[11] Alchymisten.

Alchymisten betriegen 1) Wenn sie hohe Häupter bereden / daß sie ihnen den lapidem Philosophorum, wodurch alle geringe Metallen in Gold könten verwandelt werden, verschaffen wolten / hernach aber diese, wenn sie nun grosse Kosten aufgewendet / nur mit einem leeren Rauch bezahlen. 2) Wenn sie / um sothaner Kunst ein Ansehen zu machen, vorgeben /daß Adam der erste Mensch, Cham der Sohn Noä, König Salomon und andere heilige Männer selbst Alchymisten gewesen seyen / welche Meynung aber Athanasius Kircherus, nach Anzeige des Erasmi Francisci in seinem Geschicht-Kunst- und Sitten-Spiegel fol. 1169. gründlich wiederleget hat. 3) Wenn sie diejenigen Bücher / welche nur von der Metallurgia oder Metall-Schmeltzung / it. deren vortheilhafften Scheidung handeln / von der Goldmacher-Kunst oder Metall-Verwandlung wollen verstanden haben, auch daraus bey Leuthen offt durch vieles Wort-Geschwätze[11] einen blauen Dunst vor die Augen machen. 4) Wenn sie in ihren Schrifften, so vom Stein der Weisen, und folglich auch von der Kunst Gold zu machen handeln, solche abgeschmackte Fabeln und dunckele Reden vorbringen / daß zu deren Erklärung kaum ein Oedipus geschickt genug seyn mag. 5) Wenn sie bey ihrem vermeynten Goldmachen fein äusserlich ein scheinheilig Wesen annehmen, und auch mit Austheilung reicher Allmosen gar liberal sind, um damit ihre Betriegereyen desto eher zu verbergen /andere aber desto leichter zu verführen. 6) Wenn sie gar vorgeben, es könne keiner zu diesem hohen Geheimniß gelangen, er müsse dann recht einfältig und von Hertzen fromm seyn / damit GOttes Geist sie erleuchten / und tüchtig machen könne, alles aber in Absicht / auf daß sie ihre arge List / Räncke und Tücke desto ungehinderter, leichter und besser ausüben können. 7) Wenn sie dem lapidi Philosophorum viele wunderbahre Tugenden zuschreiben / und denselben als ein wahres Medium universale und Panacée in desperatesten und sonst unheilbahren Kranckheiten / auch biß an das von dem Höchsten bestimmte Lebens-Ziel nicht nur gesund und frisch zu leben, heraus streichen, ja gar von solchem rühmen / daß man damit das Leben verjüngern / oder wohl gar / wie ehmals die Sineser an ihren Kaysern zu thun gesuchet /vorm Tode conserviren könne. Ich geschweige / wenn sie sich auch nicht entblöden, zu sagen, daß / wer den lapidem Philosophorum habe / und recht gebrauche, einen recht englischen Verstand bekomme, allerhand hohe Geheimnüsse auch andere künfftige Dinge zu erforschen. 8) Wenn[12] sie dem veritablen Gold oder Silber einen Zusatz von Kupfer oder andern Metall geben, und da dieses dem ächten Gold oder Silber einiger maßen ähnlich / es unverständigen Leuthen vor pures verkauffen. 9) Wenn sie wie Rulandus in der Dedications-Schrifft seiner alchymistischen Progymnasmatum gethan, gottloser Weise vorgeben / daß man aus der Alchymisterey mehr / als aus der H. Schrifft / GOtt erkennen könne. 10) Wenn sie sich rühmen viel Heimlichkeiten und verborgene Dinge zu wissen, und dadurch denen Leuthen das Geld aus denen Beuteln locken, sich selbst aber am meisten bereichern. 11) Wenn sie höltzerne Stäbgen / womit sie die Metallen umrühren, vorhero in solvirtes Gold oder Silber tuncken, und solches in den Tiegel ohnvermerckt bringen / mithin das Ansehen machen, als ob die Metallen nunmehr bald in Gold und Silber würden verwandelt werden. 12) Wenn sie die zu Pulver zerstossene Kohlen des solvirten Goldes oder Silbers mit den Metallen vermischen. 13) Wenn sie die Metalle mit güldenen oder silbernen Platten überziehen, oder mit einer dem Golde gleichen Farbe / deren in l. 8. ff. ad leg. Cornel. de fals. gedacht wird / bestreichen /und ihnen damit den Schein des veritablen Goldes und Silbers geben wollen. 14) Wenn sie heimlich etwas von Gold unter das Metall mischen / damit /falß das Metall in der Probe aufgeflogen, doch wenigstens noch das Gold zurück bleiben möge. 15) Wenn sie endlich, da das Gold und Silber im Rauch aufgangen / vorgeben, der Mensch / dem sie das Gold machen wollen, sey nicht in dem Zeichen gebohren[13] daß er einen so herrlichen Schatz erlangen könne. Oder sie wären nicht fromm und heilig genug, beteten nicht fleißig, hätten ein falsches Gemüth und keine gute Absicht damit umzugehen / wann sie es erlangen würden, daher es GOtt nicht gefiele noch gestattete, daß sie dieses köstliche Kleinod von der Welt bekommen solten: GOtt sähe vielleicht, daß sie es nach ihres verkehrten Hertzens Sinn zu wollüstigem üppigem Leben, vielmehr und daher erfolgenden Seelen-Schaden und Verderben gedeyhen würde, und daher könten auch sie / da ihnen der Himmel selbst solche Glückseligkeit mißgönnete, es nicht weiter bringen. 16) Wenn sie sich zuletzt selbst durch beständiges laboriren ums Geld und öffters an Bettelstab bringen /wie deren Exempel gnug bekannt sind / und man davon nur Besoldi Thesaurum pract. p. 21. seqq. mit mehrern lesen kan. 17) Wenn sie hohle Spatel haben /und in solche nach Belieben Gold oder Silber thun, welches, da sie ihre alchymische Materie damit umrühren / heraus fließt / und nachgehends vor ihr philosophisch Gold und Silber passiren muß. 18) Wenn sie zwey Schmeltz-Tiegel haben / einen heimlich mit ordinairer Gold- und Silber-Solution, Kalch / oder Schlacken, und dergleichen nach Beschaffenheit und Gestalt / wie sie die andere so genannte philosophische Materie weisen / und den andern öffentlich mit dieser köstlichen (scilicet) Materie, in solches Einsetzung aber und Operation geschwind (so eben nicht gezaubert ist) mit einer Auswechselung den andern davor hinein practiciren, und also ihren Zweck zum entsetzlichen Betrug erhalten. 19) Wann[14] sie vorgeben, wie sie Jahr und Tag an dem Process zu laboriren / nöthig hätten, unterdessen sich gütlich thun /auch wohl ein Stück Geld auf Conto zahlen lassen /aber bey Ausgang des Jahres sich unsichtbar machen. 20) Wenn sie in die Kohlen / so sie öffters in den Schmeltz-Tiegel werffen, oder in die Materie / so um den Fluß / die Scheidung und Reinigung schneller zu befördern / das Rauben und davon fliegen zu verhindern / und die noch volatilische Seele besser zu figiren, zuzusetzen pflegen, wahres Gold und Silber in mancherley Form und Gestalt untermischen / so hernach von den übrigen Schlacken gesondert ihr wahrhafftig præparirtes und producirtes Gold ist.


Mittel: 1) Daß man sich überhaupt vor solchen alchymistischen Betriegereyen hüte / und denen / die dergleichen Künste von sich rühmen / durchaus kein Gehör gebe / vielweniger selbst durch die süsse Vorstellungen derer Alchymisten / welche offt güldene Berge versprechen / zum laboriren verleiten lasse / angesehen / wo nicht allen falls ja die existentia lapidis Philosophici & quod revera detur, nicht gäntzlich geläugnet werden kan / wie unzehliche Testimonia veterum atque recentio rum (vid. Hannemanni Jason:) ja die tägliche Erfahrung selbst sattsam zu beweisen scheinen / das meiste auf Betriegereyen endlich hinaus laufft / wie Hr. Buddeus in Disp., An Alchymistæ in republ. sint tolerandi? und die daselbst allergirte Autores gründlich und mit mehrern erwiesen haben. 2) Daß ein jeglicher mit dem ihm von GOTT bescherten Glück und Reichthum zufrieden sey /und dabey sonderlich die Worte Pauli 1. Tim. 6.-10. fleißig überlege / auch in Erwegung dessen / mehr nach denen himmlischen als irdischen Schätzen trachten lerne. 3) Daß man solche Betrieger / so meistens in den elendesten und erbärmlichsten Zustand[15] wegen Armuth leben müssen / und doch einem aller Welt Reichthum versprechen / nur auf sie selbst weise / indem sie sich zu helffen am nechsten und meisten verbunden / daher jener grosse Herr einem solchen einen Ducaten gab / darbey sagende: Von dessen Helffte kauffe dir auf eine Zeit Lebens-Mittel / die andere Helffte vermehre dir nach deiner Art, als du mich lehren wilt, so wirst du reicher, denn ich, Könige / Käyser / und alle Welt werden / gehe hin! 4) Daß insonderheit hohe Landes-Obrigkeit ein wachsames Auge auf das wahre Wohl ihrer Unterthanen habe / und selbigen die alchymistische Zeit und Geld fressende Untersuchungen und Labores gäntzlichen untersage / und hingegen ermahne / daß sie sich vielmehr ihrer Hände Arbeit nähren / ihren ordentlichen Beruff / Profession und sonst nützlicheren Verrichtungen fleißig nachkommen sollen / auch darzu-allerhand heilsame Anschläge / Rath / und Gelegenheit geben / denn dieses das bekannteste / ordentlichste / sicherste und beste Mittel ist / Gold und Vermögen / so viel zur Leibes- und Lebens-Erhaltung nöthig / gnugsam zu erwerben.

Quelle:
Hoenn, Georg Paul: Betrugs-Lexikon, worinnen die meisten Betrügereyen in allen Staenden nebst denen darwieder guten Theils dienenden Mitteln entdecket von ,-, Dritte Edition, Coburg 1724 [Nachdruck Leipzig 1981], S. 11-16.
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