Die Attacke

[146] Platz da, und Zieten aus dem Busch,

Mit Hurrah drauf in Flusch und Husch,

Und vorgebeugten Leibes rasen,

In einem Strich die Pferdenasen,

Wir zwei weit voran den Husaren,

So sind wir in den Feind gefahren.

Die roten Jungen hinterher

In todesbringender Carriere,

Daß wild die Spitzen der Chabracken

Den Grashalm fegen wie der Wind.

Und hussah, hep, die bunten Jacken,

Sind wir am Waldesrand geschwind.

Geknatter, dann ein tolles Laufen,

Wir konnten kaum mit ihnen raufen,

So rissen die Gascogner aus

Vor unserm Säbelschnittgesaus.

Doch hinter einer schmalen Erle

Stand einer dieser kleinen Kerle

Und macht auf mich recht schlechte Witze,

Und schoß mir ab die Helmturmspitze.

Ei, du verfluchter gelber Lümmel,

Ich treffe gleich dich im Getümmel.

Und »Hieb zur Erde tief,« saß ihm

Im Schädel eine forsche Prim.[146]

Kolonnen rückten nun heran,

Der Auftrag war erfüllt, gethan.

Der Lieutenant sammelte den Zug,

Und als er durch die Säbel frug,

Ob Keiner fortblieb, Keiner fehle,

Da schnürt es ihm die junge Kehle.

Denn der Trompeterschimmel bäumte,

Den Sattel frei, und schnob und schäumte.

Wir fanden seinen Reiter bald

An Brombeersträuchen, tot, im Wald.

Ein blaurot Fleckchen zeigte nur

Den Schuß ins Herz, der Kugel Spur.

Bei meinem Freund zum ersten Mal

Sah ich die Scherbe niederschnippen,

Und Thränen fielen ohne Zahl

Dem Toten auf die bleichen Lippen.


O schäm' dich nicht, wenn dies du liest,

Daß dir so leicht die Thräne fließt.

Im Sterben trägst du noch die Scherbe,

Ich sei, stirbst früher du, der Erbe,

Dann denk' ich an den treusten Freund,

Den je die Sonne hat gebräunt.

Quelle:
Detlev von Liliencron: Adjudantenritte und andere Gedichte, Leipzig 1883, S. 146-147.
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