Frauenlob

[121] Lobt' ich tausend Jahr,

Reine Weiberschaar,

Eurer Schönheit Blüthe,

Eures Herzens Güte,

Wäre doch mein Sang

Nur ein schwacher Klang.


Jedem ist bekannt,

Was die Schöpferhand

Gottes euch gegeben.

Wahrlich, unser Leben

Wäre, sonder euch,

Keiner Freuden reich.


Keine Sorge wacht,

Wann ein Weibchen lacht,

Wie ein Engel, grüßet,

Auf den Mund uns küßet,

Alles Unmuths frey,

Sehn wir lauter May.


Gehren keines Glücks,

Als des Minneblicks,

Als des keuschen Leibes

Unsers lieben Weibes,

Leben, sonder Harm,

In der Guten Arm.
[121]

Quelle:
Ludwig Christoph Heinrich Hölty: Sämtliche Werke. Band 1, Weimar 1914, S. 121-122.
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