(8)[274] 108

Bißhero von der Insul Eeland / darauff kombt nun (8.) das Römische oder Welschland.109 Davon berichtet Paulus Grillandus in seinem Buch de Sortilegiis, daß er sey im Jahr nach Christi Geburt 1524. von einem von Adel gebeten worden / daß er mit ihm in das Castel S. Pauli (im Hertzogthum Spolet gelegen) reisen / und drey Hexen oder Zauberin verhören / und nach gestalten Sachen über sie erkennen / und ein Urtheil sprechen wolte / unter denselben hat die Jüngste / als man ihr das Leben zu schencken versprochen / auß Hoffnung der schönen Vertröstung und Zusag bekant / sie were vor 15. Jahr von einer alten Vettel in den Cœtum oder Versamlung der Zauberer geführet wordē / in welcher der Teuffel auch selbst gegenwertig vorhanden gewesen / auff desselbigen begehren und anhalten hette sie GOtt ihren Schöpffer / den Christlichen Glauben und ihre Religion abgesaget / und verschworen / und sich dargegen mit einem Iutament und Ayd verpflichtet / sie wolte dem Teuffel getren und gewähr seyn / und seinem Befehl und Gebotten treulich und fleissig folgen unn gehorsam seyn: Und in solcher Ayds-Leistung hette sie die[274] Händ auff ein Buch / so eine gar dunckele und seltzame unbekante Schrifft gehabt / legen müssen. »It. daß sie zu jeder Zeit deß Nachts / wann sie zu denen gewönlichen solennitäten und ferien erfodert würde / sich gehorsamlich einstellen / und wann sie könte / andere mit sich dahin bringen wolte. Dargegen hat der Teuffel ihr hinwieder umb die höchste Freud / stetes Glück und Wolfahrt verheissen und zugesaget.« Sie hat auch ferner bekant / sie hette von der Zeit an vier Menschen umbs Leben gebracht / auch offtermahls das Vieh und Getreidig im Feld beschädiget. Wann sich es aber etwann zugetragen hette / daß sie auff den bestimten Tag ohne warhafftige und genugsame Ursach und Entschuldigung nicht were zur Versamlung der Zauberer und Hexen kommen / so were sie allewege deß Nachts vexiret und geplaget worden / dafür sie die gantze Nacht nicht schlaffen können. Wann sie aber dahin hette zihen sollen / so hette sie eine Stimm gehöret eines Menschen / welchen sie ihren Herren oder auch bißweilen Meister Martingen nenneten: Und so bald sie sich nun mit einer Salben geschmiret oder gesalbet / were ein Bock für der Thür gewesen / auff denselbigen hette sie sich gesetzet / und sich an desselben Haar oder Zoten angehalten / so were sie auff demselbigen Bock unter den grossen Nußbaum in der Graffschafft Benevent, da sie dann eine unzehliche Menge Zauberer[275] und Hexen gefunden / geführet worden. Daselbst hette sie dann ihrem Fürsten seine gebührliche Pflicht und Ehrerbietung geleistet / und darnach angefangen zu tantzen; Nach gehaltenem Tantz hetten sie sich zu Tisch gesetzet / und Mahlzeit gehalten / entlich und zuletzt hette sich ein jeder Teuffel mit den Zauberern oder Hexen auff welche er zu warten oder Achtung zu geben verordnet und bestellet gewesen / zum Beyschlaff gesellet und gefunden. Wann nun solches alles geschehen / und vollendet / hette sich ein jeder wieder auff seinen Bock oder Teuffel auffgesetzet / unn were in einem Huy wiederumb davon gewischet / und nach Hauß gewandert: Daheim aber pflegeten sie den Teuffel inter parietes domesticos im Hauß ein jedes privatim und insonderheit anzubeten. Auff solch ihr Bekantnüß ist sie neben ihren beyden Mitgesellen / und etlichen andern / welche auch im der Zauberey und Hexerey bezüchtiget / auch bekant und gestanden / sambt ihren Salben und Pulvern lebendig zur Asche verbrand worden.110

Eben dieser Grillandus111 ein vornehmer Jurist in Welschland / welcher in vielen Sachen / die Zauberer und Hexen erkand / Urtheil gesprochen / schreibet ferner am angehörigen Ort / daß im Jahr nach Christi Geburt 1526. nicht weit von Rom / ein armer Sabinischer Bauersmann gewesen / derselbe ist inne worden / daß sich sein Weib bey der Nacht nackent[276] und bloß mit einer Salben gesalbet / und darauff alsbald für seinen Augen auffgehoben und davon geführet worden. Als er sie aber allenthalben gesucht und im gantzen Hauß nit gefunden / hat er auff den folgenden Tag einen Prügel oder Knüttel ergriffen und nicht ehe auffgehöret / auff die Frau zuzuschlagen / biß sie ihm den gantzen Handel bekänt / und die rechte Warheit sagte. Demnach sie dann es auch gethan / und alles bekänt / auch umb Verzeihung gebeten; hat ihr der Mann zugesaget / er wolle ihr verzeihen / doch mit dem Bescheid / daß sie ihn mit sich an den Ort / da sie ihren Convent unn Versamlung hielten / führete dann er vermeinte nit / daß es vom Teuffel geschehe / sondern es stecke die Krafft deß Fahrens in der Salbe / und in etlichen Worten. Deß folgenden Tages gibt ihm das Weib das Büchslein mit der Salben / so sie zu brauchen pfleget / und sprach zu ihm / er solle sich auch damit salben / inmassen sie dann auch gethan hatte / da seind sie alle beyde auf Böcken gar geschwind an den Ort kommen / da die Zauberer und Hexen versamlet waren. Es hatte aber das Weib dem Mann zuvor untersaget und vermahnet / er solte sich deß Namens GOttes zuerwehnē oder denselben zu nennen gäntzlich enthalten / es were dann / daß solches auß schimpfflicher und spöttischer Verachtung / oder auß Gotts-Lästerung geschehe; Demnach sie nun beyde zu solcher[277] Versamlung kommen / hat die Frau dem Mann befohlen / er solte ein wenig auff einen besondern Ort beyseits treten / damit er das gantze schöne Geheimnüß recht sehen könte / biß sie das Haupt oder obersten Fürsten dieser Versamlung gegrüsset und ihre Reverentz gethan hette. Derselbe ist mit gar herrlichen Fürstlichen Ornat und Kleidung als ein Fürst angethan gewesen / und ist eine grosse Anzahl an Männern und Weibern umb ihn gestanden / welche als Diener und Unterthanen gegen ihrē Fürsten unn Herren gebührend auff ihn gewartet / und ihme ihre gebührliche Ehr / Unterthänigkeit und Aydspflicht geleistet und erzeiget haben.112 Als dieses geschehen / haben sie alsbald einen Tantz angefangen / mit außwerts gekehretem Mund und Angesichtern / also daß eines deß andern Angesicht nicht hat sehen können /wie es sonsten in andern gemeinē Täntzen bey den Menschen gebräuchlich ist: Vielleicht auß denen Ursachen und Bedencken / daß eins das Andere nicht so ins Gesicht fasse und kennen lerne / darumb etwann / so ja jemand auß ihnen in der Obrigkeit Hände kommen möchte / eins auff das Ander nicht bekennen könte / gestalt dann auch Triscalanus der Zauberer also genand / von den dreyen Stiegen / welchem König Carolus IX. das Leben geschenckt / wann er seine Geselschafft angeben würde / in Gegenwart vieler vornehmer Fürsten und[278] Herren deß Reichs gesagt / es würden die Zauberer zu ihrem Convent oder Versamlung geführet / und wann sie nun ihre Versamlung hielten / so were ihrer in solchem Convent eine unzehliche Menge / die beten erstlich einen Bock an / und küsseten ihm den Hintersten / darnach pflegten sie Vermischung oder fleischliche Unzucht mit den Teuffeln die sich dann in Manns- und Weibs-Gestalt dargeben. Nachdem nun dieses alles volbracht / hat man die Tisch gedecket / zugerichtet und Essen auffgesetzt. Da hat das Weib ihren Mann / den vorgedachten Baur auch hinzu geführet / unn zu ihm gesaget / er solte auch dem Fürsten seine Ehr thun / welches als er es gethan / hat er sich gleich andern mit zu Tisch gesetzt; Als er aber gesehen / daß das Essen nicht gesaltzen gewesen / und auch sonsten kein Saltz auff dem Tisch / hat er nach Saltz geruffen / biß es endlich auff den Tisch ist gebracht worden; Ehe dann er es aber gekostet / und zum Mund bracht / hat er angefangen und gesagt: GOtt sey Lob und Danck / daß einmahl Saltz kommen ist; Als er dieses gesagt / und den Namen GOttes genennet / ist von stund an alles vor seinen Augen verschwunden / die Geselschafft der Teuffel / Zauberer / Tisch und Speisen / und ist er alleine nackent da verblieben / und ihn als einen / der in grosser Kält gantz nackent ist / gar übel gefroren / hat aber gleichwol nicht gewust / wo oder an welchem Ort er[279] were. Als es aber Tag worden / hat er etliche Hirten im Feld angetroffen / welche als er sie gefraget wo er were / hat er befunden / daß er in der Graffschafft Benevent / welche deß Papsts schönste Herrschafft ist / unter einen grossen Nußbaum in die hundert Welsche Meilweges von Rom gewesen. Damit er aber von dannen wieder anheim käme / hat er müssen unterwegen alte Kleider und Brod zu seiner Unterhaltung erbeten / und ist also außgehundert und abgemattet auf den achten Tag allererst wieder anheim kommen / da er dann anders zu thun nicht gewust / als sein Weib für der Obrigkeit anzugeben und zuverklagen / welche dann / nach dem sie die Warheit bekant / neben vielen andern / so sie angegeben und bezüchtiget / nach Erkundigung der Warheit lebendig verbrent worden.113 Es meldet auch dieser Author, daß Anno 1535. ein Mäydlein von 13. Jahren im Hertzogthum Spolet auch gleicher gestalt von einer alten Vettel zu einem solchen Zaubertag und Versamlung der Zauberer also sey geführet worden / welche als sie gesehen / daß alda ein grosser Cœtus und wunderbarliche Geselschafft bey einander versamlet gewesen / hat sie sich darüber verwundert unn gesagt: Hilff Almächtiger GOtt / was ist das? So bald sie diese Wort kaum außgeredet / ist alles verschwunden / und hat das arme Mägdlein einen Bauersmann angetroffen / deme sie dann[280] den gantzen Handel erzehlet: Der Bauersmann aber hat das Mägdlein wiederumb anheim zu den ihrigen geschickt und bringen lassen / die dann gleicher gestalt / alles was ihr allenthalben begegnet / angezeiget / darauff dann die alte Zauberin gefänglich eingezogen / und endlich verbrand worden.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung. Leipzig, Frankfurt 1669, S. 274-281.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Suttner, Bertha von

Memoiren

Memoiren

»Was mich einigermaßen berechtigt, meine Erlebnisse mitzuteilen, ist der Umstand, daß ich mit vielen interessanten und hervorragenden Zeitgenossen zusammengetroffen und daß meine Anteilnahme an einer Bewegung, die sich allmählich zu historischer Tragweite herausgewachsen hat, mir manchen Einblick in das politische Getriebe unserer Zeit gewährte und daß ich im ganzen also wirklich Mitteilenswertes zu sagen habe.« B.v.S.

530 Seiten, 24.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon