Die vierdte Abhandlung.

[176] Der Schau-Platz stellet für des Mufti Gemach.

Mufti. Mehemet. Bectas. Kiuperli. Kul-Kiahia. Mollah.


MUFTI.

Daß Missethat in sich wie Ketten sey verschrenckt /

Da eine böse That stracks an der andern henckt /

Wie Glied am Gliede folgt / lehrt uns des Sultans Wütten.

Wie lang ists: daß er mir sein Antlitz ließ verbitten /

Mir / der ich wider'n Heisch des trauten Amurath /

Ihm zu dem Zepter half? Itzt folgt die Greuel-That

Schon auf der Ferse nach. Wirds wohl die Nachwelt glauben?

Daß Oßmans Enckel ließ zur Noth- und Unzucht rauben

Des höchsten Priesters Kind?

MEHEMET.

Ja! diß ist unerhört!

Kein Sultan hat noch nie die Insel so versehrt /

So scheutzlich sich befleckt. Und wer ist / dem nicht grauet:

Daß Achmet / dem das Heft des Reiches ist vertrauet /

Zum Dieb und Kupler wird? Was wird für Laster nicht

Noch dieser Wurm gebehrn? Und keinen Menschen ficht

Doch minste Vorsorg an dem Tiger zu begegnen /

Der Schimpf und Tod uns dreut.

BECTAS.

Gott wird die Seele segnen /

Die ihr des Reiches Heil / des Volckes Zentner-Last

Läßt zu Gemüthe gehn / die ihr das Hertze faßt

Den geilen Huren-Hengst / in dessen Adern stecket

Kein Tropffen Fürstlich Blutt / der stündlich sich beflecket /

Wie ein gemeines Weib / zu stürtzen in den Grund.

Euch ist zu wohl bekand: wie den itzt grimmen Hund

Ein Furchtsam Schaf beschämt; wie ihm das Hertze fehlte /

Den Kercker aufzuthun / als unser Schluß ihn wählte[176]

Zum Haupte dieses Reichs; wie sein schlimm Einritt schon

Des Volcks Gelächter war;125 wie er des Oßmans Thron /

Der keine Weiber trägt / beschimpfet und entehret /

Wenn er für Tartsch und Schwerdt / das Königen gehöret /

Mit Perlen schmückt den Halß / mit Diamant den Leib /

Die Nägel gülden färbt / und auf viel Arth ein Weib

Sich emsiget zu seyn.126 Was hält uns denn zurücke:

Daß man diß Weib erwürgt mit dem verdienten Stricke?

Wo ihr die Armen mir in diesem Wercke reicht /

So fehlts drey Stunden noch / biß Ibrahim erbleicht /

Und Achmet ist zerfleischt der Werckzeug seiner Laster.

MEHEMET.

Ich weiß für diese Pest kein mehr bewehrtes Pflaster.

Und wo ich urtheiln kan / hat Achmet allermeist

Ans Käysers Lastern Schuld / der ihm stets Aepfel weist

Der Wollust: daß der Fürst des Herschens sich entschläget /

Daß Achmet Heft und Stab / der Fürst den Tittel träget.

Gewiß ein böser Knecht ist schädlicher fürs Reich /

Als ein nichts-gültig Fürst.

MUFTI.

Laßt beyden uns zugleich

Außleschen ihr falsch Licht. Wir haben hier mehr Gründe /

Den Ibrahim zu fälln. Die gröste Schuld und Sünde /

Da man zu stürtzen schloß den trauten Amurath /127

War: daß er das Verboth des Weines übertrat.

Der müht Gesätz und Volck und Tugend sich zu dämpfen.

Auch fehlts an Kräften nicht diß Unthier zu bekämpfen;

Die Cadi sehn auf mich / der Janitschar folgt dir /

Jedweder Bassa wünscht den Mehmet zum Vesier.

BECTAS.

Dem Achmet muß zu erst sein Athem seyn verkürtzet.

Ein Schiff und Reichs-Haupt ist schon mehr als halb gestürtzet /

Wenn diß der Diener- wird und jenes Ancker-loß.

Der Britten Haupte fehlt nur noch der zehnde Stoß

Zum Schifbruch/ seit daß er den Pfeiler eingebüßet

Durch Strafforts treuen Kopf.

MUFTI.

Ich lobe / was ihr schlüsset.

Man sage mehrern Sold den Janitscharen zu;

Auf derer Willkühr steht des Sultans Fall und Ruh.

Ich wil /

MOLLAH.

Herr / Achmet bringt gleich Ambren selbst zurücke.

MUFTI.

Ja / leider! Uns noch mehr zu stelln Verderbens-Stricke.[177]

Weicht ihr ins Beygemach. Ich wil / was Ambre klagt /

Und Achmet bringt / hörn an.


Achmet. Mufti. Ambre.


ACHMET.

Was eine geile Magd

Durch wilden Trotz gewinnt / mag dir diß Beyspiel zeigen.

Die / die bekrönet solt ins Sultans Bette steigen /

Doch Gnade / Würd und Hold mit Füssen von sich stieß /

Verstößt der Fürst itzt selbst. Die vor hochmüthig prieß

Den Krantz der Jungfrauschaft / ihr ihre flüchtge Blume

Zum Abgott stellte für und uns zum Heiligthume:

Die zeige dir nun selbst die welcken Blätter dar;

Und meld: Ob ihre Lilg' unwelckbar an ihr war;

Obs besser sey beschimpft / befleckt / entblößt / verspeiet /

Zerrissen128 / außgelacht / geschändet und entweihet /

Die Blüthen erster Scham wie Hure büssen ein /

Als eines Käysers Brautt in Seid und Purper seyn?

Doch kanstu dieses noch für höchste Gnad erheben:

Daß die Besudelte nicht Knechten frey gegeben

Und Sclaven ward entdeckt. Wer Goldstück fleckicht schilt /

Damasten von sich wirft / der wird mit Fug gehüllt

In Säcke / Stroh und Haar. Nimm in dem Huren-Kleide

Dir deinen Balg nun hin. Ein Seiden-Wurm / der Seide

Nicht mehr kan spinnen / wird in Molcken-Dieb verkehrt.

Dir aber wird noch einst so Fürst als Hof verwehrt.

MUFTI.

Mein Freund / hat zwar mein Kind / die Schmach für Ehr erwehlet /

So sehr auß Vorwitz nicht als Unverstand gefehlet /

So hat sie doch hieran mehr als der Sultan Schuld.

Was Gott schafft und der Fürst / ertrag ich mit Geduld.

Drumb meld ihm: daß ich auch vom Hofe weit entfernet

Dem Käyser treu zu seyn von Jugend-auf gelernet;

Ja wo Fürst Ibrahim des Mufti Kopf begehrt129 /

Sol er ihm heute noch zum Opfer seyn gewehrt.

ACHMET.

Du sätzest weißlich ab vom ersten Aberwitze.

Doch späte Vorsicht ist nichts nach dem Fallen nütze.


[178] Ambre. Mufti. Mehemet. Bectas. Kiuperli. Kul-Kiahia.


MUFTI.

Wie lange sol der Schwarm des Blutthunds blühend seyn?

Jedoch / je länger Gott den Donnerkeil taucht ein

In das Erbarmungs-Oel / ie schärffer sind die Schläge.

Die Vater-Ruthe kehrt er dem in eine Sege /

Ja reißt mit Strumpff und Stiel den Ubelthäter auß /

Den er so langsam strafft. Wir wolln in Koth und Grauß

Noch unsern Todfeind sehn! besänfte dein Gemüthe /

Versichert: daß die Kwal auch auß des Himmels Gütte

Vom Gnaden-Kwell herrinnt. Wir sehn der Sonne Licht /

Weil wir von Arth sind blind / nur ohne Bländung nicht.

Und unser Aberwitz faßt nicht des Himmels Schlüsse.

Die werden noch verleihn: daß deiner Unschuld müsse

Des Blutthunds kaltes Blutt / Seiff und Zinober seyn /

Das dich Entweihte wäscht von allen Flecken rein /

Das dein entfärbte Zucht und Rosen deiner Ehre

Mit frischem Purper mahlt.

AMBRE.

Gerechter Himmel / höre

Die Säufzer meiner Seel / indem das stumme Leid

Mir Red und Zunge knüpft! Schaut! dieses Huren-Kleid

Der Keuschheit Purper seyn! dem Himmel stell ich Schwache

Des Lasters Straffen heim; weil diese doch zur Rache

Niemanden bringen wird; die ihres Schänders Hertz

Durch keine Demuth zwang. Und was noch Schmach und Schmertz

Mir Aermsten schärffer würtzt; so muß ich hier erfahren:

Daß dieser Hengst hier läßt noch ruhmbar offenbaren

Sein Laster / meinen Schimpf; den Raub der Jungfrauschaft /

Den Diebstal meiner Perl! Ich traure: daß die Kraft

Der Rache mir gebricht. Weil in des Schänders Wunden

Für Ehren-Beulen doch nur Salbe wird gefunden /

Die Weh und Schande tilgt. Wer Unrecht schlägt in Wind /

Verletzungen vergißt / die nur an Gliedern sind /

Und nur den Leib versehrn / der hegt ein Helden-Hertze.

Der aber wird mit Fug belegt von Schmach und Schmertze /

Der Ehren-Narben trägt. Die müssen nicht in Stein /

Nein / sondern nur in Staub geschrieben werden ein:[179]

Daß sie die Rache stracks verstreich- und tilgen könne.

Des Himmels rechte Rach und eure Hülfe gönne:

Daß an dem Blutthund ich mich bald gerochen schau!

Ach! aber: daß ich doch auf diesen Trübsand bau /

Und mein Genesen such auß Ibrahims Verderben?

Kan iede Tugend gleich sonst den Verlust erwerben /

So hilfft kein Aufstehn doch nicht nach der Keuschheit Fall /

Und Kunst hat keine Kunst / die ein erschellt Chrystall

Der Ehr und Zucht ergäntzt. Man heilt mit frembden Narben

Die eignen Schwere nicht; und keine bluttge Farben

Verschmiern den Fleck / den Brunft in diesen Purper macht.

Ach! wo hat / Ambre / dich dein Unglück hingebracht?

Wie heßlich hat der Firnß der Schönheit dich verstellet!

Die Schönheit ist ein Aaß / das Geyern meist gefället /

Ein Aaß / das stets Gestanck der Laster von sich haucht /

Der Wollust giftgen Dampf statt süssen Balsams braucht /

Und Raben an sich lockt / die Ehr und Zucht uns fressen /

Und ihren Geilheits-Koth schmiern auf ihr lüstern Essen.

Die Schönheit ist ein Stern / der mit dem Schwantz allzeit

Auf neues Unheil weißt / ein Abgott / der entweiht

Von derer Andacht wird / die sich zum Opfer finden /

Weil sie für Weyrauch ihm meist stinckend Hartzt anzünden.

Diß / Ambre / fühlst du ja; wie dich der Hund befleckt /

Der seine Seele dir zum Opfer angesteckt /

Der dich begierig war fußfällig anzubethen.

Hört aber / wie in mir der Schmertz rast! dem Verschmähten

Klebt keine Schönheit an / die auch den Löwen hält

Die Klauen; und den Trotz der grimsten Riesen fällt.

Doch nein! der Blutthund ist mehr wild als Löw und Beeren /

Mehr hart als Kieselstein; sonst hätten meine Zehren

Sein steinern Hertz durchhölt; als Demant / weil mein Blutt

Der Seel ihn nicht erweicht; als Eisen / weil die Glutt

Der heissen Säufzer nicht hat seinen Grimm zerschmeltzet.

So werde nun der Felß vom Halse weg geweltzet /

Der Leib und Fleisch zerquetscht und auch der Seele preßt

So Blutt als Thränen auß! Die grosse Schandthat läßt

Euch reine Rache zu. Das Band der Treue höret[180]

Bey Unterthanen auf / so bald ein Fürst versehret /

Durch Laster / Ehr und Zucht. So tilgt denn durch sein Blutt

Die Schmach ab / die der Hund euch auch in mir anthut!

Denn ich bin so befleckt: Daß auch mit seiner Aschen

Der Schandfleck sich nicht läßt von meinem Leibe waschen;

Den Fäul und Tod nur kan im Grabe machen rein.

Taucht diesen edlen Dolch ins Blutthunds Adern ein /

Den ich / doch ohne Schuld / mit meinem Blutte färbe.

Für Helden ists genung! Zu gutter Nacht / ich sterbe!

MUFTI.

Hilf Himmel! Ach mein Kind! mein Engel / und mein Trost;

Hat das Verhängnüß sich so gar auf mich erboßt;

Daß mir mein Ancker muß zur Schiffbruchs-Klippe werden?

Scharrt mit der Todten mich lebendig in die Erden;

Weil mir das Leben doch nur einen Tod gibt ab /

Und ieder Athem lächst nach Freyheit in das Grab.

Gewiß der Sultan läßt mich nur zur Marter leben /

Auß Gunst und Sanftmuth nicht. Die Ertz-Tyrannen heben

Durch Aufschub unsers Tods uns doch zu langer Kwal

Und strenger Marter auf. Nimm diesen heilgen Stahl /

Und stoß ihn / Mufti / dir nun auch in Brunn des Lebens.

BECTAS.

Halt! bistu bey Vernunft?

MUFTI.

Ihr wehret dem vergebens

Das Sterben / dessen Tod selbst das Verhängnüß schleust.

KIUPERLI.

Der steckt voll Aberwitz / der Gall und Leid außgeust

Auf seinen eignen Halß / und Feind und Hencker schonet.

Mit Dolch und Stricke sol das Unthier seyn belohnet /

Das dieses Leid uns schafft. Weil er durch diese That

An deiner Tochter nur den Halß verwürget hat.

MEHEMET.

Mein Rath ist auch: daß man das Messer auf ihn wetze /

Fürst Mahumed hat schon versiegelt diß Gesetze

Durch seines Sohnes Blutt; als Mustafa verdient

Den Geist am Strang außbließ /130 nachdem er sich erkühnt /

Des Bassen Achmets Weib auß toller Brunst zu schänden.

Und der sol ungestrafft ans Mufti Tochter enden

Den Muthwilln seiner Brunst / die Büssung seiner Lust?

Ja ihm sein Müthlein kühln / wenn er so reine Brust

Mit seiner Schandthat schwärtzt. Sich kützeln in Gedancken:

Daß er die Tugend siht in Angst-erfüllten Schrancken /[181]

Die Boßheit in der Blüth und auf den Rosen gehn?

Wie aber kan man mehr der Laster Flug erhöhn /

Den Blutthund in der Schand und in dem Grimme stärcken /

Als wenn die / die Gott sätzt zu Richtern seinen Wercken /

Ihm durch die Finger sehn? an sich durch eigne Hand

Sein Wütten üben auß? dir selbst wird dein Verstand

Den itzt der Schmertz verwirrt / nach erstem Sturme lehren:

Daß: da wir die Gewalt des Unglücks gleich verstören /

Durch eigenhändgen Tod / der Tyranney entflihn /

Wir bösen Nachruhm doch uns in das Grab nachzihn /

Dem Himmel für die Gunst des Lebens Undanck geben;

Ja daß der / welcher nicht kan unglückseelig leben /

Nur unglückselig sey.

MUFTI.

Ach ja! du urtheilst recht!

Ich würde durch mein Thun nur des Tyrannen Knecht /

Der Boßheit Werckzeug seyn. Doch / wie bald kan der fehlen /

Der seine Menge nicht des Elends weiß zu zehlen?

Ein Amboß-hartes Hertz wird weich und krumm bewegt /

Auf das so oft und sehr des Unglücks Hammer schlägt.

BECTAS.

Die Glutt der Rache kan es härten und geraden /

Und des Verletzers Blutt heilt des Verletzten Schäden.

Zeuch den befleckten Dolch der Ambren auß der Brust /

Und stoß ihn ihm ins Hertz; Nimms Merckmal seiner Lust

Das Gold-gestückte Tuch / das er zum Liebes-Zeichen

Der Aermsten schickte zu. An dem sol er erbleichen!

Ich schwer es! wo kein Fall das Leben mir verkürtzt.

Rom lehrt uns am Tarquin: daß / wenn man Schänder stürtzt /

Die unser Haupt gleich sind /Gott pflegt das Werck zu segnen.

Ich seh auß Ambrens Brust Lucretzens Bluttschaum regnen /

Ja eine Sündfluth kwelln / ein Rothes Meer entstehn

In dem der Pharao wird schrecklich untergehn.

MUFTI.

Es bleibe / ja / bey dem / was wir schon vor geschlossen:

Daß sein und Achmets Blutt als Vihisch sol vergossen /

Ihr Grimm verkürtzet seyn. Ich wil mich stracks bemühn

Des Sultans Mutter selbst in unsern Bund zu zihn.

MEHEMET.

Wird mit der Mutter sich diß sicher wagen lassen?

MUFTI.

Glaubt: daß die Mütter mehr / als Schlang und Spinnen / hassen /[182]

Die die Verletzung reitzt. Sie kehrn in Gall und Gift

Die süsse Mutter-Milch. Ihr Eyver übertrifft

Im Munde Natter-Zähn / in den ergrimmten Augen

Der Basilißken Blitz. Die ärgsten Drachen taugen

So wohl zur Rache nicht in unversöhnbarn Rath /

Als wenn sich eine Taub' erboost entrüstet hat.

BECTAS.

Er und die Mutter ist bereit versöhnt zusammen.

MUFTI.

Die ärgste Rache deckt mit Asche Zorn und Flammen

Und zuckert schlimmstes Gift durch Bisam an und Wein /

Ja hüllt ihr Schlangen-Maul in Engel-Lippen ein.

Laß mich in diesem Stück umb unsern Vorschlag sorgen.

MEHEMET.

Des Abends Anschlag krön ein wohl außschlagend Morgen!


Der Schau-Platz verwandelt sich in Kiosems Gemach.

Amuratens Geist. Kiosem.


Auf! Mutter / auf! es ist nicht schlaffens Zeit /

Wenn Strang und Tod auf ihr Verderben wachet.

Ein falsches Hertz kocht Gift und Hertzeleid /

Wenn Lipp und Mund mit Zucker-Rosen lachet.

Versöhnung ist die Asche / die die Flammen

Der Rache nur verdeckt / sie aber nicht löscht auß.

Ein Nebel / den ein Lüftlein theilt vonsammen;

Worauf die frische Glutt gebieret Brand und Grauß.

Denn Liebe gleicht sich zarten Berg-Chrystallen /

Die keine Kunst nicht zu ergäntzen weiß /

Wenn sie sind einst zerschellet und zerfallen.

So baut sie nur auf Spiegel-glattes Eiß /

Wirft Ancker in den Trübsand / Grundstein in Moräste /

Wo sie vermeynt; sie steh itzt hoch und fäste.

Man mißt mit Bley des tieffen Meeres Grund /

Durch Glaß erforscht man's Himmels Heimligkeiten;

Kein Schau-Glaß nur / kein Bley-Maaß ist uns kund /

Die Nachwelt wird auch keines nicht bereiten /

Das der Menschlichen Gemüther tieffes Welt-Meer gründen kan;

Kein Compaß / der sichre Farth in der Höfe Strudeln zeiget /[183]

Keine Kette / die die Räder des Gelückes hemmet an.

Keine Sonne gehet auf / die die Zeit nicht West-werts neiget;

Ja / Ibrahims Genad ist wie ein Rohr bewand /

Das den / der sich drauf lehnt / beschädigt in die Hand.

Ich selbst muß in der Gruft bestürtzt erfahren:

Daß Affen grimmiger als edle Löwen sind;

Daß wenn Gewalt und Aberwitz sich paaren;

Ihr Grimm mehr Mord / als klugen Eyfer spinnt.

Es kränckt mich Todten noch / und meinen Schatten reuet:

Daß ich statt Bajazeths und für den Orcan nicht

Dem thörchten Ibrahim hab außgelescht sein Licht /

Als jener Helden Mund die Seel hat außgespeyet.

Ja / wärest du nicht noch sein Schirm gewest /

Als ich schon starb auf meinem Todten-Bette;

So sichre dich: Fürst Amurathes hätte

Halb-tod ihm noch gegeben seinen Rest.

Auch würd ich noch mit Lust beseelen Sarch und Aschen /

Könt ich noch Dolch und Faust ins Brudern Blutte waschen.

Doch du hast selbst dir's Leichenbrett gefällt /

Die Natter dir in Busem selbst gesetzet /

Als du gewannst der Baßen Gunst durch Geld;

Daß sie an mir meineydig sich verletzet;

Als wider ihren Schwur / für den bestimmten Cham

Der Tartern / Ibrahim des Oßmans Stul einnam.

Wilst aber du auf deiner Wolthat Grund

Den Pfeiler deines Heils / und Hofnungs-Schlösser bauen?

Ein Zentner wigt Tyrannen kein halb Pfund /

Die Berge-grossen Dinst für Sonnenstaub anschauen.

Denn ihre Augen sind ein Schauglaß / das macht klein /

Weil frembde Wercke sie dadurch von hinten sehen;

Wenn aber sie für sich es recht und vorwerts drehen /

Scheint ihnen auch ein Floch ein Elefant zu seyn.

Ja mindert auch ihr Aug ihr nicht die Würde

Lascht sie Vergessenheit der Schwamm der Zeit nicht auß /

So stürmt und tilgt sie gar der Wolthats-stifter Hauß.

Weil Undanck hält für Dienstbarkeit und Bürde /[184]

Sich Schuldner solcher Wolthat schauen.

Denn kleine Schuld spinnt Gunst / die grosse Feindschaft an;

Besonders ist kein Haar-breit nicht zu trauen;

Wenn keine Schätzbarkeit die Wolthat zahlen kan.

Auf diesem Strudel wirst du auch noch Schifbruch leiden /

Wo deine Seel itzt nur des Sohnes Sturm entgeht.

Denn deinen Lebens-Drat wird ein frech Weib zerschneiden;131

Ob schon ihr Sohn durch dich zum Käyser wird erhöht.

Ja Mufti kan durch Gunst und Recht

Der Janitscharen Herr nicht durch sein Schwerdt verhütten:

Daß dich nicht würgt ein Sclav und Knecht /

Daß deinen Ohren nicht wird schimpflich abgeschnitten /

Was Liebes dir dein holder Achmet gab.

Allein itzt blüht dir schon dein Grab /

Denn's Reich / das dir hat Ibrahim zu dancken /

Reicht über der Vergeltung enge Schrancken.

Auf! Mutter auf! sey für dein Heyl doch wache /

Weil sich dein Sohn in eine Natter kehrt /

Dein Wolthun heckt in seinem Hertzen Rache /

Weil alles Oel der Liebe längst verzehrt.

Fleuch! Mutter / fleuch! eh du des Sohnes Schwerdt must färben.

Denn Vorsicht schaffet Ruh / die Sicherheit Verderben.

KIOSEM.

Mein Kind! mein Amurath! halt! ach / wo fleuchstu hin?

Halt! ach! was fleuchstu mich? wie? oder wird mein Sinn

Durch einen Traum verrückt und durch Gespenst erschrecket?

Wie / oder hat die Gunst des Himmels mir entdecket

Vorstehende Gefahr? hat mein hertzliebstes Kind /

Umb den noch ieden Tag die Thrän aufs Antlitz rinnt /

Auß Liebe / welche noch in Sarch und Asche glimmet /

Umb was Verhängnüß/ Sohn und Zeit auf mich bestimmet /

Mir zu eröfnen / sich auß seiner Gruft gemacht?

Ach Himmel! kan kein Tag bey Hofe zugebracht

Nicht ohne Zittern seyn? und ohne Furcht verschwinden?

Ist hier kein Rosen-Blat nicht ohne Dorn zu finden?

Muß iede Perle sich in Thränen-Tropfen kehrn?

Ja iede Morgenröth uns eine Nacht gebährn /[185]

Die schwartz von Schrecken ist? Muß unter güldnen Decken

Sich stets der Sorgen-Wurm / die Kummer-Mutte hecken /

Die Seel und Marck außnagt? Ja seit des Glückes Rad

Bald hoch / bald niedrig mich herumbgeweltzet hat;

Hat mein gantz kringlicht Haupt der Wahnwitz gantz verwirret:

Daß es kaum noch versteht dem Vogel / der gekirret

Mit schönen Beeren wird / sey Tod und Strick gestellt.

Der Gunst-Strahl / der auf mich vons Sultans Augen fällt /

Wil mich ein Sterbe-Licht und Todten-Fackel deuchten /

Die mir Lebendigen voran zu Grabe leuchten.

So tieff bin ich gefalln! So gehts; wer in die Luft

Legt Schlösser in den Grund / der baut in tiefster Kluft

Ihm Fall-Brück und Verderb. Ach! Kiosem / itzt lerne:

Der Erde Sonnen sind Irrlichter / keine Sterne.


Kiosem. Mufti.


MUFTI.

Wie treff ich so bestürtzt die grosse Käyserin

So still und einsam an?

KIOSEM.

Ach! wirf den Tittel hin /

Und dencke: daß diß nur mehr durch das Hertze schneidet /

Wenn / was man war / nicht sey / der Tittel uns bescheidet.

MUFTI.

Sie lasse dieses Ach und diese Klage mir /

Den Ibrahim / der doch läßt ieden Sclaven für /

Dem gleich sein Kopf nicht so / wie mir mein Hertze brennet /132

Von seinem Antlitz stößt; mich Hund und Ketzer nennet /

Mir Strick und Mörsel dreut. Doch gibt der Tod der Schmach

Und unser eigen Leid der Kinder Unfall nach.

Es grämt mich: daß solch Schimpf nicht bleiben kan verdecket:

Wie Ibrahim mein Kind durch Noth-Zwang hat beflecket /

Auf die Geschändete so Fluch und Unflat speit /

Ja sie als Hur und Magd zu meinem Hertzeleid

Halb-nackt nach Hause schickt. Solch Elend geht durchs Hertze /

Frißt Marck und Adern auß! Mit was für einem Schmertze

Kwält sich denn Kiosem? Ihr Bild und Ansehn gleicht

Pompejens Seule133 ja / die keinem Wetter weicht /

See / Well und Nord verlacht. Ich sehe ja vergnüget:

Daß Sie vom Sultan hat die Freyheit wieder krieget.[186]

KIOSEM.

Die Freyheit? leider ja! man läßt ein wenig frey

Ein angefässelt Wild / wenn's Jägers Tyranney

Zu seiner Kurtzweil wil den wüttenden Moloßen

Sein Leben opfern auf. Der so viel Blutt vergossen /

Der solche Greuelthat ans Mufti Haus' außübt /

Der seine Mutter oft biß auf den Tod betrübt /

Der / die die Kron ihm gab / in Kefichte verstricket /

Sein eigen Fleisch und Blutt sich zu ermorden schicket /

Wird nur so lange noch mit meinem Jammer spieln;

Biß ich den Blutt-Zahn werd in meinen Därmern fühln.

MUFTI.

Geduld und Hofnung macht des Unglücks scharffe Pfeile /

Des Grimmes Klingen stumpf; Ja reißt die Donner-Keile

Tyrannen auß der Hand. Der Tugend Eigenschaft

Gleicht Palmen / denen gibt die Unterdrückung Kraft /

Mehr als des Glückes West. Die wird mit ihr noch blühen /

Und alles Wetter sich in Sonnenschein verziehen.

Ja / weil mein Stranden sie nur trifft am Ufer an /

Nicht zweifelnd: daß ein Wort von ihr mir helffen kan;

Geruhe sie mich doch beym Sultan einzulieben.

KIOSEM.

Wen sol die setzen ein / die selber wird vertrieben?

Ach Trübsand-voller Grund! weil mir mein Amurath

Schon meinen Untergang bestürtzt eröfnet hat.

MUFTI.

Ihr längst-entblaster Sohn?

KIOSEM.

Der kaum von mir entwichen /

Als du ins Zimmer tratst.

MUFTI.

Wahr ists: wenn / die erblichen /

Durchbrechen Sarch und Gruft / uns Warnung bringen bey;

So gläub ich: daß das Beil schon auf dem Nacken sey.

Und denn ists Wachens Zeit und auf sein Heil zu sinnen.

Der edle Mustafa134 hätt allzu wohl entrinnen

Des Rustans List gekönnt; hätt er nicht außer Acht

Geschlagen; was ein Geist im Traum ihm zugebracht /

Sein Priester außgelegt. Im Fall Ihr nur zu rathen /

So komme sie selbst für des Sultans Mörderthaten.

KIOSEM.

Zeig uns für die Gefahr ein sicher Mittel an.

MUFTI.

Wer sicher geht / erdrückt den Wurm / der schaden kan.

KIOSEM.

Solt ich ins Sohnes Blutt die Mutter-Hände tauchen?

MUFTI.

Der ist kein Sohn / der vor läßt Lieb und Hold verrauchen.[187]

KIOSEM.

Für dieser That entsetzt sich die Natur in mir.

MUFTI.

Die eigne Wolfarth geht der Kinder-Liebe für.

KIOSEM.

Wer hat so jämmerlich ie auf sein Fleisch gewüttet?

MUFTI.

Wie viel hat Suleiman nicht Kinderblutt verschüttet?

KIOSEM.

Er thät diß nicht so wohl als Roxelanens List.

MUFTI.

Chach Abas Sohn hat nechst des Vatern Stahl geküßt /135

Der dritte Mahumed ließ Sohn und Mutter tödten.

KIOSEM.

Diß gibt ein Beyspiel mir: daß / die die Armen röthen

In Fürsten-Blutte wolln; der Rache falln ins Schwerdt.

Zu dem steht diß / wormit ein Vater schon verfährt /

Nicht holden Müttern an.

MUFTI.

Wer wider Mütter sündigt /

Dem wird vom Mahumed mehr Unheil angekündigt;

Als welcher wider's Haupt des Vatern sich empört.

Auch hat oft Oßmanns Reich der Mutter Blitz gehört

Auf wilde Kinder fahrn. Doch wil sie sich nicht achten /

So geb ich ihr das Heil der Enckel zu betrachten /

Die er selbsthändig schon zu schlachten hat begehrt.

Wer solch ein Unmensch ist / ist nicht Erbarmens werth.

Die / und des Reiches Heil bind ich ihr auf die Seele.

KIOSEM.

Furcht / Lieb und Rache kämpft in meines Hertzens Höle /

Voll Zweifel: was allhier gutt zu entschlüssen sey.

Jedoch den Fall gesätzt: Ich pflichtete dir bey /

Würd unser Ohnmacht uns den Vorsatz nicht verkürtzen /

Stambuldens grossen Herrn / das Haupt der Welt zu stürtzen;

Weil sein beschirmend Heer iedweden Anschlag dämpfft /

Ja Stern und Himmel selbst fürs Heil der Fürsten kämpfft.

MUFTI.

Die Sorge lasse mir. Das Heer der Janitscharen

Wird widern Ibrahim / wie sie befiehlt / verfahren.

Denn ich verschweig ihr nicht: daß mir ihr Aga schon

Und Bassa Mehemet / den Sultan von dem Thron

Zu stürtzen / angelobt; in welcher beyder Händen

Das Heft der Kriegs-Macht ist.

KIOSEM.

Laßt euch den Dunst nicht bländen /

Durch den die Rache meist umbnebelt Haupt und Witz.

Denn diese Wolcke zeucht meist in sich solchen Blitz /

Der selbst die Mutter trifft. Ja / wenn schon nebst dem Reiche[188]

Ein Fürst den Halß einbißt / kommt auß der kalten Leiche

Verfaulten Todten-Asch ein Recher noch herfür.

Daut Bassens Untergang und Gebegi136 mahlt dir

Ein frisches Beyspiel ab / wie Oßmans keck Ermorden

Vom Folger Mustafa so scharf gestraft sey worden /

Dem Oßmans Leiche doch die Staffel war zum Thron?

Jedoch euch darzuthun: daß Liebe / Blutt und Sohn

So viel als Reich und Recht bey Kiosem nicht gelte /

Daß an den Kindern sie die Laster straf und schelte /

Wil eurem Schlusse sie so ferne stimmen ein:

Daß Ibrahim entsetzt vom Throne möge seyn

Doch: daß das Leben ihm zur Außbeut übrig bleibe /

Er seiner Jahre Rest ins Kerckers Nacht vertreibe /

In dem ihn Amurath vor schon gefangen hielt /

Und daß Printz Mahumeth der Tugend Ebenbild

Des Vaters Thron betret.

MUFTI.

Hierumb sind wir vergnüget /

Und gönnen / wenn der Sohn nur seinen Zepter krieget /

Ihm leicht sein Athemhohln. Gott aber wird hierfür

Ihr grossen Lohn verleihn. Inzwischen stell ich ihr

Und ihrer Klugheit heim / wie sie zu unserm Schlusse

Vernünftig helffen wird. Der Witz mißt nach dem Fusse

Des Zufalls / wie der kommt / so Rath als Würckung auß.

Jedoch des Werckes Grund ist diß: daß Achmet Grauß /

Und Machmet sey Visier / eh wir das Hauptwerck wagen.

KIOSEM.

Sey sicher! Klugen ist nicht nöthig viel zu sagen.


Reyen


Der Mord-Lust. Der Furien. Der List.


DIE MORD-LUST.

Ich bin der Mord / das Kind der Hellen /

Das Leichen heckt / und nur trinckt Blutt /

Das sich nur labt an Feuer-Kwellen.

Hört mich / ihr Mägde / nehmt die Glutt /

Eilt / schleiffet Schwerdter / schärffet Klingen /

Den grimmen Sultan umbzubringen![189]

DIE FURIEN.

Hier stehn mit Drachen-Zähnen wir /

Mit Renn-Thier-Füssen außgerüstet /

Begierig zu verrichten dir

Nach was für Rache dich gelüstet.

Doch sagen wir: daß Gift / Stahl / Feuer / Stein

Den Hund zu fälln zu plumpe Waffen seyn.

DIE MORD-LUST.

Ja! Boßheit hat itzt Luchsen-Augen /

Daß kein erzürnte Mordgewehr'

Ihr einigs Leid zu thun nicht taugen.

Komm meine jüngste Tochter her.

Komm! du must mir ein Garn bereiten /

Den schlimmen Blutthund zu bestreiten.

DIE LIST.

Der Menschen Witz ist Mutter neuer Tücke.

Wenn schlaues Wild traut schlechten Garnen nicht /

So sinnt die List auf neue Netz und Stricke.

Hier hab ich nun drey Larven zugericht;

Durch die trau ich nun Himmel / Erde / Hellen

Zu öffen / zu beleidigen / zu fällen.

DIE FURIEN.

Wir geben / Schwester / dir den Preiß

Die jünger zwar / als wir / von Jahren /

Doch vielmehr stiftet und mehr weiß.

Wo Blitz und Grimm nicht hin kan fahren /

Da trägestu als arme Kuplerin

Mord / Brand und Gift im Einfalts-Mantel hin.

DIE LIST.

Megere / greif hier zu dem Liebes-Kleide /

Heng den mit Gold bedeckten Köcher an.[190]

Wer glaubte? daß in dieser zarten Seide

Ein Tiger-Hertz / ein Wolfs-Zahn stecken kan.

Hiermit kanstu Wurm / Basilißken / Drachen

Zu treuen Dienern / Freund und Müttern machen.


Nim du den Rock des allgemeinen Heiles /

Gürt über ihn des rechten Eyfers Schwerdt.

Wer meynte? daß der Aufruhr meistentheiles

Gekrönte Köpfe so-vermummt verzehrt?

Hierinnen kan ein Stifter Mord- und Brandes

Ein Schutzherr seyn / ein Vater's Vaterlandes.


Tisiphone / zeuch an die Priester-Kutte /

Nim die geweihte Fackel in die Hand.

Wer dächte? daß die Infel schwer von Blutte /

Diß Rauchfaß wer' ein Kwell voll Gift und Brand.

Diß Mummwerck kan als heilig dich erheben /

Wirstu gleich Gift im Himmelbrodt eingeben.

DIE MORD-LUST.

Nicht säumt euch Stahl und Strick zu fassen!

Drückt Ibrahim in Asch und Grauß.

Gebt euch für den getreusten Bassen /

Für'n Mufti / für die Mutter auß.

Wer fragt: ob Arglist oder Degen

Tyrannen in die Särche legen?

DIE LIST UND DIE FURIEN.

Wir eiln und falln den Blutthund an!

Wer Städte baut und Fürsten Aschen

Mit Andacht Mord verblümen kan /

Des Henckers spielt auß Freundschafts-Taschen /

Für dem beschirmt der gröste Fürst sich nicht /

Den Witz / und Macht / und Treue gleich verficht.

Quelle:
Daniel Casper von Lohenstein: Türkische Trauerspiele. Stuttgart 1953, S. 176-191.
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