Scena V.

[23] Redit Princeps cum comitatu, loquuntur. Helmschrot. Grimwald. Philippus. Schartdegen. Eisenbart. Wilthelm. Künprecht.


HELMSCHROT ad Ebrium.

Woll auff, wol auff: du Esel frech,

Wie legst dich so recht hie in weg?

GRIMWALD verberans Ebrium.

Halt, halt: ich wil das grobe Schwein,

Hiemit bald bringen auff die bein.

PHILIPPUS.

Nicht, nicht Trabant, laß ab vom schlagn,

Einm truncken man mit Pferd vnd wagn

Man weichen soll: thut jhm kein leid,

Bringt jhn zu Hoff auff weitern bscheid.


Princeps cum Proceribus in Aulam pergit. Satellites Ebrium hastilibus imponentes, eumque deportantes colloquuntur invicem.


SCHARTDEGEN.

Was mag der Fürst meinen hiemit?

EISENBART.

Das kan ich warlich wissen nicht.

WILTHELM.

Nun, Herr Domine, lasset sehn,

Steth auff, jhr sollet mit vns gehn.

KÜNPRECHT.

Der Tülpel wil nicht sprechn ein wort.

HELMSCHROT.

Wie werdn wir jhn dann bringen forth?

KÜNPRECHT.

Weill er ist einem Todten gleich,

Müssn wir jhn tragen wie ein leich.

WILTHELM.

Soll man dich tragn du loser Tropff?

GRIMWALD.

Was plauderst viel? nim jhn beim kopff.

SCHARTDEGEN.

Ihr andern greiffet auch mit an,

Einer jhn traun nicht heben kan.

WILTHELM.

Mücht es gehen nach meinem sin,

Auffs Schloß wolt jhn nicht tragen hin,

Eh solten jhn hie fressn die Rabn.

KÜNPRECHT.

Wk könn allzeit vnsrn willn nicht habn.

HELMSCHROT.

Hebt auff zugleich: geht fort also.[24]

SCHARTDEGEN canit, et duo vel tres cum illo.

Nun singen wir: seid fro, seid fro,

Der Bawr ist todt, der Bawr ist tod:

Seid fro, seid fro, der Bawr ist todt.

Wir wollen jhn nicht viel beklagn,

Sondern mit frewd zu Kirchhoff tragn.

Er hat vns auch gar wol bedacht,

Ein reiches Testament gemacht:

Er hat vns gar reichlich verehrt,

Dem Küstr ein Kuh, vnd vns ein Pferd.


Quelle:
Ludwig Hollonius: Somnium Vitae Humanae. Berlin 1970, S. 23-25.
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