Achter Auftritt.

[54] Die Vorigen. Capitain.


CAPITAIN. Alles so weit in Ordnung; nix vor Ungut, Herr Knorzheimer!

KNORZHEIMER. Bitte. –

LIESCHEN. Hot mer die Spur?

CAPITAIN. Gottlob ja – nach Fribberg –

LIESCHEN. Is dann Jemand nach?

CAPITAIN. Ja hehr nordst! Wie ich zum Herrn Postmähster komme bin, do hab ich em die Sach verzehlt un hawem die Perschone beschriwe. Dodruff sagt mer der Herr Postmähster, so gege Elf Uhr gestert Awend, wehr e Offezier mit er verschleierte Mamsell komme, der het e Kutsch nach Fribberg verlangt, un korz, aller Beschreiwung nach – warn se's. Ich besinne mich hin – ich besinn mich her, was ze duhn wehr, endlich sacht ich zum Herr Postmähster: Spanne se e Kutsch nach Fribberg ein, Herr Postmähster, sacht ich –

LIESCHEN. No un?

CAPITAIN. Um Gotteswille, was wolle se mache Herr Kabbedehn, seegt der Herr Postmähster, wollen Sie vielleicht Ihr selbsteige Persohn um so e osig Medge in Gefahr sterze – Nein, doderzu rothe ich Ihne net, segt der Herr Postmähster. Sie hawe recht, sacht ich; ich wähs was ich duhn, sacht ich.

LIESCHEN ungeduldig. No, was hawe se dann gedahn?

CAPITAIN. Nordst Geduld! de sollsts erfahrn – un de werscht mein Anstalte bewunnern. Ich laafe gleich zum Herrn Eppelmeier, stell em die Sach vor un sag em: er wehr der Mann dervor, weil er e Gelähtsreiter is, un wie ich en uff alle Art un Weiß gebitt hab, se segt er endlich: Ja! zieht sein Schorzfell aus, duht sein Gelähtsreidermundur an, sein Fra berscht se'm aus, schnallt sein Säbel an, leßt den Fuchs sattele, un will fort;[55] da sag ich awwer, Herr Eppelmeier, Sie misse Beistand hawe. Ich laafe gleich gegeneriwer um Herrn Bierbrauermähster Bittersalz, der leßt sogleich sein Rapp aus dem Rollwage spanne – es werd em e Sattel uffgelegt; des Millerche schnallt e paar Sporn an, mecht sich e Peif an, – un fort wehrn se alle bähd –

KNORZHEIMER. Ich hab's jetzt eweck! – Ich laafe an's nei Dohr, ich muß se komme sehn – Ab.

CAPITAIN. Herr Vetter halte se, Bst! en Ageblick! Er is gar net mehr ze halte.

KNORZHEIMER vor der Thür. Ihne, Junfer Liesi, wärn ich noch e angenehmer Bott wärn, ich losse mersch net nemme.

LIESCHEN. Des is nu wohr Vatter, ihr Anstalte hawe se gut gemacht.

CAPITAIN. Des Scheenst is, daß wann er sche net gutwillig eraus gibt, daß do Gewalt gebraucht werd. Sie sein jo doch selt zwet. Jetzt, Liesi muß ich mersch uff die Strawatze e bißi kommod mache. Hol mer en Schoppe Wein un e bißi was ze krustelire, un breng mersch in mein Stub.


Lieschen ab.


Quelle:
Carl Malß: Volkstheater in Frankfurter Mundart. Frankfurt a.M. 31884, S. 54-56.
Lizenz:
Kategorien: