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Scharffsinniger Hofreden / denkwůrdiger Sprůche / artiger Schertzfragen / darauf wolgefügte Antworten / und ergötzlichen kurtzen Erzehlungen.

[724] 1. König Heinrich der Vierte dieses Namens in Franckreich fragte einen Italiäner / auf welcher Seiten das Castel oder das Schloß zu Meiland am schwächsten sey? dem hat er geantwortet: auf dem Weg nach Pavia. Deutend auf die Schlacht Käyser Karls deß Fünfften / in welcher König Franciscus der Erste dieses Namens in Franckreich gefangen und die Frantzosen geschlagen worden.

2. Erstgemelten Königs kurtzweiliger Raht / wurde gefragt / wie er vermeinet / daß man die schweren Stücke über die Savoischen Berge bringen könne? hat er geantwortet / man solte denken wie man sie wiederumb zu rüke herüber bringen werde: Sie wurden aber alle in vorbesagter Schlacht von den Spaniern gewonnen.

3. König Heinrich fragte einen Teutschen: Wem gehört ihr an? Der Teutsche antwortet: Ich gehöre mir an. Darauf sagte der König: Euer Herr mag wol ein Narr seyn.

4. Wolernanter König sagte zu einem Landgraffen in Hessen: E.L. thun wol daß sie und andre ihre Landsleute in Franckreich ziehen / alle Ritterlichen[724] übungen und wolständige Sitten / benebens unsrer Sprache zu erlernen. Wir Frantzosen aber finden in Teutschland nichts / das wir nicht zuvor wissen / oder uns zu lernen nothwendig were. Hierauf sagte der Landgraf / daß die Frantzosen in Teutschland die Bescheidenheit lernen solten: welches der König / welcher der Unbescheidenheit hiermit beschuldiget wurde / für wol geurtheilet / sehr gelobt.

5. Aubingni hoch ermelten Königs Stallmeister hat einsten an S. Majestet seine Besoldung erheischt: Der König fragte ihn: welcher Tafel ihm in seinem Cabinet am besten gefiele? als er eine gewehlet / verehrt ihm solche der König. Aubingni lässet die Tafel nach Hause tragen / und schreibt die Verßlein an die Stelle:


Mon Roy est d' une estrange nature;

jé scay quel diable l' a fait,

ceux qui ont servy en effet,

il ne paye qu' en pein ture.


Zu Teutsch:


Was kommt meinen König an?

Welcher Teuffel macht ihn fehlen?

Der ihm wůrklich Dienst gethan /

Zahlt er mit Kunstgemählen.


Als dieses der König gelesen / hat er ihn auch würklich vergnüget.

6. Dieser Aubingni kame erstlich als ein Neuling an den Hof / und als ihn drey alte Kammerfrauen der Königin ansahen / wolten sie seiner spotten / und fragte die erste: Was siht der Herr: Aubingni sihet sie an / und antwortet: Die Antiquiteten oder das Altthum deß Louvers. Die zweyte sagte: Laß ihn gehen er ist ein Verschnittner. Aubingni: So seyd ihr doch einen Weg als den andern keine Jungfrauen. die dritte sagte: Nein / er ist ein Kuppler. Aubingni: Euch dreyen zu dienen.[725]

7. Als einer die Religion / wegen einer Erbschafft veränderte und Päbstisch worden / fragte ihn Aubingni: Welche Religion die beste were? Er sagte: die Catholische. Wol versetzte Aubingni: Warumb hat man euch dann so viel Aufwechsel geben müssen? Wann man sonsten tauscht so giebt der Gelt zu / welcher die geringste Waar gegen eine bessere bekommt.

8. Verulamius Cantzler in Engeland / wurde gefragt: Wie man Gelt aufbringen solte? Ich / sagt er /hab meinen Beutel verlohren: wil ich ihn wieder finden / so muß ich wieder auf den Weg zu rucke gehen /wo ich herkommen: geh ich aber ferner und weiter hinaus so kan ich den Beutel nicht wieder finden. Er wolte sagen / man sol deß Königs Renten betrachten /die Schulden einfordern / redliche Leute ůber deß Königreichs Gefälle setzen / so würde es keiner neuen Auflagen vonnöhten haben.

9. Welche sich auf die H. Schrifft beruffen / und übel darbey leben / sagt erstgemelter Cantzler / sind gleich den Postilionen / die in ihren Briefen die Warheit / in dem Munde aber die Lügen bringen.

10. Wann es ůbel hergehet so sollen die Regentenklug seyn wie die Schlangen. Welche das Haubt verwahren / und den Leib verwunden lassen / weil sie wol wissen / daß solche Wunden leichtlich wieder heilen. Da hingegen die Wunden deß Haubts alle tödtlich sind. Gehet es gleich übel auf dem Lande her / so muß man doch vor allen die Stätte erhalten / von welchen dem Lande hernach wieder kan geholffen werden.

11. Das Frauenzimmer / sagte einer / ist gleich dem Vogelleim / wer zu nahe kommet muß zum wenigsten Federn lassen / wird er nicht gar gefangen.

12. Die oft trinken haben ein böse Gedächtnis /dann sie also bald vergessen / daß sie getrunken haben / und trincken deßwegen nochmals / vergessen es wieder / und so fort an.

13. Das Spielen ist eine Chymia / oder[726] Schmeltzkunst / da der verliert / welcher Gold zu machen bemühet ist.

14. Die beste Muste ist das wahre Lob / von lobwůrdigen Leuten hören.

15. Einem Artzt wurde ein Verzeichnis gewisser Artzneyen gewiesen / welche er sehr lobte: jedoch sagte er daß noch darzu zusetzen wie viel deß sumatur diluculo sey darunter zu mischen. Er hat vermeint sumatur diluculo sey eine Wurtzel / oder ein Kraut.

6. Eine schwartze Jungfrau sagte / daß die schwärtzte Erde die beste und fruchtbarste / und schwartz eben Holtz das gelatste: es vergleichte sie aber einer einer Mucken die in die Milch gefallen /weil sie gantz weiß gekleidet.

17. Der Wein machet Freunde / und die Thränen bewären sie.

18. Einer Jungfrauen wurde von ihren Eltern ein Alter mit einem grauen Bart gegeben / dem sie auch die Ehe versprechen müssen. Als der Hochzeit Tag herbey kommet schwärtzet der Alte seinen Bart. Solches machet ihr die Jungfrau zu nutz und sagte / sie hette die Ehe einem in grauen und nicht in schwartzen Bart versprochen / und könne nicht zween nehmen /sagte also Nein für ja.

19. Die Ehre / sagte jene Dirne / ist wie eine Laterne / wann man auf der Gassen gehet so gebrauchet man sie / in dem Hause aber stellet man sie in einen Winkel.

20. Als H. Feldmarschall Horn in Schwaben kame / ließ er durch seinen Abgeordneten bey N. einer Namhafften Statt für zehen tausend Mann Brod fordern / damit er gut Regiement halten könte. Als solches im Raht abgelesen wurde sagte einer von den Rahtherren: behüt Gott zehen tausend Mann! Wo wollen wir zehen tausend Löffel nehmen / daß sie alle zugleich Suppen essen können?

21. Ein Weinhäcker hatte eine Rechtfertigung in der Statt / und wurde offt hin und wieder gesprengt.[727] Als er nun einsten einen Dieb an den Galgen hangen sahe / sagte er: Wol dir du hast es gut / du bedarffst keines Advocaten und keines Procurators / und kanst deine Rechtfertigung nicht mehr verlieren.

22. Es zeigte einer einem Advocaten eine Schuldverschreibung und fragte ihn zu Raht. Der Advocat sagte / daß er eine gute Sache / und daß er müste bezahlet werden. Als er aber damit weggehen wolte /rufft ihn der Advocat nach / und sagte: daß wie recht auch billich sey / daß er bezahle / wie er bezahlet seyn wolle. Darüber antwortet der Glaubiger / ich habe euren Raht nicht begehret / sondern nur über meinen Schuldbrief / weiset mir euren Schuldbrief / so wil ich euch auch zahlen.

23. Ein Diener solte wegen seines Herren dem Advocaten Geld bringen / er wechselte aber etliche schwere Ducaten mit leichten aus / und als solche der Advocat nicht nehmen wolte / sagte er / daß sein Papier noch viel leichter / und geringhaltiger Waar sey: Papierenes Gelt / Papierene Seelmeß.

24. Einer fragte nach den rechten Weg / als er sich vergangen / da zeigte ihm ein Bauer den Galgen von ferne / und sagte: seht ihr den Galgen? Wann ihr dorthin kommet / so seyd ihr recht gegangen. Als er aber den Anweiser mit Streichen lohnen wolte / beharrt er in aller Einfalt / daß sein rechter Weg gerat auf den Galgen zugienge / der auf den Berg und das Stättlein /dahin er wolte im Thal.

25. Einer hörte von der hohen Obrigkeit reden /daß der Hirsch in die Kuchen lauffe / wo der Dieb am Galgen hange. Darauff sagt er: Wann unser Edelmann nichts zu essen hat / solte er einen Dieb lassen henken / welches lang nicht geschehen / so würde der Hirsch in die Kuchen lauffen.

26. Es fragte ein Soldat / als er das hohe Gerichtleer sahe / ein armes Bettelweib: Warumb lassen deine Herren von N. niemand hangen? O Herr / sagt sie / Die Diebe sind alle in den Krieg gezogen.

27. Es hat einer seinem Diener ein Kleid[728] verschafft: dasselbe hat der Diener alsobald genommen und angezogen. Der Herr sagte ihm / daß es erst nach seinem Tod würde sein werden / aber noch nicht sey / weil er lebte: sterbt / sagt der Diener / wann ihr wolt / ich wil es nicht hindern.

28. Einer fragte einen hinkenden was neues? / der hinckende sagte er hette nichts neues gehört. Darauf der ander versetzet: Du gehest den gantzen Tag in der Statt hin und her / und weist doch nichts neues.

29. Einer sagte er kennete einen gedultigen Mann /daß wann ihm eine glüende Kolen auf der Hand lege /so würde er keinem die Mühe machen / solche weg zunehmen. Als man sich darüber verwunderte / sagte er die ursache / weil er die Kolen so bald selbsten von sich werffen würde.

30. Ein Spanier sagte / Der König in Franckreich hette nicht so viel Unterthanen / als sein König Königreich hette.

31. Ein junger Student predigte daß der HErr Christus mit 500. Broten habe sechs Personen gesättiget. Nach der Predigt sagt ein Bauer: das wolte ich auch thun / und ohne Wunderwerck. Das folgende Jahr predigt er wie in dem Text stehet / da sagte der Bauer wieder: Ey Herr / vor einem Jahre habt ihr nicht also geprediget / der Pfarrer sagte: Du verstehest es nicht /das Evangelium ist vor einem Jahr nicht gewesen.

32. Es verwunderte sich einer das Simson mit einem Eselskinbacken so viel todt geschlagen. Darauf sagte der andre Du hast zween Eselskinbacken / und kanst doch keine solche Helden-That thun.

33. Ein Burgemeister zu N. sagte / er wer zwar kein gratulierte (graduirte) Person / were aber doch den literalibus (literatis) wol infectionirt (affectionirt.) Ein ander sagt / der generat (general) canonisirte des Feindes Läger / für caponirte, und eine Jungfrau als sie hörte etliche sagen / sie weren Capallier von Fortun / sagte sie / sie were eine Dama[729] von Fortun. Dergleichen Sachen kan man täglich viel beobachten / bey denen / welche sich einer Sprache anmassen die sie nicht verstehen / und nie gelernet haben.

34. Ein Mahler solte einen einäugigen Fůrsten mahlen und bildete ihn schlaffend: der ander aber mahlt ihn nach der Seiten / oder nach dem Durchschnitt / daß man nur ein Aug sehen kunte.

35. Ein Artzt sagte / es beklage sich kein Kranker über ihn. Ich glaub es / sagt der ander / dann ihr füllet ihnen allen das Maul mit Erden.

36. Ihrer zween klagten wegen eines Esels für einem Richter: Als der Richter den Ausspruch gemacht / sagte der andre: Ich bin nicht mit zu frieden der Richter ist dem Esel zu nah befreundet / und deßwegen parteisch.

37. Einer feilste die helffte eines hauffen Sparges /und zahlte so viel man dafür begehrte / schniede aber das grüne herunter / und liesse dem Verkauffer die weisse Stůrtzel.

38. Ein Frantzos sahe daß man die Taffel aufhebte / und wie ein jeder deß andern Teller in die Auffhebschüssel werffen wolte / fragte deßwegen / was das für ein Spiel / wer gewonnen hette? Als man Zahnstirer vorlegte / vermeinte er es were eine Speise / und bloß darein / als er aber sahe daß es Holtz war / entschuldigte er sich daß er dergleichen noch nie gegessen.

39. Drey Soldaten begegneten dreyen Mönichen: die Mönichen sagten: Gott gebe euch Fried. Die Soldaten antworteten: und nehme euch das Almosen.

40. Ein Alter der eine junge Frau hatte / fragte: wo doch deß Menschen Haut am dicksten? Ein Schalck antwortete: an der Stirn / dann wann eure Haut nicht so dick / die Hörner weren längsten durchgewachsen.

41. Ein Frantzösischer Gesander hat in der Schweitz einen Doctor der Artzney gebraucht: als er ihn aber recht angesehen / hat er ihn erkennt / daß er[730] sein Schmied zu Paris gewesen / fragte ihn deßwegen wie er so bald zu der Kunst kommen. Er antwortet: Ich heile die Schweitzer wie die Pferde mit grober Roßartzney: Euch aber ordne ich / was man den schwachen Kleppern gebraucht.

42. In wichtigen Rahtschlägen sol man nicht nur wegen Freundschafft / sondern auch wegen Feindschafft außtretten.

43. Ein Feldherr wurde geschlagen / daß das meinste Fußvolck im stiche bliebe / da sagte er / daß er es noch einmal reiterisch wagen wolte / Ja / sagte sein Narr / es muß reite-risch seyn / oder gar verbleiben /dann das Fußvolck ist verlohren.

44. Die Becken bauen mit kleinem Brod grosse Häuser.

45. Die Soldaten können wol reformiren: Wann sie kommen so beten die Bauren: weil sie verbleiben / so feyren sie: wann sie wegziehen / so fasten sie. Diese Art Teuffel / sagte ein andrer wird nicht ausgetrieben als durch fasten.

46. Die Malteser Ritter halten zum theil das Gelübd der Keuschheit in der Kirch: das Gelübd der Armut in dem Bad: das Gelübd deß Gehorsams /wann man sie heist trincken.

47. Ein Italiäner besahe einer Statt Fortification und Basteyen / fragend: Welcher Narr hat dieses alles gebaut? Der Herr so mit ihm gienge / antwortete: es ist ein Italiäner gewesen.

48. Ein Papist fragte einen verständigen Gesanden: Ob er vermeinte daß der König in Schweden für der Teutschen Freyheit / und der König in Franckreich für ihre Religion Krieg führte. Der ander antwortet Ja /der König in Franckreich führet für unsre Freyheit /und der König in Schweden den Krieg fůr unsre Religion.

49. Einer verklagte seinen Freund / daß er ihn einen Schmeichler geheissen: der Beklagte antworte /daß er ihn hiedurch gelobt / daß er die Hofsprache reden könne / ohne welche man mit Fürsten und Herrn[731] nicht umb zugehen pflegte / und seye solche seinem hohen Verstand zuzuschreiben / aus welches Ermanglung / viel in Ungnaden gekommen.

50. Ein Oberster rühmte sich / er hette seinen Soldaten auf die Füsse geholffen / weil sie umb die Pferde gekommen / und zu fusse gehen můssten.

51. Freyherr d' Avangourt sagte / daß die Kůndigung und Wissenschafft vieler Sprachen eines Hofmannes nohtwendige Zierde sey; ohne welche er zu Regiments Geschäfften so wenig könne gedrauchet werden / als ein Blinder zum mahlen.

52. Es sagte ein Papist: wir haben einsmals mit den Evangelischen / (zu zeiten deß Schmalkaldischen Bundes) die Geistlichen Güter getheilt: nun theilen wir durch den Můnsterischen Frieden noch einmahl: můssen wir das drittemal theilen / so wird uns nichts übrig verbleiben.

53. Uber einen Blinden / der einen Lahmen auf dem Rucken truge / schriebe einer folgende Reim-Zeile:


Es giebt die Einigkeit / was beeder seits gebricht /

Der Lahme borgt den Fuß / der Blinde das Gesicht.


54. Zween Brüder hatten mit einander / wegen ihrer Eltern Verlassenschafft / einen Streit. Der Erstgeborne sagte / daß er wolte es gelde das Recht der Erstgeburt / wie in Frankreich. Der jůngste sagte: So wolte ich es gelde das Hundsrecht / von welchen die erste Bürde ertränket wird.

55. Es war einer zu der Bäbstischen Religion getretten / als es ihn aber gereuete / und sagte er wolte in dieser Religion so wol selig werden / als bey der Evangelischen. Wol / sagte der ander / warüm bist du dann nicht bey der unsren verblieben / weil du glaubest / daß man darbey könne seelig werden?

56. Als man vor Jahren den Elefanten / (welchen der König Carl aus Hispanien in Engeland gebracht /und seinem Zwerg verehret / der ihn hernach einem Frantzosen verkauffet /) durch ein Dorff führte / sagte ein Baur: Schaut / schaut doch! ist das nicht ein grosser Aff?[732]

57. Die Schweitzer / sagte Jener haben so breite Wörer / daß man darauf kugeln könte.

58. Von dem Frieden sagte ein verständiger Mann: daß er viel in dem Hafen hette Schiffbruch leiden sehen. Nach der Geburt deß Friedens werden sich grosse Nachwehen finden. Er halte auf keinen Frieden /den die Bauren nicht loben.

59. Es gabe ein Freyer einer Wittfrauen diese Frage auf: er hette eine Bäurin / welche einen guten Acker /den sie wol könte bauen lassen / wolte ihn aber keinem vergönnen / und lasse ihn unbesamt veröden / ob sie deßwegen nicht sträflich? Die Frau merkte wol /was er sagen wolte / und antwortete: Ich habe auch eine solche Unterthanin / und ist dieses ihr Ursach /weil die Bauren so lose Gesellen / schlimmen Samen außsäen / und die äcker übel halten / daß sie besser ungebaut liegen / als übel gebauet werden.

59. Einer bezechte sich täglich im sůssen Wein /darvon mahnte ihn ein guter Freund ab / sagend / daß er solcher gestalt gute Tage bekommen würde / verstehend / das Fieber welches / wann es aussen bleibet gute Tage / wie man zu reden pfleget / machet.

61. Es sahe einer einen lebendigen Adler / und sagte / daß dieses kein rechter Adler / weil er nur einen Kopf / da doch auf allen Müntzen die zween Köpfe hetten.

62. Keiser Carl der V. fragte in allen Stätten nach den Dreyen / G. ob es nemlich wol bestellt mit dem Pastore, Prætore und Præceptore.

63. Es sol ein Fremder nicht allezeit ein Fremder bleiben.

64. Es pflegte einer von vielen und fast allen übel zu reden / diesem thäte einer eine sondere Wolthat /und fragte ihn: ob er nun auch ihm ůbel nachreden wolte? Er antwortet: Wie du wirst säen / so wirst du meyen. Ich sage nicht gerne / was die gantze Statt sagt.

65. Einer fragte: Was von dem zuhalten / der in einem Ehebruch ergriffen würde. Da antwortet eine Frau der Hut / weil er gar zu langsam / und solcher[733] zur Straffe ihme wol könne abgenommen werden.

66. Geicher weise sagt ein andrer: Was ist von einem Doppler und Spieler / Fresser und Säuffer zu halten? Der Wirt sagte: das Geld.

67. Als einem ein schlechter Fürsprecher zugeordnet worden / bate er den Richter / er solte solchen seinen Gegentheil geben / so wolte er seine Sache selbsten fürbringen / und gewiß das Recht gewinnen.

68. Es sagte einer zu einem Edelmann / daß er seiner Adelichen Vorfahren nicht wehrt: Der andre antwortete: Du aber bist der Deinen wehrt / welche viel ärger als ich gewesen.

69. Ein Buler růhmte seine Bulschafft hoch / von wegen ihrer Schönheit. Sie aber warff ihme vor / er hette sie anderwerts verachtet / und gesagt / daß sie alt were / darauf er geantwortet: daß solches nicht übel zuvermerken / dann daß ich solches gesagt / und euch mit den Engeln in dem Himmel verglichen / welche die ersten und ältsten Geschöpfe / dienet zu eurem Lob.

70. Es sagte einer einem andern eine empfindliche Stachelrede / darauf der andre geantwortet: Ich bedanke mich / dz kein gröberer Schertz erfolgt.

71. Als die Soldaten in einer Statt viel einkaufften /ihre Obersten aber noch mehr verzehrten / und von der Obrigkeit frey gehalten wurden / sagte ein verstänstiger Mann. Es hilfft den wenig / der Gäste hat /daß die Mägde ein Kuchengeld bekommen.

72. Es hatte einer ein Wundmahl in dem Gesicht /und doch den Ruhm / daß er kein Hertz in dem Leib hatte. Zu dem sagte einer: daß man sich in der Flucht nicht ümsehen solte / wann man nicht dergleichen Streich haben wolte.

73. Die Obrigkeit und Rahtsherren werden Götter genennet / weil sie der Menschen Donner / das Geschütz zu ihrem Gebott haben / und vielmals beschaffen sind / wie der Heyden Götter von den Poeten beschrieben werden.[734]

74. Einer wolte kein Almosen bitten / sondern hat einen Aal / Moß und ein N das zeigte er / und sagte auf befragen / daß dieses drey sey was er wünsche. Ein andrer sagt daß in einem Gedicht Wildpret / Fische und der Esel Stimm seyn solte: Reh / Aal / ja /verstehen realia.

75. Zu einem der behaubten wolte / es solte ein Mann mehr als ein Weib haben / sagte einer diese Fabel: Die Frösche hatten gehört / der Mond wolte noch eine Sonne zum Weib nehmen / deßwegen klagten sie bey Jove / er solte solches nicht verstatten /dann dieses Weib allein ihre Lachen und Moräste außtrocknete: wann derselben mehr / so würden sie gar verdürsten müssen.

76. Antoni Peretz sagte / daß die Rähte eines Königs sich vergleichen liessen mit den Augen / wann sie nicht in ihrem rechten Ort ständen (wie er damals in das Gefängnis gesetzt) so weren sie niemand dienlich.

77. Hierzu füget sich / zu erzehlen / das einem das Aug aus dem Kopf gestossen worden / und als ihn der Barbier verbunden / und es gar heraus geschnitten /fragte er: Ob er das Aug verlieren werde? Nein sagte er / dann ich hab es in meiner Hand.

78. Der Fürsten Hoheit bestehet in Annehmung guter Dienste / unn Dargebung gnädiger Belohnung. Wer wol dienet heischet täglich seinen Lohn.

79. Deß Christen Gemüt hat zwo Hände: Die rechte ist die Gottseligkeit mit welcher es seinen Schöpfer ergreifft: die linke die Liebe / mit welcher es seinen Nechsten gutes thut.

80. Ein Italiäner sagte / Teutschland müsse einen Straussen Magen haben / daß es so viel Eisen (Krieg und Unruhe) verdeyen könne.

81. Die Wissenschafft aus den Büchern ist ein schöner Leib / ohne die Erfahrung aber ein Leichnam sonder Seel und Geist.

82. Ein Freund sol seyn wie das frische Geblüt /und den Wunden und Nöhten also bald zulauffen.[735]

83. Die Wort sind wie die Müntzen / etliche gelten viel / ettiche wenig / nach dem sie schwer und gut von halt sind.

84. Der Pinsel mahlet die äusserliche / die Feder die innerliche Gestalt eines Menschen.

85. Fürsten Höfe sind der Jungen Leute Probiersteine / da man ihren Halt bald sehen kan.

86. Niemand ist sicherer als die Narren / man neidet sie nicht / man stellet ihnen nicht nach Leib und Leben / sie sind versichert in ihrer Thorheit / leben ohne Sorg und Kümmerniß / etc. Dieses alles können sich verständige Leute nicht rühmen.

87. Das Glůck hat einen Weiber Sinn / liebet junge / kühne und freche Leute / ersättiget sich bald eines allein / und hat sehr wunderliche Einfälle / bleibt beständig in der Unbeständigkeit.

88. Ein unverständiger ist niemals müssig / dann seine Gedanken geben ihm genug zu schaffen: er ist niemals allein: weil ihm dieselben stetig Gesellschafft leisten.

89. Fürsten und Herren vermeinen einem Gnade zu thun / wann sie Geschenke annehmen: Es ist aber eine rechte Gnade / wann sie Geschenke geben / und das ist mit Gnaden gewogen seyn / wann sie einem eine guldene Ketten an den Hals werffen / die ihn fast zu boden ziehet.

90. Ein Beförderungs Schreiben an einen vornehmen Mann / ist ein Allmosen ohne Geld.

91. Die Tugend Freundschafft ist eine Vorbildung der ewigen Freude.

92. Der Betrug ist eine zufällige Kranckheit der Ehrgeitzigen.

93. Ein gutes Gerücht (Nachrede und Ruhm) bey den Menschen haben / ist das beste Gericht der nicht Fuchsschwäntzenden Köche.

94. Höfligkeit ist meinsten theils falsche Müntze /welche an dem Klang nicht kan erkennet werden.

95. Man hat einem Fürsten einer schönen Gräfin Bildniß gewiesen / welches ihm sehr wol gefallen: weil er aber gewust daß sie krummrückig hat er[736] die Tafel umgewendet und gesagt / der Mahler sol den andern Theil auch mahlen.

96. Die Traurigkeit hat zwey Angesichter / das erste weist den Schmertzen / das andre den Trost oder die Hoffnung einer Besserung.

97. Der Wierderhall lehret daß niemand auch in der Einsamkeit allein / und daß die Fittig in den Lüfften verkůndigen / was wir verborgen zu halten vermeinen.

98. In den Karten / Würffeln / und Krieg führen (welche alle einerley Spiele bringen) verlieret man offt / wann man zu gewinnen vermeinet / und kan keines ohne grossen Schaden fortgeführet werden.

99. Es fragte einer / was doch Abenteuer weren? der andre sagte / daß wann einer viel Zeche verspielt /so hette er den Abenteuer / oder einen teuren Abent. Es kommet aber hiervon aventure, daher aventurier.

100. Die Feder ist die Zunge der Abwesenden / hat aber diesen Unterscheid / daß die Zunge an ihre Nerven gebunden in dem Munde verbleibet / die Feder aber an alle Ort außflieget / und hat beedes nützlichen und schädlichen Gebrauch.

101. Wir Teutsche essen uns arm / wir essen uns krank / wir essen uns in die Hölle / nach der Meinung Philippi Melanchtonis: Einer sagte darzu: der gute Herr hat deß Trinkens vergessen.

102. Zu Friedens Zeit wird unter die Gelehrten eine solche Theurung kommen / wie zu Samatia gewesen /daß ein Eselskopf wird 50. Silberling gelten. Deßwegen sagt jene Mutter / die Studenten sind theure Leute.

103. Ein Jungfrauen Kindlein nennte einer einen kurtzen Außzug / aus dem Schuldbuch der Liebe.

104. In der Faßnacht sagt jener macht man sich wol ohn Ursach lustig / weil solche[737] der Anfang deß Fastens und Hungerleidens ist.

105. Ein Bettler beklagte sich / daß er einen Glaubiger habe / deme er seine Schuld bezahlet / er were aber damit nicht zu frieden / und hette er ihme zu ander / dritten und viertenmahl zahlen müssen / biß er endlich nichts mehr überig ihn zu befriedigen: der Fürst fragte: wer der Schuldner sey? Der Bettler antwortet / daß es der Hunger. Wol sagte der Fürst / arbeite fleissig so werden dich deine Hände von diesem Schuldner retten.

106. Die Warheit ist ein Goldblätlein welches man muß mit der Baumwollen auftragen.

107. Einer fragte einen Knaben / was zu Teutsch heisse spiritualis, als ihm nun ein andrer in das Ohr sagte: geistlich / verstande er es nicht und sagte geitzig. Der ihn fragte war ein Theologus.

108. Wie man nicht ehrliche Kleider / sondern ehrliche Leute zu ehren pfleget: also muß man nicht auf schöne Wort / sondern auf ihren Inhalt sehen.

109. Von einem Fatzen Buch sagte einer: Er sehe ein Gebäu / an welchem nichts gesparet / als der Verstand.

110. Offt muß man fragen: Wo ist das Buch zu diesem Titel: offt auch: wo ist der Titel zu diesem Buch?

111. Wie die Fischer / welche den Fisch Sardus genannt / wollen fangen / sich mit Geisfellen bedecken /wol wissend / daß er die Geise liebet: also mussen die Menschen Fischer oft erfreuliche Liebs Wort gebrauchen / die Bösen zu gewinnen / und in ihr Netz zu bringen.

112. Man muß zu der Welt Thür eingehen / und sie zu der Himmelsthůr ausführen / sagt Ignatius Lojola /verstehend daß er und seine Nachfolgere / mit dem H. Paulo allen alles werden sollen / und wie unser Erlöser das Samaritanische Weiblein[738] bekehret / in deme er von dem irdischen Wasser anfangen zu reden / und dadurch von dem himmlischen sie zu unterrichten Ursach genommen.

113. Von einem Weltling sagte ein frommer Mann / daß er gleiche denen Schwangern Frauen / welche sich ungesunder und abscheulicher Speisen gelůsten lassen.

114. Zwey Brüder vergleichte einer mit saurer Buttermilch und dem süssen Honig: Der Eltste hatte ein gutes Ansehen / war aber ein böser Mensch: der jüngere hatte ein schlechtes Ansehen / aber fromm und Tugendsam.

115. Als sich ein Müntzmeister beklagte / er müsse bey seiner Arbeit mangel leiden / sagte einer: Wer mit Biesem umgehet / trägt doch allezeit den guten Geruch / auch unwissend mit sich.

116. Von einem Trunckenpold sagte einer / sein Verstand gleiche dem Diogeni / welcher Tag und Nacht in einem Faß gewohnet.

117. Es wurde gefragt: Warum man die Ringe an der lincken Hand zu tragen pflegte / da doch die rechte viel stärker und geschickter? Weist du nicht / sagte der andre / daß mehrmals dem Ehre angethan wird /welcher derselben am wenigsten würdig ist. Also muß die rechte Hand den Soldatenstand / die linke Hand den Ehrenstand verfechten und vertheidigen.

118. Ein Edelmann hielte seine Unterthanen sehr ůbel / als nun derselben einer entloffen / und sein Gütlein hinterlassen / hat er vier Pfäle eingeschlagen /und das Hauß mit einer Ketten daran gehefftett auf befragen nun / was solches bedeute hat er geantwortet: Er habe gefürchtet das Hauß lauffe ihm nach.

119. Mancher hat gute und schetzbare Waaren /viel Geschickligkeit kan aber den Korb / solche gen Markt zu trage / nicht finden: Mancher hat den Korb /bringet aber wenig oder gar nichts darinnen wol[739] zu Marckt. Mancher hat seine Waar alle in dem Laden /mancher im Gewölbe.

120. Wie dorten in der Schrifft stehet / sie hielten auf ihn / hat einer außgeleget / daß sie mit der Malzeit auf Christum gewartet hetten.

121. Einer fragte einen Knaben / was zu Teutsch heisse refriger um, der Knab suchte in dem Wort Buch / und fande Külung / verstande aber eine Kühlunge. Der Vater welcher wenig Latein verstande /sagte es könne auch wol eine Ochsenlunge heissen.

122. Ein verständiger Mann sagte / man solte keinen / der lange Zeit ein Sachwalter bey Gericht gewesen / zu einem Raht machen / dann ein solcher seiner Partey gar zu hals starrig diene / und sein Urtheil nicht wisse zu mässigen / wie politische Leute thun sollen.

123. Die Poeten spielen mit den Worten / gewinnen aber selten Geld / sondern: wann es wol ablaufft /ist ihr Gewinn ein Wort-Gewinn und eitler Ruhm: Viel verlieren auch ihre Wort und gewinnen Schandwort dargegen: Sonderlich aber gilt kein Prophet und Poet in seinem Vaterland.

124. Das Auge des Gemüts ist in der Finsternis scharffsichtig / und offt bey hellem Tages Liecht blind: deßwegen unsre Gedancken nicht dem Augenschein / sondern der Augenschein den Gedancken folgen.

125. Wie ein jeder Fürst und ein jede Statt / seine Landrecht und Stattrecht hat: also auch haben die Sprachen und Mundarten gleichsam ihr Landrech /und wollen die Wort so wenig / als die Müntzen Maaß und Gewichte verändern lassen.

126. Ein jedes Handwerk hat seinen Werkzeug /welchen es gebrauchen muß / wann er seinem Werke nachsetzen wil: die Christen aber / deren Handwerk ist Gott und den Nechsten lieben / wollen ohne solchen Werkzeug der Gottesfurcht und Wolthätigkeit gegen dem Nechsten / Meister seyn / bevor sie[740] fast Lehrjungen gewesen. Welcher Handwerk aber nur in den Worten bestehet / wie der Zungen Drescher / sind gewiß keine wůrkliche Christen.

127. Es ist auch eine Abgötterey / wann man sich auf Menschen verlässt / welche Götter genennet werden / sol man für keine Götzen halten / die da Hände haben und greiffen nicht / Füsse und gehen nicht /Ohren und hören nicht / etc. Diese Götter aber sind Sterne / die von dem grossen Gott / gleichsam als ihrer Sonne / allen Schein haben.

128. Die Traurigkeit ist deß Verstandes Gifft / welcher das Leben abkürtzet / oder doch alle Würkungen deß Geistes unterbricht / und untüchtig machet.

129. Die Königreiche und Regimenter gehen / aus mangel verständiger und tapfrer Leute zu Grund. Wann Gott solche hinweg nimmet / so ist es ein Anzeichen / daß gewiß die Straffe nicht weit. Diese sind die Augen deß Reichs / schlaffen sie / so stösset man gar bald an.

130. Ein Rahtgeber muß ein solcher Artzt seyn /der dem Krancken nicht nur ordnet / was ihn gelůstet und beliebet / sondern was ihme nutzet und zu seinem Zustand vorträglich ist.

131. Der König aller Könige giebet den Verstand /die andern Könige aber können nur Glücks-Güter geben / welche nicht länger bestehen / als sie.

132. Die Freygebigkeit der Fürsten schläffet / und lässet sich durch die stumme Schrift nicht auffwecken.

133. Der Teuffel verkauffet nichts / als gegen die Seele / wer nun solche nicht dargeben wil / der komme nicht in seinen Sünd- und Laster-Kram.

134. Die Gerichtlichen Sachwaltere sind gleich den Artzten / welche sich nehren von ander Leut Krankheiten / und wann jedermann friedfertig were / so müsten sie Hunger sterben. Sie sind Mucken / die sich von offnen Schaden speisen.

135. Die Erfahrung setzet niemand zum Erben ein.[741]

136. Die Furcht und der Haß sind leibliche Brüder / welcher Fürst einem das Bürgerrecht ertheilt / der muß den andern auch in seinem Hause wohnen lassen.

137. Die Pferde welche man stetig in den Nohtstall spannen muß / können nicht grosse Dienste leisten. Es wurde gesagt von denen Unterthanen / die man mit Gewalt und Festungen zu dem Gehorsam halten muß.

138. Eine gute Müntz muß an Schrot und Korn gerechten Halt haben: Ein wol angesehner Mann sol Tugend und Glück zugleich besitzen / wann man ihn ins gemein gerne haben sol: wann eines mangelt / so ist die Müntze nicht aller Orten gültig.

139. Der gemeine Mann gleichet einem Kinde /welches sich mit guten Worten und schlechten Geschenken hinführen lässet / wo man wil: dem Zwang aber wiedersetzet es sich.

140. Der Menschen Gewalt erstrecket sich nicht weiter / als über das was menschlich irrdisch und leiblich ist: was die Seele anbelanget / die gehört in Gottes Bottmässigkeit.

141. Höfligkeit ist ins gemein der Hof Lügen Eitelkeit / und höflich hof lüge.

142. Unsre Gedanken sind die freysten Reden / sie sind zohl frey und keinen Auflagen unterworffen / so lange sie in ihren Grentzen verbleiben: so bald sie aber über der Zähne Schrancken heraus kommen /müssen sie andrer Herrschafft Gebott erwarten.

143. Der in dem Krieg nachsetzet und sich seines erlittenen Verlusts wieder erholen wil / ist gleich dem der in Unglück spielet / und in dem herausreissen tieffer hinein fället.

144. Die Fürsten sollen die Geschichtschreiber fürchten / wie die ungestalten Weiber die guten Mahler.

146. Tugend und Gunst sind die quelenden Brunnquellen deß Neides.[742]

146. Die Königskron weiset einen Becirk menschlicher Macht / und sol oben offen seyn / weil der höchste GOtt auch über die höchsten Menschen ist.

147. Die Feder ist der sechste Sinn welchen man gebrauchet unter den abwesenden / wie die andern fůnffe bey den Gegenwertigen.

148. Die Trübsal ist eine Müntz / auf welcher das Bildnis der Traurigkeit zu der lincken und das Bildnis der Hoffnung zu der rechten Seiten stehet.

149. Die Wort sind die grünen Blätter an einem Fürstlichen Baume / die Werke sind die Frucht / beedes muß bey einander seyn / wenn solche Bäume / gelobet werden sollen.

150. Unter allen Geschöpfen Gottes / were kein elenders / als der Mensch / wenn er nicht sterben solte / und doch nach und nach die Beschwerligkeit des hohen Alters ertragen / in dem nemlich das Gedächtnis / das Gehör / das Gesicht / alle Kräfften deß Leibs und Verstands abnehmen / damit er Ursach haben sol / nach zu seufftzen / nach einem seeligen Ende.

151. Gustav Adolph König in Schweden Hochlöblichsten Angedächtnis / pflegte zu sagen / er halte nichts auf die alten Soldaten: sondern auf die jungen die keine Bärte haben / und den Alten die Bärte könnnen außrauffen.

152. Von einem Heer pflegte ein verständiger Mann zu sagen / daß die Hunde zwar gut / die Jäger aber ihr Handwerk nicht verstanden.

153. In der Statt V. ist alles gut Kauf angenommen / ehrliche Weiber / die sind sehr teuer / wegen der Seltzamkeit.

154. Die geschlossne Freundschafft schliesset alle überflüssige Höflichkeit aus.

155. Der beste Hut über die Hörner heist Silentium.[743]

156. Ein Schlesier liesse etliche zweiffelhaffte Reden hören / deßwegen fragte ein andrer: Ob man zu Lügnitz gute Messer mache?

157. Mein Hund / sagte ein Koch / ist ein Feuerschauer: damit das Fleisch nicht verbrenne frisst er aus dem Hafen.

158. Von einem gar Alten wurde gesagt / daß er die Zeit zu sterben verabsaumt / und daß er der Welt Grabschrifft wůrde aufsetzen můssen.

159. Ein Unkeuscher wolte Handschue kauffen /und fragte wo man der Hände Losament achettire. Ein Pol sagte: ubi emuntur chirothecæ vom bardarum hulfften.

160. Einer sagte: Der Friede ist geschlossen / aber mit Fesseln / daß er nicht kan seinen Fortgang haben.

161. Verulam sagte / daß die welche sich bestechen lassen und zu ihrer Obern Nachtheil handlen / gleich seyn einen Narren der sein Hauß anzündet ein par Eyr bey desselben Flamme zu kochen.

162. Ein Rechtsgelehrter sagte / daß die Geschicklichkeit und Weiß- oder Klugheit selten beysammen zufinden / und were besser ungelehrt und verständig /als Hochgelehrt und unverständig seyn: Der Verstand aber bestehe in der Frömmigkeit und einem guten Gewissen / ohne welches die Geschikligkeit ein Werkzeug der Boßheit werde.

163. Ein Rahtsherr / der zu vielen wichtigen Handlungen gebrauchet wurde / sagte / daß er einen Atlassen Rock anhett / den gebrauche er in seiner Statt Geschäfften: Dieser Rock were mit Iglen gefüdert: wolle der Atlaß nicht helffen / so wende er den Rock üm /und habe erfahren / daß mit der rauhen Seiten offt mehr auszurichten als mit der glatten.

164. Die Geistlichen haben doppelte Röcke an /was man auf den äussern stehet / ist dem innern gantz ungleich.

165. Es erzehlte ein Prediger / daß der HErr Christus / nach dem er gen Himmel gefahren / ein Gehäg[744] von Dörnern / ům den Oelberg machen lassen / als aber etliche dardurch geschloffen / wo es gantz weitläufftig / hat solches der S. Peter in acht genommen /und seinem HErrn angesagt / der alsobald befohlen /man solte die Hecken so enge zusammen flechten /daß niemand ungeritzt dardurch kommen könte / dem H. Peter auch befohlen / er solte ja keinen mehr / der nicht wol zerritzt in den Himmel lassen.

166. Die Soldaten sind wolthätige Leute (für sich) sie haben manchen (der zuvor geritten) auf die Füsse geholffen / und viel armer Häuser (durch rauben und plündern) gestifftet.

167. Einen alten ehrlichen Mann machen jungen Studenten zu viel Höfligkeit / sagende: deß Herrn Knecht / Diener / Sclav / Leibeigner etc. daß er endlich antwortet: Ihr Bernhäuter / dieses verstanden sie /daß er sie Bernhäuter nennte / und wolten solches nicht vertragen: Er aber sagte / daß weil sie sich so gar sehr demütigen / er nichts anders zu sagen wüste /als daß er ihr Bernhäuter / seyn wolte / wie sie seine leibeigne Knechte: Es sey keines wahr.

168. Es sagte einer / wie man die Evangelisten und Apostel tituliren solte / und antwortete / man solte sie nennen achtbar; weil ihrer 8. par 12. und 4. gewesen.

169. Einer sagte daß ein Chymist könte Gold machen: daß wolte der andre nicht glauben / sagend von dem Rühmist könte man Gold machen / das gehet natürlich zu / weil gute Weid darnach wachse / und das Vieh fett darvon werde / von den Chymisten aber glaubte er es nicht.

170. Von den Chymisten / oder Alchymisten (AL ist der Araber Geschlecht Wörtlein) sagte einer bieses Lehrgedicht: Ein Vater hatte drey Söhne / denen offenbarte er auf seinem Todbette / daß er einen Schatz in seinem Weinberg vergraben / wüste aber nicht / an welcher Stelle. Nach deß Vaters Tod gruben sie in dem Weinberg / fanden zwar das Geld nicht / doch brachte der Weinberg dardurch viel gute und reisse Früchte. Die Chymisten haben nicht das[745] Gold machen / aber in der Artzney viel gute Stücklein erfunden.

171. Die Propheten und Poeten gelten nichts in ihrem Vaterland.

172. Einer wurd ein Abt genennet / welcher doch keine Abtey hatte / den fragte ein andrer / warům er ihn einen Abt nennte: Man muß / sagte er / einen nicht nennen / was er ist / sondern was er gerne seyn und werden wolte.

173. Einer liesse sich schertzweiß bereden er were ein Soldat / weil sein Vetter hat wollen in Krieg ziehen.

174. Die Soldaten werden von dem Sold haben genennet: Nun haben sie keinen Sold mehr / also sind sie auch keine Soldaten / sondern Krieger / die alles kriegen und bekommen / was ihnen von nöhten ist.

175. Einer lasse unter den Aposteln Iacobus Major: Ich wuste nicht / sagte er / daß unser Herr einen Obersten Wachtmeister zu einen Apostel gemacht.

176. Eine Gemeine in Schwaben / hat eine Brandsteuer angelegt / weil ihnen das Wasser ein Joch von der Brůcken eingerissen.

177. Es sagte einer: daß N. sehr corpulent. Der andre verstande das Wort nicht / und fragte: wie doch der gute Mann so porculent worden?

178. Ein Burgemeister zu A. hatte mit einem Obersten lang in die Nacht getrunken / und als er ihn folgenden Morgens gefragt: wie er geschlaffen? hat er gesagt: er habe einen incest (excess.) begangen / und sey ihm ein Kalternarr (catarrch) auf die lumbones (pulmones) gefallen.

179. Eben dieser sagte / daß der Stattschreiber eine schöne Hand habe / und Ringe daran trage / aber doch sey sein stilinus (stylus) nicht viel wehrt;

180. Von einer schwangern Jungfrauen sagte ein Spiegelkrämer / es solten alle junge Dirne in diesen bauchigen Spiegel sehen / so wůrden sie ihre Gefahr recht erkennen.[746]

181. Es sagte ein Italiäner folgende Rähtsel: Ich habe sechs Brod: Eines geb ich wieder: Zwey verleihe ich: das vierte verliere ich / und das sechste behalte ich für mich. Das erste gabe er seinem alten Vater wieder / der ihn in seiner Jugend auch ernehret hatte. Die zwey leihte er seinen Söhnen / die solche ihm in seinem Alter wieder geben solten. Das vierte gab er seiner Stiefmutter / und das war verlohren. Das sechste gebrauchte er zu seiner Nothdurfft.

182. Ein Vatter befahle seinem Sohne / er solte fleissig ob den Büchern liegen. Der Sohn verstande solches nach dem Buchstaben / und legte / die Bücher unter sein Bett / ob er gelehrter darvon worden / ist unschwer zu erachten.

183. Ein kluger Kopf wolte behaubten / daß alle Menschen in der Welt Kauffleute: Die Fürsten und Herren sagte er / kauffen ihre Diener mit guten Worten / die Diener kauffen ihrer Herren Gnade mit Hoffnung der Belohnung. Der Bauer kauffet alles üm Můhe. Der Soldat verhandelt seine Beuten etc.

184. Es scheinet / sagte einer von einer Jungfer /daß ihr gantzer Leib ein kurtzer Anhang sey ihrer übergrossen Nasen / und ihr Maul ist so groß / daß der Kopf dardurch heraus fallen könte. Laß mir einer dieses eine Schönheit seyn?

185. Als ein Kauffmann in einem Walde sange /begegnete ihm eine Holtzträgerin die bitterlich weinte / als er sie nun fragte / was Ursachen sie hette zu weinen / sagee sie / daß sie mit bitteren Zehren beweinte ihren Esel den sie neulich verlohren / und eben so geschrien wie er erst gesungen.

186. Einem Schuldiener zu M. schrieben die Studenten an die Thür. Der Cantor ist ein Haurey / seine Frau eine Hur / und die Magd so gut als sie. Der Cantor klagte solches dem H. Prediger / welcher ihm diesen Raht gabe / er solte die Schmachschrifft ableschen / zuvor aber selbe abschreiben / und ihme zustellen. Als solches geschehen / tritt er auf die Cantzel / sagt wie in der letzten Zeit Verleumder und Affterredner[747] kommen werden / deren einer dem Hn Cantori an die Thüre geschrieben / er sey ein Hanrey: Nun gesetzt es sey war: gesetzt seine Frau / und seine Magd sey eine Hur: was gehet es aber dich an? da sitzen diese ehrliche Leute. Was gehet es dich an / und lase den Zettel ab.

187. Den Münsterischen und Osnabrückischen Frieden hat einer also beschrieben. Der Uberwinder gewinnet / der Uberwundne gewinnet / und die verlieren sind froh / daß das Spiel ein Ende hat.

188. Ein gottloser Mensch hörte von der Hölle reden / und sagte / daß er gleichwol nicht allein darinnen seyn / sondern eine grosse Geselschafft aldar antreffen würde: Hierauf sagte der andre das solche Geselschafft ein Antheil seiner Plage seyn würde / in dem nemlich selbe unaufhörlich wintzeln / heulen und schreyen werden: gleich wie einem Kranken die andren schmertzlichst geplagten Spitaler wehklagen / die Krankheit vermehret.

189. Man sol sich für gezuckerten Zungen und gepfefferten Hertzen hüten: dann was wol schmeckt verderbt den Magen / und ist die schlechste Speise die Gesundste.

190. Von einem ungelehrten Sachwalter oder Procuratore sagte einer / daß er gleich wäre einem Siechenschletterlein / welches nichts dann klaffen und bettlen kenne / aber allezeit von ferne gehalten würde / und ehrlichen Leuten nicht zu nahe kommen dörffte.

191. Ein Edelmann fůhl mit dem Pferd ins Wasser / und were fast ersoffen: von dem sagte sein Knecht: Nun hat sich mein Herr einmahl auch in dem Sommer frisch gehalten.

192. Von den Jungfrauen sagt einer / daß er nichts auf die Geratsten halte: dann wann sie viel unter Leuten gewesen weren / so hetten sie auch viel erfahren.

193. Es sagte einer / daß ein Verständiger der nüchtern sey / einen vollen Narren etwas zu gut halten /[748] und auf dem Rucken tragen sol: darauf antwortete der andre: ja / wann er nicht zu schwer ist / verstehe und es zu grob machet.

194. Ein vornemer Feldherr sahe einen Soldaten ohne Schuhe Schildwacht halten / und fragte nach /unter welchem Regiment / und unter welchem Haubtmann er wäre? Als nun der Haubtmann für ihn kame /hatte er einen Hut mit schönen Federn / vielen Bändern und einer güldnen Hutschnur gezieret. Er hörte erstlich seine Entschuldigung an: warum er den Soldaten keine Schuhe schaffte: Nach deme aber solche ohne Grund / hat er dem Haubtmann den Hut aus den Händen genommen / und dem Soldaten gegeben / sagend: Hier ům die Zier dieses Hutes kanstu dir Schuhe und ein gantzes Kleid schaffen.

195. Ein Soldat sagte zu einem Edelmann / daß sie die Bauren schinden: ja / sagte der Edelmann / ihr Soldaten habt unsern Unterthanen die Haut über die Ohren gezogen / und sagt itzund wir sollen sie schinden.

196. Heroische Tugenden gräntzen mit Heroischen Untugenden.

197. Die Evangelischen halten deßwegen keinen Umgang / weil sie den rechten und geraden Weg wissen.

198. Der verstorbene Cardinal Richelieu ist auf eine Zeit die Stiegen hinauf / und der Bischopff Belley gegen ihm hinauf gegangen: als er ihm nun zugesprochen / was er mache / hat er geantwortet (Vous montez, ie descends) Ihr geht: hinauf / ich hinab /oder: Ihr seyd im Steigen / ich in dem Fallen: dann er hatte ihm sein Bisthum genommen / und eine Abbtey dafür gegeben.

199. Dieser Cardinal hat den Herrn de la Thou enthaubten lassen / und nach dem er verstorben / ist er in der Sorbona beygesetzet worden. Hierüber hat ein lustiger Geist diese Gedancken gehabt. Er lässet mahlen / deß Cardinals Grab und darbey deß Herrn von Thou seine Schwester / mit dieser Beyschrifft: [749] Domine, si hic suisses, frater meus non mortuus esset. Herr /wann du hie (verstehe todt) gewesen wärest / so were mein Bruder (den du enthaubten lassen) nicht gestorben.

200. Für folgende zween Verse hat der Cardinal Richelieu 200. Kronen verehret:


Navire, ne crains pas: ton Pilote est un Dieu,

Iamais ton anchre fut, en un si Riche-lieu.


Die Verse zielten auf das Schiff / welches die Statt Paris in dem Wapen führet / und auf die Admiralstelle / welche der bemelde Cardinal damals angetretten.


ENDE.

Quelle:
Georg Philipp Harsdörffer: Der Grosse Schau-Platz jämmerlicher Mord-Geschichte. Hamburg 1656, S. 724-750.
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