Der Kuckuck

[333] Der Kuckuck schrie die ganze Nacht,

Er hört nicht auf zu schrein;

Er schrie und schrie in einem fort,

Ließ mich nicht schlafen ein.


Du Vogel Kuckuck schweig doch still,

Du bist ja wohl nicht klug;

Was brauchst du bei der Nacht zu schrein,

Am Tag ist Zeit genug.


Wer klopft da mitten in der Nacht

An meinem Fensterlein?

Der Vogel Kuckuck ist's gewiß,

Er will zu mir herein.


Bleib du, wo du zu Hause bist,

Und lasse mich in Ruh;

Du kommst nicht in mein Kämmerlein,

Das Fenster bleibt hübsch zu.


Du hast ja Zeit den ganzen Tag,

Solang die Sonne scheint;

Wer bloß bei Nacht und Nebel kommt,

Der hat's nicht treu gemeint.


[334] Wer bloß bei Nacht und Nebel kommt,

Hat keinen treuen Sinn;

Drum mach' nur, daß du weiter kommst

Zu deiner Kuckuckin.

Quelle:
Hermann Löns: Sämtliche Werke, Band 1, Leipzig 1924, S. 333-334.
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