XVII. Von Rauchen-Menschen.

[427] Philippus Camer in centur. 2. Histor. c. 71. p.m. 424 etc. nach Ubersetzung M. Georg Meyers.

Was Satyri und Sphinges vor Zeiten bey den Heyden gewesen?

Sphinges & Satyri stygii sunt spectra Draconis.

Die alten Heyden haben in ihrem verkehrten Sinn die Satyros / Faunos und Sylvanos für halbe Götter oder für Walt Götter geehret. Darumb haben sie ihnen nicht allein dicke Wälde und finstere Höltzer geheiliget / und zugeeignet: Sondern ihnen auch an ihren Fest Tagen Hütten von Laubwerck / deßgleichen Hölen aus den Bergen und grüne Awen von Wasen / Graß und dergleichen auffgericht / welches noch heutiges[427] Tages in Italia gebräuchlich ist. Sonderlich aber haben die Bildhauer ihre Bilder gar artlich und künstlich geschnitzt / wie solches auch zu Rom zu sehen / und Plinius davon schreibt / da er unter des Praxenetis Meisterstücke vier Satyros rechnet und zehlet / darunter einer den Bachum auff dem Rücken trägt und mit dem Mantel zudeckt / d' ander trägt auch den Bachum. Der dritte stillet ein Kind / das da weinet. Der vierdte giebt dem Kind auß einem Becher zu trincken. Eben dieses Kunst-Meisters Stück hat man vor Zeiten zu Rom gesehen in dem Gewölbten Spatzier-Gang /welches Stück Käys. Augustus seiner Schwester Octaviae zu Ehren auffgerichtet / darinnen war zu sehen die Proserpina so von dē Plutone hinweg geführet wordē / darbey auch Bachus / der Gott des Weins und die Satyri gestanden. Wie Marcianus notirt. Man hat sie gehalten für des Sileni Söhn / welcher der Oberst unter den Satyris gewesen. Dann ihre Gräber hat man bey den Hebreern und in der Stadt Pergamo gewiesen. Wie Pausanias schreibt. Strabo aber meldet / daß die Satyri / Sileni und Satyri seyn Teuffel gewesen / welche man für der Götter Diener hält. Wir wollen aber der Heyden Abgötterey fahren lassen / und warhafftige Historien erzehlen. Man schreibt daß die Satyri seyn Thier / die man in der Wildniß in Lybia findet / oder / wie Ptolomaeus dafür helt / so werden die Satyri gefunden auff den Berg in India / welche sehr geschwinde Thier seyn / und Menschen Angesichter haben / ein Theil aber lauffen auffgericht / also / daß man sie nicht[428] leichtlich fangen kan / weil sie so geschinde seynd / sie werden den alt oder kranck. Solinus rechnet die Satyros unter die Affen / da er spricht: Es seynd die Satyri lieblich anzusehen / die sich hin und her regen / bewegen und unruhig seyn. Pierius aber zeugt den Pausaniam an / der von einer glaubwürdigen Person gehöret / als er in Hispanien schiffete / hab ihn ein Sturm zu eußerst in das Meer hinauß getrieben: und nach dem er etliche Tag gesegelt / sey er zu etlichen Insuln kommen / welche ödt und leer gestanden / darinnen wilde Leuth wohneten / die rauch am Leib und rothe Haar hatten / welche grössere Schwäntz als die Pferd gehabt. In dem sie nun gesehen / das frömbde Leut alda angelangt / seynd sie eylend hineinwarts gegen dem Land geloffen / von welchē man keine rechte Stimm / sondern nur ein unförmlich Geschrey und Zischen gehöret. Die haben so sehr nach Weibs-Persohnen / so ungefähr fürüber gefahren / gethan / daß man sie kaum mit Peitschen und Geisseln abtreiben können: Weil sich aber die im Schiff besorgten / es möchte ihnen etwas leidts wiederfahren / oder daß sie sich der wilden Leuth nicht erwehren köndten / haben sie mit dem Schiffe von fernen in den Anckern gehalten. Darnach haben sie ein wildes Weib / so sie mit ihnen führten / an das Land gesetzt / mit welchen die Satyri ihren Muthwillen und Unkeuschheit getrieben. Welche Insul hernach die Schiffleuth der Satyrorum Insul genennet. Seynd also die Satyri / wie aus dieser Historia zu sehen / geile und unkeusche Wunderthier / wie man sie denn mahlet / daß sie nicht allein der Veneris /[429] als Göttin der Bulerey Gefehrten / sondern auch an ihren Wagen / als Pferd gespannet seyn. Plutarchus sagt / daß man einen Satyrum gefangen / da der Römische Fürst Sylla von Dyrrachio mit 1500. Schiffen nach Brunduß fahren wollen. Seine Wort lauten also: Nahe dabey liegt Apollonia / u. darbey Nymphaeum / ein heiliger Orth / darauß zwischen dem grünen Graß u. Wiesen ein stets währende Brunquell entspringt. Allda / sagt man / sēy ein Satyrus / da er geschlaffen / gefangen / in der Gestalt? wie man sie pflegt zu mahlen / u. zu dem Sylla geführt worden. Denselben hat man hernach durch mancherley Dolmetschūg gefragt / wer er were /von dem man kaum etwz vernehmen oder verstehen können / sondern nur ein Blecken gehöret / gleich einem Pferd oder Bock / darob Sylla erschrocken / daß er ihn wiederumb lauffen lassen. Daher sagt Plinius / dz an den Satyris kein Freundligkeit zuspüren sey / auch weiter nichts an ihnen zufinden / denn dz sie den Menschen gleich seyn. So schreibt Diodorus Siculus / dz man in der schwartzen Mohren Land / Sathyros zu dem Dionysio geführt / welche Haar biß auff den Nabel gehabt. So lesen wir auch in der Historia vō der H. Väter Leben u. Wandel / dz einem H. Mann in der Einöde ein Satyrus begegnet sey / u. bekant habe / er sey ein Mensch / u. wohne nicht weit von d' Wildniß / welche die Heyden in ihrer Abgötterey Faunos / Satyros und Incubos genant u. geehret / habe auch mit ihme von der Buße geredet. Ob aber solches warhafftig also geschehen / oder nur des Teuffels Gespött[430] gewesen sey / ist noch daran zu zweiffeln. Also lesen wir / daß eben dieser H. Mann einen Hippocentaurum gesehen hat / welches ein Wunderthier / mit 4. Füssen / vorn wie ein Mensch / hinden aber wie ein Pferd gewesen / welches der H. Mann gefragt / das hat aber mir gemurmelt und gebrummet / auch alsbald wiederumb in das weite Feld hinein geloffen und verschwunden. Deßgleichen hat der Rabbiner Abraham wunderbarliche und ungereimte Dinge von den Satyris beschrieben / daß nemlich die Fauni / Satyri und Incubi seyn Creaturen / aber unvolkommene / weil GOtt durch den Sabbath verhindert worden / und sie nicht recht verfertigen können. Darumb fliehen sie den Heiligen Sabbath / suchen Berg und finstere Hölen / darinnen sie sich auffhalten / biß der Sabbath ein Ende hat / so lauffen sie wiederumb aus / und schleichen den Menschen nach / welchen sie Schaden thun wollen. Wir wollen aber diese Fabel der Rabbiner fahren lassen / u. hören was dem Alexand. M. wieder fahren / wie Plutarchus und andere schreiben. Denn als er Tyrum belägert / und sich die in der Stadt tapffer wehreten / und ihn offrermahls von dem Sturm abtrieben / war Alexander darüber unwillig / daß ihm diese Stadt allein / so viel zu schaffen machete. Im Traum zu Nachts kam ihm ein Satyrus für / als nun Alexander denselben fangen wolte / entwischet er ihm; darnach hat ihn doch der Satyrus gebeten / ist umb ihm herumb geloffen / und endlich in seine Hände kommen. Die in[431] nun den Traum außgeleget haben / haben das Wort Satyrus getheilet / und solches also außgesprochen: Σὰτύρος, das ist Tua erit lyrus Tyrus wird dein seyn / welches auch geschehen. Daher weist man einem noch heut zu Tage einen Brunnen / bey welchem dem Alexandro geträumet / er sehe einen Satyrum. Dergleichen Traum hat Käyser Constans gehabt / da er mit den Saracenern eine Schlacht thun wolte / wie Cedrenus schreibt. Denn im Traum ist ihm fürkommen / er ziehe nach Thessalonich / welches einer aus den Wahrsagern also außlegt / θὲς ἀλλῳ νίκην h. e. cede alteri Victoriam das ist / laß einem andern die Victoriam und Sieg / welches auch geschehen.

Es seynd aber nicht allein den alten Heyden bey Tag und bey Nacht solche Phantasey / auß Eingebung des Teuffels fürkommen / wie Plinius davon schreibt / da er sagt: daß man auff dem Berg Atlaß bey Nächtlicher weil viel Fewer schimmern sehen. Item / das es in Aegipano viel hurische Satyros gebe / da man mit Trummel und Pfeiffen auf machet: Sondern es seynd auch zu unser Zeit offtermahls Gespenst / als Satyri und Fauni / an etlichen Orthen / da sie gehüpffet und gesprungen gesehen worden / die Einfältigen entweder zu betriegen / oder die fürwitzigen Weibs Persohnen zu verführen. Wir wollen aber die Satyros fahren lassen / und uns zu den Wunder-Thieren wenden / die Sphinges genant werden. Von diesen lieset man hin und wieder bey den Autoribus. Denn es ist Land kündig / ob es aber war sey / dz weiß ich nicht / daß Sphing /[432] alß ein Wunder-Thier / sich in der Stadt Thebis hat sehen lassen / hat ein Angesicht gehabt wie ein Jungfrau / deßgleichen mit Flügeln und Klawen verwahret / wie die Harpiae / das saße auff einem Felsen auff dem Weg / und wann die Leut fürüber giengen / gab es ihnen Rätzel auff / die man nicht leichtlich errathen kunte. Wann sie nun dieselben nicht errathen kunten / ist es unvorsehens herfür gewischt / hat die Leuth mit ihren Flügeln und Klauen zu sich gezogen und über den Felsen hinab gestürtzt. Einer aber / mit Nahmen Oedipus / hat auff eine Zeit solch Rätzlein aufgelöst. Apollodorus meldet / Sphinx sey gebohren von einer Weibs Person Echidna und einem jungen Gesellen Typhone / welche Weibs Person die Juno zu den Thebanern geschickt. Dieses Wunder Thier soll ein Angesicht und Brust gehabt haben / wie ein Weib / Fuß und Schwantz wie ein Löw / auch Federn wie ein Vogel. Das hat hernach Rätzlein von den Musis gelernet / und sich auf den Berg Phyceum gesetzt / davon sie eines den Thebanern / solches Inhalts / auffgeben: Was daß für ein Thier were / welches erstlich auff allen vieren / darnach auff zweyen / und endlich auff dreyen Füssen gehe? Den Thebanern aber hat das Oraculum lassen sagen: Alsdann werden sie von dem Sphinge erledigt werden / wenn sie dieses Rätzlein errathen würden. Unter dessen hat es jedermann gefragt / was das wehre. In dem sie nun solches nicht errathen kunten / hat es einen unter ihnen / erwischet / und gefressen / seyn auch deßwegen ihren viel umbkommen. Als es nun unter andern den Aemon /[433] des Königs Creontis Sohn solcher Gestalt auffgerieben / hat Creon durch einen Herold öffentlich lassen außruffen / wer dieses Rätzlein aufflöse / dem woll er seine Tochter Lajam zum Weibe geben / und das gatze Königreich einraümen. Da Oedipus solches gehört / hat er das Rätzlein also außgelegt: das Rätzlein / welches das Wunder Thier Sphinx zu rathen auffgeben / wer ein Mensch. Dann wann ein Kind gebohren wird / so ist es vierfüßig / weil es auf allen vieren kreucht: wenn aber der Mensch groß wird / so gehet er auf zweyen Füssen: wenn er aber alt und schwach wird / so gehet er an einem Stecken / und hat also drey Füß: Drauff hat sich der Sphinx von dem Schloß herunter gestürtzt, diese Historien hab ich gantz hieher setzen wollen / damit man das Sprichwort im Terentio recht verstehe: Darus sum / non Oedipus / das ist / Ich / als ein Einfältiger Knecht Davus / hab mit meiner Arbeit zu thun / und bekümmere mich nicht ümb solche subtile Fragen. Palaephatus aber / den Lylius Gyraldus citirt / erzehlt die Historiam vō dem Sphinge also: Cadmus hat zur Gemahlin gehabt eine mit Nahmen Sphinge / welche eine von den Amazonibus gewesen / der ist nach Thebas gezogen / alda er zum Königreich kommen / nach dem er den Draconem erwürgt / hat auch zur Gemahlin genommen Harmoniam des Draconis Schwester / daß seiner Ersten Gemahlin Sphingi übel gefallen / darumb hat sie etliche Bürger verführt / sonderlich aber einen mit Nahmen Canis / welche das Schloß Sphyncium eingenommen / haben also dem Cadmo mit nachstellen und überfallen grossen Schaden gethan. Endlich[434] hat man dem Oedipo eine Verehrung verheissen / welcher die Sphingen überwunden und das Schloß eingenommen. Natalis Comes / der der Heyden Fabel außlegt / hat ein besonder Capitel davon / und setzt zu End des Capitels diese Wort: durch die Fabel von dem Sphinge haben die alten wollen zu verstehen geben / ein jeder soll sich mit dem / was ihm GOtt bescheret benügen lassen / oder in seinem Stande / darein ihn Gott gesetzt / verbleiben / und wann schon einer nicht damit content und zu frieden ist / so muß er doch solches leyden unn mit Gedult tragen. Denn was bedeuten die Flügel? Nichts anders / als die Unbeständigkeit des Glücks. Oder warumb hat es Klauen / damit es rauben kan? Darumb daß es alles rauben und zu sich ziehen kan / was es antrifft. Warumb hat es ein Menschen Angesicht? dieweil es nichts neues ist / daß ein Mensch in Unglück kömt / und alles leyden muß / was ihm begegnet. Der Löwen-Schwantz bedeutet / daß er das Unglück mit standhaffeigem Gemüth soll außdauern. Denn wer in Creutz und Leyd nicht geduldig ist / der wird von dem Wunder Thier dē Sphinge greulich zerrissen und gepeiniget werden. In Summa / die alten Weisen haben uns durch diese Fabel errinnern wollen / mann soll entweder mit Weißheit und Verstand / oder mit einem Helden-Muth das Unglück uberwinden und außthawern / wenn wir aber das nicht thun / so werden wir von dem Sphinge überweltiget und überwunden. Denn was wird mit dem Wunder-Thier Sphinge anders angedeutet / als die Menschliche Schwachheit? weiln nichts[435] armseligers und gebrechlichers ist / als ein Mensch. Pierius erzehlet aus den Autoribus / daß die Panes / Satyri / Sphinges / Affen / Cynocephali fast einerley Wunder Thier seyn / doch das immer eins ein andere Art und Gestalt hat / als das ander. Daß hat er vielleicht aus dem Sabino genommen? / da er also sagt: Unter die Affen werden auch die Sphinges gerechnet / die seynd zottigt von Haaren / haben grosse hangende Brüst / die man kan zahm und bändig machen. Sagt auch Pierius / er habe ein solch Wunder Thier gesehen die man findet in Aethiopia. D. Johann Fischart in Margin. ad Bodin. Daemonom. sol. 67. a. daß vom Worte Spynx / das Wort Gspinst (oder Gespenst) komme. Zeiler part. 2. Epist. 517. p.m. 734. aus 5. Theile des Theatr. Europ. sol. 351. daß Anno 1644. in Meissen / auff der Jagt / im Walde / ein Weiblein einer Eelen lang / in Gestalt eines Menschen gefangen worden / dessen Angesicht / Hände und Fußsolen gantz glatt / sonsten aber am Leibe gantz rauch gewesen / welches gesagt habe: Es verkündige / und bringe den Frieden im Lande. Hierauff habe man / auff / Churfürstlichen Befehl / solches wiederumb ins Geholtz lauffen lassen / weiln / für 25. Jahren / ein Männlein / in gleicher Gestalt / gefangen worden / welches den Unfrieden / und Krieg / vekündiget habe. Thisabo von Redtschorn in seiner Neu-Allmodischen Sitten-Schuele / p. 211. etc. Von der rechten wilden Leute Arth. Die rechten wilden Leute Leute seynd gar kleiner Statur / und über 4. Schuh nicht lang / tragen lange Haare / darein ein[436] Zopff geflochten / welcher ihnen biß an die Knie-Kählen / auff den Rücken herunter / hängen muß: Haben breite und lange Angesichter / aber gantz Erdfärbig / einen grossen Kopff / kleine Augen / kurtze Schenckel / so gantz einwarts gebogen seynd / können abee dermassen schnell lauffen / daß kein Teutscher sie einholen kan Ihre Kleider seynd vom Gämse und Dämlings-Häuten gemachet / welche ihnen vom Häupte an / biß auff die Füße gantz glatt anliegen müssen. Die Frauens Persohnen aber haben über ihre Scham eine lange und dicke Haut / gleich einem Türckischen Hahne / an seinen Schnabel herunter hengend / und seynd so wohl / als die Manns Personen gantz rauch an ihrem Leibe: wissen aber von keinem Gotte / sondern ehren die Sonne und den Mond. Sie haben auch einen König / welchen sie hoch in Ehren halten / so gar eben / als sie / gekleidet / gehen muß. Ihre Speise ist rohes oder von der Kälte gedorretes wilder Thiere Fleisch. Sonsten kennen sie weder Silber noch Gold / achtens auch nicht / sondern wann sie solches offtmahls bekommen / so beißen sie darein / und vermeinen / es diene zu essen: Seynd gleichwol gar verständig / und ehren die Frömbden zimlich hoch. Wie solches der berühmte General Oliwier in seinen selbst erfahrnen gefährlichen Schiffarthen also für warhafftig beschreibet.


Die wilden Leute seynd / nach ihrer Art / so gut /

Als da ein Christ / so wenig Gutes thut.


Hieronymus Colberg. in Tabeera ad vers. 229. Es schreibt Johannes Aoricosa in seinen Sprüchwörtern Num.[437] 156. daß bey den Alten für wahr sey gehalten worden / wie daß in den Wäldern Götter seynd gewesen / Satyri genant / oben ein Mensch / unten ein Bock. Auff einer Zeit ist einer derselben Wald Götter von der Kälte des Winters gezwungen worden / bey einem Bauer einzukehren: und da er sahe / daß der Bauer in die Hände bließ / fragte Satyrus: warumb er das thäte? Der Bauer antwortete: auff daß er die Hände erwärmen könte. Abermahl bließ der Bauer auff einen heißen Brey: Da fragte Satyrus wiederumb: warumb er daß thäte? Der Bauer sagte: daß er das Essen kühlete / denn es wehre ihme zu heiß. Da machte sich der Satyrus davon / und sprach: Nein / nein / hier bleibe ich nit: mit solchen Leuten mag ich keine Gemeinschafft haben / die Kaltes und Warmes zugleich auß einem Munde blasen können. (Zufälliger Weise mag auch alhier wohl das Nahmens- und Ampts Zeichen des Herrn Verlägers erkläret werden / so ich ihme unlängst zu Ehren inventiret: Als im Felde einen Buchbaum (Buchführer) davon ein darbey stehender Waldmann (Lüderwald) ein Blat abbricht / und albereit eines in der andern Hand hat. Mit der Umbschrifft: FaVnVs Fert FoLIUM, FrangenDo Feracia Fata (an. 1667. alliteratio.) zwischen den Sylvanum und Buchbaum / mag ein Wald gemachet werden / drinnen viel Leuthe stehen / (Lüderwald.) unten am Berge / drauff der Sylvanus stehet; können Johannes Blumen / und Oel Zweige stehen: (Johannes. Friderich.)

Zeiler part. 2. Epist. 402. pag. 338. Des[438] Svenonis seine Schwester hat den Ulphe geheuratet / dessen Anherr / wie Saxo Grammaticus zwar wil / auß dem Beyschlaff einer Schwedischen Jungfrawen / welche sich ungefehr in den Wälden von Ihrer Gesellschafft verirret / und eines grossen Beerens erzeugt worden seyn solle; welches aber unser Pontanus / mit dem Cranzius / für eine Fabel helt. Es ist aber auß der gedachten deß Ulphe / und Königs Canutus des Großen Schwester / der Estritha Ehe / der 66. König in Dennemarck / Sueno Esthritius / entsprungen / welcher nicht allein selbst gelährt gewesen / sondern auch die jenige gerne bey Seiner Taffel gehabt / die ihnen das Studieren und Wissenschafft aller Sachen angelegen seyn lassen. Unter denen / und sonderlich Außländern / vornemlich der Adamus Bremensis ihme sehr lieb gewesen. Es ward auch der Sueno Norvagus hoch von ihme gehalten der von einer Amptmannschafft zum Priesterthumb versetzet / und ist er eben der jenige / der / wie Saxo bezeuget / an statt / daß er hätte lesen sollen Deus Regem famulum suum protegat / auß einem von seinen Mißgünstigen ihme dargegeben Buch / darinnen theils das Wort nicht gantz / sondern unterstrichen / außgelöschet / oder außgekratzt gewesen / auß Unverstand / mulum suum protigat / gelesen hat; aber hernach sich also auff das Studieren gelegt / daß er seine Wiedersacher und Spötter an Geschicklichkeit übertroffen / und der Bischhofflichen Würde zu Roschilden / dahin ihn der König befördert / biß an sein Ende löblich fürgestanden ist. Vid. Centur. 3. Epist. nost. 83. und Tom. 2. Epist. 83. Centur. 3. pag. 834.[439] wie Zuttiber / der alten Wenden Götze / so viel als ein Faunus sey / suche bey M. Tob. Schmidt in Zwick. Chron. Tom. 1. pag. 387.

Biß hieher von denē warhaftig-rauchen Menschen: Itzt folget von andern / so / dem Nahmen nach / also geheissen werden. Davon Zeiler in Compend. Itinerar. German. in 8. cap. 10. p. 368. etc. Woher die Herren Rhein- und Wilde Grafen kommen / seynd die Gelehrte nicht einerley Meinung / Antonius Albizius / und andere / wollen / daß ihr Uhrsprung sey von Pfaltzgraff Otten von Wittelsdach / der den Käyser Philippum An. 1208. zu Bamberg / in der Aderlaß / erstochen hat: dessen Kinder / am Rheinstrom / in der Wildnüssen sich betragen / und verstecken müssen. Elias Reußnerus / in Isag. Histor. p. 621. schreibet / das Johannes dieses Nahmens der Erste / Rheingraff / des Wildgrafen Johansen zu Dam Schwester / Hedwigen / geheuratet / und selbige Graffschafft Anno 1308. bekommen. Sein Enickel / Rheingraff Oth dor Dritte / so Anno 1428. gestoraen / habe mit seiner Gemahlin / Adelheit die Wildgraffschafft Kyrburg / erheurathet; gleich wie auch dieses Enickel / Rheingraff Hanß der Fünffte / mit Graff Simons zu Salm in Lothringen Tochter / Johanna / die halbe Graffschafft Salm erlangt / und Anno 1491. diese Welt gesegnet habe. Und daher komme es / daß sie sich / nicht allein wild: und Rheingrafen / sondern auch Grafen zu Salm schriebē. Freherus part. 1. Origin. Palat. c. 3. muthmasset / das sie von Cantore / Grafen in Rinechgow / Ruperti Sohn / und Adelhelmi[440] Enickel / der das Closter Laurisham / oder Lorsch / in der Insul Aldenmünster / an dem Fluß / Wisgoz / oder Wischotz / ietzt Weschsnitz genennt / zun Zeiten Königs Pipini / gestifftet) / und seinen Nachfahrern / herkommen / so hernach / mit den Wildgrafen (Comitibus hirsutis / Rauchgrafen) vermischt wordē. Und vermeint Er / daß sich der nicht groß irren werde / so der Wildgrafen / und der Schlösser Wildberg / Wildeburg / etc. so am Hunsrück liegen / Nahmen / von rauchen Lands Art / daselbsten / herführet. Sie / die Herren Rheingraffen (weil sie nahend dē Rhein wohnen / also / wie Einer will / genant) seyn noch / bey Chur-Pfaltz / Erb Marschallen wie Er / Freherus / abermals schreibet. In einem schrifftlich mitgetheilten Bericht hat ich gefunden / daß obgedachter Rheingraff Johannes V. Wildgraff in Dann / und Kyburg / umb das Jahr 1460. mit Johannete / einer eintzigen Tochter Graffschāfft Mörchlingen in Lothringen / und die Herrschafft Haseputlingen / in Westerreich / erlangt: Sein Sohn / Johannes VI. habe mit Johanneta / Grafens Nicolai zur Sarwerden / und Mörs / Tochter / die Herrschafften Vistigen / Ogiwille / Nufille / Afmantz / und Dimmeringen / überkommen: und seynd der Rhein- und Wildgrafen in Dann / und Kyrburg / vornehmste Schlösser / Kürburg / Troneck / Wildenburg / Merchingen / obgedacht Schifele / Bretzenheim / Vinstingen / Aßmantz / Putlingen / Demeringen / Flonheim / Wilstein / Rheingräffen Stein / Dhann / Grumbach / Salm / Ogiwille / Nufille. Sie führen 4. Löwen im Schild / und so viel über dem Helm.[441]

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 427-442.
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