An Philomele

[850] Tonleiterähnlich steiget dein Klaggesang

Vollschwellend auf, wie wenn man Bouteillen füllt:

Es steigt und steigt im Hals der Flasche –

Sieh, und das liebliche Naß schäumt über.


O Sängerin, dir möcht ich ein Liedchen weihn,

Voll Lieb und Sehnsucht! aber ich stocke schon;

Ach, mein unselig Gleichnis regt mir

Plötzlich den Durst und mein Gaumen lechzet.


Verzeih! im Jägerschlößchen ist frisches Bier

Und Kegelabend heut: ich versprach es halb

Dem Oberamtsgerichtsverweser,

Auch dem Notar und dem Oberförster.


Quelle:
Eduard Mörike: Sämtliche Werke in zwei Bänden. Band 1, München 1967, S. 850.
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