IIX.
In was für Gestalt sich Rübezahl zeige und anschauen lasse?

[231] Allhier möchte zwar einer sich erstlich umb die quæstio an sit? od' ob Rübezahl /[231] als ein Geist / der kein Fleisch und Bein hat einen Leib ane habe / oder Gestalt zeigen könne / bekümmern: Da denn vor allen Dingen billich dieser ersten Frage Gnüge geschehen muß / und solche erste difficultät über wunden werde / oder das gröste Scandalum semoviret werde / damit niemand in limine impingire oder im ersten Antrit das fundament übel befinden möge. Es hat aber die gantze Sache geschlichtet; wie nemlich / und ob die bösen Geister einem Leib annehmen können / der Autor der Hundstägig. Erquick stund: part. i.p.m. 434. etc. 'Philosophus: Dieweil man dann so tieff ins Gespräch kommen / daraus ab zunehmen / daß sich auch der Teuffel verstorbener Cörper an sich zunehmen nicht scheuet / dieselbige zur Unkeuschheit zu gebrauchen. Als wil ich zum Beschlus / dieser Materi kürtzlich bey bringen / was die Gelehrten /[232] und Philosophi davon discuriren / ist derowegen sein zweiffel / daß der Teuffel zu weilen einen rechten Elementarischen Leib annehme / und solches also aus bilde vereinige und belebige / nicht anders / gleich wie sonsten einer ein bewegēdes lebloses Ding annimbt / und solches rühret und beweget / und demnach einen wahrhafftigen Cörper ähnlich lasse. Ob er aber solches aus der Lufft allein an nehme und ausfertige / wird in Zweiffel gezogen: meine Meinung ist / daß die blose Lufft nicht also könne zusammen gefüget werden / daß es eine Dicke abbilde / sondern der Teuffel / nehme die Lufft / (derer er doch das gröste Theil gebraucht) und vermenge die mit Erde / Wasser / Wolcken und andern aus der Erden auffsteigenden Dünsten / alles darumb / damit er so wohl die Farben der Natur ähnlich möge abbilden / durch die Glieder und[233] theil desto baß zusammen bringe. Derer Einwurff aber / die da wollen / daß er den Leib aus blosser Lufft annehme / schließ nicht weiter / ohne daß damit erwiesen wird / daß der meiste Theil aus der Lufft bestehe / welches ich willig und gern gestehe Sprengerus bezeuget / daß man habe auff eine Zeit mit Kleidern angethane Weiber gesehen auff dem Ancker tantzen und springen / daß auch der Teufel daselbst erschienen / welcher in einer schwartzen Wolcken / und mit dicken Dünsten seinen Abschied genommen. Mirabèllius der Zauberer / welcher mit seinen Mitgespanen zu Pariß verbraut ist / hat unter andern auff der Peinbanck aus bekennet / daß der Teuffel zur Annehmung der Leiber / zwey Ding nothwendig sich müste gebrauchen: Einmal / guten Wind: Hernach auch die Fülle des Monds: Dann wann der Wind entgegen wehe /[234] könne der Leib seine vollkommene Zusammenverführung nicht erreichē: Wann aber der Mond abnehme / oder halb und hörnicht sey / könne der Leib seine natürliche Grösse nit erlangen / sondern werde gar klein / welches sich nach dem Wachsthumb des Monds vergrössere. Diese Meinung gefället etlichen / mir aber kombt sie gantz närrisch und lächerlich für. Dann solte d' Teuffe auff zustattung Gottes / nicht dem Wind einhalten und hemmen / auch den Mangel des Einflusses / am Mond ersetzen / oder ergäntzen können? Die Lufft und die Gewölcke haben eine Meerschneckichte Purpur Art / welche mit dem Mond ab- und wieder zunimbt. Mittlerweil bleibet diese Regul gewiß: Bey den Erscheinungen der Heyden und Verdambten (als die seinen Glauben gehabt hat sich nicht gefunden (es sey dann eine sonderliche Zulassung Gottes)[235] die Seelen solcher verstorbenen / sondern dessen Stelle bekleidet einer unter den Teuffeln. Als deute ich aus allen Erscheinungen derer Geister / welche viel unnütze und faul Geschwätz mit den Menschen gehalten / wie man derselbigen unterschiedene Exempel könte hinbey setzen / wann es die Noth dörffte erheischen. Mit 3. Worten zusagen: Es gehören hieher alle Gespenste / welche in geschwinder Eylt sich / nach dem sie erschienen / wieder verlieren. Dann er kan durch geschwind fertiger zerstaub- und gleich zumalmung der Elementarischen Cörper / sich eyligst den Augen der Menschen enthelen. Einen Unterscheid aber muß ich hie bemercken / welcher fürlauft / bey Erscheinung des Teuffels in einem todt verstorbenen Cörper / und wann er erscheint in einem Elementarischen. Ist er mit jenem bekleidet / so kan er solches[236] einem andern nicht umbthun / auch sie können kein anders / so lange sie also beschaffen / an nehmen: Dann es hindert solches die Eigenschafft des Leibes / denn wahre Leiber können nicht mit ihrer Dicke andere durch dringen / es geschehe dann durch Göttliche Krafft und Macht. Aber erschienen sie in einem Elementarischen Leibe / so können sie dasselbige einem andern Lebendigen umbthun / daß also ein Mensch einem andern Thier / oder einem grossen abscheuslichen Riesen ähnlich siehet. Solches bekräfftiget die Natur der Elementarischen Sachen / welche sich aus dehnen und zu sammen ziehen lassen. Hernach hat es sich auch befunden / wiewohl gantz seltz- und sparsam / daß der Teuffel in erdichteten Phantaseyen / und eingebildeten Verblendungen sich sehen lassen. Dieses zubeweisen / kan uns dienen / das Exempel / welches man[237] bey dem Thomas von Braband auff gezeichnet befindet. Derselbig zeuget / daß in Braband auff dem Günerhenischen Meyerhoff ein Jungergesell sich auffgehalten / welcher eine aus d' Nachbarschafft bekante Jungfrau lieb gewonnen / hat auch umb sie werben lassen: Wie aber ihre Eltern ihm dieselbige zu geben sich geweigert / ist die Jungfrau bald hernach in eine gefährlicht hitzige Fieber-Schwachheit gefallen / welche ihr auch so hart zugesetzet / daß sie daran todtes verfahren. Es entstehet hierüber bey den Eltern und Anverwandten eine grosse Trauer / die Todtes Glockē / werden den alt üblichen Gebrauch nach / geleutet. Der verstorbene ihr Liebhaber gieng eben umb dieselbige Zeit bey nächtlicher Schimmerung von demselbigen Hoff / und wolte sich zu einer andern machen / wie er nun immer für sich weg / durch ein dicks Gesträuch[238] gehen will / stöst ihm ein Weiblich wehmüthig winselende Stimme an die Ohren: Er lauffet und eylet derselbigen in grosser und sorgfältiger Emsigkeit nach / biß er zu letzt diese Jungfraue / die er vermeinete todt zu seyn / daselbsten liegen fand / hebet demnach zu ihr an (sich ermanet) und spricht: Die deinigen beweinen und betrauren dich / als eine todverblichene / wie kömstu dann hieher? Siehe / spricht sie: da gehet mein Wegweiser / der hat mich hieher geführet. Der Jüngling erstarret über diese Rede fast sehr / denn er sahe niemanden / denn sie gantz alleine / doch ermuntert er sich bald / nimbt sie getrost an / und führet sie bey Seite ins Hauß hinein. Hernach kombt er wieder heraus / redet mit seinen Freunden / gehet auch zu deren Eltern hinein / findet sie sambt beywesenden Freunden / bei dem Grabe traurig sitzen; nach abgelegten[239] Nachtgruß / hebet er zu ihnen an / und fraget: Ob sie ihm ihre Töchter zugeben gesonnen weren / wann er sie ihnen lebendig darstellete. Der Vater antwortet mit grosser Verwunderung / und spricht: Er werde ja kein Gott seyn / daß er sich unterwinde / seine verstorbene Tochter zuerwecken / und sie ihm zum Weibe nehmen. Der Jüngling spricht: Er solte hierinn unbekümmert seyn / und nur dürr heraus sagen: Ob er ihm seine Tochter nicht vorenthalten / wann er sie lebendig darstelle? Der Vater williget des Jüngling begehren / welcher auch alsobald / was er ausgelobet / zuwercke setzet. Dann / wie sie die leinen Tücher auffheben / darinnen sie vermeinten / daß die todte Tochter ruhete / haben sie ein solches Phantastisches Bild daselbst gefunden / sie aber / die Tochter / ist auch alsobald lebendig dem Vater zugeführet /[240] welcher sie frisch und gesund / nach wenig Tagen / dem Jüngling zugestellet / der auch in Ruh und Fried / mit ihr gelebet und zu gebracht hat. Wann ich aber mein hierüber tragendes Bedencken soll an den Tag gebē / unn aussagen / so vermeine ich / daß zwar / auff Gottes Zustattung / der Teuffel könne zubringen / aber ich halte dafür / der Jüngling sey des Teuffels Genoßschafft und Zunfftbruder gewesen / doch laß ich andern ihre freye Meinung.

Biß hieher gnugsam und zur Satsamkeit / von der Frage / ob die bösen Geister / und per consequens, der Rübezahl / mügligkeit habe einen Leib an zunehmen / und sich unsern Augen erkäntlich darzu stellen?

Jetzt folget weiter: In was für Gestalt sich denn Rübezahl anschauen lasse? So haben wir zwar oben hin und wieder schon allbereit. Davon[241] eines und das ander eingenommen: Damit aber die abgelassene Frage noch klärer möge beantwortet werdē / so wollen wir weiter vernehmen / was Henelius in Silesiogr. p.m. 6. davon redet: nostratibus saget er /) der Riebenzahl vulgo dicitur, qui variâ formâ & specie modò monachi Cuculli geri modò senecionis metallicorum more vestiti, mox equi generosi, iterum galli, corvi, ululæ, aut bufonis maximi secum conspiciendum offert, mirisque sæpè gestibus ea loca perlustrantibus illadere solet: tamen nulli unquam noxam aut damnum intulisse nisi prius cachinno, aut maledicto provocatus fuerit certo constat etc. Eadem habet quoque Schvvenckfeld in Siles. ante stirpes.

Bey dem Ælurio d.l. redet Schwenckfeld von warmen Bade etc. d.l. es also deutsch aus: Er lest sich[242] daselbsten vielmal in mancherley Gestalt sehen: jetzt als ein Bergmännlein / bald als ein Mönch (in einer Kutten) bißweilen als ein schön Roß / zu Zeiten als eine grosse Kröte oder Puhuy / und dergleichen mehr; wie die Bewohner für geben. ibid. Er thut niemands kein Leid; es sey denn / daß man seiner lache / spotte / und ihn zu sehen begere: da er sich denn in seiner schönen Gestalt prælentiren / und ihnen die Lust mit plötzlichen und unversehenen / erschrecklichen Wettern / Donner und Blitzen Hagel und Platzregen / manchmal ziemlich büssen solle. Biß hieher Schwenckfeld Schickfusius d.l. cap. 3. l. 4. pag. 12. saget fast eben dieses wiewol er noch eines und das ander hinzu thut / also: Es erscheinet aber dieser Hüter des Schatzes auff mancherley Art und Gestalt: einmal als ein Mönch in der Kutten / bald als ein altfressendes Bergmänlein[243] mit einer Bergkappen angethan / bißweilen als ein schönes Roß / zu Zeiten als ein sehr grosser Frosch und Kröte / oder aber wie ein Puh / Hahn oder Rabe / und füget keinem ein Leid / oder Schaben an; es sey denn / daß man seiner lache / ihm spotte / oder ja ihn zusehen begehre: Da præsentiret er sich in angenommener Gestalt / erreget bey hellen Himmel und stillen Wetter mit schrecklichen Donner und Blitzen / Hagel / Regen / Schnee / Frost: und büsset manchen seine Lust und Vorwitz; baß kein trockener Faden an ihm bleibet. Confer Opitium d.l.

Aus diesen allen erhellet / daß sich Rübezahl mehrentheils darstelle / entweder als ein


Rabe.

Uergifftete Kröte.

Bergmänlein.

Esel.

[244] Nacht Eule.

Zötigter Beer.

Alter Münch.

Hahn.

Geiß- oder Bockmann / s. Satyrus.

Edel Pferd.

Lasttragende Kuhe.


Von allen ist / wie gedacht / schon vorgelauffen: ohne von der Satyrischen Gestalt / da er oben wie ein Mann / unn unten wie ein Bock formiret sich darweisen soll; hievon ist zuwissen / daß dergleichen Gestalt zu finden ist in der neuen Schlesischen Landkarte / so vom Martino Helwigio Nissense auff gesetzet worden. Es kan auch allhier stat finden / was Fechnerus eben in seinen poemate de monte Giganteo gesaget / da er nemlich den Rübezahl gleichsam Monychum nennet / davon wir vorher etwas gesaget haben: Es ist aber noch weiter zu erinnern /[245] daß Monychus her kommen soll von μόνυξ, welches eben so viel ist / als lateinisch Solungulus: welches ein eigentliches Epitheton ist der Pferde; welche einen einigen und gantzen Huff haben so nicht gespalten ist: Danenhero es denn geschehen / daß sie denn Centauris solches Epitheton attribuiret haben; weil die Poeten in ihren fabulen ihnen Pferde-Füsse zueignen. Besiehe Carolum Stephanum in dictionario Georg. pag. m. 739.

Was sonst die Mönches Gestalt des Rübezahls anlanget / so zeuget davon auch unter andern Autor Magic oder der wunderbarlichen Historien von Gespenstern pag. m. 45. B. part. 1. edit. Dips. welchen wir in den folgenden Historien aus schreiben wollen. Es ist aber notabel, und sonderlich zugedencken daß dergleichen Mönches Gestalt / als wie dieser Rübezahl auch an sich nehmen[246] soll / in vielen Geschöpffen und Sachen habe befinden lassen / und noch heutiges Tages wohl vielleicht antreffen lasse. Als ist bewust / daß man Mönche gehabt haben an


1. Rupe.

2. Uegetabilibus etc.

3. Pisce.

4. Embryonibus.

5. Spectris.

6. Animalibus.

7. Lapide fissili.


1.

Daß Rupes monachi figuram habe / wie Scaliger de Subt. Exerc. 120. p.m. 377. redet bezeuget unter andern / aus dem Olao Magno l. 2. 6. 5. de gent. Sept. Henricus Korumannus in mente Veneris part. 76. p. 377. 378.


De Monte Monachô Norwegia.

Von dem Mönchs-Berg in Norwegen.[247]


Nicht fast weit von der Insel Fare / so der Stadtbergen gegen Westen liegt / ist ein grosser hoher Berg gelegen / heist der Mönch / denn er hat eins Mönchs Form und Gestalt: daselbsten ist ein sehr guter Meerhaffe / und alle so in solchen Ungewitter zu diesen Mönch kommen mit ihren Schiffen; werden von ihm tröstlich und sicher auffenthalten / und wehe denselbigen / so vom Gewalt des Ungewitters umb getrieben / diesen Mönch nicht erreichen mag: Darumb müssen die Schiffleute so der ungestümigkeit entfliehen wollen; allen Augenblick auff sehen und wachē / und allen ihren Fleiß / Kunst / Krafft / Arbeit und höchste Erfahrung dahin wenden; daß sie zu diesen Mönch / zu einen sichern Gestade / kommen mögen.

2. Ich weiß mich auch zu entsinnen / daß ich anderswo gelesen habe /[248] wie nemlich theils ein Fisch gefangen sey / theils ein Meer-Mann aus dem Wasser hervor geschwummen sey in Gestalt eins Mönchs.

3. Ferner habe ich auch nicht alleine gehöret / sondern auch gelesen daß an unterschiedlichen Gewächsen die Leute Mönchs Gestalten gefunden und gesehen haben.

4. Noch weiter ist auch nicht unbekant / daß irgendwo ein Weib ein monstrum geboren habe / in rechter Gestalt eines Mönches mit seiner Kutten angethan.

5. Daß ferner über Rübenzahlen / auch andere Gespenster manchmal sich in Münchs-Gestalt præsentiren; ist gleiches Falls kein unerhörtes zu dem so lieset man beym Agricola / und vielen andern aus ihn / daß in Bergwercken zu Anneberg einsmals sich dergleichen Mönch hervor gethā habe.[249]

6. Noch weiter ist auch aus dem monstrographis bewust daß einsmals ein Mönch mit der Kuhe zu thun gehabt habe / welche hernach einen leibhafften Mönchen zur Welt getragen.

7. Endlich lieset man heuffig / wie daß zu Manßfeld im Schieffersteine nicht allein Fische / Lutheri Bildnüß / Johannes der Täuffer / Cruzifixe etc. sondern auch eines Pabstes und gar eines Münchs Gestalt aus Steinen von Mater gemacht angetroffen sey worden. Daß also die Mönche weit an mehren Orten anzutreffen seyn / als etwan die Westphaler oder Schwaben. Ja was mehr ist es giebt unter den Thieren und allen Geschöpffen Mönchs-Larven / und das zu keiner Verwunderung; est enim Monachus.


[250] Moribus simia.

Oculis asper.

Nidore corvus

Arte vulpes

Corde lupus.

Hæresi polypus.

Voce asinus.

Superbia pavo.


Besiehe hievon den Rudolphum Hospinianum de orig. & progress. monach. & ord. monast. etc.

Bieß hieher von solcher Materie / nach welcher auch Rübezahl sich zum öfftern wie ein Mönch solle sehen lassen.

Daß er sich über den auch wie ein Rabe erzeuge; bezeuget nicht allein der Riebenzahl selbst / in dem er per anagramma ist ein Raben-Ziel: sondern auch die Historien: Als wie sich dergleichen vor drey Jahren begeben / da etliche Knaben auff dem Riesengebirge gewesen seyn / und dem[251] Rübezahl mit vielen Worten angeschrien und herfür gelocket haben: worauff alsbald sich ein Hauffen Raben über solche Knaden haben sehen lassen / so immer geschrien und hinter sie her geflogen seyn.

Und biß hieher von Mannigfaltigkeit der Gestalt des Rübezahls; welche auch andern unreinē Geistern nicht seltzam ist: Sintemal / nach Ignatium Martyrem, varius est & multiformis Dux ille omnis mali etc. vide ejus Epistolā ad Philipp, citatam apud Camerariū in op. succ. part. 1. c. 73. p.m. 38. was ist aber die Ursache / mögte einer fragen? hierauff antwortet Lutherus tom. 4. Jen. Ger. in cap. 1. Zach. p. 239. b. apud Waldschmitten in Pythonissa Enconc. 4. von Gespensten p.m. 507. Wie die Hertzen stehen; darnach schicken sich auch die Gesichte unn Offenbahrung.[252]

Es ist unter andern auch oben vorgefallen / daß etliche so lüstern gewesen / und noch seyn / daß sie den Rübezahl in seiner Gestalt zu sehen begehret haben / und noch wohl begehren: diese sollen wissen / oder von solchen ist zuwissen / daß ihr votum lange nit mit dem Augustino über ein stimme / oder solche Richtigkeit habe; als welcher aus bessern Grunde / und honesti desiderio zusehen gewünscht hat: Romam in flore, Paulum in ore & Christum in carne: Ja die Rübezahl Schauer sollen dieses vielmehr wissen und in acht nehmen was Scherertzius in libello consolatorio de spectris adm. 7. saget. Niemand soll die Gespenster des Teuffels zusehen begehren. Diese Vermahnung ist den Muthwilligen Leuten und fürwitzigen Gemüthern hoch nöthig; absonderlich aber den jungen Leuten so wohl Knaben als Mägdgen von welchen[253] etliche in der Nachtwache des Apostels Andre / des Herrn Christi Geburths / und Beschneidungs Festes / mitten in der Nacht zusammen / kommen / und bißweilen auch wohl ohne Liecht in finstern in einem gemache sich niedersetzen / und auff ein Gespenste warten: da sie etliche Gebetlein her zu murmeln pflegen / und da mit den Teuffel zu locken: Auch darneben entweder in Gottes oder des Heyligen Andreæ Nahmen bitten / daß sich doch ihr Liebster oder Liebste / damit sie künfftig in Ehestande leben sollen / in seiner eigen Gestalt und Kleidung præsentiren möge. Ja sie pflegen sich auch gantz rücklings nieder auff die Erden zulegen und nach dem Thure auff gethan / mit aus gestreckten Fäusten auff die Erden herumb krappeln / und Haare suchen / die von ihrer Liebsten Kopffe seyn[254] solle: oder sie pflegen auch aus einem Handbecken die Stimme ihrer Buhlen abnehmen wollen / und was der Narrenbossen mehr seyn / welche sie so gottloß fürnehmen.

Dieser Greuel ob er wohl ziemlicher Massen von dem Pfarrherrn bey uns durch GOTTES Wort aus den Gemüthern der Zuhörer hinweg gethan; Dennoch höret man leider mit Schmertzen / daß etliche dem Teuffelischen Aberglauben / und gefehrlichen Verwegenheit noch so sehr ergeben seyn / daß sie keines weges darvon mögen gebracht werden.

Es sind fürwar gar unterschiedliche klägliche Exempel verhanden / da der gerechte Gott solche heydnische Leichtfertigkeit und Kühnheit billich gestrafft[255] hat. Vnd obschon der Sathan / auf Verhängnüß Gottes / zum öfftern dergleichen närrische Leute ohne Schaden gehen lässet / und die begehrten Gestalten / zuwege bringet / allerhand gefärbte Haare in den Händen giebet; so thut er doch dieses zu dem Ende / daß er seinen Teuffelsdienst und Höllenwerck iemehr und mehr stärcke und auff die Beine helffe / die Hertzen der Menschen von der Furcht Gottes zur ewigen Verdamnüß verleite; Denn er handelt sich nicht viel drümb / ob er durch List und Finte / oder rechtmäßige Wege seinen Feind fälle. Den Haußvätern und Müttern willens also obliegen / daß sie auf ihr Gesinde wachsahme Augen haben; damit der liebe Gott durch dergleichen Alfantzereyen nicht zum Zorn möge gereitzet werden. Vnd weil man gar leicht ermessen kan / daß die jenigen / sie mögen auch seyn was[256] für Geschlechte sie wollen / welche mit solchen Händeln zuthun haben / leichtfertige Leute seyn mögen / die weder über ihre Ehre noch Keuschheit oder Zucht halten so haben sich dafür zuhüten die unschuldigen und frommen Seelen; damit sie nicht verführet werden. Denn böse Gesellschafften / können auch bißweilen heylige Leute verderben:


Corrumpunt etiam sanctos commercia prava.


Wie Palingenius aus dem Apostel Paulo ermahnet. Wie seyd ihr aber selbsten / ihr Haußmütter so toll und thöricht / daß euerer etliche selbsten die Töchter und Gesinde zum gedachten Aberglauben anreitzet? Kompt dieses eurem Ampte zu / da ihr wachsam seyn sollet? Ist dieses euer GOTtes Furch? Ziehet ihr also euere Kinder in der Furcht des HERRN auff?[257] Fürwar der gerechte Richter der lebendigen und der Todten / wird das verführte Blut euerer untergebner von euren Händen fordern. Es wird euch / und sonst andern zu schwer für fallen / die einmal bestrickten und vom Teuffel verführten Seelen zurechte zubringen. Wie werdet ihr bestehen für dem Richterstuel unsers Heylandes? Thut buße / und gebet weiters kein Aergernüß. Damit ihr nicht mit den eurigen verderbet / und ewig untergehet. Biß hieher Scherertius.

Quelle:
Praetorius, Johannes: DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII. Leipzig, Arnstadt 1662, S. 231-258.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII
DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII

Buchempfehlung

Strindberg, August Johan

Gespenstersonate

Gespenstersonate

Kammerspiel in drei Akten. Der Student Arkenholz und der Greis Hummel nehmen an den Gespenstersoirees eines Oberst teil und werden Zeuge und Protagonist brisanter Enthüllungen. Strindberg setzt die verzerrten Traumdimensionen seiner Figuren in steten Konflikt mit szenisch realen Bildern. Fließende Übergänge vom alltäglich Trivialem in absurde Traumebenen entlarven Fiktionen des bürgerlich-aristokratischen Milieus.

40 Seiten, 3.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Geschichten aus dem Sturm und Drang. Sechs Erzählungen

Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.

468 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon