Sechzehnter Auftritt

[38] Die Vorigen. Meisterin Browe. Braut und Bräutigam nebst Gefolge. Musikanten.


CHOR.

Lustig zum Tanze, jubelt, springet,

Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

Schmücket mit Kränzen das bräutliche Haus!

Glück, Heil und Segen

Auf allen Wegen

Dem lieblichen Paar!

Doch übers Jahr

Bringen wir neue Wünsche dar.

MEISTERIN BROWE.

Ist es gefällig, Jungfer Marie,

Euch unserm Zuge anzureihn?

MARIE.

Ihr seid zu gütig, die Braut geleiten

Wird mir 'ne große Ehre sein.

MEISTERIN BROWE.

Dann laßt uns gehen, dort in der Schenke

Ist zum Empfang schon alles bereit.

IWANOW.

Weißt du, Marie, was ich jetzt denke?

Ich wollte, wir wär'n auch so weit.

MARIE.

Sieh doch nicht so grämlich drein,

Versprich mir, recht hübsch fromm zu sein,

Und plage dich nicht mit Sorgen.

Ist es nicht heute, ist es doch morgen,

In kurzem sind wir auch so weit,

Dann singt man uns, so wie ihnen heut.

Lustig zum Tanze, jubelt, springet,

Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR.

Lustig zum Tanze, jubelt, springet,

Lustig zum Schmause, Gläser klinget![38]

MEISTERIN BROWE erblickt Chateauneuf.

Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht,

Mit welchem Peter so eifrig spricht?

CHOR.

Wer ist der Fremde, kennt ihr ihn nicht?

IWANOW.

Neugierig seid ihr ganz und gar nicht.

's ist ein Franzose, der dort steht

Und allen Mädchen den Kopf verdreht.

DIE MÄDCHEN sich vordrängend.

Allen Mädchen?

MARIE.

Das ist nicht wahr!

IWANOW.

Ja so, nur einer.

DIE MÄDCHEN.

Ist das wahr, ist das wahr?

IWANOW.

Jetzt ist mir's klar.

MEISTERIN BROWE.

Scheint ein Bekannter von Peter zu sein,

Dann ist es schicklich, man ladet ihn ein.


Sie will sich dem Zaren nähern, welcher bis dahin mit dem Marquis eifrig gesprochen hat.


IWANOW.

Das fehlte noch!

ZAR mit steigendem Feuer.

Denen ich Lieb um Lieb geweiht,

Glanz und Wohlstand gegeben,

Mir trachten die Falschen nach dem Leben!

Doch die Verräter sollen es büßen!

Sterben seh ich sie bald zu meinen Füßen!

Alle werden aufmerksam.


MARQUIS bemerkt es und flüstert dem Zaren zu.

Vorsicht, Sire, man merkt auf uns.

ZAR faßt sich schnell und wendet sich mit erkünstelter Heiterkeit zu den übrigen.

Lustig zum Tanze, jubelt, springet.


Für sich.


Mein heißes Blut verrät mich.

MARQUIS einfallend.

Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

CHOR.

Lustig zum Tanze, jubelt, springet,

Lustig zum Schmause, Gläser klinget!

ZAR zum Marquis.

Hier lauscht man jedem unsrer Worte,

Ich harre Ihrer am genannten Orte.

Dort, von der Gäste Schwarm umrauscht,

So leicht kein Späher uns belauscht.


[39] Heiter zum Chor.


Die Zeit verrinnt, das Fest beginnt!

CHOR.

Die Zeit verrinnt, das Fest beginnt!

Der Tag sei nur der Lust geweiht,

Auf, auf zur Freud und Fröhlichkeit!

MARIE.

All diese bangen Zweifel, wann werden sie wohl enden?

Schenkst du mir nicht Vertrauen, so wirst du nie mein Mann.

Ich glaube, wenn wir beide schon vorm Altare ständen,

So fingst du, mich zu quälen, von neuem wieder an.

Denn deinem Wort ist nicht zu glauben,

Und bin ich auch dein Weibchen, so hegst du dennoch Zweifel,

Denn seh ich mich nur um, so wandelt Eifersucht dich an.

Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,

Tanzt und jubelt bis zum Morgen!

Ach, wie gerne möcht ich dir vertraun,

Leider kann ich nie auf deine Schwüre baun.

IWANOW.

All diese bangen Zweifel, sie werden dann erst enden,

Wenn ich als teure Gattin ans Herz dich schließen kann.

Oh, daß wir doch nur beide schon vorm Altare ständen.

Wie ruhig und zufrieden, wie glücklich wär' ich dann.

Ja, auf mein Wort, du darfst mir traun,

Ja, auf mein Wort, du darfst mir glauben!

Bist du nur erst mein Weibchen, dann schwinden alle Zweifel

Und nimmer wandelt mehr ein Zug von Eifersucht mich an.

Doch weg mit Grillen, weg mit Sorgen,

Tanzt und jubelt bis zum Morgen!

Ja, du kannst auf meine Schwüre baun.

Ich schwör es, du darfst mir kühn vertraun.

ZAR UND MARQUIS.

Mög' der Himmel gnädig wenden,

Was Verräterlist ersann,[40]

Sonst muß blutig ich vollenden,

Sonst wird blutig er vollenden,

Und bestrafen diesen Plan.

Wo Undank wohnt, nicht Frieden thront.

Mein Volk beglücken ist mein eifriges Bestreben,

Sein Volk beglücken war sein eifriges Bestreben,

Undank ist dafür mein Lohn.

Undank ist dafür sein Lohn.

MEISTERIN BROWE UND CHOR.

Freude streut mit vollen Händen

Heute Gaben jedermann,

Wollet drum den Wortkram enden,

Daß das Fest beginnen kann.

Ja, dieser Tag sei nur geweiht

Der Fröhlichkeit, der Heiterkeit;

Drum weg mit Grillen, weg mit Sorgen,

Tanzt und jubelt bis zum Morgen!


Alles wendet sich zum Gehen.
[41]


Nr. 8 a. Introduktion (Allegro jubiloso).


Quelle:
Albert Lortzing: Zar und Zimmermann. Stuttgart [o. J.], S. 38-42.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Zar und Zimmermann
Holzschuhtanz: Ballettmusik aus der Oper
Holzschuhtanz: Ballettmusik aus der Oper
Holzschuhtanz: Ballettmusik aus der Oper
Holzschuhtanz: Ballettmusik aus der Oper
Zar und Zimmermann - Komische Oper in 3 Akten - Klavierauszug (EB 316)

Buchempfehlung

Stifter, Adalbert

Zwei Schwestern

Zwei Schwestern

Camilla und Maria, zwei Schwestern, die unteschiedlicher kaum sein könnten; eine begnadete Violinistin und eine hemdsärmelige Gärtnerin. Als Alfred sich in Maria verliebt, weist diese ihn ab weil sie weiß, dass Camilla ihn liebt. Die Kunst und das bürgerliche Leben. Ein Gegensatz, der Stifter zeit seines Schaffens begleitet, künstlerisch wie lebensweltlich, und in dieser Allegorie erneuten Ausdruck findet.

114 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Spätromantik

Große Erzählungen der Spätromantik

Im nach dem Wiener Kongress neugeordneten Europa entsteht seit 1815 große Literatur der Sehnsucht und der Melancholie. Die Schattenseiten der menschlichen Seele, Leidenschaft und die Hinwendung zum Religiösen sind die Themen der Spätromantik. Michael Holzinger hat elf große Erzählungen dieser Zeit zu diesem Leseband zusammengefasst.

430 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon