Scena III.

[37] Gebrich. Plumpart, ferens cophinum. Warner. Frater Antonius. Wilbalt.


GEBRICH.

Es klagen drüber sehr die leut,

Das es sey tewr in Städten heut:

Vnd ich muß auch bekennen zwar,

Das tewrer wird von Jahr zu Jahr.

Es habn aber selbst schult daran

Etlich' Bürger: kompt ein Bawrman[37]

Bringend was feill, sey was es wil,

Da kan er fördern nicht zu viel,

Was er fürspricht mit einem wort,

Das gebens ohngedungen forth:

Warten fürm Thor, vnd auff den Strassn,

Auffs marckt sie nichts hinkommen laßn.

Reissn alls hinweg, wie aus dem Fewr,

Vnd kan jhnen nichts sein zu tewr,

Vnter deß leiden d' Armen noth,

Wird jhnn entzogn also jhr brot.

Ich hab daher auch müh vorwahr,

Das ich versorg, durchs gantze Jahr,

Meins Herren Küch, muß alls zweyfacht

Bezahlen was feill wird gebracht.


Videns Rusticum.


Hör du: was tregst im korb so schwer?

PLUMPART.

Ick dreeg' nich voel myn leeue Heer.

GEBRICH.

Du leugst du schlimmer Bösewicht:

Wem wilt es bringn? mirs balt bericht,

Oder du solt an andern ort

Mit mir wandern.

PLUMPART.

Hört doch ein wort:

Bym Ficial ick habb thoschaffn.

GEBRICH.

Das wird außgehn vbr deinen Pfaffn.

PLUMPART.

Ick wold cm dith schock Eyr verehrn.

GEBRICH.

Du sollst sie lieber selbs verzehrn,

Der gute Man weiß, das jhr Bawrn,

Zum mehrerntheil seid böse laurn,

Das jhr offtmahl ohne vrsach

Vbr ewer Pastores bringt klag.

PLUMPART.

Ick wilt varsökn.

GEBRICH.

Sih da kompt er.

PLUMPART.

Einn goeden dach weerdige Heer.

WARNER.

Habt danck mein Freund, was wollet jhr?

PLUMPART.

Ick was am negermal ock hyr,

Vnd klagd' auer vnsn Papen war:

Dat best ick auerst do vorgath.[38]

Nu wold ick seggen mehr daervan:

Idt ys yuw so ein selsam Man.

Ick bring' yuw ein verehring kleen,

Vnd bidd' im nahm der gantsen Meen,

Gy willn doch doen dan basten flyth,

Dat wy synr moegen warden quyth.

WARNER.

Behalt das dein, du grober knoll.

GEBRICH.

Sih du Flegel! ich sagt dirs woll.

PLUMPART.

Dan wy thovörn haddn, Heer Bandex.

FRATER ANTONIUS.

Der war ein rechter Narrifex.

PLUMPART.

He was yuw ein goed Heer vorwar,

Hadd' he moegn leeuen lange Jahr.

He was still, fraem, barffe vnd lind,

Varthornd' sick nich mit einem kind.

He was yuw van so goeden seedn,

So Haeuisch in all synen Reedn.

WARNER.

Er hat die warheit nicht gesagt,

Sonst hett ihr bald vbr jhn geklagt.

PLUMPART.

He was ein truw vprichtig Man.

FRAU ANTONIUS ridens.

Ja trew: bey der grossen Bierkann.

PLUMPART.

He was ein Man rechter Einfolt,

In vnsem Dörp nemand tho stolt.

Wen man en badt, so quam he dradt:

Id was em nicht tho froe noch spadt.

He kond' so häuisch körtwyl driuen

In klaatzien mit vnsen Wyuen.

Mit en tho snacken, vnd tho singn,

Rechtschapn mit en heerum tho springn.

Ho! ick habb' mit ehm mange nacht

In Häglicheit thom ende bracht.

He was so lydtsam vnd fründtück,

Dat was em ock seht prafytlick:

Wo voel heelt van em myne Lyß!

He stund by allen Fruwn im pryß.

Se dedn em mangen Schinckn verehrn.

FRATER ANTONIUS.

Solche Pastores habn sie gern.[39]

PLUMPART.

Dan wy nu habbn, süth alltyd suer,

Is slim, arg, streng, hart, irrig, stuer:

Wil vns stedes voel refalmern,

Auerst wy willn ehm Moritz lehrn:

He schal tho vnsem Dörp' henuth,

Wy wardn ehm süs wat pumpn syn' hut.

WARNER.

Vnter euch Bauren find man heut,

Viel Gottloser vnd Frecher leut,

So vmbgehn mit Abgötterey,

Mit Zauberey vnd Wickerey:

Sind treg zu Gottes wort vnd Tisch,

Zu aller Büberey gar risch.

Sagt der Pastor dauon ein wort,

So wolt jhr jhm zu Leibe fort.

Ewr etlich' schrecklich fluchen, schwern,

Mit Diebstal vnd betrug sich nehrn.

Etlich' des Festags fressen, sauffn.

Sich hadern, zancken, schlagen, rauffn.

Die meisten sind der Obrigkeit

Von grund jhrs hertzen feind alzeit:

Ihrem Pastori spot vnd hohn,

Für trewe dienst' geben zu lohn.

Beweisen jhm alle vntrew,

Geben fürs Meßkorn Staub vnd Sprew.

FRATER ANTONIUS.

Sie halten vom Kuhirten mehr,

Dan von einm guten Beichtvater.

PLUMPART.

De Kohard' deent vns alle daeg.

WARNER.

Ey das dich Rültzen ja Gott plag.

PLUMPART.

Wy koenen ahne vnsen schadn,

Des Koharden mit nicht entradn:

De Paep' ward vns nütt' seelden twar,

Woldn syner woll entbehren gar.

WARNER facie aversa et in cœlum elevata.

Ach Gott! was bistu from vnd gütig,

Geduldig, gnedig vnd Langmütig!

Das solch' Gottlose Leut nicht straffst,

In deinem Grim vnd Zorn wegraffst.

GEBRICH pulsaturus Rusticum.

Pack dich du Schelm: du loser Tropff.[40]

FRATER ANTONIUS.

Man solt jhn nehmen bey dem Kopff:

Der Gauch ist auff mein Ehr nicht werd,

Das jhn soll tragen Gottes Erd.

PLUMPART stringens pugionē.

Ja: hadd' ick yuw buten ver mührn,

Ick woldt mit yuw woll euenthürn:

Gy scholden stoerten alle dree.


Abit.


GEBRICH.

Geh das dir nimmer gut gesche.

WARNER.

Hilff Gott, was findt man grobe Sluntzn!

FRATER ANTONIUS.

Zu dörff hats itzt viel solcher Cuntzn.

WARNER.

Man muß zu Hoff' traun das berichtn.

FRATER ANTONIUS.

Derschweigen muß man das mit nichtn.

WILBALT.

Es lest Fürstlich Durchleuchtigkeit,

Anmelden euch Herren allbeid,

Ihr solt zu Tisch komn fort mit mir.

WARNER.

Wir wollen alsbald folgen dir.

Quelle:
Ludwig Hollonius: Somnium Vitae Humanae. Berlin 1970, S. 37-41.
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