Sonnenschein

[246] Wenn auf der spiegelklaren Fluth

Der goldne Strahl der Sonne ruht,

Springt 's Fischlein selig in die Luft

Und schnappt nach rothem Abendduft,

Und es kräuseln sich plätschernd die Wogen.


Wenn ich dein helles Auge seh',

Wird 's Herz mir in der Brust so weh,

Und möcht' mit einem Sprung heraus

Aus seinem stillen, dunkeln Haus,

Sich zu sonnen in deinen Strahlen.


Dein liebes Antlitz merkt es nicht,

Es scheint, so wie der Sonne Licht,

Ob es auf Wogenspiegeln ruht,

Ob unter ihm sich hebt die Fluth,

Ob Herzen und Fischlein springen.


Quelle:
Wilhelm Müller: Gedichte. Berlin 1906, S. 246.
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