Scena III.

[77] Hans Pfriem. Vnfchüldige Kindelein. Moyses.


HANS PFRIEM.

Das walt das Falbel vnd die Sucht,

Wo nun, wo suche ich mein ausflucht?

Nun mus ich mich gefangen geben,

Ach helffet, helfft, Halt mich bey leben,

Ach, Ach, wo naus? wo ein? wo hin?

MOYSES.

Flux auff jhn nein, Strack rings vmb jhn.[77]

HANS PFRIEM.

Weicht ausser, weicht, jhr lieben Freund,

Helfft mir durch Gott von dannen heint.

KINDELEIN.

Halt' auff, jhr Leutlein, Halt' jhn auff,

Jhr Leutlin halt, halt, halt' jhn auff.

HANS PFRIEM.

Ach nein, Ach nein, Ach last mich wegk.

KINDERLEIN.

Greifft zu, verlegt jhm weg vnd stegk.

HANS PFRIEM.

Ach, Ach, Ich geb mich, geb mich sach,

KINDERLEIN.

Halt' auff, greifft zu, thut nicht gemach.

HANS PFRIEM.

Ach, wil ich doch gar, gar fromm sein,

KINDERLEIN.

Last jhn nicht naus, vnd treibt jhn rein.

HANS PFRIEM.

Ach hilff mir starcker Herre Christ,

KINDERLEIN.

Gib dich gefangen, es hilfft kein frist.

HANS PFRIEM.

Ich geb mich, geb mich, Lauffe nicht.

KINDERLEIN.

Stehe, Stehe, halt inne, du Bösewicht.

HANS PFRIEM.

Ach Gott, verleihe bald schnellen rath.

KINDERLEIN.

Er gibt sich schier, er macht sich matt.

HANS PFRIEM.

Allrecht, es fellet mir eben ein,

HANS PFRIEM.

Ey, gibst dich, gibst dich?

HANS PFRIEM.

Hertzlein mein,

Mein hertzige Schetzlein, fart fein sacht,

Wie habt jhr mich so müde gemacht?

Ach aller trautste Kinderlein,

Meine seuberlichste zarte Ninnelein,

Was sol ich euch, was sol ich geben?

Was wolt jhr haben? Sagt mirs eben,

Ich gebe euch gern, ich gebsen sein,

Mein hertze teusel Meuselein,

Ein schmatzlin fein gar rings herumb,

Ein hertzedrucklin vmb vnd vmb,

Wie sol ich doch mit euch gebarn?

Ich thue fein tölpisch einher fahrn,

Jhr müst mirs nicht vor vbel han,

Ich machs so gut traun, als ich kan,

Hart, harret, noch mehr, Meine Teuselein,

Wer weis, was auch die Tasche mein,

Vermag? Sie paust wol eben sehr,

Wers wüste, was auch drinnen wer,

Ich wils wol finden, wilsen sach,

Seht da, seht da, Thut nur gemach,

Da hat der heilige Christ beschert,[78]

Ein hauffen dinges, Seht wie sichs mehrt?

Seht Oepffel, Birne, gros vnd klein,

Seht Nüsse, vnd Zuckerkörnelein,

Seht Mandelkern, Rosinelein,

Seht Pfefferkuchen, gut Feigelein.

KINDERLEIN.

Mir Pfefferkuchen, Mir Oepffel, Birn,

Mir Nüsse, Rosin, Mir Mandelkern,

Mir Feigen, Mir gut Zuckerlein,

Mir auch, mir gut Nonnenfürtzelein.

HANS PFRIEM.

Greifft zu, greifft zu, trawte Brüderlein,

Mein einigst hertzige Hertzelein,

Greifft zu, halt' auff, fasst alles voll,

Pfrumpt Ermel, Schos vnd Bosem voll,

Halt' auff, Halt' weit auff, nemts nur hin,

Ich gebs euch gerne, trawte Meuselein,

Nemt hin, teilts aus, teilts vmbher aus,

Ich wil euch noch mehr suchen raus,

Seht da, habt jhr ein gute Rapus,

Lest auff, lest, Welsch vnd Haselnus.

MOYSES.

Der Ebentewer, der macht vorwar,

All vnser ding zu nichten gar,

Mit der weis hat er gwonnen spiel,

Wird vnser rath nicht gelten viel.

HANS PFRIEM.

Nun wil ich euch spazieren fein,

Nausfürn, jhr Zuckermündelein,

Ins grüne naus, in Wiesenthal,

Da jhr meine Zarten allzumal,

Solt sehn die süssen Mandelkern,

Die lieben Maul vnd Lorberbern,

Die Pomerantzen wachsen fein,

Die Citrinat vnd Weinberlein,

Da essen wir frisch Milchelein,

Gute, warme Semmeln, Butter drein.

MOYSES.

Er vberredt sie, der Vnflat,

Mit seinen verschmierten worten glat.

HANS PFRIEM.

Da wolln wir spieln vnd frölich sein,

Mit springen, tantzen, hüpffen fein.

KINDERLEIN.

Juh, Juh, Juch, juch, Hosch hoscha wolan,

HANS PFRIEM.

Da wolln wir auff gem grünen plan,[79]

Wir wollen sach, schöne Blümlein pflücken,

Darnach ins graß vns nider bücken,

Vnd hören, wie die Vöglein singen,

Das thut im gantzen Wald erklingen,

Wie sich Fraw Nachtigal bemüht,

Die Lerch in lüfften schwingen thuet,

Die kleinen Meißlein auff den Zweigen,

Die wolln wir in eim hui ersteigen,

Vnd wolln die Stiglitzn vberraschen,

Die Zeißlein in dem graß erhaschen,

Dann steige ich auff die Beume hinauff,

Vnd schüttel euch Obst herab vollauff,

Das jhr genung zu lesen habt,

An Birnen euch vnd Oepffeln labt,

An Pfirschen, Feigen, Spillingen,

Pflaumen, Mißpeln, Kirschen, Kastanien,

Auch Mandelkern mit Zucker rhören,

Wil euch auch in die Schoten füren,

Ich meine, jhr werdt haben da ein wesen,

Wir könnens nicht alls vorgenesen.

KINDERLEIN.

So gehn wir flux, So gehn wir bald,

So gehn wir, das der Herr Christ waldt.

HANS PFRIEM.

Geht alle mit, Ich bin bereit,

Folgt nach, folgt nach, so viel jhr seidt.


Quelle:
Martin Hayneccius: Hans Pfriem oder Meister Kecks. Halle a.d.S. 1882, S. 77-80.
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