69. Kleide die nackenden

[150] Wie kanst du dich so vberflüßig kleiden

Vnd treiben pracht/ du fauler erdenklooß?

Da vnterdes der arme nackt vnnd bloß/

Als wie ein wurm/ muss frost vnd kälte leiden.

Wie bist du doch so schrecklich vnbescheiden?

Wie denckst du nicht an den genaden schooß/

Den Lazarus (nach dem er frey vnnd looß

Den leib quittiert) besitzt mit trost vnd frewden:

Was schadt es jhm hie nackt gewesen seyn?

Was hilffet dort den reichen in der pein

Sein purpurkleid sein prangen pracht vnd pralen?

Drumb kleidst du dich/ so kleide Christum auch/

Bist du ein Christ. Das ist der Christen brauch.

Er wird es dir mit gnad' vnd danck bezahlen.

Quelle:
Deutsche Literatur, Reihe Barock, Erg.-Bd., Leipzig 1939, S. 150.
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