Der eiserne Flegel

[216] Damiett, Damiett, du feine Stadt,

Der Türke hält dich fest;

Wir wurden müde, wurden matt,

Vor dem verdammtigen Nest.


Es floß das teure Christenblut

Von Zinnen und Tor herab;

So mancher Christenmensch, treu und gut,

Fand vor Damiett sein Grab.


So manche Mutter im deutschen Land

Die Augen unter sich schlägt;

Es fiel der Spiegel von der Wand,

Der Wurm in der Lade sich regt.


So manches Mädchen im deutschen Land,

Das weint sich die Augen rot;

Der Rosmarin in Blüte stand,

Und heute ist er tot.


Herr Hayo, der Friese, der blickte quer,

Seine Faust zum Tische kracht;

»Bei Christi Tod, ich leid's nicht mehr,

Ein Ende wird gemacht!«


Er nahm den Dreschflegel von der Wand,

Von Eisen war der gebaut;

Er stieg bis auf der Mauer Rand,

Und sang so lustig und laut.


[217] Er sang ein friesisches Drescherlied,

Er sang nicht gerade fein;

Er sang den Heiden Furcht ins Gemüt

Und Angst in die Hosen hinein.


Es klang sein Flegel die klapp, die klapp,

Er drosch nach alter Art;

Er drosch ihnen Arme und Beine ab,

Er drosch nicht allzu zart.


Sie ließen die Mauern, sie ließen das Tor,

Sie ließen die feine Stadt;

Es stieg das heilige Kreuz empor,

Wo der Halbmond gestanden hat.


Herr Hayo lachte in seinen Bart

Und trank zwölf Schoppen Wein,

Und sprach: »Geht's nicht auf gute Art,

So schlagt mit dem Dreschflegel drein.«

Quelle:
Hermann Löns: Sämtliche Werke, Band 1, Leipzig 1924, S. 216-217.
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