Sonnet
Vergänglichkeit der schönheit

[46] C.H.v.H.


Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand

Dir endlich mit der zeit umb deine brüste streichen/

Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;

Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand/

Der augen süsser blitz/ die kräffte deiner hand/

Für welchen solches fällt/ die werden zeitlich weichen/[46]

Das haar/ das itzund kan des goldes glantz erreichen/

Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.

Der wohlgesetzte fuß/ die lieblichen gebärden/

Die werden theils zu staub/ theils nichts und nichtig werden/

Denn opfert keiner mehr der gottheit deiner pracht.

Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen/

Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen/

Dieweil es die natur aus diamant gemacht.

Quelle:
Herrn von Hoffmannswaldau und anderer Deutschen auserlesener und bißher ungedruckter Gedichte erster Teil, Tübingen 1961, S. 46-47.
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