Sechste Szene


[349] Vorige – Der alte Graf.

Der Graf reißt im nämlichen Augenblick geschäftig die Türe auf; als er sieht, was vorgeht, bleibt er mit offnem Munde stehen. – Adolph prallt zurück, verbeugt sich ehrerbietig gegen seinen Vater und schlägt die Augen nieder, – Amalie sieht beide wechselseitig voll Verwunderung an. – Pause.


GRAF. Ja? Ist der Herr Sohn auch schon hier?

ADOLPH. Ich hörte daß –

GRAF. Der Teufel weiß, was du alles hörst! – Galant zu Amalien. Madame! Ich freue mich – Ironisch zu Adolph. Viele Menschen im Prater?

ADOLPH. So ziemlich.

GRAF zu Amalien. Sein Sie mir willkommen in der Stadt, und willkommen in dieser einfachen Wohnung, die Ihren Verdiensten freilich nicht angemessen ist.

AMALIE. Herr Graf.

GRAF zu Adolph. Und dein neuer Schimmel, fand er Beifall?

ADOLPH. Außerordentlich. Es sind mir schon fünfzig Dukaten mehr dafür geboten.

GRAF. So geh und gib ihn weg. Zu Amalien, doch immer mit Seitenblicken auf Adolph. Madame, ich habe gewünscht, die Launen des Schicksals in etwas wiedergutzumachen. Zu Adolph. Du wolltest ja auch noch Krapfen essen?

ADOLPH. Der Appetit ist mir vergangen.

GRAF. Die Gräfin erwartet dich zum Essen.

ADOLPH. Ich habe keinen Appetit.

GRAF. Es ist nicht wahr; du hast recht großen Appetit. Zu Amalien. Dieser junge Herr ist mir zuvorgekommen. Ich will nicht hoffen, daß er mit seiner gewöhnlichen Etourderie bei Ihnen eingedrungen ist?

AMALIE. Der junge Herr ist die Bescheidenheit selbst.

GRAF. Wirklich? Das freut mich! Besonders, da ich es zum[349] ersten Male höre. Leise und zornig. Pack dich zum Teufel! Laut und freundlich. Geh, mein lieber Sohn! – Geh!

ADOLPH. Darf ich Sie nicht vorher an den Wagen begleiten?

GRAF. Nein! nein!

ADOLPH. Der gestrige Anfall vom Podagra –

GRAF. Schweig!


Quelle:
August von Kotzebue: Schauspiele. Frankfurt a.M. 1972, S. 349-350.
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