Einladung

Kommt, holdselige Frau'n, in meinen sikelischen Garten,

Welchen für euch ich gepflanzt, welchen für euch ich gepflegt.

Freundliche Frauen und Fräulein, in meine bukolische Wirtschaft

Folgt mir gefällig; für euch ward sie beschickt und geschmückt.

Welches der Mägdlein mir hilft die Beete säubern und wässern,

Brav, wie Amalrich, sey solcher ein Freyer beschert!

Welche der Frau'n mit mir theilt des Haushalts Mühen; ihr sollen

Töchter, wie Thecla, so klug, fromm, wie Jucunde, gedeihn!

Welche der Frauen und Fräulein für meine Blumen und Beeren[7]

Freundlich die Hand mir reicht, traulich die Wange mir beut,

Solche sey mir wie Thecla gerühmt, wie Jucunde gepriesen!

Solche soll der Gesang bis zu den Sternen erhöhn!

Alles thut ja um Gunst und Dank der Frauen der Dichter.

Männlicher Tadel und Lob kümmert nicht sonderlich ihn.

Euren Gerichtshof nur, holdselige Frauen, erkenn' ich;

Frauen richten gerecht über die Lieb' und das Lied.

Quelle:
Ludwig Gotthard Kosegarten: Dichtungen. Band 2, Greifswald 1824, S. 7-8.
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