Das achte Capitel.

Von etlichen Articuln und Puncten, welche der Geist dem D. Fausto vorgehalten hat.

[112] AUf sothanen Vorschlag deß Satans antwortete D. Faustus, er solle ihm nur sein Begehren eröffnen und vorhalten; der Teuffel spricht, so schreibe sie denn von Wort zu Worten auf, und gib alsdenn hierauf richtigen Bescheid, es wird dich nicht gereuen. Ich will dir hiermit fünff Articul vorschreiben, nimst du sie an, wol und gut, wo aber nicht, solst du mich hinfüro nicht mehr zwingen zu erscheinen, wenn du auch gleich alle deine Kunst zu raht ziehen, und dich deren gebrauchen würdest.

Also nahm D. Faustus seine Feder zur Hand, und verzeichnete solche, wie folget:

[59] I. Er solle GOTT und allem himmlischen Heer absagen.

II. Er soll aller Menschen Feind sein, und sonderlich derjenigen, so ihn seines bösen Lebens wegen würden straffen wollen.

III. Clericis und Geistlichen Personen solle er nicht gehorchen, sondern sie anfeinden.

IV. Zu keiner Kirche gehen, die Predigten nicht besuchen, auch die Sacramenta nicht gebrauchen.

V. Den Ehestand hassen, sich in denselben nicht einlassen, noch verehlichen.

Und wenn er diese fünff Articul und Puncten wolle annehmen, so solle er sie zur Confirmation mit seinem eigenen Blut bekräfftigen, und ihm eine Obligation, mit seiner eigenen Hand geschrieben, übergeben, alsdenn wolle er ihn zu einem Mann machen, der nicht allein allerhand erdenckliche Lust und Freude haben, und die Zeit seines Lebens über geniessen solle, sondern auch das seines gleichen in der Kunst nicht seyn werde.

D. Faustus sasse hierüber in sehr tieffen Gedancken, und je mehr und öffter er diese greuliche und Gottsvergessene Articul übersahe und überlase, je schwerer sie ihme zu halten[112] fallen wolten: jedoch bedachte er sich endlich, und gedacht bey sich selbst, alldieweiln doch der Teuffel ein Lügner seye, und ihme schwerlich alles das jenige, wornach etwan seinem Hertzen verlangen würde, seiner Zusage nach, schaffen und zu wege bringen solte, so wolle er auch alsdenn noch wol anders Sinnes werden.

Und wenn es ja mit der Zeit dahin käme, daß er ihn, als sein wahres Unterpfand, haben und hin[60]nehmen wolte, so wolte er wol beyzeiten ausreissen, und sich wiederum mit der Christlichen Kirchen versöhnen: Würde ihm denn über alles Verhoffen, die Zeit und Raum zu kurtz, sich zu bekehren, so habe er gleichwohl nach seines Hertzens Lust und Begierde in dieser Welt gelebet: Halte der Geist etwan in einem und andern keinen Glauben, laut seiner Zusagung, so seye er ihm auch hinwiederum nicht Glauben zu halten schuldig. Derohalben er folgender Gestalt geantwortet:

Mit deinen obschon wenigen Articuln und Puncten verursachest du mir, Geist, nicht geringe Bangigkeit; Jedoch alldieweil du von mir derentwegen eine runde Resolution haben willst, so nimm ich den ersten Articul an, dieweil ich doch jederzeit an der Auferstehung der Todten gezweiffelt, noch anjetzo ein Jüngstes Gericht glaube.

Der andere Articul will mir etwas schwerer fallen, daß ich aller Menschen Feind seyn solle; daraus denn folgen müste, daß ich auch die jenigen hassen und anfeinden solte, die mir niemals Leides gethan hätten? So habe ich ja jederzeit die Beywohnung der Leute geliebet, und kan deren nicht wol entberen oder entrahten: mit wem hätte ich sonst meine Freud und Ergötzlichkeit? Dieses aber will ich wol zusagen und versprechen, wer mich wird anfeinden, und mir übel wollen, dessen Feind will ich sein und bleiben. Begehrte derohalben, man solte ihm diesen Articul zu seiner Willkühre und Gefallen anheim stellen, er würde sich schon hierinn vorzusehen wissen.

Was aber den dritten Articul belangte, sagt er, so sey er allezeit vorhin ein Pfaffen-Feind gewesen; zu [61] dem Ende auch und wegen der wenigen Zuneigung darzu, habe er von der Theologia gäntzlich abgelassen.[113]

Den vierdten Articul köndte er auch wol halten; er achte doch ohne das nicht viel auf die Predigten, noch andere Ceremonien und Sacramenta der Kirchen, da wolle er gute Gewerschafft thun, deren müssig zu gehen.

Letzlich, daß er den Ehestand vermeiden solle, dessen trage er ja noch allerley Bedenkens; doch gleichwol wenn er betrachte, daß in dem Ehestand allerhand Creutz, Unruhe, Sorgen, ewige Verbündniß, und offtmals deß Weibes böse Sitten und Untugenden vorfallen, habe er nicht Willens sich zu verehlichen: er könne sich doch wol mit Köchinnen und Concubinen behelffen.

Auf welche deutliche Erklärung, hat der Geist nichts weiter eingewendet, sondern geschwiegen, und diesen Bescheid ertheilet: So komme dem, so viel dir immer müglich ist, nach, aber deine eigene Handschrifft mit deinem Blute bezeichnet, wirst du mir geben; stelle es also an, und lege sie auf den Tisch, so will ich sie holen.

D. Faustus antwortet, wolan es ist gut: aber eines bitte ich dich zur Letze, daß du mir nicht mehr so greulich, und in jetziger Gestalt erscheinen wollest, sondern etwan in eines verkleideten Menschen Gestalt: welches denn der Geist dem Fausto zu sagte, und also verschwande.


[62] Anmerckung.

I. Hilff lieber Gott, welch ein grosser und abscheulicher Greuel ist dieser, daß dieser elende Mensch in solche teuffelische Articul und Puncten einwilliget, und sich also wider GOTT, Engel und Menschen, wie auch wider besseres Wissen und Gewissen, mit seinem und aller Menschen, ja GOttes und der heiligen Engel abgesagtem Feinde verträget, und in eine verdammliche Bündniss einlässet: es muß ja ein Christliches Hertz ob dieser dem Original gemässer Erzehlung erzittern und erstaunen.

Also nemlich und solcher Gestalt gehet es, wenn man GOttes Wort fahren lässet, GOtt aus den Augen setzet, den H. Geist aus dem Hertzen mutwilliglich vertreibet, und seinem eigenen Gehirn, und fleischlichen Begierden und Lüsten immerdar folget, auch sich durch nichts, weder Warnen noch Straffen, nicht will einreden lassen.

Und diß ist eben die rechte und einige Ursach, warum dieser Mensch so tieff gefallen, ja in die ewige Verdammniß gefallen: denn[114] die Schuld ist nicht an GOtt, als wenn er ihn also hätte geschaffen und darzu versehen, darum er auch nicht anderst habe werden können, allermassen D. Faustus selbst hiervon also geredet.

Denn als er auf eine Zeit nebens etlichen Magistris, die ihn nach Gelegenheit wegen seiner beschryenen Zauberey und ärgerlichen Lebens-Wandel mit Guten straffeten, zu Tische sasse, und eben von-dergleichen Materie zu reden vorfiele, sagte er hierauf, daß der Mensch, nachdem als nemlich seine Materie und Wesen wäre, gut oder böse, bekehret oder nicht bekehret werden köndte. Denn so er, zum Exempel, von guter Materie herkommen wäre, so bliebe er auch, oder da er schon verführet worden, köndte er leichtlich wiederum zum Guten gebracht werden; da im Gegentheil, so er aus einer bösen Materie entsprossen, köndte er nimmermehr zum Guten bekehret werden.

Er von sich selbsten müsse ihnen doch bekennen, wäre ja wol einer halb guten Materi, jedoch wäre dagegen die böse Materi bei ihme gantz und voll, und wäre mit ihm gleichwie mit einem guten Gewächse, welches gerne heraus schlagen, und gute Früchte tragen wolte, köndte aber vor dem täglich wachsendem Unkraut nicht wachsen noch zunemen, sondern müste ersticken: also auch hätte es eine Bewandniß mit ihme, [63] denn was anfänglich Gutes an ihme gewesen, das wäre nunmehr bey ihm ersticket, um daß seine böse Materie über Hand genommen hätte, u.s.w.

Diß ist aber eine erdichtete, falsche, böse, ja Gotteslästerliche Meinung; nach welcher auch folgen müste, daß Pharao, Saul, Judas, Ahitophel, und andere, seyen von böser Materie gewesen, darum so habe es also und nicht anderst seyn müssen zu ihrer Verstockung und Verzweifflung: da hergegen David, Petrus, Maria Magdalena, der Schächer am Creutz, und viel tausend andere gefallene und widerum aufgerichtete Sünder, von halb böser Materie müssen gewesen seyn, über welche die gute Materie habe die Oberhand gewonnen, derohalben so seye auch etwas Gutes daraus herkommen, und haben bekehret werden müssen.

Behüte Gott jedermann durch seinen Heiligen Geist für solcher Unsinnigkeit! Faustus solte dem Heiligen Geistes-Trieb, und dem Wort Gottes gefolget, auch wider solch Eingeben deß Satans emsig gebetet, und denn den Heiligen guten Geist nicht also vorsätzlich von sich vertrieben haben, so wäre er ohne Zweiffel durch die Gnade und Barmhertzigkeit GOttes erhalten worden. Aber da da hat es gefehlet. Darum ist er auch also tieff in den Abfall, um GOtt, und alle seiner armen Seelen Wolfart und Seligkeit kommen.


II. Zum andern: Ob zwar etliche seynd, die nicht gestehen wollen, daß Zauberer und Hexen wahrhafftig GOtt absagen, und mit dem Teuffel[115] einen Bund machen, und das, was zwischen dem Satan und den Menschen hierinnen vorgehe, nur eine Conventionem ex dolo factam, eine solche Vereinigung, darzu die Menschen durch Betrug gebracht werden, nennen, und sagen, sie sey ihnen zu verzeihen und zu gut zu halten; denn es könne der Teuffel mit ihnen keinen wahrhafftigen Bund machen, weil er keine Macht und Gewalt über die Menschen hab, habe auch keine Rede und Sprach, damit er was von ihnen begehren und fordern, und hinwieder ihnen verheissen köndte, so seyen auch die Sachen und Stücke, in welchen sie sich miteinander verbinden, so schwer, so gottlos und schändlich, daß kein vernünfftiger Mensch sie begehren oder thun solte: jedoch aber so ist dieses Einwenden von so grosser Wichtigkeit nicht, (schreibt gar recht und wol B. M. Waldschmid, Python. Endor. p. 70.) daß um deß willen kein wahrhafftiger Bund zwischen ihnen solte oder köndte gemacht wer[64]den; denn obwol der Teuffel keine Macht oder Gewalt über die Menschen hat, so nimmt er ihme doch, wenn es ihm GOtt zulässet, grosse Macht und Gewalt über sie, und hat sie an seinen Stricken, daß sie von ihme gefangen sind zu seinem Willen, 2. Timoth. 2. v. 25. Und ob er zwar naturaliter und von Natur keine Sprach und Rede hat, die ihm natürlich wäre gegeben worden, so gebrauchet er sich dennoch derselben, wie aus dem Fall Adams und Evæ, Genes. 3. aus der Histori Hiobs, Cap. 1. und 2. und den Versuchungen, damit er dem HErrn Christo zugesetzet hat, Matth. 4. offenbar ist.

Ferner, so können auch die schwere, gottlose und schändliche Stück und Sachen, darüber der Bund aufgerichtet wird, denselben nicht hindern, denn was den Menschen zu schwer ist, das kan der Teuffel nach seiner grossen Macht ins Werck setzen. Oder wenn es von ihme nicht geschihet, oder er es auch nicht thun kan, so unterlässet er es mit Fleiß, zu dem Ende, daß er der Menschen damit spotte, und mit seinen Lügen äffe. Was gottlos und schändlich ist, hält auch die Menschen so wenig von solchem Bund ab, als wenig die Abscheulichkeit deß Mords, Diebstals, Ehebruchs, Mörder, Diebe und Ehebrecher davon abhält.

Um deß willen kan nun derjenigen Meinung nicht bestehen, die nicht zugeben wollen, daß ein warhafftiger Bund zwischen dem Teuffel und den Zauberern und Hexen aufgerichtet werde.

Die gantze Sach bestehet in Facto, daher ist hierinnen den Zauberern und Hexen billich zu glauben, welche bekennen und gestehen, wenn sie eingezogen werden, daß sie einen Bund mit dem Teuffel gemacht haben. Und seynd auch nicht allein aus den Patribus, Cyprianus und Augustinus dieser Meinung, daß ein solcher Bund zwischen ihnen[116] aufgerichtet werde, sondern es hat auch sol ches Grund und Beweis in heiliger Schrifft selbsten. Denn so lesen wir im 5. Buch Mos. im 18. Cap. v. 11. Es soll unter dir, Israel, nicht gefunden werden maleficus, jungens junctionem, oder percutiens consociationem, der einen Bund machet, oder sich in einen Bund verbindet, mit den unreinen Geistern; wormit denn auf diesen teuffelischen Bund gesehen wird.

Es bestehet aber dieser Bund, nach der Zauberer und Hexen gethanen eigenen Aussage und Bekenntniß darinnen, daß I. ein Mensch, der den Bund mit dem Teuffel aufrichtet, [65] GOtt seinem Schöpffer absagt, den HFrrn CHristum verläugnet, seine Wohlthaten verfluchet, schändet und lästert, auch die wahre Christliche Religion und Glauben verschwöret und dargegen all sein Vertrauen auf den Teuffel setzet, seinen Befehl und Willen stets vollbringet, Gottes Creaturen und Geschöpffe zum Schaden und Verderb der Menschen gebrauchet, auch sich dem Teuffel mit Leib und Seele zu eigen ergibt. II. Muß er dieses, wenn er nicht schreiben kan, mit einem Eidschwur, durch eines andern bekandten Teuffels Namen, oder wenn er schreiben kan, mit eigener Handschrifft, die auch wol mit seinem eigenen Blut von ihm geschrieben werden muß, bekräfftigen, und solches entweder auf gewisse Zeit und Jahre, oder die gantze Zeit seines Lebens, die der Mensch zu leben vor sich hat. III. Wenn etwan der Teuffel besorget, es möchte der Mensch, als sein Bundsgenoß, wieder wendig werden, und von ihm abfallen, so macht er ihm ein Stigma oder Merckmahl an den Leib, ihn damit dieses Bunds und deß versprochenen Dienstes stets zu erinnern, und zur Beständigkeit anzumahnen; und solches Merckmahl pfleget er ihm zu machen entweder an oder hinter den Ohren, oder wo er son sten will, zwischen den Leffzen, oder unter den Augbrauen, oder auf der rechten Achsel, oder unter der Achsel, oder an der Brust, oder auf dem Rucken, oder Hüfften, oder heimlichen Oertern, welches Merckzeichen sich findet, wenn man ihn ausziehet. Und ist der Ort, da dieses Merckzeichen ist, ein wenig erhaben, und wegen der Narben etwas hügelicht, auch gantz ohne Blut und unempfindlich, daß ein solcher Mensch daran nichts fühlet, wenn gleich mit Nadeln darein gestochen wird. Daher auch erfahrne Scharffrichter am ersten nach solchen Merckzeichen fragen, dieselbe suchen, und damit die Tortur gemeiniglich anfangen, wie Bodinus schreibt l. 2. Dæmonom. c. 4. Teutsch. p. 100. meldet aber doch auch dabey, daß der Teuffel dieses Merckzeichen an Zauberern und Hexen bisweilen hinweg und ausgethan habe, damit sie bey und an derselben nicht möchten erkant werden. IV. Geschihet auch dieses, daß zu Bekräfftigung dieses Bunds, Zauberer und Hexen sich im Namen deß Teuffels tauffen lassen, auch andere Namen darbey empfangen[117] daß also ein Zauberer zween Namen hat, nemlich seinen ersten Tauffnamen, darnach seinen Zaubernamen. V. Verspricht dagegen der leidige Teuffel ihnen auf ihr Ansuchen stets Hülffe zu leisten in allen Nöthen, auch [66] Rath und That in allen Sachen zu geben, ihnen allerley Wollust, auch Reichthum, Geld und Gut, ohne ihre Arbeit, zu verschaffen, erbeut sich auch ihr leibeigener Knecht zu seyn, ihren Willen in allem zu thun, und fleissig zu verrichten, was sie ihm werden befehlen. VI. Wenn dieses alles richtig gemacht und verglichen, so lehret er alsdenn einen solchen Menschen selbsten, oder sonsten durch seine Werckzeuge, allerley Mittel zur Zauberey zu gebrauchen, sie zu machen, und auf mancherley Weise damit Schaden zu thun, u. d. g. In diesen Stücken nun bestehet der Bund selbsten.

Damit aber derselbe desto mehr steiff und fest auch unverbrüchlich gehalten werden möge, als pfleget auch der Teuffel seine Zusammenkunfften fleissig mit den Zauberern und Hexen anzustellen, solchen Bund immer mit ihnen zu verneuren und zu bestättigen; zu welchen Zusammenkunfften er sie pflegt abzuholen, und sie durch die Lufft hindurch zu führen.


III. Letzlich, so jemand allhie fragen wolte, ob solcher Bund mit dem Teuffel wiederum könne gebrochen, aufgelöset und umgestossen werden, Deme antwortet Herr Freudius, in seinen Gewissens-Fragen von Zauberey, p. 47. aus Prætorii gründlichem Bericht von Zauberey p. m. 79. et seq. Daß zwar erstlich gesagt wird, die Hexen und Zauberer haben mit dem Teuffel einen Bund gemacht: der Bund mag unter andern darinn bestehen, dass er ihnen rahten und gebieten solle, so wollen sie seinem Raht und Befehl folgen, und den vollbringen mit allem Fleiss.

Es ist aber ein schröcklicher, unbilliger, ehrloser und schändlicher Bund und Vertrag, und kaum deß menschlichen Namens werth, der sich also verbindet. Wenn es nun jemand gereuet, und folget nicht, bleibt denn auch der Bund bestehen? ich achte, er sey gebrochen, und möchte derwegen, der vor im Bund gewesen, sich nun wiederum begeben in einen andern Bund, nemlich in den Bund GOttes. Und daß solche einen Zugang wiederum zu GOtt haben können, ist daraus offenbar, daß der Herr selbst die Spötter, welche in deß Todes Bund und im Verstand mit der Höllen noch sicher blieben, und trotziglich fortfuhren, zur Buß ermahnet, darbey denn Verheissung der Gnaden allezeit verstanden wird, wie zu lesen beym Esaia im 28. v. 14.

Zum andern wird gesagt: Sie haben sich dem Satan ergeben, solches kan ihnen nicht vergeben werden; ich antworte: [67] Niemand kan eines andern Gut vergeben, welches so wahr, und von Natur so[118] bekandt, dass auch alle Verheissung derer Dinge, die nicht in deß Verheissenden Gewalt stehen, in Käiserlichen Rechten unnütz genennet werden, Instit. Justin. lib. 3. tit. 19. Ein Vatter kan seiner Tochter, ein Mann seines Weibes, und ein Hausherr deß Gesinds Gelübd und Verbündniß, das sie GOtt dem HErrn selbst gethan, bekräfftigen oder umstossen, und wills GOtt selbst gut heissen, 4. Buch Mos. 30. v. 4. Nun seynd ja alle und jede, böse und gute Menschen, nicht ihrer selbst sondern GOttes mit Leib und Seelen erblich eigen, und unmittelbar unterworffen: Er hat sie geschaffen, ernähret und erhalten; derowegen hat solches der Hexen ergeben keine Krafft, GOTT übergebe sie denn. Und wenn es schon Krafft hätte, und sie nun deß Teuffels eigen wären, könten sie denn nicht wiederum erlöset werden von der Höllen Gewalt? Wie sind wir denn daraus entgangen, die wir auch Kinder deß Zorns gewesen, und unter der Obrigkeit der Finsterniß, wie Paulus redet, zun Ephes. 2. und warum kan es ihnen nicht vergeben werden? Mangelts an der Allmacht und Güte GOttes? Du wirst das nicht sagen dürffen. Oder mangelts an ihnen, daß sie es nicht begehren? ich glaub es kaum; denn ihrer viel ruffen GOtt an, bitten um Gnad, und glauben Vergebung der Sünden: und die kan ihnen auch, wenn sie sich von Hertzen bekehren, wiederfahren.

Zum dritten wendet man vor: der Hexen Bund mit dem Teuffel sey mit Zeichen und gehabter Gemeinschafft bestättiget, und derentwegen unauflöslich. Ich antworte: Der Bund ist betrüglich, von denen, die ihrer selbst nicht mächtig, unordentlicher Weise, und zu verbottenem Ende aufgericht, und deßwegen an ihm selbst nicht bündig. Es stehet allein bey GOTT dem HERRN, ob Er deß Teuffels und der Menschen Bund will gelten lassen, oder nicht. Ihr Will gilt nichts ohn seinen Willen. Wenn nun GOtt dem Menschen Buß und Besserung, auch Hoffnung zu seiner Gnaden schencket, so hat Er den höllischen Bund umgestossen, daß er so wenig gilt, als wäre er nie gemacht. Der erste Glaub, den wir GOtt und unserm Erlöser JEsu CHristo, in der heiligen Tauffe versprochen, der gilt.

Zu dem hat auch der Teuffel selbst den Beding deß Bundes nicht gehalten, wenn er den Hexen Pferdmist, Scherben, Stein und Bein für Geld bringet, und sie in Noth stecken [68] lässet, wider seine Zusage. (Was für grossen Betrug der Teuffel mit dem Gelde treibe ist weltkündig, indem er seinen Leibeigenen dessen viel gibt, das aber zu Hause, und in dem Kasten zu Scherben, zu Kolen, oder gar zu Pferdmist wieder wird, wie es anfangs gewesen: Immassen D. Reinck. in Respons. de Sagis, bezeuget, wie sonderlich erhellen mag aus dem von ihme angezogenen Protocoll. de 23 und 24 die Jan. zu N: ihr Buhl, der verhaffteten[119] Dirne, bringe ihr Perlen und Gold, wenn sie es weg lege, sey es ein Knoche oder Strohalm.) Wo nun die Vertrags-Puncten nicht erfolgen, so ist der Vertrag selbst zerschnitten. Derowegen die Hexen aller ihrer Pflicht ledig und los seynd, wenn sie ihnen sonst nur wollen helffen lassen.

Die Zeichen, die an ihrem Leibe seyn sollen, bestättigen den Bund nichts. Denn die Bestättigung muß zu bey den Seiten, oder an beyder Partheyen geschehen; sie haben aber dem leiblosen Geist kein Gegenzeichen machen können.

Die Gemeinschafft der Hexen und deß Teuffels kan zweyerley verstanden werden: entweder vom Dienst und Nachfolge; oder vom Zechen, Tantzen und Buhlen. Sie kan aber die Buß nicht unmüglich machen, Jerem. 3. v. 1.

Ist also der Hexen Bund mit dem Satan auflöslich, und kan ihnen, nach deß HErrn gnädigem Willen, Buß und Seligkeit wiederfahren.

Soll derowegen niemand den armen Teuffels- und Menschen-gefangenen Leuten die Seligkeit so liderlich absprechen, und zur Verzweifflung Ursach und Anlaß geben: sondern vielmehr das Gericht dem gerechten Richter heimstellen, die betrübten Hertzen trösten, die Kleinmütigen stärcken, die Zerschlagenen verbinden, den Verzagten GOttes Hülffe verkünden, und dahin brüderlich arbeiten, daß sie ihre Sünde recht erkennen und beweinen, mit hertzlichem Vertrauen auf die Barmhertzigkeit GOttes, in seinem Sohn Christo JESU, u.s.w.[120]

Quelle:
Pfitzer, Nikolaus: Das ärgerliche Leben und schreckliche Ende deß viel-berüchtigten Ertz- Schwartzkünstlers Johannis Fausti [...]. Tübingen 1880 [Nachdruck: Hildesheim, New York 1976], S. 112-121.
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