Biographie

Anna Ovena Hoyers (Kupferstich mit handschriftlichen Eintragungen, aus der Stockholmer Liederhandschrift, um 1655)
Anna Ovena Hoyers (Kupferstich mit handschriftlichen Eintragungen, aus der Stockholmer Liederhandschrift, um 1655)

1584

Anke Hanß (Tochter des Hans) wird in Koldenbüttel in der Landschaft Eiderstedt des Herzogtums Schleswig-Holstein-Gottorf als einziges Kind des wohlhabenden Hofbesitzers Hans Ovens und seiner Frau Wennecke Hunnens geboren.

Ihr Vater stirbt noch im Jahr ihrer Geburt.


1587

Im Alter von drei Jahren verliert sie auch ihre Mutter durch den Tod. Vermutlich kommt sie zu ihrem Onkel und Vormund Meves Ovens nach Witzworth.


1599

15. April: Im Alter von 15 Jahren wird sie mit dem Staller (hochrangiger Amtmann) Hermann Hoyer verheiratet und nennt sich fortan Anna Ovena Hoyers (Tochter des Hans Ovens, Ehefrau des Hermann Hoyer). Sie bringt die riesige Mitgift von 100.000 lübischen Talern in die Ehe.

Übersiedlung auf das Gut ihres Mannes Hoyersworth bei Tönning. Aus der Ehe gehen mindestens neun Kinder hervor.


1603

Umzug auf das Tönninger Schloß, den Amtssitz ihres Mannes.


1617

In Schleswig erscheint unter dem Anagramm »Avono Hijero zu Horstrowey in Testredey« (Anna Oveny Hoyers in Eiderstedt) ihre Versifikation von Nikolaus von Wyles Fassung der Novelle »Euryalus und Lucretia« unter dem Titel »Süßbittere Freude; / oder / Eine wahrhafftige Historie von zwey liebhabenden Personen« (kein Exemplar nachweisbar).


1622

13. September: Tod von Hermann Hoyer. Schwierige Erbschaftsauseinandersetzungen um die verschuldeten Güter führen zu ihrer Verarmung.

Anna Ovena Hoyers kehrt mit ihren Kindern nach Hoyersworth zurück, wo sie in den folgenden Jahren eine Gemeinde von Sektierern um sich versammelt. Intensive Auseinandersetzung mit religiösen Schriften, u.a. von Martin Luther, Johann Arndt, Caspar Schwenckfeld von Ossig, Valentin Weigel und Johann David Joris.

Beginn ihrer religiösen Lieddichtung.


1623

Sie nimmt den als Rosenkreuzer und Alchemisten angefeindeten, aus Flensburg ausgewiesenen Nicolaus Teting (Knutsen) in Hoyersworth auf. Sie wird in die religiösen Auseinandersetzungen hineingezogen, bleibt jedoch aufgrund ihrer sozialen Stellung geschützt.


1624

Gemeinsam mit Teting geht sie nach Husum, kehrt jedoch nach dessen Landesverweisung nach Hoyersworth zurück.

16. Dezember: Anklageschrift der Husumer Prediger gegen Anna Ovena Hoyers wegen der in ihrem Haus errichteten »eigenen enthusiastischen Winckel-Kirche«. Sie setzt sich mit scharfen antiklerikal-satirischen Gedichten gegen die lutherisch-orthodoxe Geistlichkeit zur Wehr.


1626

Übersiedlung nach Husum, wo sie mehrere Häuser besitzt, in denen sie erneut Sektierer aufnimmt. Sie genießt die Protektion der Herzogin Augusta, der Witwe des Herzogs Johann Adolf von Gottorf, die im Husumer Schloß lebt.


1628

Zeitweiliger Aufenthalt in Hamburg, vermutlich auf der Suche nach Schutz vor den Unsicherheiten des 30jährigen Krieges. Durch ein Wunder entgehen sie und ihre Kinder der Pest.

Zur Unterrichtung ihrer Kinder schreibt sie den Vers-Dialog »Gespräch Eines Kindes mit seiner Mutter /Von dem Wege zur wahrer Gottseligkeit«, den sie auch als Einzeldruck veröffentlicht.


1632 (?)

Anna Ovena Hoyers verkauft Hoyersworth an die Herzoginwitwe Augusta, die Mutter des regierenden Herzogs Friedrich III., und emigriert vermutlich noch in diesem Jahr nach Schweden; fünf ihrer Kinder folgen in den nächsten Jahren. Dort scheint sie sich mit dem Verkauf von Butter, Eiern und anderen Lebensmitteln ernährt zu haben.


1634

Bei einem Besuch in Eiderstedt entkommt sie der großen Sturmflut, die jedoch vermutlich den Rest ihres Vermögens vernichtet.

»Das Buch Ruth. In Teutsche Reimen gestellet«, eine Trostschrift für die schwedische Königin Maria Eleonora, erscheint in Stockholm.


vor 1643

Nachdem Anna Ovena Hoyers mehrere Jahre lang in Schweden von Ort zu Ort gezogen ist, läßt sie sich in Västervik (Westerwyck) nieder, einer kleinen Siedlung an der Ostseeküste (150 km südlich von Stockholm).


1648

Anna Ovena Hoyers erwirbt ein Haus »Sittwick« bei Stockholm. Mit der Übersiedlung enden ihre lange Wanderschaft und ihre Notlage.


1650

Die »Geistlichen und Weltlichen Poemata« erscheinen bei Ludwig Elzevier d. J. in Amsterdam.


1651

18. März: Verbot der »Poemata« als ketzerisch und schändlich durch den Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf.


1655

27. November: Anna Ovena Hoyers stirbt im Alter von 71 Jahren auf ihrem Gut Sittwick bei Stockholm. Später (oder bereits nach 1650?) fertigen ihr Sohn Friedrich Wilhelm und ihr Enkel Caspar eine handschriftliche Sammlung ihrer Gedichte (Stockholmer Liederhandschrift) an, die auch zahlreiche nicht in den »Poemata« veröffentlichte Texte enthält.

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