehre

Die Freyheit die sie sucht / vnd seine Cron darzu /

Doch / daß sie auch was wir bißher gefordert / thu.

Der Zepter ist vor sie: wo sie was Persen lehret

Zu glauben sich entschleust / vnd Abas der sie ehret /

Der Heyrath wuerdig schätzt. Taug jhr der Vorschlag nicht!

So werd' (vnd bey Verlust deß Kopffs) in eil verricht

Was diß Papir dich heist. Laß dich nicht eher schauen

Als nach vollbrachtem Werck. Ach was beklämmt vor grauen

Die abgekränckte Brust! verzeuch! geh hin! Ach nein!

Halt in! kom her! ja geh! es muß doch endlich seyn.


Reyen der gefangenen Jungfrauen


Süsses Land das wir gegrüsset

Als der Tag vns angelacht;

Das mit vns die Freyheit misset /

Vnd in Persens Banden schmacht;

Laß nu ab von langem Klagen

Vnd verkehr' in Lust dein Zagen.


Richte die zerschellten Glider

Auß der Aschen frölich auff!

Dichte neue freuden-Lider /

Weil dir nun in vollem Lauff

Deine Wolfart wil begegnen

Vnd mit höchster Lust dich segnen.
[81]

Ob dein Zepter Stab vnd Crone

Vorhin in den Staub verfil;

Doch setzt der / der Reich vnd Throne

Handhabt deiner Angst ein Zil!

Vnd wil dir / durch die du leben

Einig kanst / jtzt wiedergeben.


Strenges Persen sey gesegnet!

Rufft: Georgien glück zu!

Himmel! jhr habt außgeregnet!

Winde legt euch nun zu Ruh!

Last mit Jauchtzem-vollen Lachen

Vns deß Heimzugs Anfang machen.


Heute sihst du vns zu letzte /

Reiches Chiras! gute Nacht!

Ob es Ispahan nicht schätzte;

Gott hat doch vns wiederbracht.

Vns wird nicht vor Sirvan grauen

Da sie Thürm auß Köpffen bauen.19


Auß der Edlen Todtenköpffen

Die das grimme Schwerdt auffraß.

Last vns etwas Ruhe schöpffen

Wo die keusche Fürstin20 saß

Die vil liber wolt ihr Leben

Als die Jungferschafft hingeben.


Nymphen die ihr vmb die Wipffel

Der besteinten Felsen springt;

Die jhr vmb die grünen Gipffel[82]

Der bejahrten Palmen singt;

Last euch weit vnd breit zu Ehren

Eurer Catharinen hören.


Preiset nicht nur jhre Sige /

Vnd den nie erschreckten Mutt /

Nicht die ehren-reichen Züge /

Vnd jhr nie beflecktes Blut.

Singt daß sie in Angst genesen

Vnd in Banden frey gewesen.


Singt daß sie das rauhe Toben

Deß erhitzten Grimms verlacht;

Daß sie das geschmünckte loben

Der verlibten Lust veracht;

Daß sie / ob sie gleich gebunden /

Reich / vnd sich / in sich gefunden.

19

Da sie Thürm auß Köpffen bauen. Nahe bey Sirvan sind die Vberbleibungen eines Thurmes von Steinen vnd Todten-Köpffen zu finden / derer Edelen abgehauen / welche der König in Persen bezwungen vnd zum gedächtnüß einmauren lassen. Besihe die Reise Johannes Cartwigts. Item Antonium Jenckinson in seiner andern Reise in Persen gethan / im 1562. Jahre. Wiewol etliche der Meynung er hätte seinen Grimm geändert / vnd an stat Menschen- so vil Hundes-Köpffe dahin setzen lassen.

20

Da die keusche Fürstin. Ameleke Kanna eines Persischen Königs Tochter / hat sich vnweit Sirvan mit einem Messer selbst entleibet / als sie nach gethanem Gelübde der Keuschheit von jhrem Vater gezwungen einen Tartarischen Fürsten zu heyrathen. Derowegen die Persen ein Jungfrauen Closter jhr zum Gedächtnüß gestifftet / in welchem von den Jungfern deß Landes jährlich jhr Vntergang bey jhrem Grabe betrautet wird. Besihe Cartwigts Reisebuch.

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Andreas Gryphius: Catharina von Georgien. Stuttgart 1975, S. 65-83.
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