Dreizehnter Auftritt

[28] Rosalinde. Adele. Eisenstein.


EISENSTEIN in eleganter Balltoilette, parfümiert sich. So: die Haare Violet de Mars, die Wäsche Fleur d'Orange! Jetzt habe ich nur noch den Frack zu wässern[28] mit Eau de Cologne. Hast du nicht gehört, Adele? Eau de Cologne habe ich befohlen.

ADELE holt einen Flakon.

EISENSTEIN sich bespritzend. So, jetzt dufte ich anständig!

ROSALINDE. Und diese strenge Balltoilette hast du für die Gefangenen gemacht?

EISENSTEIN. Damit sie sehen, daß ich ihrer würdig bin! Diese Herren Spitzbuben pflegen uns gleich über die Achsel anzuschauen. Habt ihr nicht eine Rose, Kamelie oder ... Bemerkt das Bukett im Rüssel des Schweinskopfes. erlauben schon, Baron Wildschwein! Befestigt die Rosen in seinem Knopfloch.

ROSALINDE. Unbegreiflich!

EISENSTEIN. Aber es ist Zeit. Leb wohl!

ROSALINDE. Wie? Ohne zu soupieren?

EISENSTEIN. Ich werde mit den Ratten soupieren.

ADELE. Und was geschieht mit dem Schweinskopf?

ROSALINDE. Bring ihn deiner armen kranken Tante!

ADELE. Tausend Dank, gnädige Frau! Das wird die arme Frau mit dem schwachen Magen recht erquicken!

EISENSTEIN affektiert die Arme ausbreitend. Rosalinde, meine teure Rosalinde!

ROSALINDE bewegt in seine Arme stürzend. Mein armer Gabriel?

EISENSTEIN. Süße Träume mögen dich umgaukeln, während ich die ganze Nacht ruhelos durchwachen werde. Macht Tanzschritte.

ADELE seufzt. Wie traurig!

EISENSTEIN. In solcher Situation hat man nur die Wahl, entweder in Schmerz zu vergehen oder sich rasch voneinander loszureißen. Reißen wir uns los!

ROSALINDE schluchzt. Unmöglich!

ADELE. Probieren Sie es nur; vielleicht geht's doch!

EISENSTEIN. Ermanne dich, Weib, ermanne dich!

Nr. 4. Terzett


ROSALINDE.

So muß allein ich bleiben

Acht Tage ohne dich?

Wie soll ich dir beschreiben[29]

Mein Leid so fürchterlich?

Wie werd ich es ertragen,

Daß mich mein Mann verließ?

Wem soll mein Leid ich klagen?

O Gott, wie rührt mich dies!

Ich werde dein gedenken

Des Morgens beim Kaffee,

Wenn ich dir ein will schenken,

Die leere Tasse seh.

Kann keinen Gruß dir winken.

Aus Jammer werd ich g'wiß

Ihn schwarz und bitter trinken! – Ach!

EISENSTEIN.

O Gott, wie rührt mich dies!

ALLE DREI.

O Gott, wie rührt mich dies!

O je, o je, wie rührt mich dies!

ROSALINDE.

Wo bleibt die traute Gruppe,

Kommt Mittag dann heran?

Beim Rindfleisch wie zur Suppe,

Zum Braten – keinen Mann!

Und sinkt der nächt'ge Schleier,

Gibt's wieder mir 'nen Riß,

Mein Schmerz wird ungeheuer!

ALLE DREI.

O Gott, wie rührt mich dies!

O je, o je, wie rührt mich dies!

EISENSTEIN.

Was soll das Klagen frommen,

Den Kopf verlier ich schier,

ROSALINDE.

Mein Kopf ist ganz benommen.

ADELE den Schweinskopf nehmend.

Den meinen hab ich hier!

EISENSTEIN.

Leb wohl, ich muß nun gehen.

ROSALINDE.

Leb wohl, du mußt nun gehen.

ADELE.

Leb wohl, er muß nun gehen.

ALLE DREI.

Doch bleibt ein Trost so süß:

ADELE.

Es gibt ein Wiedersehen, es gibt ein Wiedersehen!

ALLE DREI.

O Gott, o je, wie rührt mich dies!


Eisenstein tanzt ab. Adele folgt, während Rosalinde zurückbleibt.
[30]


Quelle:
Johann Strauß: Die Fledermaus. Text nach H. Meilhac und L. Halévy von C. Haffner und Richard Genée, Stuttgart 1976, S. 28-31.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Prévost d'Exiles, Antoine-François

Manon Lescaut

Manon Lescaut

Der junge Chevalier des Grieux schlägt die vom Vater eingefädelte Karriere als Malteserritter aus und flüchtet mit Manon Lescaut, deren Eltern sie in ein Kloster verbannt hatten, kurzerhand nach Paris. Das junge Paar lebt von Luft und Liebe bis Manon Gefallen an einem anderen findet. Grieux kehrt reumütig in die Obhut seiner Eltern zurück und nimmt das Studium der Theologie auf. Bis er Manon wiedertrifft, ihr verzeiht, und erneut mit ihr durchbrennt. Geldsorgen und Manons Lebenswandel lassen Grieux zum Falschspieler werden, er wird verhaftet, Manon wieder untreu. Schließlich landen beide in Amerika und bauen sich ein neues Leben auf. Bis Manon... »Liebe! Liebe! wirst du es denn nie lernen, mit der Vernunft zusammenzugehen?« schüttelt der Polizist den Kopf, als er Grieux festnimmt und beschreibt damit das zentrale Motiv des berühmten Romans von Antoine François Prévost d'Exiles.

142 Seiten, 8.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon