Eilfter Auftritt

[440] Der Kurfürst mit dem Lorbeerkranz, um welchen die goldne Kette geschlungen ist, Kurfürstin, Prinzessin Natalie, Feldmarschall Dörfling, Obrist Kottwitz, Hohenzollern, Golz usw. – Hofdamen, Offiziere und Fackeln erscheinen auf der Rampe des Schlosses. – Hohenzollern tritt, mit einem Tuch, an das Geländer und winkt dem Rittmeister Stranz; worauf dieser den Prinzen von Homburg verläßt, und im Hintergrund der Wache spricht.


DER PRINZ VON HOMBURG.

Lieber, was für ein Glanz verbreitet sich?

STRANZ kehrt zu ihm zurück.

Mein Prinz, willst du gefällig dich erheben?

DER PRINZ VON HOMBURG.

Was gibt es?

STRANZ.

Nichts, das dich erschrecken dürfte! –

Die Augen bloß will ich dir wieder öffnen.

DER PRINZ VON HOMBURG.

Schlug meiner Leiden letzte Stunde?

STRANZ.

Ja! –

Heil dir und Segen, denn du bist es wert!


Der Kurfürst gibt den Kranz, an welchem die Kette hängt, der Prinzessin, nimmt sie bei der Hand und führt sie die Rampe herab. Herren und Damen folgen. Die Prinzessin tritt, umgeben von Fackeln, vor den Prinzen, welcher erstaunt aufsteht; setzt ihm den Kranz auf, hängt ihm die Kette um, und drückt seine Hand an ihr Herz. Der Prinz fällt in Ohnmacht.
[440]

NATALIE.

Himmel! die Freude tötet ihn!

HOHENZOLLERN faßt ihn auf.

Zu Hülfe!

DER KURFÜRST.

Laßt den Kanonendonner ihn erwecken!


Kanonenschüsse. Ein Marsch. Das Schloß erleuchtet sich.


KOTTWITZ.

Heil, Heil dem Prinz von Homburg!

DIE OFFIZIERE.

Heil! Heil! Heil!

ALLE.

Dem Sieger in der Schlacht bei Fehrbellin!


Augenblickliches Stillschweigen.


DER PRINZ VON HOMBURG.

Nein, sagt! Ist es ein Traum?

KOTTWITZ.

Ein Traum, was sonst?

MEHRERE OFFIZIERE.

Ins Feld! Ins Feld!

GRAF TRUCHSS.

Zur Schlacht!

FELDMARSCHALL.

Zum Sieg! Zum Sieg!

ALLE.

In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!


Ende


Quelle:
Heinrich von Kleist: Werke und Briefe in vier Bänden. Band 2, Berlin und Weimar 1978, S. 440-441.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Prinz Friedrich von Homburg
EinFach Deutsch: Heinrich von Kleist, Prinz Friedrich von Homburg: Ein Schauspiel. Erarbeitet und mit Anmerkungen versehen, Für die Gymnasiale Oberstufe
Prinz Friedrich von Homburg
Prinz Friedrich von Homburg: Ein Schauspiel. Studienausgabe
Prinz Friedrich von Homburg: Ein Schauspiel. Erstdruck (Suhrkamp BasisBibliothek)
Amphitryon / Prinz Friedrich von Homburg: Dramen

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Cardenio und Celinde

Cardenio und Celinde

Die keusche Olympia wendet sich ab von dem allzu ungestümen jungen Spanier Cardenio, der wiederum tröstet sich mit der leichter zu habenden Celinde, nachdem er ihren Liebhaber aus dem Wege räumt. Doch erträgt er nicht, dass Olympia auf Lysanders Werben eingeht und beschließt, sich an ihm zu rächen. Verhängnisvoll und leidenschaftlich kommt alles ganz anders. Ungewöhnlich für die Zeit läßt Gryphius Figuren niederen Standes auftreten und bedient sich einer eher volkstümlichen Sprache. »Cardenio und Celinde« sind in diesem Sinne Vorläufer des »bürgerlichen Trauerspiels«.

68 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon