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[162] In das Land der Moabiter zogen

Elimelech und sein Weib Naemi

und mit ihnen ihre beiden Söhne.

Eine Theurung, die der Herr gesendet,

trieb sie aus dem Lande ihrer Väter.


Doch in fremdem Boden kein Gedeihen

fand der Stamm, aus Judas Grund gerissen,

und es sank zu Grabe Elimelech

und es starben seine beiden Söhne.

Einsam blieb die Mutter, nur die Frauen,

die die Söhne freiten in der Fremde,

Ruth und Arpa weinten mit Naemi.


Doch Jehova wandte seinem Volke

wiederum sein Antlitz zu in Gnaden:

und die Noth der Theurung war vorüber

und den Männern wieder Brot gegeben.
[162]

Da gedachte ihres Volks Naemi!

Aus der Moabiter Lande wieder

machte sie sich auf und mit ihr zogen

Ruth und Arpa. Und sie sprach zu ihnen:


Kehret um, o ihr geliebten Töchter!

Gehet, jede in das Haus der Mutter,

und es thu der Herr an euch das Gute,

das ihr thatet mir und meinen Toten.

Kann euch fürder Kinder nicht gebären,

die euch wieder Männer werden möchten.


Kehret um, o ihr geliebten Töchter!

Euer Jammer frisst an meinem Herzen:

denn des Herren Hand hat mich geschlagen,

und des Herren Hand hat euch getroffen!


Laut erhoben jene ihre Klagen,

Arpa küsste sie und wandte weinend

drauf sich um zu ihrem Gott und Volke.

Ruth blieb bei ihr und Naemi sagte:


Siehe, Ruth! So thu auch du, wie jene,

gehe nun und lass mich weiter wandern!


Aber Ruth erwiderte der Mutter:


Rede mir von gehen nicht noch lassen!

Wo du hingehst, will ich auch hingehen,

wo du bleibst, da werd ich bei dir bleiben.

Dein Volk ist das meine nun geworden,[163]

dein Gott soll auch mein Gott fürder heissen.

Wo du stirbst, da werd auch ich begraben,

und der Herr, der unser Leben leitet,

möge dies und jenes mir verhängen –

doch der Tod muss kommen, uns zu scheiden!

Quelle:
Otto Erich Hartleben: Meine Verse. Berlin 1905, S. 162-164.
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