Scena V.

[38] Phidippus. Petrus. Paulus. Puer.


PHIDIPPUS.

Ehrwürdige Achtbar Herren mein,

Gott geb' vns glück all' in gemein,

Ewer zukunfft bin ich sehr erfrewt,

Hoffe nicht, das jhr mirs vbel deut.

PETRUS.

Was habt jhr da vor ein gezenck?

PHIDIPPUS.

Es ist war, Herr, wenn ichs bedenck,

Vnd mus bekenn', es sey nicht fein,

Das wir alhie nicht eines sein,

Wol in des Himels Paradeis,

Da man solte zanck mit allem vleis,

Verhüten, vnd zu jeder zeit,

Fried halten vnd gut einigkeit,

Damit des lebens wonne vnd freud,

Nicht würde verkert in harm vnd leid,

Vnd ist zwar bis anher geschehn,

Das man sich keines zancks versehn,

Bis heut allein, da der Gespan,

Herein ist kommen, weis von wann',

Der ist des Störenfrieds gefliessn,

Obs schimpff oder ernst, kan ich nicht wissn,

PETRUS.

Wie gehts dann zu? was ist die sach?

Woran sichs stöst, das kuntbar mach.

Wir habens allbereit vernommen,

Das jhr nicht vber ein könt kommen.

PHIDIPPUS.

So stehts, Herr Peter, Herre mein,

Da ich ohn all gefehr allein,

Mit meinem Fuhrwerck draussen war,[38]

Kömpt der Kerl auch geschlichen dar,

Vnd thut mich, seim verstande nach,

Dergleichen hie vor nie geschach,

Mit worten grausam richten aus,

Vnd machen sich so bund vnd kraus,

Vmb mein geschirr, darein er sich

Nicht richten kundt, Vnd ob wol ich

Jhm freundlich vntersagen thet,

Doch halff es nicht, war alles zu spet.

PAULUS.

Es ist nach ewer rede ergangn,

PETRUS.

Ja wol, mein Herr, tragt kein verlangn,

Es wird bald besser werden noch,

Dann wie kan man jhm rathen doch?

Dieweil man jhn vor seim vnfall

Gewarnet hat zum offtern mal,

Vnd so bey jhm eine hoffnung wer,

Was dürffte er vor vns lauffen sehr?

PAULUS.

Ich gleub wol, das er scheme sich,

Vnd sey jhm leid auch ernstiglich.

PHIDIPPUS.

Herr, solts jhm leid sein? Weis er doch

Nicht gnug, wie er sich garstig mach,

Vnd vnnütze. Wil nur haben recht,

Vnd all sein thun erhalten schlecht,

Mit zeugnis füren vnd beweis,

Setzt auff vernunfft all rhum vnd preis.

PETRUS.

Vernunfft? sihe da.

PHIDIPPUS.

Ja, wie ich sage,

Vnd ist das ergste, das ich klage,

Das er sich auch nicht weisen leht,

Wenn gleich erfarung vor jhm steht.

PETRUS.

Zum Teuffel mit dem Gast hinunter,

PAULUS.

Es ist bey mir vorwar kein wunder,

Das er dis lebens noch ein Kind,

In Gottes sachen sich nicht findt,

Darumb man mit dem guten Man,

Soll billich ein mitleiden han,

Vnd mit glimpff vnd freundligkeit,

Jhn warnen trewlich jede zeit,

Ob vnser Herre Christ vieleicht,

Der ehe, dann einen Menschen deucht,[39]

Verzeiht aus gnaden, kleinen vnd grossen,

Jhn nicht ins elend wolt verstossen.

PETRUS.

Das wollen wir jetz erfaren schier,

Wenn er sich wird gestellen hier,

Vor vnserm Rath, Höre Diener mein,

Sihe, das die Herrn beysamen sein.

PUER.

Es sol geschehn.

PAULUS.

Phidipp gespan,

Sihe, wo man deiner dürfft etwan,

Das du nicht gehst zu weit hindan.


Quelle:
Martin Hayneccius: Hans Pfriem oder Meister Kecks. Halle a.d.S. 1882, S. 38-40.
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