80.

[144] Auf den Wällen Salamankas

Sind die Lüfte lind und labend;

Dort, mit meiner holden Doña,

Wandle ich am Sommerabend.


Um den schlanken Leib der Schönen

Hab ich meinen Arm gebogen,

Und mit sel'gem Finger fühl ich

Ihres Busens stolzes Wogen.


Doch ein ängstliches Geflüster

Zieht sich durch die Lindenbäume,

Und der dunkle Mühlbach unten

Murmelt böse, bange Träume.


»Ach, Señora, Ahnung sagt mir:

Einst wird man mich relegieren,

[145] Und auf Salamankas Wällen

Gehn wir nimmermehr spazieren.«


Quelle:
Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 1, Berlin und Weimar 21972, S. 144-145.
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