Siebenter Auftritt

[72] Iwanow. Marie.


MARIE. Noch eine Frage, Herr Michaelow – wie – du bist es? Sich fassend. Euer Majestät sind es?

IWANOW. Sieh da, Marie, was willst du denn hier?

Nr. 15. Duett


MARIE.

Darf eine niedre Magd es wagen,

Sich Eurer Majestät zu nahn?

Ich wollte untertänigst fragen,

Ob Sie Herrn Michaelow sahn?

IWANOW.

Hör auf, Marie, laß die Possen,

Ich bin ja keine Majestät.

Es hat mich lange schon verdrossen,

Daß man mich mit Gewalt erhöht!

MARIE.

O Majestät sind zu bescheiden,

Ich weiß es besser, wer Sie sind.

IWANOW.

Dann bist du zu beneiden!

Wer bin ich? Sag es mir geschwind!

MARIE sich vergessend.

Du bist ein Spitzbub!

IWANOW.

Ich, Marie?

MARIE.

Was tu ich!

IWANOW.

Meinst du dein Herz, ja allerdings,

Dein Herz, das stahl ich dir.

MARIE für sich.

Herrgott, es ist ja viel zu frühe,

Michaelow verbot es mir.

IWANOW.

Du hast mich zum besten, gleich gib mir Kunde,

Wer konnte wohl unser Fürsprecher sein?

MARIE.

Ich bleibe stumm und vor einer Stunde

Laß ich mich in keine Erklärung ein.

IWANOW.

Das ist mir zu bunt.

MARIE.

Er will mich fangen.

IWANOW.

Sie hat mich zum besten.

MARIE.

Er ärgert sich, er ärgert sich fürchterlich. –

Wenn Euer Majestät verlangen,

So bin ich so frei und empfehle mich.

IWANOW.

So geh nur.

MARIE.

Das tu ich.[72]

IWANOW.

In Gottes Namen.

MARIE.

Empfehl mich.

IWANOW.

Diener!

MARIE.

Das klingt sehr galant.

Majestät gehen wohl sehr viel um mit Damen?

IWANOW trotzig.

Sehr viel; das tu ich, hab ich stets getan.

MARIE sich vergessend, will auf ihn los.

Du!

IWANOW.

Was gibt's?

MARIE faßt sich, beiseite.

Da seht doch, da seht doch den Duckmäuser an!

BEIDE.

Wart nur! Später werd ich's dir gedenken,

Was ich jetzt leide; die Spielerei

Werd ich dir niemals schenken.

Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei;

Teuer sollst du mir bezahlen,

Darauf setze ich mein Leben ein;

Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen

Der Anfang des Glückes sein.

IWANOW für sich.

Ich soll durchaus den Herrscher spielen,

Ich mag nun wollen oder nicht,

Wohlan, nun soll sie einmal fühlen,

Wie's tut, wenn man mit einem spricht.


Laut.


Jungfrau Marie!

MARIE.

Sie befehlen?

IWANOW.

Man geht hinaus!

MARIE.

Sieh einmal an.

IWANOW.

Jungfrau Marie!

MARIE.

Sie befehlen?

IWANOW.

Man bleibt!

MARIE beiseite.

Der Grobian!

IWANOW.

Jungfrau Marie!

MARIE ungeduldig.

Ja, so heiß ich,

Was steht denn eigentlich noch zu Gebot?

IWANOW mit komischer Gravität.

Wir sind der Kaiser.

MARIE.

Ei ja, das weiß ich.

IWANOW.

Und was für einer, sapperlot!

Drum wollt' Euch unserm Willen fügen,

Wir bieten gnäd'gen Kuß Euch an.[73]

MARIE ihn foppend.

Der Herr Franzos' küßt mich mit vielem Vergnügen,

's ist überhaupt ein feiner Mann.

IWANOW seine Würde vergessend, will auf sie zu.

Du!

MARIE.

Majestät?

IWANOW faßt sich, für sich.

Da seht doch, da seht doch die Duckmäusrin an.

BEIDE.

Wart nur! Später werd ich's dir gedenken,

Was ich jetzt leide; die Spielerei

Werd ich dir niemals schenken.

Wart nur! Ist nur die Stunde erst vorbei;

Teuer sollst du mir bezahlen,

Darauf setze ich mein Leben ein;

Und sollte auch das Ende unsrer vielen Qualen

Der Anfang des Glückes sein.

Marie geht ab.

Iwanow will sich nach der andern Seite entfernen.

Zar tritt ihm entgegen.


Quelle:
Albert Lortzing: Zar und Zimmermann. Stuttgart [o. J.], S. 72-74.
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