Das IV. Capittel.

Von denen Stücken und Mitteln / vermöge welcher die Hexen zu ihren Versamlungen fahren.

[294] Nachdem wir in vorhergehendem Capittel weitläufftig gehandelt haben von denen Orten / an welchen die Zauberer ihre Zusammenkunfft zu haben pflegen; Folget nun auch daß wir Bericht thun / durch was Mittel oder Fuhrwerck sie zu denselben / und sonderlich zum Blocks-Berg hinkutschen? Wann wir aber in den Historien unn mancherley Geschichten uns umsehen / so befindet es sich / daß sie unterschiedene Instrumenta, ihrer eigenen Außsag nach / gebrauchen[294] sollen; Als da sind theils lebendige Thier / nemlich: Böcke / Zigen / Kälber / Pegasi oder fliegende Pferde / Säuen / Wölffe / Katzen und Hunde; Theils leblose Dinge / als: Rocken / Ofenkrückeln / Ofen- Mist- und Hew-Gabeln / Schauffeln / Beesen / Rauffen / Backtröge und Mulden / wie auch Kleiderbürsten / Hüte / Mäntel und dergleichen. Wie davon der offtangezogene Bodinus Bericht thut / da er unter andern also schreibet: Das Hexenfahren belangend / habe ich vielfältig gelesen / daß solches bißweilen mit Salben / bißweilen auch ohne Salben zugangen sey / etwann auff einem Bock / bißweilen auff einem fliegenden Pferde / etwann auff Beesen /zu Zeiten auff einem Stecken / vielmahls ohne Stecken / und ohne einiges Thier.1 Etliche fahren gantz nackend dahin / etliche aber bekleidet / etliche deß Nachts / etliche deß Tags / doch geschicht es gemeiniglich deß Nachts / und zwar in der Nacht / die da ist zwischen dem Montag und Dienstag. Darauff führet er auß des Pauli Grillandi Buch de Sortilegiis eine Histori an / von einer Hexen zu Spolet / die unter andern bekennet / daß wann sie zu ihren Versamlungen reisen sollen / gleichsam eines Menschen Stimme gehöret[295] habe / welchen sie ihr kleines Meisterlein / bißweilen auch Meister Martinlein nennete. Wann sie dann mit einer sonderlichen Salbe sich geschmieret / sey sie auff einen Bock / der in Bereitschafft an der Thür gestanden / gestiegen / und sich an seinen zöttigten Haaren gehalten / und sey also von demselben in grosser Eil unter den grossen Nußbaum bey Benevent geführet / da sie eine grosse Menge und Anzahl ihres gleichen gefunden. Gleichmässiger Fal / schreibet Bodinus kurtz für den jetzt angezogenen Worten / hat sich unlängst mit einē Junckherrn bey Melun zugetragen / der beydes auß Fürwitz / und daß ihm seine Mutter darzu beredet / sich gewaget / und auch zur Hexen Geselschafft gefahren / dieweil er aber vor Furcht sehr zitterte und zagte / wiewol er GOtt nicht nante / da fing der Teuffel überlaut an zu ruffen / wer fürchtet sich hier? Der Junckherr / so von solcher Stimm noch furchtsamer ward / suchte Wege / wie er sich möchte außdrähen: Aber ehe er sich umsahe /war die gantze Geselschafft verschwunden.2 Als er nun wieder heim kam / wolte er den Zauberer verklagen / der ward es bald inne / und floh davon. Dieses wird deßhalben gemeldet / daß es sonderlich umb der Furcht willen wol ist zu mercken. Dieses aber wird noch mercklicher kundbar / durch den rechtlichen Process mit den Heren / und Valerich in[296] Sovoy außgeführet: Alda die Tochter bekant / daß ihre Eltern / da sie das erstemahl zur Versamlung fahren solte / ihr einen Stecken zwischen die Beine geben / und ihr befohlen haben / vor allem nit erschrocken zu seyn / und alsbald sey sie mit dem Vatter und der Mutter davon gefahren. Der Process ist in deß letzten Drucks Buch deß Danæi außgedruckt / und ist ergangen im 1574. Jahr. Ferner schreibt er: Ich hab auch ein Extract vō der Verurtheilung der Heren zu Potetz / von dem Herrn Adrian der Fer General Leutenant zu Laon bekommen / und darinnen gefunden / daß sie in Krafft etlicher Wörter / die ich nicht benennen wil / bey Longnie zu einer Mühlen mit einem Kehrbeesem oder Kleider-Bürst sey gefahren / und alda viel andere ihre Bursch gefunden / derer jedes einen Kehrbeesem in der Hand hatte / und mit ihnen sechs Teuffel / die daselbst mit Namen benennet werden. etc. Wie diese Histori weitläufftiger in vorhergehendem dritten Capittel ist angeführet worden.

Damit stimmet auch überein Wolffgang Hildebrand in seiner Theurgia, wann er am 117. Blat schreibet / daß die Hexen / wann sie auff ihre Fest / und nach ihren Versamlungen ziehen wollen / sich sitzen auff Stecken / Gabeln / Wölffe / Geissen / Katzen / brauchen auch ihre Ceremonien darzu / und salben sich[297] mit Katzen-Hundes-Esels- oder Wolffs-Schmaltz / und fahren also an ihre bewuste Oerter / dahin sie durch ihre Pedellen zu kommen beruffen sind / durch die Lufft zu dem Rauchloch und Kamin hinauß / und vergleichet ihr fahren einem starcken Wind-Wehen / der eine Feder von der Erden auffnimbt / führet sie in die Höhe / und treibet sie vor ihm her / biß dahin / da er auffhöret zu wehen. Darauff erzehlet er nun am 118. 119. Blat / Herrn D. Johann Geilers von Käysersberg / weyland Dompredigers deß hohen Stiffts zu Straßburg / Meinung / von der Hexen und Unholden fahren. Es schreibet aber derselbe in einer Predigt am Mitwochen nach Reminiscere 1508. gehalten / also: Nun fragestu / was sagest du uns von den Weibern / die zu Nacht fahren / und wo sie zusammen kommen? Du fragest ob etwas daran sey /wann sie fahren in Frau Venus-Berg / oder die Hexen / wann sie hin und herfahren / fahren sie / oder bleiben sie? Oder ist es ein Gespenst? Oder was sol ich davon halten? Ich gebe die Antwort / wie nachfolget. Zum ersten sprech ich / daß sie hin und her fahren / und bleiben doch an einer stat / aber sie meinen / sie fahren. Dann der Teuffel kan ihnen einen Schein also in den Kopff machen / und also eine Phantasey / daß sie nicht anders meinen / dann sie fahren allenthalben / und meinen sie gehen[298] bey einander und bey andern Frauen / tantzen / springen und essen / und das kan er allermeist denen thun / die da mit ihm zu schaffen haben / ihme verpflicht seyn / (pacto exteriori vel inteiori.) Und das laß dich nicht wundern / daß es ihnen so eigentlich träumet / daß sie wehnen / es sey an ihm selber also: Dir träumet etwann natürlich so eigentlich von einem Ding / als wann du so viel Gulden habest / oder etwann träumet dir / wie du bey den Männern seyst / oder bey den Frauen / oder habest das und das zu essen / und träumet dir so eigentlich / da dir träumet / es sey kein Traum / es sey also in der Warheit / und wenn du erwachest so ist nichts da. Einer kan etwann vacirets in einem Traum machen / einer findet etwas in einem Traum / daß er im Wachen nicht finden kan. Kan das die Natur / so viel mehr kan das der böse Geist / da ein Mensch wehnt das nicht ist / also höre ein Exempel.3 Ich laß / daß ein Prediger kam in ein Dorff / da war eine Frau / die sagt / wie sie die Nacht also umher führe / der Prediger kam zu ihr / und straffet sie darumb / sie solte darvon abstehen / dann sie führe nimmer / sie würde betrogen. Sie sprach / wollet ihrs nicht glauben / ich wils euch zeigen / er sprach / ja er wolt es sehen: da es Nacht ward / daß sie fahren wolte / da ruffet sie ihme / da sie fahren wolte /[299] da legte sie eine Mulden auff die Banck / da man Teig inne macht auff den Dörffern / und besonders in dem Land bäcket jedermann selber; Da sie in der Mulde also saß / und sich salbet mit Oel / und sprach die Wort / die sie sprechen solte / da entschlieff sie also sitzend. Da wehnte sie / sie führe und hette zimliche Freude inwendig / daß sie fechtet mit Händen und Füssen / unn fahre also fast / daß die Mulden über die Banck fiele / und lag unter der Mulden / und schlug ihr ein Loch in den Kopff.

Author der Hundstägigen Erquickstunden in 1. Theil am 379. Blat / hat dieses davon. Bald kam eine grosse Menge von Weibern und Männern als ein Kriegs-Heer auff dem Feld her / ein Theil auff Böcken / ein Theil auf grossen Hunden / unn ein Theil auff Stecken geritten (unter welchen dann die jenige so auff Hunden geritten kamen / vor allen andern statlich bekleidet waren) welche alle dem Theatro zueileten / und darauff sich einstelleten / und mit zusammen geschlagenen Händen niederfielen / und den grossen Bock anbeteten; Wie auch ihme zu ehren etliche / sonderlich die Männer Bechkertzen / der Weiber eine grosse Anzahl die Nabel-jungen Kinder herbey brachten / und auffopfferten / auch gottlose Ceremonien mit Weyhwasser und andern heiligen Sachen in despect der Christl. Ceremonien darbey trieben / und den Bock anbeteten.4[300]

Bißhero von den Instrumenten oder Werckzeugen / darauff die Hexen-Fahrt geschehen sol; Dieweil aber fast allezeit das Schmieren oder Salben darzu solle kommen müssen / wird vonnöthen seyn / daß wir in diesem Fal etwas davon erwehnen. Paracelsus5 berichtet / daß solche Salbe von den Hexen gemacht werde auß dem Fleisch der jungen neugebornen Kinder / welches sie wie einen Brey kochen mit denen Kräutern die einen Schlaff verursachen / als da sind Mohn / Nachtschatten / Sonnenwendel / Schirling und dergleichen. Wann nun die Hexen sich mit der Salbe schmieren unfolgende Wort sprechen / oben auß und nirgends an / so sollen sie / seiner Meinung nach / durch die Feuermäuer / durch die Fenster und andere enge Löcher durch Hülff deß Teuffels davon fahren. Sprenger schreibet / wie eine Hebamme oder Wehmutter / welche zu vielen Kindbetterin stets beruffen worden / im Costnitzer Gebiet gericht sey worden / darumb weil sie 41. Kindlein / wann sie allererst auß Mutterleib kommen / mit grossen Nadeln / die sie ihnen ins Häuptlein gesteckt / getödtet habe.6 Gleiches Kinder-Mördern lieset man auch von der Zauberin Medea, als sie einmahl ihren leiblichen Bruder / das andermahl ihre eigene Kinder hat umgebracht. Im Horatio lesen wir auch die Zaubereyen / welche die Canidia[301] getrieben. Und im Lucano von der Unholdin Erichtho / daß sie Kröten / Schlangen und Gebeine gebraucht / wie die unsere Hexen auch im Brauch haben / und damit offt gefast seyn begriffen worden. Kein Zauberey-Geschlecht ist zu finden / welches der Orpheus nicht ungefehrlich vor 300. Jahren hat beschrieben / und zum theil von Homero war angereget / und im Gesetz GOttes vor 3500. Jahren gestrafft worden. Droben haben wir ein Exempel von einem Zauberer auß dem Ammiano angezogen / der ein schwanger Weib auffgeschnitten / damit er nur ihre Leibes-Frucht bekäme / und diß bey Regierung deß Käysers Valentis. Vor 100. Jahren ward der Freyherr von Raitz7 überwiesen / daß über diß / daß er viel Kinder umgebracht hat / auch darauff umbgangen / seine Eheliche Frau / so mit einem Kind schwanger ging auffzuschneiden / und sein eigen Kind dem Satan zu opffern / wie ihn dann der Satan / dem nichts liebers / dann Menschlich Geschlecht zu schwächen / darzu angericht hatte Unn ist diß nicht darumb / daß er das Fett zu Volbringung schändlicher abscheulicher Händel gebrauchte / darzu sonst andere der arglistige Feind beredet / auff daß er hierdurch die Zauberer zu dergleichen Mördern ihres eigenen Geblüts bringe und bewege. »Dann sie sagen / das Fette oder Schmaltz von den Kindern / die natürliches Tods verschieden / sey nicht gut.«8[302] Solches Hat ja diß erst angezogene Exempel der 41. von einer Hexen umgebrachter Kinder / so noch nicht getaufft / sondern dem Satan übergeben gewesen / erwiesen. Noch stellet sich Wier an / als glaube er dieser Dinge keines / die ihm doch so wol bekant sind / als seinē Meister Agrippa. Daher er auch schreiben dörffen / oder vielmehr sich also anstellen / als folgete er der Meinung Baptistæ Portæ eines Italiäners / welchen er auß der massen hoch erhebet. So doch derselbe schreibet / es haben ihm die Hexen bekant / daß sie ein Schmeer von gekochten und gesottenen Kindern / und mancherley Specerey / so nicht zu benennen / machen. Also mit dieser Weise lehret er Kindermord begehen / und dasselbe auß teufflischer Beredung / als habe dieses Schmeer die Krafft / die Leute in Lüfften fliegen zu machen. Nun sind aber die Unholden in Franckreich nicht geschwinder noch leichtfertiger / dann die in Teutschland und Italien / unn nicht destoweniger hat das mehrer theil Unholdē in Franckreich (als die zu Manns / zu Uberich / und zu Longny in Potetz /wie ich droben vermeldet) nicht mehr dann Beesen /zwischen die Beine genommen / und etliche Wort darzu gesprochen / und alsobald sind sie in die Lufft verzucket worden. Und Paulus Grillandus schreibet / daß viel der jenigen / die er in Italia hat richten sehen / bekant haben / daß jedes mahl / wann sie auff seyn wollen / ein Bock[303] an die Thür kommen / auff welchen sie gestiegen / und ohne Schmierung und Salbung davon gefahren. Man siehet / daß der Italiäner Baptista in seinem Buch von der Magie / das ist Zauberey / und deßgleichen Weier sich selbst bemühen / den Leuten einzureden / als sey es eine Salbe natürlicher Krafft / und den Schlaff bringend / auff daß man den Leuten eine Lust mache es zuversuchen. Dann die schlaffbringenden Kräuter sind Mandragora oder Alraun / Magsaat / Dolkraut / Bilsenkraut oder Saubohnen unn Schirling. Und nicht destoweniger hat man nie weder Griechische noch Arabische / noch Lateinische Aertzte gefunden / welche auff den Rücken / an die Arme / an die Beine oder wol gar in den Hindern Salben geschmieret hetten / damit also die Leut zu entschläffen / daß sie keinen Schmertzen fühleten. Wenden oder überschlagen sie schon etwas außwendig an / so sind es vielleicht Frontal / die man zur Stirnen und den Schläffen / oder auff das Haupt brauchet / von kaltem Saamen / die man durch mistiones & fussiones durch Vermischung od' Vielgiessung und Einbeitzung verbessert und corrigiret. Belangend dann die Fette / da ist eine gemeine Regel in der Artzney / daß sie warm / entzündent oder inflammatifisch sey. Wie solt sie dann / wann mans schon auff den Rückgrad oder Arm schmierte / zu entschläffen die nen. Sintemahl [304] deß Schlaffs Ursach ist / wann das Geblüt vom Hertzen durch die Blut-Adern Carodites zum Gehirn geführet wird / und wann die Humores oder Feuchtigkeiten welche in das Hirn / wie die Dünst und Dampff in die Lufft steigen / gelindlich und süßlich in das Hertz sich thun und schlagen.9 Aber damit wir anzeigen / daß Satan die Seele ausser dem Leib verzückt / und (inmassen wir im Capittel von der Ecstasi oder Verzückung gedacht) ihn gleichsam todt unn unempfindlich lasse / und gar kein Schlaff sey / das siehet man daran / weil alle einfache Soporativa oder einschläffende Sachen nicht hindern mögen / daß ein Mensch / wie sehr er eingeschlaffen were / nicht solte das Feuer fühlen / wann mans an die Haut helt. Hingegen empfinden die Zauberer / wann sie verzucket werden weder Feuer noch einigen Schmertzen / wie dann diß offtmahls ist versucht worden / inmassen wir diß hievor erkläreten / als wir den Ort Virgilii außlegeten / da er von der Zauberin spricht: Quæ se promittit solvere mentes.

Noch wollen wir mit einem andern Argument, welches unwidersprechlich ist darthun / daß weder dieselbe Salb es thue / noch ein Schlaff / sondern eine rechte ware verzuckung der Seelen vom Leibe sey. Und ist es nemlich dieses / weil alle / die dermassen verzuckt sind / eine halbe Stund darnach wieder zu sich selbst[305] kommen / oder so bald es gelüstet: Welches einem der durch einfache Narcodica oder schlaffbringende Artzney eingeschläfft wird / unmöglich ist / sondern bleiben auff einem oder zween Tag unauffgewacht. Der Brauch bringts auch mit sich / daß diese Leut so verzucket werden / offt auff 100. Meilen ware Zeitung von allerhand Geschichten wissen zu sagen. Diß ist aber wol zu mercken / daß die Bereitung dieser Salb /welche der Author der natürlichen Magy lehret / auß keinem simpeln schlaffbringenden Stück / sondern auß vielerley gefährlichen Gifften gemacht werde. S. Augustin / als er von solcher Verzückung (die er für geswiß und unzweifflich helt) redet / und sich über die Teuffelische Macht verwundert / da spricht er also: serpit hoc malum Dæmonis per omnes aditus sensuales, dat se figuris, accommodat se coloribus, adhæret sonis, odoribus se subjicit. Wo ihm dann also / daß die bösē Geister durch eine gerechte Zulassung Gottes Macht haben / die Seel vom Leib zu scheiden / wie sollen sie dann nicht die Macht haben / sie mit dem Leib weg zu führen. Sintemahl ohne alle Vergleichung viel wunderlicher ist / die Seele vom Leib zu trennen und zu scheiden / und sie wiederumb einzustellen / dann wann der Teuffel Leib und Seel mit einander holet. Mich betreffend / halte ich / nach Zeugnüß Göttlicher Schrifft / diese Verzückung [306] Ecstasin oder Aphæresin für eins der fürnehmsten und stärcksten Argument, durch welches wir die Unsterblichkeit der Seelen mögen bewähren / und diese hypothesin deß Aristotelis decidiren / da er setzt10 wann die Seel etwas für sich selber ohne den Leib kan / so sey sie unsterblich. Dann die fürtrefflichsten Zauberer (so es auß der Erfahrung / wie Orpheus, erkant haben) die haben jederzeit den Leib für der Seelen Kercker gehalten. Und Empedocles sambt dem Zoroastre (zween der berümsten Zauberer ihrer Zeit) nennen den Leib ein Grab. Plato11 meinet / σῶμα das ist / der Leib / heisse so viel als σῆμα, das ist / ein Grab. Und Socrates nennet ihn / die Höle der Seelen. Zu diesen argumenten und Gründen / welche Weier in keinem Weg nicht aufflöset noch umstösset / da haben wir noch die Authorität und Ansehenlichkeit der Zeugnüssen fürnehmer Leute von vielen alten Zeiten her / als deß Plutarchi12 welcher viel und merckliche Exempel zu Marckte bringt / deß Plotini13 Plinii14 S. Augustini15 Thomæ von Aquin16 D. Beneventuræ17 Durandi unn aller Theologen / auch Sylvestri Priers / Pauli Grillandi18 unn der fünff Ketzermeister in Teutschland / welche unseglich vielē Hexen ihr Recht zu thun verschaffet / und ihre Mißhandlungen und Verurtheilungen kurtz in ein Buch / Malleus Maleficorum genant / gezogen haben. Wann dann nun über solche ansehnliche Zeugnissen /[307] noch die ordentliche Erfahrung unzehlicher Gerichtlicher Procedirung hinzukömbt / dabey die Kundschafften / die Wiederholungē / die Confrontationē / Uberzeugungen / Urgichten / und Bekantnissen biß zum Todt vielfältig und klärlich erscheinen: So ists zwar nicht eine Halßstarrichkeit an D. Weiern / daß er das Widerspiel handhabet: Sondern der grosse Ernst und Fleiß / den er umb Erweiterung deß Satans Reich anwendet / ist eine überauß grosse Gottlosigkeit. Dann man hat ja beyder-Nacht-abwesenden Hexen Beweisung genung / wann sie die Warheit bekennen / und die Ursach ihres aussenbleibens anzeigen. Man hat ja gesehen / daß die jenigē / welche erst jüngst zu solchen Hexen-Versamlungen kommen / unn GOTT umb Hülff angeruffen / oder sich vor dem / das sie sehen / förchten und scheueten / mit ihrem Schaden erfahren haben / daß sie 100. oder 50. Meilen von Hauß waren / und grosse Tagreisen zu dem Ort / von dannen sie der Satan in wenig Stunden vertragen gehabt / volbringen müssen. Dessen habe ich neulich Exempel gegebē von Loches / von Leon / von Manns / von Poictiers /von Casteaurox / von Longny / und von unzehlich andern Enden / so von den Authoren / die ich angezogen / benennet werden / welche alles Weiers fürgeben / als weren die Zauberer so Melancholisch / hinrichten; Dann er ja diß von denen nicht sagen kan / die[308] grosse Tagreisen thun müssen / ehe sie zu Hauß kommen. Wiewol Weier ihme selbst zuwider zugibt /19 Simon der Zauberer / welchem Nero ein Ehrenbildniß zur Gedächtniß auffrichten lassen / sey in die Lufft auffgeflogen: Wie auch dieses die alten Doctores20 und deren nicht wenig in Schrifften hinterlassen. Ist das aber nicht eine überauß grosse Narrheit / bekennen daß Simon der Zauberer in die Lufft sey geflogen / und hingegen nicht zugeben / daß es andere Zauberer auch können / sondern sagen / sie betriegen sich und meinen / sie werden in der Lufft dem Unholden-Tag vertragen? Ist dann der Satan heutiges tages weniger bey Macht / dann damahls? Dann dieses geschahe nach JESU CHRISTI Todt. Ja Weier erzehlet21 selber / er habe in Teutschland einen zauberischen Gauckler gesehen / der bey hellem Tag vor allem Volck gegen Himmel sey geflogen / und als ihn sein Weib bey den Füssen gehabt / sey sie auch auffgehebet worden / und da hat sich die Magd an die Frau gehalten / und ist gleichfals auffgefahren / seyn auch solcher gestalt eine zimliche gute weile in der Lufft also geblieben / darob das Volck erstummet gewesen / und sich als ob einem Miracul verwundert.22 Gleiches Exempel lesen wir in der Histori Hugonis von Fleury / daß ein Graff von Moskau / auch also in die Lufft sey erhebet / und jämmerlich überlaut schreyend davon geführet[309] worden / ungeacht daß er geruffen; Ach lieber Freund / helfft mir. Ist auch hernachmals nicht mehr gesehen worden / eben so wenig als Romulus nachdem er vor seinem Heer in die Lufft ist verzucket worden. Wiewol / auch auß dem Evangelischen Text erscheinlich / daß der Satan unsern Herrn Christum auff die Höhe deß Tempels / und folgends auff die Spitze eines Berges geführet hat. Darauß Thomas von Aquin eine unzweiffliche Folge oder Consequentz schleust / daß der Satan auß Göttlicher Zulassung nicht weniger Macht hat / andere hinzuführen / angesehen / daß JESUS CHRISTUS war und ist ein wahrer GOTT und warer Mensch / unn kein phantastischer eingebildeter vergeisterter Mensch. Aber es begnüget mich / daß ich den Weier durch seine eigene Bücher und fürbringen kan überweisen. Dann er schreibet23 selber / er habe Leut von den Teuffeln hinauff in die Lufft tragē gesehen / auch meldet er / es sey nichts ungereimbts: Und eben an demselben Ort schreibet er fälschlich / man habe in Teutschland einen Zauberer gesucht / welcher versprochen gehabt / deß Königs Francisci Kinder auß dem Schloß Madrich zu bringen / und in den Lüfften auß Hispania in Franckreich zuführen / sey aber nicht zu Werck kommen / auß Sorg / er mögte sie in Noth bringen / daß sie den Hals brechen. Vnn welches noch mehr ist / er schreibet am 19. Cap. deß 4. Buchs de præstig. daß als[310] d'Teuffel in Gestalt eines Fürsprechers eine Sach vor Gericht geführet / und gehöret / daß die Widerparthey sich dē Teuffel ergebē / wann er etwas Geld von seinē Gast hette zuverwahrē empfangen / alsbald vom Stand auffgewischet sey / unn diesen Wirt / der einen Meyneid gethan hat / im Angesicht deß gantzē umstands hingeführet hahabe: unn diese Geschicht sagt er sey gewißlich in Teutschland geschehen.24 Folgends nachdē er viel Exempel solcher Teuffelischē Entführungē hat gesetzet / schliesset er / diß sey gewiß und gar keines wegs etwas ungereimtes darhinder. Vnd gleichwol dieses alles unangsehen / schreibet er im Buch de Lamiis gar das Widerspiel / darauß mā ein recht leichtfertig Schwindel-Hirn / welches sich zu jedweder Rede verwickelt / kan abnehmē. Vnn wiewol er vieler Theol. unn Historiēschreiber Glaubē unn Aufrichtigkeit tadelt; so behilfft er sich doch mit der guldē Legēd c. als da er das Lebē S. Germani anziehet / da gemeldet wird / S. Germanus sey auf eine zeit gangē dē Hexentantz zubesehē / unn gleich drauf sich zu dē Geliger ihrer Ehemänner verfüget / alda er sie gefüdē: Als ob S. Germanus leichter were gewesē dann d' Satā / und d' Teuffel sie nit so geschwind hette wiederū heimlieffern als hinauß führē können.25

Vnn das sey gesagt von der Hexen-Salbe / darauß wir erlernet haben / wie selbige eben so wenig zur Fahrt helffe / als die Waffē-Salbe zur Schaart oder Wunden; Wo nicht der Teuffel das beste bey der Sache thue /[311] das angefangene Werck fortsetze / und den eingewurtzelten Aberglauben bey seinem esse er halte. Doch mögst du hier sagen: hüpffet dann nun der Teuffel so fluchs einer Hexen auff / wann sie es haben wil / theils in dieser / theils in andern Fällen? Darauff antworten wir / daß freylig der Satan den Hexen nach ihren Willen auffhüpffe / damit er sie desto baß in seiner Devotion erhalte: Aber er wird auch dermahleins auff sie hüpffen / wie sie bey ihrer Fahrt auff ihn gehüpffet seyn. Philipus Ludvvig Dæmon. quæst. 16. erzehlet / daß der Apostel Johannes einsten die Teuffel gefraget habe / warumb sie dem Zauberer dem Cynopi also gehorcheten?26 Da habe ihm der eine Teuffel geantwortet / weil alle Krafft deß Satans in ihm wohnet / und das daher / dieweil er einen Packt und Verbündniß gemacht mit allen unsern Fürsten / und wir wiederumb mit ihme. Cynops ist uns gehorsam / und wir ihme deßgleichen.

Fußnoten

1 lib. 2. Daemonom. c. 4.


2 Heren dürffen sich bey ihren Versamlungen nit fürchten.


3 Diese Histori führet auch an Lutherus im 1. Jenischen Latein. Theil fol. 121. und auß ihm / Mederus in der 5. Hexen-Predigt. p. 72. a.


4 Vielleicht ist Agrippa Hund hieher gehörig.


5 Paracelsus in magna & occulta Philosophia.


6 Bodinus in Confutat. Opinion. Wieri.

Eine Hebamme bringet 41. sechswochen Kinder umb.


7 Freyherr von Raitz ein Zauberer.


8 Gestorbener Kinder schmaltz nit dienlich


9 Woher der Schlaf komme.


10 lib. 2. de anima.


11 lib 7. de Republ.


12 in Romulo.


13 lib. de anima.


14 lib. 7.


15 lib. 10. & 21. de Civ. Dei.


16 in secunda 2. q 95. art 5. tit. de Superstit & in tract. 1. part. q. 8 & tit. de mirac. q. 16. art. 5 & 6 de Dæmon.


17 Benev. in lib. 3. sentent. dist. 19. q. 3.


18 lib. 2. de Sortil. c. 2.


19 lib. de Lamiis. cap. 3.


20 Ambros. in Hexaêm. Ireneus. Eusebius. Clemens in Itinerario. Egesipp lib. 3. de Excid. Hieros. c. 2. Niceph. l. 2. hist. Eccl. c. 27. Fulgent. lib. 8. cap. 11.


21 lib. de præstig.


22 Seltzame Himmelfahrt.


23 lib. 2. de præstig. c. 12.


24 Teuffel ein Advocat.


25 lib. 2. de Præst. c. 13.


26 Bertram in cap 2. Matth. pag. 354. ex Reinecc Clav. Theol. part. 2. pag. 897. Conf. Reuchl. de verbo mirifico lib. 3. c. 13.


Quelle:
Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung. Leipzig, Frankfurt 1669.
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