Katzen Veits Vorrede.

Zu Monsieur Rübezahlen / findet sich ungereimt der Katzen-Veit welcher hiemit sich erhebet / und wegen seines Kammerradens / ietzund allhier des Autoris Unschuld mit Spieß und Stangen verfechten wil. Nemlich er hat mit Schmertzen vernommen / daß etliche hönische Tadeler sein Rübezahlisches-Werck verachtet und vernichtet haben / theils wegen Unvollständigkeit / theils auch wegen vermeinete Unwarheit. Beyden Lästerungen gebe ich Katzen-Veit allhier die Kloppe / und sage daß solche Närrische Leute und ungeartete censores vielmehr unvollkommen am Verstande / u. unwarhafftig am Urtel seyn. Je / mein Freūd / hastu was mehrers u. was bessers von gegenwertiger Materi; so gieb es immer herrauß; Et loquere ut te videam: imóvide ut tecum loquar; Si plus, aut melius novisti, lector amice, Candidus imperti: si non, his utere mecum! Daß die gantze Sache zwar in dem etwas unvollkommen sey / und wol nach ihm auch bleiben werde; weil nemlich der Berg-Geist von etlichen Seculis her mit den Leuten seinen Spaß gehabt etc. Und solches alles unbeschrieben geblieben ist; gestehet der Autor leichte / und mustu es auch in diesen Falle mit ihm bekennen / daß du es nach ihm ebenmäßig unvollkommen verlassen must; ob du gleich noch einen gantzen Folianten hinzu thun köntest: So würdestu doch damit des Rübezahls seine Gauckel-Tasche nicht ausgeleeret haben: Ja du wirst nicht der Mann seyn / der allein die Eyer (wie man kurtzweilet /) außnehmen soll: Eleusis sibi semper aliqvid reservat, qvod revilentibus ostendat. Was den Vorwurff der begangenen Lügen anlanget / so beweise und überzeuge den Autorem der Mißhandlung. Du sagest; es stehen viel falsche und erdichtete Fratzen drinne: Und solches redest du aus Unverstand unn Unwissenheit; nur weil dir nicht alles bewust und wiederfahren ist. Höre hiervon eine merckliche Antwort. Vergangen sagte auch ein Rasen-weiser Tölpel; ich habe den Rübezahl gelesē / und habe unterschiedliche Lügen drinne gefunden: Hingegen ist solches auch unter andern drinne ausgelassē / was mir selber von Rübezahl wiederfahren ist; nemlich diß und das. Denselben Laßdünckel trieb ich also rechtschaffen ein; nemlich ich sagte und fragte von ihme! Ey mein Kerl / wer ist dabey gewesen / wie dir solches wiederfahren ist? Er sprach / ia, alleine. Ich antwortete / so ist es auch mehrentheils mit den Vorigen / und von dir zur Unbilligkeit verworfenen Historien bewandt Nemlich / es ist andern eintzeln Leuten / theils dieses /theils jenes begegnet / da du auch nicht darbey gewesen bist; welches sie aber dennoch so wol haben können beglauben / als du nimmermehr das deinige itz und. Er antwortete: Ey mein Blut / hole mich der Teuffel! ich kan drauff schweren / dz ich nicht lüge. Ich schieb wieder in seinen Busen; O guter Freund /das haben die andern auch alle können thun / wie sie es denn auch / der Warheit zu steuer / unveranlasset gethan haben; die dem Autori das ihrige theils schrifftlich / theils mündlich communiciret haben. Warumb wilstu also das selbige verwerffen / wobey du nicht gewesen bist. Gedencke wie es dir gefallen würde / wenn ein ander deine gethane Relation verdächtig und verächtig machete; weil er nicht persönlich darbey gewesen were: Was du nicht wilt daß dir die Leute thun sollen / das thue du ihnen auch zuvor und wieder nicht: Und gedencke nur / daß die übrigen angenehmen Geschichte und Gesichte (welche du nennest Gedichte /) so gewiß andern Leuten wiederfahren seyn; als dir deine eigene Erfahrung. Du must viel Dinges glauben / was du nicht klauben kanst: Experto crede Ruperto (denn also wollen auch etliche den Rübezahl nennen / wie mich allhier ein Gärtener berichtet hat) Non Lügmerto. Wilstu aber etwan eine und die andere Historie derentwegen verwerffen; weil sie dir zu schnakisch / zu kunterbund / zu unglaublich /zu unmüglich / etc. fürkömpt? so gedencke nur / daß einmal gewiß sey / daß es dem Berggeiste am Mittel nicht fehle / allerhand unvermuthliche Sachen ins Werck zu setzen: Und weissestu gleich die Mügligkeit nicht / so ist sie ihme / als einem alten Physico-Practico nicht verborgen / und wil es dir dennoch nicht zu Kopffe; so packe dich selber auffs Riesen-Gebürge hin / da wirstu es wol innen werden / was des Berg-Gottes seine curiosa physica betrifft / und was er / als ein Tausend-Künstler und Million-Meister vollbringen könne. Und bißher die erste exvesperation: Drauff folget die andere Ausfensterung / so noch andere Maußköpffe betrifft. Nemlich es lassen sich etliche verlauten / der Rübezahl werde den Autorem putzen / daß er so viel Dinges von ihm schreibe. Habe ich die vorige Feindseligkeit mit Spiessen und Stangen verfochten; so muß ich Katzen-Veit diese Albertät mit Taßecken und Flegeln kloppen und dreschen / und immer getrost mit drein singen: Du Narre / du Narre! Warumb lestu dich nit putzen? Oder bistu endlich schön gnug geputzt; so gönne doch dem garstigen Autori auch eine geringe Zierat: Weil ihn ja niemand putzen noch schmücken wil / als sein eigener unverdrossener Fleiß: Und weil es auch dieser nehrlich oder schwerlich thut; also / daß er nolens volens für gut halten muß / was jener saget; nemlich Forma viros neglecta decet: so wehre / du Neidhund / doch dem Rübezahl nicht / wenn er ungefehr dem Autori eine Putzung und Außschmückung zurichtete: verstehe aber eine solche / damit er sich ehrlich behelffē möchte / und nicht dürffte schimpffen lassen. Und warumb solte er solches gut nicht verschuldet / und auff erwiesene Wege sich nicht bey ihm wol verdienet gemacht haben? Hat er doch den Rübezahl nicht anders als einen Dæmonem Spendanem, admirabilem und injuriarum Vindicem proponiret: Er hat ihn weder vor einen Schelm / noch vor einen Dieb gescholten / wie etwan die gethan haben / so er auff verdiente Art und Weise grausam mit genommen hat; indem er ihr loses Maul nicht unbillich gestopffet. Hierzu weiß sich aber der Autor im geringsten nicht schuldig; sondern saget nochmaln / daß er eines auffrichtigen Historici Ampt vertreten / und dafür eine tüchtige Belohnung verdienet habe. Ja er thut noch ferner hinzu / daß er sich so wol verschuldet habe /sonderlich im nachfolgendē Jahre / welcher auff Römische und Cabalitische Art zu rechnen / aus diesen neuen Titul seines Wercks zu ergründen ist; welcher also lautet;


PrætorIana DæmonoLogIa RVbezaLII ELIsII.

seu

PRAETORIANA

60. 80. 1. 5. 100. 50. 80. 9. 1. 40. 1.

DAEMONOLOGIA

4. 1. 5. 30. 50. 40. 50. 20. 50. 7. 9. 1.

RVBEZALII

80. 200. 2. 5. 500. 1. 20. 9. 9.

ELIISII

5. 20. 9. 9. 90. 9. 9.

Summa 1662.


Und also wirstu gewahr / daß sich der Autor in keinem Falle scheuet / seinen Namen und datum zur Sache zugeben: Gib du ihme nur einen danckhab darfür; so ist er schon zufrieden: Wenn ja deine Filtzigkeit kein mehrers vermag. Wird nun der Autor also drauff erfahren; daß seine / so weither / angewandte Mühe angenehm gewesen; so erbeut er sich auch die versprochenen schrifftlichen Sachen (derer Erwehnung geschehen in Außgange des andern Rübezahlischen Theils:) zu befördern / und ans Tage-Liecht zu bringen. Ja über solche materien, hat er auch eine extraordinar-schöne Wochen-Comœdie zu Pappier gebracht; die er den gönstigen Leser auffs eheste zu liefern vor alle andern beflissen ist: Und über allen diese Schnacken / ist er itzt hinter die Braut-Suppen gerathen; so zu Leipzig unn anders wo mögen gekochet seyn: derer er leichtlich bey 165 in Bereitschafft hat /so er mit zimblicher Mühe / nach seiner Curiosität /zusammen schreiben lassen und / die Lustigkeit zubefördern / nicht lange hernach hervor geben wil: So ferne sich nur ein guter Verleger anbeut! Indeme es ein Werck von vier Alphabethen dürffte werden; und vor sich ein kurtzweilige Præfation, hinder sich aber Zwey außführliche Register aller cotentirten Schwäncke hält. Ja er verheißet an diesen Braut Suppen einen solchen Sinnreichen und erlustierenden Schatz; als ie am Poßierchen Büchern eins in Druck gekommen Fürwahr es werden auff allen Seiten und Blättern in grosser Menge die Grillen hüpffen und tantzen: Ja es wird dem Leser eine solche Anmuthigkeit durch zustanckern erweckē: als seine Lebe-tage der Amadis nicht hat thun können: unangesehē / ob man gleich davon zureden weiß; daß wer das gedachte Liebes-Buch einmahl in die Fäuste bekommen / nicht habe könnē zulesen aufhören; er sey dennmit allen Theilen fertig gewesen. Hie wird man allererst innn werden; was Venus unn Cupido vor Gäste seyn: und in wieviel tausenderley Gestalt sie sich vermummen können. Da wird man recht lernen / wie eine Braut zu schurigeln sey: wie man auff Hochzeiten sich ergötzen / und in Liebesschertzen paratragœdiren könne. Davon im bevorstehenden opere in grossem Uberfluß und Mannigfaltigkeit. Erwarte solches mit unnachläßlichen Verlangen; Du wirst traun nicht vergeblich thun; So ferne du ein Lepidum caput bist / und die Melancholey aus deinen Capitolio zu religiren Anlaß und Fug suchest. Schleuß auch in solchen deinen Verlangen und Bücher-Geitz nochmahlen meine promittirte Weiber Philosophi: Deren erster Theil schon zu lesen ist / mit dem Titul: Philosophia colûs. Doch wisse / daß solches Stückgen nicht das gantze Werck absolvirt / ob es schon den Namen des gantzen hat: sondern es müssen dergleichen centurien noch bey Ein und Zwantzig erfolgen / und eintzeln zusammen erwartet werdē. Weiter hastu auch im Buchladen zuerfragen / meinen Kriechenden Wandersmann unter der Erde: drinnen allerhand verwunderliche Geschichte und Verrichtungen von Wasser-Nixen unn Berg-Männern anzutreffen / so man ie lieset und höret. Was davon zu halten / wirstu drinnen verständiget aus sehr vielen Scheifften und Discursen: dergleichen Opusculum noch vor diesen nicht ans Tage-Liecht gekommen: sondern in der dunckelen Nacht verborgen geblieben. Endlich so verspreche ich dir auch hiermit eine Podoscopiam: da man auch auß den Lineamenten der Füße so viel præstiren und ergreiffen mag; als aus den Händen oder Chiromantia: welches gleichfalls ein Werck ist mit vielen Holtzschnitten oder Stöcken / Philologicè und Magicè obtractiret; daß der tausende noch nicht gesehen hat; Ich geschweige /daß dergleichen Divinatoria disciplina vor diesen im Drucke solle gewesen seyn: ungeachtet / ob man den Titul gleich hin und wieder bey den Autoribus antrifft: Aber die Sache soll nunmehr auch auff den Schauplatz der Welt geführet werden. Vale: Datum Leipzig Anno 1662. den 22. Julii.


O Bären-HäVter Laß MICh zV FrIeDen.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Des Rübezahls Dritter und gantz Nagel-neuer Historischer Theil. Leipzig, Arnstadt 1673.
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