Säntis

[75] Hundertmal an's Fenster tret' ich,

In die Straßen weit zu schauen,

Immer, immer noch vergebens,

Ach, in aller Welt wo bleibt er,

Bleibt der Bernhardinerhund.


Endlich, endlich um die Ecke

Patscht auf würdevollen Tatzen,

Patscht, die Fahne hängen lassend,

Patscht ein gelb und weiß gefleckter

Ernster Bernhardinerhund.


Neben ihm, mit leichten Schritten,

Schreitet, sommerlich gekleidet,

Eine junge, zarte Schöne,

Und ihr Händchen führt am Halsband

Ihren Bernhardinerhund.


Bald im Zimmer steht das Mädchen,

Und wir halten uns umschlungen.

Zwischen uns drängt seine Schnauze,

Wedelnd, hechelnd, jener ernste,

Treue Bernhardinerhund.


Quelle:
Detlev von Liliencron: Der Haidegänger und andere Gedichte, Leipzig 1890, S. 75-76.
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