II.

[218] Aus dem Weingartenloche haben sich zwei Männer ein großes Vermögen herausgeholet, aber jedesmal einen dritten mit hineingenommen, den sie da geopfert haben und der von einem Hunde zerrissen ist. Sie sind nun elf mal im Weingartenloche gewesen und es hat keiner mehr mit hinein gewollt. Zuletzt hat sich doch noch ein Mann aus Osterhagen namens Schlosser gefunden. Der hat eine junge Frau gehabt, und weil jeder, den die beiden mit in das Weingartenloch hineingenommen haben, sich erst hat waschen und ein reines Hemd anlegen müssen, so hat die Frau ihm, ohne daß er es gewußt hat, in das Hemd Dill, Dust und Allermannsherrnkraut genähet und hat ihn das anlegen lassen. Nun sind die drei in das Weingartenloch gestiegen und als sie ans Ende des großen Raumes gekommen sind, hat da ein großes Wasser gelegen, darüber hat eine steinerne[218] Brücke geführet. Als sie über die Brücke gegangen sind, kommen sie an eine eiserne Thüre und gelangen von neuem an eine Höhle, darin hat ein großer schwarzer Hund gelegen. Das ist der Teufel gewesen, von dem auch erzählet wird, daß er leibhaftig gleich hinter der Brücke sitze. Der Hund hat sie hingeführet zu den Gold- und Silbererzen und sie bedeutet, daß sie davon einpacken sollten, so viel sie möchten. Als sie nun ihre Säcke voll gehabt haben, wollen sie wieder den Mann, den sie mitgenommen haben, als Opfer zurücklassen. Allein weil in dessen Hemd die Kräuter eingenähet sind, so sagt der Hund: an dem hätte er keinen Teil. Da müssen die beiden dreimal unter sich losen, und dreimal trifft den einen von ihnen das Los. Da ergreift ihn der Hund und reißet ihn voneinander, und dabei hat die ganze Höhle gezittert und gekrachet. Die beiden andern sind mit ihren Schätzen davongezogen, haben aber nachher die eiserne Thüre nicht wiederfinden können, weil der, dem der Hund das zwölfte mal geöffnet hat, allein den Spruch gewußt hat, vor dem die Eisenthür aufgegangen ist.

Quelle:
Heinrich Pröhle: Harzsagen, zum Teil in der Mundart der Gebirgsbewohner. Leipzig 21886, S. 218-219.
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