13.

Frühling

[293] Die Wellen blinken und fließen dahin –

Es liebt sich so lieblich im Lenze!

Am Flusse sitzt die Schäferin

Und windet die zärtlichsten Kränze.


Das knospet und quillt, mit duftender Lust –

Es liebt sich so lieblich im Lenze!

Die Schäferin seufzt aus tiefer Brust:

»Wem geb ich meine Kränze?«


Ein Reuter reutet den Fluß entlang,

Er grüßt so blühenden Mutes!

Die Schäferin schaut ihm nach so bang,

Fern flattert die Feder des Hutes.


Sie weint und wirft in den gleitenden Fluß

Die schönen Blumenkränze.

Die Nachtigall singt von Lieb' und Kuß –

Es liebt sich so lieblich im Lenze!
[293]

Quelle:
Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 1, Berlin und Weimar 21972, S. 293-294.
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