I. Von Astrologischen Menschen.

M. Christian Grüneberg / im Schreib. Calend: 1667. zu Alten Setin gedruckt / part. 2. cap. 2. Es hat sich Herr Concius / vornehmer Profeßor Königsberg in Peußen / oftmals bey M. Fuhrman desfals Raths erholet / und unter andern zur Antwort erlanget: Daß die Sternen nicht allein Zeichen wären / bey welchen man vermuthlich sehen könne / was dem Menschen vorhalte: sondern daß sie auch starcke Würckungen in den Menschen haben / und das jenige durch ihre Kraft zu wege bringen / was ihre Aspecten andeuten / und daßelbe geschehe folgender massen: Der Mensch bestehe aus 3. Stücken / aus Seele / Leib und Astralischen oder Siderischen Geiste. Wenn nun die Strene etwas würcken wolten und solten / es sey gutes oder böses / so könten sie der Seelen nicht beykommen; weil dieselbe viel subtiler / alß die Sterne / und daher ihrer Macht nicht achte: dem Leibe könten die Sterne wol etwas anhaben / weil derselbe viel gröber / als die Sterne; aber das sey zu wenig: Sintemal die Laster u. Tugendē in d' Seelen ihrē Sitz nehmen / und in dieselbe müssen gepflantzet werden. Derowegen habe Gott der Herr dem Menschen / ohne[1] Seel / u. Leib / noch eine Astralischen Geist verliehen / der etwas feiner sey / als d'Leib / unn etwas gröber als die Seele / also dz der den Sternen näher verwandt / alß die Seele / unn der Seelen näher alß die Sterne. Wenn nun die Sterne etwas in den Menschen zu wege bringē woltē / so rührete sie erstlich diesen Geist / derselbe aber theile die empfangene Kraft d' Sternen der Seelen / und dem Leibe mit; und also geschehe es / daß die Sterne / durch Hülffe des Astralischen Geistes / Laster und Tugend / wie auch Glück und Unglück zu wege brechten / welches sie ohne diesem Geiste nicht vermögten. Seine (Herr M. Fuhrmans) eigene Worte lauten hiervon also: Die Seele finde ich / daß sie sey ein über natürlich / und unverlöschlich / herrlich Licht GOTTES / dazu erschaffen / daß sie den Organischen Leib soll bewohnen / völligen / regieren / und mit demselben den Menschen machen / daß edle Geschöpfe / zu der Allerheiligsten Dreyfalltigkeit ewigen Lobe. Denn Leib er kenne doch / daß er sey zu gleichem Ende vom Höchsten bereitet / aber aus einer viel schlechtern und unedlen Materien / nehmlich aus den irrdischen / zerstörlichen und vergänglichen Elementen. Weil nun diese Zween gantz ungleiche wesen sind / daß fast in der gantzen Natur nichts ungleichers mag erfunden werden: Alß hat GOtt / nach Seiner Weißheit / das dritte hinzu gefüget /[2] welches beider Naturen verwand / nehmlich den Himmlischen und Astralischen Geist / welcher zwar auch ein Licht ist / eben so wohl als die Seele: Aber nicht ejnsdem speciei / sed generis: Nicht derselben Gattung / sondern etwas gemeiner. Kommt auch in dem Leibe über ein / daß er etwas elementarisches in sich hat / aller Elementen Natur theilhaftig; Doch mit diesem Unterscheide / daß die Elementen / so dem Firmamentischem Lichte eingepflantzet / gar rein / subtiel / behende: Die aber / woraus der Leib bestehet / gantz grob / finster und dicke. Dieses Aetherische Licht / participans naturam animae et corporis / ist das rechte Band / womit Leib und Seel zu einem vollkommnenen Wesen vereiniget werden / und vermittelst dessen die Seele / intima περιχωρή, Den gantzen Leib und alle Partheyen / des Leibes durch gehet / erfüllet / bewohnet. etc. Die übrigen Worte beliebe der Geehrte Leser selbst nach zu lesen / in seinem Calender Anno 1662. Hilff Ewiger GOTT! Ein Prediger / ein Evangelischer Prediger / scheuet und schämet sich nicht / solche ärgerliche Verfluchte Meinung in offentlichen Druck heraus zu geben; Welche das Fundament aller Zauberey ist / so in Cornelio Agrippa befindlich und dadurch einfältige Hertzen von Gotte und seinem heiligen Worte[3] abgeführet und dem Sathan / und seinem höllischen Reiche zugebracht werden. Denn daß ich anitzo nit gedencken möge / daß es plump genug philosophiret sey / wenn Herr M. Fuhrmann die Seele ein natürlich Ding nennet / welche doch forma et altera pars corporis naturalis humani ist / wie der schlechteste Baccalaureus besser verstehet / alß dieser alter Magister. Ja / daß ich auch unberühret lasse / wie unrecht er daran sey / daß er vermeinet / die menschliche Seele werde nicht gezeuget sondern erschaffen; sintemahl vorhin bekant / daß dieses dem Articul von der Erbsünde zu gegen lauft / und dergleichen Meinunung auff reiner Lutherischen Academien nicht geduldet wird / wil ich nur dahin einig und allein bemühet seyn / daß ich zum Beschluße dieses Capitels / folgende drey nöthige Fragen abhandele: (1.) woher M. Fuhrman diese Meinung vom Astralischen Geiste genommen? (2.) was vor Blasphemia und Gottes lästerungen darin enthalten? (3.) was mich bewogen wieder ihn zu schreiben? Es hat aber Herr M. Fuhrman gedachte seine Meinung nicht aus der Heiligen Schrifft / denn wenn dieselbe Gen. 11/17. die Erschaffūg des Menschen erzehlet / spricht sie: Gott machte den Menschen aus einen Erden Kloß und er bließ ihm ein den lebendigen Oden / und also ward der Mensch eine lebendige Seele. Da zwar des Leibs und der Seelen / aber[4] des Astralischen Geistes mit keinem Worte gedacht wird. So stehet auch kein einiger Titul hievon in der gantzen heiligen Schrifft. zwar Ebr. 4/12. wird vom Worte Gottes gerühmet / daß es scheide Seel und Geist. Es ist aber bekant / daß alle Theologi durch den Geist die Facultates animae verstehen. Wil sonst mit grossen Verlangen erwarten / ob Herr M. Fuhr man allen Theologis sich zu opponieren und aus diesem Spruche seinen Astralischen Geist / oder Gespenst / zu defendiren belieben werde. Und er benenne mir einen Spruch der H. Schrifft / in welcher vom gedachtem Geiste stehe. (1.) daß er Astralisch sey. (2.) daß er aus Elementen bestehe. (3.) daß er ein Lichtlein sey. (4.) daß er der Seelen und dem Leibe verwandt sey: kan er das nicht thun / wie es ihm in Ewigkeit unmüglich bleibet: so bleibts dabey / daß er seine Meinung von dem Astralischen Gespenste nicht aus der heiligen Schrifft genommen. So rühret sie noch viel weniger aus der Philosophia her: Dan ob gleich dieselbe nicht anders dafür halten kan / alß dz der Mensch von einem Geiste müsse regieret werden: So kan sie doch nicht erfahren / ob derselbe Geist unsterblich sey? Daß aber zwey Geister im Menschlichen Leibe / und der eine geringer sey / als der ander / und aus Elementen bestehe; Darüber mögte ich Herrn M. Fuhrmans Philosophiam wohl anhören. Ich[5] beruffe mich indeßen auf den Consens aller Philosophen / das die Philosophia von gedachten Spöckniß nichts wisse. In warheit aber hat er übel gedachte Meinung gezogen u. gesogen aus dē Cornelio Agripa / welcher 3. Leichtfertige Bücher de occulta Philpsophia geschrieben / und einer von den aller grössesten Zauberern gewesen / so jehmahls unter dem Himmel gelebt. In denselben Büchern finde ich die opinion vom Astralischen Brombart oder Gespenste fast von Worte zu Worte. Denn lib. 3. cap. 37. spricht er: Anima humana est Lux quaedam divina etc. Hace immediate. Deo procedens per media competentia corpori huic jungitur crassiori. Unde primo quidem in ipso descensu COELESTI Acreoque involvitur Corpusculo quod aetherum animae vehiculum vocant. etc. Ita patet / quomodo immortalis anima per immortale corpusculum / videlicet aethereum vehiculum / corpore clauditur crassiore et mortali. Aber libr. 1. Cap. 14. macht ers noch deutlicher: Cum anima primum mobile sit / et / ut dicunt / sponte et per se mobile; Corpus vero vel materia per se ad motum inefficax et ab ipsa anima longe degenerans: Ideireo ferunt opus esse excellentiori medio seil. quod sit qv. non corpus et jam qu. anima / sive qu. non anima et qu. jam corpus / quo vide: etc. Talis igitur spiritus necessario[6] requiritur / tanquam medium / quo animae celestes insint corpori crassiori. Libr. 3. c. 22. spricht Er / Daemon geniturae / qui et genius dicitur / a mundi dispositione siderumque circuitibus / qui in generatione versantur descendit. Hunc sunt qui opiniatur animam / jam in corpus descensuram / e Daemonum choro custodem sibi naturaliter secernere / nec tam eligere sibi hunc ducem / quam vicissim etiam ob illo adoptari in tutelam. Hic exeqvutor vitae ac custos cam (animam.) corpori conciliat. Herr M. Fuhrman sagt (1.) Der Mensch habe ohne Seel und Leib noch eien Geist. (2.) Derselbe Geist sey Astralisch. (3.) Er sey das Band / damit Seel und Leib vereinigt werden (4.) Er sey nebst der Seelen ein Licht. Und dieses lehret Cornelius Agrippa auch / daß also kein Zweiffel: Herr Magister Fuhrman habe seine vorgedachte Meynung aus demselben gefasset.

Wannen hero gewiß / daß dieselbe Meynung sehr gefährlich nnd GOTTES-lästerisch sey / Denn alles was der Teuffel aushecket / das ist Teufflisch: Wie man saget: Τοῦ κακοῦ καρακος, κακὸν ὠὸν: Der suchet nichts als der Menschen Verdammnis und GOTTES Unehr. Drümb wer sich denselben lehren lässet /[7] deß Leben müsse gottloß seyn / und sein Gebeth müße Sünde seyn; wünschet König David im 109. Ps. Cornelius Agrippa selbst bekennet / wer seine Bücher de occulta Philosophia lese und ihnen zufalle / daß derselbe ewig werde verlohren und verdammet seyn. Denn er hat nach derselben Zeit einen Tractat heraus gegeben / so er censuram seu Retraciationem de occulta Philosophia nennet / in welchem er also schreibet: De Magicis scripsi ego Juvenis adhuc libros tres / amplo satis voumine / quos de occulta Philosophia nunucupavi. In quibus quicquid tunc per curiosam adolescentiam erratum est / nunc cautior hac. palinodia recantatum volo. Permultum enint temporis in his vanitatibus contrivi. Tandem hoc profeci / quo sciam / quibus rationibus oporteat alios ab hac pernicie dehortari. Quieunq; enim non veritate / nec in virtute Dei ambulant / sed in elusione Doemonum / secundum operationem malorum spirituum divinare et prophetare praesumunt / etc. Omnes hi cum Joanne et Mambre et Simone mago aeternis ignibus cruciandi destinabuntur. Herr M. Fuhrman wolle doch die Worte Divinare et prophetare praesumunt fleissig betrachten / und ein paar mahl lesen. Damit er aber nicht meine / sie gehen ihn nicht an / weil dabey stehet / secundum operationem malorum spirituum / so mag er wissen / daß Cornelius Agrippa alle Astrologische /[8] Prognostica vō wilkührlichen Menschlichē zufällen nenne Divinationes secundum operationem malorum spirituum / oder mit einem Wort / Magistram. Denn im gedachten Tractatu spricht er kurtz vorher. Itaque ex his / quae dicta sunt / patet / non aliud esse magiam quam complexum idoloiatriae / Astrologiae / superstitosacque medicinae. Und wie sollte es nicht eine gefährliche Meinung seyn / was Herr M. Fuhrman aus dem Cornelio Agrippa von dem Astralischen Geiste vorgebracht? mögten doch einem Christen die Haare zu Berge stehen / wenn er höret /worzu Cornelius Agrippa dieselbe angewendet / und wie sie von demselben außführlich erkläret wird. Es ist aber kein Zweiffel / weil Herr Magister Fuhrman des Cornelii Agrippae Meinung hat / er werde auch ihre Erklärung belieben / welche folgende ist;


1. Wenn Cornelius Agrippa die Seele ein Licht nennet / so muß man wissen / daß er GOtt den Herrn auch ein Licht nennet: so wird demnach Herr M. Fuhrman dieses auch annehmen. Aber o wie abscheulich ist dieses! Freylich ist GOtt der Herr ein Licht / aber nicht also / wie Agrippa statuiret / daß die Seele und der Astralische Geist seyn portio essentiae divinae / ein Theil des Göttlichen Wesens. Denn so müste nothwendig GOTT mit Sünden beflecket seyn /weil die Seele damit bemackelt;[9] Ja wenn die Teuffel in der Höllen eine verdammte Seck peinigen werden / so müssen sie GOtt selbst quälen und marten.


2. Wenn Herr Magister Fuhrman sagt / daß der Astralische Geist aus Elementen bestehe / deßgleichen auch die Seele / so muß dieses aus dem Cornelio Agrippa lib. 1. cap. 8. Also erkläret werden:

Daß alle Dinge aus Elementen bestehen / nicht die Menschliche Seele allein.

Sondern auch die Engel und GOTT selbst; Nur mit dem Unterschied daß die Elementen / woraus GOTT bestehet / die aller subtilisten und die andern etwas gröber seynd.

Heisset das nicht die Ewigkeit GOTTES verleugnen?

Denn so GOTT der HERR aus Elementen bestehet / müssen dieselben ehe gewesen seyn / alß GOTT selbst.

Wo bleibet die Simplicitas DEI? Ja wenn GOTT der HERR auß Elementen bestehet / kan er wieder zu Flüssen und zu Elementen werden.[10]


3. Wenn Cornelius Agrippa einem die Zauberey bey bringen wil / und ihn fertig darinnen machen / so fordert er / daß einer dieses vor gewiß halten solle: Daß der Mensch einen Astralischen Geist habe.

Darnach: Daß derselbe eben so wohl alß der Mensche selbst seinen eigenen Nahmen habe / welchen man per Cabalam finden könte.

Wenn es nun so weit gekommen / so lehret er endlich / wie er entweder seinen eigenen oder seines Astralischen Geistes Nahmen mit zuthun der Tabulae Ziruph verbinden könne endweder mit der andern Astralischen Geister Nahmen / die droben bey den Astris oder Sternen sind / oder mit dem nahmen GOTTes.

Worvon er rühmet / welcher Mensch also mit dem Nahmen Seines Astralischen Geistes wisse zu verfahren / daß derselbe nicht alleine alles wissen könne / so er begehret.

Sondern könne auch Seine Gedancken andern Leuthen über viel hundert Meilen ohne Botten und Briefe offenbahren.

Ja er könne alles thun was er wolle. Er könne dadurch machen daß erleuchte / wie die Sterne am[11] Firmament; gibt dabey das Exempel vom Apostel Philippo / welcher so bald er den Eunuchum getauft / sey in Azota gefunden worden. Er könne durch verschloßene Thüren gehen; wie der Apostel Petrus; wie dieses alles libr. 3. t. 43. befindlich. Dieses aber ist das erschrecklichste / das er spricht / man könne auch dadurch GOTtes Sohn werden und Göttliche Wercke verrichten. Tum spricht er / in candem imaginem translati veri efficimur filii Dei Deoque similes / agentes et operantes opera Dei. Das lasset mir eine herrliche Meinung seyn / die einem Thēologo und Prediger wohl anstehet / auff welcher diese abscheuliche und vermaledeyete Gotts-Lästerung und Zaubereyen sich gründen! Herr M. Fuhrman sehe selber zu / ob er damit in den Himmel komme: Ich will nur alle fromme Christen treulich ermahnet haben / daß sie sich an desselben Prognosticis von Fried und Krieg nichts kehren / sondern / selbige vor Fabeln und Narrenpossen halten: Die Meinung aber vom Astralischen Geist / als gottloß und verflucht ihr lebenlang fliehen wollen; als welche nicht aus Gottes Wort / noch aus der Philosophia / sondern aus der Zauberey Cornelii Agrippæ / des Ertz-Hexenmeisters genommen ist / und ohn Gefahr der ewigen Seeligkeit nicht kan gut geheissen werden. (biß hie her jener Author / deme Ich verantworten alleine lasse / was er wieder seinen Antagonistan[12] fürbringet: darein ich mich nicht mischen will; sondern die Sache daher allhier nur habe wiederholen wollen; weil es eine besondere Art und Geschlechte der Menschen gleichsam zu seyn scheinet / wieder die alte Antropologie. Wolte man derentwegen solche beschriebene Menschen / die Astrologische nennen / so möchte es für dießmahl hin passiren. In übrigen aber muß dennoch gleich wohl der Author wissen / daß sein angefochtener nicht der erste sey / noch es so eben aus dem Agrippa müsse entlehnet haben / was er vom Spiritu Astrali auff dē Schauplatz bringet. Weiß er nicht / was Synesius vom Spiritu Phantastico schwatzet / damit unsere Seele solle gleichsam bekleidet seyn / und vermittelst welches umbpfanges allerhand impressiones geschehen möchten / alß da seynd die Nachtgesichter / etc? besiehe hier von gründlicher / mein vollständiges Traum-Werck. Und dieses were also schon eine Instantia Philosophica: darzu Ich den Comenium setze /welcher in Phys. Synop. c. 11. th. 2. 3. 4. den Menschen zusammen setzet aus corpore / spiritu sidereo und anima: seinen Beweißthumb bestätigend aus 2. Thess. 5/13. integer vester spiritus et anima et corpus servetur inculpate. Also werde auch 1. Corinth. 14/14. ein unterscheid gemacht zwischen Spiritum und mentem. Der gestalt daß die Seele und das Gemüthe aus Gott seyn; und der Leib aus denen Elementen[13] zusammen gesetzet sey / gleich wie auch der unvernünfftigen Thiere; Der Geist aber sey aus dem Spiritu mundi / gleich wie auch aller unvernünftigen Thiere. Besiehe dieses alles weitleufftiger aus mehren Philosophis beym Theologo / D. Joachim Lütkemanno in Tract. Phys. Theolog. de vero homine / und was er mit seiner weitleuftig erklärten unione naturali wolle. Item Magister Steckmann: de peste quaest. 13. pag. 117. ex Weigelii Postil. Dial. etc.

Und also wird der Author darinnen auch Genüge und vom Adsensu Theologico lesen und vernehmen. Ich lasse es alles miteinander nachmahl dahin gestellet seyn / und interponiere nicht so wohl meinen Ausschlag und Beyfall / alß daß Ich mir anderer Scribenten Meynung colligire: Denn das ist ohne daß in mehren Schrifften mein Propo / das Ich mich belesen in etwas erzeuge / und denen / so einen Mangel am Büchern haben / copiam oder einen Auszug gewisserer Dinge aus sehr vielen Authoribus mittheile. Begehrt einer auch meine eigene inventa zuvernehmen / so wird Er solche zur Gnüge antreffen / in meiner neuen Cornelischen Astrologie / und unvergleichlichen Traum Wercke.

Man mögte zu dieser Materie auch setzen / was beym Zeilero stehet / Tom. 1. Epist. 1. cont. 2.[14] pag. 294. Es finden sich solche Phantasten / die gewolt daß das Ey / aus welchem die Helena herkommen seyn solle / aus dem Monde herunter gefallen und daß die helenitische Weiber / Eyer legen / und das die Menschen / so daraus herkommen / vielmahl grösser / alß wier seyn / wie Caelius Rhodiginus lib. 27. antiq. leclion. cap. 17. p. 1042. aus Neocle Crotoniata / und Herodoto Heracleote hie von zu lesen / Von Anatagora schreibet Diogenes Läertius libr. 2. pag. m. 100. et 103. Wie er gesagt habe / daß im Monde / Wohnungen / Hügel / u. Thäler seyn / und dz der Himmel gantz aus Steinen gemacht were. Dz also / in Ansehung solcher vornehmer Leute / jenē Bauren! (J. B. Schuppius in Oratore inepto p. 14.) es wohl für gut zu halten / welcher / als er zu Pariß die Parlaments Herren einsmals beysammen sitzen gesehen / Ihr Rathhaus oder Palais einen Acker mit Zwiebeln angesöet / verglichē hat. (Es ist kein Ding so ungerenckt / so nit solle seinen Beyfall bekommen haben. Cicer. in Paradox. p. m. 228.) Vielleicht gehöret der Alcoranische Schwarm auch hierher darnach Malchorai / eine Geburt / bey Tage die Sonne / und bey Nacht der Mond sey vid. l. 1. c. 17. p. m. 105. dz die Sterne kinder des Mondē u. der Sonnen seyn / habē davor gehalten die Göses / Roß. p. 196. vide D. Joh. Ern. Gerhard. in umbra in luce. s. consens. dissens. Relig. §. 28.[15] da / und anders wo / aus vielen Aulhoribus / von vielen Heyden referiret wird / wie sie geschwärmet / daß die Sterne lebendige Geschöpffe wehren. Anno 1545. am 2. Pfingst. erschien am Himmel / Ein Bär der kam von Morgen / und ein Löw von Abend / beydē Thieren folgete ein Heer / die stritten zusammen / ein klarer Stern schiene dazwischen. über dem Löwen stund ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln. darnach verschwand der Bäer mit seinem Heer / blieben also etliche auf der Wahlstadt todt liegen / der Löw kehret wieder nach Abend mit seinē Heer / dem folgeten 2. Cameel. Einer aus des Löwen Heer kam wieder zurücke / führet nach orient ein wohlgeputzt Weiß Roß / das gab er einem schönem jungen Kürissirer welcher von der Wahlstadt vō den Erlegtē aufstund / der saß darauff / ritte nach Orient / und der ander lief neben ihm her. Letzlich verschwand dieses alles. Zu nachts erschienen im Monden 2. Männer / einer hatte einen Türckischen Hut auf / der ander ein Spanisch Bareth. Der Türcke boge die Knie / endeckt dz Häupt / und sprach dem andern zu / darnach gabē sie einander die Hände / u. verblichen. Er. Annal. Siles: Kreckw. T. 1. Gnō. et polit. Hist. In ansehē / daß etliche die Träume dē Gestirne zuschreiben / unn sprechen / dz die Nachtgesichter vō Himmel eingeflößet werdē; so wird es allhier dē Leser sehr angenehmlich fallen / einen Zusatz zu diesem Cap. davon zu machen welcher dieser ist:[16]

Ein Schrifftlicher Herold über der gantz neu-erfundenen / richtigen und unerhörten Traum-Deuterey /wie auch über andern verwandten geheimen Wissenschafften; ausgesand vom Autore M. Johanne Prætorio, P. L. C. Ich muß allhier anfangen ein wenig mehr Rühmens zu machen von meiner neu-erfundenen / und auch / mit Gottes Hülffe / ausgeführten und vollständig-beschriebenen Traum-Deuterey; so miteinander allererst seine Ankunft in diesem 1666. Jahr bey mir / davon es nach diesen / mit Gottes Hülffe / die gantze Welt zu gewarten hat / empfangen hat. So wahr ich lebe / Günstiger lieber Leser / vermuthe dir dabey und daran keine Qvackeley oder Narrentheydung / wie dir auch bey dem Worte des Traums wohl möchte in den Kopff kommen; als darnach man kein gering-schätzenders Wort schier auffbringen kan / zur Niederschlagung und Verachtung eines Dinges / als eben das Wort Träumerey / Sprichworts weise sagend: Du träumest / Du bist ein Träumer / auff Nieder Sächsisch / Drömer / welches schier mit dem Titul Dromô, daher Drummel-dörgß pro Dromedarius kömpt / überein stimmet. Nein / solche Lappalien und Bärenheutereyen sey du / umb Gottes Willen / bey meiner Verheissung nicht vermuthlich: Wann ich diß Ding nicht verstünde / und nicht lange genug in der Qver und Länge durchgegangen hätte / mit allen / so alten / so neuen / so geistlichen / so Weltlichen / einhelliglich übereinstimmenden Beyspielen und Handgreifflichen Gründen / so wolte ich kein Wort davon gedencken / ja das Weck der Rede nicht werth schätzen: Ich wolte den Plunder zerreissen und verbrennen. Meynestu daß man das geringste davon aus irgend einem Buche der[17] gantzen Welt / ausserhalb meiner Invention / auffbringen möge? Nein / ich kan es wohl betheuren / daß es eine Göttliche Geheimnüsse sey / so Er zu dieser Zeit / mit der Ausbringung / versparen wollen. Hat Er nun gleich / nach seinem unerforschlichen Wohlgefallen / das theure Pfand meiner Wenigkeit anvertrauen und übergeben wollen; daran ärgere du dich ja nicht. Ich weiß / du lachest / und hältest mich mit diesem meinem Gespräche für phantastisch / für wahnwitzig / für Weigelianisch / für Qvackerisch / für närrisch. Ich kan dich nicht verdencken / denn du hast mein Werck noch nicht gelesen: qvid dignum tantô spondes promissor, hiatu? magstu ungewehrt wohl fragen; Aber für einen Narren etc. kanst du mich gleichwohl mit Recht nicht eher schelten / du habest mich denn mit meinen Sentimenten widerleget. Das wirst du aber nimmermehr thun können: und deswegen erwarte mein versprochenes Invent, durch sonderlichen Verlangen / mit Nutzen / mit der Erbarkeit oder Geziemtheit / und mit Ergetzen. Ich spreche noch einmahl wenn ich im geringsten vermercken könte / daß meine Traum-Deuterey vergeblich / und eben so unrichtig wäre / als irgends eines schnackischen und verlachens-werthen andern Onirocritæ, ich wolte das Maul allhier gar wohl davon halten können. Aber ich schreye unauffhörlich; Inveni, inveni! Ich habe was erfunden / ich habe was erfunden! Fürwahr (1.) kein so kindisches / qvod pueri clamant, se in fabâ reperisse, oder / als wenn die Kinder eine Steckenadel gefunden haben. (2.) noch kein so schlechtes / als Archimedes in der Cronen-probe. Nein / es hat fürwar ein wichtigers auff- und hinter sich: davon kein Mensche was[18] weis: ohne daß mir von dem grundgütigen Gotte (deme ewig davor Danck gesaget sey! ich weis / du unpartheyischer wirst es dermaleins auch thun!) gnädigst mitgetheilet ist; umb dir es wieder zu gönnen. Wohlan / dieser Wille soll mit ehesten werckstellig gemacht werden / so ferne nur ein Verleger fussen / und Geld zum Drucke ausgeben wil. Es muß es aber ein Censor vorher examiniren! wohl! das soll geschehen: Ich wil nicht zu Winckel damit kriechen: Gott wird mir auch einen solchen verständigen und günstigen Mann darzu beschehren; daß sein Werck (denn meines ist es nicht: ja so wenig als die zehen Gebote des Mosis seyn /) nicht untergeschlagen / sondern frey an den Tag komme. Nun / qvicqvid sub nive est, in apricum proferat ætas. Ich weis einmahl für allemahl / daß das Werck der Wichtigkeit sey / daß es durchaus nicht könne verworffen / und unmitgetheilet liegen bleiben. Du sprichst / ja / ja / Erwarte nur von M. Prätorien was wichtigers / über seine Chiromantie: man wird es so sehen: es seynd Auffschneidereyen: die Hoffnung ist ein Traum des Wachenden / spricht Pegeus in der 7. Kunst-Qvelle / §. 1452. pag. 312. und also werden wir was geringes zum besten und zu erwarten haben. Ich kan dich noch nicht verdencken / spes in Deum directa unicè nunqvam confundit: Menschliche Aschläge fehlen bißweilen sehr / und seynd mißlich; in dem wir kaum erfinden / was unter- und in Händen ist / ich geschweige daß wir sollen aus eigenem Vermögen Gottes Rath erfahren / nach der Schrifft; oder nach der Heyden Wissen / qvid Juno Jovi in aureis insusurraverit. Doch dennoch kanstu mich vor der Probierung meines Buchs nicht verwerffen: [19] qvisq; præsumitur optimus, donec probetur contrarium. Wird das letzte mögen mit allen Stimmen publiciret werden: so wil ich mich alsdenn erzeigen / wie jene überwundene und zitternde Redner vorzeiten zu Lyon in Franckreich / welche ihre ungeschickte angeschriebene Reden mit der Zunden von der Tafel beym Altare wieder ablecken musten. Aber / getrost / Ich habe keinen solchen Schimpff zu besorgen: Ich weis mich in dem Stücke gerecht / und werde aller Menschen Admiration auff mich laden / mit Gottes Hülffe! Haltet mir doch das Brüsten ein wenig zu gute / wie der liebe Paulus von seinen Zuhörern bate. (verachte mich nur nicht / daß ich jenes Exempel etwan hieher ziehe: Ich handele so wohl von Göttlichen Geheimnüssen / als er / ein jeder nach der Masse des Heiligen Geistes /) Doch ich weis / ihr werdet M. Prætorium nicht drumb verdencken / sondern sich gerne selbst ins Gelach hinein rühmen lassen / weil ihn kein ander Ruhms werth schätzet. Doch suche ich fürwar meine eigene Ehre nicht: ohne die mir Gott der HErr dabey gönnet: Ich wil der Heiligen Dreyfaltigkeit Werck / nach meinen geringen Kräfften / herrlich preisen / dessen Wolthat ausbreiten. Hat man nicht von dem Traum-Wercke sonsten viel Dinges heraus / an mancherley Fundamenten und Untersuchungen / die Nacht-Gesichter auszudeuten / als wie da seynd:


Opus Artemidori.

Niphus.

Ippocrates.

Ravennas Celsus Mancinius.

Opus Achmeti, filii Spiremi.

Caspar Peucerus.

Riccius.

Iacobus Lupius.

Tractatus Synesii.

Ieronymus Cardanus.

Christian. Moldenarius.

Apomaser.[20]


Alle miteinander / und noch vielmehr / habe ich durchgestanckert: In keinem stecket die geringste Richtigkeit. Kein Autor weis das allergeringste von dem rechten Zweck und Qvelle der Traum-Deuterey: Es ist weit ein anders und unvermuthlichers darhinter / als sich ein Mensch einbilden solte. Wie und auff was Art ich allgemehlich durch Gottes Geist auff die Schliche und gute Bahne bin gebracht worden; das wirst du im Opere selbst ertappen. Hilff nur getrost darzu in Recommendirung / damit es seinen Lauff vollende / welcher ihm Himmel-werts zuerkant ist: Ich weis / es wird dir die Curiosität nimmermehr mißfallen / sondern dich in Bestürtzung nehmen; wie man hinter die Invention nicht zeitiger gerathen sey /wegen des unermeßlichen Nutzes? Freylich / natura inexhausta est, & Physis sibi semper aliqvid reservat, qvod revisentibus ostendat. Scrutamini, heist es aber. Ist uns die Magnetische Krafft / nebenst der Buchdruckerey / nicht auch spät genung zu handen kommen? Wer wolte an mehren noch verhandenen Dingen zweiffeln? Nihil dictum est, qvod non dictum sit antè prius, antwortest du. Recht so / sprech ich darzu: denn dieses mein Werck hat Moyses / Salomon und alle Propheten im Alten Testament wohl gewust: aber vielleichte haben sie es nicht dürffen auskommen lassen; sondern für sich behalten, müssen / biß auff weitern Bescheid / und eine andere Gott beliebtere Zeit. Vertraue du nur / daß Magnalia Dei im Reste seyn. Es gehöret das gantze Thun ad Veterum deperdita. Und wilst du die Frucht miteinander kürtzlich sehen / so dir (nam sciromeum nihil est, nisi me scire, hoc sciat alter,) aus meiner[21] Wissenschafft erwachsen kan? so wil ich sie dir hier leichte vor Augen stellen. Du sollst mit Gottes Hülffe draus erlernen /was du nirgend / nirgend / sage ich / zu wege bringen kanst / nemlich

1. Omniscentiam & providentiam Dei: unlaugbaren Beweißthumb der Allwissenheit und Vorsorge Gottes.

2. Naturam Hebraismi: die eigentliche Art und Beschaffenheit der Hebräischen Sprache.

3. Intelligentiarum seu Deorum lingvam: was die Engel- (nach der Schrifft) und Götter- (beym Homero) Sprache sey.

4. Rationem veteris fœderis veram: die eigentlichste Natur des Alten Testaments.

5. Originem & matricem lingvarum: den Ursprung der uhrältesten Sprache.

6. Confusionem Lingvarum Babylonicam: den Grund wegen aller Sprachen.

7. Regulam Visionum, Prophetiarum, Oraculorum, Mira culorum, Prodigiorum, Ostentorum etc. die Erklärung aller Propheceyhungen / Vorsagungen / Wunderwercke / etc.

8. Judæorum conversionem: die beste Beqvemligkeit die Juden unfehlbar zu bekehren.

9. Typos Veteris Testamenti: die Auslegung der Vorbilder des Alten Testaments.

10. Idolatriæ fontem: den Brunqvell der Abgötterey im Heydenthumb.

11. Conditionem Mythologiæ: die rechte Beschaffenheit der alten Poetischen Fabeln.[22]

12. Ægyptiorum Hieroglyphica: der alten Egyptier Sinnenbilder.

Ein unsäglicher und dir noch zur Zeit unglaublicher Schatz!

Wegen des Ersten: Ich betheure es / daß keine Weißheit vorhanden sey / drauß man sich des stätigen Schutzes unsers Himlischen Vaters: (wieder die Epicurer /) der immerwährenden Beywohnunge und Conversirung Gottes des Sohnes mit uns: (nach 25. Cap. Matth. Siehe / ich bin bey euch alle Tage / biß an der Welt Ende /) der Allgegenwertigkeit unsers Heylandes: (wider die Calvinisten /) der genauesten Achthabung und Auffmerckung unsers Schöpffers / des Menschen-hüters / auff alles unsere Thun und lassen: der unnachläßlichen Liebe und gnädigsten Wohlgefallens zu das menschliche Geschlechte: der unauffhörlichen zu Gemüthe Führung des H. Geistes aller unser Lüsten zur (causs. fin.) rathsamsten Gottgelassenheit /zur kräfftigen Zurückhaltung von unverantwortlichen Dingen; so Handgreifflich / so unwiedersprechlich / und zwar täglich vor gewisseren; und damit man das wanckelmüthige Gewissen so deutlich und gäntzlich überzeugen / versichern und überführen könne / als eben mit dem Traum-Wercke. Denn es muß einer drauß recht bestürtzt werden / wenn man, erfähret / daß die Vorwissenheit Gottes einem iedwedern alle Nächte zuvor / wiewohl verblümter weise / für Augen stellet und abmahlet / was man des Tages unvermuthet werde vornehmen / werde gedencken / und was einem so unvermeynt begegnen werde / daß man drauff schweren sollte / das es schier Gotte unmüglich sey / zuvor zu wissen. Aber das[23] mag ein Wahnwitziger thun; Bey Gott ist kein Ding unmüglich; Ihme sind alle unsere Wege vorher bewust / und kan uns der geringste Staub nicht auff den Kopff fallen / oder Haar vom Häupte kommen; Er weiß es allerdinges / auffs genaueste / vorher / mit allen Umbständen: so verknüdiget Er es uns auch in denen Nacht-Gesichtern: darmit wir seiner Gegenwart immerdar / in der Furcht Gottes / gewisse seyn: und aus den Schrancken unsers Beruffs nicht schreiten sollen. Kein Traum bey einer Privat-Person erstrecket sich über den nachfolgenden Tag. So hoffe du auch aus keinem Nacht Gesichte was zukünfftiges zu colligiren / wegen des dritten / ich geschweige vierdten etc. Tages; wie nemlich dieses oder jenes Ding ablauffen möchte. Nein / simplicissimè und ausdrücklich wil solches kein Traum; und die darnach gaffen / handeln wider ihr Vater unser / wider ihr Gewissen / ja wider die gantze Heilige Schrifft. Nein / gedencke du nur / daß mein Inventum dem Worte Gottes so ähnlich / subordinat v. parallel sey / daß es davon die geringste Anfechtung nicht zu befahren habe / auch durchaus nicht von der Bahne der guten Vernunfft abschreitet / als wie die vorigen Eigensinnigkeiten der verhandenen Traumbücher thun / und thun können. Ich beweise aus dem rechten Fundamente, daß die Träume / Schatten und Wesen ohne Dinge seyn / nach den Worten der Schrifft / und wer darnach greiffet / daß er thörlich thue. Ich beweise auch / daß Gott einem auff seinem Lager das Ohr öffne / und vom Bösen abschrecke / durch eben die Träume / nachm Hiob. Kein Traum kömpt aus unserm Vermögen / die meisten seynd eben darzu accommodiret, daß du dich damit [24] confundiren könnest / wenn du selber wilst. Ich aber wil dich außm Traume helffen / glaube es wahrhafftig: Totus homo dormit, qvando dormit: Etliche geben noch zu / daß unterschiedliche Träume was hinter sich haben; und setzen darzu / daß sie aus unserer Sagacität kommen. Solte der Mensch kluger seyn / wenn er am dummesten und unvermögensten ist / und sich seiner Sinne / als Mittel zur Erkundigung der Wissenschafften / nicht bedienen mag? das kömpt ungereimt heraus. So ist dieses noch schnackischer / daß darbey jene Träume nur falsch wären / so etwas von täglichen Begebnüssen in sich haben / (als fürwar die meisten seyn /) wie? du sagest: der Mensch könne im Schlaffe sicherer und gewisserer folgern / urtheilen: weil die Seele alsdenn / von denen oculiferiis und objectis befreyet und ungehindert / für sich handelt: Solte aber unsere Seele dergestalt so schwärmen / so phantasiren / so rasen / als wie / der euserlichen Gestalt nach / wie Träume aussehen / und nichts ordentliches an sich haben? oder solte die Seele einmahl klüger thun / als das andere mahl? zu deme / weil du in der Völlerey (gewisse) wohl mannigmahl kanst einen artigen Traum haben / der sich allerdinges / der euserlichen Gestalt nach / gut reimet / v. der Vernunfft in einer Verrichtung / etc. gemäß ist. Und hingegen / wenn du gantz nüchtern und mässig bist / kanst du öffters einen dergleichen verwirreten Traum haben / daß du / nach dem daher entsprungenem Sprichworte / sagen kanst: Mag es doch einem im Traume nicht närrischer vorkommen: Oder / möchte es doch einem nicht wunderlicher träumen / etc. Nichts: alle Träume kommen von Gott per impressionem: est Deus in nobis, [25] agitante calescimus illô: So singet der Poet / und die H. Schrifft correspondiret demselbigen: In Gott leben / schweben und seynd wir. Alles / alles ausführlicher /vollständiger / beweißlicher etc. in meinem verfertigten Wercke / so wohl in der Theoriâ als praxi: angesehen ich etliche tausend Nachtgesichter / so Biblische als profanische: so alte als neue: so meine eigene als anderer: Handgreifflich auff ihr gewisses ausdeute: und mir kein Traum kan erzehlet werden / den ich nicht solte auff einerley Art und Weise / nach diesem mir allein bewustem Grunde und Regul zu rechte bringen können / und zu grosser Verwunderung / denen Leuten / ihre gewiß-drauff erfolgete Eventus erzehlen. Es gilt hier keine Symbolica, keine närrische Hieroglyphica, womit man so lange schwanger gegangen / und viel Imaginationes davon gemacht hat / einer so / ein ander anders: einmahl so / auffs andere mahl anders: einem so / dem andern anders: zu einer Zeit so / zur andern Zeit anders: in einem Theile eben desselbigen Traumes so / in dem andern anders / etc. Narrey / Hudeley / Bernheuterey / ja Teufeley! dadurch das herrliche Werck Gottes in solche Verachtung kommen ist / wir es bey allen Menschen am Tage lieget. Mein Grund gehet uniformiter und ohne reqvirirliche Veränderung durchaus / immer und bey allen fort / und wird auch von allen Beyfall bekommen: aber ich wil denselbigen hier nicht entdecken / sondern in meinem Wercke erwarten lassen: Er ist eben der schwehreste nicht: und doch hat niemand /vor mir / dahinter kommen sollen.

(II.) Ich heisse es freylich gut / was Herr Wasmuthius P. P. zu Kiel in Hollstein unlängst geschrieben hat / de restitutô [26] Hebraismô, und was man von dem unvergleichlichen Buxtorffio, Helmontio in naturæ Alphabeto, Hüttero, Schichardo, Trostio etc. wegen der Ebräischen Sprache heraus hat: So werde ich auch wohl die gelehrten Rabbinen / als Bibliothecarios Veteris Testamenti in vielen wenig hoffmeistern können. Aber das sage ich / daß ich einen andern / neuen und genauern Grund habe von der Ebräischen Sprache; darnach ihr auch selbst in vielen gewißlich kan geholffen werden / wo sie verdächtig ist. Ich bin so weit gekommen / daß ich einem wil Rechenschafft geben /wegen eines ieden Worts / warumb dieses / und nicht ein anders / Synonymon sey gesetzt worden? Ich wil Ursache geben / eines iedweden Buchstabens im Ebräischen A. B. C. Allerdinges / warumb das dsain drinnen verhanden sey? halt Bruder / laß nicht schnappen. Alles / alles zur Gnüge und mit Verwunderung in meinem Traum-Wercke: Denn alle vorerzehlte 12. Stücke hengen sororiô vinculô aneinander / und rühren aus einem Fundamentô: So gebrauchen sie sich auch eines allgemeinen Schlüssels.

(III.) Du solst auch endlich innen werden / was dir noch zur Zeit kein Phiolologus beybringen können /was nemlich die Engel-Sprache sey / vermittelst welcher sie mit uns reden / etc.

(IV.) Kein Theologus, sie werdens mir gerne gestehen / wird dir des Alten Testaments Eigenschafft so genau in allen Pünctgen sagen / wie Ich / mit Gottes Hülffe! wil. Es stecket ein mehrers und erfreulichers darhinter. Ich wil dir recht zeigen / wie das Vermögen des Neuen Testaments wo nicht nach den Buchstaben / doch nach den Wörtern / dem[27] gantzen Alten Testamente ähnlich sey: Ja / wie es die rechte Erklärung dessen sey. Du sprichst zwar; Das ist freylich wahr / und ich weiß es ohne das wohl. Antwort: Nein / so künstlich und erfreulich weistu es nimmermehr. Du wirst mir in alle Ewigkeit / nach deiner alten Mode / kein Gesicht und Propheceyung so ausdeuten / wie es Gott eigentlich darmit gemeynet hat. Ich weise dir fürwar keine Ketzerey:denn es geschiehet von mir keine eigene Auslegung der Schrifft und deren Weissagung / 2. Pet. 1, v. 20. sondern sie ist dem Glauben ähnlich / zun Rom. 12, v. 6. Ich wil dir deinen und meinen HErrn Christum so deutlich, und Handgreifflich im Alten Testament aus denen Weissagungen machen; daß du dich creutzigen und segnen solst / wenn du mein Inventum liesest. Ach Hugo Groti und Amyralde, hättet ihr mein Geheimnüß erleben sollen; ihr würdet was bessers de veritate religionis haben schreiben können. Ich kan dir hier in der Kürtze das tausende nicht geben / was ich schon vollständig in meinem Wercke abgefasset habe. Ich wil dir / wie vor gedacht / aller Anomalien Rechenschafft geben: war umb in einem Traume / den der Joseph ausleget / gore und nicht gorim stehet; warumb einmahl dieses / zum andern ein anders Synonymum der Hand in einem Traume stehet / etc. etc. etc. Ach trage nur Verlangen: es ist ein Reichthumb / drüber sich die gantze Welt zu freuen hat.


Si Christum benè scis, satis est, si cætera nescis:

Si Christum nescis, nihil est, si cætera discis.


Diesen Spruch hatte einmahl ein Famulus an der Thür in dem communi Musæô eines Præceptoris in meinem[28] Vaterlande geschrieben; der zwar ein gelahrter und Gottfürchtiger Mann war; doch selbigen auslöschen liesse; weil es bißweilen intricatas Disputationes drüber setzte. Ach! laß setzen: spricht doch die Heilige Schlifft auch; Christum lieb haben / ist besser denn alles wissen. Christus ist des Gesetzes Ende. Alles / alles / Augenscheinlich in meinem Wercke aus einem richtigen und Gott wohlgefälligen Grunde.

(V.) Es giebt viel disputirens wegen der Etymologie der Wörter / was der eigentliche Stamm darzu sey / und welches die ältiste Sprache sey? Daß es die Ebräische aber sey / soltu unwiedersprechlich erfahren.

(VI.) Was es für eine Bewandnüß habe umb alle Sprachen / so bey dem Babylonischen Thurme ihre Ankunfft haben / nemlich alle aus der Ebräischen: und warum ein Wort aus derselbigen durch alle andere Sprachen was anders heisse; das wil ich dir weisen.

(VII.) Alle Wunder-Dinge / so ausserhalb der Natur geschehen / wil ich die Ursache und Bedeutunge geben aus meinem Fundamentô: recht Gottfürchtig solst du drauß werden / und nicht ruchloß bleiben / oder in Aberglauben fallen. Nemlich / es seynd unter andern Wunderzeichen darinnen erkläret /

I. Omnivaria monstra: allerhand Mißgeburthen: darnach eines bißweilen zwey / drey / vier Köpffe / Beine / Arme / etc. bißweilen Adlers-Klauen / Wolffs-Füsse / zwey Leiber / etc. hat / und wie sie wunderlich und veränderlich von Gott dem Höchsten / uns zur Warnunge / fürgestellet werden: und aus welchen man / als aus einem Zettel / alles gründlich lesen mag; was Gott für Straffen diesem oder[29] jenem Lande /zur verdienten Schuld umb der Sünde willen / wenn es nicht ernstliche Busse drauff thut / wolle wiederfahren lassen. Ach Physice, lerne hier was bessers: dergleichen Monstra gehören nicht zu dir / sondern zur Theologie.

II. Nimbi: Grosse Platzregen und Wolckenbrüste.

III. Irides. Eris mihi magnus Apollo, so du mir wirst Ursache geben / warumb der liebe Gott den Regenbogen uns / zum Gnadenzeichen / nach der Sündfluth erkläret habe. Erkläret / sage ich; denn es ist nach meinem Fundamente klar und helle; aber du weissest noch siehest / das τὸ διότι nicht; sondern hörest nur das τὸ ὅτι in der Schrifft.

IV. Res aliæ: Als Saltz / Honig / Zucker / Seide / etc. etc. so zur Verwunderung / und uns zur Nachricht vom Himmel zun Zeiten herunter geschicket wird: wie mit allen diesen Stücken innerhalb noch nicht zweyer Jahresfrist geschehen ist: die Bedeutunge stehet alleine in meinem Traum-Wercke: In meinen andern Schrifften habe ich dir sie nicht setzen können / noch wollen oder sollen / weil ich erstlich in diesem 1666. Jahre darhinter kommen bin / etc.

V. Olympi voragines: wenn sich der Himmel auffthut.

VI. Cometæ oder Schwantz-Sterne: Ich wil dir richtig genung weisen / daß die Cometen nichts anders als einen Krieg bedeuten: ja daß sie solchen richtig bedeuten: und du solst alldar gewiß inne werden /wie dich deine Heidnische Philosophie verführet / und von der Gottesfurcht abgeleitet habe. Alles / alles aus einerley Fundamentô in meinem ausgearbeitetem Wercke.[30]

VII. Rotundi Circuli: Mond- und Sonnen Cirkul: nichts derselben kömpt aus der Natur und vor sich; sondern durch Gottes sonderliche Schickung; umb allezeit was sonderliches und veränderliches uns auff Erden damit anzudeuten / etc.

VIII. Ignita chasmata: Feurige Ruthen / Funcken / Kugeln / Strahlen / etc. so aus der Lufft herunter schiessen.

IX. Triplicati Soles etc. doppelte Sonnen / etc.

X. Inundationes: Uberschwemmungen der Flüsse und des Meers: Nichts / nichts umbsonst / noch aus dem Vermögen der Natur.

XI. Cruentationes: oder wenn allerhand Sachen zu Blute werden: ein iedes bedeutet ein besonders.

XII. Auguria legitima etc. Wenn Vögel in der Lufft miteinander einen Krieg führen / oder sonsten ungewöhnlich erscheinen / etc. Exempel davon / und von allen andern / suche in meinem grossen Wunder-Werck: Die Bedeutung aber davon erwarte in meinem Traum-Wercke. Meynest du / daß ich dir die vermaledeyte und Heydnische Achthabung auff Vogelgeschrey und dergleichen Tändeley / etc. so Gott der HErr ernstlich in der Schrifft verboten hat; wieder aus der Höllen hervor suchen und auffbringen wolle? Nein / dafür behüte mich die Heilige Dreyfaltigkeit! Es hat in der Christenheit / wegen dieses Dinges / der Sache schon zu viel gethan / der liebe Mann / Philipus Melanchton. vide vitam Camer. Du erfährest zum öfftern / wehn Raben miteinander hauffig gestritten haben / etc. etc. daß Krieg drauff erfolget sey / etc. und hältest endlich von dergleichen Vorsagung viel / und recht; so mißgefällt es[31] auch Gott dem Schöffer nicht: Ich wil dir beyderley Ursache geben / etc. und was der Wunderzeichen mehr seyn / als wenn es Frösche / Fische / Roten Staub / Bluth / Wolle / Steine / etc. etc. regnet. Krieges-Heere und Waffen in der Lufft gesehen werden / von allen solstu unfehlbar dein Wunder sehen und hören. Es ist kein Menschen Tandt; daß ich mir so ungefehr einbilden solte / aus einer oder der ander Grille / als ex. gr. wenn einer aus Versetzung der Buchstaben / oder Anagrammatismô was sonderliches erkläret hat / daß er treffliche Stücke davon hält / und wohl gar sein Vertrauen drauff setzet; als wenn es ein rechtes Mittel wäre / dadurch was anzudeuten / oder eines Menschen Natur an den Tag zu bringen / etc. solche Onomantiam etc. lasse ich dahin gestellet seyn / denn sie nur ein ungefährliches thun; und hat mit meinem Inventô nichts zu schaffen / etc. Alles / alles besser in Opere.

(VIII.) Du bildest dir wohl nicht ein / daß die verworffenen Juden wiederumb Gottes Volck solten werden können: meynestu nicht / daß er die rechten Reisser in dem Oehlbaum wieder erpfropffen wolle? Traun Paulus schwatzet von einem Geheimnüsse / das dir nicht unbekant / wenn es dir nur zu glauben stünde / und GOtt der HErr hat / nach meiner Invention, gieichsam / von Anfang der Welt her / ein gewisses Mittel zu ihrer Conversion im Alten Testament verlassen; das wil ich dir entdecken. Du belachest es /wie des Isaaci Peyererii part. 2. Syst. Theol. da er auch groß Wesen maches von der Bekehrung der Juden: Sie glückselig preisende / und wündschende / daß er selber ihres Geschlechts seyn möchte: Das sey ferne. Gott lob und[32] Danck / daß ich ein Christe bin: Sie müssens noch erstlich werden: und sollens auch unwiedersprechlich werden / mit höchster Verwunderung: dawider wird kein Rabbine reluctiren; sondern erstarren; daß er seinen Messiam im Alten Testamente, nicht habe finden wollen / da er Ihn doch in allen verblümten Reden des Alten Testaments allezeit / nach meinem Grunde / so deutlich hat / als wir Ihn im neuen Testamente haben. Mein lieber Theologe, dir ist guter Massen bekant / wie viel herrliche Sprüche im Alten Testamente / so bekant genung vom lieben HErrn Christo reden / und im N. T. darzu angezogen werden; dennoch so liederlich alle miteinander von den bösen Juden / wie eine wächserne Nase / verdrehet und anders wohin gedeutet werden. Aber nunmehr werden sie sich in dem Stücke müssen gewonnen geben; wenn sie sehen werden / daß weit andere Sachen / (dabey es niemand wäre vermuthlich gewesen /) doch noch deutlicher und häuffiger mit jenen überein stimmen / und sich untereinander erklären.

(IX.) Kein Geistlicher / er mag so hoch gelahrt seyn wie er wolle / kein Balduinis etc. haben den Kern der Typorum im Alten Testamente gefunden. Ich lobe freylich ihr Bemühen und schöne Gedancken; aber sie vergnügen weder mich / noch den rechten Willen Gottes / damit: Es steckt ein künstlichers und vornehmers darhinter / etc.

(X.) So hat auch Vossius nirgend recht gewiesen /wie das Heydenthumb eingeschlichen / und die Götzenbilder überhand genommen haben: Ey! es stecket eine weit andere Veranlassung darhinter / so sie mißgebrauchet haben / in der Adwendung von Gottes wahren Worte / und Nachfolgung des eigenen Dünckels.[33]

(XI.) Du hoffest wohl keine bessere Richtigkeit der Poetischen Fabeln / ex tantâ farragine und voragine conjecturarum: Darnach sie einer Theologicè, Ethicè, Physicè, Philologicè, Alchymisticè, Historicè, etc. erkläret hat / und alle des rechten weges gefehlet haben: Ich wil dir ihn / aber mit Gottes Hülffe / richtiger zeigen / welchen du wandeln sollst / etc.

(XII.) Kein Pierius, Kircherus, etc. hat an den Grund gedencken können / welchen eigentlich die Egyptischen Hieroglyphica hinter sich haben: Es ist nunmehr das dritte Theil nicht davon übrig und richtig: und kein einiges ist recht / nach seinem Grunde / ausgedeutet. Das Symbolische / Allegorische Wesen ist von den Nachkömlingen erfunden worden: die rechte Erklärung ist durchaus auch hier verlohren: Sie kan aber aus meinem Fundamentô wieder ersetzet und auff die Bahne gebracht werden. Hilff lieber Gott / wie wird die Posterität manch schönes Ding weiter ergrübeln / aus meinem Nachrichte! Denn Inventis facilè licet addere. Wie wird es da Verwunderung setzen / und mancher mehr von dem lieben HErrn Christo / und seinem Worte / halten können / als er vorher gethan? Gott gebe nur seine Gnade zur imprimirung des Wercks und gute affection der Menschen zu daßelbige. Divinum aspira, ô Numen, amorem! O HErr hilff / O HErr laß wohlgelingen / zu deines Nahmens Ehre / und meiner und der Meinungen / auch aller Menschen zeitliche und ewige Wohlfahrt! Nim nun mehr hieraus ab / was du in meinen Traum-Buche zugewarten habest: alle übrige Traum-Bücher / seind des Nahmens nicht werth / es ist[34] warhafftig / kein Wort und keine Conjectur drinnen war / sintemal sie des rechten Qvells gefehlet / und aus selbsten gehauenen Löcher einer Wust und Unflath geschöpffet haben. Wirdt du mich in dem Stücke verachten: so magst du es immer hin thun: Du weist aber / einmahl für alle mahl / daß dergleichen Beschimpffer unrecht gethan haben / welche dem Joseph und Daniel spöttliche Nahmen gegeben / und übele Nachreden gehalten haben: Denn GOtt der HErr ist mit sie gewesen. Glaube du nur / daß alle Träume in der Bübel sich auff mein Invent gründen / und das GOtt der heilige Geist solchen rechten Grund mit fleiß verborgen gehalten habe / biß auff diese gegenwärtige 1666. Jahres Zeit. Ach! wie wirstu dich freuen / wann du meinen Dietterich darzu überkommen wirst. Ach! wz meinestu / wz hinter dem Prot Evangelico, in dem Vaticinio Jacobæô vom Schilo / unn auf der Leiter Jacobs stehe / oder siecke? Ach! weit ein köstlichers oder deutlichers / als du meinest. Nun / alea jacta est, die zeit wird es geben / Gott der Herr wird dir es gönnen / wie er mirs gegönnet hat. Glaube du nur sicherlich / dz ich allhier nicht so vergeblich Geistlich rede / als etwan die Goldmacher / Schatzgräber etc. zu thun pflegen / unn es doch wol mit dem Qvarge versiegelt ist / wenn man sich üm ihren Grund bewirbet. Mit so grosser Verwunderung solst du es lesen / kauffen / als wie verwunderlich es dir itzt mag vorkommen / daß du von meiner Wenigkeit noch was verwunderliches und selzames zu Gesichte bekommen mögest. Ja warhafftig soll es geschehen / und wenn ich über alle meine Schrifften / noch 1000. Bücher solte können heraus geben / so mag ich dich auff keines solche Vertröstung thun / als[35] auff gedachtes Traum- und Wunderwerck: Denn dieses ist ein Göttlicher Schatz / jenes ein Menschlicher Satz: Es ist ein Werck daß vor Pharaones und Nebucadnezares zu erste gehöret; so wil ich es auch / mit Gottes Hülffe / meinem Gnädigsten Herrn / Seiner Chtufürstl. Durchleuchtigkeit zu Sachsen / zueignen und vor allen Potentaten zu schreiben: verhoffentlich / ja gewißlich / was wichtigers zuleisten und damit zu stifften / als vor weilen der Prophete Daniel und Joseph thun solln; Denn es ist ein Geheimniß so vor alle Menschen / gelahrte und ungelahrte muß kommen / und wegen seiner Curiosität und Nutzen Angenehmligkeit finden: So gereuet es mich auch nicht / daß es was groß gerathen ist: nehmlich es wird im Drucke leichtlich zusammen 8. Alphabet machen; und ist in 3. Theilen nach einer erbaulichen Disposition abgesondert / der erste Tomus ist Theoreticus, und handelt absolutè aus allen Autoribus ab / wie vielerley Träume seind? Was von Träumen in genere zu halten? Warumb sie von denen meisten recht für Narrentheydungen so lange gehalten worden? etc. etc. etc. Der Ander Theil begreifft alle alte Träume in sich / so viel ihrer in denen Historien aufgezeichnet worden / nebenst der richtigen Ausdeutung: und zwar stehen sie alle / nachn Alphabet / von vorne biß zu letzte / zu lesen: Als Aderlas-Andachts-Armuths-Auffhenckungs etc. etc. etc. Träume unter solchen Tituln gehet es immer richtig fort. Im Dritten Theile / sind alle meine (und anderer contemporaneorum,) Nacht-Gesichte durch 2. gantzer Jahre / von Nächten zu Nächten / nebenst der gründlichsten / Handgreifflichsten / Höchstwunderlichsten / erbaulichsten / wichtigsten / unn unwider[36] sprechlichsten ja eigendlichsten Erklärung. Ein Werck / das Höchstverwunderlich seyn und bleiben wird / wenn auch die Welt noch viel tausend Jahr stehen solte; Summa es ist das Complementum Theologiæ Mundanæ, So hoch es nehmlich GOtt der HErr in seiner Erkäntnüß / hier in dieser Schwachheit / wil kommen lassen; welches der gantze grosse Erdkreiß / auff meines Schöpffers / Erlösers und Heiligmachers / wunderliche direction, von mir armen Menschen zu empfangen hat: und davon ich auch alle Stunde / mit Gottes Hülffe Rechenschafft wil geben / wenn es mein Erkohrner Schutz-Herr begehret: Andern nicht ein Haar. Es sey denn daß sich zeitiger der rechte Verleger anfünde. Gedencke du nur nicht / daß es fehlschlagende Grillen seyn / als wie es wohl eher / mit dem Gelahrten Baur / mit dem so genanten deutschen Philosophô, Bohemo, ja vielt 1000. andern Fanaticis so ein lamiesches Wesen gegeben / so einen schlechten Ausgang und Examen gehabt: oder haben sie ja verwunderlich was præstiret, und sind nicht rechte Qvacker so zu reden / befunden worden; so ist es doch damit nicht höher kommen / als mit irgent einer andern Weltweißheit / die ohne das bekannt gnug gewesen: Meines / ist was neues / was unerhörtes / daß höchst-nützlichste und unwiedersprechlichste Geheimnisse / da durch die gantze Welt / zum HErrn Christum / unfehlbar kan und eigendlich soll bekehret werden.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 1-37.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Apuleius

Der goldene Esel. Metamorphoses, auch Asinus aureus

Der goldene Esel. Metamorphoses, auch Asinus aureus

Der in einen Esel verwandelte Lucius erzählt von seinen Irrfahrten, die ihn in absonderliche erotische Abenteuer mit einfachen Zofen und vornehmen Mädchen stürzen. Er trifft auf grobe Sadisten und homoerotische Priester, auf Transvestiten und Flagellanten. Verfällt einer adeligen Sodomitin und landet schließlich aus Scham über die öffentliche Kopulation allein am Strand von Korinth wo ihm die Göttin Isis erscheint und seine Rückverwandlung betreibt. Der vielschichtige Roman parodiert die Homer'sche Odyssee in burlesk-komischer Art und Weise.

196 Seiten, 9.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon